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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 23. Februar 2017

OSCAR-Vorschau 2017 – Die Nebenkategorien

Auf meinen Prognosen für die Hauptkategorien folgen nun die 13 Nebensparten der OSCAR-Verleihung 2017 in der Nacht vom Sonntag auf Montag, erstmals moderiert von Jimmy Kimmel. Spannend ist vor allem, ob der 14-fach nominierte "La La Land" groß abräumen kann (zehn oder mehr Academy Awards halte viele für realistisch) oder sich mit einer mittleren einstelligen Anzahl begnügen muß - was dann eventuell auch bedeuten könnte, daß er den Hauptpreis für den besten Film an "Moonlight" verliert.

Kamera:
- Bradford Young, "Arrival"
- Linus Sandgren, "La La Land"
- Greig Fraser, "Lion"
- James Laxton, "Moonlight"
- Rodrigo Prieto, "Silence"

Davon habe ich gesehen und kann daher selbst beurteilen: "Arrival" und "La La Land"
Favoriten: "La La Land" klar vor "Arrival" und "Lion". Eigentlich sollte das eine klare Sache sein, immerhin setzt "La La Land" ähnlich wie vor zwei Jahren "Birdman" (wenn auch weit weniger extrem) auf sehr lange Einstellungen und nur wenige Schnitte, was besonders in den langen Musical-Sequenzen großes Können vom schwedischen Kameramann Sandgren erfordert - der aber auch in ruhigeren Dialogszenen idyllisch-romantische Bilder schuf. In "Arrival" spielt die Kamera zwar ebenfalls eine gewichtige Rolle und "Silence" ist als Historienfilm mit epischen Bildern geradezu prädestiniert für einen OSCAR - gegen "La La Land" dürften sie aber ebenso wenig eine echte Chance haben wie "Lion", dem manche eine Überraschung zutrauen (da ich ihn noch nicht gesehen habe, kann ich das schwer beurteilen).

Gewinnen sollte: "La La Land".
Gewinnen wird: Linus Sandgren für "La La Land".

Kostüme:
- Joanna Johnston, "Allied - Vertraute Fremde"
- Consolata Boyle, "Florence Foster Jenkins"
- Madeline Fontaine, "Jackie"
- Mary Zophres, "La La Land"

Gesehen: Alle.
Favoriten: "La La Land" und "Jackie". Wohl noch vor den Hauptdarstellerinnen ist das die Kategorie mit den besten OSCAR-Aussichten für "Jackie" - immerhin war Jackie Kennedy eine Mode- und Stilikone und das hat die Kostümabteilung des Films hervorragend nachempfunden. Auf der anderen Seite sind aber auch die farbenfrohen, nostalgischen Kostüme in "La La Land" exzellent und stützen die Atmosphäre des Musicals ungemein. Und auch die drei anderen, wie "Jackie" deutlich früher im 20. Jahrhundert spielenden Anwärter sind in dieser ziemlich offenen Kategorie keineswegs chancenlos. Wer also einmal einen Außenseitertip wagen möchte, dem würde ich die Kostüme empfehlen ...

Gewinnen sollte: "Allied".
Gewinnen wird: Consolata Boyle für "Florence Foster Jenkins".

Visuelle Effekte:
- Deepwater Horizon

Mittwoch, 22. Februar 2017

OSCAR-Vorschau 2017 – Die Hauptkategorien

Wie jedes Jahr wage ich auch 2017 wenige Tage vor der OSCAR-Verleihung, die in der Nacht von Sonntag auf Montag in Los Angeles stattfinden wird (und in Deutschland wieder live von Pro 7 übertragen wird), eine ausführliche OSCAR-Vorschau samt Analyse und Prognose sämtlicher Kategorien. Als Basis für meine Einschätzung der Favoritenlage dienen dabei vor allem die bisherigen Preisverleihungen seit Ende November 2016 und amerikanische OSCAR-Blogs wie Gurus o´ Gold, Goldderby.com und Indiewire. 2016 habe ich (wegen der Kurzfilm-Kategorien, in denen ich kollektiv falsch lag) ordentliche 16 von 24 Kategorien korrekt getippt, in den Jahren davor 15 und 18; ich tippe also nicht einfach nur so ins Blaue ...

