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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 9. Juli 2020

DIE BERUFUNG – IHR KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT (2018)

Originaltitel: On the Basis of Sex
Regie: Mimi Leder, Drehbuch: Daniel Stiepleman, Musik: Mychael Danna
Darsteller: Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux, Cailee Spaeny, Sam Waterston, Jack Reynor, Kathy Bates, Stephen Root, Chris Mulkey, Gary Werntz, Ben Carlson, Francis Xavier McCarthy, Wendy Crewson, Ronald Guttman, Sharon Washington, John Ralston, Ruth Bader Ginsburg
 Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit
(2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 74% (6,5); weltweites Einspielergebnis: $38,7 Mio.
FSK: 0, Dauer: 121 Minuten.

Als die altehrwürdige Harvard University in den 1950er Jahren Frauen das Jura-Studium erlaubt, zählt Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones, "Die Entdeckung der Unendlichkeit") zu den ersten Absolventinnen. Doch obwohl sie als Klassenbeste abschließt und zusätzlich einen Abschluß an der Columbia University erwirbt, findet sie in New York – im Gegensatz zu ihrem Ehemann, dem Steueranwalt Martin (Armie Hammer, "Lone Ranger") – keine Anstellung in einer Kanzlei. Obwohl sie unbedingt vor Gericht für das Recht kämpfen wollte, nimmt sie deshalb frustiert das Angebot einer Professur an der Rutgers University an. Die Arbeit mit engagierten Studenten der von der Bürgerrechtsbewegung geprägten 1960er Jahre erfüllt Ruth mehr, als sie erwartet hatte, trotzdem träumt sie immer noch davon, nicht nur Studenten dafür auszubilden, daß sie dereinst die Gesellschaft verändern können – nein, sie will selbst etwas verändern und speziell für mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sorgen. Das erscheint als ein hoffnungsloses Unterfangen, da die Diskriminierung der Frau seit 100 Jahren durch zahlreiche Präzedenzfälle zementiert wurde. Ironischerweise erhält Ruth ihre große Chance ausgerechnet durch einen Fall, in dem ein Mann namens Charles Moritz (Chris Mulkey, "Captain Phillips") steuerrechtlich diskriminiert wird, weil er als Unverheirateter seine kranke Mutter pflegt, das aber nicht von der Steuer absetzen darf. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem für die Nichtregierungsorganisation ACLU tätigen Bürgerrechtsanwalt Mel Wulf (Justin Theroux, "Wanderlust") übernimmt Ruth den Fall …

Dienstag, 7. Juli 2020

Nachruf: Ennio Morricone (1928-2020)

Es gibt nicht viele Filmkomponisten, deren Name auch den meisten Menschen geläufig ist, die sich nicht einigermaßen intensiv mit der Welt des Kinos auseinandersetzen. Vermutlich sind es genau zwei: John Williams und Ennio Morricone. Beide haben unter anderem gemein, daß sie ein phantastisches Gespür für extrem einprägsame Melodien haben und bis in sehr hohes Alter sehr aktiv waren respektive sind. Morricone ging beispielsweise noch 2019, mit 90, mit einem Orchester auf Tournee und ließ sich vom begeisterten Publikum feiern - gestern verstarb er in einem römischen Krankenhaus an den Folgen eines Sturzes und so hat die Filmwelt eine ihrer größten Ikonen verloren.

Ennio Morricone, der seit 1960 zu vermutlich über 500 Filmen die Musik komponierte (wie viele genau es sind, weiß wohl niemand), ist nicht nur wegen seines unglaublichen Arbeitseifers und seines gewaltigen Talents eine prägende Figur des Kinos, sondern auch deshalb, weil er die Art, Film und Musik zu kombinieren, geradezu auf den Kopf stellte. War es bis dahin üblich, daß zuerst gedreht wurde und dann ein Komponist die passende Musik zum Geschehen auf der Leinwand schuf, drehten Morricone und sein kongenialer Partner und Schulfreund Sergio Leone diese Vorgehensweise um: Speziell zu Leones großen Italo-Western komponierte Ennio Morricone auf Grundlage des Drehbuches die Musik und erst dann wurde der Film gedreht - womit Regisseur und Schauspieler ihre Arbeit an Morricones legendären Melodien ausrichteten und somit eine stärkere Symbiose zwischen Musik und Film erreicht wurde, als das bis dahin vorstellbar schien. Zugegeben, diese Vorgehensweise hat sich nicht als Standard durchgesetzt, dafür ist der Aufwand einfach zu groß - doch es gibt Filmemacher wie James Gunn (in den "Guardians of the Galaxy"-Filmen), die Leones und Morricones Vorbild gezielt nacheifern. Ein Innovator war Morricone auch deshalb, weil er beim Komponieren gern zu eher ungewöhnlichen Instrumenten griff (Mundharmonika, Maultrommel, besonders mochte er auch die Oboe) und außerdem bloße Geräusche auf eine Art und Weise integrierte, die man bis dahin nicht kannte - bestes Beispiel dafür ist die legendäre Eröffnungssequenz von Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" mit dem klickenden Telegraphen, der summenden Fliege und dem äußerst markant quietschenden Windrad. Und auch sein Hang zu eigentlich minimalistischen, aber trotzdem unglaublich einprägsamen und mit kleineren Variationen ständig wiederholten Melodien ist ein klares Kennzeichen Morricones.

