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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Dienstag, 28. Januar 2020

THE IRISHMAN (2019)

Regie: Martin Scorsese, Drehbuch: Steven Zaillian, Musik: Robbie Robertson
Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Stephen Graham, Harvey Keitel, Domenick Lombardozzi, Bobby Cannavale, Ray Romano, Anna Paquin, Kathrine Narducci, Jack Huston, Stephanie Kurtzuba, Jesse Plemons, Gary Basaraba, Paul Herman, Marin Ireland, Sebastian Maniscalco, Lucy Gallina, Welker White, Steven Van Zandt, Paul Ben-Victor
 The Irishman (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 96% (8,8); weltweites Einspielergebnis: $1,0 Mio.
FSK: 16, Dauer: 209 Minuten.
Als der irischstämmige Lastwagenfahrer Frank Sheeran (Robert De Niro, "Silver Linings") im Philadelphia der 1950er Jahre angeklagt wird, weil er einen Teil der Ladung illegal an die örtliche Mafia verkauft hat, vertritt ihn vor Gericht der Gewerkschaftsanwalt Bill Bufalino (Ray Romano, "The Big Sick"), der prompt einen Freispruch erwirkt. Was Frank nicht ahnt: Bills Cousin ist der einflußreiche Mafia-Boß Russell Bufalino (Joe Pesci, "Lethal Weapon 2"), dem er Frank nach dem Sieg vor Gericht vorstellt. Russell ist angetan von Frank und wird zu seinem Mentor. Da der Kriegsveteran Frank alle Befehle klaglos ausführt – selbst Morde – schafft er einen raschen Aufstieg in den Rängen der Mafia und erhält schließlich einen prestigeträchtigen, langfristiger ausgelegten Auftrag: Er wird zum Leibwächter des mächtigen und eng mit dem organisierten Verbrechen verbandelten Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino, "Once Upon a Time in … Hollywood"). Frank und der hitzköpfige Jimmy verstehen sich gut und werden bald zu engen Freunden, ihre Familien verbringen ebenso viel Zeit miteinander; speziell Franks Tochter Peggy (als Erwachsene: Anna Paquin, "Trick 'r Treat") hat ein inniges Verhältnis zu ihrem Lieblings-Onkel Jimmy. Doch als im Jahr 1960 John F. Kennedy zum US-Präsidenten gewählt wird und seinen Bruder Robert (Jack Huston, "Hail, Caesar!") zum Generalstaatsanwalt ernennt, nimmt sich dieser – obwohl JFK bei der Wahl aktiv von der Mafia unterstützt wurde – das organisierte Verbrechen und ganz speziell Jimmy Hoffa vor, was diesem letztlich eine mehrjährige Haftstrafe einbringt. Als Jimmy wieder freikommt, will er "seine" Gewerkschaft natürlich zurück, doch seine Nachfolger Frank Fitzsimmons (Gary Basaraba, "The Accountant") und Tony Provenzano (Stephen Graham, "Rocketman") denken gar nicht daran, ihre Macht abzugeben – und auch der Mafia wird Jimmys erratisches Verhalten zunehmend lästig. Kann Frank seinen Kumpel davon überzeugen, sich zurückzuhalten, bevor etwas Schlimmes passiert?

Montag, 27. Januar 2020

OSCAR-News-Roundup: "1917" festigt seine Favoritenstellung, Netflix räumt bei den Annie Awards ab

An diesem Wochenende gab es drei weitere wichtige Preisverleihungen auf dem Weg zu den OSCARs: die von der Regisseursgilde verliehenen DGA Awards, die USC Scripter Awards für Romanadaptionen und die Annie Awards für Animationsfilme.

