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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 27. Dezember 2012

KINO-JAHRESBILANZ 2012

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es Zeit für meinen persönlichen Kino-Jahresrückblick samt Top20, Flop5 und meinen "Best Guilty Pleasures". In die Wertung kamen alle Filme, die ich im Kalenderjahr 2012 im Kino gesehen habe – abgesehen von der 3D-Wiederveröffentlichung von "Titanic" und meinen Kinobesuchen im Rahmen des Fantasy Filmfests im September. Sofern die dort gezeigten Werke nicht (wie "Beasts of the Southern Wild") später im Jahr eine reguläre Kinoauswertung in Deutschland erfahren haben, werde ich sie lediglich in einer kleinen Extra-Liste berücksichtigen. Da es sich bei meiner Jahresbilanz um rein subjektive Listen handelt, müssen die Ranglisten nicht exakt mit meinen Wertungen in den Rezensionen übereinstimmen – es geht am Beispiel der Top20 eher um meine persönlichen Lieblingsfilme des Jahres als um die tatsächlich besten. Doch damit genug der Erläuterungen, hier sind meine Top20 mit Links zu den Rezensionen und kurzen Kommentaren:

Mit seiner herrlich skurrilen und sensationell gut besetzten Außenseiterballade über die Suche nach einem ausgebüxten Pfadfinder, der zum ersten Mal verliebt ist, hat sich Regisseur Wes Anderson selbst übertroffen. Kein Film für jeden Geschmack, aber wer offen für Andersons Humor ist, für den ist das "Moonrise Kingdom" einfach magisch!

Der wohl emotionalste Bond-Film aller Zeiten ist auch einer der besten in der 50-jährigen Geschichte der Reihe. Unter der Regie von Sam Mendes und dank eines starken Drehbuchs entspinnt sich zwischen James Bond und seinem diabolischen Gegenspieler Raoul Silva ein spannendes und sehr persönliches Duell mit zahlreichen Höhepunkten – und so ganz nebenbei werden geschickt wichtige Weichen für die Zukunft der Reihe gestellt ...

Peter Jacksons Tolkien-Prequel erreicht entsprechend der literarischen Vorlage niemals die epische Wucht seiner "Der Herr der Ringe"-Trilogie. Doch die gewohnt detailverliebte Adaption begeistert vor allem Mittelerde-Fans mit einer ebenso ausführlichen wie stimmungsvollen Einführung in die aufregende Geschichte des Hobbits Bilbo Beutlin, die in den beiden Fortsetzungen erst so richtig Fahrt aufnehmen wird.

4. "Hugo Cabret" (3D)
Martin Scorseses mit fünf OSCARs ausgezeichnete Kinderbuchverfilmung ist zu gleichen Teilen phantasievoller Abenteuerfilm und liebevolle Hommage an die Anfänge des Mediums Film. In Sachen 3D-Einsatz die Referenz neben "Avatar" und "Life of Pi".
Christopher Nolans dramatisches Finale seiner Batman-Trilogie erreicht zwar leider nicht die Genialität des Vorgängers "The Dark Knight", bringt die Geschichte des kultigen Comichelden aber zu einem runden und hochemotionalen Abschluß.

Stephen Chboskys formal unspektakuläre, aber inhaltlich meisterhafte Adaption seines eigenen bittersüßen Briefromans ist einer der besten Coming-of-Age-Filme der letzten Jahrzehnte und wird hoffentlich den Weg für große Karrieren der drei fabelhaften Hauptdarsteller Logan Lerman, Emma Watson und Ezra Miller ebnen.

Joss Whedon hat mit dem temporeichen Zusammentreffen der beliebtesten Marvel-Superhelden Iron Man, Hulk, Thor und Captain America perfektes Popcorn-Kino geschaffen – ohne größeren Anspruch, aber mit einem geradezu unverschämt hohen Unterhaltungswert.

Dieser etwas andere Tierhorrorfilm glänzt mit einem unerwartet ernsthaften existentialistischen Handlungsansatz, einem großartigen Hauptdarsteller Liam Neeson und einer hoch spannenden Inszenierung, die die Bedrohung durch die ihr Revier verteidigenden Wölfe Alaskas beinahe greifbar werden läßt.

George Clooney brilliert in dieser gefühlvollen Tragikomödie als fürsorglicher Familienvater, dessen Welt zusammenzubrechen droht, als er erfährt, daß seine nach einem Unfall im Koma liegende Ehefrau eine Affäre hatte.

Ein herrlich altmodischer Gothic-Grusler mit "Harry Potter"-Star Daniel Radcliffe als verwitweter Anwalt, der in einem herrschaftlichen Anwesen in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem rachsüchtigen Geist konfrontiert wird. 

Der Film aus der Feder von Joss Whedon beginnt als klassischer Reißbrett-Teeniehorror, entwickelt sich in der rasanten zweiten Hälfte aber zu einem der einfallsreichsten und besten Genrebeiträge seit Jahren. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß dieser unerwartete Handlungsverlauf das Publikum polarisiert.