Bester Film:
- Fences
- Hacksaw Ridge
- Lion
- Moonlight

Davon habe ich gesehen und kann daher selbst beurteilen: Alle außer "Lion" (startet erst am Donnerstag), "Hacksaw Ridge" (verpaßt, da hierzulande gefloppt und schnell wieder aus den Kinos) und "Moonlight" (startet Anfang März). Die Kritik zu "Fences" werde ich wahrscheinlich erst nächste Woche posten können.
Favoriten: "La La Land" klar vor "Moonlight". Damien Chazelles Musical hat eine Rekordzahl an Nominierungen erreicht (14) und die meisten der wichtigen Preisverleihungen in der Awards Season für sich entschieden. Es gibt aber zwei kleine Fragezeichen: Erstens trat "Moonlight" bei den Golden Globes in der Drama-Sparte an, die es ebenso gewann wie "La La Land" die Musical/Komödie-Sparte; es gab also kein wegweisendes direktes Aufeinandertreffen. Zweitens gab es von der Schauspielergilde (von deren Mitgliedern viele ebenfalls in der Academy sitzen) nicht einmal eine Nominierung als "Bestes Ensemble", deren "Bester Film"-Äquivalent; da sich in "La La Land" fast alles auf die beiden Protagonisten konzentriert, ist das aber wohl nicht allzu aussagekräftig. Was allerdings dem Coming of Age-Drama und Kritikerliebling "Moonlight" zu Gute kommen könnte, ist die momentane politische Atmosphäre in der Ära Trump - es wäre etlichen Academy-Mitgliedern durchaus zuzutrauen, daß sie schon alleine deshalb einen Film über einen homosexuellen Afroamerikaner zum Gewinner küren, um Donald Trump (der in der Vergangenheit sehr ausgiebig über OSCAR-Verleihungen getwittert hat) zu ärgern ... Geringe Außenseiterchancen haben zudem das Mathematikerinnen-Biopic "Hidden Figures" - befördert speziell durch den unerwarteten Ensemble-Sieg gegen "Moonlight" bei der Schauspielergilde - und das Drama "Manchester by the Sea", das lange sogar als ein ernsthafter Anwärter galt, im Laufe der Awards Season aber deutlich schwächer abschnitt als vermutet. Letztlich sollte es sich aber zwischen "La La Land" und "Moonlight" entscheiden.

Gewinnen sollte: "Manchester by the Sea" oder "La La Land".
Gewinnen wird: "La La Land".

Regie:
- Damien Chazelle, "La La Land"
- Mel Gibson, "Hacksaw Ridge"
- Barry Jenkins, "Moonlight"
- Kenneth Lonergan, "Manchester by the Sea"
- Denis Villeneuve, "Arrival"

Gesehen: Alle außer "Hacksaw Ridge" und "Moonlight".
Favoriten: Damien Chazelle vor Barry Jenkins und Kenneth Lonergan. Chazelle hat mit seinem meisterhaft in Szene gesetzten Musical sehr gute Chancen, als jüngster "Bester Regisseur" in die OSCAR-Geschichte einzugehen: Mit 32 würde er den bisherigen Rekordhalter Norman Taurog ("Skippy", 1931) um etwa ein halbes Jahr unterbieten. Andererseits würde Barry Jenkins erster afroamerikanischer Gewinner dieser Kategorie, was für die Academy gerade angesichts der letztjährigen "OSCARs So White"-Debatte durchaus ein Anreiz sein könnte. Und sollte "Manchester by the Sea" bei den Academy Awards besser abschneiden als erwartet, könnte gar der weithin respektierte Independent-Veteran Lonergan überraschen. Gibson und Villeneuve sollten dagegen chancenlos sein.

Gewinnen sollte: Damien Chazelle.
Gewinnen wird: Damien Chazelle für "La La Land".