Am interessantesten für die OSCAR-Königskategorie "Bester Film" ist das Ergebnis der DGA Awards - dort wurde Sam Mendes für "1917" als bester Regisseur ausgezeichnet, was den Erfolgslauf des Kriegsdramas in den letzten Wochen bestätigt und den Eindruck verfestigt, daß sowohl der Film selbst als auch Mendes in der Regie-Kategorie der Academy Awards aktuell die Nase vorn haben. Für Martin Scorsese ("The Irishman") und Quentin Tarantino ("Once Upon a Time in ... Hollywood") ist es hingegen eine Niederlage, vor allem für Scorsese und "The Irishman" sieht es nach zahlreichen Mißerfolgen in der letzten Zeit nicht mehr richtig gut aus. Das kann man von "Parasite"-Regisseur Bong Joon-ho nicht behaupten, der zwar bei den DGA Awards nicht seine Rolle als Geheimfavorit bestätigen konnte, aber trotzdem weiterhin gut im Rennen ist. Nach meinem Empfinden sieht die Favoriten-Rangfolge für die OSCARs aktuell folgendermaßen aus: Mendes vor Tarantino (der davon profitieren könnte, daß er zwar zwei Mal für Drehbücher geehrt wurde, aber noch nie als Regisseur), Bong, Scorsese und Todd Phillips ("Joker") - wobei ich selbst Phillips nicht für völlig chancenlos halte, da diese Kategorie sich insgesamt ungewöhnlich offen präsentiert.

Bei den angesehenen USC Scripter Awards (seit 1988 von der Universität von Südkalifornien vergebe) gewann Greta Gerwig für "Little Women" den Preis für das beste adaptierte Skript - ein wichtiger Triumph, denn bei den OSCARs gilt eigentlich Steven Zaillians Drehbuch für "The Irishman" (das auch für den USC Scripter Award nominiert war) als favorisiert. Für eine sogar noch größere Überraschung sorgten die Ergebnisse der Annie Awards für Animationsfilme, denn die beiden auch für den Academy Award nominierten Netflix-Produktionen "Klaus" und "Ich habe meinen Körper verloren" gewannen sowohl die wichtigsten als auch insgesamt die meisten Preise. Der spanische Weihnachtsfilm "Klaus" wurde trotz hochkarätiger Konkurrenz mit dem OSCAR-Topfavoriten "Toy Story 4", dem Golden Globe-Gewinner "Mister Link" und den beiden Mega-Blockbustern "Die Eiskönigin II" und "Drachenzähmen leicht gemacht 3" mit dem Hauptpreis für den besten Animationsfilm des Jahres ausgezeichnet, während der französische "Ich habe meinen Körper verloren" den Preis für den besten Indie-Animationsfilm gewann und sich dabei u.a. gegen den japanischen Hit "Weathering With You" durchsetzen konnte. Mit sieben Annies errang "Klaus" die meisten Preise und schaffte das Kunststück, alle Kategorien, in denen er nominiert war, auch zu gewinnen - insgesamt gingen übrigens sogar 19 Annies an Netflix (das auch im TV-Bereich mit "BoJack Horseman", "Tuca & Bertie" und "Love, Death & Robots" sehr gut vertreten ist). Nachdem der vermeintlich sichere OSCAR-Gewinn von "Toy Story 4" bereits durch den überraschenden Golden Globe-Triumph von "Mister Link" in Zweifel gezogen wurde, sorgt der großflächige Annie-Triumph von "Klaus" für noch mehr Offenheit in der Animationsfilm-Kategorie. Ich tippe trotzdem weiterhin auf "Toy Story 4", aber es wird auf jeden Fall eine der spannendsten Kategorien der diesjährigen OSCAR-Verleihung werden, die am 9. Februar stattfindet.

Quellen:

Samstag, 25. Januar 2020

Samstags-Update (4/2020)

Keine nennenswerten Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Februar:


