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Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 10. Januar 2013

OSCAR-Nominierungen 2013

Alle Nominierungen für die Academy Awards 2013 (die Verleihung findet am 24. Februar statt) samt meiner kurzen Kommentierung der einzelnen Kategorien:

Bester Film:
- Liebe
- Argo
- Beasts of the Southern Wild
- Django Unchained
- Les Misérables
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- Lincoln
- Silver Linings
- Zero Dark Thirty

Die Academy hat also die möglichen zehn Nominierungsplätze nicht ausgefüllt, sondern für das herausragende Kinojahr 2012 ebenso neun Filme belohnt wie für das mittelmäßige Kinojahr 2011. Das muß man nicht nachvollziehen können, es ist halt so. Größte Überraschung, wenn auch keine echte Sensation, ist die Nennung von Michael Hanekes Drama "Liebe", auch mit "Beasts of the Southern Wild" mußte man nicht unbedingt rechnen. Dafür fehlt leider "Moonrise Kingdom", auch "The Master" und die Blockbuster "Skyfall" und "The Dark Knight Rises" haben es, wie bereits abzusehen war, letztlich nicht auf die Liste geschafft.

Beste Regie:
- Michael Haneke, "Liebe"
- Benh Zeitlin, "Beasts of the Southern Wild"
- Ang Lee, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger"
- Steven Spielberg, "Lincoln"
- David O. Russell, "Silver Linings"

Die erstaunlichste Kategorie des Tages, denn mit Kathryn Bigelow und Ben Affleck ("Argo") fehlen gleich zwei Namen, die als absolut gesetzt galten, zudem waren Quentin Tarantino ("Django Unchained") und Tom Hooper ("Les Misérables") eher erwartet worden als Haneke oder Zeitlin. Selbst Russell ist eine kleine Überraschung, womit sich von den Topfavoriten letztlich nur Spielberg und Lee durchsetzen konnten.

Bester Darsteller:
- Bradley Cooper, "Silver Linings"
- Daniel Day-Lewis, "Lincoln"
- Hugh Jackman, "Les Misérables"
- Joaquin Phoenix, "The Master"
- Denzel Washington, "Flight"

Keine Überraschungen in dieser Kategorie. Daß die ursprünglichen Mitfavoriten John Hawkes ("The Sessions") und Sir Anthony Hopkins ("Hitchcock") es nicht schaffen würden, hatte sich bereits länger abgezeichnet. Phoenix konnte sich dafür trotz seiner demonstrativen Weigerung, sich aktiv an der Awards Season zu beteiligen, verdient durchsetzen.

Beste Darstellerin:
- Jessica Chastain, "Zero Dark Thirty"
- Jennifer Lawrence, "Silver Linings"
- Emmanuelle Riva, "Liebe"
- Quvenzhané Wallis, "Beasts of the Southern Wild"
- Naomi Watts, "The Impossible"

Hier wird gleich zweimal OSCAR-Geschichte geschrieben, denn Riva ist mit 85 Jahren die älteste nominierte Hauptdarstellerin überhaupt, Wallis mit 9 Jahren die jüngste. Vor allem Wallis' Nominierung anstelle der höher gehandelten Marion Cotillard ("Der Geschmack von Rost und Knochen"), Dame Helen Mirren ("Hitchcock") oder auch Keira Knightley ("Anna Karenina") ist beachtlich.

Bester Nebendarsteller:
- Alan Arkin, "Argo"
- Robert De Niro, "Silver Linings"
- Philip Seymour Hoffman, "The Master"
- Tommy Lee Jones, "Lincoln"
- Christoph Waltz, "Django Unchained"

Auch hier haben sich die Favoriten durchgesetzt, im "Django"-internen Rennen hat der arme Leonardo DiCaprio wie so oft bei den Academy Awards den Kürzeren gezogen. Matthew McConaughey ("Magic Mike") konnte seine starke Performance bei den Kritikerpreisen ebenfalls nicht in eine OSCAR-Nominierung ummünzen.

Beste Nebendarstellerin:
- Amy Adams, "The Master"
- Sally Field, "Lincoln"
- Anne Hathaway, "Les Misérables"
- Helen Hunt, "The Sessions"
- Jacki Weaver, "Silver Linings"

Daß sich Weaver gegen Nicole Kidman ("The Paperboy"), Dame Maggie Smith ("Best Exotic Marigold Hotel") und Ann Dowd ("Compliance") durchsetzen würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Ansonsten die Namen, mit denen man rechnen konnte.

