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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 26. Dezember 2019

KINOVORSCHAU WINTER/FRÜHLING 2020 (Teil 1)

Letztes Update vom 18. Januar: Der Horrorfilm "Fantasy Island" wurde um eine Woche auf den 20. Februar verschoben, die actionreiche Comicadaption "Bloodshot" vom 20. Februar auf den 5. März.

Gerade noch rechtzeitig vor dem Jahreswechsel geschafft: Hier ist meine gewohnt ausführliche Vorschau auf die wichtigsten und erfolgversprechendsten Kinostarts in Deutschland der Monate Januar und Februar:

2. Januar:
Nach dem ganzen Streß nicht nur mit den Dreharbeiten, sondern auch und vor allem mit den Nachwehen des kontrovers aufgenommenen "Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi" hatte der Regisseur und Drehbuch-Autor Rian Johnson nachvollziehbarerweise Lust auf eine kleinere, familiäre Produktion. Dabei handelt es sich um einen satirischen Whodunit-Krimi im guten alten Agatha Christie-Stil, in welchem zwei Polizisten (Daniel Craig und Lakeith Stanfield) nach dem Mord an einem Familienpatriarchen (Christopher Plummer) während dessen Geburtstagsfeier auf seinem Anwesen nach dem Mörder suchen. In den USA erhielt der hochkarätig besetzte "Knives Out" (die Verdächtigen werden u.a. von Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Ana de Armas und Don Johnson verkörpert) überragende Kritiken und kam auch beim Publikum hervorragend an. Und der von Chris Evans im Film getragene Strick-Pullover hat schon Kultstatus erreicht …

"3 Engel für Charlie":
Das erneute Kino-Reboot der kultigen 1970er Jahre-TV-Serie kam bei den US-Kritikern ziemlich gut an – das Publikum zeigte jedoch keinerlei Interesse an dem Film und bescherte so dem produzierenden Studio Sony einen heftigen Flop. Schwer zu sagen, woran das liegt … vielleicht waren die beiden anspruchslosen, aber spaßigen Kinofilme mit Drew Barrymore, Lucy Liu und Cameron Diaz aus den Jahren 2000 und 2003 noch zu vielen potentiellen Zuschauern so gut in Erinnerung, daß sie wenig Lust auf eine Neuauflage verspürten. Vielleicht ist die Thematik auch einfach ausgelutscht (wobei das angesichts der immer noch von Hollywood vernachlässigten weiblichen Zuschauer schwer vorstellbar scheint) oder es liegt daran, daß die drei mit Charme, Witz und Talent fiese Bösewichte jagenden Titelfiguren nicht von ganz großen Stars verkörpert werden. Nur Kristen Stewart ist weithin bekannt, wird aber von vielen Mainstream-Kinogängern noch immer nur mit den "Twilight"-Schmonzetten in Verbindung gebracht, obwohl sie sich in den letzten Jahren als vielgelobte Independent-Darstellerin etabliert hat. An ihrer Seite agieren "Aladdin"-Star Naomi Scott und Newcomerin Ella Balinska, während in Nebenrollen Sir Patrick Stewart, Djimon Hounsou, Sam Claflin und Elizabeth Banks (die zudem Regie führt) zu sehen sind.

"Judy":
Nachdem sie einige Jahre weitgehend von der Bildfläche verschwunden war, kehrt die Texanerin Renée Zellweger ("Bridget Jones") als OSCAR-Favoritin zurück. Während Rupert Goolds Biopic selbst "nur" ordentliche bis gute Kritiken erhielt, da es relativ konventionell inszeniert sei und nur im letzten Drittel echten Tiefgang offenbare, gab es für Zellwegers Performance als der Ex-Kinderstar Judy Garland überschwängliche Lobeshymnen. Zellweger spielt die populäre "Der Zauberer von Oz"-Hauptdarstellerin als Mittvierzigerin und damit in einer Phase ihres Lebens, in der ihre Karriere deutlich schwächelt und sie mit privaten wie auch finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Einen Hoffnungsschimmer gibt es, als sie eher widerwillig ein gut einmonatiges Engagement im Londoner Club von Bernard Delfont (Michael Gambon, "Open Range") annimmt und ihren Job so gut macht, daß immer mehr Zuschauer sie sehen wollen – doch die Trennung von ihren im Amerika gebliebenen Kindern macht Judy schwer zu schaffen …

"Miles Davis: Birth of the Cool":
Stanley Nelson blickt in der Doku auf Leben und Karriere des legendären afroamerikanischen Jazzmusikers Miles Davis zurück, präsentiert dabei bisher unveröffentlichtes Material und läßt Weggefährten wie Quincy Jones und Carlos Santana zu Wort kommen.

"Jeanne d'Arc":
2017 schuf der für seine recht exzentrischen Werke bekannte französische Filmemacher Bruno Dumont ("Die feine Gesellschaft") mit dem auf einem Theaterstück basierenden "Jeannette – Die Kindheit der Jeanne d'Arc" ein äußerst schräges, aber auch faszinierendes Rock-Musical über die Kindheit der französischen Nationalikone, das in Deutschland ursprünglich gar nicht ins Kino kam, sondern bei Arte seine Premiere feierte (im Originalton mit Untertiteln) – erst im Zuge der Fortsetzung "Jeanne d'Arc" kam es zu einer kurzen Kinoauswertung ab 19. Dezember 2019. In dieser Fortsetzung (die wiederum als OmU gezeigt wird, nun von zwei Romanen von Charles Péguy aus dem späten 19. Jahrhundert inspiriert ist und mit Chansons statt Rock- und Metal-Songs aufwartet) ist Jeanne (Lise Leplat Prudhomme) zur Jugendlichen herangewachsen und hat vermeintlich göttliche Visionen, die sie zur Hoffnung der leidgeplagten Bevölkerung und schließlich sogar zur Heerführerin machen. Doch nach ihrer ersten Niederlage macht Jeanne Bekanntschaft mit der Kehrseite von Ruhm und Fanatismus (Kritiker sehen wohl nicht ohne Grund Parallelen zu den Reaktionen auf die jugendliche Klimaaktivistin Greta Thunberg) …

"Shadow" (nur am 6. Januar):
Der gefeierte chinesische "Hero"- und "House of Flying Daggers"-Regisseur Zhang Yimou kehrt einmal mehr zum actionreichen Historienkino zurück, obgleich "Shadow" eher intrigenreiches Kammerspiel mit nur gelegentlichen künstlerischen Kampf-Einsprengseln ist. Die Kritiker sind trotzdem hellauf begeistert von der Geschichte des gütigen Königs Pei Liang, der mit seinen Friedensbestrebungen den Unwillen seines obersten Generals Yu auf sich zieht. Der ist von der Unausweichlichkeit eines Krieges überzeugt und bereitet einen solchen deshalb heimlich vor. Daß der gegnerische General schwer verwundet und von einem Doppelgänger (= Schatten) vertreten wird, macht die Angelegenheit ebenso noch komplizierter wie diverse persönliche und amouröse Verstrickungen.