Box Office-News:
Die Actionkomödie "Bad Boys for Life" zeigt sich nach ihrem starken Start auch am zweiten Wochenende standhaft und behält mit einem überschaubaren Rückgang auf ungefähr 300.000 Zuschauer die Spitzenposition in den deutschen Kinocharts. Platz 2 geht an Til Schweigers Komödie "Die Hochzeit", die mit ungefähr 200.000 Besuchern auf dem Niveau des Vorgängers "Klassentreffen" (knapp 195.000) eröffnet. An seine besten Zeiten mit Filmen wie "Kokowääh", "Keinohrhasen" oder "Honig im Kopf" reicht Schweiger damit bei weitem nicht heran, jedoch dürfte auch "Die Hochzeit" unter dem Strich ein ordentlicher Erfolg werden. Den dritten Rang belegt das Kriegsdrama "1917", das weiterhin von den starken Kritiken und den zehn OSCAR-Nominierungen profitiert und nur leicht auf ca. 150.000 Besucher verliert. Drei weitere Neustarts bewerben sich um die beiden letzten Plätze in den Top 10: Die sechsfach OSCAR-nominierte Kriegssatire "Jojo Rabbit" mit Scarlett Johansson, der deutsche Fantasy-Jugendfilm "Die Wolf-Gäng" nach einem Roman von Wolfgang Hohlbein und die Naturdoku "Das geheime Leben der Bäume" nach dem Bestseller von Peter Wohlleben zielen auf je mindestens 50.000 Zuschauer ab. Das ist für das gesamte Trio kein schlechter Auftakt, speziell der sehr breit gestartete "Die Wolf-Gäng" und "Jojo Rabbit" hätten sich aber sicher noch etwas bessere Zahlen gewünscht. Zumindest bei Letzterem sollte jedoch über eine lange Laufzeit dank starker Mundpropaganda und eines großflächigen Arthouse-Einsatzes noch viel drin sein - erst Recht, wenn er bei den OSCARs am 9. Februar gut abschneidet.
Auch in den USA bleibt "Bad Boys for Life" mit einem soliden Rückgang um knapp die Hälfte auf mehr als $30 Mio. locker an der Spitze. "1917" verteidigt mit etwa $15 Mio. den zweiten Rang (und überschreitet damit wie "Bad Boys for Life" die traditionelle Blockbuster-Marke von $100 Mio.), während um den letzten Platz auf dem Treppchen ein Duell zwischen "Dr. Dolittle" und Guy Ritchies Gangsterkomödie "The Gentlemen" zu erwarten ist, die jeweils auf $10 Mio. abzielen - für den starbesetzten (u.a. Matthew McConaughey, Hugh Grant, Colin Farrell) "The Gentlemen" ein eher mittelmäßiger Auftakt. Der zweite landesweite Neustart, der von Kritik und Publikum (mit dem seltenen CinemaScore "F", den in diesem Jahr auch schon "The Grudge" einstecken mußte) verrissene Horrorfilm "Die Besessenen", landet mit $6-7 Mio. auf Platz 5 oder 6. In Deutschland startet "The Gentlemen" am 27. Februar, "Die Besessenen" kommt erst am 16. April in die Kinos.

Quellen:

Donnerstag, 23. Januar 2020

LE MANS 66 – GEGEN JEDE CHANCE (2019)

Originaltitel: Ford v Ferrari
Regie: James Mangold, Drehbuch: Jez und John-Henry Butterworth, Jason Keller, Musik: Buck Sanders und Marco Beltrami
Darsteller: Christian Bale, Matt Damon, Caitriona Balfe, Tracy Letts, Jon Bernthal, Josh Lucas, Noah Jupe, Ray McKinnon, Remo Girone, JJ Field, Jack McMullen, Corrado Invernizzi, Ben Collins, Benjamin Rigby, Francesco Bauco, Rudolf Martin, Wallace Langham, Brad Beyer, Jonathan LaPaglia, Stefania Spampinato, Brea Bee
 Le Mans 66: Gegen jede Chance
(2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 92% (7,8); weltweites Einspielergebnis: $216,5 Mio.
FSK: 12, Dauer: 153 Minuten.