12. "Gefährten" 
Steven Spielbergs betont altmodisch im Stil eines John Ford inszeniertes Epos über die Erlebnisse eines Pferdes im Ersten Weltkrieg ist vielen Kritikern zu episodenhaft und rührselig geraten. Doch wer schon immer mal einen neuen schwelgerischen Abenteuerfilm wie aus der Goldenen Ära Hollywoods sehen wollte, der ist hier genau richtig.
Der auch für mich selbst unerwartetste Film in meinen Top20 ist eine recht derbe, dabei aber ungemein sympathische und sehr witzige Buddy-Komödie, deren ausgeprägte Selbstironie in einem herrlichen Gastauftritt von Johnny Depp ihren Höhepunkt findet.

Nicht jede der sechs Episoden dieser ambitionierten Literaturverfilmung funktioniert gleich gut, doch die intelligente Handlung, das starke Schauspieler-Ensemble um Tom Hanks und Halle Berry sowie die handwerkliche Meisterschaft machen diesen teuersten deutschen Film aller Zeiten zu einem echten Kinoerlebnis.

15. "The Artist" 
Daß Michel Hazanavicius' schwarzweiße Stummfilm-Hommage den OSCAR für den Besten Film des Jahres 2011 gewann, halte ich angesichts gewisser dramaturgischer Schwächen zwar für übertrieben. Zweifellos ist dem französischen Filmteam aber eine sehr charmante und toll gespielte Rarität in der heutigen Filmlandschaft gelungen.

16. "Argo" 
Ben Afflecks geradliniger Thriller über die heimliche CIA-Rückholaktion von sechs nach der Islamischen Revolution im Iran in der kanadischen Botschaft festsitzenden US-Diplomaten wirkt mitunter etwas sehr konstruiert, besticht aber mit einem gut ausbalancierten Spannungsbogen und einem generell hohen Unterwaltungswert.
Die Geschichte eines frustrierten querschnittsgelähmten Millionärs, der durch die Lebensfreude seines sehr direkten und respektlosen neuen Pflegers, des dunkelhäutigen Kleinkriminellen Driss, selbst wieder zurück ins Leben findet, ist alles andere als arm an Klischees. Dank der warmherzigen Inszenierung und der beiden wunderbar hamonierenden Hauptdarsteller François Cluzet und Omar Sy wird "Ziemlich beste Freunde" aber durchaus zurecht als einer der erfolgreichsten Wohlfühlfilme aller Zeiten in die Geschichte eingehen (alleine in Deutschland sahen ihn fast neun Millionen Menschen in den Lichtspielhäusern).
Hätte Regisseur Joe Wright den Einfallsreichtum der ersten Hälfte seiner stilisierten Adaption des Romans von Leo Tolstoi bis zum Ende durchgehalten, würde sich "Anna Karenina" auf jeden Fall in meinen Top10 befinden. Doch trotz der im Handlungsverlauf immer konservativeren Inszenierung ist diese prachtvoll ausgestattete Neuverfilmung der tragischen Geschichte einer selbstzerstörerischen Liebe nicht zuletzt aufgrund der leidenschaftlichen Darstellung durch Keira Knightley und Jude Law absolut sehenswert. Zudem gibt es einen verdienten Sonderpreis für das beste Filmplakat des Jahres.
Daß Rian Johnsons intelligenter und wendungsreicher Zeitreise-Actionthriller mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis und Emily Blunt es gerade noch so in meine Top20 schafft, belegt die ungewöhnlich hohe Qualität des Kinojahres 2012.
Ang Lees metaphernreiche Bestsellerverfilmung über einen indischen Teenager, der sich nach einem Schiffsunglück mit einem bengalischen Tiger in einem Rettungsboot wiederfindet, verliert sich phasenweise zu sehr in recht trivialen religionsphilosophischen Betrachtungen, hat dafür aber eine grandiose Optik und Akustik zu bieten.

Lobende Erwähnungen:

Damit zu meinen Flop5, also den fünf aus meiner Sicht schlechtesten Filmen, die ich 2012 im Kino gesehen habe:
Nach dem gelungenen ersten Teil ist die Fortsetzung des neuen Regisseurs und Autors Michael J. Bassett ein wahres Desaster, in dem fehlendes Timing, eine quasi nonexistente Figurenzeichnung und unsinnige Handlungsänderungen gegenüber der Spielevorlage höchst ungut zusammenwirken.
Zu dieser Komödie über ein Ehepaar, das nach beruflichen Rückschlägen in einer Art Hippie-Kommune einen Neuanfang versucht, muß man eigentlich nur ein Wort sagen: Langweilig.
Optisch vom ehemaligen Werbefilmer Rupert Sanders sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt, enttäuscht die Neufassung des Märchens von Schneewittchen trotz guter Besetzung mit einer lahmen Story, unglaubwürdigen Dialogen und blassen, langweiligen Charakteren.
Die Nennung dieses Festival- und Kritikerlieblings in meiner Flop-Liste ist sicherlich meine kontroverseste Entscheidung, doch ich bleibe bei meiner seit Monaten vertretenen Meinung: Das rührselige Low Budget-Sozialdrama mit fantastischen Elementen ist zwar gut gespielt und hat einen sehr atmosphärischen Soundtrack zu bieten, doch inhaltlich ist es in meinen Augen der am stärksten überbewertete Film des Jahres.
Eigentlich bin ich ein Fan von Tim Burton, doch mit dieser kunterbunten, aber belanglosen TV-Serien-Adaption hat sich der Regisseur trotz toller Besetzung keinen Gefallen getan.

