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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 20. August 2020

KINOVORSCHAU HERBST 2020 (Teil 1)

Letztes Update vom 26. September: Kenneth Branaghs zweiter Hercule Poirot-Film "Tod auf dem Nil" wurde vom 15. Oktober auf den 17. Dezember verschoben. Dafür ist die britische Tragikomödie "Mrs. Taylor's Singing Club", die vor zwei Wochen ihren Startplatz am 8. Oktober ersatzlos verloren hatte, nun fast am gleichen Platz zurück und startet am 15. Oktober. Neu am 22. Oktober ist zudem die unkonventionelle Gauner-Tragikomödie "Kajillionaire", während Marvels "Black Widow" ein weiteres Mal verschoben wird - diesmal vom 29. Oktober auf den 6. Mai 2021 und damit fast genau ein Jahr nach dem ursprünglich veranschlagten Starttermin. Und schließlich läuft passend zu Halloween am 29. Oktober das Horror-Remake "The Craft" an.

In der Theorie sieht das deutsche Kinoprogramm für die Monate September und Oktober nach einem extrem mageren Sommer wieder weitgehend normal aus, inklusive prestigeträchtiger Großproduktionen - aber angesichts der unsicheren Corona-Entwicklung ist natürlich weiterhin mit vielen kurzfristigen Verschiebungen zu rechnen. Trotzdem: Hier ist meine Übersicht über die vielversprechendsten Neustarts der kommenden beiden Monate:

3. September:
"After Truth":
Während der günstig produzierte "Fifty Shades of Grey"-Light-Liebesfilm "After Passion" (nach dem Roman von Anna Todd) in den USA mächtig floppte, war er im Rest der Welt trotz mieser Kritiken recht erfolgreich – in Deutschland gelang es ihm beispielsweise immerhin, knapp die Marke von einer Million Kinogängern zu knacken. Dementsprechend steht nun auch schon der zweite Teil ins Haus, in dem die Protagonistin Tessa (Josephin Langford) nach dem letztlich mißglückten Liebesabenteuer mit Hardin (Hero Fiennes-Tiffin) wieder Normalität in ihr Leben einziehen lassen will. Bei einem Praktikum lernt sie den charmanten Trevor (Dylan Sprouse) kennen, der ganz anders ist als Hardin – das sollte eigentlich genau das Richtige für sie sein, doch irgendwie bekommt sie "Bad Boy" Hardin einfach nicht aus dem Kopf …

"Drei Tage und ein Leben":
In Nicolas Boukhriefs ("Cash Truck") Thriller-Drama nach einem Roman von Pierre Lemaitre verschwindet an Weihnachten 1999 in einem Dorf in den Ardennen ein Kind spurlos. Die Suche nach Rémi bleibt zunächst erfolglos, nach drei Tagen bricht auch noch ein Jahrhundertsturm über das Dorf herein. Doch eine Person weiß, was passiert ist, gibt es aber nicht preis: der 12-jährige Antoine.

"Eine private Angelegenheit":
Auch der neue Film der Taviani-Brüder Paolo und Vittorio ("Das Haus der Lerchen") basiert auf einem Roman, den in diesem Fall Beppe Fenoglio verfaßt hat. Das romantische Kriegsdrama spielt kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges und handelt vom italienischen Partisanen Milton (Luca Marinelli, "The Old Guard"), der seinen besten Freund Giorgio (Lorenzo Richelmy, Netflix-Serie "Marco Polo") sucht. Beide sind in die gleiche Frau verliebt, die sich allerdings bereits in Richtung Norden abgesetzt hat. Milton muß sich entscheiden: Soll er weiterhin im Widerstand gegen die Nazis kämpfen oder um die Liebe seines Lebens? "Eine private Angelegenheit" hatte bereits 2017 seine Uraufführung, daß er bei uns erst jetzt ins Kino kommt, dürfte auch damit zusammenhängen, daß er deutlich schlechtere Rezensionen erhielt als viele andere Filme der Taviani-Brüder. Für Vittorio war es seine Abschiedsvorstellung, denn er starb 2018.

10. September:
"X-Men: New Mutants":
Die Entwicklungsgeschichte dieses "X-Men"-Spin-Offs kann man als abenteuerlich bezeichnen: Unter der Leitung des "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"-Regisseurs Josh Boone sollte "New Mutants" noch vor dem da bereits absehbaren Ende der Haupt-"X-Men"-Reihe um James McAvoy, Jennifer Lawrence und Michael Fassbender neue, junge Mutanten etablieren und als Kombination aus Young Adult-Abenteuer und Horrorfilm eine neue Farbe ins "X-Men"-Universum einbringen. Die Dreharbeiten fanden 2017 statt, der Kinostart war für das Frühjahr 2018 fest eingeplant, die Testscreenings liefen gut, alle waren glücklich. Doch dann kam Ende 2017 die Stephen King-Adaption "Es" in die Kinos und wurde zu einem in dieser Form nie erwarteten Monsterhit. Da Hollywood bekanntlich gerne auf Trends aufspringt, kamen die Verantwortlichen beim produzierenden Studio Fox auf die Idee, die Horrorelemente von "New Mutants" noch deutlich stärker hervorzuheben, wofür umfangreiche Nachdrehs geplant und dementsprechend der Kinostart um fast ein Jahr verschoben wurde. Dann wurde es länger still um das Projekt, ob wirklich Nachdrehs stattfanden, ist bis heute nicht vollkommen klar – und als Fox von Disney übernommen wurde (dessen Verantwortliche wohl nicht überzeugt vom kommerziellen Potential des Films waren), gab es sogar Spekulationen, "New Mutants" könnte nie ins Kino kommen, sondern bei Disneys neuem Streamingservice seine Premiere feiern. Das bestätigte sich nicht, doch laut Boone ist die Version von "New Mutants", die nun (hoffentlich) ins Kino kommt, sehr nahe an seinem ursprünglichen Film. Letztlich also zwei Jahre Zeit- und Geldverschwendung … Es wird sich zeigen müssen, wie sich die auf die Rezeption des Films auswirken werden, der auch mit dem unerwarteten Flop des letzten "X-Men"-Films "Dark Phoenix" klarkommen muß. Kurz zur Handlung: Fünf junge Mutanten (gespielt u.a. von "Game of Thrones"-Star Maisie Williams und Anya Taylor-Joy) werden in einer geheimen Einrichtung gefangengehalten und müssen zusammenarbeiten und zugleich lernen, mit ihren Kräften umzugehen, um zu fliehen.

"The Photograph":
In dem von den Kritikern gelobten romantischen Drama von Stella Meghe ("Du neben mir") erbt Mae (Issa Rae, TV-Serie "Insecure") nach dem Tod ihrer Mutter, einer berühmten Photographin, deren Schließfach, das lediglich ein Photo und zwei Briefe enthält – einen an Mae und einen an ihren Vater. Da Mae nie ein enges Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, versucht sie nun, mehr über deren Vergangenheit herauszufinden; bei den Recherchen lernt sie zudem den jungen Reporter Michael (LaKeith Stanfield, "Get Out") kennen und verliebt sich in ihn.

"Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt!":
Der u.a. aus der "heute-show" bekannte Comedian Alexander Schubert gibt sein Regie- und Drehbuch-Debüt mit einem Remake der schwedischen Komödie "Kops" aus dem Jahr 2003. Im Mittelpunkt steht die Polizei in einer nordrhein-westfälischen Kleinstadt, die so erfolgreich ist (oder vielleicht ist auch einfach die Bevölkerung so brav), daß es quasi keine Verbrechen mehr gibt. Abgesehen von der Langeweile ist das natürlich ein Luxus-Problem – zumindest so lange, bis die Wache wegen der erzwungenen Untätigkeit aufgelöst werden soll! Einige der Polizisten sehen das überhaupt nicht ein und beginnen kurzerhand damit, heimlich selbst Verbrechen zu begehen. Mit dem Obdachlosen Klaus (Bjarne Mädel, TV-Serie "Der Tatortreiniger") hat man auch einen passenden Sündenbock gefunden. Doch natürlich läuft nicht alles wie geplant …

"Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat":
In der mittelmäßig rezensierten britischen Wohlfühl-Tragikomödie von der Kino-Regiedebütantin Eliza Schroeder erbt die 19-jährige Clarissa (Shannon Tarbet) nach dem frühen Tod ihrer Mutter Sarah einen Mietvertrag für ein Geschäft im Londoner In-Viertel Notting Hill – wo die Konditorin ihre eigene Bäckerei eröffnen wollte. Clarissa entschließt sich dazu, den Traum ihrer Mutter zu verwirklichen, wofür sie sich mit deren bester Freundin (Shelley Conn, "Woher weißt du, daß es Liebe ist"), ihrer exzentrischen, entfremdeten Großmutter (Celia Imrie, "Wimbledon") und Sarahs Jugendfreund Matthew (Rupert Penry-Jones, "Match Point") zusammentut, der selbst Bäcker ist.