Mitte der 1960er Jahre kriselt die US-amerikanische Automarke Ford, weshalb der Firmenchef Henry Ford II. (Tracy Letts, "Die Verlegerin") nach einem neuen Erfolgsrezept sucht. Auf den Vorschlag seines Marketingchefs Lee Iacocca (Jon Bernthal, "Baby Driver"), sich stärker im Renngeschäft zu engagieren und vor allem Seriensieger Ferrari beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans herauszufordern, reagiert er zunächst mit Skepsis – doch in Folge einer beispiellosen Provokation durch Ferrari-Eigner Enzo Ferrari (Remo Girone, "Heaven") will Ford süße Rache und gibt deshalb Iacocca weitgehend freie Hand. Dieser überredet zunächst den früheren Le Mans-Sieger Carroll Shelby (Matt Damon, "Der Marsianer") zur Zusammenarbeit, der aus gesundheitlichen Gründen keine Rennen mehr fahren kann und stattdessen eine kleine Autofirma gründete, deren Wägen auch an Autorennen teilnehmen. Zur Unterstützung bei der Entwicklung eines komplett neuen Rennwagens in kürzester Zeit heuert Shelby seinen Freund Ken Miles (Christian Bale, "American Hustle") an, einen im Herbst seiner Karriere stehenden britischen Rennfahrer mit hitzigem Temperament, aber unvergleichlichem Gespür für die Autos, die er fährt. Shelby und sein Team kommen trotz Rückschlägen recht gut voran, doch dann will der bei Ford für die Rennsport-Sparte zuständige Leo Beebe (Josh Lucas, "Poseidon") aufgrund persönlicher Animositäten Miles als Fahrer bei den Rennen ausbooten …

Dienstag, 21. Januar 2020

DIE WACHE! (2018)

Originaltitel: Au poste! Englischsprachiger Titel: Keep an Eye Out
Regie und Drehbuch: Quentin Dupieux, Musik: David Sztanke
Darsteller: Benoȋt Poelvoorde, Grégoire Ludig, Marc Fraize, Anaїs Demoustier, Jacky Lambert, Philippe Duquesne, Orelsan, Vincent Grass, Jeanne Rosa, Johnny Malle, Michel Hazanavicius, Laurent Nicolas, Alain Chabat (Stimme)
 Die Wache (2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 100% (8,0); weltweites Einspielergebnis: $2,0 Mio.
FSK: 12, Dauer: 71 Minuten.

Louis Fugain (Grégoire Ludig, "Ab in den Dschungel") hat vor dem Haus eine Leiche gefunden und brav die Polizei darüber informiert. Da er jedoch nicht bis zu deren Eintreffen wartete, sein Bügeleisen bei der Leiche zurückließ und außerdem eine Nachbarin berichtet, er habe in dieser Nacht bemerkenswerte sieben Mal das Haus verlassen und wieder betreten, gerät Louis in den Verdacht, selbst der Mörder zu sein. In der Polizeiwache richtet sich Hauptkommissar Buron (Benoȋt Poelvoorde, "Das brandneue Testament") auf eine lange Verhörnacht ein, während Louis einfach nur genervt und müde und hungrig ist und endlich nach Hause will. Als Buron kurz aus privaten Gründen weg muß, überläßt er Louis seinem ein wenig einfältigen einäugigen Kollegen Philippe (Marc Fraize, "Der geheime Roman des Monsieur Pick"), welcher Louis' gelangweilte Konversationsversuche für den Auftakt zu einem raffinierten Fluchtplan hält. Als es daher kurz vor Burons Rückkehr zu einem höchst unglücklichen Unfall kommt, ist es mit der Langeweile für Louis vorbei …

Montag, 20. Januar 2020

OSCAR-News: "1917" und "Parasite" triumphieren bei den Produzenten- und Schauspieler-Gilden