Am erfolgreichsten war mit Sicherheit Morricones Zusammenarbeit mit Sergio Leone - dessen "Dollar-Trilogie" ("Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr" und "Zwei glorreiche Halunken") wäre ohne Morricones musikalische Begleitung ebenso undenkbar wie sein Opus magnum "Es war einmal in Amerika". Doch auch zahllose weitere (meist deutlich schwächere) Spaghetti-Western bereicherten Morricones Melodien, ebenso viele italienische Abenteuerfilme, Krimis und Gangsterfilme. Zudem komponierte er für zahlreiche europäische Produktionen (z.B. Bertoluccis "1900" oder "Ein Käfig voller Narren") und ab Mitte der 1970er Jahre verstärkt für Hollywood-Werke wie "Tage des Himmes", "Das Ding aus einer anderen Welt", "Mission" oder "Die Unbestechlichen". Bei den OSCARs ging Ennio Morricone trotz mehrerer Nominierungen ("Tage des Himmels", "Mission", "Die Unbestechlichen", "Bugsy", "Der Zauber von Malèna") lange leer aus und mußte sich zunächst mit dem Goldjungen für sein Lebenswerk im Jahr 2007 begnügen - erst 2016 gewann er für Quentin Tarantinos "The Hateful 8" einen regulären OSCAR (dazu kommen u.a. drei Golden Globes, sechs BAFTAs, zwei Grammys und zwei Europäische Filmpreise, darunter einer fürs Lebenswerk).

Die legendärsten sowie meine persönlichen Lieblings-Stücke von Ennio Morricone:
- "Cockeye's Song" aus "Es war einmal in Amerika"
- "C'era una volta il West" aus "Spiel mir das Lied vom Tod"
- "L'uomo dell'armonica" aus "Spiel mir das Lied vom Tod"
- "L'estasi dell'oro" aus "Zwei glorreiche Halunken"
- "Il Buono, il Brutto, il Cattivo" aus "Zwei glorreiche Halunken"
- "Per qualche Dollaro in più" aus "Für ein paar Dollar mehr"
- "Gabriel's Oboe" aus "Mission"
- "Il Clan dei Siciliani" aus "Der Clan der Sizilianer"
- "La Donna della Domenica" aus "Die Sonntagsfrau"
- "Addio a Palermo" aus "Der Aufstieg des Paten"
- "Il mio nome è Nessuno" aus "Mein Name ist Nobody"
- "La Califfa" aus "La Califfa"
- "Inseguimento e fuga" aus "Revolver - Die perfekte Erpressung"
- "Tema d'Amore" aus "Der Coup"
- "Viaggio con Anita" aus "Reise mit Anita"
- "Il vizietto" aus "Ein Käfig voller Narren"
- "Dimenticare Palermo" aus "Palermo vergessen"
- "Il vento il grido" aus "Der Profi"
- "Romanzo" aus "1900"

Am 6. Juli 2020 verstarb Ennio Morricone im Alter von 91 Jahren in seiner Geburtsstadt Rom. R.I.P. Embed from Getty Images

Montag, 6. Juli 2020

TV-Tips für die Woche 28/2020

Montag, 6. Juli:
ARD, 20.15 Uhr: "Book Club - Das Beste kommt noch" (2018)
Free-TV-Premiere der vor allem in den USA sehr erfolgreichen romantischen Komödie für reifere Semester, in der die Altstars Jane Fonda, Diane Keaton, Candice Bergen, Mary Steenburgen Freundinnen spielen, die in ihrem Buchclub "50 Shades of Gray" lesen - was sich unerwartet drastisch auf ihre weitgehend brachliegenden Liebesleben auswirkt.

