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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Montag, 19. April 2021

TV-Tips für die Woche 16/2021

Montag, 19. April:

Arte, 21.50 Uhr: "Hühnchen in Essig" (1985)

In Claude Chabrols ("Die Farbe der Lüge") spielt Jean Poiret ("Die letzte Metro") den zynischen Kriminalinspektor Lavardin aus Paris, der zwei Morde in einer Kleinstadt in der französischen Provinz aufklären soll und auf ein Geflecht aus Korruption stößt. Die Kritiken für den Film waren nicht einmal überragend, dennoch gab es ein Jahr später die Fortsetzung "Inspektor Lavardin oder die Gerechtigkeit", an die sich dann auch noch eine vierteilige TV-Reihe anschloß (von der zwei Teile erneut von Chabrol inszeniert wurden, zudem war er an allen Drehbüchern beteiligt).

Dienstag, 20. April:

Servus TV, 22.00 Uhr: "Vorhang auf für Cyrano" (2018)

Die für zwei Césars nominierte historische Komödie widmet sich Edmond Rostands vielfach verfilmtem Stück "Cyrano de Bergerac" - allerdings handelt es sich zur Abwechslung nicht um eine weitere Adaption der Geschichte, sondern es geht um deren Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts. Thomas Solivérès ("Frühstück bei Monsieur Henri") spielt Rostand, der gegen zahlreiche Widerstände von Skeptikern versucht, seine unkonventionelle, von dem realen Autor Cyrano de Bergerac (ja, den gab's wirklich, er lebte im 17. Jahrhundert) inspirierte Geschichte tatsächlich auf die Bühne zu bringen - denn an einen Erfolg glauben die wenigsten in seinem Umfeld (zumal sein vorheriges Projekt ein Flop war und er seitdem unter einer Schreibblockade leidet). Das erklärte Vorbild des Langfilm-Regiedebünaten Alexis Michalik für seinen Film war übrigens John Maddens OSCAR-Gewinner "Shakespeare in Love".

Außerdem:

Burn After Reading (amüsante Spionage-Komödie von den Coen-Brüdern mit George Clooney, Brad Pitt und Tilda Swinton; 20.15 Uhr bei Servus TV)

Cloud Atlas (ein episodisches, sehr komplexes und bildgewaltiges Drei-Stunden-Epos von Tom Tykwer und den Wachowskis über Schicksal, den Sinn des Lebens und Reinkarnation; 23.55 Uhr im HR)

Donnerstag, 15. April 2021

BLACK 47 (2018)

Originaltitel: Black '47
Regie: Lance Daly, Drehbuch: P.J. Dillon, Pierce Ryan und Lance Daly, Musik: Brian Byrne
Darsteller: James Frecheville, Hugo Weaving, Freddie Fox, Stephen Rea, Barry Keoghan, Jim Broadbent, Sarah Greene, Moe Dunford, Aidan McArdle, Dermot Crowley, Antonia Campbell-Hughes
Black 47 (2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 78% (6,8); weltweites Einspielergebnis: $2,1 Mio.
FSK: 12, Dauer: 100 Minuten.
Irland, 1847: Nachdem er unter anderem in Afghanistan in der britischen Armee gedient hat, ist Martin Feeney (James Frecheville, "Königreich des Verbrechens") schließlich desertiert, um in seine irische Heimat zurückzukehren. Dort herrscht eine gewaltige Hungersnot, nachdem die Kartoffelernte durch die Kartoffelfäule nahezu komplett ausfiel. Die britischen Besatzer lassen sich von der existentiellen Not der Landbevölkerung aber nicht beeindrucken, weshalb Feeney erfahren muß, daß seine Mutter und sein Bruder starben, nachdem sie aus ihrem kleinen Haus geworfen wurden. Als unmittelbar nach Martins Ankunft auch seine mittellose Schwägerin Ellie (Sarah Greene, "The Guard") und ihre Kinder obdachlos zu werden drohen, will er eingreifen – woraufhin die Situation endgültig eskaliert. Fortan sinnt der vom Krieg sowieso desillusionierte und abgehärtete, dabei äußerst fähige Ex-Soldat auf blutige Rache an allen, die er für den Tod seiner Familie verantwortlich macht. Kurz nach Beginn seines Rachefeldzugs setzen die Briten den in Ungnade gefallenen Veteranen Hannah (Hugo Weaving, "Cloud Atlas") auf Feeney an, der Feeney aus Afghanistan kennt. Gemeinsam mit dem arroganten unerfahrenen Offizier Pope (Freddie Fox, "King Arthur: Legend of the Sword"), dem noch jüngeren Gefreiten Hobson (Barry Keoghan, "Dunkirk") sowie dem ortskundigen Führer Conneely (Stephen Rea, "Stuck") macht sich Hannah, wenn auch eher widerwillig, auf die Jagd nach seinem früheren Kameraden …

Dienstag, 13. April 2021

ELVIS & NIXON (2016)

Regie: Liza Johnson, Drehbuch: Cary Elwes, Joey & Hanala Sagal, Musik: Ed Shearmur
Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Alex Pettyfer, Colin Hanks, Johnny Knoxville, Evan Peters, Sky Ferreira, Tracy Letts, Tate Donovan, Ashley Benson, Ahna O'Reilly, Hanala Sagal, Poppy Delevingne, Dylan Penn
Elvis & Nixon (2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 77% (6,5); weltweites Einspielergebnis: $1,8 Mio.
FSK: 0, Dauer: 87 Minuten.
Im Dezember des Jahres 1970 beschließt der "King of Rock 'n' Roll" Elvis Presley (Michael Shannon, "Shape of Water") spontan, nach Washington zu fliegen, um dort Präsident Richard Nixon (Kevin Spacey, "Baby Driver") zu treffen und mit diesem über die Drogenproblematik der Jugend des Landes zu reden. Dieses Vorhaben scheitert zunächst daran, daß er am Flughafen seine Waffe mitnehmen will, doch sein per Telefon herbeigerufener Jugendfreund Jerry Schilling (Alex Pettyfer, "Magic Mike") klärt die Situation und begleitet Elvis in die Hauptstadt, wo kurze Zeit später dessen Freund und Bodyguard Sonny West (Johnny Knoxville, "The Last Stand") dazustößt. Nur für ihn überraschend erhält Elvis bei seinem unangekündigten Auftauchen am Hinterausgang des Weißen Hauses keinen Einlaß, allerdings bekommen Nixons enge Berater Egil Krogh (Colin Hanks, "King Kong") und Dwight Chapin (Evan Peters, "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit") Wind vom Besuch und wittern die Chance auf einen PR-Coup. Dummerweise hält Nixon davon überhaupt nichts, sodaß Krogh und Chapin zu einigen Tricks greifen müssen, um ihn zum Treffen mit der Musikikone zu überreden – währenddessen erkundet der sonst von seinem Manager und seiner Frau sehr von der Öffentlichkeit abgeschirmte und daher ziemlich weltfremde Elvis zum Erschrecken seiner Freunde die Stadt …

Montag, 12. April 2021

TV-Tips für die Woche 15/2021

Montag, 12. April:

Pro 7, 20.15 Uhr: "Chernobyl" (2019)

Ausnahmsweise mal der Hinweis auf die Free-TV-Premiere einer TV-Miniserie, denn die betont authentische britisch-amerikanische HBO-Produktion "Chernobyl" über die Nuklearkatastrophe in der (damals noch zur Sowjetunion zählenden) Ukraine am 26. April 1986 wird von Kritikern und Publikum gefeiert und als eine der besten Serien überhaupt bezeichnet (in der IMDb belegt sie beispielsweise aktuell Platz 5 der bestbewerteten TV-Produktionen, Dokus ausgenommen ist es sogar Platz 3 hinter "Band of Brothers" und "Breaking Bad", knapp vor "The Wire"). Dafür gab es zwei Golden Globes sowie sage und schreibe zehn Emmys, zu den Hauptdarstellern zählen Jared Harris, Stellan Skarsgård und Emily Watson. Pro 7 zeigt die ersten beiden von fünf Episoden (gefolgt von der brandneuen Doku "Tschernobyl - Die Wolke über Deutschland"), die drei restlichen folgen an den kommenden Montagen.

Arte, 20.15 Uhr: "Die Wonder Boys" (2000)

Curtis Hansons ("L.A. Confidential") wunderbare Tragikomödie nach einem Roman von Michael Chabon ist nicht nur ein toller, einfallsreicher Film mit grandioser Besetzung (der drei OSCAR-Nominierungen erhielt, darunter eine sehr verdiente für das Drehbuch), sondern auch noch das Werk, das mich zum Fan des kanadischen Songwriters Leonard Cohen machte. Ich kannte zwar schon vorher ein paar seiner Songs ("Hallelujah", "First We Take Manhattan"), aber erst durch das hypnotisch-melancholische "Waiting for the Miracle", das in "Die Wonder Boys" eine prominente Rolle spielt, entschied ich, daß ich definitiv mehr von diesem Musiker hören muß. Aber wie gesagt: Auch abseits dieses persönlichen Details ist "Die Wonder Boys" einfach ein schöner Film, in dem Michael Douglas als Schriftsteller mittleren Alters namens Grady Tripp glänzt, dessen einziger Roman ein großer Kritiker- und Publikumserfolg war - auf den sieben Jahre später noch nichts folgte. Dabei arbeitet Grady sehr wohl an einem Nachfolger und er hat auch keine Schreibblockade; ganz im Gegenteil ist sein Manuskript bereits auf weit über 2000 Seiten angewachsen und er findet kein Ende. Nebenbei ist Grady noch als Englischprofessor tätig und befindet sich nach der Trennung von seiner Frau in einer handfesten Midlife-Crisis ... Robert Downey Jr. spielt Gradys Agenten, Frances McDormand die College-Leiterin (und seine heimliche Geliebte) und Tobey Maguire und Katie Holmes zwei Studenten, mit denen Grady sich anfreundet (was eine aus Spoilergründen sehr verkürzte Beschreibung des Geschehens ist). Übrigens hat "Die Wonder Boys" sogar einen OSCAR für den besten Filmsong gewonnen - der ging allerdings nicht an Cohen (weil "Waiting for the Miracle" bereits in den 1980er Jahren veröffentlicht wurde), sondern an Bob Dylans "Things Have Changed".

Arte, 22.00 Uhr: "Höhenkoller" (1977)

"Höhenkoller" zählt nicht unbedingt zu den bekanntesten Filmen von Comedy-Altmeister Mel Brooks ("Frühling für Hitler", "Frankenstein Junior") und wird im deutschen TV selten gezeigt, dabei zählt die Hitchcock-Parodie durchaus zu seinen besseren Werken und war für zwei Golden Globes nominiert. Eine der Nominierungen ging an Brooks selbst, der die Hauptrolle des an Höhenangst leidenden Psychiaters Dr. Thorndyke spielt, der die Leitung des "Instituts für die sehr sehr Nervösen" übernimmt - bei dem nicht ganz klar ist, ob die Patienten irrer sind oder die Behandelnden ... Hitchcock mochte den Film übrigens.

Donnerstag, 8. April 2021

JESUS ROLLS – NIEMAND VERARSCHT JESUS! (2019)

Originaltitel: The Jesus Rolls
Regie und Drehbuch: John Turturro, Musik: Émilie Simon
Darsteller: John Turturro, Bobby Cannavale, Audrey Tautou, Susan Sarandon, Pete Davidson, Jon Hamm, Christopher Walken, Sônia Braga, JB Smoove, Tim Blake Nelson, Gloria Reuben, Michael Badalucco, Tonino Baliardo, Nicolas Reyes
Jesus Rolls (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 20% (4,2); weltweites Einspielergebnis: $0,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 82 Minuten.
Als der bowlingverrückte Jesus Quintana (John Turturro, "O Brother, Where Art Thou?") aus dem Gefängnis entlassen wird, holt ihn sein Kumpel Petey (Bobby Cannavale, "The Irishman") ab. Trotz einer ernsten Ermahnung des Gefängnisdirektors (Christopher Walken, "7 Psychos"), daß er bei einer weiteren Verurteilung lange hinter Gittern verschwinden werde, denkt Jesus gar nicht daran, den Pfad der Tugend zu bestreiten. Stattdessen "borgt" er erst sich den schicken Wagen des Friseurs Paul Dominique (Jon Hamm, "Baby Driver") aus. Wie sich herausstellt, arbeitet für den eine alte Bekannte von Jesus, die freizügige Französin Marie (Audrey Tautou, "Die fabelhafte Welt der Amélie"). Marie schließt sich Jesus und Petey an und das Trio streift nach einem kurzen Besuch bei Jesus' Mutter (Sônia Braga, "Der Kuß der Spinnenfrau") mehr oder weniger ziellos durch die Gegend, klaut ein paar weitere Autos und ein paar andere Dinge und hat viel Sex. Bei dem impulsiven Streifzug bekommen sie immer wieder Ärger, treffen aber auch auf interessante Personen wie einen windigen Mechaniker (JB Smoove, "Spider-Man: Far From Home"), einen Arzt (Tim Blake Nelson, "Der unglaubliche Hulk"), die frisch aus dem Frauenknast entlassene Jean (Susan Sarandon, "Robot & Frank") und ihren ebenfalls aus dem Gefängnis freikommenden Sohn Jack (Pete Davidson, "The King of Staten Island") …

Dienstag, 6. April 2021

OSCAR-News: Schauspielergilde sorgt mit zwei überraschenden Gewinnern für mehr Spannung im OSCAR-Rennen

Eigentlich sah es in den letzten Wochen ja nach einem ziemlich langweiligen OSCAR-Abend aus, da sich in den meisten Hauptkategorien klare Favoriten herausgeschält hatten - darunter "Nomadland" als "Bester Film" und für die beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand). Doch die von den Schauspielern am Sonntag Abend vergebenen SAG Awards wirbeln den Status Quo erfreulicherweise doch wieder etwas durcheinander und sorgen zudem für ein historisches Novum: Erstmals gingen alle vier Einzelkategorien der Filmsparte an nicht-weiße Schauspieler! Bei Chadwick Boseman ("Ma Rainey's Black Bottom") ist dies keine Überraschung, er wird höchstwahrscheinlich auch den posthumen OSCAR für seine in der Tat sehr starke Leistung erhalten. Auch Daniel Kaluuya ("Judas and the Black Messiah") hat zuletzt fast alle wichtigen Preise für sich entscheiden können und setzt diese Erfolgsserie bei den SAG Awards fort.

Anders sieht es bei den Frauen aus: Als beste Hauptdarstellerin wurde nicht die favorisierte Frances McDormand geehrt und auch nicht die als ihre härteste Konkurrentin gehandelte Carey Mulligan ("Promising Young Woman"), sondern Chadwick Bosemans Leinwandpartnerin Viola Davis. Das ist keine Sensation, weil Davis, McDormand und Mulligan als realistische OSCAR-Gewinnerinnen gehandelt werden, jedoch lag Davis in diesem Trio bislang eher an der letzten Stelle - nun dürfte sie ob des großen Gewichts der Schauspieler innerhalb der Academy an der Spitze liegen, auch wenn definitiv nichts entschieden ist. Bei den Nebendarstellerinnen konnte sich Youn Yuh-jung aus dem Einwandererdrama "Minari" gegen die Seriensiegerin der letzten Wochen durchsetzen, Maria Bakalova aus "Borat Anschluss Moviefilm" (und auch gegen die junge Deutsche Helena Zengel, die hier im Gegensatz zu den OSCARs ebenfalls nominiert war). Damit sollte sich die OSCAR-Gewinnerin wohl zwischen Youn und Bakalova entscheiden, wobei die übrigen Nominierten Glenn Close, Olivia Colman und Amanda Seyfried auch nicht völlig aussichtslos im Rennen liegen. Die Frauen sorgen in den Schauspiel-Kategorien also für Spannung, während es bei den Männern so aussieht, als wäre alles bereits entschieden.

Bleibt noch der Preis für das beste Filmensemble, die SAG Award-Entsprechung der "Bester Film"-Kategorie. Durchsetzen konnte sich hier "The Trial of the Chicago 7", was zu erwarten war, da OSCAR-Topfavorit "Nomadland" gar nicht nominiert wurde (es ist nunmal kein wirklicher Ensemblefilm). Trotzdem eine starke Leistung, sich gegen den von den Stimmberechtigten offenbar sehr gemochten "Ma Rainey's Black Bottom" durchzusetzen. Damit bestätigt sich, daß Aaron Sorkins schwungvoller historischer Gerichtsfilm der aussichtsreichste Rivale von "Nomadland" in der Königskategorie bleibt, wenngleich seine Siegchancen eher gering sind.

Alle Gewinner inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der SAG Awards-Homepage.

Montag, 5. April 2021

TV-Tips für die Woche 14/2021

Ostermontag, 5. April:

Pro 7, 20.15 Uhr: "Rocketman" (2019)

Free-TV-Premiere des mit einem OSCAR (für den besten Filmsong) und zwei Golden Globes (bester Hauptdarsteller Komödie/Musical und Filmsong) ausgezeichneten Elton John-Biopics von Dexter Fletcher ("Eddie the Eagle"), in dem der von John höchstpersönlich ausgewählte "Kingsman"-Star Taron Egerton in der Hauptrolle glänzt und dabei (anders als Rami Malek im Queen-Biopic "Bohemian Rhapsody") sogar alle Songs selber singt - und das richtig gut. Die Handlung ist dabei biopic-typisch ziemlich konventionell erzählt, das wird aber durch einige starke, passend zum portraitierten Star schön schrille Musical-Einlagen kompensiert. Direkt im Anschluß zeigt Pro 7 um 22.50 Uhr die Doku "Elton John: A Singular Man" (2015) und um Mitternacht den Konzertmischnitt "Elton John: The Million Dollar Piano live in Las Vegas" von 2012.

Arte, 21.40 Uhr: "Der Schnüffler" (1967)

Im routinierten Krimi von Gordon Douglas ("Barquero") spielt Frank Sinatra den Privatdetektiv und Ex-Polizist Tony Rome, der in Miami gelegentlich Fälle löst und sonst dem Glücksspiel frönt. Als Tony von seinem früheren Partner bei der Polizei den eigentlich einfachen Auftrag erhält, eine betrunkene junge Frau (Sue Lyon, "Lolita") zu ihren reichen Eltern zurückzubringen, ist das der Auftakt zum größten Fall in Tonys Karriere - inklusive etlicher Mordopfer ... Ein Jahr später ermittelte Sinatra übrigens erneut als Tony Rome im schwächeren "Die Lady in Zement".

Außerdem:

Einfach zu haben (Emma Stone bezaubert in der etwas prüden, aber sehr lustigen Highschool-Komödie als unauffällige Schülerin, die es zunächst genießt, als sie fälschlicherweise in den Ruf gelangt, "einfach zu haben" zu sein und deshalb plötzlich im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht; 22.05 Uhr bei Sixx)

Mittwoch, 31. März 2021

Nachruf: Bertrand Tavernier (1941-2021)

Eine weitere Größe des französischen Autorenkinos hat die Bühne endgültig verlassen: Rund einen Monat vor seinem 80. Geburtstag verstarb mit Bertrand Tavernier ein Mann, der seine Karriere vor allem auf Kriminalfilme begründete, später aber auch viele andere Genres mit Erfolg bearbeitete. Ein Teil der großen Erneuerungswelle des französischen Kinos ab den 1950er und 1960er Jahren war Tavernier übrigens nie, und das nicht nur, weil er dafür ein paar Jahre zu spät auf die Welt kam - er war vielseitiger interessiert und hatte auch ein Faible für Historien- und Genrefilme, während bei der Nouvelle Vague ja die Gegenwart im Zentrum stand.

Eine Sache hatte Bertrand Tavernier allerdings mit Größen der Nouvelle Vague wie Jean-Luc Godard, François Truffaut oder Jacques Rivette gemein: Er begann als Filmkritiker und stieg erst dann in die eigentliche Filmbranche ein, wobei ein Job als Regieassistent bei Jean-Pierre Melville seine Eintrittskarte war. In den späten 1960er Jahren wurde Tavernier zum Drehbuch-Autoren einiger wenig bemerkenswerter Filme, ehe er 1974 mit seinem Regiedebüt (bei dem er wie bei den meisten seiner Regiearbeiten auch das Skript verfaßte) eine größere Bekanntheit erlangte: "Der Uhrmacher von St. Paul" (Alternativtitel: "Der Vollstrecker") ist ein klassischer Krimi nach einem Roman von Georges Simenon, der sich vom Gros des Genres durch eine ausgeprägte psychologische Komponente abhebt und mit Jean Rochefort und Philippe Noiret zwei Hauptdarsteller aufbietet, die diese Komponente meisterhaft umsetzen. Noiret wurde zu einem treuen Weggefährten Taverniers, der u.a. zwei Jahre später in einem weiteren starken (historischen) Krimi, "Der Richter und der Mörder", an der Seite von Michel Galabru und der jungen Isabelle Huppert beeindruckte. 1980 wagte sich Tavernier erstmals an das Genrekino, wobei sein ambitionierter, thematisch an den deutschen TV-Film "Das Millionenspiel", Sydney Lumets Mediensatire "Network" oder Stephen Kings "Running Man" erinnernder SciFi-Krimi "Death Watch" mit Romy Schneider und Harvey Keitel eher gemischt aufgenommen wurde. Besser kamen kurz darauf das einfühlsame Frauenportrait "Ferien für eine Woche" (1980) mit Nathalie Baye und die inzwischen zum Kultfilm avancierte Kolonialismus-Satire "Der Saustall" (1981) an. In beiden Filmen wirkte erneut Philippe Noiret mit und in "Der Saustall" brilliert er als fauler Polizist (dessen Geliebte Isabelle Huppert verkörpert) in einem Dorf in Französisch-Westafrika kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der so lange von allen verspottet wird, bis er zum Gegenschlag ausholt und den titelgebenden Saustall äußerst rigoros auszumisten beginnt ... Dafür gab es eine OSCAR-Nominierung in der Auslandskategorie und zehn César-Nominierungen.

Es folgten in den 1980er Jahren weitere Highlights wie die in Cannes mit dem Regiepreis (und später mit drei Césars) prämierte Literaturverfilmung "Ein Sonntag auf dem Lande" (1984; Taverniers Spielfilm mit der besten IMDb-Durchschnittsbewertung) über ein Familientreffen voller (Selbst-)Einsichten auf dem Landsitz eines gealterten verwitweten Malers, das Jazzmusiker-Portrait "Um Mitternacht" (1986), das Jazz-Legende Herbie Hancock den OSCAR für die beste Filmmusik einbrachte, und das kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges spielende und mit einem britischen BAFTA ausgezeichnete Drama "Das Leben und nichts anderes" (1989) mit Philippe Noiret als Major, der in einer wahren Sisyphos-Arbeit die Suche nach den zahllosen vermissten Soldaten leitet. In der folgenden Dekade ließ Bertrand Tavernier nicht nach, lieferte neben der vierstündigen Doku "Der Krieg ohne Namen" (1992) über den Algerienkrieg, dem Krimi "Der Lockvogel" (1995) und der Sozialstudie "Es beginnt heute" (1999) sogar zwei meiner persönlichen drei Lieblingsfilme von ihm ab (der dritte ist "Der Saustall"): "D'Artagnans Tochter" (1994) und "Hauptmann Conan und die Wölfe des Krieges" (1996). Meine Bewunderung für "D'Artagnans Tochter" mag dabei erstaunen, ist das betont altmodische Mantel-und-Degen-Abenteuer doch von den Kritikern verhalten aufgenommen und für seinen Mangel an Originalität gescholten worden. Doch die humorvolle Fortsetzung von Alexandre Dumas' vielfach verfilmter Geschichte über die drei Musketiere des Königs macht großen Spaß mit seiner opulenten Ausstattung, reichlich Humor und vor allem einer glänzenden Besetzung, angefangen mit der wunderbaren Sophie Marceau in einer ihrer schönsten Rollen, in der sie von Könnern wie - natürlich - Philippe Noiret und Sami Frey als gealterte Musketiere unterstützt wird. So ziemlich das genaue Gegenteil ist derweil das beklemmende Anti-Kriegsdrama "Hauptmann Conan und die Wölfe des Krieges" über eine Spezialtruppe, die im Ersten Weltkrieg ihre Menschlichkeit weitgehend verloren hat und deshalb auch nach Ende des Krieges zunächst noch weiter im Balkan wütet. Ein Film, der lange nachhallt (und Tavernier seinen vierten und letzten César einbrachte), auch ob der exzellenten Leistungen der beiden Hauptdarsteller Philippe Torreton und Samuel Le Bihan.

Nach der Jahrtausendwende dauerte es eine Weile, bis Tavernier noch einmal von sich Reden machte, doch 2009 gab er immerhin sein englischsprachiges Regiedebüt mit dem Krimidrama "Mord in Louisiana" mit den Hollywood-Stars Tommy Lee Jones und John Goodman in den Hauptrollen - jedoch wurde der routiniert inszenierte Film ziemlich mittelmäßig aufgenommen. Nur etwas besser erging es dem Historienfilm "Die Prinzessin von Montpensier" (2010) mit Mélanie Thierry und Lambert Wilson sowie seinem letzten Spielfilm "Wildes Treiben am Quai d'Orsay" (2013), einer humorvollen Comic-Adaption über einen Uniabsolventen, der einen Job im Stab des französischen Außenministers erhält und bald in ein Intrigengeflecht unter dessen Beratern involviert ist. Anschließend drehte Tavernier nur noch ein paar (TV-)Dokus, letztmals stand er 2017 hinter der Kamera.

Am 25. März 2021 verstarb Bertrand Tavernier mit 79 Jahren in Sainte-Maxime. R.I.P.

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Montag, 29. März 2021

TV-Tips für die Woche 13/2021

Montag, 29. März:

Arte, 20.15 Uhr: "Wie klaut man eine Million?" (1966)
William Wylers Krimikomödien-Verwirrspiel erzählt von Nicole (Audrey Hepburn), der Tochter des renommierten französischen Kunstsammler Charles Bonnet, der aber in Wirklichkeit ein brillanter Fälscher aus reichem Hause ist. Als eines Abends der mißtrauische Detektiv Simon (Peter O'Toole) bei den Bonnets einbricht, um ein Gemälde heimlich auf seine Echtheit hin zu überprüfen, wird er von Nicole überrascht - die ihn logischerweise für einen Einbrecher hält. Aus dieser Begegnung entwickelt sich ein amüsantes berufliches wie auch romantisches Katz-und-Maus-Spiel ...

Dienstag, 30. März:

Disney Channel, 20.15 Uhr: "Verwünscht" (2007)

Vor knapp 15 Jahren war Disneys Fantasy-Musical-Komödie "Verwünscht" ein großer Erfolg, der auch für drei OSCARs nominiert wurde (alle für die Musik). Da verwundert es fast, daß erst jetzt eine Fortsetzung in Vorbereitung ist, aber gut Ding will eben Weile haben. In "Verwünscht" spielt Amy Adams die (potentielle) Märchenprinzessin Giselle, die kurz vor der Heirat mit Prinz Edward (James Marsden) steht, als dessen machtgierige böse Stiefmutter (Susan Sarandon) sie in einen magischen Brunnen schubst - woraufhin sie im New York der Gegenwart auftaucht (an diesem Punkt wird der bisherige Zeichentrick- zum Realfilm)! Dort trifft sie, vollkommen verwirrt, zufällig den alleinerziehenden Vater und Anwalt Robert (Patrick Dempsey aus der TV-Serie "Grey's Anatomy"), der sich um Giselle kümmert ... Das klingt alles ziemlich klischeehaft und das ist genau der Sinn der Sache, denn Disney macht sich mit erstaunlicher Selbstironie über seine eigene Filmhistorie lustig und sorgt damit für viel gute Laune.

Mittwoch, 31. März:

Arte, 20.15 Uhr: "Lieber leben" (2016)

Free-TV-Premiere der für vier Césars nominierten, auf einer wahren Geschichte basierenden Tragikomödie über den jungen Sportler Ben (Pablo Pauly), der nach einem schlimmen Unfall gelähmt ist - wenn auch mit der theoretischen Möglichkeit einer Besserung. Ben ist zunächst natürlich erschüttert, doch findet er im Reha-Zentrum schnell Freunde unter den Pflegern und anderen Patienten und er verliebt sich sogar, während er verbissen versucht, wieder gesund zu werden ...

Arte, 22.55 Uhr: "Kikujiros Sommer" (1999)

Um die Jahrtausendwende herum befand sich das japanische Multitalent "Beat" Takeshi Kitano auf dem Höhepunkt seines Schaffens, da der bis dahin primär als Komiker ("Takeshis Castle") und Schauspieler bekannte Künstler auch als Regisseur durchstartete und mit seinen Werken - in denen er zumeist die Hauptrolle spielt - weltweit für Furore sorgte. "Kikujiros Sommer" war dabei nach "Hana-Bi" sein zweiter großer Regieerfolg, der u.a. im Wettbewerb des Festivals von Cannes lief. In dem poetischen und tragikomischen Coming of Age-Film steht der kleine Masao im Zentrum, der bei seiner Großmutter in Tokio lebt und sich in den Sommerferien auf eigene Faust aufmacht, seine Mutter zu suchen, die ihre Familie vor Jahren verlassen hat. Die Reise verläuft nicht wirklich nach Plan, doch schließlich trifft er auf den Kleinkriminellen und früheren Yakuza Kikujiro (Kitano), der auf Drängen seiner Frau einwilligt, Masao zu seinem Ziel zu begleiten. Allerdings wird die Reise fortan nur noch chaotischer ...