Hauptdarsteller:
- Casey Affleck, "Manchester by the Sea"
- Andrew Garfield, "Hacksaw Ridge"
- Ryan Gosling, "La La Land"
- Viggo Mortensen, "Captain Fantastic"
- Denzel Washington, "Fences"

Dienstag, 21. Februar 2017

LA LA LAND (2016)

Regie und Drehbuch: Damien Chazelle, Musik: Justin Hurwitz
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, J.K. Simmons, John Legend, Rosemarie DeWitt, Callie Hernandez, Jessica Rothe, Sonoya Mizuno, Tom Everett Scott, Finn Wittrock, Damon Gupton, Josh Pence, Marius De Vries
 La La Land
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 93% (8,7); weltweites Einspielergebnis: $340,5 Mio.
FSK: 0, Dauer: 128 Minuten.
Die ersten zwei Begegnungen zwischen der jungen Schauspielerin Mia (Emma Stone, "Einfach zu haben") und dem eigenwilligen Jazzpianisten Sebastian (Ryan Gosling, "The Nice Guys") in Los Angeles verlaufen eher unerfreulich. Dabei sind sie sich eigentlich gar nicht so unähnlich: Beide suchen als Künstler ihr Glück in der "Stadt der Engel", doch für beide sieht es aktuell nicht gut aus. Mias Castings verlaufen unglücklich, ihr Geld verdient sie als Bedienung in einem Café – Sebastian wiederum, dessen Traum es ist, einen klassischen Jazzclub zu eröffnen, wurde von einem Geschäftspartner übers Ohr gehauen und muß nun seine Brötchen als Pianist in einem gehobenen Restaurant verdienen – dessen Besitzer Bill (J.K. Simmons, "Terminator: Genisys") von Jazz absolut überhaupt rein gar nichts hält! Doch als sich Mia und Sebastian ein drittes Mal über den Weg laufen, stellen sie fest, daß sehr wohl eine gewisse gegenseitige Faszination besteht. Die Frage, die sich ihnen nach und nach stellt, lautet: Was ist den beiden wichtiger? Die Liebe oder die Aussicht auf eine große Künstler-Karriere?

Montag, 20. Februar 2017

TV-Tips für die Woche 8/2017

Montag, 20. Februar:
Arte, 20.15 Uhr: "Weites Land" (1958)
William Wylers beinahe dreistündiger, für zwei OSCARs nominierter Edelwestern zählt zu den großen Klassikern des Genres. Das liegt nicht nur an der aufwendigen Produktion und dem gelungenen Drehbuch, das geschickt ein episches, fast shakespear'sches Beziehungsgeflecht aufbaut, sondern auch und vor allem an der grandiosen Besetzung: Gregory Peck spielt James, einen Mann aus einer reichen Ostküsten-Reederfamilie, der im Wilden Westen ankommt, wo er seine Verlobte, Rancher-Tochter Patricia (Carroll Baker), heiraten will. Von den rauen Cowboys wird James' Besonnenheit als Feigheit interpretiert, womit er schnell einen schweren Stand hat. Noch komplizierter wird die Situation, als James zwangsläufig in die erbitterte Fehde zwischen Patricias Vater und dem Viehzüchter Hannassey (OSCAR für Burl Ives) hineingezogen wird, ebenso wie Patricias schöne Freundin Julie (Jean Simmons) ...

NDR, 23.15 Uhr: "Sommer in Orange" (2011)
Sympathische Komödie von Marcus H. Rosenmüller über eine freigeistige Bhagwan-Kommune (deren Mitglieder u.a. von Petra Schmidt-Schaller und Oliver Korittke verkörpert werden), die sich ausgerechnet in der tiefsten bayerischen Provinz ansiedeln will und wenig überraschend nicht uneingeschränkt willkommen geheißen wird ...