Am Wochenende haben mit den Produzenten und den Schauspielern zwei der vier wichtigsten Gilden respektive Gewerkschaften der Filmschaffenden ihre Preise verliehen (die Regisseure sind nächste Woche dran und die Autoren in zwei Wochen) und damit überwiegend für mehr Klarheit hinsichtlich der OSCARs am 9. Februar 2020 gesorgt. Zumindest gilt das für die vier Schauspiel-Kategorien, deren Sieger nach derzeitigem Stand mit ziemlich großer Sicherheit bereits festzustehen scheinen - dafür spricht jedenfalls, daß dasselbe Quartett bei den Golden Globes, bei den Critics' Choice Awards und nun bei den von den Schauspielern verliehenen SAG Awards triumphierte. Am sichersten dürfte der Sieg für Renée Zellweger sein, die für ihre Titelrolle im Judy Garland-Biopic "Judy" beinahe alle Preise abstaubte, die es in dieser Awards Season zu gewinnen gab. Ähnlich sieht es bei Nebendarstellerin Laura Dern ("Marriage Story") aus, auch bei den Hauptdarstellern zeichnet sich immer stärker ab, daß sich Joaquin Phoenix als "Joker" gegen Adam Driver ("Marriage Story") durchsetzen wird. Am ehesten könnte noch der Triumph von Brad Pitt ("Once Upon a Time in ... Hollywood") bei den Nebendarstellern in Gefahr sein, gingen doch speziell bei den Kritikerpreisen zu Beginn der Saison einige an Joe Pesci aus "The Irishman" - doch in den letzten Wochen konnte sich stets Pitt durchsetzen, weshalb auch er klarer Topfavorit in seiner Kategorie ist.

Eine kleine Überraschung hatten die SAG Awards im Kinobereich dennoch zu bieten, denn der Ensemble-Preis (der als Entsprechung für den besten Film gilt) ging an den südkoreanischen Kritikerliebling "Parasite" - der damit der erste nicht-englischsprachige Preisträger in dieser seit 1996 existierenden Kategorie überhaupt ist! Das erhöht - neben dem ähnlich überraschenden Gewinn des ACE Eddie Awards in der Drama-Kategorie bei der Cutter-Gilde tags zuvor (bei den Komödien gewann "Jojo Rabbit") - noch weiter die Wahrscheinlichkeit, daß "Parasite" bei den Academy Awards auch außerhalb der internationalen Kategorie Siege einfahren kann, eventuell gar in der Königskategorie "Bester Film". Nicht vergessen werden darf jedoch, daß mit "1917" der momentan größte OSCAR-Favorit bei den SAG Awards gar nicht nominiert war - einerseits wohl wegen der Mangels an bekannten Namen in den Hauptrollen, andererseits wahrscheinlich, weil der Film sehr spät fertig wurde und von vielen Stimmberechtigten nicht rechtzeitig vor den Nominierungen gesehen wurde. Trotzdem ist es natürlich bemerkenswert, daß sich "Parasite" hier gegen "The Irishman", "Jojo Rabbit" und "Once Upon a Time in ... Hollywood" durchsetzen konnte, drei weitere ernsthafte Anwärter auf den "Bester Film"-Goldjungen.

Daß sich "1917" wie seit den Erfolgen bei den Golden Globes und den Critics' Choice Awards weiterhin als derzeit aussichtsreichster OSCAR-Anwärter fühlen darf, ist der Produzentengilde geschuldet, denn der Hauptpreis des am besten produzierten Films bei den PGA Awards ging an Sam Mendes' Erster Weltkriegs-Drama. Besorgniserregend ist die erneute Niederlage vor allem für Martin Scorseses "The Irishman", denn während "1917", "Parasite", "Once Upon a Time in ... Hollywood" und "Jojo Rabbit" immer wieder wichtige Preise einheimsen, ging "The Irishman" in den letzten Wochen regelmäßig leer aus. Da die Academy trotz der Verjüngungs- und Diversifizierungsbemühungen der letzten Jahre immer noch überproportional mit älteren weißen Männern besetzt ist, heißt das nicht, daß "The Irishman" chancenlos ist; gerade der Nostalgiefaktor, den das Quartett Scorsese-De Niro-Pacino-Pesci ausstrahlt, schadet bei den OSCAR-Juroren sicherlich nicht. Den einstigen Topfavoriten-Status hat das dreieinhalbstündige Mafia-Epos aber endgültig abgeben müssen. Bei den Animationsfilmen wurde "Toy Story 4" ausgezeichnet, für Laikas "Mister Link" bleibt der überraschende Golden Globes-Sieg vorerst also eine Ausnahme.