9. Januar:
Auch in ihrem zweiten Neustart innerhalb einer Woche zeigt Kristen Stewart, daß ihr aktuell wohl wieder etwas mehr nach Mainstream als nach Indie-Kino ist – "Underwater" scheint dem (gelungenen) Trailer zufolge ein klassisches Creature Feature unter verschärften Bedingungen zu sein, denn nach einem verheerenden Erdbeben muß die Crew eines Unterwasser-Labors versuchen, sich zu Fuß über den Meeresboden in Sicherheit zu bringen. Das klingt als Aufgabe anspruchsvoll genug, doch dann bemerken sie auch noch, daß das Erdbeben offensichtlich eine monströse, sehr hungrige Kreatur geweckt hat … Regie führt William Eubank, der 2014 mit seinem Low Budget-SciFi-Thriller "The Signal" für Aufsehen sorgte und erstmals finanziell ziemlich in die Vollen gehen durfte (die Produktionskosten sollen bei $65 Mio. liegen).

"The Grudge":
Im Jahr 2002 war "Ju-on: The Grudge" einer der zentralen Bausteine der japanischen Horrorfilm-Welle, zu der auch "Ring" zählte und die weltweit die Herzen der Genrefans eroberte. In einem solchen Fall ist ein Hollywood-Remake natürlich nie weit und dieses folgte bereits zwei Jahre später mit "Der Fluch – The Grudge" mit Sarah Michelle Gellar, interessanterweise wie das Original unter der Regie von Takashi Shimizu. Zwar erhielten sowohl das Original als auch das Remake einige Fortsetzungen, doch diese erzielten immer weniger Aufmerksamkeit. Deshalb versuchen nun die Genre-Veteranen Sam Raimi und Rob Tapert ("Tanz der Teufel"-Reihe), die bereits beim ersten US-Remake als Produzenten fungierten, einen Neustart, der die Handlung in die USA verlegt. Unter der Regie von Nicolas Pesce ("Piercing") spielt Andrea Riseborough ("Oblivion") die Polizistin und alleinerziehende Mutter Muldoon, die es bei ihren Ermittlungen zu einem mysteriösen Mordfall mit einem rachsüchtigen Geist zu tun bekommt.

"Vier zauberhafte Schwestern":
Deutscher Familienfilm von "7 Zwerge"-Regisseur Sven Unterwaldt über vier zaubermächtige Schwestern, die über je eines der Elemente gebieten können – dies jedoch nur, solange sie einträchtig zusammenarbeiten (klingt ein bißchen nach der TV-Serie "Charmed"). Bei Teenager-Mädchen ist das eine nicht unerhebliche Einschränkung, die sie dringend überwinden müssen, als sie es mit der bösen Zauberin Glenda (Katja Riemann) zu tun bekommen. Ganz nebenbei gilt es auch noch, für einen wichtigen Schul-Musikwettbewerb zu trainieren.

"Freies Land":
In Christian Alvarts ("Pandorum") kurz nach der Wende in Ostdeutschland spielendem Thriller – ein Remake des spanischen Hits "La isla mínima Mörderland" aus dem Jahr 2014 – müssen zwei sehr unterschiedliche Polizisten (Felix Kramer und Trystan Pütter) im Fall zweier kurz nach der Wende spurlos aus einem arg heruntergekommenen Dorf nahe der polnischen Grenze verschwundener jugendlicher Schwestern ermitteln. Während die Dorfbewohner überwiegend der Ansicht sind, daß das Duo sich einfach in den Westen abgesetzt hat, stoßen die Ermittler bald auf Spuren, die auf Schlimmeres hindeuten. Mit viel Entgegenkommen der überwiegend desillusionierten Dörfler müssen sie allerdings nicht rechnen.

"Queen & Slim":
In Melina Matsoukas' gesellschaftskritischer, stark rezensierter afroamerikanischer "Bonnie & Clyde"-Variante agieren Daniel Kaluuya ("Get Out") und Jodie Turner-Smith als Ernest (genannt "Slim") und Angela (Rufname "Queen"), deren erstes Date dramatisch endet, als sie im Auto von einem rassistischen Polizisten angehalten und bedrängt werden – da Slim sich das nicht gefallen lassen will, eskaliert die Situation, bis Slim den Cop in Notwehr erschießt. Da Slim und Queen wenig überraschend nicht allzu viel Vertrauen in das System haben, flüchten sie und werden bald als Copkiller durchs Land gejagt – erfahren allerdings auch Unterstützung von Menschen, die schon lange genug von der in den USA grassierenden Polizeigewalt (speziell gegen Schwarze) haben.

"Little Joe – Glück ist ein Geschäft":
In dem recht positiv besprochenen, an Klassiker wie "Angriff der Körperfresser" erinnernden SciFi-Drama der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner ("Amour Fou") verkörpert Emily Beecham (TV-Serie "Into the Badlands") Gentechnikerin Alice, die eine sensationelle Erfindung gemacht hat: eine Blume namens "Little Joe", deren Duft glücklich macht – solange man die Blume gut behandelt und ihr genügend Zeit widmet. "Fortpflanzung" ist dieser Blume eigentlich nicht möglich, weshalb sie mit ihrem Duft scheinbar auch dafür sorgt, daß die Menschen sie regelhaft zwanghaft glücklich machen und mehr Exemplare von ihr wollen – oder bildet sich das Alice nur ein?