Damit zu den "Best Guilty Pleasures". Gemeint sind Filme, die zwar objektiv betrachtet nicht wirklich gut sind, mir aber trotzdem großen Spaß gemacht haben:
Der erste Film war Mist, aber die Fortsetzung entwickelt unter der souveränen Regie des Actionspezialisten Simon West ungeahnte Qualitäten in Sachen Action und Selbstironie. Wen interessiert schon die dämliche Alibi-Story, wenn man Chuck Norris erleben darf, wie er einen Chuck Norris-Witz erzählt?
Streng genommen ist der vierte Film um die einstige Schüler-Außenseiterclique nicht viel mehr als ein Aufguß der Vorgänger, der zudem die Handlung des dritten Teils weitgehend ignoriert. Doch wer mit den herrlich naiven sexuellen Abenteuern von Jim, Stifler und Co. aufgewachsen ist, dem bereiten sie auch noch als nur unwesentlich erwachsener gewordene Mittdreißiger viel Freude.
Wie bei allen Filmen der Reihe ist auch hier die extrem dünne Story Nebensache, dafür brennt B-Movie-Regisseur Paul W.S. Anderson vor allem im ersten Drittel dieses fünften Teils ein wahres 3D-Actionfeuerwerk ab. Und Milla Jovovich hat als weibliche Kampfmaschine auch noch nichts von ihrem Reiz verloren.
Von einem filmischen Meisterwerk ist auch Tarsems kindgerechte, knallbunte Schneewittchen-Variante weit entfernt, doch im Gegensatz zum grimmigen "Snow White and the Huntsman" bieten die Slapstick-Sequenzen von "Spieglein Spieglein" und Julia Roberts als böse Königin wenigstens einen hohen Unterhaltungswert.
Das finnische Nazis-auf-dem-Mond-Spektakel ist eine unglaubliche Trashgranate mit ziemlich zweifelhaftem Schenkelklopferhumor – doch die Spezialeffekte dieser Low-Budget-Produktion sind beeindruckend und in der temporeichen zweiten Filmhälfte wird die Angelegenheit sogar richtig spaßig.

Abschließend meine Top3 der besten Fantasy Filmfest-Werke des Jahres 2012:

Eine bittersüße Vater-Tochter-Geschichte über zwei Profikillerinnen mit Vaterkomplex, die mit herrlich durchgeknalltem Humor, rasanten Actionsequenzen, melancholischen Dialogen und den Darstellern James Gandolfini, Saoirse Ronan und Alexis Bledel begeistert.

2. "Eva"
Das leise spanische Science Fiction-Drama über einen von Daniel Brühl verkörperten Roboterkonstrukteur überzeugt mit einer gefühlvollen Geschichte und einem gelungenen Zukunftsdesign.

In einer gerechten Welt würde Matthew McConaughey für seine grandiose Darstellung des skrupellosen Polizisten und Gelegenheitskillers Joe in William Friedkins abgründigem und von tiefschwarzem Humor durchzogenen White Trash-Thriller eine OSCAR-Nominierung erhalten.

Fazit:
Wie bereits erwähnt: 2012 war ein außerordentlich guter Kinojahrgang. Zwar fehlte für meinen Geschmack ein absolutes Mega-Highlight, aber die Anzahl der guten bis sehr guten Filme ist absolut beeindruckend. Im Grunde genommen hätte ich die Liste ohne größeren Qualitätsverlust sogar auf 30 Filme erweitern können.
Vor allem das englischsprachige Kino hat sich dieses Jahr offenbar sehr viel Mühe gegeben, denn bis auf zwei französische Werke und den deutschen (aber ebenfalls englischsprachigen) "Cloud Atlas" stammen meine kompletten Top20 aus den USA oder aus Großbritannien. Erfreuliche 14 Plazierungen auf meiner Bestenliste nehmen Originalfilme ein, dazu kommen drei Fortsetzungen, zwei Remakes bzw. Neuverfilmungen (die TV-Serien-Adaption "21 Jump Street" mitgezählt) und ein Prequel. Nachdem es 2011 nur ein 3D-Film in meine Top15 geschafft hat ("Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 2"), sind es diesmal bereits drei (vier in den Top20).

Bleibt zu hoffen, daß das Kinojahr 2013 ähnlich ertragreich wird. 

Nachtrag vom 29. Dezember 2012: Erwähnen sollte ich noch, daß zwei Filme, die ihren regulären deutschen Kinostart Anfang 2012 feierten, nur deshalb in meiner Bestenliste fehlen, weil ich sie bereits in Previews im Herbst 2011 sah: "Drive" und "Dame, König, As, Spion". Beide waren dafür Bestandteil meiner Top10 des Jahres 2011 (Platz 4 respektive Platz 8).

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