Quellen:

Samstag, 18. Januar 2020

Samstags-Update (3/2020)

Im deutschen Kinostartplan bis Ende Februar gab es zwei erwähnenswerte Änderungen: Der Blumhouse-Horrorfilm "Fantasy Island" wurde um eine Woche auf den 20. Februar verschoben, der Actionfilm "Bloodshot" mit Vin Diesel um zwei Wochen auf Anfang März:


Box Office-News:
Nach einem Monat gibt es einen neuen Spitzenreiter in den deutschen Kinocharts: "Bad Boys for Life", der dritte Teil der 1995 gestarteten Action-Comedy-Reihe mit Will Smith und Martin Lawrence, erobert mit über 450.000 Zuschauern die Führung. Damit werden die Erwartungen und das Startergebnis des ersten Teils (gut 320.000) übertroffen, an die Höhen von Teil 2 (kam 2003 auf 765.000) reicht "Bad Boys for Life" allerdings bei weitem nicht heran. Auch auf Platz 2 findet sich ein Neustart ein: Sam Mendes' Erster Weltkriegs-Drama "1917" profitiert von starken Kritiken und zehn OSCAR-Nominierungen und eröffnet mit etwas unter 200.000 Besuchern - im traditionell ziemlich kriegsfilmscheuen Deutschland wahrlich kein schlechter Auftakt. Um den dritten Rang gibt es einen Dreikampf: Sowohl der viermalige Spitzenreiter "Star Wars Episode IX" als auch (Previews miteingerechnet) das deutsche Biopic "Lindenberg!" und "Knives Out" zielen laut InsideKino auf ca. 130.000 Kinogänger ab. Einen starken Start schafft zudem der hochgelobte japanische Animationsfilm "Weathering With You", der nicht regulär zu sehen ist, jedoch mit Event-Programmierungen auf etwa 50.000 Zuschauer kommen sollte; damit ist ein Platz in den Top 10 möglich.
Auch in den USA übernimmt "Bad Boys for Life" begleitet von guten Kritiken die Führung in den Charts und läßt die Erwartungen der Analysten mit sagenhaften bis zu $70 Mio. am langen Wochenende (am Montag ist Martin Luther King Day) noch wesentlich deutlicher hinter sich als in Deutschland (erwartet wurden $40-50 Mio.). Das bedeutet nicht inflationsbereinigt den besten Start der Reihe, da "Bad Boys II" in drei Tagen auf $46,5 Mio. kam und "Bad Boys for Life" am regulären Wochenende auf $60 Mio. abzielt - und er könnte am langen Wochenende sogar bereits das Endergebnis des ersten Teils ($65,8 Mio.) übertreffen! Da zahlt sich die Zuversicht von Produzent Jerry Bruckheimer aus, der gestern in einem Interview verriet, daß bereits Teil 4 geplant ist. Während diese späte Fortsetzung bemerkenswert gut beim Publikum funktioniert, kann ein parallel gestartetes Remake das nicht behaupten: Die bereits in der Produktionsphase problemgeplagte und auch deshalb sehr teure (die Kosten sollen bei $150-200 Mio. gelegen haben) Familienkomödie "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" mit Robert Downey Jr. schafft zwar trotz mieser Kritiken mit etwa $30 Mio. an vier Tagen noch einen relativ ordentlichen Start, dürfte jedoch schnell in Vergessenheit geraten und auch mit den internationalen Ergebnissen kaum den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffen. Immerhin sollte das Ergebnis für Platz 2 reichen, wobei der sicher gut haltende "1917" mit über $25 Mio. am zweiten Wochenende nicht so weit dahinter liegt. In Deutschland kommt "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" am 30. Januar in die Kinos.

