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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 25. Juli 2018

OCEAN'S 8 (2018)

Regie: Gary Ross, Drehbuch: Olivia Milch und Gary Ross, Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Rihanna, Helena Bonham Carter, Mindy Kaling, Sarah Paulson, Awkwafina, James Corden, Richard Armitage, Dakota Fanning, Griffin Dunne, James Hindman, Marlo Thomas, Elliott Gould, Qin Shaobo, Katie Holmes, Heidi Klum, Serena Williams + zahllose weitere Promi-Cameos
 Ocean's Eight
(2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 67% (6,2); weltweites Einspielergebnis: $263,4 Mio.
FSK: 0, Dauer: 111 Minuten.

Nach gut fünfjähriger Gefängnisstrafe kommt die Meisterdiebin Debbie Ocean (Sandra Bullock, "Taffe Mädels") auf Bewährung frei. Die Inhaftierung hat ihre Gesinnung jedoch keineswegs geändert, vielmehr hatte sie mehr als fünf Jahre Zeit, um einen besonders spektakulären Coup zu planen: den Raub eines $150 Mio. teuren Diamanten-Colliers von Cartier. Da dieses aber seit Jahrzehnten sicher bei Cartier verstaut ist, muß es zuerst einmal irgendwie ans Tageslicht gebracht werden. Debbies Idee: Bei der jährlichen, stargespickten Wohltätigkeitsveranstaltung "Met Gala" im New Yorker Metropolitan Museum of Art – Thema diesmal: "European Royalty" – soll es das Kostüm der berühmten Schauspielerin Daphne Kluger (Anne Hathaway, "Colossal") perfektionieren. Um das zu erreichen, müssen Debbie und ihre beste Freundin und Partnerin Lou (Cate Blanchett, "Carol") die angesehene, aber hochverschuldete britische Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter, "Les Misérables") dazu bringen, sich ihnen anzuschließen und Daphne zu einem entsprechenden Outfit zu überreden – denn den Wunsch eines der größten Hollywood-Stars würde selbst Cartier nicht einfach ausschlagen …

Kritik:
Sandra Bullock und George Clooney sind seit Jahrzehnten so gut miteinander befreundet, daß sie selbst es oft als ein beinahe geschwisterliches Verhältnis bezeichnet haben. So gesehen nur logisch, daß Bullock im ersten frauenzentrierten Spin-Off von Steven Soderberghs populärer "Ocean's"-Reihe mit Debbie die Schwester von Clooneys Figur Danny Ocean spielt. Zur erst zweiten Zusammenarbeit vor der Kamera (nach "Gravity") kommt es zwar noch nicht, aber wer weiß: Vielleicht ist es ja in der bereits angedachten Fortsetzung so weit? Na gut, Clooney hat nach "Ocean's Thirteen" gesagt, es wäre für ihn der Schlußpunkt in dieser Rolle und angeblich ist Danny in der Zwischenzeit sogar verstorben (wie wir gleich zu Beginn erfahren), aber wenn sich das bewahrheiten sollte, wäre ich trotzdem weitaus überraschter als wenn er im nächsten Film mit einem Spruch á la "Mir geht's schon wieder viel besser" auftaucht. Man kann sich jedenfalls problemlos vorstellen, wie Danny und Debbie Ocean miteinander flachsen, gewitzte Oneliner austauschen und gemeinsam den nächsten großen Coup planen. Nicht, daß Debbie die Hilfe eines Mannes nötig hätte, zumindest bei dem aktuellen Raubzug wäre sie sogar eher störend, denn – wie sie nebenbei bemerkt – Männer fallen auf, Frauen werden eher übersehen. Okay, diese Logik muß sich einem nicht hundertprozentig erschließen, zumal wenn es um eine Wohltätigkeitsgala mit Rotem Teppich geht, auf dem normalerweise eher das Gegenteil gilt – aber sei's drum, "Realitätsnähe" und "Glaubwürdigkeit" waren schließlich noch nie die ersten Begriffe, die einem im Zusammenhang mit den "Ocean's"-Filmen in den Sinn kamen. Und eines steht außer Frage: "Ocean's 8" unterhält gut, was auch und (angesichts eines lange recht mittelmäßigen und erst gegen Ende an Fahrt aufnehmenden Drehbuchs) gerade an der hochkarätigen und sichtlich spielfreudigen weiblichen Besetzung liegt.

