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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Montag, 15. März 2021

OSCAR-Nominierungen 2021

Alle Nominierungen für die 93. Academy Awards am 9. Februar mit meiner Einschätzung zu den einzelnen Kategorien:

Bester Film: 
- The Father
- Judas and the Black Messiah
- Minari
- Nomadland
- Promising Young Woman
- Sound of Metal

Trotz der coronabedingt etwas geringeren Anzahl an hochkarätigen OSCAR-Anwärtern haben es acht Filme in die bis zu zehn Nominees umfassende Königskategorie geschafft - letztes Jahr waren es sogar neun. Damals hatten allerdings zum Zeitpunkt der Nominierungen fast alle eine realistische Siegchance und das ist dieses Jahr definitiv nicht gegeben. Vielmehr hat sich das Aussteigerdrama "Nomadland" in der Awards Season als Topfavorit herausgeschält, dem im Normalfall höchstens "The Trial of the Chicago 7" und vielleicht noch "Mank" oder "Minari" gefährlich werden könnten. Eine richtige Überraschung gibt es in dem Achterfeld nicht, wobei "The Father" und "Judas and the Black Messiah" es als Wackelkandidaten geschafft haben - und sich damit u.a. gegen "Borat 2", "Da 5 Bloods", "Neues aus der Welt" und "One Night in Miami" durchsetzen konnten. Netflix ist wie im Vorjahr zweifach vertreten ("Mank" und "The Trial of the Chicago 7"), mit "Minari" gibt es eine (teilweise) nicht-englischsprachige Produktion.

Regie:
- David Fincher, "Mank"
- Lee Isaac Chung, "Minari"
- Chloé Zhao, "Nomadland"
- Emerald Fennell, "Promising Young Woman" 
- Thomas Vinterberg, "Der Rausch"
 
Eine der größten Überraschungen der OSCAR-Nominierungen ist der Däne Thomas Vinterberg, der sich für seinen gefeierten "Der Rausch" in erster Linie gegen "The Trial of the Chicago 7"-Regisseur Aaron Sorkin behaupten konnte. Eine richtige Sensation ist aber weder Vinterbergs Anwesenheit (er war auch schon bei den britischen BAFTAs nominiert worden) noch Sorkins Fehlen, denn man konnte durchaus damit rechnen, daß es Sorkin nur als Drehbuch-Autor in die Endauswahl schaffen würde. Ansonsten sieht die Kategorie wie erwartet aus, Spike Lee ("Da 5 Bloods") oder Regina King ("One Night in Miami") sind damit leer ausgegangen. Die seit langem in den USA arbeitende Chinesin Chloé Zhao und die Britin Emerald Fennell sind die erst sechste und siebte OSCAR-nominierte Regisseurin (zudem ist es das erste Jahr, in dem zwei Frauen in der Kategorie nominiert sind), dafür ist Zhao aber auch gleich klare Favoritin. Am ehesten könnte ihr noch David Fincher gefährlich werden, aber danach sieht es nicht aus.

Hauptdarsteller:
- Sir Anthony Hopkins, "The Father"
- Chadwick Boseman, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Gary Oldman, "Mank"
- Steven Yeun, "Minari"
- Riz Ahmed, "Sound of Metal" 
 
Alles wie erwartet in dieser Kategorie, womit der zu Beginn der Awards Season als äußerst aussichtsreicher Mitfavorit geltende Delroy Lindo für seine intensive Performance in "Da 5 Bloods" leider leer ausgeht. Auch Tom Hanks ("Neues aus der Welt") oder Tahar Rahim ("The Mauritanian") ist keine Überraschung gelungen. Steven Yeun wurde derweil als erster asiatisch-amerikanischer Schauspieler in dieser Kategorie nominiert. Auch hier gibt es mit dem letztes Jahr verstorbenen Chadwick Boseman einen klaren Favoriten. Eine kleine Außenseiterchance kann man Altstar Anthony Hopkins zurechnen.

Hauptdarstellerin:
- Viola Davis, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Frances McDormand, "Nomadland"
- Vanessa Kirby, "Pieces of a Woman"
- Carey Mulligan, "Promising Young Woman" 
- Andra Day, "The United States vs. Billie Holiday" 
 
Dieses Quintett galt schon länger als quasi gesetzt, und so kam es nun auch. Amy Adams ("Hillbilly Elegy"), Michelle Pfeiffer ("French Exit"), Zendaya ("Malcolm & Marie"), Kate Winslet ("Ammonite") oder Anya Taylor-Joy ("Emma") konnten ihre Minichance ergo nicht nutzen. Dies ist die erste Kategorie, die weitgehend offen erscheint: Davis - die nun mit vier Nennungen die meistnominierte schwarze Schauspielerin ist -, McDormand und Mulligan scheinen die besten Aussichten zu haben, aber auch Day und Kirby sind nicht chancenlos. Frances McDormand sollte gewinnen, falls "Nomadland" generell einen großen Siegeszug feiert, allerdings sind sie und Davis bereits OSCAR-Gewinnerinnen, wohingegen Carey Mulligan lange überfällig ist. Ich hoffe auf Mulligan, tippe aktuell aber auf McDormand.

Nebendarsteller:
- Daniel Kaluuya, "Judas and the Black Messiah"
- LaKeith Stanfield, "Judas and the Black Messiah"
- Leslie Odom Jr., "One Night in Miami"
- Paul Raci, "Sound of Metal"
- Sacha Baron Cohen, "The Trial of the Chicago 7" 
 
Mit LaKeith Stanfield gibt es nach dem Regisseur Thomas Vinterberg die zweite ganz große Überraschung der OSCAR-Nominierungen, wobei man hier schon eher von einer waschechten Sensation sprechen könnte. Viele hatten Stanfield jedenfalls nicht auf der Rechnung gehabt, zumal aus "Judas and the Black Messiah" ja bereits Kaluuya als Topfavorit der Kategorie gilt. Offensichtlich kam das historische Black Panther-Drama bei den Academy-Mitgliedern jedoch generell glänzend an, wie auch die nicht wirklich erwartete "Bester Film"-Nominierung beweist. Mit Paul Raci hat es außerdem ein Wackelkandidat in die Top 5 geschafft, dafür mußten u.a. die Golden Globe-Nominees Jared Leto ("The Little Things") und Bill Murray ("On the Rocks") weichen - und Chadwick Boseman ("Da 5 Bloods") bekommt keine Doppel-Nominierung. In der Favoritenstellung befindet sich wie gesagt Kaluuya, wobei ihm Sacha Baron Cohen und Leslie Odom Jr. durchaus gefährlich werden könnten.

Nebendarstellerin:
- Maria Bakalova, "Borat Anschluss Moviefilm"
- Olivia Colman, "The Father"
- Glenn Close, "Hillbilly Elegy"
- Amanda Seyfried, "Mank"
- Youn Yuh-jung, "Minari"
 
Wie ich es befürchtet hatte, mußte unsere deutsche Hoffnung Helena Zengel ("Neues aus der Welt") der bulgarischen "Borat 2"-Newcomerin Bakalova weichen - bei den Globes waren noch beide nominiert, Bakalova aber als Hauptdarstellerin. Als weitere Wackelkandidatinnen blieben Glenn Close und Amanda Seyfried vor Zengel und der Globe-Gewinnerin Jodie Foster ("The Mauritanian"). Favorisiert ist Bakalova, aber es könnte sein, daß genügend Academy-Mitglieder Glenn Close bei ihrer achten OSCAR-Nominierung endlich ihren ersten Sieg bescheren wollen - dagegen spricht allerdings, daß "Hillbilly Elegy" ziemlich miese Kritiken erhielt. Ich persönlich drücke Amanda Seyfried die Daumen, die in "Mank" eine beeindruckende Karrierebestleistung abliefert.

Animationsfilm:
- Die bunte Seite des Monds
- Wolfwalkers 
 
Pixars "Soul" und "Onward" und der irische "Wolfwalkers" waren klar und mit dem chinesisch-amerikanischen "Die bunte Seite des Monds" konnte man ebenfalls rechnen - daß sich jedoch das kinderfreundliche (und leider nicht an den grandiosen Vorgänger heranreichende) britische Stop Motion-Knetgummi-Abenteuer "Shaun das Schaf 2" gegen den sehr populären Hollywood-Blockbuster "Die Croods 2" durchsetzt, das kommt ziemlich unerwartet. Haushoher Favorit ist "Soul", eine Minichance hat vielleicht "Wolfwalkers".

Internationaler Film:
- "Der Rausch", Dänemark
- "Better Days", Hongkong
- "Kollektiv: Korruption tötet", Rumänien 
- "The Man Who Sold His Skin", Tunesien
- "Quo Vadis, Aida?", Bosnien und Herzegowina
 
Topfavorit "Der Rausch" ist dabei, dafür fehlen mit dem guatemaltekischen "La Llorona" und dem französischen "Wir beide" die beiden vermeintlich härtesten Rivalen. Damit sieht es nach einer sehr spannungsarmen Kategorie aus. Der deutsche Anwärter "Und morgen die ganze Welt" war bereits in der ersten Vorauswahl von 15 Kandidaten ausgesiebt worden.

Originaldrehbuch:
- Will Berson und Shaka King, "Judas and the Black Messiah"
- Lee Isaac Chung, "Minari"
- Emerald Fennell, "Promising Young Woman"
- Darius und Abraham Marder, "Sound of Metal"
- Aaron Sorkin, "The Trial of the Chicago 7"

Zwei vermeintlich sichere Nominees fehlen: Der bereits vor vielen Jahren verstorbene "Mank"-Autor Jack Fincher (Vater von Regisseur David) und Pixars "Soul". Dafür konnten sich etwas überraschend "Judas and the Black Messiah" und "Sound of Metal" plazieren. Leichter Favorit ist Aaron Sorkin, für "The Trial of the Chicago 7" könnte es am Ende die einzige Auszeichnung sein.

Adaptiertes Drehbuch:
- Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Dan Swimer, Peter Baynham, Erica Rivinoja, Dan Mazer, Jena Friedman und Lee Kern, "Borat Anschluss Moviefilm"
- Florian Zeller, "The Father"
- Chloé Zhao, "Nomadland"
- Kemp Powers, "One Night in Miami"
- Ramin Bahrani, "The White Tiger"

Ich habe es zugegebenermaßen nicht nachgeschlagen, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß "Borat 2" das erste OSCAR-nominierte Drehbuch mit acht (!) Autoren ist. Normalerweise gelten viele Autoren ja als ein sicheres Zeichen für ernsthafte Qualitätsprobleme in der Produktion (die dann zum Engagement zusätzlicher Autoren respektive script doctors führen), aber bei "Borat 2" liegt das natürlich in erster Linie daran, daß es eine Art Sketch-Film ist. Dementsprechend bemerkenswert ist diese Nominierung, wenngleich "Borat 2" zum erweiterten Kandidatenkreis gezählt wurde. Mit Ramin Bahrani gibt es eine weitere kleine Überraschung, dafür fehlen "Ma Rainey's Black Bottom" und auch "Neues aus der Welt". Als Favorit gilt "Nomadland" vor "The Father".

Kamera:
- Sean Bobbitt, "Judas and the Black Messiah"
- Erik Messerschmidt, "Mank"
- Dariusz Wolski, "Neues aus der Welt"
- Joshua James Richards, "Nomadland"
- Phedon Papamichael, "The Trial of the Chicago 7"

Endlich die erste Nominierung für Paul Greengrass' Spätwestern "Neues aus der Welt", der zu Beginn der Awards Season als einer der großen Favoriten galt, dann aber ziemlich schnell an Fahrt verlor und von diversen Rivalen überholt wurde. Eine Kamera-Nominierung ist für einen Western natürlich nie wirklich überraschend, jedoch war die Konkurrenz groß - beispielsweise gingen "Tenet" und "One Night in Miami" leer aus. "Judas and the Black Messiah" schafft derweil die nächste kleine Überraschung. Eine recht offene Kategorie, in der "Nomadland" und "Mank" leichte Vorteile haben könnten.

Ausstattung:
- Peter Francis und Cathy Featherstone, "The Father"
- Mark Ricker, Karen O'Hara und Diana Stoughton, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Donald Graham Burt und Jan Pascale, "Mank"
- David Crank und Elizabeth Keenan, "Neues aus der Welt"
- Nathan Crowley und Kathy Lucas, "Tenet"

Die erste Nominierung für Christopher Nolans "Tenet", wie "Neues aus der Welt" ein Film, dem zu Beginn des OSCAR-Rennens eine weitaus prominentere Rolle zugetraut worden war - nun müssen sich beide auf die Nebenkategorien beschränken. Größte Überraschung ist das Fehlen von "The Trial of the Chicago 7", auch "The Midnight Sky", "Da 5 Bloods" oder "Mulan" wären möglich gewesen. Als Favoriten sehe ich "Mank" an.

Visuelle Effekte:
- Matt Sloan, Genevieve Camilleri, Matt Everitt und Brian Cox, "Monster Problems"
- Matthew Masmir, Christopher Lawrence, Max Solomon, David Watkins, "The Midnight Sky"
- Sean Faden, Anders Langlands, Seth Maury und Steve Ingram, "Mulan"
- Nick Davis, Greg Fisher, Ben Jones und Santiago Colomo Martinez, "Der einzig wahre Ivan"
- Andrew Jackson, David Lee, Andrew Lockley und Scott Fisher, "Tenet"

Vermutlich wirkt sich in keiner Kategorie die Corona-Pandemie so deutlich aus wie bei den Spezialeffekten, denn die meisten großen Hollywood-Blockbuster wurden ja bis auf weiteres verschoben - weshalb erstmals seit gefühlten Ewigkeiten nicht ein Superhelden-Film nominiert wurde ("Birds of Prey" und "Bloodshot" waren die einzigen Möglichkeiten, wurden allerdings ignoriert). Etwas überraschend fehlt "Mank", wohingegen die Nominierungen für die Komödie "Monster Problems" und für den Disney+-Release "Der einzig wahre Ivan" relativ unerwartet kommen. Klarer Favorit ist "Tenet", als einzigen echten Konkurrenten sehe ich "The Midnight Sky" an.

Kostüme:
- Alexandra Byrne, "Emma"
- Ann Roth, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Trish Summerville, "Mank" 
- Bina Daigeler, "Mulan"
- Massimo Cantini Parrini, "Pinocchio"

Bis auf Matteo Garrones "Pinocchio" anstelle von "One Night in Miami" oder "Neues aus der Welt" ein erwartetes Quintett. Eine offene Kategorie ohne klaren Favoriten, wobei ich "Emma" ganz leicht vorne sehe.

Schnitt:
- Yorgos Lamprinos, "The Father"
- Chloé Zhao, "Nomadland"
- Frédéric Thoraval, "Promising Young Woman"
- Mikkel E. G. Nielsen, "Sound of Metal"
- Alan Baumgarten, "The Trial of the Chicago 7"

Mit dieser Nominierung wird Chloé Zhao zur Vierfach-Nominee (als Produzentin, Regisseurin, Drehbuch-Autorin und Cutterin)! Es fehlen unerwartet "Mank" (was die ohnehin schon geringen "Bester Film"-Siegchancen weiter schmälert, denn ohne Schnitt-Nominierung gewinnt kaum ein Film die Königskategorie), "Neues aus der Welt" und "One Night in Miami", aber dafür ist "Promising Young Woman" ist dieser Kategorie eine Überraschung. Kein klarer Favorit, aber wegen des statistischen Zusammenhangs mit der "Bester Film"-Kategorie könnten "The Trial of the Chicago 7" und "Nomadland" einen kleinen Vorteil haben.

Musik:
- Terence Blanchard, "Da 5 Bloods"
- Trent Reznor und Atticus Ross, "Mank"
- Emile Mosseri, "Minari"
- James Newton Howard, "Neues aus der Welt"
- Trent Reznor, Atticus Ross und Jon Batiste, "Soul"
 
Doch noch eine OSCAR-Nominierung für "Da 5 Bloods", und das in einer Kategorie, in der nicht unbedingt damit zu rechnen war. Verdient ist die Nominierung allemal, dafür fehlt mit Alexandre Desplats "The Midnight Sky"-Score leider einer meiner persönlichen Favoriten. Emile Mosseri ist eine weitere kleine Überraschung, doch Favorit auf den Sieg bleibt die bereits Golden Globe-gekrönte "Soul"-Musik.

Filmsong:
- "Fight For You" von H.E.R., Dernst Emile II, Tiara Thomas, "Judas and the Black Messiah"
- "Hear My Voice" von Daniel Pemberton und Celeste Waite, "The Trial of the Chicago 7" 
- "Husavik" von Savan Kotecha, Fat Max Gsus, Rickard Göransson, "Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga"
- "Io sí (Seen") von Diane Warren und Laura Pausini, "Du hast dein Leben vor dir"
- "Speak Now" von Leslie Odom Jr. und Sam Ashworth, "One Night in Miami"

Die Song-Kategorie ist traditionell unberechenbar, dieses Jahr haben es im Grunde genommen jedoch alle Favoriten zu einer Nominierung gebracht (leider fehlt "Make It Work" aus "Jingle Jangle Journey"). Ich freue mich jetzt schon auf die Performance von "Husavik" (wäre natürlich noch viel besser mit vollbesetztem Publikum!), aber als Favoriten gelten eher die vier anderen Filme. Vielleicht reicht es ja für Diane Warren bei ihrer 12. Nominierung endlich zu ihrem ersten Goldjungen?

Ton:
- Warren Shaw, Michael Minkler, Beau Borders und David Wyman, "Greyhound"
- Ren Klyce, Jeremy Molod, David Parker, Nathan Nance und Drew Kunin, "Mank"
- Oliver Tarney, Mike Prestwood Smith, William Miller und John Pritchett, "Neues aus der Welt"
- Ren Klyce, Coya Elliott und David Parker, "Soul"
- Nicolas Becker, Jaime Baksht, Michelle Couttolenc, Carlos Cortés und Phillip Bladh, "Sound of Metal" 
 
Die bisher zwei Tonkategorien (Ton und Tonschnitt) wurden zu einer verschmolzen. Beim Ton haben seit jeher Kriegsfilme gute Chancen, weshalb diese einzige Nominierung für die Apple+-Produktion "Greyhound" nicht ganz unerwartet kommt. Dafür fehlen mit "The Outpost", "The Midnight Sky" und vor allem "Tenet" gleich drei weitere Filme, die eigentlich für diese Kategorie prädestiniert schienen. Mit Ren Klyce und David Parker (jeweils "Mank" und Soul") gibt es zwei Doppel-Nominees. Kein Favorit erkennbar.

Makeup und Hairstyling:
- Marese Langan, Laura Allen und Claudia Stolze, "Emma"
- Eryn Krueger Mekash, Matthew Mungle und Patricia Dehaney, "Hillbilly Elegy"
- Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal und Jamika Wilson, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Gigi Williams, Kimberley Spiteri und Colleen LaBaff, "Mank"
- Mark Coulier, Dalia Colli und Francesco Pegoretti, "Pinocchio"

Überraschend fehlt "Birds of Prey", ansonsten alles wie erwartet. Favorit ist "Ma Rainey's Black Bottom"; "Hillbilly Elegy" und "Mank" dürften die größten Rivalen sein.

Dokumentarfilm:
- Der Maulwurf - Ein Detektiv im Altersheim
- Kollektiv: Korruption tötet
- Mein Lehrer, der Krake
- Sommer der Krüppelbewegung
- Time

Der Netflix-Publikumsliebling "Mein Lehrer, der Krake" hat es etwas überraschend in die Top 5 geschafft, dafür fehlt mit "The Truffle Hunters" ein Mitfavorit. Und der rumänische "Kollektiv" ist hiermit zweifach nominiert (auch als Internationaler Film). Kein Favorit erkennbar.

Kurzdoku:
- Colette
- A Concerto is a Conversation
- Do Not Split
- Hunger Ward
- A Love Song for Latasha

Kurzfilm:
- Feeling Through
- The Letter Room
- The Present
- Two Distant Strangers
- White Eye

Animierter Kurzfilm:
- Burrow
- Genius Loci
- If Anything Happens I Love You
- Opera
- Yes-People
 
Max Langs und Daniel Snaddons britisch-deutscher "Die Schnecke und der Buckelwal", der die erste Vorauswahl geschafft hatte, hat die Nominierung verfehlt.

Auflistung nach Anzahl der Nominierungen (Filme mit mindestens zwei Nennungen):
Mank: 10 
Nomadland: 6
The Trial of the Chicago 7: 6
Judas and the Black Messiah: 6
The Father: 6
Minari: 6
Sound of Metal: 6
Promising Young Woman: 5
Ma Rainey's Black Bottom: 5 
Neues aus der Welt: 4
Soul: 3
One Night in Miami: 3
Borat Anschluss Moviefilm: 2
Der Rausch: 2 
Tenet: 2 
Emma: 2
Pinocchio: 2
Hillbilly Elegy: 2
Kollektiv: Korruption tötet: 2
Mulan: 2

Gewinner:
Größter Gewinner im Vergleich zu den Erwartungen ist "Judas and the Black Messiah". Das Black Panther-Drama war schwerfällig in die Awards Season gestartet (auch, weil der Film spät fertig wurde) und hat es nun überraschend auf ein halbes Dutzend Nominierungen gebracht, die meisten davon in Hauptkategorien. Mit zehn Nominierungen hat auf den ersten Blick natürlich auch "Mank" gut abgeschnitten, aber davon war fast alles erwartet worden und zwei wichtige Kategorien (Drehbuch und Schnitt) wurden verpaßt. "Nomadland" hingegen kommt zwar "nur" auf sechs Nominierungen, es war aber aufgrund der Machart des Films klar, daß es in den technischen Kategorien wenige Nennungen geben würde, die wichtigen in den Hauptkategorien sind alle vorhanden - womit "Nomadland" Topfavorit bleibt. Sehr zufrieden sein können auch "The Father", "Minari", "Sound of Metal" und "Promising Young Woman".

Verlierer:
Da gibt es dieses Mal einige. An erster Stelle wäre wohl Spike Lees "Da 5 Bloods" zu nennen, der als einstiger Mitfavorit nun mit einer einzigen Nominierung (für die Musik) abgespeist wurde. Nicht viel besser sieht es aus für Regina Kings "One Night in Miami" (drei Nominierungen), Paul Greengrass' "Neues aus der Welt" (vier, jedoch alle in technischen Kategorien) und Christopher Nolans "Tenet" (zwei). "Ma Rainey's Black Bottom" und "The Trial of the Chicago 7" stehen mit fünf respektive sechs Nominierungen zwar auf den ersten Blick gut da, beide haben aber wichtige Kategorien verpaßt ("Ma Rainey" Bester Film, Regie und Drehbuch, "The Trial of the Chicago 7" Regie) und auch in den Nebenkategorien weniger geholt als gedacht.

Fazit:
Obwohl die OSCAR-Nominierungen bis auf den mit zehn Nennungen herausragenden "Mank" so gleichmäßig verteilt sind wie selten, droht die OSCAR-Verleihung deutlich spannungsärmer auszufallen als es in den letzten Jahren der Fall war. "Nomadland" konnte die Favoritenstellung halten, während die größten Konkurrenten nicht näherkamen ("Mank") oder sogar an Boden verloren ("The Trial of the Chicago 7"). Sofern nicht ein Film wie letztes Jahr "Parasite" das Feld von hinten aufrollt (vielleicht "Judas and the Black Messiah"?), scheinen die Gewinner der meisten Hauptkategorien ziemlich klar zu sein. Aber ich lasse mich am 25. April gerne eines Besseren belehren ...

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