17. September: 
"Hello Again – Ein Tag für immer":
In Maggie Perens ("Stellungswechsel") romantischer Komödie leben die drei bindungsscheuen Freunde Zazie (Alicia von Rittberg, "Herz aus Stahl"), Anton (Edin Hasanović, "Nur Gott kann mich richten") und Patrick (Samuel Schneider, "Asphaltgorillas") in einer WG zusammen. Als Zazie von ihrem Kindheitsfreund Philipp (Tim Oliver Schultz, TV-Serie "Club der roten Bänder") eine Einladung zu seiner Hochzeit mit Franziska (Emilia Schüle, "Traumfabrik") erhält, ist sie überzeugt, daß diese nicht die Richtige für Philipp ist und versucht, die Heirat zu sabotieren – nur um nach dem Scheitern des ersten Versuches in eine Zeitschleife zu geraten …

"The Outpost – Überleben ist alles":
Basierend auf einem Sachbuch des CNN-Reporters Jake Tapper erzählt Regisseur Rod Lurie ("Rufmord – Jenseits der Moral") in seinem Kriegsdrama die wahre Geschichte von 53 US-Soldaten und zwei lettischen Militärberatern, die während der US-Invasion Afghanistans nach 9/11 einen strategisch ungünstig gelegenen Außenposten nahe der pakistanischen Grenze halten. Angriffe der häufig aus Pakistan kommenden Taliban sind hier alltäglich, doch als das Militär den Außenposten schließlich aufgeben will und die Taliban davon Wind bekommen, starten sie eine Großoffensive, bei der sie klar in der Überzahl sind … Die US-Soldaten werden u.a. von Orlando Bloom, Caleb Landry Jones ("Three Billboards ...") und einigen Nachkommen großer Filmstars gespielt: Scott Eastwood (Sohn von Clint), Milo Gibson (Sohn von Mel), Will Attenborugh (Großneffe von Sir David) und Scott Alda Coffey (Enkel von Alan Alda). Die US-Kritiken sind sehr positiv ausgefallen.

"Jean Seberg – Against All Enemies":
Ursprünglich ein OSCAR-Kandidat, verflüchtigten sich Hoffnungen auf Ehrungen für Benedict Andrews' unkonventionelles Biopic über die in das Visier des FBI geratene Nouvelle Vague-Legende und Aktivistin, deren früher Tod nie restlos aufgeklärt werden konnte, recht schnell. Zu oberflächlich, zu selbstverliebt, so lautet das harte Urteil vieler Kritiker – die jedoch trotzdem großes Lob übrig haben für Titeldarstellerin Kristen Stewart ("Snow White and the Huntsman").

"Über die Unendlichkeit":
Der schwedische Filmemacher Roy Andersson hat bereits einige Festivallieblinge wie "Songs from the Second Floor" oder den wunderbar betitelten "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nacht" geschaffen. Auch "Über die Unendlichkeit" ist von Anderssons spleenigem, nicht selten an Monty Python und Luis Buñuel erinnernden Humor durchzogen und vereint eine Vielzahl kleiner Storys über Gott und die Welt, ohne dabei eine richtige Handlung zu haben.

24./25. September:
"David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück":
In der wegen ihrer einfallsreichen und höchst charmanten Machart von den Kritikern gefeierten Neuverfilmung von Charles Dickens' Roman "David Copperfield" spielt "Slumdog Millionär"-Star Dev Patel unter der Regie von "The Death of Stalin"-Schöpfer Armando Iannucci die Titelrolle. Davids ereignisreiches Leben umfaßt eine glückliche frühe Kindheit, auf die eine schlimme Jugend folgt, als sein gewalttätiger neuer Stiefvater ihn von der Schule nimmt und stattdessen in einer seiner Fabriken im fernen London schuften läßt. Nach dem Tod seiner Mutter macht sich David auf die Suche nach seiner verbleibenden Familie, die sich als ziemlich exzentrisch herausstellt … In weiteren Rollen agieren Tilda Swinton (als Davids reiche Tante), Hugh "Dr. House" Laurie, Ben Whishaw ("Skyfall"), Gwendoline Christie ("Star Wars Episode VII") und Peter "Doctor Who" Capaldi.

"Blackbird – Eine Familiengeschichte":
"Notting Hill"-Regisseur Roger Michell bietet für sein Drama ein sensationelles Ensemble, wurde aber trotzdem nur mit leicht positiven Kritiken belohnt. In dem Remake des dänischen Films "Silent Heart" (2014) von Bille August verkörpert Susan Sarandon ("Robot & Frank") die todkranke Lily, die ihre Familie zu einem letzten gemeinsamen Wochenende in ihrem Haus am Meer um sich versammelt. Doch allzu harmonisch läuft das nicht ab, denn zwischen Lily, ihrem Mann Paul (Sam Neill, "Jurassic Park"), den sehr unterschiedlichen Töchtern Jennifer (Kate Winslet, "Wonder Wheel") und Anna (Mia Wasikowska, "Crimson Peak") sowie Lilys bester Freundin Liz (Lindsay Duncan, "Alles eine Frage der Zeit") wird sehr emotional diskutiert und gestritten, zudem kommen etliche Geheimnisse und bis dahin unausgesprochene Dinge ans Tageslicht.

"Pelikanblut – Aus Liebe zu meiner Tochter":
2013 errang die deutsche Filmemacherin Katrin Gebbe mit ihrem beim Festival von Cannes vorgestellten kompromißlosen Drama "Tore tanzt" auch international einige Aufmerksamkeit – dennoch dauerte es eine ganze Weile bis zu ihrem nächsten Kinofilm. Auch "Pelikanblut", der beim Festival von Venedig seine Premiere feierte, klingt nicht unbedingt nach Wohlfühlkino: Nina Hoss ("A Most Wanted Man") spielt Wiebke, welche mit ihrer 9-jährigen Adoptivtochter Nicolina ein harmonisches Leben auf ihrem Reiterhof führt. Doch als Wiebke die fünf Jahre alte Raya adoptiert, ändert sich das, denn Raya erweist sich schnell als ein echtes Problemkind mit einem schwerwiegenden neurologischen Problem. Obwohl die Ärzte empfehlen, Raya in eine spezielle Einrichtung zu stecken, will Wiebke sie nicht aufgeben – und greift zu immer drastischeren Maßnahmen, um Raya zu "heilen" …

"Bill & Ted Face the Music":
Hierzulande ist die Zeitreisen-Komödien-Reihe mit Keanu Reeves und Alex Winters - deren erste beide Teile 1989 und 1991 erschienen - zwar bei weitem nicht so beliebt wie in Amerika, hat aber auch ihre Fans. Das sorgt dafür, daß diese sehr späte, aber laut Kritikern gelungene Fortsetzung zumindest in Form eines Ein-Tages-Events am 25. September in die deutschen Kinos kommt. Unter der Regie von Dean Parisot ("Galaxy Quest") geht es einmal mehr um die Kindsköpfe und Möchtegern-Rockstars Bill (Winters) und Ted (Reeves), die inzwischen relativ bodenständige Familienväter sind - und es noch immer nicht geschafft haben, den prophezeiten Hit zu schreiben, der die Welt vereinen wird. Das soll sich bitter rächen, denn Zeit und Raum beginnen nun zu kollabieren ...

1. Oktober:
"Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution":
Die britische Regisseurin Philippa Lowthorpe (TV-Serie "The Crown") erzählt in der sehr positiv besprochenen Feelgood-Komödie die wahre Story eines Misswahl-Skandals im Jahr 1970. Keira Knightley ("Grow Up!?") spielt die Hauptrolle der feministischen Londonerin Sally, die sich sehr an den altbackenen Misswahlen stört. Da die "Miss World"-Kür dieses Mal in London stattfindet und weltweit im Fernsehen übertragen wird, wollen sie und einige Mitstreiterinnen das zu einer aufsehenerregenden Protestaktion nutzen. Derweil nimmt "Miss Grenada" Jennifer (Gugu Mbatha-Raw, "Das Zeiträtsel") den Wettbewerb sehr ernst, denn sie will unbedingt die erste nicht-weiße "Miss World" werden …

"Jim Knopf und Die Wilde 13":
Nachdem die aufwendig produzierte Michael Ende-Realverfilmung "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" 2018 mit über 1,9 Millionen Zuschauern (und Platz 13 in den Jahrescharts, einquetscht zwischen "Aquaman" und "Black Panther") ein großer Kinoerfolg war, stand eine Fortsetzung natürlich außer Frage – zumal ein zweites "Jim Knopf"-Buch von Ende als Vorlage existiert. Das erneut von Dennis Gansel ("Napola") inszenierte Sequel spielt ein Jahr nach dem ersten Film und konfrontiert den jungen Jim Knopf (Solomon Gordon) und seinen Lokführer-Freund Lukas (Henning Baum) in Form der Piratenbande "Die Wilde 13" mit einer neuen Gefahr für die Insel Lummerland. Außerdem will Jim Knopf endlich das Geheimnis um seine Herkunft lüften …

"Gott, du kannst ein Arsch sein!":
André Erkau ("Arschkalt") hat den gleichnamigen Kurzroman von Frank Pape adaptiert, in dem es um Steffi (Sinje Irslinger) geht, die mit 16 Jahren erfährt, daß sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Während Steffis Eltern (Til Schweiger, Heike Makatsch) sie den winzigen Erfolgsaussichten zum Trotz zu einer Chemotherapie drängen, reißt Steffi kurzerhand aus und macht sich mit einem anderen Ausreißer, dem vor seinem strengen Vater (Jürgen Vogel) flüchtenden Steve (Max Hubacher), auf einen Roadtrip nach Frankreich …

"Enfant Terrible":
Der Titel des episodischen Biopics ist gleich in mehrfacher Hinsicht Programm, denn mit dem streitbaren Filmemacher Oskar Roehler ("Agnes und seine Brüder") hat ein Enfant terrible des deutschen Kinos das Leben eines sogar noch größeren Enfant terribles des deutschen Kinos verfilmt: Rainer Werner Fassbinder. Oliver Masucci ("Werk ohne Autor") verkörpert den relativ jung verstorbenen Regisseur und Drehbuch-Autor, der als Rebell in einem Münchener Theater begann, dann vor allem in den 1970er Jahren auch den deutschen Film revolutionierte und die Gesellschaft mit sozialkritischen Werken wie "Angst essen Seele auf" und "Die Ehe der Maria Braun" aufrüttelte – quasi als deutsche Ein-Mann-Version des "New Hollywood". Die ersten Vorabkritiken sind eher zwiespältig ausgefallen – aber alles andere wäre ja auch irgendwie unpassend, wenn es um Fassbinder und Roehler geht. Weitere Rollen spielen Katja Riemann, Christian Berkel, Eva Mattes, André Hennicke und Götz Otto.

"Niemals selten manchmal immer":
Mit überragenden Kritiken (99% bei Rotten Tomatoes!) wartet der bei der Berlinale 2020 mit dem Großen Preis der Jury prämierte dritte Film von Eliza Hittman ("Beach Rats") auf, ein einfühlsames Drama über die 17-jährige Autumn (Sidney Flanigan), die ungewollt schwanger wird. Sie will eine Abtreibung, muß jedoch feststellen, daß das in Pennsylvania gar nicht so einfach ist, zumal für eine Minderjährige. Mit einer Freundin macht sie sich daher auf den Weg nach New York, trifft aber auf immer weitere Hindernisse. Klar, für fanatische Abtreibungsgegner dürfte dieser Film nichts ein, die Kritiker loben aber gerade die betont unpolitische Behandlung der Thematik durch Hittman, die sich stattdessen voller Empathie ganz auf die Gefühlswelt ihrer ob all der bevormundenden Hindernisse, mit denen sie konfrontiert wird, überforderten und zunehmend verzweifelten Protagonistin konzentriert.

8. Oktober: 
"Es ist zu deinem Besten":
In der von der Prämisse her ein wenig an "Monsieur Claude und seine Töchter" erinnernden deutschen Komödie von Marc Rothemund ("Dieses bescheuerte Herz") spielen Jürgen Vogel, Heiner Lauterbach und Hilmi Sözer drei Schwäger, deren größte Gemeinsamkeit ihre jeweilige Abneigung gegen ihre potentiellen Schwiegersöhne ist. Folglich beschließen sie, die jeweiligen Verbindungen zu sabotieren …

"Vergiftete Wahrheit":
Das auf einem Zeitungsartikel basierende Gerichtsdrama von Todd Haynes ("Carol") ging in den USA an den Kinokassen ziemlich unter – dabei ist die (deprimierende) Thematik angesichts des laufenden Feldzugs der Trump-Regierung gegen den Umweltschutz und zugleich etlicher Klagen gegen große Konzerne wie Bayer brandaktuell und die Kritiken fielen überwiegend sehr gut aus. Mark "Hulk" Ruffalo spielt den Anwalt Robert Bilott aus Cincinnati, der im Jahr 2000 ein Gerichtsverfahen gegen den Chemiekonzern DuPont anstrengt, weil der mit der Entsorgung von Giftmüll die Felder zweier Landwirte vergiftet habe. Was Bilott zunächst nicht ahnt: Dieser ungleiche Kampf David gegen Goliath (der noch immer nicht beendet ist) wird die nächsten Jahrzehnte seines Lebens auslasten und ihn vor vielfache Herausforderungen stellen. Weitere Hauptrollen spielen Anne Hathaway ("Colossal") und Tim Robbins ("Die Verurteilten").

"Peninsula":
Im Jahr 2016 eroberte ein Zombiefilm namens "Train to Busan" nicht nur Südkorea – wo er zum erfolgreichsten heimischen Film aller Zeiten avancierte –, sondern feierte auch im Rest der Welt beachtliche Erfolge. Bei uns erhielt er allerdings keinen regulären Kinostart, sondern war nur im Rahmen des Fantasy Filmfest zu sehen und wurde anschließend fürs Heimkino veröffentlicht. Die auf kompett neue Figuren setzende Fortsetzung "Peninsula" macht es umgekehrt, denn angesichts des Erfolgs des Vorgängers verzichtet der Verleiher auf einen Einsatz beim Fantasy Filmfest und setzt stattdessen auf einen "richtigen" Kinostart – man darf gespannt sein, ob sich das rentiert. Die Handlung setzt vier Jahre nach "Train to Busan" an, inzwischen hat sich die Zombie-Epidemie rasant ausgebreitet, weshalb die koreanische Halbinsel unter Quarantäne steht. Der südkoreanische Soldat Jung-seok (Gang Dong-won, "War of the Wizards") konnte sich nach Hongkong retten, soll nun aber mit einigen Söldnern zurück auf die Halbinsel und dort einen LKW sichern, in dem sich jede Menge Geld befindet. Doch natürlich ist das leichter gesagt als getan, zumal einige Überraschungen auf die Gruppe warten … Die meisten Kritiken sind nicht so überschwänglich wie bei "Train to Busan" ausgefallen – der größte Kritikpunkt ist mangelnde Originalität –, aber insgesamt immer noch positiv.

"Eine Frau mit berauschenden Talenten":
Isabelle Huppert ("Happy End") spielt in Jean-Paul Salomés ("Female Agents") Krimikomödie die Gerichtsdolmetscherin Patience, deren Aufgabe vor allem im Abhören von Telefonaten aus der arabisch geprägten Drogenszene besteht. Sonderlich gut bezahlt ist ihr Job jedoch nicht, und so kommt es, daß Patience in Versuchung gerät, ihr Wissen aus den Telefonaten für sich zu nutzen, als sie die Kosten für das Pflegeheim ihrer Mutter nicht mehr übernehmen kann. Tatsächlich etabliert sich Patience schnell als Drogendealerin, die Polizei ist zunächst ratlos – nur ihr Boß Philippe (Hippolyte Girardot, "The French Dispatch") hat eine Vermutung …

15. Oktober:
"Der geheime Garten":
Auch "Der geheime Garten" ist die Neuverfilmung einer altbekannten Geschichte, wobei die Vorlage hier noch deutlich älter ist und bereits mehrfach adaptiert wurde. Der Jugendroman von Frances Hodgson Burnett handelt von der 10-jährigen Britin Mary (Dixie Egerickx), die in Indien vorwiegend von ihrem Kindermädchen aufgezogen wird. Als ihre Eltern einer Choleraepidemie zum Opfer fallen, wird Mary Ende der 1940er Jahre nach England geschickt, wo sie bei ihrem reichen Onkel Lord Archibald Craven (Colin Firth, "A Single Man") auf dessen idyllischem, aber abgelegenen Landgut aufwachsen soll. Für Mary eine höchst spannende Sache, da es auf dem Landgut zahlreiche Geheimnisse aufzudecken gibt – allen voran das eines gut versteckten kleinen Gartens auf dem Anwesen … Die Kritiken sind verhalten positiv ausgefallen, wobei die Notwendigkeit dieser x-ten Verfilmung angesichts ihrer eher konventionellen Machart durchaus in Frage gestellt wird.

"Mrs. Taylor's Singing Club":
In der britischen Tragikomödie von Peter Cattaneo ("Die nackte Wahrheit") spielen u.a. Kristin Scott Thomas und die irische Komikerin Sharon Horgan (TV-Serie "Catastrophe") die Ehefrauen von in Afghanistan eingesetzten britischen Soldaten, die sich in einem Chor zusammentun und große mediale Aufmerksamkeit wecken.
 
"Drachenreiter" (3D):
Der familienfreundliche, schon mit der überwiegend aus YouTube-Stars bestehenden Sprecher-Besetzung seine junge Zielgruppe verdeutlichende deutsch-belgische Animationsfilm adaptiert Cornelia Funkes gleichnamigen Jugend-Fantasyroman und handelt von einer Welt, in der die Fabelwesen fast komplett ausgestorben sind. Nur wenige Zufluchtsorte sind noch übrig und als ein solcher, von Drachen bewohnter Ort bedroht wird, macht sich der junge Silberdrache Lung (gesprochen von Julien Bam) – der von seinen älteren Artgenossen nicht ernstgenommen wird und sich deshalb in den nahen Dschungel verzogen hat – mit dem Koboldmädchen Schwefelfell (Dagi Bee) und dem Waisenjungen Ben (Mike Singer) auf eine gefährliche Suche nach einem neuen Versteck für die Fabelwesen auf.

"Astronaut":
OSCAR-Nominee Richard Dreyfuss ("Mr. Holland's Opus") verkörpert in der recht wohlwollend besprochenen kanadischen Tragikomödie von Kino-Regiedebütantin Shelagh McLeod den alten Witwer Angus, der sein Leben lang von einem Ausflug ins All träumte. Da kommt es sehr gelegen, als ein Geschäftsmann (Colm Feore, "Der fremde Sohn") einen Platz auf dem ersten kommerziellen Weltraumflug durch ein Gewinnspiel vergibt. Angus' Problem: Die Altersgrenze liegt bei 65 Jahren und er ist schon über 70. Also frisiert er die Angaben zu seiner Person und schafft es tatsächlich bis in die Endauswahl …

22. Oktober: 
"Cortex":
Mit dem Thriller "Cortex" gibt Moritz Bleibtreu sein Regie- und Drehbuchdebüt und übernimmt auch die Hauptrolle des Hagen. Der wird von heftigen Alpträumen geplagt und weiß irgendwann nicht länger, was Traum und was Realität ist – das ist natürlich nicht übermäßig hilfreich für sein Familienleben und führt dazu, daß seine Ehefrau Karoline (Nadja Uhl, "Sommer vorm Balkon") eine Affäre mit dem Kleinkriminellen Niko (Jannis Niewöhner, "Jugend ohne Gott") beginnt. Das ist nur der Auftakt einer dramatischen Kettenreaktion …

"Kajillionare":
In der stark rezensierten, unkonventionellen Gauner-Tragikomödie der durchaus polarisierenden Künstlerin Miranda July ("The Future") hat ein kleinkriminelles Paar (Richard Jenkins und Debra Winger) seine Tochter (Evan Rachel Wood) konsequent zu einer Trickbetrügerin aufgezogen. Von den Betrügereien zu leben wird für die seltsame Familie allerdings immer schwieriger und so kommt es, daß sie auf einem Flug nach New York ihre Zufallsbekanntschaft Melanie (Gina Rodriguez) - die ein großer Fan von Filmen wie "Ocean's Eleven" ist - kurzerhand als Komplizin aufnehmen. Das bringt aber die Dynamik des bisherigen Trios zunehmend durcheinander ...

"The Beach House":
Bei vermutlich keinem anderen Genre gehen die Meinungen von Profi-Kritikern und "normalen" Zuschauern so weit auseinander wie beim Horrorfilm. Während die Genrefans sich oft ziemlich konventionell geben, freuen sich die Kritiker vor allem über ungewöhnliche und anspruchsvolle Arthouse-Horrorfilme, die den Kinogängern eher zu langatmig sind. Auch bei Jeffrey A. Browns Langfilm-Regiedebüt gibt es ein solches Gefälle, beispielsweise kann "The Beach House" bei Rotten Tomatoes mit starken 81% positiven Rezensionen protzen, kommt aber nur auf 30% bei den Online-Usern - und auch der IMDb-Durchschnittswert von 5,4 von 10 Punkten verheißt eigentlich nichts Gutes. Um zu erfahren, ob die Kritiker richtig liegen oder doch eher die Masse der Kinogänger, muß man sich den Film wohl selbst anschauen ... Es geht um zwei College-Studenten (Liana Liberato und Noah Le Gros), die einen romantischen Ausflug unternehmen - nur um in einen Überlebenskampf zu geraten, als ein ebenso anwesendes, etwas älteres Paar Anzeichen einer mysteriösen, unheivollen Infektion zeigt, welche sich scheinbar durch einen seltsamen Nebel verbreitet.