Außerdem:
Ninja Assassin (elegant gefilmtes, aber trashiges und brutales B-Movie von "V wie Vendetta"-Regisseur James McTeigue; 23.20 Uhr bei Kabel Eins)

Dienstag, 21. Februar:
ARD, 0.35 Uhr: "Die bleierne Zeit" (1981)
Die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta ("Hannah Arendt") schaffte den internationalen Durchbruch mit diesem mit dem Goldenen Löwen in Venedig prämierten politischen Drama, das sich an der Biographie der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und ihrer Schwester Christiane orientiert, ohne wirklich ein Biopic zu sein - so heißen die Schwestern hier auch Juliane (Jutta Lampe) und Marianne (Barbara Sukowa).

Außerdem:
Super - Shut up, Crime (sehr witzige, schwarzhumorige, aber brutale Superhelden-Parodie á la "Kick-Ass" von "Guardians of the Galaxy"-Regisseur James Gunn und mit Rainn Wilson, Ellen Page und Kevin Bacon; 0.05 Uhr bei Tele 5)

Samstag, 18. Februar 2017

Samstags-Update (7/2017)

Keine Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende April:


Box Office-News:
"Fifty Shades of Grey 2" bleibt in den deutschen Kinocharts mit mehr als einer halben Million Zuschauern mit großem Abstand in Führung, mit etwa halb so vielen Kinogängern folgt "John Wick: Kapitel 2". Der harte Actionfilm mit Keanu Reeves profitiert auch hier von der Beliebtheit des Vorgängers wie auch von starken Kritiken und eröffnet damit - wie in den USA - doppelt so stark wie Teil 1 (140.000). Ein weiterer Neustart erobert den dritten Rang: "Recep Ivedik 5" zielt laut InsideKino aktuell auf deutlich über 150.000 Besucher ab und ordnet sich innerhalb der türkischen Erfolgsreihe im Mittelfeld ein (Teil 4 kam zum Start auf gut 200.000 Zuschauer, Teil 2 auf knapp 190.000, Teil 3 auf etwas mehr als 150.000). Die übrigen Neustarts enttäuschen: "Trainspotting 2" landet mit etwas mehr als 50.000 Besuchern im unteren Mittelfeld der Top 10 (und halbiert damit in etwa das Startergebnis des kultigen Vorgängers), während die deutsche Komödie "Schatz, nimm du sie!" mit Carolin Kebekus und der OSCAR-Kandidat "Fences" mit Denzel Washington außerhalb der Top 10 bleiben - "Fences" wird gar Mühe haben, wenigstens fünfstellige Zuschauerzahlen zu erreichen ...
In den USA steht erneut ein langes Feiertagswochenende an, da am Montag "Presidents' Day" ist, an dem eigentlich George Washingtons Geburtstag gefeiert wird - aber Donald Trump wird es schon schaffen, daß sich am Ende wieder alles um ihn dreht. Ein Grund mehr vielleicht für viele Amerikaner, Zerstreuung in den Kinos zu suchen - drei zu mäßigen Kritiken anlaufende Neustarts sorgen jedoch nicht wirklich für Begeisterung. So bleibt "The LEGO Batman Movie" (das in Deutschland auf Platz 4 abrutscht) mit vermutlich mehr als $45 Mio. an vier Tagen klar in Front, gefolgt von "Fifty Shades of Grey 2" mit gut $25 Mio. am langen Wochenende - für beide sind das sehr gute Resultate am zweiten Wochenende. Mit bis zu $20 Mio. erobert die in weiten Teilen der Welt seit Wochen laufende chinesisch-amerikanische Großproduktion "The Great Wall" mit Matt Damon Rang 3. Für sich genommen ein enttäuschendes Ergebnis für das $150 Mio.-Werk, aber starke Zahlen aus China (wenngleich sie auch dort ein wenig hinter den sehr, sehr hohen Erwartungen zurückblieben) sorgen dafür, daß das Fantasy-Action-Epos wohl zumindest nicht als kommerzieller Flop in die Filmgeschichte eingehen wird. Mit etwas weniger als $15 Mio. an vier Tagen wird die Komödie "Fist Fight" mit Ice Cube auf Platz 5 eröffnen, während es für Gore Verbinskins Horrorfilm "A Cure for Wellness" nur zu katastrophalen $5 Mio. und damit bestenfalls Platz 9 reicht. In Deutschland startet der überlange Genrefilm am kommenden Donnerstag.