16. Januar:
"Bad Boys for Life":
Ehe Michael Bay sich fast nur noch den "Transformers"-Materialschlachten widmete, schuf er in den 1990er Jahren einige unterhaltsame Actionkracher, die bis heute ihre Fans haben. Dazu zählt sein Kinodebüt "Bad Boys" von 1995, ein Buddy-Cop-Movie, in dem Will Smith und Martin Lawrence auf der Jagd nach Bösewichten für sehr viel Blechschaden (und natürlich auch etliche tote Fieslinge) sorgen. Obwohl acht Jahre später auch "Bad Boys II" erfolgreich war, dauerte es satte 17 Jahre bis zu dem von Genrefans heiß erwarteten dritten Teil – nun allerdings ohne Michael Bay. An seine Stelle tritt das belgische Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah, das außerhalb der Heimat am ehesten durch die Leitung bei zwei Episoden der TV-Serie "Snowfall" bekannt sein dürfte. In "Bad Boys for Life" hat sich das einstige (Alp-)Traumduo Marcus Burnett (Lawrence) und Mike Lowrey (Smith) schon lange auseinandergelebt, muß sich aber ein letztes (?) Mal zusammentun, als ein rachsüchtiger rumänischer Gangsterboß Jagd auf sie macht.

Sowohl in Hollywood als auch in Europa werden noch immer in schöner Regelmäßigkeit Filme über den Zweiten Weltkrieg gedreht – der Erste Weltkrieg bleibt hingegen ein vergleichsweise selten besuchter historischer Schauplatz. Eine der gelegentlichen Ausnahmen (zu denen in den letzten Jahren auch Spielbergs "Gefährten" zählte) liefert der britische OSCAR-Gewinner Sam Mendes ("American Beauty", "Skyfall") ab, dessen Kriegsdrama ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Genres auszeichnet: Es ist (ähnlich wie "Birdman") so geschnitten, daß der ganze Film wie in einer einzigen, fortlaufenden Einstellung gedreht wirkt. Das ergibt Sinn, weil die Protagonisten – zwei von George MacKay ("Captain Fantastic") und dem "Game of Thrones"-Alumnus Dean-Charles Chapman gespielte britische Soldaten – unter Zeitdruck durch feindliches Gebiet hindurch eine Einheit vor einem Hinterhalt warnen sollen, der Film also formal fast wie ein Roadmovie gestaltet ist. Den meisten Kritikern zufolge funktioniert dieser Kniff hervorragend, weshalb "1917" auch zu den OSCAR-Mitfavoriten zählt.

"Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte":
Nachdem Makoto Shinkais Welthit "Your Name." in Deutschland leider nur in ein paar Event-Vorstellungen im Kino zu sehen war, scheint sein ähnlich stark rezensiertes und daher zu den OSCAR-Mitfavoriten in der Animationsfilm-Kategorie zählendes Folgewerk "Weathering With You" erfreulicherweise einen regulären deutschen Kinostart zu erhalten. Auf gewohnt poetische und bildstarke Art und Weise erzählt Shinkai von dem Oberschüler Hodaka, der neu in der Millionen-Metropole Tokio ist. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten ergattert er einen Job als Redakteur bei einer Okkult-Zeitschrift, in dessen Rahmen er örtliche Legenden recherchiert. Dabei stößt er auf Berichte von einem Mädchen, das angeblich das Wetter kontrollieren kann – vielleicht ist die Geschichte ja wahr und erklärt, warum es in Tokio ständig regnet, seit Hodaka hier ist?

"Lindenberg! Mach dein Ding!":
Das Künstler-Biopic von Hermine Huntgeburth ("Die weiße Massai") schildert, wie der junge Musiker Udo Lindenberg (Jan Bülow) ab den 1970er Jahren und ausgehend von der Hamburger Reeperbahn zu einem der größten deutschen Rockstars wird, der sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR Erfolg hatte. Weitere Rollen spielen Julia Jentsch, Detlev Buck, Max von der Groeben, Charly Hübner, Ruby O. Fee, Saskia Rosendahl und Jeanette Hain.

"Why Don't You Just Die!":
Während das russische Arthouse-Kino immer wieder sehenswerte und auch international mit Auszeichnungen bedachte Filme hervorbringt, hat das russische Mainstream-Kino (sogar in der Heimat) keinen allzu guten Ruf und gilt als zweitklassiger Hollywood-Nachahmer. Auch das russische Genre-Kino hat nach dem Hollywood-Abgang von "Wächter der Nacht"-Regisseur Timur Bekmambetow nicht mehr viel Bemerkenswertes hervorgebracht. Doch mit Kirill Sokolovs "Why Don't You Just Die!" scheint sich das zu ändern, jedenfalls kam die schwarzhumorige Actionthriller-Farce beim Fantasy Filmfest 2019 hervorragend an und belegte sogar den zweiten Platz beim Publikumspreis. Dabei klingt die Prämisse denkbar banal: Vier Menschen sind in einer Wohnung versammelt und wollen aus sehr guten Gründen gegenseitig aneinander Rache nehmen …

"Crescendo - #Makemusicnotwar":
In dem politischen Musikdrama des israelischen langjährigen "Tatort"-Regisseurs Dror Zahavi spielt "Toni Erdmann"-Star Peter Simonischek den (deutlich von Daniel Barenboim inspirierten) berühmten Dirigenten Eduard Sporck, der im Umfeld eines Friedensgipfels zwischen Israelis und Palästinensern in Südtirol die Leitung eines palästinensisch-israelischen Jugendorchesters übernehmen soll. Obwohl zunächst auch aufgrund seiner eigenen Familiengeschichte (seine Eltern waren NS-Ärzte) skeptisch, läßt er sich von Stiftungsleiterin Klara (Bibiana Beglau, "Die Stille nach dem Schuß") überzeugen und reist nach Israel zum Vorspiel der jungen Musiker. Wie angesichts des unverändert schwelenden Nahost-Konflikts nicht anders zu erwarten, wird es für Eduard eine komplizierte Aufgabe, aus den betont idealistischen und friedenswilligen, jedoch aus unterschiedlichen Lebenswelten kommenden und von kleinauf von der jeweiligen Propaganda gegen die andere Seite geprägten Jugendlichen ein harmonierendes Orchester zu gestalten.