Quellen:

Donnerstag, 16. Januar 2020

KNIVES OUT – MORD IST FAMILIENSACHE (2019)

Regie und Drehbuch: Rian Johnson, Musik: Nathan Johnson
Darsteller: Daniel Craig, Ana de Armas, Christopher Plummer, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Katherine Langford, Michael Shannon, Frank Oz, LaKeith Stanfield, Noah Segan, Edi Patterson, Riki Lindhome, Jaeden Martell, M. Emmet Walsh, Marlene Forte, K Callan, Joseph Gordon-Levitt (Stimme)
 Knives Out - Mord ist Familiensache (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 97% (8,3); weltweites Einspielergebnis: $266,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 131 Minuten.

Als Haushälterin Fran (Edi Patterson, TV-Serie "The Righteous Gemstones") den Bestseller-Kriminalautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer, "Verblendung") am Morgen nach seinem mit einer großen Familienfeier begangenen 85. Geburtstag tot auffindet, scheint die Sache klar: Harlan hat sich selbst die Kehle durchgeschnitten, alles deutet also auf Selbstmord hin. Das sehen eigentlich auch die beiden ermittelnden Polizisten Elliot (LaKeith Stanfield, "Selma") und Wagner (Noah Segan, "Tales of Halloween") nicht anders, doch ein anonymer Hinweisgeber hat den berühmten Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig, "Skyfall") auf den Fall angesetzt, der den Polizisten zur Hand geht und schnell einige Ungereimtheiten entdeckt. Weil, falls Harlan doch ermordet wurde, alle seine Verwandten Tatverdächtige wären, rekrutiert Blanc kurzerhand Harlans schüchterne Pflegerin Marta (Ana de Armas, "Blade Runner 2049") als Assistentin, da sie erstens ein Alibi hat und zweitens eine für das Begehen krimineller Taten höchst ungünstige zwanghafte Angewohnheit: Wenn sie lügt, muß sie sich fast unmittelbar übergeben! Mit Martas widerwilliger Hilfe findet Blanc heraus, daß sich hinter der halbwegs harmonischen Fassade der Familie Thrombey einige Abgründe auftun und im Grunde genommen jeder ein Tatmotiv hat …

Montag, 13. Januar 2020

OSCAR-Nominierungen 2020

Alle Nominierungen für die 92. Academy Awards am 9. Februar mit meiner Einschätzung zu den einzelnen Kategorien:

Bester Film: 
- Le Mans 66 - Gegen jede Chance
- The Irishman
- Jojo Rabbit
- Little Women
- 1917

Den Rahmen von bis zu 10 Nominees haben die Academy-Mitglieder beinahe ausgeschöpft, neun Werke haben es zu einer Nominierung als "Bester Film" geschafft. Die sage und schreibe acht Filme, denen tatsächlich mehr ("Once Upon a Time ...", "Irishman", "1917") oder weniger ("Little Women", "Jojo Rabbit") große Chancen auf den Sieg zugerechnet wurden, sind alle vertreten, dazu kommt ein bißchen überraschend "Le Mans 66", welcher sich gegen den höher gewetteten "Knives Out", aber auch gegen "The Farewell", "Die zwei Päpste" oder "Bombshell" durchsetzen konnte. Mit "The Irishman" und "Marriage Story" sind zwei Netflix-Produktionen ohne wirklichen Kinoeinsatz dabei, dafür aber mit "Joker" auch ein Milliarden-Dollar-Film und mit "Once Upon a Time in ... Hollywood" und "Le Mans 66" zwei Produktionen, die in den USA Blockbuster-Status (mehr als $100 Mio. Einspielergebnis) erreicht haben - dazu wird garantiert der gerade erst landesweit gestartete "1917" kommen und "Little Women" könnte es mit Glück auch knapp schaffen. Bemerkenswert ist zudem, daß es mit dem südkoreanischen "Parasite" mal wieder ein nicht-englischsprachiger Film in die Auflistung geschafft hat, auch wenn das nach der bisherigen Awards Season keine Überraschung ist. Einen wirklichen Topfavoriten gibt es in dieser Kategorie aktuell erfreulicherweise nicht, wenngleich sich in den letzten beiden Wochen Tarantinos "Once Upon a Time in ... Hollywood" mit Siegen bei den Golden Globes sowie erst gestern Abend bei den Critics' Choice Awards in die Pole Position manövriert hat - "The Irishman" scheint dagegen etwas an Fahrt verloren zu haben, wohingegen nicht wenige "Parasite" sogar den Sensationssieg zutrauen (ich allerdings eher nicht).

