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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 25. Februar 2021

FAKING BULLSHIT – KRIMINELLER ALS DIE POLIZEI ERLAUBT! (2020)

Regie und Drehbuch: Alexander Schubert, Musik: Román Fleischer
Darsteller: Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Bjarne Mädel, Alexander von Glenck, Xenia Assenza, Mišel Matičević, Maria Ehrich, Reza Brojerdi, Alexander Schubert
Faking Bullshit - Krimineller als die Polizei erlaubt! (2020) on IMDb Rotten Tomatoes: -; Zuschauer in Deutschland: 31.899
FSK: 12, Dauer: 103 Minuten.
Deniz (Erkan Acar, "Schneeflöckchen") hat keinen guten Abend: Erst entwickelt sich sein Blind Date mit Jasmin (Maria Ehrich, "Rubinrot") zum Political Correctness-Debakel und als sich daraufhin mit der ebenfalls im Restaurant anwesenden Tina (Sina Tkotsch, "Dschungelkind") alles zum Guten zu entwickeln scheint, verschwindet diese kommentarlos, sobald sie erfährt, daß Deniz Polizist ist. Nach einer einsamen Nacht erkennt Deniz am nächsten Tag allerdings, daß Tina keineswegs eine Polizisten-Hasserin ist, sondern den Flirt deshalb einstellte, weil sie ebenfalls Polizistin und in dienstlichem Auftrag unterwegs ist. Denn da es in der verschlafenen Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen kaum Kriminalität gibt, soll Tina darüber entscheiden, ob die Wache aufgelöst wird. Deniz, Rocky (Adrian Topol, "Ronny & Klaid"), Netti (Sanne Schnapp, "Wickie und die starken Männer") und ihr Mann Hagen (Alexander Hörbe, "Der Hauptmann") sind davon erwartungsgemäß nicht begeistert, und als Deniz nach einem Abend gemeinsamen Frustsaufens auf dem Heimweg eher versehentlich das Fenster des lokalen Thai-Restaurants zerstört, kommt ihm eine Idee: Wenn es hier keine Verbrechen gibt, dann begehen sie einfach selber welche und lösen sie anschließend auf – wobei sich der obdachlose Klaus (Bjarne Mädel, "25 km/h") in einem Tauschhandel gerne als Sündenbock zur Verfügung stellt. Tina ist jedoch nicht von gestern und wird angesichts der sich zumeist auf Bagatellen beschränkenden Verbrechenswelle schnell mißtrauisch – doch dann scheinen die Polizisten zufällig tatsächlich einem realen Kunstraub auf die Spur zu kommen …

Dienstag, 23. Februar 2021

BODYGUARD (TV-Serie, 2018, 1. Staffel)

Regie: John Strickland und Thomas Vincent, Drehbuch: Jed Mercurio, Musik: Ruth Barrett und Ruskin Williamson
Darsteller: Richard Madden, Keeley Hawes, Sophie Rundle, Stuart Bowman, Nina Toussaint-White, Gina McKee, Ash Tandon, Anjli Mohindra, Vincent Franklin, Pippa Haywood, Stephanie Hyam, Paul Ready, Shubham Saraf, Michael Shaeffer, Nicholas Gleaves, Richard Riddell, Tom Brooke, Claire-Louise Cordwell, Chike Chan, David Westhead
Bodyguard (2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 93% (8,2); FSK: 16, Dauer: 362 Minuten.
Als der Afghanistan-Veteran und aktuelle Londoner Polizist David Budd (Richard Madden, TV-Serie "Game of Thrones") mit seinen beiden Kindern mit dem Zug auf der Rückreise von einem Besuch bei seiner Mutter ist, bemerkt er einen sich suspekt verhaltenden Mann orientalischen Aussehens. Tatsächlich stellt sich heraus, daß ein Selbstmordattentat kurz bevorsteht, doch David kann Nadia (Anjli Mohindra, TV-Serie "The Sarah Jane Adventures"), die Ehefrau des von ihm Verdächtigten, im letzten Moment überzeugen, sich zu ergeben. Als Belohnung für seine Heldentat wird David zum Personenschützer der amtierenden Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes, TV-Serie "Ashes to Ashes") befördert. Die ambitionierte Ministerin will den verhinderten Anschlag nutzen, um ein deutlich verschärftes Sicherheitsgesetz durchzudrücken, das die breite Überwachung etwa von Telefonen und Internet erleichtern würde – was in Teilen der Bevölkerung auf heftigen Widerstand stößt und auch parteiintern alles andere als umstritten ist, zumal Julia mit ihrem Vorhaben ohne Absprache vorgeprescht war. Das macht die Aufgabe für David nicht leichter, der sowieso schon mit einem von ihm verheimlichten posttraumatischen Streßsyndrom aus seiner Zeit als Soldat zu kämpfen hat – das auch zur Trennung von seiner Frau Vicky (Sophie Rundle, "The Midnight Sky") führte – sowie damit, daß er nicht unbedingt ein Freund der von Julia verfolgten Politik ist. Dann geschieht ein Anschlag auf die Ministerin …

Montag, 22. Februar 2021

TV-Tips für die Woche 8/2021

Montag, 22. Februar:

Tele 5, 20.15 Uhr (wohl um knapp eine Minute geschnitten, ungekürzte Wiederholung in der Nacht auf Mittwoch um 3.10 Uhr: "The Signal" (2014)

Free-TV-Premiere des ziemlich wohlwollend rezensierten Indie-SF-Thrillers von William Eubank ("Underwater"), in dem zwei junge Hacker und ihre Freundin (Olivia Cooke) in Schwierigkeiten geraten, als sie sich von einem rivalisierenden Hacker in die Wüste locken lassen - wo ihnen Unglaubliches widerfährt. Später wachen sie in einem Forschungslabor auf, wo sie von einem Wissenschaftler (Laurence Fishburne) begrüßt werden, der ihnen offensichtlich nicht alles sagt, was er über die Vorkommnisse weiß ...

Arte, 20.15 Uhr: "Du lebst noch 105 Minuten" (1948)

Anatole Litvaks ("Anastasia") Film noir zählt zwar nicht zu meinen Favoriten im Genre, hat aber zweifellos seine Stärken - allen voran die OSCAR-nominierte Performance von Hauptdarstellerin Barbara Stanwyck. Sie spielt die aus gutem Hause stammende College-Absolventin Leona, die gegen den Willen ihres Vaters den Verkäufer Henry (Burt Lancaster) heiratet. Die Ehe wird aber nicht allzu glücklich, zumal Leona eine Herzkrankheit entwickelt, die sie bettlägerig macht. Als Henry eines Abends nicht nach Hause kommt, will Leona in dessen Büro anrufen, wird durch eine Fehlschaltung aber Zeugin eines brisanten Gesprächs zwischen zwei Männern, welche den Mord an einer Frau planen ...

3sat, 22.30 Uhr: "Land des Honigs" (2019)

Free-TV-Premiere der für zwei OSCARs nominierten mazedonischen Doku über Hatidze, die letzte mazedonische Wildimkerin, die in einem von der Zivilisation abgeschotteten Bergdorf im Einklang mit der Natur lebt. Als die nomadische Bauernfamilie von Hussein im Dorf einzieht, arrangiert sich Hatidze erstaunlich schnell damit - dann wird jedoch ihre Existenz bedroht, als Hussein aus finanziellen Nöten und zunächst mit Hatidzes Hilfe ebenfalls in die Bienenzucht einsteigt, ohne allerdings die empfindliche Balance der Natur zu beachten.

Außerdem:

Killer's Bodyguard (solide Actionkomödie mit Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson und Salma Hayek, deren Fortsetzung bereits abgedreht ist; 22.15 Uhr im ZDF)

Dienstag, 23. Februar:

Servus TV, 20.15 Uhr: "Wahnsinnig verliebt" (2002)

In dem originellen französischen Psycho-Thriller wird eine unglückliche Liebe zunächst aus der Perspektive der schönen Kunststudentin Angélique (Audrey Tautou) erzählt, in der zweiten Filmhälfte dann aus der des Arztes Loïc (Samuel Le Bihan aus "Pakt der Wölfe"). Und diese beiden Sichtweisen unterscheiden sich gewaltig voneinander ...