23. Januar:
Etwas überraschend zu einem der großen OSCAR-Favoriten avancierte Taika Waititis ("Thor 3") respektlos-satirische Zweiter Weltkriegs-Tragikomödie, denn die ersten Kritikerreaktionen nach der Weltpremiere auf dem Festival von Toronto fielen zwar überwiegend positiv, aber doch sehr gemischt aus. Beim Publikum – auf den Festivals ebenso wie im regulären Kinoeinsatz – kam die Story des 10-jährigen begeisterten Hitlerjugend-Mitglieds Jojo (Roman Griffin), welcher eine etwas merkwürdige Version von Adolf Hitler (ironischerweise gespielt vom Maori Waititi selbst) zum imaginären Freund hat, hingegen glänzend an und wie die zahlreichen Nominierungen und Auszeichnungen beweisen, sieht die Mehrzahl der Filmschaffenden das offensichtlich ähnlich. Zu den OSCAR-Kandidaten zählt auch die als Nebendarstellerin bereits für den Golden Globe nominierte Scarlett Johansson, die Jojos Mutter Rosie spielt und dessen einfache Weltsicht mächtig durcheinanderbringt, als er entdeckt, daß sie die jüdische Jugendliche Elsa (Thomasin McKenzie, "Leave No Trace") vor den Nazis versteckt …

"Die Hochzeit":
Nachdem Til Schweigers Ensemble-Komödie "Klassentreffen" trotz wirklich miserabler Kritiken im Herbst 2018 mit gut 1,1 Millionen Zuschauern ein durchaus ordentlicher Kinoerfolg wurde, steht mit "Die Hochzeit" bereits die Fortsetzung an. Hier will Thomas (Schweiger) kurz nach dem Klassentreffen Linda (Stefanie Stappenbeck) heiraten und so kommen beim turbulenten Junggesellenabschied die alten Freunde um Nils (Samuel Finzi) und Andreas (Milan Peschel) schon wieder zusammen – mit allerdings tödlichen Folgen für eine Person, weshalb Thomas und Co. sich parallel auf eine Hochzeit und eine Beerdigung vorbereiten müssen.

"Das geheime Leben der Bäume":
Mit seinen kenntnisreichen Wald-Büchern belegt "Deutschlands bekannester Förster" Peter Wohlleben seit 2015 quasi durchgehend Spitzenplätze in den deutschen Sachbuch-Charts, da war eine Doku über ihn und mit ihm wohl nur eine Frage der Zeit – und die liefert das Regieduo Jan Haft ("Magie der Moore") und Jörg Adolph ("Elternschule") ab.

"Die Wolf-Gäng":
Tim Tragesers ("Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft") Fantasy-Jugendfilm erzählt von dem jungen Vampir Vlad (Aaron Kissov), der mit seinem Vater (Rick Kavanian) nach Deutschland gezogen ist, um eine renommierte Magieschule zu besuchen, die magische Kreaturen jeglicher Couleur aufnimmt. Da Vlad kein Blut sehen kann – nicht unproblematisch für einen Vampir –, ist er eher ein Außenseiter, findet jedoch bald zwei Freunde, die ähnliche Probleme haben (eine Fee mit Flugangst und einen Werwolf mit Tierhaar-Allergie …). Gemeinsam kommen sie dann auch noch einer Verschwörung auf die Spur, welche die Magieschule zu gefährden droht. In Nebenrollen sind u.a. Christian Berkel, Sonja Gerhardt und Axel Stein zu sehen.

"Das Vorspiel":
Gute Kritiken kann Ina Weisses ("Der Architekt") u.a. auf den Festivals in San Sebastián und Stockholm prämierte Musik-Charakterstudie vorweisen, in der Nina Hoss ("Phoenix") einmal mehr glänzt in der Hauptrolle der Musiklehrerin Anna. Als die bei der Aufnahmeprüfung für das Musikgymnasium, an welchem sie arbeitet, in Alexander ein großes Talent zu erkennen glaubt, fördert sie ihn nach Kräften und verbringt so viel Zeit mit ihm, daß sie in ihrer Besessenheit den eigenen 10-jährigen Sohn und ihren Ehemann (Simon Abkarian) zunehmend vernachlässigt …

"Die Wütenden – Les Misérables":
Für viele überraschend wählte Frankreich nicht den weltweit gefeierten "Porträt einer jungen Frau in Flammen" als diesjährigen Kandidaten für die OSCAR-Auslandskategorie aus, sondern dieses aktuelle, gesellschaftskritische Polizeidrama von Ladj Ly eine nur sehr lose Adaption von Victor Hugos berühmtem Roman, die noch stärker von den Unruhen in den Pariser Vororten im Jahr 2005 inspiriert wurde. Doch die Entscheidung scheint sich auszuzahlen, denn "Die Wütenden" kann nicht nur ähnlich starke Kritiken vorweisen, sondern wurde auch schon für den Golden Globe nominiert und schaffte es bei den OSCARs (anders als die deutsche Hoffnung "Systemsprenger") auf die zehn Filme umfassende Shortlist. Im Mittelpunkt der Story steht der idealistische Polizist Stéphane (Damien Bonnard), der in den Pariser Vorort Montfermeil (in dem Hugos Roman spielt) versetzt wird, in welchem es oft Konflikte zwischen den dort tätigen Gangs und der Polizei gibt, die ihre Arbeitsweise den Verhältnissen angepaßt hat und sich selbst eher rudimentär an die Gesetze hält. Als eine Drohne eine nicht nach Plan verlaufende Verhaftung aufnimmt und die Bilder die Runde machen, stürzt eine Welle der Empörung über die Polizei herein und die jahrelang aufgestaute Wut über die sozialen Mißstände bricht sich gewaltsam Bahn.

30. Januar:
"Die fantastische Reise des Dr. Dolittle":
Remakes von Remakes scheinen derzeit im Trend zu sein in Hollywood, jedenfalls ist Stephen Gaghans ("Syriana") Familienfilm bereits die dritte große Adaption der Kindergeschichten von Hugh Lofting über den Tierarzt, der mit Tieren sprechen kann. Zunächst übernahm die Rolle 1967 in Richard Fleischers "Doktor Dolittle" der britische "My Fair Lady"-Star Rex Harrison, gut 30 Jahre später war es in Betty Thomas' "Dr. Dolittle" (und einer Fortsetzung) Eddie Murphy. Obwohl beide Adaptionen bei den Kritikern nicht gut ankamen und nur der Murphy-Film ein kommerzieller Erfolg war, steht mit "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" eine weitere – interessanterweise nicht in der Gegenwart, sondern im 19. Jahrhundert spielende – Verfilmung an, in der Superstar Robert Downey Jr. in der ersten Post-"Iron Man"-Rolle den kommunikativen Tierarzt verkörpert. Die Zeichen stehen für den Film allerdings nicht unbedingt gut, denn nach schlechten Testvorführungen gab es umfangreiche Nachdrehs und eine Verschiebung um ein gutes halbes Jahr – und daß Downey im finalen Trailer kaum zu sehen ist, spricht auch nicht unbedingt dafür, daß das Studio (Universal) noch an den Film glaubt.