Quellen:

Freitag, 17. Februar 2017

KINOVORSCHAU WINTER/FRÜHLING 2017 (Teil 2)

Nach der OSCAR-Verleihung Ende Februar wird es auch in deutschen Kinos wieder deutlich actionreicher zugehen als in den ersten beiden Monaten des Jahres, in denen viele "ernsthafte" Stoffe behandelt wurden. Die große Blockbuster-Welle wird zwar wie üblich erst im Sommer folgen, doch auch die Monate März und April haben bereits einige spektaluläre Highlights zu bieten – dazu natürlich auch viele kleinere und häufig anspruchsvollere Werke inklusive einiger OSCAR-Nachzügler. Da meine Vorschau zwar ausführlich ist, aber nicht komplett, verweise ich gerne wieder auf InsideKino, wo es eine vollständige Liste sämtlicher bereits feststehender Filmstarts der nächsten Jahre gibt.

2. März:
"Logan – The Wolverine":
Der voraussichtlich letzte Einsatz von Hugh Jackman als der vermeintlich unsterbliche Mutant Wolverine (wenngleich Ryan Reynolds hartnäckig versucht, ihn noch zu einem gemeinsamen Deadpool/Wolverine-Film zu überreden) wird erneut von James Mangold inszeniert und spielt in einem wenig einladend wirkenden Jahr 2029, in dem die Mutanten auszusterben scheinen, die X-Men nicht mehr existieren und Professor X (Sir Patrick Stewart) ein an Alzheimer leidender alter Mann ist. Und dann fühlt der heruntergekommen lebende Logan auch noch seine eigenen Mutantenkräfte schwinden. Doch als eine zwielichtige Organisation die verbleibenden Mutanten zu Soldaten machen will, muß Logan in einen letzten großen Kampf ziehen – gemeinsam mit einem Mädchen, das Wolverine in vielerlei Hinsicht zu ähneln scheint …

"Silence":
Im Gegensatz zu vielen Werken von Martin Scorsese hat "Silence" bei den OSCARs keinerlei Rolle gespielt – dabei sind die Kritiken sehr wohlwollend ausgefallen. Vermutlich ist das gut zweieinhalbstündige Glaubensdrama über zwei portugiesische Jesuiten (Andrew Garfield und Adam Driver), die in Japan nach dem spurlos verschwundenen Pater Ferreira (Liam Neeson) suchen, einfach zu unspektakulär ausgefallen. So dürfte auch das Mainstream-Publikum eher wenig Interesse an der ruhig erzählten Romanverfilmung haben.

"Der junge Karl Marx":
August Diehl ("Allied") verkörpert im Historiendrama des haitianischen Regisseurs Raoul Peck (mit seiner bei uns am 30. März anlaufenden Doku "I Am Not Your Negro" für den OSCAR 2017 nominiert) den 26-jährigen, mit seiner Frau (Vicky Krieps, "Zwei Leben") in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Pariser Exil lebenden deutschen Idealisten Karl Marx, der gemeinsam mit Friedrich Engels (Stefan Konarske) Grundlagen für das "Kommunistische Manifest" erarbeitet. Die Berlinale-Kritiken fielen eher mittelmäßig aus.

"Certain Women":
Von Kritikern gefeiertes, auf einer Kurzgeschichten-Sammlung gründendes Arthouse-Drama von Kelly Reichardt ("Wendy and Lucy") über vier Frauen (Michelle Williams, Laura Dern, Kristen Stewart, Lily Gladstone) in Montana, deren Leben vor einem Wendepunkt stehen.