Donnerstag, 25. März 2021

OSCAR-News: Preis der Produzentengilde stärkt die Favoritenstellung von "Nomadland", "Promising Young Woman" triumphiert bei den Autoren

Nach den OSCAR-Nominierungen vor eineinhalb Wochen hat sich die Awards Season eine kleine Verschnaufpause gegönnt, die in den letzten Tagen allerdings mit den Preisverleihungen der Produzentengilde PGA und der Autorengilde WGA schon wieder ein Ende fand. Und das in den letzten Wochen nach einer kleinen Schwächephase in der Mitte der Awards Season zum Favoriten für die Königskategorie "Bester Film" bei den OSCARs avancierte Aussteigerdrama "Nomadland" untermauert diese Stellung mit dem Gewinn des Hauptpreises für die besten Produzenten eines Kinofilms bei den PGA Awards. Wie wichtig dieser Triumph für Chloé Zhaos Film ist, zeigt folgende Statistik: In den letzten 12 Jahren gewannen neun PGA Awards-Sieger auch den OSCAR für den "Besten Film" (letztes Jahr unterlag jedoch "1917" gegen "Parasite"). Es sieht also richtig gut aus für "Nomadland", während die verbliebenen Konkurrenten wie "The Trial of the Chicago 7" oder "Mank" ihre Felle langsam, aber sicher davonschwimmen sehen. Auch bei den Animationsfilmen gewann mit Pixars "Soul" der Topfavorit, während sich bei den Dokumentarfilmen etwas unerwartet der Publikumsliebling "Mein Lehrer, der Krake" durchsetzte - nachdem dessen OSCAR-Nominierung noch als Überraschung galt, kann er sich nun sogar reelle Siegchancen ausrechnen.

Alle Gewinner der PGA Awards inklusive der TV-Kategorien kann man bei Indiewire nachlesen (die PGA-Homepage ist noch nicht aktualisiert, während ich diese Zeilen schreibe).

Daß "Nomadland" nicht auch noch bei den Drehbuch-Autoren gewann, ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht für alle Konkurrenten sowie für jene, die auf etwas mehr Spannung bei den OSCARs hoffen (und natürlich für diejenigen, die den Film nicht mögen). In Wahrheit liegt es jedoch schlicht daran, daß Chloé Zhaos Drehbuch die strengen Regeln der WGA nicht erfüllte und deshalb wie einige Mitkonkurrenten ("Mank", "Minari", "Soul", "The Father") gar nicht zur Auswahl stand. Das verringert natürlich die Aussagekraft der WGA Awards, aber trotzdem wird sich Emerald Fennell sehr darüber freuen, daß sie für "Promising Young Woman" den Preis für das beste Originaldrehbuch gewann - auch bei den OSCARs hat sie gute Chancen, wenngleich Aaron Sorkin für "The Trial of the Chicago 7" trotz der Niederlage hier als leichter Favorit gilt. Bei den adaptierten Drehbüchern gewann in Abwesenheit von "Nomadland" und "The Father" das von sage und schreibe acht Autoren verantwortete Skript zu "Borat Anschluss Moviefilm", das sich gegen die ebenfalls OSCAR-nominierten "The White Tiger" und "One Night in Miami" behaupten konnte. Bei den Academy Awards selbst spricht aber vieles für "Nomadland" als Gewinner. Die Dokumentarfilm-Kategorie gewann "The Dissident", was für die OSCARs aber ohne Bedeutung ist, da dieser Film eine Nominierung verpaßte - ebenso wie die anderen vier PGA Awards-Nominees ...

Alle Preisträger gibt es auf der Homepage der WGA Awards.

Der nächste wichtige Zwischenhalt auf dem Weg zu den OSCARs wird die Preisvergabe der Schauspielergilde bei den SAG Awards am 4. April.