"Ema":
Das recht experimentelle und von Tanzszenen zu Reggaeton-Klängen dominierte chilenische Drama von "Jackie"-Regisseur Pablo Larraín erzählt von der jungen Tänzerin Ema (Mariana Di Girolamo), deren Leben schwer durcheinandergerät, als sie ihren Adoptivsohn Polo kurzerhand ans Jugendamt zurückgibt, nachdem dieser ihre Schwester verletzt hat. Dafür erntet sie viel Kritik und ihre Beziehung zu Gastón (Gael García Bernal, "Babel") zerbricht daran, auch Ema selbst leidet unter Schuldgefühlen. Doch obwohl sie in der Folge erratisch zu agieren scheint, hat sie vor, wieder die Kontrolle über ihr Leben zu übernehmen.

29. Oktober:
"The Craft":
Als 1996 der Teenie-Horrorfilm "Der Hexenclub" mit Neve Campbell in die Kinos kam, erhielt er zwar ziemlich miese Kritiken, war jedoch kommerziell recht erfolgreich. Das reicht inzwischen offenbar schon als Qualifikationskriterium für eine Remake-Prozedur aus, denn "The Craft" ist in der Tat eine Neuverfilmung des gleichen Stoffes. Hoffnung auf eine qualitative Steigerung macht, daß die Horror-Experten von Blumhouse für diees Remake verantwortlich zeichnen, außerdem können sich Regisseurin Zoe Lister-Jones ("Band Aid") und die Besetzung mit Cailee Spaeny ("Bad Times at the El Royale"), Gideon Adlon ("Der Sex-Pakt"), Michelle Monaghan und "Akte X"-Star David Duchovny sehen lassen. Zur genauen Handlung und eventuellen Abweichungen ist nur wenig bekannt, aber wie im Original dürfte es um einige Mädchen gehen, die an ihrer katholischen Schule einem Hexenzirkel beitreten - mit (für sie) unerwarteten Folgen ...
 
"Yakari Der Kinofilm":
Der erste, animierte Kinofilm zur beliebten Kinder-Comicreihe über den jungen Sioux-Indianer Yakari, der unbedingt das Wildpferd "Kleiner Donner" zähmen will.
 
"Schlaf":
Regisseur Michael Venus konnte für sein Kinodebüt eine namhafte Hauptdarstellerin gewinnen: "Toni Erdmann"-Star Sandra Hüller spielt in dem Mystery-Thriller Marlene, die zunehmend von schrecklichen Alpträumen geplagt wird, die ihr mental schwer zusetzen. Als sie herausfindet, daß das Dorf, von dem sie ständig träumt, tatsächlich existiert, reist sie auf der Suche nach Antworten dorthin – nur um letzten Endes in der Psychiatrie zu landen. Also versucht Marlenes Tochter Mona (Gro Swantje Kohlhof, "Endzeit"), den Gründen für das Leid ihrer Mutter selbst nachzuspüren – und findet Erschreckendes heraus. Kritiker loben die Hauptdarstellerinnen, kritisieren aber eine konfuse und zu sehr von großen Genre-Vorbildern abgeschaute Handlung.

"Und morgen die ganze Welt":
In Julia von Heinz' ("Ich bin dann mal weg") gesellschaftspolitischem Drama spielt Mala Emde ("Lara") die beginnende Jura-Studentin Luisa, die sich ob des zunehmenden Erstarkens des Rechtspopulismus im Land mit Freunden zu einer Aktivistengruppe zusammentut. Manche davon sind allerdings auch bereit, Gewalt einzusetzen, was Luisa früher oder später zu einer potentiell folgenreichen Entscheidung zwingt ...
 
"Ruben Brandt, Collector":
Der sehr positiv besprochene und mehrfach ausgezeichnete ungarische Animationsfilm handelt vom titelgebenden Psychotherapeuten, der in seinen Alpträumen von monströsen Variationen weltberühmter Kunstwerke verfolgt wird. Seine leicht unkonventionelle Idee, um das nächtliche Martyrium zu beenden: Er will alle 13 Werke, von denen er träumt und die auf renommierte Museen in der ganzen Welt verteilt sind, stehlen! Erzählerisch wird "Ruben Brandt, Collector" von den Kritikern als nicht ausgereift bemängelt, aber dafür sollen die kunstvollen Animationen umso beeindruckender geraten sein.


Das war also meine ausführliche Übersicht über die potentiellen Kino-Highlights im Frühherbst 2020, meine Vorschau auf November und Dezember folgt voraussichtlich im Oktober. 

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