Ganz und gar keine qualitativen Probleme hat die nächste x-te Adaption eines beliebten Buchs – "Little Women" wurde zwar sogar noch öfter als "Dr. Dolittle" verfilmt und mit George Cukors "Vier Schwestern" aus dem Jahr 1933 (mit Katharine Hepburn), Mervyn LeRoys "Kleine tapfere Jo" von 1949 (mit Janet Leigh und der jungen Elizabeth Taylor) und auch Gillian Armstrongs "Betty und ihre Schwestern" von 1994 (mit Winona Ryder und Gabriel Byrne) gelten gleich drei Adaptionen als Filmklassiker, aber scheinbar ist die Geschichte unkaputtbar. Jedenfalls zählt Greta Gerwigs ("Lady Bird") Version zu den diesjährigen OSCAR-Favoriten ("Vier Schwestern" und "Kleine tapfere Jo" gewannen jeweils einen, "Betty und ihre Schwestern" war immerhin für drei nominiert) und wird von den Kritikern als gefühlvoll erzählte und hervorragend gespielte Neuinterpretation gefeiert. Die Rollen der Mitte des 19. Jahrhunderts aufwachsenden March-Schwestern, die sich in einer Männerwelt durchsetzen müssen und trotz großer persönlicher Unterschiede immer zusammenhalten, spielen Saoirse Ronan, Emma Watson, Shooting Star Florence Pugh ("Fighting with My Family") und Eliza Scanlen (TV-Serie "Sharp Objects"), in weiteren Rollen agieren Meryl Streep, Bob Odenkirk, Laura Dern und Timothée Chalamet.

"Countdown":
Trotz mieser Kritiken erwies sich der günstig produzierte Horrorfilm in den USA – sicher auch dank seines Starttermins kurz vor Halloween – als größerer kommerzieller Erfolg. Elizabeth Lail (Netflix-Serie "You") spielt in der wenig originellen Variation von "Ring" oder auch "Polaroid" die junge Krankenschwester Quinn, welche achtlos eine neue App installiert, die ihr von Freunden empfohlen wurde und die angeblich anzeigt, wie lange man noch zu leben hat. Das Problem: Bei ihr zeigt die App an, daß sie bereits in drei Tagen sterben wird – und als sie hört, daß offenbar bei anderen App-Nutzern sich diese Prognosen bewahrheitet haben und sie von einer dämonischen Gestalt verfolgt und getötet wurden, ist guter Rat teuer …

"Ein verborgenes Leben":
Nachdem Terrence Malick ("Badlands", "Der schmale Grat") in den letzten Jahren mit wenig überzeugenden Werken wie "To the Wonder", "Knight of Cups" oder "Song to Song" vom Weg abgekommen zu sein schien, gelingt ihm mit dem fast dreistündigen, in Cannes gefeierten historischen Kriegsverweigerer-Drama ein beeindruckendes Comeback – auch wenn der Film in der amerikanischen Awards Season eine kleinere Rolle spielt als von vielen Experten erwartet. August Diehl ("Inglourious Basterds") spielt die Hauptrolle des österreichischen Bauers Franz Jägerstätter, der sich im Zweiten Weltkrieg aus Gewissensgründen beharrlich weigerte, Soldat zu werden und sich nicht von Anfeindungen, Inhaftierung, Folter oder der Androhung seiner Hinrichtung nicht umstimmen ließ. Wie von Malicks Filmen gewohnt, ist auch "Ein verborgenes Leben" kaum für ein Mainstream-Publikum geeignet, da er mit seinem genauen Blick auf die Figuren sehr langsam erzählt ist und keine richtige Handlung hat, dafür aber in wunderschönen, fast meditativen Bildkompositionen schwelgt und sich tiefgründig mit den komplexen Themen befaßt. Valerie Pachner ("Vor der Morgenröte") spielt Franz' Ehefrau Franziska, zudem sind in großen Nebenrollen die seither verstorbenen Bruno Ganz und Michael Nyqvist zu sehen.

"Sorry We Missed You":
Auch mit über 80 Jahren hat der bekennend sozialistische britische Filmemacher Ken Loach nichts von seinem Engagement und seinem Furor über gesellschaftliche Mißstände eingebüßt und zeigt weiterhin in eindringlichen Filmen die triste Realität auf. In dem in Cannes gewohnt positiv aufgenommenen Sozialdrama "Sorry We Missed You" widmet er sich Paketzustellern und zeigt, wie Familienvater Ricky Turner (Kris Hitchen in seinem Kinodebüt) im Umfeld der weltweiten Finanzkrise ab 2008 einen Neuanfang als selbständiger Fahrer eines Lieferdienstes versucht. Doch die Arbeitsbedingungen und der Druck sind nahezu unmenschlich, weshalb die Familie Turner immer tiefer in die Schulden rutscht und Ricky zunehmend unter dem Druck zu zerbrechen droht.

6. Februar:
Nachdem "Batman v Superman" und vor allem das geplante Highlight "Justice League" sich für Comicgigant DC und sein Extended Universe als von Kritikern wie auch vielen Kinozuschauern geschmähte Enttäuschungen entpuppte, entschieden sich DC und Warner Bros., stärker auf einen leichteren Tonfall und auf Einzelfilme mit eher geringen Überschneidungen zu anderen DCEU-Werken zu setzen – und das funktionierte mit "Aquaman", "Shazam!" und in gewisser Weise auch dem offiziell nicht zum DCEU zählenden "Joker" hervorragend. Sehr gespannt sind Fans wie auch Branchenbeobachter nun auf das Abschneiden von "Birds of Prey", einem Spin-Off des zwar erfolgreichen, jedoch wenig beliebten "Suicide Squad". Angetrieben von Harley Quinn-Darstellerin Margot Robbie – die in "Suicide Squad" zu den unumstrittenen Highlights zählte – macht "Birds of Prey" in den Trailern und sonstigem Promo-Material inklusive des in Deutschland arg eindampften Original-Titels "Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)" den Eindruck eines entfesselten und ziemlich irren Actionabenteuers, wie es wunderbar zur durchgeknallten Joker-Komplizin Harley Quinn passen würde. Auffällig ist zudem der starke weibliche Fokus des für einen Superheldenfilm mit einem vergleichsweise niedrigen Budget von $75 Mio. ausgestatteten Werks, das von der Newomcerin Cathy Yan inszeniert und von Christina Hodson ("Bumblebee") geschrieben wurde und in dem sich Harley Quinn nach ihrer Trennung vom Joker mit weiteren unangepaßten und moralisch ambivalenten Damen wie Huntress (Mary Elizabeth Winstead, "10 Cloverfield Lane"), Black Canary (Jurnee Smollett-Bell, "The Great Debaters") und der Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez, "Perdita Durango") zusammentut. Passend dazu ist der Antagonist natürlich ein Mann: der von Ewan McGregor ("Doctor Sleeps Erwachen") verkörperte Gangsterboß Black Mask, unterstützt von seinem psychopathischen Helfer Victor Zsasz (Chris Messina, "Argo"), legt sich mit den "Birds of Prey" an, weil diese ein Mädchen beschützen, das Black Mask einen wertvollen Diamanten geklaut hat …

"Intrige":
Im Zuge der #MeToo-Bewegung ist natürlich auch der bereits vor fast einem halben Jahrhundert wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagte und nach einem durchaus kontrovers geplatzten Deal mit der Staatsanwaltschaft aus den USA geflohene Roman Polanski wieder ins Visier von Aktivisten geraten. Die fanden es gar nicht witzig, daß Polanskis neuer Film "Intrige" in den Wettbewerb des Festivals von Venedig eingeladen wurde, wo er viel Kritikerlob und auch einige Preise errang. Auch zum Kinostart in Frankreich gab es Boykott-Aufrufe, die allerdings weitestgehend im Sande verliefen; vielmehr erreichte "Intrige" sogar Platz 1 in den Charts und sammelte rund 1,5 Millionen Zuschauer ein. Nicht schlecht für ein thematisch eher trocken anmutendes, wenn auch leider wieder sehr aktuelles historisches Thriller-Drama. Dieses befaßt sich mit der berühmten Dreyfus-Affäre, der tragischen Geschichte des jüdischen französischen Offiziers Alfred Dreyfus, der Ende des 19. Jahrhunderts wegen Spionage und Landesverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde – was sich als von antisemitischen Vorurteilen angetriebener Justizirrtum erwies, der maßgeblich durch den Schriftsteller Émile Zola in seinem berühmten Artikel "J'accuse …!" öffentlich gemacht wurde und zu heftigen innenpolitischen Verwerfungen führte. Polanski schildert in "Intrige" vor allem die Ermittlungen des neuen Geheimdienstchefs Picquart (Jean Dujardin, "The Artist"), der sich mit heftigem Widerstand aus Militär, Politik und Justiz konfrontiert sieht. Polanskis dunkle Vergangenheit hin oder her – "Intrige" ist gerade in der heutigen Zeit ein wichtiger Film und wird von zahlreichen Kritikern als sein bester seit "Der Pianist" betrachtet.

"21 Bridges":
Das Kinodebüt des irischen TV-Regisseurs Brian Kirk ("Game of Thrones", "Penny Dreadful") ist ein sehr klassisch anmutender Actionthriller, in dem Chadwick "Black Panther" Boseman die Rolle des in Ungnade gefallenen New Yorker Cops Andre spielt. Der sieht eine Chance auf Rehabilitation, als acht Polizisten von zwei Kriminellen erschossen werden. Für die Jagd auf die Copkiller werden alle 21 Brücken, die Manhattan mit dem Festland verbinden, geschlossen – doch Andre muß schnell herausfinden, daß Gut und Böse hier nicht so klar verteilt sind, wie es auf den ersten Blick erscheint … Weitere Rollen spielen Sienna Miller, J.K. Simmons und Taylor Kitsch.

"Enkel für Anfänger":
In Wolfgang Groos' ("Die Vampirschwestern") Familien-Komödie bieten sich die gelangweilten, kinderlosen Rentner Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach, "Traumfabrik") und Philippa (Barbara Sukowa) als Leih-Großeltern an – schnell finden sie Kunden, müssen aber feststellen, daß sie sich damit deutlich mehr Trubel aufhalsen, als sie es erwartet hätten …

"The Lodge":
Das österreichische Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala, bekannt geworden durch das Arthouse-Horrordrama "Ich seh, ich seh" aus dem Jahr 2014, feiert sein englischsprachiges Debüt mit dem ähnlich stark besprochenen und oft mit "Hereditary" verglichenen "The Lodge". Darin spielt Richard Armitage ("Der Hobbit") den Journalisten Richard, der seine Frau (Alicia Silverstone) für die deutlich jüngere Grace (Riley Keough, "Logan Lucky") verlassen hat – was bei seinen beiden Kindern nicht richtig gut ankam. Richard versucht, die beiden durch einen gemeinsamen Weihnachtsurlaub in einer – wir ahnen es – abgelegenen Hütte zu besänftigen, in dem die Kinder Grace näher kennenlernen sollen. Dummerweise muß Richard dann aber noch mal für zwei Tage zurück zur Arbeit, womit die Kinder und Grace alleine zurückbleiben. Als plötzlich in bitterer Kälte der Strom ausfällt und die Kinder ein dunkles Geheimnis aus Grace' Vergangenheit herausfinden, das sie tief traumatisiert hat, wird es dramatisch … Neben Keoughs darstellerischer Leistung werden vor allem die dichte, verstörende Atmosphäre und die kaum vorhersehbare, überraschend tief in die Psyche der Protagonisten eindringende Handlung gelobt, während das langsame Erzähltempo Mainstream-Horrorfans eher abschrecken dürfte.

"Varda par Agnès":
Noch kurz vor ihrem Tod im Alter von 90 Jahren im März 2019 stellte die französische Nouvelle Vague-Legende Agnès Varda ("Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7") diesen Dokumentarfilm fertig, in dem sie die Welt bereist und auf ihre lange Karriere zurückblickt. Den Kritikern zufolge (99% positive Rezensionen bei Rotten Tomatoes!) ist das Resultat ein so einsichtsreiches wie unterhaltsames Portrait einer großen Künstlerin.

13. Februar:
"Nightlife":
Gut drei Jahre nach seinem Blockbuster "Willkommen bei den Hartmanns" (gut 3,8 Millionen Zuschauer, damit Nummer 5 der Jahrescharts 2016) meldet sich Regisseur Simon Verhoeven zurück mit einer neuen Komödie. In "Nightlife" spielt Elyas M'Barek den Berliner Barkeeper Milo, dessen erstes Date mit seiner Traumfrau Sunny (Palina Rojinski) einen eher unerwarteten Verlauf nimmt, als unverhofft Milos bester Freund Renzo (Frederick Lau) auftaucht – gejagt von der halben Berliner Unterwelt!

"Sonic the Hedgehog" (3D):
Der rasende Igel Sonic ist seit Jahrzehnten das populäre Maskottchen des Videospiel-Riesen Sega und war Hauptdarsteller in zahllosen Spielen (sowie Comics und Animationsserien). Nun gibt er unter der Regie von Langfilm-Debütant Jeff Fowler sein Kinodebüt in einer Mischung aus Animations- und Realfilm. Dummerweise kam der erste Trailer bei Sonic-Fans überhaupt nicht gut an, da der animierte Igel wenig Ähnlichkeit mit der Videospiel-Vorlage aufwies. Immerhin: Die Verantwortlichen von Paramount reagierten darauf, indem sie Sonic einer Neugestaltung unterwarfen und den Kinostart um einige Monate verschoben. Der neue Trailer mit dem neuen Sonic kam dann auch gleich deutlich besser an, was die Produzenten schwer erleichtert haben dürfte. Bleibt natürlich noch die nicht unentscheidende Frage nach der inhaltlichen Qualität und dem Unterhaltungsgrad des Films. Für den sollte vor allem Jim Carrey sorgen, der als fieser und größenwahnsinniger Oberbösewicht Dr. Robotik mit den einzigartigen Kräften des aus einer anderen Dimension geflüchteten Sonic die Weltherrschaft erobern will und endlich mal wieder so richtig die Sau rauszulassen scheint.

Trotz eher verhalten positiver Kritiken, in denen eine zu oberflächliche Behandlung der Thematik bemängelt wird, zählt auch Jay Roachs ("Austin Powers") Belästigungs-Drama "Bombshell" zu den aussichtsreichen OSCAR-Anwärtern, was in erster Linie dem hochklassigen Ensemble zu verdanken ist. Charlize Theron ("Long Shot") und Nicole Kidman ("Destroyer") agieren als die früheren Fox News-Moderatorinnen Megyn Kelly respektive Gretchen Carlson, Margot Robbie als News-Produzentin Kayla Pospisil – gemeinsam haben die drei neben dem Arbeitsplatz nicht nur auffällige Schönheit, sondern auch, daß sie zu Opfern sexueller Übergriffe innerhalb des rechts-konservativen Senders wurden. Als Carlson juristisch speziell gegen den berühmt-berüchtigten Senderchef Roger Ailes (John Lithgow) vorgeht, melden sich weitere Betroffene, während die Beschuldigten mit all ihrer Macht (und die ist beträchtlich) zurückschlagen.

20. Februar:
"Fantasy Island":
Wer nicht mehr ganz jung ist (so wie ich), erinnert sich vielleicht noch an die harmlose 1980er Jahre-Abenteuer-Serie "Fantasy Island", in der Ricardo Montalbán als wohlmeinender, magisch begabter Millionär Mr. Roark auf seiner titelgebenden Tropeninsel den Besuchern gegen viel Geld diverse ungewöhnliche Lebensträume verwirklicht. Da in den letzten Jahren bekanntlich diverse alte TV-Serien einem Kino-Reboot unterzogen wurden (z.B. "21 Jump Street" oder, s.o., "3 Engel für Charlie"), ist es eigentlich nicht verwunderlich, daß es jetzt auch "Fantasy Island" erwischt – womit allerdings niemand gerechnet haben dürfte, ist, daß die in den letzten Jahren so ungemein erfolgreiche Horrorfilm-Schmiede Blumhouse das übernehmen und aus dem Stoff tatsächlich einen richtigen Horrorfilm machen würde! Ich gebe zu, daß ich dieses Vorgehen wesentlich spannender finde als eine normale Neuauflage. Der neue Mr. Roark wird von Michael Peña ("Ant-Man") verkörpert und ist auch hier im Geschäft mit den erfüllten Wünschen, wobei die diesmal ganz erheblich weniger jugendfrei ausfallen und oft mit Sex und Gewalt zu tun haben. Sehr idyllisch klingt das nicht, es kommt aber noch viel schlimmer, als auf der Insel eine Mordserie ihren Lauf nimmt … Regie führt Jeff Wadlow ("Kick-Ass 2"), in weiteren Rollen sind Maggie Q ("Mission: Impossible III") und Lucy Hale (die mit Wadlow bereits den Horrorhit "Wahrheit oder Pflicht" drehte) vertreten.

"Ruf der Wildnis":
Nein, wir sind immer noch nicht durch mit Remakes und Neuverfilmungen, die in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 in den deutschen Kinos starten. Jack Londons berühmte Abenteuergeschichte wurde mehrfach adaptiert, u.a. 1935 von William A. Wellman mit Clark Gable in der Hauptrolle und 1972 von Ken Annakin mit Charlton Heston – sogar eine animierte Peanuts-Version gibt es! Die neueste Verfilmung entstand unter der Regie des Animationsfilm-Spezialisten Chris Sanders ("Drachenzähmen leicht gemacht"), wofür es einen guten Grund gibt: Hund Buck ist computeranimiert! Die menschliche Hauptrolle des eigenbrötlerischen John Thornton, der sich mit dem aus seinem Zuhause entführten und als Schlittenhund verwendeten Buck anfreundet und mit ihm durch die unwirtliche Wildnis des Alaska der 1860er Jahre zieht, spielt Harrison Ford.

"Lassie – Eine abenteuerliche Reise":
Die von US-Schriftsteller Eric Knight ersonnene Langhaarcollie-Dame Lassie ist wahrscheinlich immer noch der berühmteste Hund aller Zeiten (sorry, Idefix und Struppi!) und stand im Zentrum unzähliger vorwiegend amerikanischer Adaptionen für Kino und Fernsehen. Die neueste Lassie-Ausgabe stammt allerdings aus Deutschland und von Regisseur Hanno Ollerdissen ("Rock My Heart"). Hier lebt Lassie mit dem 12-jährigen Flo (Nico Marischka) in einem süddeutschen Dorf – doch als Flos Vater den Job verliert und die Familie in eine günstigere Wohnung ziehen muß, in der Hunde verboten sind, kommt Lassie zu einem Grafen und seiner Enkelin. Lassie hat Flo aber nicht vergessen und reißt während des Nordsee-Urlaubs aus, um quer durch Deutschland zurück zu ihrem geliebten Herrchen zu finden. Und Flo hatte den gleichen Gedanken und sucht bereits nach Lassie …

"Brahms: The Boy II":
Vor drei Jahren gelang Regisseur William Brent Bell mit dem Horrorfilm "The Boy" mit "The Walking Dead"-Star Lauren Cohan in der Hauptrolle ein überraschender Erfolg – trotz ziemlich mieser Kritiken lockte die Geschichte eines Kindermädchens, das es in seinem neuen Job mit einer unheimlichen Puppe zu tun bekommt, vor allem in den USA viele Zuschauer in die Kinos. Auf eine Fortsetzung haben vermutlich trotzdem nicht viele gewartet, aber bekanntlich gibt es ja kaum einen auch nur ansatzweise erfolgreichen Horrorfilm ohne Sequel. Bei diesem hat erneut Genrespezialist William Brent Bell die Regie übernommen. Von der Besetzung kehrt allerdings (soweit bekannt) niemand zurück, stattdessen zieht eine neue Familie (Katie Holmes und "The Mentalist"-Star Owain Yeoman) ins Anwesen "Heelshire Mansion" mit seiner düsteren Historie und der mysteriösen Puppe ein, die den jungen Sohn bald in ihren Bann zieht.

