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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 1. September 2021

BIRDS OF PREY: THE EMANCIPATION OF HARLEY QUINN (2020)

Originaltitel: Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)
Alternativtitel: Harley Quinn: Birds of Prey
Regie: Cathy Yan, Drehbuch: Christina Hodson, Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Margot Robbie, Ewan McGregor, Jurnee Smollett-Bell, Rosie Perez, Ella Jay Basco, Mary Elizabeth Winstead, Chris Messina, Steven Williams, Ali Wong, François Chau, Daniel Bernhardt, Dana Lee, Matthew Willig, Bojana Novakovic
Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (2020) on IMDb Rotten Tomatoes: 79% (6,8); weltweites Einspielergebnis: $201,9 Mio.
FSK: 16, Dauer: 109 Minuten.
Es ist aus zwischen Harley Quinn (Margot Robbie, "The Wolf of Wall Street") und dem Joker – diesmal (angeblich) endgültig! Und als Harley die Trennung mit einem spektakulären Knalleffekt bekannt gibt, weiß ganz Gotham darüber Bescheid. Das bedeutet aber auch, daß Harley nicht mehr unter dem Schutz des Jokers steht, sondern Freiwild ist für alle, die noch eine Rechnung mit ihr offen haben – und das ist so ziemlich jeder Gangster der Stadt sowie zahlreiche weitere Personen. Vor allem Gangsterboß Roman Sionis (Ewan McGregor, "Doctor Sleeps Erwachen") aka Black Mask kann es kaum erwarten, Rache zu üben, weshalb er seine rechte Hand Victor Szasz (Chris Messina, "Argo") mit etlichen Schergen losschickt, um sich Harley zu greifen. Die kann sich lediglich mit einem Deal vor dem sicheren Tod retten, als sie mitbekommt, daß Roman auf der dringenden Suche nach einem besonderen Diamanten ist, den die jugendliche Taschendiebin Cassandra Cain (Ella Jay Basco) stibitzt hat. Harley soll nun den Diamanten im Tausch gegen ihre Freiheit und Sicherheit zurückbringen. Dann entwickelt sie allerdings nicht nur Beschützer-Gefühle gegenüber Cassandra, sondern trifft auch auf die taffe Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez, "The Dead Don't Die"), Romans geheimnisvolle Fahrerin Dinah Lance (Jurnee Smollett-Bell, TV-Serie "Lovecraft Country") und eine Armbrust-Killerin (Mary Elizabeth Winstead, "10 Cloverfield Lane"), die bei den Gangstern von Gotham für Angst und Schrecken sorgt …
 
Kritik:
Als im Sommer 2016 David Ayers "Suicide Squad" in die weltweiten Kinos kam, erwiesen sich die zur Weltrettung genötigten DC-Bösewichte zwar als großer kommerzieller Erfolg, konnten qualitativ aber weder die Kritiker noch Comic-Anhänger oder "normale" Kinozuschauer wirklich überzeugen (wobei fairerweise erwähnt werden soll, daß der veröffentlichte Film sehr wenig mit Ayers Vision zu tun hatte, da ihm das Projekt letztlich aus der Hand genommen und eine ganz andere Schnittfassung auf die Leinwände gebracht wurde). Nur in einem positiven Punkt waren sich fast alle einig: Die zweifach OSCAR-nominierte Australierin Margot Robbie war die ideale Besetzung für Harley Quinn, die notorisch aufgekratzte und durchgeknallte Gefährtin des nicht weniger durchgeknallten Oberbösewichts und Batman-Erzfeindes Joker. Dementsprechend war früh klar, daß Harley einen eigenen Film erhalten würde – "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" war geboren. Zwar ist das kein richtiger Solofilm für die gelernte Psychologin, sondern eher ein Ensemble-Stück von Super-Antiheldinnen, bei dem konsequenterweise auch hinter der Kamera Frauen die Oberhand hatten, angefangen bei Regisseurin Cathy Yan ("Dead Pigs") und Drehbuch-Autorin Christina Hodson ("Bumblebee"); aber das kommt (leider) erst im letzten Drittel richtig zum Tragen und bis dahin dominiert Harley die Geschichte klar, zumal sie auch als (unzuverlässige) Erzählerin fungiert. So vielversprechend die Ausgangslage für "Birds of Prey" war, letzten Endes ist dieses schwarzhumorige Action-Abenteuer leider trotz einiger Stärken nicht viel besser ausgefallen als "Suicide Squad", an den Kinokassen schnitt er sogar deutlich schlechter ab.
 