"Little Men":
In dem Familien- und Coming of Age-Drama von Ira Sachs ("Married Life") zieht Familie Jardine in ein geerbtes Haus in Brooklyn ein. Während die Eltern (Greg Kinnear und Jennifer Ehle) vor allem froh über die Mietersparnis sind, ist der Umzug für den 13-jährigen Sohn Jake ziemlich schwierig. Dann findet er einen neuen besten Freund, mit dem er New York erkundet und die ersten Leiden und Freuden der Pubertät durchlebt. Die Kritiker waren von dem Film begeistert (Rotten Tomatoes: 97% positive Rezensionen!) und loben neben den Darstellerleistungen der "kleinen Leute" vor allem eine realitätsnahe, humanistische Inszenierung, die auch den Wandel (u.a. durch Gentrifizierung) New Yorks thematisiert.

"Neo Rauch – Gefährten und Begleiter":
Dokumentarfilm über den Leipziger Künstler Neo Rauch, der zu den wichtigsten und – was den Wert seiner Gemälde betrifft – "kostbarsten" modernen Malern der Welt zählt.

9. März:
"Kong: Skull Island" (3D):
Seit dem riesigen Erfolg des Marvel Cinematic Universe gibt es naturgemäß Versuche, diesen Ansatz eines "geteilten Universums" mit vielen Crossovers und Gastauftritten zu kopieren. Bei DC Comics läuft das dank der Stärke der Marke kommerziell trotz Qualitätsmangeln ganz gut, während Universal den mit "Dracula Untold" begonnenen Versuch, sich ein neues "Monster-Universum" aufzubauen, schnell abgebrochen hat und nun mit einem "Die Mumie"-Reboot noch einmal von vorn beginnt. Ein Stück weiter ist das jüngst in chinesischen Besitz übergegangene und für Genrestoffe bekannte Studio Legendary, denn Gareth Edwards' "Godzilla" wurde im Nachhinein zum Startpunkt erklärt, nun macht die neue "King Kong"-Geschichte "Skull Island" den zweiten Schritt und dann soll es zu dem großen Aufeinandertreffen von Godzilla und Kong kommen. Bis es soweit ist, wird der neue King Kong eingeführt in diesem ungewöhnlicherweise zur Zeit des Vietnam-Krieges spielenden Abenteuer (entsprechend ist eines der Filmplakate klar von "Apocalypse Now" inspiriert). Ein Team der geheimnisvollen Regierungsorganisation Monarch (die bereits in "Godzilla" erwähnt wurde) aus Wissenschaftlern und Soldaten erkundet eine neu entdeckte Insel im Pazifik und muß feststellen, daß diese von zahlreichen Monstern bewohnt wird … Die Besetzung der Expedition kann sich jedenfalls sehen lassen: Tom "Loki" Hiddleston, OSCAR-Gewinnerin Brie Larson ("Raum"), Samuel L. Jackson und John Goodman sind die bekanntesten Namen. Regie führt der relative Newcomer Jordan Vogt-Roberts, der mit seinem vielbeachteten Independent-Debüt "Kings of Summer" die Aufmerksamkeit Hollywoods erregt hat.

Donnerstag, 16. Februar 2017

INTO THE FOREST (2015)

Regie und Drehbuch: Patricia Rozema, Musik: Max Richter
Darsteller: Ellen Page, Evan Rachel Wood, Callum Keith Rennie, Max Minghella, Michael Eklund, Wendy Crewson
 Into the Forest
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 77% (6,8); weltweites Einspielergebnis: $0,04 Mio.
FSK: 12, Dauer: 101 Minuten.
In der nahen Zukunft leben die fast erwachsenen Schwestern Nell (Ellen Page, "Inception") und Eva (Evan Rachel Wood, "Across the Universe") mit ihrem fürsorglichen Vater Robert (Callum Keith Rennie, "Warcraft: The Beginning") in einem abgelegenen Haus irgendwo am Rande der riesigen kanadischen Wälder. Während Nell für den schon in zwei Tagen anstehenden College-Aufnahmetest büffelt, trainiert die angehende Tänzerin Eva mit höchster Konzentration, zumal sie nach einer längeren Verletzungspause etwas eingerostet ist. Mitten in den Alltag des Trios platzt eine Fernseh-Meldung, wonach an der gesamten Westküste der Strom ausgefallen ist – wenig später sitzen auch Nell, Eva und Robert im Dunklen. Während anfänglich alle mit einer baldigen Rückkehr des Stroms rechnen und so auch im nächsten Ort die Menschen halbwegs vernünftig bleiben, zieht sich die Situation doch zunehmend in die Länge, bald kommen selbst im Radio keine Nachrichten mehr. Als dann auch noch Robert einen Unfall hat, sind Nell und Eva ganz auf sich allein gestellt in dieser neuen, stromfreien Welt …