Die acht titelgebenden Frauen sind ziemlich bunt gemischt und kommen nicht alle in gleichem Maße zur Geltung, aber das ist bei einem so großen Ensemble kaum zu vermeiden (und war natürlich in der männlichen, sogar noch figurenreicheren Trilogie nicht anders). Klugerweise hat Regisseur und Co-Drehbuch-Autor Gary Ross ("Die Tribute von Panem 1") – der den hier nur noch als Produzent beteiligten Soderbergh vertritt, der mit "Logan Lucky" lieber einen deutlich bodenständigeren Heistfilm verwirklichte – den besten Schauspielerinnen die größten Rollen übergeben. Popstar Rihanna ("Battleship") als Hackerin Nine Ball, Comedian Mindy Kaling (TV-Serie "The Mindy Project") als Juwelen-Expertin Amita und Rapperin Awkwafina als Trickdiebin Constance, aber leider auch Sarah Paulson ("12 Years a Slave") als Schieberin Tammy bleiben weitgehend Beiwerk, wenn sie sich auch gut in das Gesamtbild einfügen und jede mindestens eine gute Szene hat. Das Hauptaugenmerk liegt wenig überraschend auf Sandra Bullock und Cate Blanchett, denen ihre Rollen erkennbar viel Freude bereiten – als Scenestealer erweisen sich allerdings Helena Bonham Carter und Anne Hathaway. Besonders Bonham Carter kommt als ein wenig hibbelige und schusselige, im entscheidenden Moment aber gut improvisierende Modedesignerin Rose ungemein amüsant und sympathisch rüber, während Hathaway als (ohne es auch nur zu ahnen) Antagonistin der Diebesbande die stärkste schauspielerische Leistung abliefert und das Klischee des oberflächlichen, ichbezogenen Hollywood-Stars subtil parodiert. Für diejenigen, die sich die englischsprachige Originalfassung von "Ocean's 8" anschauen, gibt es außerdem noch ein ganz besonderes Schmankerl: Erstmals in ihrer Karriere spricht die in Nürnberg aufgewachsene Sandra Bullock vor der Kamera Deutsch – und das sogar ziemlich viel. Sie besucht die Met Gala nämlich als eine reiche Deutsche namens Hilde, die sich dort unter anderem mit Heidi Klum (die als einer von weit über einem Dutzend Promis ein Cameo als sie selbst absolviert) unterhält … und das nach all den Jahren immer noch fast akzentfrei, wenn auch mit einem kleinen Grammatikfehler ("ins Gefrierschrank").

Ein paar Männer spielen selbstredend trotz aller Frauenpower größere Rollen, wobei Richard Armitage ("Der Hobbit") als Debbies schmieriger Ex sowie krimineller Kunsthändler Claude Becker weit weniger Raum zum Glänzen hat als der erst gegen Ende dazustoßende James Corden ("Into the Woods"), der als britischer Versicherungsdetektiv Frazier einen ebenbürtigen, schlagfertigen und gewitzten Widersacher für Debbie abgibt. Achja, und zwei Kurzauftritte von "Ocean's"-Männern gibt es auch: Altstar Elliott Gould und der chinesische Akrobat Qin Shaobo geben sich als Reuben respektive "The Amazing Yen" die Ehre; zwei bereits früh angekündigte Gastauftritte von Matt Damon als Linus und Carl Reiner als Saul fielen dagegen ebenso der Postproduktion zum Opfer wie zahlreiche weitere Cameos (u.a. eines von Damian Lewis). Das ist zwar einerseits schade, andererseits aber vielleicht sogar besser, denn bereits so wird die Handlung von den vielen bekannten Gesichtern etwas sehr in den Hintergrund gerückt. Wobei andererseits dadurch auch nicht so stark auffällt, daß die Story eigentlich nichts Besonderes ist und die Planung wie auch die Durchführung des Coups erstaunlich reibungslos verlaufen. Viel Spannung entwickelt sich also nicht, aber zugegebenermaßen weiß man als Anhänger der Reihe ja sowieso, daß ein Happy-End garantiert ist und Regisseur Ross hält das Tempo (in Verbindung mit dem schwungvollen Score von "King Arthur"-Komponist Daniel Pemberton und einer abwechslungsreichen Songauswahl) fast immer hoch genug, daß man gar nicht erst in Versuchung gerät, sich zu langweilen. Immerhin zeigt das Drehbuch im letzten Akt dann doch noch seine Stärken und überrascht nach dem Raubzug mit einigen gelungenen Wendungen und Enthüllungen. Es ist ein wenig ironisch, daß bei einem Heistfilm ausgerechnet die Phase nach dem Coup am meisten Spaß macht, aber was soll's … Im Vergleich zu den Werken der Hauptreihe ist "Ocean's 8" meiner Ansicht nach schlechter als "Ocean's Eleven", besser als "Ocean's Twelve" und in etwa auf dem gleichen Niveau wie "Ocean's Thirteen".

Fazit: Die Gaunerkomödie "Ocean's 8" ist ein anspruchsloser, aber amüsanter, lässiger und gut gespielter Sommerfilm vor interessanter Kulisse.

Wertung: Dank der letzten 20 Minuten knapp 7,5 Punkte (statt 7).

P.S.: Falls sich übrigens jemand über den recht niedrigen IMDb-Score wundert: Der erklärt sich durch aktuell mehr als 3000 1-Punkt-Wertungen (mehr als 7 % aller abgegebenen Stimmen), von denen mindestens 90 % das Resultat einer Kampagne stumpfsinniger Neanderthaler sind, die seit Jahren konzertiert gegen Hollywood-Remakes, -Reboots oder -Fortsetzungen mit nun vorwiegend weiblicher und/oder nicht-weißer Besetzung vorgehen. International für Schlagzeilen sorgte das vor allem beim "Ghostbusters"-Reboot (da sind es fast 30.000 oder 17 % 1-Punkt-Wertungen ...), in kleinerem Umfang gibt es das aber sehr wohl noch immer. Die um die Trolle bereinigte IMDb-Wertung dürfte ziemlich genau einen halben Punkt höher liegen, also bei etwa 7 Punkten (was auch dem Median entspricht).


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