Arte, 22.00 Uhr: "Fitzcarraldo" (1982)
Ich persönlich halte "Aguirre, der Zorn Gottes" für Werner Herzogs besten Film, andere finden "Fitzcarraldo" noch besser. Das kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber natürlich zählen beide zu den ganz großen Klassikern des deutschen Kinos. Die Hauptrolle spielt in beiden in Südamerika spielenden Werken Klaus Kinski, dessen legendäre Wutausbrüche hier übrigens so schlimm wurden, daß laut Herzog die am Film beteiligten Ureinwohner ihm anboten, Kinski für ihn zu töten. Herzog lehnte ab (mehr zum komplizierten Verhältnis zwischen Herzog und Kinski kann man in Herzogs gefeierter Doku "Mein liebster Feind" aus dem Jahr 1999 erfahren). Doch ich schweife ab: Kinski spielt hier den irischen Abenteurer und Opern-Enthusiasten Brian Sweeney Fitzgerald (von den Einheimischen "Fitzcarraldo" genannt), der es sich in den Kopf gesetzt hat, in der peruanischen Stadt Iquitos mitten im Dschungel ein Opernhaus zu errichten - das erweist sich wenig überraschend als schwieriges bis hoffnungsloses Unterfangen, wovon sich Fitzcarraldo (dessen Geliebte Claudia Cardinale spielt) aber nicht abhalten läßt ...

Dienstag, 7. Juli:
ARD, 22.45 Uhr: "Ein Gauner & Gentleman" (2018)
Free-TV-Premiere der positiv rezensierten, unaufgeregten Gaunerkomödie, in der Filmlegende Robert Redford in seiner wohl letzten Kinorolle den Bankräuber Forrest spielt. Der raubt auch mit Mitte 70 noch immer Banken aus - nicht weil er das Geld wirklich bräuchte, sondern aus Leidenschaft! Dabei gehen er und seine nur unwesentlich jüngeren Komplizen (Danny Glover und Tom Waits) ausgesucht höflich, gar freundlich vor, weshalb ihre Opfer ihnen meist nicht einmal böse sind und die Polizei sie nicht wirklich ernstnimmt. Bis zufällig in Dallas der Polizist John (Casey Affleck) mit seinem kleinen Sohn in einen der Überfälle gerät und sich daraufhin zum Ziel setzt, die Gentleman-Bankräuber hinter Gitter zu bringen. Das ist vor allem für Forrest ärgerlich, der sich gerade in die verwitwete Farmerin Jewel (Sissy Spacek) verliebt hat ...

Kabel Eins, 0.15 Uhr: "Candyman's Fluch" (1992)
Bernard Roses ("Der Teufelsgeiger") kleiner Horror-Klassiker nach einer Story von "Hellraiser"- und "Midnight Meat Train"-Autor Clive Barker erzählt von der Doktorandin Helen Lyle (Virginia Madsen), die über die Thematik urbaner Legenden promoviert. Bei ihren Recherchen muß sie feststellen, daß eine dieser Legenden wahr ist - die von "Candyman", dem Geist eines im 19. Jahrhundert wegen seiner Beziehung zu einer Weißen grausam ermordeten Ex-Sklaven (Tony Todd), den man beschwören kann, indem man vor einem Spiegel fünf Mal seinen Namen sagt. Was Helen ausprobiert. Dummerweise ist es das Ziel des Candyman, den Beschwörenden zu töten ...

Samstag, 4. Juli 2020

Samstags-Update (27/2020)

Da Mark von InsideKino sich erstmals wieder an einen frühen Trend für die deutschen Kinos herantraut, kann ich wohl auch meine Samstags-Updates wieder herauskramen - auch wenn es in den USA noch länger dauern wird, bis es richtige Kinocharts gibt. Im deutschen Startplan bis Ende August gibt es derweil einige Änderungen, u.a. verschiebt sich Disneys "Mulan" nochmal um einen Monat. Dafür wagt "X-Men: New Mutants" Ende August einen neuen Anlauf:


Box Office-News:
Nachdem in den letzten Wochen die Zuschauerzahlen der deutschen Kinos trotz einer immer größeren Anzahl wiedereröffnender Spielstätten ziemlich konstant sanken, sorgen an diesem Wochenende mehrere einigermaßen namhafte Neustarts endlich wieder für einen Anstieg. Da die Zahlen insgesamt immer noch deprimierend niedrig sind, ist eine Hochrechnung selbst für Box Office-Experte Mark von InsideKino nicht einfach, aber aktuell sieht es so aus, daß der deutsche Kinder-Animationsfilm "Meine Freundin Conni" und die deutsche Youtuber-Komödie "Takeover - Voll vertauscht" mit jeweils etwa 20.000 Zuschauern um die Spitze kämpfen - relativ dicht gefolgt von Christian Petzolds Arthouse-Drama "Undine" mit Paula Beer.

