Mein persönliches Fazit des Kinojahres 2019: Es war ein gutes Jahr mit vielen unterhaltsamen, dramatischen und anspruchsvollen Filmen - allerdings fehlten für mein Empfinden die absolut herausragenden Werke, allein meiner Nummer 1 konnte ich mehr als 9 Punkte geben. Auf der anderen Seite gab es dafür auch keine riesigen Enttäuschungen wie im Vorjahr "Jurassic World 2", nur ein Film erhielt weniger als 5 Punkte (was natürlich auch für meine dieses Mal wieder ziemlich zielgenaue Filmauswahl spricht ...). Bis vor zwei Jahren qualifizierten sich für meine Bilanzlisten nur jene Filme, die ich innerhalb des Kalenderjahres im Kino gesehen habe. 2018 änderte ich das dahingehend, daß ich auch Werke, die ich als Rezensionsexemplare zu Hause sehen konnte, in die Liste aufnahm, was 2019 so bleibt - dazu kommen nun angesichts der immer größeren Rolle von Netflix im Filmgeschäft auch Netflix-Produktionen, die ich zu Hause sah. Jene Filmtitel, für die ich nicht ins Kino gegangen bin, kennzeichne ich, indem ich sie in Klammern setze.
Wie immer gilt: Meine Jahresbilanz ist höchst subjektiv und richtet sich nicht ausschließlich nach meinen Punktewertungen, sondern eher nach meinem heutigen Eindruck der Filme, der also ein Stück weit ihre Langfristwirkung berücksichtigt. Mit "Spider-Man: A New Universe" und "Aquaman" sind zwei Werke vertreten, die bereits Ende 2018 in den deutschen Kinos anliefen, die ich aber erst im Januar sah.
Die Top 25 (mit Links zu meinen Rezensionen - sofern bereits veröffentlicht - und einer kurzen Kommentierung):
Die für zehn OSCARs nominierte britische Historienfarce brilliert mit scharfzüngigen Dialogen, einer kaum vorhersehbaren Handlung, einer ungemein kunstvollen Inszenierung und den drei überragenden Hauptdarstellerinnen Emma Stone, Rachel Weisz und Olivia Colman.
Die Actionreihe mit Keanu Reeves in einer Paraderolle als stoischer Ex-Auftragskiller steigert sich von Teil zu Teil und begeistert im dritten Kapitel mit einer sich stetig weiter entfaltenden Filmwelt, spannenden Charakteren und einer großen Zahl an beeindruckend abwechslungsreich inszenierten Actionsequenzen.
(3. Marriage Story)
Noah Baumbach beweist, daß auch ein Scheidungsdrama ein bemerkenswert unterhaltsamer und sogar humorvoller Film sein kann, der emotional tief berührt und zum Nachdenken anregt - auch weil sich die Hauptdarsteller Scarlett Johansson und Adam Driver die Seele aus dem Leib spielen (und - in einer Schlüsselszene - singen)!
Noah Baumbach beweist, daß auch ein Scheidungsdrama ein bemerkenswert unterhaltsamer und sogar humorvoller Film sein kann, der emotional tief berührt und zum Nachdenken anregt - auch weil sich die Hauptdarsteller Scarlett Johansson und Adam Driver die Seele aus dem Leib spielen (und - in einer Schlüsselszene - singen)!
Zehn Jahre nach dem ersten Teil der mit u.a. Woody Harrelson und Emma Stone hochkarätig besetzten Zombiekomödie haben die vier ungleichen Überlebenden sich zwar (im Gegensatz zu den Untoten) nur sehr bedingt weiterentwickelt - ihnen dabei zuzuschauen, wie sie sich in den postapokalyptischen USA durchschlagen, macht aber dank einer hohen Gag-Trefferquote und vieler witziger Einfälle immer noch einen Heidenspaß!
In seinem besten Film seit "Sprich mit ihr" wirft Pedro Almodóvar einen stark autobiographisch gefärbten und dabei tiefsinnigen, wehmütigen und poetischen Blick zurück auf sein Leben und Werk, wobei Antonio Banderas ein glänzendes Alter Ego für den spanischen Filmemacher gibt.
Obwohl der spektakuläre Höhepunkt von Phase 3 des Marvel Cinematic Universe nicht ganz die dramaturgischen Höhen des Vorgängers "Infinity War" erreicht, liefert er eine gewitzte, höchst unterhaltsame Auflösung des dramatischen Cliffhangers und entbietet einigen der beliebtesten Superhelden ein hochemotionales Lebewohl.
Quentin Tarantinos detailverliebter Blick auf jene Ära Ende der 1960er Jahre, in der Hollywood seine Unschuld verlor, verliert sich vielleicht etwas zu sehr in seinen Einzelszenen und das schockierende Finale kommt für Tarantino-Kenner nicht wirklich überraschend - aber darüber trösten zahlreiche grandiose bis denkwürdige Momente und ein Brad Pitt in Bestform spielend hinweg.
Mike Flanagans späte Fortsetzung von Stanley Kubricks Stephen King-Adaption "Shining" ist trotz einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden etwas zugänglicher und massentauglicher geraten als das Original, avanciert mit gut ausgearbeiteten Figuren, viel Spannung und einer ungemein atmosphärischen Inszenierung aber zu einem der besten Horror- und Gruselfilme der letzten Jahre.
Die romantische Komödie mit politischem Setting begeistert mit vielen gelungenen Gags und den beiden perfekt harmonierenden Stars Charlize Theron und Seth Rogen - der die seltene Gabe besitzt, selbst peinlichste Fremdschäm-Momente unfaßbar charmant und liebenswert rüberzubringen.
Das große Finale der 42 Jahre umspannenden Skywalker-Saga mag aufgrund eines zu großen Kompromiß-Bestrebens zwischen den Anforderungen traditioneller Altfans und erzählerisch aufgeschlossenerer Zuschauer nicht ganz der erhoffte Knaller geworden sein - viel Spaß macht er trotzdem und beschert dieser "Star Wars"-Ära einen ziemlich runden Abschluß.