27. Februar:
"Der Unsichtbare":
Wie war das? Hollywood soll doch bitte endlich mehr Remakes drehen? Okay, bitte schön: 1933 war James Whales "Der Unsichtbare" nach einem Roman von H.G. Wells und mit dem wunderbaren Claude Rains in der Titelrolle (keine Sorge, er ist nicht ständig unsichtbar) einer der größten Erfolge aus Universals genreprägender Monsterfilm-Reihe der 1930er Jahre, zu der auch "Dracula", "Frankenstein", "Die Mumie" und "Der Wolfsmensch" zählen. Seitdem gab es eine Reihe von meist eher losen Neuinterpretationen des Stoffes, von denen jüngeren Kinofans am ehesten Paul Verhoevens mittelmäßiger "Hollow Man" mit Kevin Bacon aus dem Jahr 2000 erinnerlich sein dürfte. Bekanntlich versucht Universal schon seit Jahren, seine alten Monster-Marken in einem neuen, eng miteinander verwobenen Horrorfilm-Universum á la Marvels MCU wiederzubeleben, was allerdings mit den ersten beiden Versuchen "Dracula Untold" und "Die Mumie" ziemlich in die Hose ging. Der neue Ansatz ist daher, wieder verstärkt auf Einzelfilme zu setzen und da macht "Der Unsichtbare" den Anfang. Und die Voraussetzungen für einen Erfolg sind gar nicht so schlecht, denn Regisseur und Drehbuch-Autor Leigh Whannell hat mit seiner maßgeblichen Beteiligung an Horrorhits wie der "Saw"- und der "Insidious"-Reihe sein Talent im Genre nachdrücklich bewiesen. Zudem hat man mit Elisabeth Moss (TV-Serie "The Handmaid's Tale") und Oliver Jackson-Cohen (Netflix-Serie "Spuk in Hill House") talentierte Hauptdarsteller und der Trailer macht einen guten Eindruck. Moss und Jackson-Cohen spielen ein Paar, das nicht wirklich gut harmoniert – genau genommen ist Adrian gewalttätig, weshalb Cecilia ihn schlußendlich verläßt. Als Konsequenz begeht Adrian Selbstmord, doch schon bald gerät Cecilia ins Zentrum merkwürdiger, bedrohlicher Vorkommnisse. Sie ist überzeugt: Adrian hat seinen Tod inszeniert und ist nun hinter ihr und ihren Lieben her …

Nach zwei zwar gar nicht so schlechten, aber kommerziell übel gefloppten Filmen ("Codename U.N.C.L.E." und "King Arthur: Legend of the Sword") schien die Hollywood-Karriere des Briten Guy Ritchie beinahe beendet, ehe ihm im Sommer 2019 mit Disneys "Aladdin" ein Milliarden-Dollar-Comeback gelang. Trotzdem besinnt er sich mit "The Gentlemen" auf seine Wurzeln, denn bekannt wurde Ritchie ja mit rasanten und schwarzhumorigen britischen Gangsterfilmen wie "Bube, Dame, König, grAs", "Snatch" und "RocknRolla". Matthew McConaughey spielt in "The Gentlemen" den aus den USA ausgewanderten Londoner Drogenbaron Mickey, der aus dem äußerst lukrativen, aber eben illegalen Geschäft aussteigen möchte, um sich ganz dem luxuriösen Leben mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery, "Non-Stop") zu widmen. Also will er sein Drogenimperium verkaufen – und löst ein turbulentes Hauen, Stechen und Intrigieren unter den zahlreichen Interessenten aus, die u.a. von Jeremy Strong ("Molly's Game"), Henry Golding ("Crazy Rich") und Hugh Grant (der ja schon in "Paddington 2" einen tollen Bösewicht abgab) verkörpert werden.

"Just Mercy":
Im auf einem autobiographischen Bestseller von Bryan Stevenson basierenden Todesstrafen-Gerichtsdrama von Indie-Filmemacher Destin Daniel Cretton ("Short Term 12") spielt Michael B. Jordan ("Creed") den jungen und idealistischen Anwalt Bryan, der nach seinem erstklassigen Abschluß in Harvard nicht für ein hohes Gehalt in einer Top-Kanzlei anfangen, sondern seine Fähigkeiten und sein Wissen für etwas Gutes einsetzen will – gemeinsam mit Kollegin Eva (Brie Larson, "Captain Marvel") kämpft er in Alabama um Gerechtigkeit für fälschlich verurteilte Häftlinge. Walter McMillian (Golden Globe-Nominierung für Jamie Foxx) ist ein Paradebeispiel, denn trotz etlicher entlastender Beweise wurde er wegen Mordes zur Todesstrafe verurteilt. Trotz allem, was für Walters Unschuld spricht: Seine Rehabilitierung zu erreichen, ist in einem von rassistischen Vorurteilen durchzogenen System keine einfache Aufgabe …

"Chaos auf der Feuerwache":
Die mittelmäßig rezensierte familienfreundliche Komödie von Genre-Spezialist Andy Fickman ("Daddy ohne Plan") erzählt von einigen hochspezialisierten Feuerwehrmännern (deren Anführer von John Cena gespielt wird), die drei Geschwister vor einem Buschfeuer retten und sich, da die Eltern zunächst nicht auffindbar sind, einer Aufgabe stellen müssen, die sich als nicht viel weniger anspruchsvoll als die Bekämpfung von Bränden erweist: Babysitten!


Das war meine ausführliche Vorschau auf die wichtigsten Kinostarts in den Monaten Januar und Februar in Deutschland. Den im März und April anlaufenden Filmen widme ich mich in Teil 2 meiner Winter/Frühling-Vorschau, die ich irgendwann im Februar veröffentlichen werde.


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