Daß "Birds of Prey" sein Potential niemals ausreizt, ist schon deshalb bedauerlich, weil er eigentlich viele Dinge richtig macht – nur dauert es viel zu lange, bis der Film seinen Groove findet. So ist es theoretisch eine schöne Idee, die flache, aber rasant inszenierte Story (in der Romans Diamant als ebenso klassischer wie einfallsloser MacGuffin fungiert) von Harley als erratischer Erzählerin präsentieren zu lassen, die praktischen Auswirkungen sind aber weniger erfreulich. Die zahlreichen Handlungs- und Zeitsprünge (weil Harley immer wieder einfällt, daß sie in ihrer Erzählung etwas Wichtiges vergessen hat) unterstreichen zwar passend Harleys bedenklichen mentalen Zustand – noch verstärkt durch ihre Trennung vom Joker –, bremsen den Film vor allem in der ersten Hälfte aber immer wieder aus. Grundsätzlich macht es schon Spaß, Harley bei ihren aberwitzigen, von Cathy Yan schön comichaft übertrieben dargestellten Eskapaden zuzuschauen, zumal es ein paar herrliche Einfälle gibt (Harleys Haus-Hyäne Bruce hätte ebenso ein eigenes Spin-Off verdient wie ihr Rollerderby-Hobby …), jedoch fehlt ein wenig die Zielstrebigkeit, was es auf Dauer recht anstrengend macht. Diese Zeit hätte man vielleicht lieber verwenden sollen, um die zahlreichen weiteren Figuren näher vorzustellen, die großteils kaum Profil entwickeln können. Teilweise können das die engagierten Darsteller einigermaßen wettmachen, gerade Ewan McGregor hat sichtlich Spaß daran, sich als sadistischer Psycho Roman Sionis auszutoben, doch insgesamt bleibt die Figurenzeichnung bedauernswert dünn. Besonders wenig Eindruck macht Romans brutale rechte Hand Victor Szazs – in der TV-Serie "Gotham" in der Verkörperung von Anthony Corrigan noch ein echter Scenestealer, hier zum generischen Schlagetot verkommen (wobei ich mangels Comic-Kenntnis nicht beurteilen kann, welche Version eher der Vorlage entspricht).
 
Viel besser sieht es auch auf der "Helden"-Seite nicht aus: Rosie Perez macht noch das Beste aus der zynischen Polizistin Renee Montoya, dagegen gelingt es nicht einmal der von mir an sich sehr geschätzten Mary Elizabeth Winstead, ihre rachsüchtige Huntress allzu interessant zu gestalten (was sicherlich auch damit zusammenhängt, daß sie von den "Birds of Prey" mit Abstand die geringste Screentime hat). Wirklich positiv bleibt lediglich Romans Fahrerin Dinah Lance im Gedächtnis, die von Jurnee Smollett-Bell schön lakonisch verkörpert wird und eine sehr gute Chemie mit Harley aufweist – nicht ohne Grund soll gerade sie 2022 oder 2023 ein eigenes Spin-Off beim Streamingdienst HBO Max erhalten. So richtig gut funktioniert "Birds of Prey" jedenfalls erst im letzten Drittel, als die titelgebenden Damen endlich zusammenfinden in einem sehenswerten Showdown in passendem Setting (einem verlassenen Vergnügungspark) und mit einfallsreich choreographierten, ziemlich brutalen Kampfsequenzen, in denen vor allem Margot Robbie als Harley Quinn glänzt. Deren Entwicklung ist insgesamt gut und glaubwürdig dargestellt und wird dem Untertitel erfreulicherweise durchaus gerecht, denn im Verlauf reift Harley sichtlich, sie emanzipiert sich vom Joker und zeigt, daß sie sehr wohl auch auf sich allein gestellt für herrlich anarchische Furore sorgen kann. Ein Jahr nach "Birds of Prey" folgte für Harley ein weiterer Einsatz in "The Suicide Squad", diesmal inszeniert von James Gunn, von Kritikern und Fans gefeiert – aber kommerziell eher gefloppt (was teils an den pandemischen Umständen lag und teils wahrscheinlich an dem schlechten Eindruck, den der erste "Suicide Squad" hinterließ und an den der fast identische Titel unklugerweise sofort erinnert). Bleibt zu hoffen, daß es nicht Margot Robbies Abschiedsvorstellung in dieser Rolle war, denn das wäre definitiv ein Verlust.
 
Fazit: "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" ist ein anarchisches, sehr schräges Action-Abenteuer mit starker weiblicher Prägung, das viele gute Ideen und eine wunderbare Hauptdarstellerin Margot Robbie hat, aber an einer übermäßig dünnen Story leidet und erst im Schlußdrittel richtig in Schwung kommt.
 
Wertung: 6,5 Punkte.
 
 
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