Bestes Original-Drehbuch:
- Michael Haneke, "Liebe"
- Quentin Tarantino, "Django Unchained"
- John Gatins, "Flight"
- Wes Anderson und Roman Coppola, "Moonrise Kingdom"
- Mark Boal, "Zero Dark Thirty"

"Moonrise Kingdom" bekommt wenigstens eine Nominierung als Trost dafür, daß der Film ansonsten komplett ignoriert wurde. "Flight" hat die wesentlich höher gehandelten "The Master" und "Looper" (bei dem ich aber schon befürchtet hatte, daß die Academy sich wieder einmal querstellen würde) ausgestochen.   

Bestes adaptiertes Drehbuch:
- Chris Terrio, "Argo"
- Lucy Alibar und Benh Zeitlin, "Beasts of the Southern Wild"
- David Magee, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger"
- Tony Kushner, "Lincoln"
- David O. Russell, "Silver Linings"

Vier erwartete Nennungen, "Beasts" verhagelt dafür leider "Vielleicht lieber morgen" die einzige realistische Nominierung.   

Bester Animationsfilm:
- Merida – Legende der Highlands
- Frankenweenie
- ParaNorman
- Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen
- Ralph reichts

"Die Piraten!" hat sich etwas unerwartet in das Feld geschlichen, dafür fehlt "Die Hüter des Lichts". Die anderen vier waren eigentlich klar.

Beste Kamera:
- Seamus McGarvey, "Anna Karenina"
- Robert Richardson, "Django Unchained"
- Claudio Miranda, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger"
- Janusz Kaminski, "Lincoln"
- Roger Deakins, "Skyfall"

Robert Richardson statt Danny Cohen ("Les Misérables"), ansonsten alles wie erwartet und entsprechend den gestrigen Nominierungen der Gilde der Kameraleute.

Beste Musik:
- Dario Marianelli, "Anna Karenina"
- Alexandre Desplat, "Argo"
- Mychael Danna, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger"
- John Williams, "Lincoln"
- Thomas Newman, "Skyfall"

Keine OSCAR-Nominierungs-Prozedur ohne John Williams – selbst wenn seine Musik wie bei "Lincoln" bei Kennern nicht wirklich gut ankommt. Auch Newmans Nominierung für seinen guten, aber eher unauffälligen "Skyfall"-Soundtrack ist bemerkenswert. Dafür wurde auch hier Mitfavorit "Cloud Atlas" ignoriert, gleiches gilt für "Beasts of the Southern Wild", "Moonrise Kingdom", "Der Hobbit" und "The Dark Knight Rises". Es ist schon kurios, daß "Beasts" ziemlich unerwartet in vier Hauptkategorien (Film, Regie, Drehbuch, Darstellerin) nominiert wird, aber nicht in der Kategorie, in der er favorisiert war.

Bester Filmsong:
- "Before my time" von J. Ralph, gesungen von Scarlett Johansson, "Chasing Ice"
- "Everybody needs a friend" von Seth McFarlane, gesungen von Norah Jones, "Ted"
- "Pi's Lullaby" von Mychael Danna und Bombay Jayashri, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger"
- "Skyfall" von Adele, "Skyfall"
- "Suddenly" von Claude-Michel Schönberg, Herbert Kretzmer und Alain Boublil, gesungen von Hugh Jackman, "Les Misérables"

Die Song-Kategorie ist seit jeher dermaßen unvorsehbar, daß es fast schon wieder erstaunlich ist, daß die beiden Favoriten "Skyfall" und "Suddenly" tatsächlich vertreten sind. Mit den drei übrigen Songs hatten dagegen eher wenige gerechnet, dafür fehlt leider der "Song of the Lonely Mountain" aus "Der Hobbit". Mal sehen, ob Scarlett Johansson und Hugh Jackman mit ihren Liedern bei der OSCAR-Verleihung auftreten werden.

Beste Kostüme:
- Jacqueline Durran, "Anna Karenina"
- Paco Delgado, "Les Misérables"
- Joanna Johnston, "Lincoln"
- Eiko Ishioka, "Spieglein Spieglein"
- Colleen Atwood, "Snow White and the Huntsman"

Die Berücksichtigung beider Schneewittchen-Filme des Jahres 2012 ist beinahe sensationell (selbst einer davon wäre eine große Überraschung gewesen), aber meiner Ansicht nach gerade bei "Spieglein Spieglein" verdient. Leider ist es für Ishioka eine posthume Ehre. Von den favorisierteren Filmen fehlen dafür "Cloud Atlas", "Django Unchained" und "Moonrise Kingdom".

Beste Ausstattung:
- Anna Karenina
- Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
- Les Misérables
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- Lincoln

Daß "Cloud Atlas" auch hier übergangen wurde, ist fast schon tragisch, auch mit "The Dark Knight Rises", "Django Unchained" oder "Prometheus" hatten in dieser Kategorie viele gerechnet.

Beste Spezialeffekte:
- Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- The Avengers
- Prometheus
- Snow White and the Huntsman

Und auch hier muß "Cloud Atlas" (ebenso wie "The Dark Knight Rises") einem schwächeren, wenngleich ebenfalls guten Konkurrenten ("Snow White") den Vortritt lassen. Aber wenigstens kommt mit "The Avengers" einer der beiden hochgelobten Überblockbuster des Sommers 2012 zu einer OSCAR-Nominierung ...

Bester Schnitt:
- Argo
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- Lincoln
- Silver Linings
- Zero Dark Thirty

Es ist keine echte Überraschung enthalten, aber daß "Les Misérables" nicht nur bei Regie und Drehbuch, sondern ebenfalls in einigen technischen Kategorien wie dieser ignoriert wurde, läßt die Chancen in der Königskategorie deutlich schwinden.

Bester Tonschnitt:
- Argo
- Django Unchained
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- Skyfall
- Zero Dark Thirty

Bester Ton:
- Argo
- Les Misérables
- Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
- Lincoln
- Skyfall

Bestes Makeup und Haarstyling:
- Hitchcock
- Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
- Les Misérables

"Der Hobbit" und "Les Misérables" waren erwartet worden, daß sich das zwar auffällige, aber wenig überzeugende Makeup in "Hitchcock" den dritten Platz anstelle von "Lincoln" oder dem bereits in der Vorauswahl gescheiterten "Cloud Atlas" sichert, ist dagegen eher unschön.

Bester fremdsprachiger Film:
- Liebe, Österreich
- Kon-Tiki, Norwegen
- No, Chile
- Die Königin und der Leibarzt, Dänemark
- War Witch, Kanada

Das Fehlen des weltweiten Blockbusters "Ziemlich beste Freunde" aus Frankreich in dieser Auflistung ist eine kleine Sensation. Ansonsten konnten sich aber die Favoriten durchsetzen. Der deutsche Beitrag "Barbara" war bereits in der Vorauswahl gescheitert, dafür sind aber "Liebe", "Kon-Tiki" und "Die Königin und der Leibarzt" deutsche Co-Produktionen.

Bester Dokumentarfilm:
- 5 Broken Cameras
- The Gatekeepers
- How to Survive a Plague
- The Invisible War
- Searching for Sugar Man

Die Nominierung von "5 Broken Cameras" kommt unerwartet, ansonsten auch hier ein Schaulaufen der Favoriten. Was in dieser notorisch überraschungsreichen Kategorie fast schon wieder eine Überraschung ist. "The Gatekeepers" ist übrigens eine israelisch-französisch-deutsch-belgische Co-Produktion, deren deutscher Titel "Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst" lautet.

Beste Kurz-Dokumentation:
- Inocente
- Kings Point
- Mondays at Racine
- Open Heart
- Redemption 

Bester Kurzfilm:
- Asad
- Buzkashi Boys
- Curfew
- Death of a Shadow
- Henry 

Bester animierter Kurzfilm:
- Adam and Dog
- Fresh Guacamole
- Head over Heels
- Maggie Simpson in The Longest Daycare
- Paperman 

Quelle: OSCAR-Homepage

Auflistung nach Anzahl der Nominierungen:
Lincoln: 12
Les Misérables: 8
Argo: 7
Liebe: 5
The Master: 3
Flight: 2
Hitchcock: 1
Spieglein Spieglein: 1         
Ted: 1

Die größten Gewinner:
- Von "Life of Pi" waren zwar viele Nominierungen erwartet worden, daß es am Ende aber elf und damit die zweitmeisten hinter Spielbergs "Lincoln" sein würden, damit konnte man kaum rechnen. 
- "Lincoln": Zwölf Nominierungen entsprechen zwar eigentlich den Erwartungen – aber das ungewöhnlich mittelmäßige Abschneiden der beiden vermeintlichen Hauptkonkurrenten "Les Misérables" und "Zero Dark Thirty" (siehe "Verlierer") macht Spielbergs Historiendrama auf einen Schlag zum alleinigen Topfavoriten in der Königskategorie.
- "Liebe" mit fünf Nominierungen, allesamt in Hauptkategorien (die fremdsprachigen Filme großzügig dazugezählt). Was für ein Triumph für Michael Haneke!
- "Beasts of the Southern Wild": Die mit Laiendarstellern gedrehte Low-Budget-Produktion überrascht mit vier Nominierungen in den Hauptkategorien – da läßt es sich verschmerzen, daß die tolle Musik und die starke Kameraarbeit, die eigentlichen Highlights des Films, von der Academy übersehen wurden.

Die größten Verlierer:
- "Les Misérables": Acht Nominierungen sind zwar ordentlich, erwarten durfte man aber locker eine zweistellige Anzahl. Die Nichtbeachtung in den wichtigen Drehbuch- und Regie-Kategorien reduziert die Siegchancen in der Königskategorie fast schon auf Null. 
- "Zero Dark Thirty": Nur fünf Nominierungen für einen der absoluten Topfavoriten, damit war beim besten Willen nicht zu rechnen. Selbst Regisseurin Kathryn Bigelow wurde sensationell übergangen.
- "Argo": Auch hier waren deutlich mehr als sieben Nominierungen erwartet worden, vor allem die Mißachtung von Ben Affleck in der Regie-Kategorie ist ein Schlag ins Gesicht des Thrillers.
- "Moonrise Kingdom": Nur eine Trostnominierung für das Drehbuch, ansonsten keine Liebe für Wes Andersons brillante Außenseiterballade.
- "The Impossible": Für viele Branchenbeobachter galt das spanische Tsunami-Drama als aussichtsreichster Anwärter auf den inoffiziellen Titel "größte Überraschung der OSCAR-Nominierungen". Letztlich wurde aber doch nur Hauptdarstellerin Naomi Watts berücksichtigt.
- anspruchsvolle Großproduktionen: Ob "Der Hobbit" (drei Nominierungen), "The Avengers" (eine Nominierung) oder die komplett leer ausgegangenen "The Dark Knight Rises", "Cloud Atlas" und "Looper" – wieder einmal beweist die Academy einen gewissen Elitarismus. Darüber können auch die immerhin fünf Nennungen für "Skyfall" nicht hinwegtäuschen, zumal sich diese auf Nebenkategorien beschränken.

Persönliches Fazit:
Ehrlich gesagt lassen mich diese Nominierungen etwas enttäuscht zurück. Meine persönlichen Favoriten ("Moonrise Kingdom", "Der Hobbit", "Anna Karenina", "Cloud Atlas") haben bestenfalls mittelmäßig abgeschnitten, auch Tarantinos "Django Unchained", "Zero Dark Thirty" und "Les Misérables" hätte ich mehr Nominierungen gewünscht, ohne sie bereits gesehen zu haben. Das wäre schon für die Spannung in der Kategorie "Bester Film" sehr wichtig gewesen, in der nun alles nach einem Siegeszug für "Lincoln" aussieht. Dafür hat der meiner Meinung nach hoffnungslos überschätzte "Beasts of the Southern Wild" mehr Aufmerksamkeit erhalten, als er verdient hat. Immerhin: Mit der guten Performance von "Silver Linings" bin ich sehr einverstanden. Das ist aus meiner Sicht aber auch fast schon das einzig Gute an der diesjährigen Nominierungsliste (das mag sich ändern, wenn ich "Lincoln" sehe und ihn herausragend finden sollte) ...

Interessante und kuriose Statistiken zu den Nominierungen gibt es übrigens bei InsideKino 

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