Dienstag, 14. Februar 2017

HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN (2016)

Regie: Theodore Melfi, Drehbuch: Allison Schroeder und Theodore Melfi, Musik: Hans Zimmer, Pharrell Williams und Benjamin Wallfisch
Darsteller: Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons, Mahershala Ali, Glen Powell, Aldis Hodge, Olek Krupa, Kimberly Quinn
 Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 92% (7,6); weltweites Einspielergebnis: $144,0 Mio.
FSK: 0, Dauer: 127 Minuten.

In den 1960er Jahren befinden sich die USA und die Sowjetunion nicht nur im Kalten Krieg, der immer dichter davor steht, ein heißer Krieg zu werden, sie stehen ebenfalls in einem erbitterten Wettrennen ins All – und die Sowjets liegen vorne, nachdem Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum und lebendig wieder zurück gebracht wurde. Die NASA versucht verzweifelt, den Rückstand aufzuholen, wofür die Arbeit der besten und klügsten Köpfe Amerikas vonnöten ist. Dazu zählt auch eine Gruppe afroamerikanischer Mathematikerinnen, die es aber gleich aus zwei Gründen besonders schwer hat: Sie sind Frauen und sie sind schwarz. Zwar werden sie innerhalb der NASA nicht mit dem gleichen offenen Rassismus konfrontiert wie im öffentlichen Raum, wo noch immer vielerorts strikte Rassentrennung herrscht, doch müssen sie sich auch hier häufig anhören, daß sie keine Ansprüche zu stellen haben und froh sein sollen, daß sie überhaupt hier arbeiten dürfen. Katherine Goble (Taraji P. Henson, "Date Night"), Mary Jackson (Janelle Monáe, "Moonlight") und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer, "The Help") wollen das allerdings nicht akzeptieren – sie wissen, was sie können und sie wollen dieses Können auch zeigen und anwenden. Dank des Rückstands auf die Sowjets und des aufgeschlossenen neuen Direktors Al Harrison (Kevin Costner, "Man of Steel") dürfen sie das endlich …

Montag, 13. Februar 2017

TV-Tips für die Woche 7/2017

Montag, 13. Februar:
Arte, 20.15 Uhr: "Kreuzweg" (2014)
Free-TV-Premiere des deutschen Glaubensdramas von Dietrich Brüggemann über eine 14 Jahre alte fundamentalistische Katholikin (eine Glanzleistung von Lea van Acken in ihrem Debüt). Bei der Berlinale 2016 gab es neben viel Lob auch zwei Preise, darunter den Silbernen Bären für das Drehbuch, das Brüggemann mit seiner Schwester Anna schrieb.

Tele 5, 22.10 Uhr: "Der Todesspeer des Shaolin" (1984)
In den 1980er Jahren ließ die durchschnittliche Qualität der Shaw Brothers-Martial Arts-Filme zwar merklich nach, gelegentliche Highlights gab es aber noch. Dazu zählt dieses meisterhaft choreographierte Actiondrama über einen Elite-Speerkämpfer, der sich bei einem verräterischen General rächen möchte.

Dienstag, 14. Februar:
ARD, 0.35 Uhr: "Der Auftragslover" (2010)
Eine wenig originelle, jedoch amüsante französische Komödie über Alex (Romain Duris), der gegen Bezahlung (meistens der Eltern) unerwünschte Beziehungen beendet, indem er dafür sorgt, daß sich die jeweilige Dame in ihn verliebt. Dieses eher unmoralische, aber sehr lukrative Geschäft läuft wunderbar - bis sich Alex in sein neues Opfer tatsächlich verliebt. Kein Wunder, schließlich wird Juliette von der bezaubernden Vanessa Paradis verkörpert ...

