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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 20. Juni 2018

JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH (3D, 2018)

Regie: Juan Antonio Bayona, Drehbuch: Derek Connolly und Colin Trevorrow, Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, Daniella Pineda, Justice Smith, Rafe Spall, Ted Levine, James Cromwell, Isabella Sermon, Toby Jones, BD Wong, Geraldine Chaplin, Robert Emms, Jeff Goldblum
Jurassic World: Das gefallene Königreich
(2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 47% (5,4); weltweites Einspielergebnis: $1310,5 Mio.
FSK: 12, Dauer: 129 Minuten.

Seit der verhängnisvollen Katastrophe in "Jurassic World" wurden die verbliebenen Dinosaurier auf Isla Nublar sich selbst überlassen, was ihnen ziemlich gut bekam. Nun droht jedoch ein unmittelbar bevorstehender Vulkanausbruch die ganze Insel zu zerstören, was der Menschheit eine schwierige Entscheidung aufhalst. Während die einen wie der berühmte Chaosforscher Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum, "Thor 3") fordern, die Dinosaurier sterben zu lassen und damit gewissermaßen die Natur jenen Fehler beheben zu lassen, den die Menschen in Person von John Hammond 25 Jahre zuvor begangen hatten, plädieren andere für die Rettung möglichst vieler Tiere. Als die Politik Dr. Malcolms Argumentation folgt, scheint die Sache entschieden, doch der steinreiche Sir Benjamin Lockwood (James Cromwell, "Die Queen") – früherer Freund und Geschäftspartner Hammonds – hat ein neues Reservat für die Dinosaurier gefunden und möchte sie retten. Zu diesem Zweck engagiert er die frühere "Jurassic World"-Leiterin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard, "The Help") und Tiertrainer Owen Grady (Chris Pratt, "Guardians of the Galaxy"). Während Claire sich sowieso für die Dinosaurier engagiert hatte, macht Owen nur widerwillig mit und nur wegen der Aussicht auf die Rettung der von ihm großgezogenen Raptorin Blue. Auf Isla Nublar angekommen, stellt sich heraus, daß der Evakuierungsleiter Wheatley (Ted Levine, "Das Schweigen der Lämmer") weitaus weniger noble Absichten hat als Lockwood, Claire und Owen …

Kritik:
Als Colin Trevorrow 2015 mit "Jurassic World" das von vielen Fans lange ersehnte Reboot der "Jurassic Park"-Reihe in die Kinos brachte, erwies es sich als ein gigantischer kommerzieller Erfolg (weltweit liegt es drei Jahre später nicht inflationsbereinigt immer noch auf Platz 5 der global erfolgreichsten Filme). Auch die Kritiker- und Fanreaktionen waren überwiegend positiv, wenngleich es durchaus etliche enttäuschte Stimmen gab, die vor allem die dünne Story und nur begrenzt überzeugende Innovationen bemängelten. Damit lagen sie gar nicht falsch, doch für mich funktionierte "Jurassic World" insgesamt dennoch sehr gut, weil der Film Altes und Neues gut kombinierte und die fehlenden Storyraffinessen mit hohem Erzähltempo, gewitzten Dialogen und teilweise brillant getimten Spannungssequenzen ausbügelte. Vor allem ließ mich das metaphernreiche Finale, in dem sich die Fanlieblinge der ersten Stunde Tyrannosaurus Rex und Velociraptoren gewissermaßen gegen das neugeschaffene Monstrum Indominus Rex verbündeten, darauf hoffen, daß die Filmemacher um Trevorrow und den immer noch als Produzent beteiligten Reihenschöpfer Steven Spielberg die Wünsche der Anhänger verstanden hätten und in Zukunft von der bisher praktizierten "Größer, schneller, mehr"-Devise zugunsten besserer Geschichten abrücken würden. Bereits die betont actionlastigen Trailer zu "Jurassic World 2" – nun inszeniert vom Spanier Juan Antonio Bayona ("The Impossible") nach einem Drehbuch von Trevorrow und dem ebenfalls bereits am Vorgänger beteiligten Derek Connolly – ließen mich jedoch daran zweifeln, daß dieses zumindest von mir so interpretierte implizite Versprechen eingehalten werden würde; und tatsächlich wird es das nicht. Ganz im Gegenteil erweist sich "Jurassic World: Das gefallene Königreich" als mit Abstand schwächster Vertreter der nun fünf Filme, der das Besondere der einstmals von Bestseller-Autor Michael Crichton erdachten Reihe achtlos über Bord wirft und dem Publikum stattdessen ein fraglos sehr gut aussehendes, aber seelenloses Creature Feature präsentiert, das der brillanten Optik und dem $170 Mio.-Budget zum Trotz inhaltlich wie ein billiges, klischeetriefendes und unglaubwürdiges B-Movie daherkommt. Um zu erläutern, was mir mißfallen hat, werde ich in dieser Rezension nicht um ein paar Storyspoiler herumkommen, auch wenn ich selbstredend nicht in die Details gehen werde.

Wie bei so vielen mißglückten Filmen läßt sich dieses Desaster zu Beginn noch nicht erahnen. Der fünfminütige, ungemein spannende (wenn auch letztlich ziemlich vorhersehbare) Prolog auf Isla Nublar hält problemlos das hohe Niveau der traditionell starken "Jurassic"-Einleitungen und der dank "Das Waisenhaus" horrorerfahrene Regisseur Bayona bietet sein ganzes Können auf, um in den Zuschauern ein wohliges Gruseln auszulösen. Bedauerlicherweise entpuppt sich das bereits als der absolute Höhepunkt von "Jurassic World 2", denn nach der Titeleinblendung geht es kontinuierlich und immer steiler bergab. Das erste Filmdrittel würde ich dabei alles in allem sogar noch als gelungen bezeichnen, denn die Einführung in die aktuelle Situation – mit dem Comeback des leider lediglich in der Rahmenhandlung vertretenen Dr. Malcolm – und die Rückkehr der weiterhin prima miteinander harmonierenden Claire und Owen zur Isla Nublar, auf der es buchstäblich brodelt, ist routiniert und zweckmäßig umgesetzt; auch die Neuzugänge wie Claires Helfer Zia (Daniella Pineda, TV-Serie "The Originals") und Franklin (Justice Smith, "Margos Spuren") sowie der erfahrene Söldner Wheatley wirken durchaus interessant. Jedoch merkt man bereits in dieser frühen Phase, daß Bayona sehr große Schwierigkeiten hat, jenen "Sense of Wonder" zum Leben zu erwecken, den Spielberg in "Jurassic Park" so meisterhaft auf das Publikum übertrug. Zugegeben, bereits den drei ersten Fortsetzungen gelang das nur noch sporadisch, was wohl sogar zwangsläufig ist, da sich der Zauber der ersten Begegnung mit lebensecht wirkenden Dinosauriern nunmal nicht einfach reproduzieren läßt. Aber bisher kreierten eben alle "Jurassic"-Filme zumindest phasenweise solche Momente – "Das gefallene Königreich" schafft es allein mit der ersten Brontosaurus-Begegnung ansatzweise. Dennoch haben Isla Nublar und ihre erwartungsgemäß erneut hervorragend von den Computertricksern zum Leben erweckten Bewohner ihren Reiz natürlich nicht verloren, weshalb das Dino-Best of, das Bayona in diesem ersten Akt zeigt, sehr wohl unterhaltsam ist. Unterhaltsam und am Ende sogar spektakulär, aber viel zu schnell vorbei; denn mit einem letzten einprägsamen und hochemotionalen Bild (Brontosaurus am Hafen) verabschieden wir uns voraussichtlich für immer von der "nebligen Insel". Für diesen mutigen Schritt zolle ich den Machern durchaus Lob; für das, was sie daraus gemacht haben, definitiv nicht.

Denn ziemlich genau ab diesem Zeitpunkt habe ich mir eigentlich nur noch gewünscht, daß der Film bald vorbei ist. Mit der Rückkehr in die Zivilisation packt "Das gefallene Königreich" ein dermaßen erbärmliches Konvolut an Klischees sowohl bezüglich der Handlung als auch der Figuren aus, daß es fast schon zum Fremdschämen ist. Natürlich war die "Jurassic"-Reihe nie sonderlich subtil in ihrer stets besonders von der Figur des Dr. Ian Malcolm verkörperten Kritik an der menschlichen Hybris, die vielmehr sowas wie ein roter Faden war, der alle Filme verband (okay, abgesehen vielleicht von "Jurassic Park III"). Aber abgesehen davon, daß man sich beim fünften Film vielleicht doch einmal etwas Neues einfallen lassen könnte (wenn man schon die Park-Prämisse ad acta legt), sollte es zumindest nicht so hanebüchen präsentiert werden wie es hier der Fall ist. Die Drehbuch-Autoren Trevorrow und Connolly haben es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, alle Klischees über böse, skrupellose und kurzsichtige Ultra-Kapitalisten in ihren Film zu packen, die es je gab. Die schlechte Nachricht: Es ist ihnen gelungen. Damit greifen sie zwar immerhin konsequent den Nebenhandlungsstrang von "Jurassic World" rund um den Dino-Genetiker Dr. Wu (BD Wong, "Focus") auf, der hier erneut sein Unwesen treibt. Aber das Ganze zu einem James Bond-mäßigen Superschurken-Kongreß in Lockwoods edlem Anwesen verkommen zu lassen samt Auktion, auf der die finsteren Gestalten ein Wettbieten um die geretteten Dinos veranstalten (die teils als Waffen verwendet werden sollen, teils als spektakuläre Jagdtrophäen oder auch einfach als Geschenk für die kleine Tochter …), das ist schon ein verdammt starkes Stück.

Selbstredend geht die Logik dabei komplett über Bord, auch jene gewisse wissenschaftliche Authentizität, um die sich die Reihe lobenswerterweise und im Einklag mit Michael Crichtons ursprünglichem Roman stets bemühte, ist nun endgültig Geschichte. Und natürlich kann sich jeder denken, wie diese Auktion endet (im Chaos nämlich), was das Publikum zumindest mit ein paar für sich genommen gelungenen Szenen und vielen leckeren Dino-Häppchen ein wenig über den ganzen Unsinn hinwegtröstet, der vorübergehend die seit jeher eigentliche Attraktion der Reihe – die Dinosaurier – zu Nebensächlichkeiten degradiert (was wohl sogar die größte Sünde des Films ist). Selbst die Musik des von mir sonst sehr geschätzten Michael Giacchino ("Planet der Affen: Survival") ist diesmal erschreckend generisch, belanglos und schlicht laut geraten. Chris Pratt und Bryce Dallas Howard tun ihr Bestes, aber ab dem zweiten Akt können auch sie nicht mehr viel retten, zumal sie fast komplett in die Passivität gedrängt sind. James Cromwells Rolle als Sir Benjamin ist ebenso verschenkt wie der zu kurze Auftritt von Bayonas "Maskottchen" Geraldine Chaplin (sie spielt in jedem seiner Kinofilme mit) als Hausdame Iris, derweil Rafe Spall ("Anonymus") und Toby Jones ("Captain America") um ihre karikaturenhaften Bösewichtrollen nicht zu beneiden sind und auch Ted Levines hartgesottener Wheatley fast in Vergessenheit gerät. Einzig die junge Isabella Sermon sammelt in ihrem Debüt als Lockwoods tatkräftige Enkeltochter Maisie – mindestens ein Kind gehört zu dieser Reihe einfach dazu – Sympathiepunkte. Weil trotz aller Kritik auch "Das gefallene Königreich" an den Kinokassen überzeugt, wird die für 2021 geplante Fortsetzung mit Sicherheit kommen, die voraussichtlich die neue Trilogie abschließen soll – um mich wieder ins Boot zu holen, müssen sie sich jetzt aber gewaltig ins Zeug zu legen. Die Storyentwicklung am Ende des Films weckt in mir große Skepsis, daß das gelingen kann, aber als – jawohl, weiterhin – großer Fan der Reihe lasse ich mich sehr gerne eines Besseren belehren!

Fazit: "Jurassic World: Das gefallene Königreich" ist ein enttäuschender Sommer-Blockbuster, der die Dinosaurier zu besseren Statisten degradiert und spätestens ab dem zweiten Drittel mit einer geradezu peinlichen Anhäufung von ideenlosen B-Movie-Klischees für Entsetzen sorgt.

Wertung: 3 Punkte.

Meine persönliche Rangfolge der "Jurassic"-Filme:

1. Jurassic Park
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2. Jurassic World
3. Vergessene Welt: Jurassic Park
4. Jurassic Park III
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5. Jurassic World: Das gefallene Königreich


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