Quelle:

Donnerstag, 2. Juli 2020

EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA (2020)

Regie: David Dobkin, Drehbuch: Will Ferrell und Andrew Steele; Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Will Ferrell, Rachel McAdams, Dan Stevens, Pierce Brosnan, Mikael Persbrandt, Melissanthi Mahut, Demi Lovato, Ólafur Darri Ólafsson, Graham Norton, Jamie Demetriou, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Björn Hlynur Haraldsson, Salvador Sobral, Aiste Gramantaite, Loreen, Alexander Rybak, Conchita Wurst, Netta, Jamala, John Lundvik, Anna Odobescu, Bilal Hassani, Jessy Matador, Elina Nechayeva
 Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
(2020) on IMDb Rotten Tomatoes: 62% (5,8); Altersfreigabe: 12; Dauer: 123 Minuten.
Als der in der isländischen Kleinstadt Húsavik nach dem frühen Tod seiner Mutter bei seinem alleinerziehenden Vater Erick (Pierce Brosnan, "Mamma Mia!") aufwachsende Lars Erickssong (Will Ferrell, "The Producers") und seine Freundin Sigrit (Rachel McAdams, "Doctor Strange") als kleine Kinder den legendären ABBA-Auftritt mit "Waterloo" beim Eurovision Song Contest 1974 live im Fernsehen mitverfolgen, ist klar: Sie wollen irgendwann selbst bei diesem größten Musikwettbewerb der Welt mitmachen – und ihn gewinnen! Vor allem Lars widmet sich in den folgenden Dekaden mit all seiner Leidenschaft diesem Ziel, während Sigrit es zwar teilt, aber wohl in erster Linie wegen ihrer heimlichen Liebe zu Lars Teil ihrer Band Fire Saga bleibt. Und tatsächlich scheint ihr musikalisches Ziel näherzurücken, als sie durch einen glücklichen Zufall am nationalen Vorentscheid teilnehmen dürfen. Der geht für sie zwar katastrophal in die Hose, aber als die eigentliche Siegerin Katiana (US-Sängerin Demi Lovato) ausfällt, rücken Fire Saga nach. Voller Enthusiasmus reisen sie zum Wettbewerb nach Edinburgh, wo allerdings einiges schiefgeht und der charismatische russische Topfavorit Alexander Lemtov (Dan Stevens, "The Guest") mit seinem Werben um Sigrit für zusätzliche Komplikationen sorgt …

Mittwoch, 1. Juli 2020

Doppel-Kurz-Nachruf: Carl Reiner (1922-2020) und Johnny Mandel (1925-2020)

Am Montag sind gleich zwei US-amerikanische Filmschaffende nach über Jahrzehnte hinweg erfolgreichen Karrieren in hohem Alter verstorben - und sie teilen sich sogar einen Eintrag in ihrer Filmographie: der Regisseur, Autor, Comedian, Schauspieler und Produzent Carl Reiner und der Komponist Johnny Mandel.

Beginnen wir mit Carl Reiner. Der Vater des "Die Braut des Prinzen"-, "Misery"- und "Harry & Sally"-Regisseurs Rob Reiner wurde in den USA als TV-Comedian berühmt, in jungen Jahren arbeitete er mit vielen weiteren Comedy-Genies wie Mel Brooks, Dick van Dyke, Sid Caesar und Woody Allen zusammen. Nachdem er nach dem Krieg seine Entertainment-Karriere am Broadway startete, war er bald durch die prominente Mitwirkung an populären TV-Shows wie "Your Show of Shows", "Caesar's Hour" und der von Reiner erdachten Sitcom "The Dick Van Dyke Show" erfolgreich und gewann in dieser Zeit insgesamt acht Emmys (zwei für "Caesar's Hour", sechs für "The Dick Van Dyke Show"). Auch im Kino war er gelegentlich zu sehen, wobei seine prestigeträchtigste Rolle die des Schriftstellers Walk Whittaker ist, der in Norman Jewisons amüsanter Paranoia-Komödie "Die Russen kommen! Die Russen kommen!" in eine vermeintliche sowjetische Invasion gerät (in Wirklichkeit versucht lediglich die Besatzung eines vor der Küste auf eine Sandbank aufgelaufenen sowjetischen U-Boots, dieses freizubekommen und unbemerkt zu verschwinden ...). Ab Ende der 1960er Jahre wechselte Reiner verstärkt hinter die Kamera und feierte nach ersten Gehversuchen mit den nur wenig gesehenen "Sein großer Auftritt" (1967), "The Comic" (1969) und "Wo is' Papa?" (1970) sowie dem ziemlich erfolgreichen "Oh Gott ..." (1977) vor allem in der Zusammenarbeit mit seinem Hauptdarsteller Steve Martin große Erfolge. Innerhalb von fünf Jahren schuf das Duo mit "Reichtum ist keine Schande" (1979), der detailverliebten Film Noir-Parodie "Tote tragen keine Karos" (1982), der Horrorfilm-Persiflage "Der Mann mit zwei Gehirnen" (1983) und der romantischen Screwball-Komödie "Solo für 2" (1984) vier kleine Komödien-Klassiker. Ohne Steve Martin funktionierten Reiners Regiearbeiten deutlich schlechter, weshalb der Flop "Noch einmal mit Gefühl" aus dem Jahr 1997 sein letzter Film in dieser Funktion blieb. Dafür durfte er nach der Jahrtausendwende ein ungeahntes Comeback als Schauspieler erleben, als ihn Steven Soderbergh als erfahrenen Trickbetrüger Saul Bloom in seiner sehr erfolgreichen Heist-Komödie "Ocean's Eleven" (und den beiden Fortsetzungen) besetzte. Zudem tauchte er häufig als Gastdarsteller oder -sprecher in TV-Serien wie "Crossing Jordan", "Ally McBeal", "Dr. House", "Two and a Half Men" oder "Family Guy" auf, einer dieser Auftritte (in der Comedyserie "Verrückt nach dir") bescherte ihm 1995 seinen neunten Emmy. Und 1998 gewann er gemeinsam mit seinem Freund Mel Brooks sogar einen Grammy für das beste gesprochene Comedy-Album des Jahres.
Am 29. Juni 2020 starb Carl Reiner im Alter von 98 Jahren in Beverly Hills eines natürlichen Todes.

R.I.P.

Der New Yorker Komponist, Trompeter und Posaunist Johnny Mandel war besonders dem Jazz zugeneigt, musizierte u.a. mit Frank Sinatra, Quincy Jones und Natalie Cole und gewann (bei sagenhaften 17 Nominierungen) fünf Grammys. Auch als Filmkomponist machte er sich schnell einen Namen, wurde u.a. für die Songs "The Shadow of Your Smile" für Vincente Minnellis Drama "... die alles begehren" (1965) und "Take Me Home" für Gary Nelsons Western "Molly und der Gesetzlose" (1973) für einen Golden Globe nominiert sowie für den Song "A Time for Love" für Robert Gists "Mord aus zweiter Mann" (1966) für einen OSCAR - gewinnen konnte er den Goldjungen für "The Shadow of Your Smile". Zahlreiche weitere Lieder von Johnny Mandel wurden in Filmen verwendet, in die Film- und Musikgeschichte ging er jedoch mit einem Song ein, der keinen der großen Preise gewann: "Suicide Is Painless". Der melancholische Titelsong von Robert Altmans (dessen Sohn Mike den Text schrieb) kultiger Anti-Kriegssatire "M.A.S.H." (1970) und - in einer Instrumentalversion - der noch kultigeren TV-Serie "M*A*S*H" (1972-1983) ist ein echter Ohrwurm, der perfekt zum bittersüßen Tonfall von Film und Serie paßt und oft gecovert wurde. Neben anderen nahmen sich Marilyn Manson, Air und Kelis des Liedes an, ich persönlich favorisiere jedoch die rockige Version der Manic Street Preachers aus dem Jahr 1992. Zudem schuf Mandel die Filmmusiken zu Arthur Hillers Kriegskomödie "Nur für Offiziere" (1964), Jack Smights Film noir "Ein Fall für Harper" (1966), John Boormans Hardboiled-Krimi "Point Blank" (1967), Noel Blacks schwarzer Komödie "Der Engel mit der Mörderhand" (1968), zwei starken Tragikomödien von Hal Ashby ("Das letzte Kommando", 1973, und "Willkommen Mr. Chance", 1980) sowie für Sidney Lumets Gerichtsthriller "The Verdict" (1982) - achja, und auch den Score zu "Die Russen kommen! Die Russen kommen!" mit dem Hauptdarsteller Carl Reiner.
Am 29. Juni 2020 erlag Johnny Mandel im Alter von 94 Jahren im kalifornischen Ojai einer Herzkrankheit.

R.I.P.

Montag, 29. Juni 2020

TV-Tips für die Woche 27/2020

Montag, 29. Juni:
ARD, 20.15 Uhr: "Und wer nimmt den Hund?" (2019)
Das ARD-Sommerkino 2020 wird mit der Free-TV-Premiere der schwarzhumorigen Beziehungs-Tragikomödie von Rainer Kaufmann ("Stadtgespräch") eröffnet, die in Deutschland ca. 230.000 Kinogänger anlockte. Martina Gedeck und Ulrich Tukur spielen Doris und Georg, deren 20-jährige Ehe zunehmend in die Brüche geht - erst Recht, als Georg eine Affäre mit der erheblich jüngeren Laura (Lucie Heinze) beginnt. Als sie sich, begleitet von einer Scheidungstherapie, trennen, scheint das Doris' beruflichem und privaten Leben jedoch einen regelrechten Schub zu verleihen, wohingegen Georg ohne seine Gattin doch nicht so gut zurechtkommt wie gedacht. Kann es eine Wiedervereinigung geben?

Arte, 21.50 Uhr: "Kaltblütig" (1967)
Richard Brooks' kultiger Schwarzweiß-Thriller nach dem Tatsachen-Roman von Truman Capote setzt auf größtmögliche Authentizität und schildert in quasi-dokumentarischer, beklemmender Nüchternheit den Überfall zweier junger Männer ("The Walking Dead"-Star Scott Wilson und Robert Blake) auf ein Haus im Kansas des Jahres 1959, in dem sie eine große Geldsumme vermuten. Als sie nicht fündig werden, gerät die Situation schnell außer Kontrolle und mündet in ein Blutbad ...

ZDF, 22.15 Uhr: "Hunter Killer" (2018)
Free-TV-Premiere des generischen, aber recht unterhaltsamen US-Actionthrillers, in dem Gary Oldman einen hochrangigen Admiral im US-Verteidigungsministerium spielt, der nach einem Zwischenfall im nördlichen Eismeer das U-Boot "Arkansas" mit dem soeben erst ernannten Kapitän Joe Glass (Gerard Butler) losschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Es stellt sich heraus, daß ein durchgedrehter russischer Admiral den Dritten Weltkrieg provozieren will.

Dienstag, 30. Juni:
Nitro, 20.15 Uhr: "Im Geheimdienst ihrer Majestät" (1969)
Der Australier George Lazenby war sicherlich der schwächste aller bisherigen Darsteller von James Bond, doch sein großteils in den Schweizer Alpen spielender einziger Einsatz (mit Telly Savalas als Bösewicht Blofeld und Diana Rigg als eindrucksvollem Bond-Girl) zählt zweifellos zu den besten Bond-Filmen überhaupt!

Außerdem:
Super 8 (nostalgisches Coming of Age-Abenteuer im Stil der 1980er Jahre von J.J. Abrams; 20.15 Uhr bei Kabel Eins)
Machete Kills (die leider ziemlich miese Fortsetzung der durchgeknallten B-Movie-Parodie mit Danny Trejo und Jessica Alba; 22.50 Uhr bei Nitro)

Donnerstag, 25. Juni 2020

Klassiker-Rezension: MALCOLM X (1992)

Regie: Spike Lee, Drehbuch: Arnold Perl und Spike Lee, Musik: Terence Blanchard
Darsteller: Denzel Washington, Angela Bassett, Al Freeman Jr., Albert Hall, Delroy Lindo, Kate Vernon, Spike Lee, Theresa Randle, Lonette McKee, Tommy Hollis, Roger Guenvuer Smith, Wendell Pierce, Leonard L. Thomas, James McDaniel, Christopher Plummer, Veronica Webb, Debi Mazar, Karen Allen, Giancarlo Esposito, Nicholas Turturro, John Sayles, Martin Donovan, John David Washington, Michael Imperioli, Vincent D'Onofrio, Richard Schiff, William Kunstler, Terence Blanchard, Bobby Seale, Al Sharpton, Nelson Mandela
 Malcolm X
(1992) on IMDb Rotten Tomatoes: 88% (7,5); weltweites Einspielergebnis: $48,2 Mio.
FSK: 12, Dauer: 202 Minuten.
In den 1940er Jahren wächst der Afroamerikaner Malcolm Little (Denzel Washington, "Fences") nach dem Ku-Klux-Klan-Mord an seinem als Prediger tätigen Vater bei einer Pflegefamilie in Detroit auf, wo er als junger Erwachsener mit seinem Freund Shorty (Spike Lee) den großen Macker raushängen läßt und im Grunde genommen so leben will wie ein Weißer – inklusive weißer Freundin namens Sophia (Kate Vernon, TV-Serie "Battlestar Galactica"). Mit schlecht bezahlten Hilfsarbeiten (obwohl er Klassenbester war, erscheint für ihn wegen seiner Hautfarbe mehr kaum möglich) läßt sich ein solcher Lebensstil nicht auf Dauer finanzieren, weshalb er seine Tätigkeit als Kellner aufgibt und sich in New York unter die Fittiche des Gangsters West Indian Archie (Delroy Lindo, "Da 5 Bloods") begibt. Diese Episode endet für Malcolm allerdings im Gefängnis, in dem er von seinem Mithäftling Baines (Albert Hall, TV-Serie "Ally McBeal"), einem überzeugten Mitglied der radikalen "Nation of Islam", zum Islam konvertiert wird. Nach seiner Entlassung wird der charismatische Malcolm – der seinen "Sklavennamen" abgelegt hat und sich nun schlicht "Malcolm X" nennt – schnell zu einem der einflußreichsten Prediger der vom selbsternannten Propheten Elijah Muhammad (Al Freeman Jr., TV-Serie "One Life to Live") angeführten Nation of Islam, die für die strikte Trennung von schwarzer und weißer Gesellschaft mit schwarzer Vorherrschaft eintritt …

Dienstag, 23. Juni 2020

Nachruf: Joel Schumacher (1939-2020)

Normalerweise ist es kein allzu gutes Zeichen, wenn man als Filmemacher vor allem für seine größten künstlerischen Flops bekannt ist - doch obwohl die wohl berühmtesten Filme des US-amerikanischen Regisseurs, Drehbuch-Autors und (zu Beginn seiner Karriere) Kostümbildners Joel Schumacher der kommerziell immerhin noch erfolgreiche "Batman Forever" (1995) und die in jeder Hinsicht gescheiterte Fortsetzung "Batman & Robin" (1997; in den IMDb Flop 100 aktuell auf Platz 70 ...) sind, ist Schumacher trotzdem eine durchaus beeindruckende Karriere gelungen mit einigen großen Hits und richtig guten Filmen. Gestern starb Joel Schumacher in seiner Geburtsstadt New York im Alter von 80 Jahren.

Um ehrlich zu sein, war ich nie ein großer Anhänger von Joel Schumachers Werk. Er hat ein paar Filme gedreht, die ich sehr mag; ein paar, die ich überhaupt nicht mag; und dazu viele, die ich ziemlich mittelmäßig finde. Der primäre Grund für meine Skepsis gegenüber Schumacher-Filmen liegt in seinem ganz eigenen Stil, Geschichten zu erzählen, nämlich meist mit lediglich einem Mindestmaß an Subtilität in Verbindung mit dem unbedingten Willen, Unterhaltsamkeit vor Tiefgang zu setzen. Dieses Vorgehen kam manchen seiner Filme zweifellos zugute - gerade sein bitterböser Selbstjustiz-Thriller "Falling Down" mit Michael Douglas als Biedermann, dem das Leben und die Gesellschaft dermaßen übel mitspielen, daß er irgendwann komplett den Nerv verliert und Amok läuft, würde ohne Schumachers Stil kaum so gut funktionieren. Anderen Filmen dagegen schadete der Schumacher-Touch eindeutig, womit wir wieder bei den beiden überkandidelten "Batman"-Flops wären, aber auch seiner ebenso pompösen wie seelenlosen Adaption von Andrew Lloyd Webbers Hit-Musical "Das Phantom der Oper" (2004) mit Gerard Butler und Emmy Rossum.

Nach einigen Jahren als Kostümbildner (u.a. bei Woody Allens "Der Schläfer" aus dem Jahr 1973) wechselte Schumacher - der sich, was für die damalige Zeit noch ungewöhnlich war, früh zu seiner Homosexualität bekannte - rasch zu Regie und Drehbuch, seinen ersten Kinofilm brachte er dann 1981 mit der SciFi-Komödie "Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K." in die Lichtspielhäuser. Die meisten Kritiker konnten wenig mit diesem Film anfangen, was sich auch bei seinen nächsten Werken - inklusive seinem ersten kommerziellen Erfolg mit dem Coming of Age-Film "St. Elmo's Fire" (1985) - nicht großartig änderte. Erst 1987 machte Schumacher mit der stylishen Vampir-Horrorkomödie "The Lost Boys" mit Kiefer Sutherland nachhaltig auf sich aufmerksam, mit der er erstmals Rezensenten und Publikum für sich gewinnen konnte. Die bedeutendste Dekade in der Karriere des Joel Schumacher waren zweifellos die 1990er Jahre, in denen er zahlreiche Erfolge wie den Mysteryfilm "Flatliners" (1990) mit Julia Roberts, "Falling Down", den kontrovers diskutierten reißerischen Thriller "8mm" (1999) mit Nicolas Cage oder die spannenden John Grisham-Verfilmungen "Der Klient" (1994) mit Susan Sarandon und "Die Jury" (1996) mit Sandra Bullock und Matthew McConaughey verbuchte. Für McConaughey bedeutete die Rolle als idealistischer Südstaaten-Anwalt den Durchbruch, nach seiner eigenen Einschätzung hätte er ohne Joel Schumacher und "Die Jury" - der übrigens mein Lieblingsfilm von Schumacher ist - vielleicht nie eine Weltkarriere mitsamt OSCAR-Gewinn hingelegt.