Mittwoch, 15. Februar:
Kabel Eins, 20.15 Uhr (um eineinhalb Minuten gekürzt, ungeschnittene Nachtwiederholung um 0.35 Uhr): "Road to Perdition" (2002)
Der in meinen Augen beste Gangsterfilm seit der "Der Pate"-Trilogie ist interessanterweise eine Graphic Novel-Verfilmung. Tom Hanks brilliert unter der Regie von Sam Mendes ("Skyfall") als Familienvater und Mafia-Auftragskiller, der zu Beginn der 1930er Jahre durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mit seinem kleinen Sohn auf die Flucht vor seinem bisherigen Boß und Mentor, dem irischen Mafia-Paten Rooney (Paul Newman), gehen muß. Die großartige Kameraführung des kurz nach den Dreharbeiten verstorbenen Conrad L. Hall wurde mit einem OSCAR geehrt, dazu gab es fünf weitere Nominierungen - unter anderem für Paul Newman und für die tolle, melancholische Musik von Thomas Newman (keine Verwandtschaft).

Arte, 20.15 Uhr: "Gloria" (2013)
Bei der Berlinale 2013 gab es drei Auszeichnungen für die chilenische Tragikomödie, darunter den Silbernen Bären für die Hauptdarstellerin Paulina Garcia, die als lebenslustige ältere Dame glänzt, die sich noch einmal in eine neue Beziehung stürzt.

Samstag, 11. Februar 2017

Samstags-Update (6/2017)

Erwartungsgemäß hat sich im deutschen Kinostartplan bis Ende Februar nichts verändert. Leider bin ich mit meiner Vorschau für März und April sehr spät dran, aber daß ich wegen meiner Handverletzung im Januar nur wenig tippen konnte, schlägt da eben doch durch. Mit etwas Glück werde ich die Vorschau kommende Woche veröffentlichen können, ich tippe aber eher auf die übernächste (zumal ich auch noch zwei Kritiken zu großen OSCAR-Anwärtern fertigstellen sowie ein Rezensionsexemplar eines kommenden Heimkinostarts anschauen und rezensieren muß) ...


Box Office-News:
Auch die Fortsetzung von "Fifty Shades of Grey" trotzt den miesen Kritiken, allerdings scheint der ganz große Hype doch etwas abgeebbt zu sein, denn die Millionenmarke zum Start wird der "Gefährliche Liebe" untertitelte zweite Teil, wenn überhaupt, nur noch knapp knacken - der Vorgänger eröffnete noch mit 1,35 Millionen Zuschauern, hatte allerdings zusätzlichen Anschub dadurch, daß der Valentinstag auf das Startwochenende fiel. Grund zur Klage ist der Rückgang für die Produzenten somit nicht wirklich, vor allem im Vergleich zum US-Start (dazu kommen wir gleich). Mit großem Abstand folgt mit "The LEGO Batman Movie" der zweite große Neustart auf Platz 2, der genau auf das Startergebnis des Vorgängers "The LEGO Movie" von ungefähr 250.000 Besuchern abzielt. Den dritten Rang sichert sich gemäß InsideKino "Split" mit rund 150.000 Kinogängern.
In den USA sieht es ganz anders aus: "The LEGO Batman Movie" erobert deutlich die Führung mit voraussichtlich $55-60 Mio., was allerdings hinter den $69 Mio. von "The LEGO Movie" zurückbleibt. Trotzdem reicht es locker aus, um "Fifty Shades of Grey 2" auf den zweiten Platz zu verweisen, der von den $85 Mio. des ersten Teils auf nur noch $45 Mio. regelrecht abstürzt. Umgekehrt läuft es bei dem dritten breiten Neustart des Wochenendes: Der in Deutschland am kommenden Donnerstag anlaufende "John Wick: Kapitel 2" wird das Startergebnis des ersten Teils ($14,4 Mio.) ziemlich genau verdoppeln, was den dritten Rang bedeutet. Und mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Fortsetzungen ...

Quellen: