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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 25. Oktober 2018

KINOVORSCHAU HERBST 2018 (Teil 2)

Letztes Update vom 24. November: Ich habe die sehr schwarzhumorige spanische Komödie "Killing God" hinzugefügt, die am 27. Dezember anläuft.

Die Weihnachtszeit steht schon wieder fast vor der Tür und da die Menschen in diesen Tagen besonders gerne ins Kino gehen, stehen wie jedes Jahr viele Highlights ins Haus - sowohl was Hollywood-Blockbuster betrifft als auch anspruchsvolle OSCAR-Anwärter aus der ganzen Welt. Und wie immer habe ich eine ausführliche Übersicht der wichtigsten und vielversprechendsten Filme zusammengestellt, die im November und Dezember in den deutschen Kinos starten:

31. Oktober/1. November:
Die Produktionsgeschichte des Biopics über den früh verstorbenen Queen-Frontmann Freddie Mercury kann man durchaus als schwierig bezeichnen: Zunächst stieg der bereits angeheuerte Hauptdarsteller Sacha Baron Cohen wegen künstlerischer Differenzen mit den produzierenden Queen-Mitgliedern Brian May und Roger Taylor (die gerüchteweise nicht ganz uneigennützig einen weniger großen Schwerpunkt auf Mercury wollten und zudem eine familienfreundlichere Ausrichtung, während Cohen möglichst nahe an der Realität bleiben wollte) aus, um durch Ben Whishaw ("Skyfall") ersetzt zu werden. Der verließ das Projekt aber schnell wieder, ebenso wie der geplante Regisseur Dexter Fletcher ("Eddie the Eagle"). Schließlich begann die Produktion mit Rami Malek (TV-Serie "Mr. Robot") als Freddie Mercury und unter der Leitung von "X-Men"-Regisseur Bryan Singer. Der wiederum zog sich allerdings während der Dreharbeiten angeblich aus privaten Gründen zurück und wurde ersetzt durch: Dexter Fletcher! Allen Schwierigkeiten zum Trotz wurde "Bohemian Rhapsody" tatsächlich irgendwann fertig und die Kritiken lassen auf ein solides, wenn auch klischeehaftes Biopic mit einem überzeugenden Hauptdarsteller und selbstverständlich grandioser Musik schließen.

"25 km/h":
In dem tragikomische Roadmovie von Markus Goller ("Frau Ella", "Friendship!") geht es um die entfremdeten Brüder Christian (Lars Eidinger, "Werk ohne Autor") und Georg (Bjarne Mädel, TV-Serie "Der Tatortreiniger"), die sich nach 30-jähriger Funkstille auf der Beerdigung ihres Vaters wiedersehen. Speziell Tischler Georg, der den bettlägerigen Vater gepflegt hat, ist nicht gut auf den erfolgreichen Manager Christian zu sprechen – doch als sie ihren Kummer gemeinsam wegtrinken wollen, beschließen sie, einen gemeinsamen Jugendtraum nachzuholen: eine Tour durch Deutschland per Mofa!

"Der Nußknacker und die vier Reiche" (3D):
Ähnlich wie "Bohemian Rhapsody" hat auch das von E.T.A. Hoffmanns Märchen "Nußknacker und Mausekönig" sowie Tschaikowskis Ballett "Der Nußknacker" inspirierte Disney-Musical zwei Regisseure benötigt. Anders als beim Queen-Film lief hier jedoch alles sehr friedlich ab: Lasse Hallström ("Lachsfischen im Jemen") hatte bei den für eine Großproduktion wie diese obligatorischen Nachdrehs schlicht und ergreifend keine Zeit, weshalb mit seinem Segen Joe Johnston ("Captain America") einsprang. Die Postproduktion übernahm dann wieder Hallström, beide werden als Co-Regisseure genannt. Nachwuchsstar Mackenzie Foy ("Interstellar") spielt das Mädchen Clara, das durch ihre Neugier auf ein Weihnachtsgeschenk in eine zauberhafte Parallelwelt gerät. Dort trifft sie u.a. auf die Zuckerfee (Keira Knightley), erfährt aber auch von einem von einer Tyrannin (Helen Mirren) beherrschten weiteren Reich. Gemeinsam mit dem jungen Soldaten Philip (Jayden Fowora-Knight) will sie der Schreckensherrschaft der Tyrannin ein Ende setzen …

"Mandy":
Eine ganze Reihe ehemaliger Topstars wie Bruce Willis, John Cusack oder Nicolas Cage dreht heutzutage hauptsächlich anspruchslose Massenware, die oft direkt fürs Heimkino veröffentlicht wird. Hin und wieder erwischt einer von ihnen aber doch noch eine richtig gute Rolle, in der er zeigen kann, daß er nichts verlernt hat. Eine solche Perle ist offenbar der diesjährige Fantasy Filmfest-Eröffnungsfilm "Mandy" mit OSCAR-Gewinner Cage: ein psychedelischer Actionthriller mit bewußten B-Movie-Anleihen des italienisch-kanadischen Regisseurs Panos Cosmatos (der Sohn des "Rambo II"- und "Tombstone"-Regisseurs George Pan Cosmatos). Cage spielt den Holzfäller Red, der 1983 mit seiner Frau Mandy (Andrea Riseborough, "The Death of Stalin") ein bescheidenes Leben in einer Hütte im Wald führt. Der sinistre Sektenführer Jeremiah (Linus Roache, TV-Serie "Vikings") wird allerdings auf Mandy aufmerksam und will, daß sie seinem Kult beitritt – wobei er nicht höflich um ihre Meinung fragt. Langer Rede kurzer Sinn: Red macht sich mit Axt und Armbrust auf, um Jeremiah und seine Schergen blutig zur Rechenschaft zu ziehen … "Mandy" ist der letzte Film mit einem Soundtrack des Anfang 2018 verstorbenen isländischen OSCAR-Nominees Jóhann Jóhannsson ("Sicario").

"Der Trafikant":
Bruno Ganz ("Der Untergang") spielt im österreichischen Historiendrama den Psychoanalytiker Sigmund Freud, der 1937 in Wien Stammkunde bei Ottos (Johannes Krisch) Kiosk (=Trafik) ist. Für dessen minderjährigen Lehrling Franz (Simon Morzé) wird Freud bald zu einer Art Mentor. Als Franz sich zum ersten Mal verliebt, kann Freud allerdings ebensowenig helfen wie bei den Folgen von Österreichs Anschluß an Hitlers Deutsches Reich …

"Touch Me Not":
Eindeutig ans experimentierfreudige Arthouse-Publikum richtet sich das sperrige rumänische Drama von Adina Pintilie, das in einer recht kontroversen Entscheidung den Goldenen Bären der Berlinale 2018 gewann und einen intimen, semidokumentarischen Blick auf menschliche Sexualität wirft.

8. November:
Einer der ersten großen OSCAR-Kandidaten der Saison ist der Historienfilm "Aufbruch zum Mond" vom "La La Land"-Schöpfer Damien Chazelle. Viele Kritiker waren nach der Premiere in Venedig begeistert von der Nacherzählung der Apollo 11-Mission aus dem Jahr 1969, in deren Verlauf Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betraten. Vor allem der Armstrong-Darsteller Ryan Gosling gilt als sicherer Kandidat auf eine OSCAR-Nominierung, doch auch die gesamte technische Umsetzung sowie Chazelles Drehbuch und seine intensive Inszenierung einer ja eigentlich sehr bekannten Story fast ausschließlich aus der Perspektive der Astronauten kommen sehr gut an. Manche Rezensenten bemängeln allerdings eine etwas zu langatmige, vielleicht sogar uninspirierte Erzählart. Obacht: Die Trailer wollen "Aufbruch zum Mond" als actionreich verkaufen, in Wirklichkeit ist es aber eben eher ein gemächlich erzähltes Charakterdrama.

Eine der positiven Überraschungen des US-amerikanischen Kinosommers war dieser raffinierte, schwarzhumorige, häufig mit "Gone Girl" verglichene Thriller von Komödienspezialist Paul Feig ("Taffe Mädels"). Im Mittelpunkt steht die verwitwete junge Mutter Stephanie (Anna Kendrick, "The Voices"), deren Freundin Emily (Blake Lively, "Savages") spurlos verschwindet, nachdem sie Stephanie bat, für ein paar Stunden auf ihren Sohn aufzupassen. Gemeinsam mit Emilys Mann Sean (Henry Golding, "Crazy Rich") kümmert sie sich also in den nächsten Tagen um den Jungen, wobei sich Stephanie und Sean immer näher kommen. Dann geschieht etwas, das alles durcheinanderbringt …

Der von J.J. Abrams produzierte Horror-Kriegsfilm von Julius Avery ("Son of a Gun") war eine Zeitlang als neuer Beitrag zum "Cloverfield"-Universum im Gespräch, blieb letztlich aber doch eine für sich alleinstehende Geschichte. Und die klingt ziemlich irre: Kurz vor der Invasion der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg stürzen einige US-Soldaten mit dem Flugzeug hinter feindlichen Linien ab. Zu ihrem Schrecken müssen sie feststellen, daß sie sich nicht nur gegen Nazis verteidigen müssen, sondern auch gegen schreckliche Kreaturen, die wohl Folge eines Nazi-Experiments sind. Klingt nach klassischem B-Movie-Stoff, hat aber hervorragende Kritiken erhalten. In Hauptrollen sind Pilou Asbæk ("Ghost in the Shell") und Wyatt Russell ("22 Jump Street") zu sehen.

"A Prayer Before Dawn":
Ein weiterer Genrefilm mit tollen Kritiken ist die internationale Koproduktion "A Prayer Before Dawn" von Jean-Stéphane Sauvaire ("Johnny Mad Dog"). In dem harten Actionthriller geht es um den jungen, drogensüchtigen Briten Billy (Joe Cole, "Green Room"), der in Thailand wegen Drogenhandels verurteilt wird und in einen Knast kommt, im Vergleich zu dem europäische Gefängnisse Luxushotels sind. Doch da Billy ein talentierter Boxer ist, läßt er sich von einigen Mithäftlingen die Kampfsportart Muay Thai (auch als Thaiboxen bekannt) beibringen – denn wenn er genügend der gnadenlosen Kämpfe gewinnt, hat er eine Chance auf seine Freiheit …

"Elliot – Das kleinste Rentier":
Kanadischer Kinder-Animationsfilm über das Streichelzoo-Pony Elliot, das seit langem davon träumt, den Schlitten des Weihnachtsmannes zu ziehen. Als eines von dessen Rentieren in Ruhestand geht, wittert Elliot seine große Chance – um die zu nutzen, muß er sich allerdings in mehreren Wettkämpfen gegen diverse Mitbewerber durchsetzen. Und da Elliot erfährt, daß der gesamte Streichelzoo aus finanziellen Gründen bedroht ist, ist sein Sieg umso wichtiger.

"Rememory":
Das Krimidrama mit SciFi-Elementen von Mark Palansky ("Penelope") ist angesichts mieser Kritiken und eines sicher sehr limitierten Starts eigentlich kaum der Rede wert – ich führe ihn dennoch auf, da es einer der letzten Filme mit dem so tragisch verstorbenen Anton Yelchin ("Vollblüter") ist. Im Zentrum steht allerdings "Game of Thrones"-Star Peter Dinklage als Sam, der über die Hintergründe des Unfalltodes seines Bruders nachforscht. Dafür bedient er sich der Erfindung eines ermordeten genialen Wissenschaftlers, mit der die Erinnerungen von Menschen aufgezeichnet und abgerufen werden können.

15. November:
In der erneut von David Yates inszenierten und J.K. Rowling höchstpersönlich geschriebenen Fortsetzung des erfreulich gelungenen Harry Potter-Prequels mit Eddie Redmayne in der Rolle des eigentümlichen Zauberers Newt Scamander sorgt der bösartige Grindelwald (Johnny Depp) für viel Aufruhr, da er eine Vorherrschaft reinblütiger Magier anstrebt. Wenn Grindelwald jemand stoppen kann, dann ist das sein früherer Freund und Newts Mentor: Albus Dumbledore (Jude Law). Newt und seine im Vorgänger in Amerika gefundenen Freunde helfen Dumbledore, wofür sie zunächst nach Paris reisen müssen.

"Suspiria":
Eines dürfte angesichts der Kritiken und Zuschauerreaktionen nach der Premiere beim Festival in Venedig bereits klar sein: Luca Guadagninos ("Call Me by Your Name") loses Remake des gleichnamigen Dario Argento-Horrorklassikers aus dem Jahr 1977 wird einer der aufregendsten und polarisierendsten Filme des Jahres! Wie im Original geht es um eine junge amerikanische Tänzerin namens Susie (Dakota Johnson, "50 Shades of Grey"), die an eine angesehene, von der mysteriösen Madame Blanc (Tilda Swinton) geleitete Tanzschule in Deutschland kommt – die hier allerdings im geteilten Berlin der 1970er Jahre gelegen ist anstatt im beschaulichen Freiburg. Nachdem zunächst alles gut läuft, beunruhigen Susie diverse Vorkommnisse bis hin zum Verschwinden einer Mittänzerin … Während bei Dario Argentos atmosphärischem Werk die Schock- und Horrormomente im Vordergrund standen, interessiert sich Luca Guadagnino in seiner eine Stunde längeren und von einigen Kritikern hinsichtlich der Sperrigkeit mit Darren Aronofskys "mother!" verglichenen Version wenig überraschend viel stärker auf die Charaktere und das Zeitkolorit und läßt sich dafür viel Zeit – reine Horrorfans dürften also tendentiell eher enttäuscht aus dem Kino kommen.

"Juliet, Naked":
In der positiv besprochenen und auf einem Roman von Nick Hornby basierenden romantischen Tragikomödie von Jesse Peretz ("Our Idiot Brother") geht es um Annie (Rose Byrne). Sie ist die Freundin von Duncan (Chris O'Dowd, "Die Insel der besonderen Kinder"), der ein Riesenfan des Rockmusikers Tucker Crowe (Ethan Hawke) ist, der seit mehr als 20 Jahren keine neue Musik mehr veröffentlicht hat. Als Annie durch einen Zufall via Internet mit Tucker in Kontakt kommt, entwickeln sie bald Gefühle füreinander …

"Loro – Die Verführten":
Drei Jahre nach seinem (meiner Meinung nach) Meisterwerk "Ewige Jugend" kehrt der OSCAR-prämierte italienische Filmemacher Paolo Sorrentino mit einem bissigen Biopic zurück, das sich dem mehrfachen italienischen Premierminister Silvio Berlusconi (Toni Servillo, der bereits in Sorrentinos "Il Divo" und "La Grande Bellezza" die Hauptrolle spielte), seinen Anhängern und generell der Machtgier von Politikern widmet. Laut den Kritikern wieder ein guter, rauschhaft inszenierter Film, der aber nicht an Sorrentinos beste Arbeiten heranreichen soll – allerdings könnte das auch daran liegen, daß international eine "nur" zweieinhalbstündige Filmfassung veröffentlicht wird, wohingegen die Geschichte in Italien in zwei jeweils gut eineinhalbstündigen Teilen gezeigt wurde.

"Night School":
Nur mäßige Kritiken gab es für diese wohl recht generische Komödie in den USA, wo "Night School" aber trotzdem gut lief in den Kinos. Das dürfte vor allem an der Besetzung mit den in den Staaten beliebten Komikern Kevin Hart ("Think Like a Man") und Tiffany Haddish ("Girls Trip") in den Hauptrollen liegen. Hart spielt in dem Film von "Girls Trip"-Regisseur Malcolm D. Lee den quirligen Grillverkäufer Teddy, der durch einen unglücklichen Unfall seinen Job verliert und neu anfangen muß. Obwohl Schulabbrecher, möchte er nun Börsenmakler werden – und schreibt sich dafür an der Abendschule ein, die ausgerechnet sein Erzrivale aus Schulzeiten leitet. Und seine Lehrerin Carrie (Haddish) verzweifelt zunehmend an Teddy …

"Was uns nicht umbringt":
Die episodisch aufgebaute deutsche Großstadt-Tragikomödie von Sandra Nettelbeck ("Bella Martha") erzählt von dem Psychotherapeuten Maximilian (August Zirner) und seinen Patienten, die u.a. von Martina Gedeck, Bjarne Mädel, Barbara Auer und Christian Berkel gespielt werden. Erste Kritiken sind vielversprechend ausgefallen.

"Assassination Nation":
In der schwarzhumorigen Horror-Actionkomödie von Sam Levinson (dem Sohn von "Rain Man"-Regisseur Barry Levinson) enthüllt ein Hacker in einer Kleinstadt die Geheimnisse zahlreicher Bewohner. Das sorgt wenig überraschend für Aufregung und immer aggressivere Reaktionen – was nicht so gut ist für Schülerin Lily (Odessa Young) und drei ihrer Freundinnen, denn die geraten in den Verdacht, verantwortlich für den Hack zu sein. Schon bald müssen sie um ihre Leben kämpfen …

22. November:
"Verschwörung":
Als David Fincher im Jahr 2011 sein Remake des schwedischen Thriller-Hits "Verblendung" in die Kinos brachte, waren Kritiker wie Zuschauer angetan, es gab fünf OSCAR-Nominierungen und auch der kommerzielle Erfolg konnte sich sehen lassen. Da Fincher fest entschlossen war, die beiden verbleibenden Teile von Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie zu adaptieren, konnten sich die Zuschauer auf weitere düstere Abenteuer von Hackerin Lisbeth (Rooney Mara) und Journalist Mikael (Daniel Craig) freuen – dachte man. Doch dann verzögerte sich der Drehstart Jahr um Jahr, bis Sony schließlich 2015 bekanntgab, die Trilogie aufzugeben und stattdessen mit einem neuen Team und deutlich günstigerem Budget die von David Lagercrantz verfaßte "Millennium"-Fortsetzung "Verschwörung" anzugehen. So bedauerlich und unverständlich der freiwillige Verzicht auf Könner wie Fincher, Craig und Mara ist – der zu einem großen Teil in Deutschland gedrehte Neuanfang hat durchaus Argumente für sich. Eines davon ist Regisseur Fede Alvarez, der mit dem "Evil Dead"-Remake ebenso wie mit dem Horror-Hit "Don't Breathe" bewies, daß er mit düsteren Stoffen einiges anfangen kann. Auch die neue Lisbeth-Darstellerin Claire Foy hat unbestritten großes Talent, wenn sie es auch bisher vor allem auf dem kleinen Bildschirm zeigte, allem voran in ihrer Emmy- und Golden Globe-prämierten Rolle als junge Queen Elizabeth in der Netflix-Serie "The Crown". Und wenn man ehrlich ist, paßt Foy für die Rolle von ihrem Typ her sogar deutlich besser als es bei Rooney Mara der Fall war (auch wenn deren schauspielerische Leistung außer Frage steht). Inhaltlich bleibt alles mehr oder weniger beim Alten: Lisbeth und Mikael (Sverrir Gudnason, Tennisstar Björn Borg in "Borg/McEnroe") müssen nach längerer Trennung wieder zusammenarbeiten, um einem rätselhaften Mordfall und einer Verschwörung im US-Auslandsgeheimdienst NSA auf die Spur zu kommen. Die ersten Kritiken lassen einen soliden, aber eher generischen Thriller erwarten, der erzählerisch wohl nicht mit den Vorgängern mithalten kann.

"So viel Zeit":
Im TV-Bereich hat sich Regisseur Philipp Kadelbach mit aufwendigen Filmen und Miniserien wie "Unsere Mütter, unsere Väter", "Die Pilgerin" oder "Nackt unter Wölfen" schon lange einen Namen gemacht, auch international ist er bei Serien wie "SS-GB" oder "Riviera" beschäftigt. Doch mit der Tragikomödie "So viel Zeit" wagt er erstmals den Sprung auf die große Leinwand. Es geht um Rainer (Jan Josef Liefers), der noch immer jenem Leben nachtrauert, das er als Musiker mit seiner Band "Bochums Steine" hätte haben können – hätte er selbst deren große Erfolgschance nicht vermasselt. Als Rainer 30 Jahre später von seiner Frau verlassen wird und er erfährt, daß er todkrank ist, beschließt er, es nochmal zu versuchen und seiner Band ein rauschendes Comeback zu verschaffen. Eines von vielen Problemen bei diesem Plan: Die anderen Bandmitglieder (gespielt u.a. von Jürgen Vogel, Richy Müller und Armin Rohde) sind noch immer stinksauer auf ihn wegen seines damaligen Fauxpas' …

"Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand":
In dem positiv besprochenen britischen Wohlfühl-Biopic wird erzählt, wie der junge Charles Dickens (Dan Stevens, "The Guest") sich nach mehreren Mißerfolgen an ein neues Projekt wagt: "Eine Weihnachtsgeschichte". Doch die Zeit bis Weihnachten drängt und auch finanziell kann er sich keinen langen Aufschub leisten – umso ärgerlicher, daß er nicht weiterkommt. Er beginnt, mit den Charakteren seiner Geschichte, allen voran der fiesen und geizigen Hauptfigur Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer, "Alles Geld der Welt"), zu sprechen …

"Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot":
Das interessant betitelte, beinahe dreistündige Drama von Philip Gröning ("Die große Stille") handelt von den 19-jährigen Zwillingen Elena (Julia Zange) und Robert (Josef Mattes), die wenig gemein haben: Elena ist intelligent und ambitioniert, sie steht kurz vor dem Abitur – Robert dagegen kann mit Lernen nicht viel anfangen, ist dementsprechend sitzengeblieben und will die süddeutsche Provinz lieber heute als morgen verlassen. Dennoch hilft er seiner Schwester an einem Wochenende beim Lernen für die Abiprüfung in Philosophie; als Gegenleistung bekommt er Bier … Doch schon bald schlägt das gemeinsame Lernen in leidenschaftliche Diskussionen und Mutproben um. Bei der Premiere auf der Berlinale wurde Grönings durchaus provokantes Teenager-Drama sehr gemischt aufgenommen.

"Der Dolmetscher":
Der diesjährige slowakische Beitrag für den Auslands-OSCAR ist ein Drama von Martin Šulik ("Der Garten"), in dem der 80-jährige Übersetzer Ali ("Ich habe den englischen König bedient"-Regisseur Jiří Menzel) die Memoiren eines früheren SS-Offiziers findet und nach deren Lektüre vermutet, daß dieser für den Tod seiner Eltern im Zweiten Weltkrieg verantwortlich war. Also macht er sich auf nach Wien, um endlich Rache zu üben – dort muß er allerdings feststellen, daß besagter Offizier bereits gestorben ist und nur dessen Sohn (Peter Simonischek, "Toni Erdmann") noch dort lebt, der wenig über die Vergangenheit seines Vaters weiß. Gemeinsam fahren sie wieder in die Slowakei, in der Hoffnung, mehr herauszufinden.

"Cold War – Der Breitengrad der Liebe":
Auch der polnische OSCAR-Beitrag des Jahres 2018 startet in dieser Woche und der sollte sogar noch bessere Aussichten auf eine Nominierung haben als "Der Dolmetscher". Denn "Cold War" vom bereits für seinen letzten Film "Ida" OSCAR-prämierten Pawel Pawlikowski kann überragende Kritiken vorweisen. Das romantische Drama beginnt 1949, also zu Beginn des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Im Zentrum steht der Musiker Wiktor (Tomasz Kot, "Die Spur"), der in den polnischen Bergdörfern nach musikalischen Talenten und nach unbekannten Volksliedern fahndet. Als Resultat gründet er eine eigene Akademie und verliebt sich bald in seine Schülerin Zula (Joanna Kulig, "Hänsel und Gretel: Hexenjäger"). Als Wiktor angesichts zunehmender staatlicher Einmischung in seine Arbeit in den Westen flieht, kommt Zula nicht wie versprochen mit. Erst Jahre später trifft er sie in Paris wieder.

29. November:
"Der Grinch" (3D):
18 Jahre, nachdem Jim Carrey in Ron Howards Realfilm-Adaption von Dr. Seuss' Kinderbuch "Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat" in typischer Manier grimassieren durfte (was für gemischte Reaktionen bei Kritikern und Publikum führte, aber trotzdem einen Welthit zur Folge hatte), bringt Hollywood eine zweite animierte Version in die Kinos – die erste entstand 1966 mit Boris Karloff als Erzähler und ist in den USA bis heute populär. Die Neuverfilmung kommt natürlich in 3D daher und hat mit Benedict "Sherlock" Cumberbatch in der Titelrolle einen sehr prominenten Sprecher zu bieten. An der Story dürfte sich nicht allzu viel ändern: Der Grinch (in der deutschen Sprachfassung gesprochen von Otto Waalkes), eine miesepetrige grüne Kreatur, die nichts mehr haßt als Weihnachten, heckt einen fiesen Plan aus, um das Weihnachtsfest im benachbarten Ort Whoville zu sabotieren …

"Peppermint: Angel of Vengeance":
Nachdem Jennifer Garner in den letzten Jahren vor allem in familienfreundlichen Komödien und Tragikomödien zu sehen war, freuten sich viele Fans der sympathischen Aktrice, daß sie mit dem Rachethriller "Peppermint" von Pierre Morel ("96 Hours) zu ihren actionreichen Wurzeln als Hauptdarstellerin der TV-Serie "Alias" zurückkehrt. Die Freude verflog allerdings schnell, als die richtig miesen Kritiken ihre Runde machten, die den Rachefeldzug von Riley (Garner) in der Unterwelt von Los Angeles nach dem Mord an ihrer Familie für ihre inhaltliche Einfallslosigkeit und die langweilige Umsetzung arg schelten.

"The House That Jack Built":
Daß ein neuer Film von Lars von Trier ("Melancholia") für Kontroversen sorgt, ist ja fast schon normal. Der Serienmörder-Thriller "The House That Jack Built" macht da keine Ausnahme, was damit beginnt, daß er in Sachen schonungsloser Gewaltdarstellung einen neuen Höhepunkt in von Triers an Gewaltszenen wahrlich nicht armer Karriere darstellen soll, was bei der Premiere in Cannes prompt zahlreiche Zuschauer den Kinosaal fluchtartig verlassen ließ. Dazu kommt, daß sich die Betrachter noch nicht einmal wirklich über die Genrezugehörigkeit einigen können: Während es sich auf den ersten Blick um einen psychologischen Horrorfilm handelt, nehmen ihn andere als extrem schwarzhumorige und metaphernreiche Komödie wahr! Jedenfalls geht es um den psychopathischen Serienmörder Jack (Matt Dillon, "L.A. Crash"), der einem Mann mit rätselhafter Funktion innerhalb der Geschichte (Bruno Ganz) penibel von fünf seiner von ihm als Kunstwerke betrachteten Morde erzählt, auf die er ganz besonders stolz ist … Für einige Zuschauer und Rezensenten ist von Trier mit dieser makabren Moritat ein neues Glanzstück gelungen, doch im Schnitt reichen die Kritiken nicht an die seiner besten Filme heran.

"Das krumme Haus":
In dem v.a. wegen seiner recht betulichen Inszenierung nur mittelmäßig rezensierten britischen Krimi von Gilles Paquet-Brenner ("Sarahs Schlüssel") nach einer Vorlage von Agatha Christie spielt Max Irons ("Die Frau in Gold") den früheren Diplomaten und Spion Charles, der nach seiner Rückkehr aus Ägypten als Privatdetektiv anfängt. Gleich sein erster Fall, die Suche nach einem Giftmörder, hat es in sich, denn beauftragt wird er von seiner früheren Geliebten Sophia (Stefanie Martini), der Enkelin des wohlhabenden Mordopfers. Dummerweise häufen sich die Hinweise, daß Sophia selbst die Mörderin sein könnte … Weitere Rollen spielen Glenn Close, Terence Stamp, Gillian Anderson und Christina Hendricks.

6. Dezember:
"100 Dinge":
Nach "Jesus liebt mich" und "Der geilste Tag" ist auch die dritte Regiearbeit von Florian David Fitz wieder eine Komödie. Fitz und Matthias Schweighöfer agieren als beste Freunde Paul und Toni, die trotz ihrer engen Freundschaft ständig miteinander rivalisieren. Das führt schließlich zu einer kuriosen Wette: Beide müssen auf ihr komplettes Hab und Gut (inklusive Kleidung!) verzichten und dürfen in den nächsten 100 Tagen nur je einen Gegenstand pro Tag zurückholen. Wer das länger aushält, hat gewonnen (und zwar vermutlich in erster Linie diverse Erkenntnisse über sich selbst und das Leben an sich) …

Fünf Jahre hat sich der britische Filmemacher Steve McQueen Zeit gelassen seit dem OSCAR-prämierten Sklaverei-Drama "12 Years a Slave", bis er einen neuen Film in die Kinos bringt – und angesichts grandioser Kritiken könnte auch der gleich wieder viele Preise einsacken. Es geht um Veronica (Viola Davis, "Glaubensfrage"), Frau eines Räubers, der bei einem Überfall ums Leben kommt und seine Witwe mit hohen Schulden bei einem Gangster zurückläßt. Als Veronica ein Notizbuch ihres Mannes mit Plänen für einen weiteren Raub findet, beschließt sie, gemeinsam mit drei weiteren Frauen (Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki und Cynthia Erivo), deren Männer beim gleichen Überfäll ebenfalls getötet wurden, den Coup selbst durchzuziehen.

"Tabaluga – Der Film":
Der von Peter Maffay kreierte kleine Drache Tabaluga kommt unter der Leitung von "7 Zwerge"-Regisseur Sven Unterwaldt (gemeinsam mit Toby Genkel) als Animationsfilm mit prominenter Sprecherriege auf die Leinwände. Da Tabaluga (Sänger Wincent Weiss) es nicht schafft, Feuer zu speien, macht er sich mit seinem Marienkäfer-Freund Bully (passenderweise: Bully Herbig) auf ins Reich des bösen Arktos (Heinz Hönig), wo er aber auf die liebenswerte Eisprinzessin Lilli (Yvonne Catterfeld) und den Eisbären Limbo (Rick Kavanian) trifft …

"Unknown User 2: Dark Web":
"Dark Web" ist zwar offiziell eine Fortsetzung des mit knapp 700.000 deutschen Kinogängern recht erfolgreichen Horrorfilms "Unknown User" aus dem Jahr 2015, aber nur durch die Internet-Thematik miteinander verbunden. Regie und Drehbuch verantwortet diesmal Stephen Susco, der nach den Drehbüchern für Filme wie "The Grudge" und "Red" hiermit sein Regiedebüt feiert – und dafür ähnlich ordentliche Kritiken erhielt wie Levan Gabriadzes Vorgänger. Im Mittelpunkt der Story steht der junge Programmierer Matias (Colin Woodell), der während eines Videochats mit Freunden auf seinem in einem Fundbüro erworbenen Laptop rätselhafte Nachrichten erhält. Bald findet er heraus, daß auf dem Laptop versteckte Dateien sind und der offensichtlich kriminelle Vorbesitzer immer noch Zugriff auf das Gerät hat und Matias und seine Freunde als unliebsame Zeugen loswerden will …

Mit seinem ungemein atmosphärischen Gruselfilm "It Follows" begeisterte der US-Filmemacher David Robert Mitchell 2014 die Kritiker und auch viele Zuschauer – sein Folgewerk "Under the Silver Lake" geht inhaltlich und stilistisch in eine ganz andere Richtung, hat mir aber sogar noch besser gefallen und war mein Lieblingsfilm beim Fantasy Filmfest 2018 (meine Kritik folgt rechtzeitig zum Kinostart). Ex-"Spider-Man" Andrew Garfield spielt in dem schwarzhumorigen, an die hypnotisch-rätselhaften Filme von David Lynch oder Paolo Sorrentino errinnernden Neo-Noir-Thriller-Drama den ziellosen Mittdreißiger Sam, der auf der Suche nach seiner plötzlich verschwundenen Nachbarin Sarah (Riley Keough, "Mad Max: Fury Road") durch die Nachtwelt von Los Angeles zieht und dabei zahlreiche skurrile Begegnungen hat.

"Anna und die Apokalypse":
Ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest präsentiert wurde dieses schräge britische Weihnachts-Zombie-Musical mit John Hughes-Anleihen, das gar zum Abschlußfilm auserkoren wurde und wie bereits bei den US-Kritikern gut ankam. Anna (Ella Hunt) hat am Tag vor Weihnachten ihren letzten Schultag und freut sich schon darauf, nach den Feiertagen endlich aus ihrem kleinen Heimatort wegzukommen und auf Weltreise zu gehen – doch das wird durch eine unvermittelte Zombie-Epidemie verhindert! Gemeinsam mit einigen Freunden versucht sich die sangeslustige Anna zu ihrer alten Schule durchzuschlagen, wo man angeblich in Sicherheit ist …

"Climax":
Und noch ein weiterer Fantasy Filmfest-Höhepunkt schafft es in dieser Woche regulär auf die große Leinwand: Mit dem musikalischen Horrorfilm "Climax" hat der provokante französische Filmemacher Gaspar Noé ("Irreversible", "Enter the Void") wieder einmal die Kritiker begeistert und ebenso diejenigen Zuschauer, die von seinem eigenwilligen Stil nicht überfordert sind. Denn wie so oft bei Noé spielt die Handlung eine Nebenrolle, stattdessen steht ein spektakuläres, rauschhaftes Sinnesereignis im Mittelpunkt, das gerne mit einem LSD-Trip verglichen wird. Das trifft es hier besonders gut, da es um eine Gruppe von Hip Hop-Tänzern geht, die sich an einem abgelegenen Ort auf eine bevorstehende Tournee vorbereitet, vor den Strapazen aber zunächst eine große Party veranstaltet. Was sie nicht ahnen: Irgendjemand hat ihnen psychedelische Drogen untergemischt … Die Hauptrolle spielt Sofia Boutella ("Kingsman").

"Astrid":
Schwedisch-dänisches Biopic über die vermutlich immer noch beliebteste Kinderbuch-Autorin aller Zeiten, Astrid Lindgren (Alba August aus der TV-Serie "Countdown Kopenhagen"), auf deren Konto u.a. Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und die Kinder von Bullerbü gehen. Genau genommen konzentriert sich Pernille Fischer Christensens ("Eine Familie") Film auf die jungen Jahre Lindgrens, die mit 18 unverheiratet schwanger wird, ihren Sohn einer Pflegemutter (Trine Dyrholm, "Love Is All You Need") überlassen muß und nur selten sehen darf. Letztlich ebnen diese Ereignisse ihren Weg zur selbstbestimmten Schriftstellerin.

13. Dezember:
Nach dem zumindest kommerziellen Erfolg von "Venom" versucht Sony weiterhin, sein "Spider-Man"-Universum auszubauen – und da man an den Spidey-Realfilmen zwar weiterhin beteiligt ist, diese aber inhaltlich weitgehend von Marvel als Teil des MCU verantwortet werden, kam man auf die Idee, einen davon unabhängigen Animationsfilm zu drehen. Im TV-Bereich haben animierte Superhelden-Serien eine lange Tradition und sind noch heute nicht nur bei Kindern beliebt, insofern vielleicht gar kein so schlechter Einfall. Um Verwirrung zu vermeiden, geht es zudem nicht um Peter Parkers Spider-Man, sonder um den afroamerikanischen Spidey Miles Morales (der in den Comics das Kostüm nach Peters Tod übernahm). Auch Miles ist in diesem Film noch ein Teenager in der High School, ansonsten ist zur Handlung kaum etwas bekannt. Auf gute Unterhaltung lassen jedoch die Drehbuch-Co-Autoren Phil Lord und Christopher Miller ("The LEGO Movie") hoffen, auch die Sprecherriege der Originalfassung kann sich mit Nicolas Cage, Liev Schreiber, Mahershala Ali, Hailee Steinfeld und Lily Tomlin sicher hören lassen. Regie führen Bob Persichetti (war an Filmen wie "Mulan", "Ein Königreich für ein Lama" und "Shrek 2" beteiligt), Peter Ramsey ("Die Hüter des Lichts") und Rodney Rothman (Co-Autor von "22 Jump Street").

"Mortal Engines: Krieg der Städte" (3D):
Schon lange wollte "Der Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson die Steampunk-Fantasy-Buchreihe "Mortal Engines" von Philip Reeves verfilmen, bereits 2009 erwarb er die Rechte. Es sollte dann fast zehn Jahre dauern, doch kurz vor Weihnachten ist es endlich soweit. Obwohl Jackson allerdings wie bei seinen Tolkien-Adaptionen gemeinsam mit Fran Walsh und Philippa Boyens das Drehbuch schrieb und Co-Produzent ist, überließ er die Regie dem Spezialeffekt-Experten Christian Rivers, mit dem er schon seit "Braindead" 1992 zusammenarbeitet; für Rivers ist es das Langfilm-Regiedebüt. Der rund $100 Mio. teure "Mortal Engines" spielt in einer dystopischen Zukunft Jahrtausende nach einer erderschütternden Katastrophe. Die Ressourcen der Erde sind fast aufgebraucht, weshalb die von gigantischen Motoren angetriebenen fahrbaren Städte (!) sich in einem ständigen erbitterten Kampf darum befinden. Zwei junge Leute, Hester (Hera Hilmar, TV-Serie "Da Vinci's Demons") und Tom (Robert Sheehan), schließen sich einer Rebellentruppe an, die sich gegen den skrupellosen Herrscher des fahrenden London (Hugo Weaving, "Cloud Atlas") wendet …

"Die Erscheinung L'Apparition":
Mit soliden Rezensionen ausgestattes französisches Glaubensdrama von Xavier Giannoli über den wenig religiösen Journalisten Jacques (Vincent Lindon, "Der Wert des Menschen"), der im Auftrag des Vatikans eine angebliche Marienerscheinung überprüft. In einem kleinen Dorf soll die Mutter Gottes der 18-jährigen Anna (Galatéa Bellugi, "Die Lebenden reparieren") erschienen sein, was bereits zahlreiche Gläubige angelockt hat …

"RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit":
In den USA sensationell erfolgreiche und hochgelobte Doku über die 85-jährige Ruth Bader Ginsburg, eine der ersten Frauen am Obersten Gerichtshof der USA und Ikone des Kampfes der Frauen um Gleichbereichtigung. Und im Februar kommt noch ein Spielfilm namens "Die Berufung" in die deutschen Kinos, in dem "Rogue One"-Heldin Felicity Jones die junge Jura-Absolventin Bader Ginsburg spielt.

20. Dezember:
Satte 54 Jahre nach dem fünffach OSCAR-prämierten Familienfilm-Klassiker "Mary Poppins" bringt Disney doch tatsächlich eine direkte Fortsetzung in die Kinos – das ist absoluter Rekord! Logischerweise wurde das Personal (mit einer Ausnahme) komplett ausgetauscht, doch wie das Original basiert auch die Rückkehr auf einem Buch von P. L. Travers (wie Walt Disney höchstpersönlich ihr die Buchrechte abschwatzte, wurde vor wenigen Jahren sehr sehenswert in "Saving Mr. Banks" verfilmt). Die Handlung setzt 20 Jahre später ein, wir schreiben die von der Weltwirtschaftskrise geprägten frühen 1930er Jahre. Die beiden Kinder, die einst von dem zauberhaften Kindermädchen Mary Poppins betreut wurden, sind nun erwachsen, Michael (Ben Whishaw) hat sogar selber schon drei Kinder, um die er sich gemeinsam mit seiner Schwester Jane (Emily Mortimer) und der Haushälterin (Julie Walters) kümmert. Doch beide sind beruflich stark eingespannt und so taucht nach einem tragischen Ereignis Mary Poppins (Emily Blunt) wieder auf, um zu helfen! In weiteren Rollen sind Meryl Streep, "Hamilton"-Schöpfer Lin-Manuel Miranda, Colin Firth und die 93 Jahre alte Angela Lansbury (TV-Serie "Mord ist ihr Hobby") zu sehen – sowie als einziger Rückkehrer aus dem ersten Film Dick van Dyke (92), der damals Marys guten Freund Bert spielte und nun dessen Sohn.

Nach über einem Jahr Pause seit dem kommerziell wie künstlerisch mäßig aufgenommenen "Justice League" meldet sich das DC Extended Universe mit einem großen Hoffnungsträger zurück: Jason Momoa konnte schon in seinen bisherigen Kurzauftritten als Halb-Atlanter Arthur Curry alias Aquaman mit seinem gewohnten Charisma überzeugen, das soll jetzt möglichst auch als Hauptdarsteller seines eigenen Solofilms funktionieren. Da dem Regisseur James Wan ("Conjuring") in den letzten Jahren fast alles gelang, was er anpackte, ist die Hoffnung groß, daß er auch dem DCEU einen dringend benötigten Erfolg beschert. Im Mittelpunkt steht der Kampf um die Macht im unterseeischen Reich von Atlantis, denn Arthur ist als Sohn von Königin Atlanna (Nicole Kidman) der erste Anwärter auf den Thron – er will aber nicht. Ganz anders sein machtbewußter Halbbruder Orm (Patrick Wilson), denn der ist aktueller Regent und möchte sehr gerne König werden, um gemeinsam mit den sechs weiteren Königreichen der Meere einen Krieg gegen die Menschheit zu beginnen, die bekanntlich seit langem die Ozeane verschmutzt. Das wiederum gefällt Arthur nicht, also macht er sich auf die Suche nach einem legendären Dreizack, der ihm die Königswürde endgültig sichern würde. Weitere Rollen spielen Amber Heard, Willem Dafoe und Dolph Lundgren.

"Bumblebee" (3D):
Immer wieder hieß es in den letzten Jahren, Michael Bay wolle sich doch langsam mal von der "Transformers"-Reihe zurückziehen, die er trotz mieser Kritiken und eigentlich auch nur sehr verhaltener Fanreaktionen zu großem kommerziellen Erfolg führte. Erst der letzte Film "The Last Knight" blieb klar hinter den Erwartungen des Studios zurück, was wohl Bay davon überzeugte, endlich Ernst zu machen mit seiner Ankündigung. Und so übernahm Travis Knight – bekannt geworden als Regisseur des schönen Laika-Animationsfilms "Kubo – Der tapfere Samurai" – die Leitung beim ersten Spin-Off respektive Prequel der Reihe, das sich auf den beliebten titelgebenden Autobot konzentriert und 20 Jahre vor "Transformers" spielt (also 1987). Bumblebee landet in einem kleinen kalifornischen Ort, wo er auf ein Mädchen namens Charlie (Hailee Steinfeld, "Can a Song Save Your Life?") trifft und mit ihrer Hilfe vor einer geheimen Regierungsorganisation fliehen muß, die den Autobot liebend gerne in die Finger bekommen würde.

"Trouble":
Mittelmäßig rezensierte US-Indie-Tragikomödie über Farmerin Maggie (Anjelica Huston), deren geruhsames Leben durchgerüttelt wird, als ihr Bruder Ben (Bill Pullman) nach langer Zeit wieder auftaucht - was zu einigen Zwistigkeiten führt. Gerry (David Morse), ein alter Freund von beiden, der zudem heimlich in Maggie verliebt ist, will vermitteln, doch Ben ist mit Hintergedanken zurückgekehrt ...

"Westwood":
Ein britischer Dokumentarfilm von Lorna Tucker über die britische Modedesignerin Vivienne Westwood, die mit ihren extravaganten Punk-Kreationen über Jahrzehnte hinweg die Modewelt prägte. Tucker begleitete die inzwischen 77-Jährige ein Jahr lang bei ihrer Arbeit.

26./27. Dezember:
"Der Junge muß an die frische Luft":
OSCAR-Gewinnerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika") hat das autobiographische Buch von Komiker Hape Kerkeling über seine Kindheit verfilmt: Julius Weckauf spielt den neunjährigen Hans-Peter, der 1972 im Ruhrgebiet aufwächst und bereits früh seine Begabung darin entdeckt, andere zum Lachen zu bringen. Als seine Mutter (Luise Heyer) depressiv wird, hofft Hans-Peter, sein komisches Talent sinnvoll einsetzen zu können …

"Mary Shelley":
Das Biopic von Haifaa Al Mansour ("Das Mädchen Wadjda") erzählt von den jungen Jahren der späteren "Frankenstein"-Autorin Mary Shelley (Elle Fanning, "Super 8"), die als rebellischer Teenager im frühen 19. Jahrhundert gegen die gesellschaftlichen Restriktionen aufbegehrt und eine Affäre mit dem Dichter Percy Shelley (Douglas Booth) beginnt. Durch ihn lernt sie auch den berühmt-berüchtigten Schriftsteller Lord Byron (Tom Sturridge) kennen. Elle Fanning erhielt viel Lob für ihre schauspielerische Leistung, insgesamt mußte sich der Film mit mittelmäßigen Kritiken zufrieden geben.

"Der kleine Drache Kokosnuß 2 – Auf in den Dschungel!" (3D):
Die erste animierte Kinoverfilmung der Kinderbücher von Ingo Siegner kam in Deutschland 2014 auf über 800.000 Zuschauer, da ist es fast verwunderlich, daß es vier Jahre bis zur Fortsetzung dauerte. Die wurde vom neuen Regisseur Anthony Power ("Ritter Trenk") inszeniert, doch die Sprecherriege um "Fack ju Göhte"-Star Max von der Groeben, Carolin Kebekus und Dustin Semmelrogge bleibt in den zentralen Rollen unverändert. Alles dreht sich um ein gemeinsames Ferienlager, das die Verbindung zwischen den Feuerdrachen und den Freßdrachen festigen soll – doch auf dem Weg dorthin erleiden Kokosnuß und seine Freunde Schiffbruch und müssen einige Abenteuer überstehen, bis sie ihr Ziel erreichen.

"Drei Gesichter":
Der international gefeierte, national hingegen geächtete iranische Regisseur Jafar Panahi ("Taxi Teheran") bringt bereits seinen vierten mehr oder weniger improvisierten Film in die Kinos, seit er 2010 mit einem Berufsverbot belegt wurde. Und auch "Drei Gesichter", in dem Panahi und die Schauspielerin Behnaz Jafari von der jungen Marziyeh (Marziyeh Rezaie) gebeten werden, ihr dabei zu helfen, auf die Schauspielschule zu kommen (wovon ihre Familie alles andere als begeistert ist), erhielt bei der Premiere in Cannes starke Kritiken sowie den Drehbuch-Preis.

"Shoplifters – Familienbande":
Den Hauptpreis in Cannes, die Goldene Palme für den besten Film, gewann 2018 allerdings der Japaner Hirokazu Kore-eda ("Like Father, Like Son") für sein intensives gesellschaftskritisches Drama über eine Familie von Kleinkriminellen, deren Beziehungsgeflecht durch die Aufnahme des obdachlosen Mädchens Yuri auf die Probe gestellt wird.

"Killing God Liebe Deinen Nächsten":
Extrem schwarzhumorige, positiv besprochene spanische Komödie über eine leicht unerwartet verlaufende Silvesternacht in einem abgelegenen Landhaus, denn die dortige Familienfeier wird durch einen unerwarteten Gast gestört: Ein kleinwüchsiger Mann erscheint und behauptet ... Gott zu sein. Als wäre das nicht unerhört genug, bringt er noch eine schlechte Nachricht mit: Er hat genug von der Menschheit und wird sie noch diese Nacht vernichten! Die gute Nachricht: Die vierköpfige Familie (alle erwachsen und auf den ersten Blick nicht sehr rettenswert) dürfen zwei Personen unter sich auswählen, die als einzige Menschen gerettet werden ...


Das waren alle bedeutenden Filmstarts der Monate November und Dezember in Deutschland, meine Übersicht für Januar und Februar folgt irgendwann im Dezember. 


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