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Freitag, 22. Juni 2012

WANDERLUST – DER TRIP IHRES LEBENS (2012)

Originaltitel: Wanderlust
Regie: David Wain, Drehbuch: Ken Marino und David Wain, Musik: Craig Wedren
Darsteller: Jennifer Aniston, Paul Rudd, Justin Theroux, Alan Alda, Malin Akerman, Joe Lo Truglio, Lauren Ambrose, Ken Marino, Michaela Watkins, Kathryn Hahn, Jordan Peele, Todd Barry, Kerri Kenney-Silver, Jessica St. Clair, Michael Ian Black, Michael Showalter, Ray Liotta
 Wanderlust
(2012) on IMDb Rotten Tomatoes: 58% (5,6); weltweites Einspielergebnis: $21,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 98 Minuten.

George (Paul Rudd, "Beim ersten Mal", "Brautalarm") und Linda (Jennifer Aniston, "Kill the Boss", TV-Serie "Friends") sind eigentlich ein recht glückliches Ehepaar, das sich gerade in New York seine erste kleine Wohnung gekauft hat. Kurz darauf wird George gefeuert und am gleichen Tag lehnt der TV-Sender HBO Lindas Dokumentarfilm ab. Nachdem sie zuerst Hilfe bei Georges erfolgreichem, aber extrem peinlichen Bruder Rick (Ken Marino, "Vorbilder?!") suchen, flüchten sie schon bald in eine Art Hippie-Kommune namens Elysium, in der sie auf der Fahrt zu Rick übernachtet und sich sehr geborgen gefühlt hatten. Während George den Lebensstil in Elysium nicht wirklich ernst nimmt und letztlich nur streßfrei die Zeit überbrücken will, bis er einen neuen Job findet, springt Linda nach einigen Tagen auf die Vorzüge dieses freien und unbeschwerten Lebens und auch auf den charismatischen Quasi-Guru Seth (Justin Theroux, "Mulholland Drive", "Tropic Thunder") an. So müssen beide eine Entscheidung treffen, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollen ...

Kritik:
"Wanderlust" ist der erste Film des Regisseurs David Wain seit seinem (zumindest in den USA und Kanada) Überraschungserfolg mit der recht originellen Komödie "Vorbilder?!" mit Seann William Scott und Paul Rudd im Jahr 2008. Nun bringt er erneut eine Komödie in die Kinos und wiederum übernimmt Rudd eine der Hauptrollen. Der große Unterschied: Während "Vorbilder?!" bis auf ein allzu vorhersehbares Finale ziemlich gut zu unterhalten wußte, ist "Wanderlust" über weite Strecken abwechselnd langweilig und peinlich. Erst in der letzten halben Stunde scheint das Potential der beiden Drehbuch-Autoren (Regisseur Wain und Nebendarsteller Marino) durch.

Die zahlreichen Probleme beginnen schon damit, daß "Wanderlust" für eine Komödie über eine selbstbestimmte Lebensweise jenseits gesellschaftlicher Konventionen geradezu erschreckend konventionell aufgebaut ist. Die Liebesgeschichte des jungen Ehepaars ist ebenso komplett vorhersehbar wie die gesamte Handlung rund um die Kommune, die selbstverständlich akut von einem bösen, bösen Großunternehmen bedroht ist, das auf dem Grundstück ein Casino bauen möchte. Lediglich eine Wendung, die den ordentlichen letzten Akt von "Wanderlust" einleitet, kommt ziemlich unerwartet. Angesichts dieser weitgehenden Einfallslosigkeit empfinde ich es übrigens als ziemliches Eigentor, wie sich der Film zu Beginn über den Pay-TV-Sender HBO lustig macht, der seit vielen Jahren für TV-Produktionen von höchster Qualität steht (darunter Serien-Highlights wie "Die Sopranos", "Deadwood", "The Wire" oder aktuell "Game of Thrones"). Das kann man selbstverständlich machen, zumal die vielen Genre-Serien des Senders in der Tat reichlich Möglichkeiten zur Veralberung bieten – aber wenn man es schon tut, dann sollte man zumindest selbst einen Film von deutlich überdurchschnittlicher Qualität zu bieten haben. Und diese Qualität liefert "Wanderlust" eindeutig nicht.

Ein weiteres Problem ist in meinen Augen, daß der Humor des Films unerwartet stark auf Peinlichkeiten und Fremdschäm-Momenten basiert. Ich weiß, es gibt viele Zuschauer, die so etwas mögen (wie nicht nur der anhaltende Erfolg der "Komödien" von Adam Sandler beweist ...), aber ich gehöre absolut nicht dazu. Doch selbst wenn ich mit dieser Art des Humors keine Probleme hätte, empfände ich es immer noch als störend, daß die präsentierten Fremdschäm-Momente oft wie Fremdkörper in einer ansonsten erschreckend altbackenen und harmlosen Komödie wirken. Zu allem Überfluß sind auch noch fast alle Personen, die in "Wanderlust" vorkommen (abgesehen von George und Linda), vollkommen übertrieben dargestellt und eher Karikaturen als auch nur ansatzweise authentische oder gar tiefgreifende Persönlichkeiten. Grundsätzlich ist ein solcher Ansatz für eine Komödie natürlich eine legitime Möglichkeit, "Wanderlust" übertreibt das ganze aber so sehr, daß es einfach nervt und meines Erachtens nur ganz selten witzig ist. Wie es gelingt, übertriebene und skurrile Figuren zu erschaffen, die trotzdem glaubwürdig rüberkommen, das hat zuletzt Wes Anderson in seinem meisterhaften "Moonrise Kingdom" vortrefflich aufgezeigt.

Wie so oft ist die (über zwei Drittel des Films) sehr mäßige Qualität von Handlung und Humor deshalb besonders ärgerlich, weil die Besetzung wesentlich mehr ermöglichen würde. Aniston und Rudd spielen ihre Rollen ziemlich witzig und Justin Theroux als bärtiger Anführer der Kommune ist ein echtes Higlight. Auch Nebendarsteller wie "M*A*S*H"-Veteran Alan Alda als Elysium-Gründer Carvin, Malin Akerman ("Rock of Ages", "Watchmen") als verführerische Eva oder Joe Lo Truglio ("Superbad", TV-Serie "Reno 911!") als schriftstellerisch veranlagter Nudist Wayne sowie Ray Liotta ("Goodfellas") in einem witzigen Cameo deuten zumindest an, wie witzig "Wanderlust" mit einem besseren Skript hätte werden können.

Fazit: "Wanderlust" ist eine altbackene, aber phasenweise überraschend zotige Komödie, die trotz spielfreudiger Besetzung erst in der letzten halben Stunde an Fahrt gewinnt. Letztlich Geschmackssache.

Wertung: 4 Punkte.


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