Regie:
- Martin Scorsese, "The Irishman"
- Todd Phillips, "Joker"
- Sam Mendes, "1917"
- Quentin Tarantino, "Once Upon a Time in ... Hollywood"
- Bong Joon-ho, "Parasite"

Mit Todd Phillips gibt es einen überraschenden Namen, denn Greta Gerwig ("Little Women"), Taika Waititi ("Jojo Rabbit") und vor allem Noah Baumbach ("Marriage Story") waren höher eingeschätzt worden als er. Die vier übrigen Nominees waren eigentlich klar und haben sich bestätigt. Phillips dürfte chancenlos sein, davon abgesehen ist allerdings auch diese Kategorie ungewöhnlich offen - an sich galten Tarantino und Scorsese als favorisiert, aber da gestern bei den Critics' Choice Awards der Sieg überraschend zwischen Mendes und Bong geteilt wurde, sollte sich das erstmal erledigt haben.

Samstag, 11. Januar 2020

Samstags-Update (2/2020)

Keine nennenswerten Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Februar:


Box Office-News:
Auch am vierten Wochenende behält "Star Wars Episode IX" die Führung in den deutschen Kinocharts mit 250.000 bis 300.000 Zuschauern. Am besten innerhalb der Top 10 hält sich im Vergleich zur Vorwoche Rian Johnsons hochgelobtes Whodunit "Knives Out", das sich mit etwa 200.000 Besuchern vom vierten auf den zweiten Platz vorschiebt. Auf Rang 3 mit gut 150.000 Zuschauern fällt nach dem Ende der Weihnachtsferien "Die Eiskönigin II" zurück, der sich insgesamt bereits die zweite Goldene Leinwand für sechs Millionen Kinogänger geholt hat - als erster Film seit "Fack ju Göhte 3" im Herbst 2017. Bester Neuzugang ist der deutsche Jugendfilm "Vier zauberhafte Schwestern", der mit gut 100.000 Besuchern (inklusive Previews) hinter "Jumanji: The Next Level", aber wohl knapp vor "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" auf Platz 5 eröffnen sollte. Der von Kritikern verrissene "The Grudge"-Reboot eröffnet im Rahmen der bescheidenen Erwartungen mit etwa 50.000 Zuschauern auf Platz 8 oder 9, während der deutlich stärker rezensierte romantische Rassismus-Actionthriller "Queen & Slim" mit Daniel Kaluuya auf ungefähr 30.000 Besucher kommt, was gerade noch für Rang 10 reichen könnte.
In den USA profitiert Sam Mendes' kunstvolles Erster Weltkriegs-Drama "1917" von seinem überraschenden Triumph bei den Golden Globes am Sonntag und eröffnet mit deutlich mehr als $30 Mio. weit über den ursprünglichen Erwartungen auf Platz 1. "Star Wars Episode IX" fällt mit gut $15 Mio. auf Platz 2 zurück, um Platz 3 bis 5 gibt es einen relativ engen Dreikampf mit zwei Neustarts: Sowohl die mäßig rezensierte Komödie "Lady Business" mit Tiffany Haddish, Rose Byrne und Salma Hayek als auch "Jumanji: The Next Level" und das von den Kritikern gelobte Justizdrama "Just Mercy" mit Michael B. Jordan und Jamie Foxx zielen auf mehr als $10 Mio. ab. Als Flop erweist sich der mittelmäßig besprochene Horrorfilm "Underwater" mit Kristen Stewart, der mit mehr als $5 Mio. bestenfalls Rang 7 belegen wird. In Deutschland läuft "1917" am kommenden Donnerstag an, auf "Just Mercy" müssen wir bis 27. Februar warten und auf "Lady Business" sogar bis zum 12. März. "Underwater" ist bei uns parallel zu den USA angelaufen, wird jedoch die Top 10 verfehlen.

Quellen: