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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Dienstag, 30. April 2019

SHAZAM! (3D, 2019)

Regie: David F. Sandberg, Drehbuch: Henry Gayden, Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Zachary Levi, Mark Strong, Djimon Hounsou, Asher Angel, Jack Dylan Grazer, Ian Chen, Grace Fulton, Faithe Herman, Jovan Armand, Adam Brody, Michelle Borth, Ross Butler, Meagan Good, D.J. Cotrona, Cooper Andrews, Marta Milans, John Glover, David F. Sandberg
 Shazam!
(2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 90% (7,2); weltweites Einspielergebnis: $346,2 Mio.
FSK: 12, Dauer: 132 Minuten

Seit Urzeiten wacht der Rat der Zauberer über die sieben Todsünden und sorgt dafür, daß sie nicht für Chaos und Zerstörung auf der Erde sorgen. Doch inzwischen ist nur noch ein Zauberer namens Shazam (Djimon Hounsou, "Guardians of the Galaxy") am Leben; auch seine Kräfte schwinden, weshalb er zunehmend verzweifelt nach einem würdigen Nachfolger sucht, auf den er seine mächtigen Fähigkeiten übertragen kann. Dafür benötigt er jedoch eine reine Seele, und die scheint gar nicht so einfach zu finden zu sein. Als der vor Jahrzehnten selbst als Kandidat gescheiterte und seitdem davon besessene Dr. Sivana (Mark Strong, "Kingsman") einen Weg findet, die Todsünden zu befreien und sich untertan zu machen, muß Shazam improvisieren und bestimmt kurzerhand das wenig heroische 14-jährige Pflegekind Billy Batson (Asher Angel) aus Philadelphia zu seinem Erben. Nur er kann mit den neuen Kräften – die sich manifestieren, sobald er das Wort "Shazam!" sagt, woraufhin er sich in einen erwachsenen und kostümierten Superhelden verwandelt –, Dr. Sivana und die Todsünden von ihrem Zerstörungszug abhalten. Doch dafür muß Billy mit der Hilfe seines nerdigen Pflegebruders Freddy (Jack Dylan Grazer, "Es") erst einmal herausfinden, welche Superkräfte er nun genau besitzt …

Kritik:
Körpertausch-Komödien sind in Hollywood beliebt genug, daß alle paar Jahre eine gedreht wird – obwohl man meinen sollte, daß sich die Zahl der inhaltlichen Variationen dieser Prämisse in Grenzen hält. Wenngleich es auch einige Filme gibt, in denen zwei verschiedene Personen ihre Körper tauschen – in der Regel dann eher dramatische Werke wie die Actionthriller "Face/Off" und "Self/Less" –, kommt es besonders oft vor, daß ein kindlicher oder jugendlicher Protagonist plötzlich den Körper eines Erwachsenen hat ("Big", "17 Again", "30 über Nacht") oder Kind und Elternteil ihre Körper tauschen ("Freaky Friday"). Was es bisher meines Wissens noch nicht gab (abgesehen von einem 12-teiligen Kinoserial in den 1940er Jahren zur gleichen Figur), war eine Körpertausch-Komödie im Gewand eines Superhelden-Films! Genau das bekommen wir mit "Shazam!" kredenzt, einem weiteren Teil des DC Extended Universe, das aber trotz diverser Anspielungen auf Batman, Superman und Co. problemlos als Standalone-Film ohne inhaltliche Verbindungen zum restlichen DCEU betrachtet werden kann. Bekanntlich versucht DC ja immer noch, irgendwie die Erfolgsformel zu finden, die halbwegs mit dem stetig Rekorde brechenden Rivalen Marvel und dessen MCU mithalten kann; und nachdem die miteinander verbundenen Storys wie "Batman v Superman" und "Justice League" eher schlecht als recht funktionierten, versucht man es alternativ verstärkt mit der Konzentration auf eigenständige Filme. "Aquaman" hat es äußerst erfolgreich vorgemacht und auch der zumindest für Nicht-Comic-Kenner deutlich obskurer daherkommende "Shazam!" mit seinem vorerst namenlosen Superhelden ist zwar bei weitem kein Meisterwerk, bringt jedoch eine neue inhaltliche Farbe und damit frischen Wind in das DCEU.

Die Sache mit dem namenlosen Helden ist übrigens recht clever gelöst, denn eigentlich heißt Billy Batsons Alter Ego "Captain Marvel", was aus offensichtlichen Gründen (welche mit einem jahrzehntelangen Rechtsstreit zwischen Marvel und DC zusammenhängen) für das Publikum ziemlich verwirrend wäre. Deshalb zieht sich die Namenssuche als amüsanter Running Gag durch den gesamten Film, wobei speziell Freddy mit einigen innovativen Vorschlägen aufwartet. Keine Ahnung, wie das in einer möglichen Fortsetzung gehandhabt werden wird, womöglich heißt Billy als Superheld fortan einfach selbst Shazam. Jedenfalls nimmt sich der Film des schwedischen Regisseurs David F. Sandberg ("Lights Out") Zeit, um erst einmal seinen jungen Protagonisten zu etablieren und dann seinen Lernprozeß als Superheld wider Willen zu zeigen. Zugegeben, allzu originell sind beide Aspekte nicht ausgestaltet, aber dafür von Drehbuch-Autor Henry Gayden ("Earth to Echo") glaubwürdig geschrieben sowie handwerklich gut umgesetzt und sympathisch gespielt. Schlüssel zum Erfolg ist dabei vor allem die neue Pflegefamilie, zu der Billy – der immer noch auf der Suche nach seiner Mutter ist, von der er als Kleinkind auf dem Jahrmarkt getrennt wurde, ohne daß sie sich bei der Polizei gemeldet hätte – nach einem weiteren Ausreißversuch kommt. Ehrlich gesagt erscheint mir die große, glückliche Familie von Rosa (Marta Milans, "Das Verschwinden der Eleanor Rigby") und Victor (Cooper Andrews, der axtschwingende Jerry in der TV-Serie "The Walking Dead") – beide selbst frühere Pflegekinder – und ihren mit Billy sechs Schützlingen unterschiedlichen Alters ziemlich unglaubwürdig, aber in einem Film funktioniert das wunderbar und unterstützt sogar Billys Reifeprozeß. Denn bei so viel Gutmütigkeit und familiärer Liebe kann selbst der mürrische Billy auf Dauer nicht anders, als sich gut aufgehoben zu fühlen.

Tja, wenn da nur nicht die Sache mit dem brandneuen Superhelden-Alter Ego wäre! Auch hier gilt: Billys von Freddy enthusiastisch unterstützte Versuche, seine Kräfte herauszufinden und sie sinnvoll einzusetzen, kennt man so ähnlich aus vergleichbaren Filmen wie "Chronicle", doch sind sie dermaßen herzerwärmend sympathisch und witzig umgesetzt, daß man nicht anders kann, als sich bei aller Vorhersehbarkeit und mangelndem Tiefgang gut unterhalten zu fühlen. Dazu trägt auch Zachary Levi als Superhelden-Billy bei: Der frühere "Chuck"-Star und im MCU gnadenlos vergeudete Thor-Gefolgsmann Fandral spielt seine Rolle mit angemessen kindlicher Begeisterung und viel Charisma. Generell ist der Humor in "Shazam!" durchgehend harmlos und familienfreundlich, was ihn aber natürlich nicht weniger witzig macht; zumal die Trefferquote der Gags erfreulich hoch ist. Einen starken Kontrast zu den Comedy-Elementen stellt dagegen der von Mark Strong routiniert verkörperte Bösewicht Dr. Sivana dar, denn wie er seine durch die Befreiung der Todsünden erworbenen Kräfte einsetzt, ist bemerkenswert brutal, phasenweise regelrecht sadistisch. Seine deutsche Altersfreigabe ab 12 Jahren hat sich "Shazam!" dadurch redlich verdient. Bedauerlicherweise ist Dr. Sivana alles in allem aber ein ziemlich langweiliger Oberschurke – als Einstiegsgegner für den als Held unerfahrenen Billy geht er in Ordnung, in Erinnerung wird er mangels markanter Persönlichkeit oder spannender Motivation nicht lange bleiben. Immerhin begünstigt er eine Entwicklung im temporeichen, aber leider arg generischen Showdown zur leicht altmodischen, verspielten Musik von Benjamin Wallfisch ("Blade Runner 2049") in einem Weihnachtsmarkt, welche ich nicht spoilern will, die aber viel erzählerisches Potential für eine Fortsetzung aufweist. Ob es zu der kommt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesichert, aber wahrscheinlich. Von den Einspielergebnissen her ist "Shazam!" zwar der mit Abstand unpopulärste DCEU-Film, aber dank eines vergleichsweise geringen Budgets von etwa $100 Mio. und angesichts des immensen Popularitätsnachteils im Vergleich zu Batman, Superman oder Wonder Woman kann DC ihn dennoch locker als Erfolg verbuchen, auf dem man aufbauen kann. Drehbuch-Autor Henry Gayden wurde jedenfalls bereits damit beauftragt, ein neues Skript zu erarbeiten – das bedeutet nicht, daß ein Sequel auf jeden Fall kommen wird, ist aber natürlich ein gutes Zeichen. Und eine zusätzliche Szene während des Abspanns von "Shazam!" gibt Comicfans bereits einen Hinweis auf den neuen Antagonisten (am Ende des Abspanns gibt es noch eine humorige zweite zusätzliche Szene).

Fazit: "Shazam!" ist ein spaßiges Körpertausch-Superheldenabenteuer, das nur wenig Neues zu erzählen hat, aber mit viel Humor und einem ungemein sympathischen Darstellerensemble überzeugt.

Wertung: 7 Punkte.


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