Es hätte also ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt für Schumacher sein können - wären da nicht die beiden "Batman"-Filme gewesen, die (v.a. der zweite) seiner Karriere nachhaltig schadeten. Nachdem auch die Actionkomödie "Bad Company" im Jahr 2002 böse floppte und zwei Jahre später "Das Phantom der Oper" ebenfalls klar unter den Erwartungen blieb, konnte sich Joel Schumacher Big Budget-Filme abschminken. Immerhin machte er aus der Not eine Tugend und konzentrierte sich auf deutlich kleinere Filme, mit denen er sich aus seiner Komfortzone herausbewegte und bewies, daß er auch ohne viel Geld spannende und unterhaltsame Filme inszenieren konnte. Das trifft auf das (leider vom Publikum komplett ignorierte) Vietnamkriegs-Ausbildungs-Drama "Tigerland" (2000) ebenso zu wie auf den cleveren, größtenteils in einer Telefonzelle spielenden Thriller "Nicht auflegen!" (2002) mit Colin Farrell oder das Biopic "Die Journalistin" (2003) mit Cate Blanchett. Als sich dann aber mit dem Horrorfilm "Blood Creek" (2009), dem Jugend-Actiondrama "Twelve" (2010) und dem Psychothriller "Trespass" (2011) mit Nicolas Cage und Nicole Kidman die kommerziellen wie auch qualitativen Mißerfolge häuften, konnte sich Joel Schumacher nicht mehr davon erholen und seine Karriere fand - bis auf zwei Episoden, die er für die Netflix-Serie "House of Cards" inszenierte - ein recht abruptes Ende.

Am 22. Juni 2020 starb Joel Schumacher in New York an den Folgen einer Krebserkrankung. R.I.P.
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Montag, 22. Juni 2020

TV-Tips für die Woche 26/2020

Montag, 22. Juni:
Arte, 20.15 Uhr: "Fahrstuhl zum Schafott" (1958)
In Louis Malles bitterbösem, mit Musik von Jazzlegende Miles Davis unterlegten Schwarzweiß-Krimidrama (sein Spielfilm-Debüt) führt der frühere Offizier Julien (Maurice Ronet) den eigentlich perfekten Mord durch, indem er den Tod des Gatten seiner Geliebten wie einen Selbstmord inszeniert und sich selbst vorsichtshalber noch ein wasserdichtes Alibi verschafft. Einziges Problem: Nach der Tat fällt Julien ein, daß er vergessen hat, ein deutliches Indiz aus seinem eigenen Büro mitzunehmen. Um das zu ändern, geht er noch einmal zurück - und bleibt im Fahrstuhl stecken! Während Julien verzweifelt nach einem Ausweg sucht, wartet seine Geliebte (Jeanne Moreau) zunehmend ungeduldig auf ihn ...

Dienstag, 23. Juni:
Tele 5, 20.15 Uhr: "Mindscape" (2013)
In dem soliden US-spanisch-französischen Psycho-Mysterythriller spielt Mark Strong den mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestatteten Privatdetektiv John Washington, der via Berührung die Erinnerungen von Menschen wahrnehmen kann. Einmal geht das aber schief und beschert John einen Schlaganfall, womit er für seinen Job in einer Detektei untauglich wird und in große finanzielle Schwierigkeiten gerät. Immerhin erhält er von seinem früheren Chef einen neuen Fall: Er soll herausfinden, ob die hochintelligente 16-jährige Anna (Taissa Farmiga) eine Soziopathin ist und deshalb in eine psychiatrische Anstalt gesteckt werden soll.

Mittwoch, 24. Juni:
Arte, 20.15 Uhr: "Wilde Herzen" (1994)
André Techinés mit fünf Césars prämiertes französisches Coming of Age- und Liebesdrama erzählt von vier Teenagern (bekannteste Darstellerin ist Élodie Bouchez) sehr unterschiedlicher sozialer Herkunft, die in den 1960er Jahren und damit während des laufenden Algerienkrieges aufwachsen. Gemeinsam stehen sie kurz vor dem Schulabschluß, sie erleben erste amouröse Abenteuer und versuchen, einen Weg zum Erwachsenwerden in einer von Krieg und politischen Unruhen geprägten Gesellschaft zu finden.