Mittwoch, 17. Februar 2021

THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 (2020)

Regie und Drehbuch: Aaron Sorkin, Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Eddie Redmayne, Sacha Baron Cohen, Joseph Gordon-Levitt, Mark Rylance, Frank Langella, John Carroll Lynch, Yahya Abdul-Mateen II, Jeremy Strong, Danny Flaherty, Noah Robbins, Alex Sharp, Ben Shenkman, J.C. MacKenzie, Michael Keaton, John Doman, Caitlin FitzGerald, Alice Kremelberg, Wayne Duvall, Alan Metoskie
The Trial of the Chicago 7 (2020) on IMDb Rotten Tomatoes: 90% (7,8); FSK: 16, Dauer: 129 Minuten.
Als es im Umfeld des Chicagoer Kongresses zur Wahl des Präsidentschaftskandidaten 1968 der Demokraten zu schweren Ausschreitungen kommt, beschließt der Justizminister Ramsey Clark (Michael Keaton, "Spotlight"), auf Anklagen gegen die Organisatoren zu verzichten. Als aber nach der vom Republikaner Nixon gewonnenen Wahl der mit Clark in starker gegenseitiger Abneigung verbundene neue Justizminister John N. Mitchell (John Doman, "A Beautiful Day") ins Amt kommt, macht er diese Entscheidung rückgängig und weist den talentierten jungen Staatsanwalt Richard Schultz (Joseph Gordon-Levitt, "The Walk") gegen dessen Einwände an, die acht vermeintlichen Rädelsführer u.a. wegen Verschwörung vor Gericht zu bringen. Und so beginnt unter dem offensichtlich voreingenommenen Richter Julius Hoffman (Frank Langella, "Robot & Frank") der aufsehenerregende Prozeß gegen die Studentenanführer Tom Hayden (Eddie Redmayne, "Phantastische Tierwesen") und Rennie Davis (Alex Sharp, "To the Bone"), die Yippies (eine anarchistische Partei) Abbie Hoffman (Sacha Baron Cohen, "Hugo Cabret") und Jerry Rubin (Jeremy Strong, "The Big Short"), den Pazifisten Dave Dellinger (John Carroll Lynch, "Jackie"), den Black Panther Bobby Seale (Yahya Abdul-Mateen II, "Aquaman") und die beiden Aktivisten Lee Weiner (Noah Robbins, "Empörung") und John Froines (Daniel Flaherty, "The Meyerowitz Stories"). Bis auf Seale werden die Angeklagten von den erfahrenen Anwälten William Kunstler (Mark Rylance, "Bidge of Spies") und Leonard Weinglass (Ben Shenkman, "Blue Valentine") vertreten, die angesichts der explosiven gesellschaftlichen Stimmung vor einer Herkulesaufgabe stehen …

Montag, 15. Februar 2021

TV-Tips für die Woche 7/2021

Montag, 15. Februar:

Arte, 22.20 Uhr: "Mishima - Ein Leben in vier Kapiteln" (1985)

Das komplexe US-japanische Biopic über den japanischen Schriftsteller Yukio Mishima gilt als die mit Abstand beste Regiearbeit des "Taxi Driver"-Autors Paul Schrader und wurde u.a. beim Festival von Cannes prämiert. Die Rahmenhandlung spielt am letzten Tag im Leben des Autors (Ken Ogata, "The Hidden Blade") und erzählt in Rückblenden von dessen Vergangenheit, wobei reale Geschehnisse mit der Handlung seiner Romane kunstvoll vermengt werden. Alles andere als ein Mainstream-Film, aber die Kritiker waren begeistert.

Außerdem:

Wolverine - Weg des Kriegers (in Wolverines zweitem Solo-Abenteuer verschlägt es den von Hugh Jackman gespielten unverwundbaren Mutanten nach Japan, wo er auf einen alten Freund trifft und in unerwartete Abenteuer verwickelt wird; 20.15 Uhr bei Kabel Eins)

Dienstag, 16. Februar:

Arte, 13.50 Uhr: "Der Löwe im Winter" (1968)

Anthony Harveys kammerspielhaftes, im späten 12. Jahrhundert angesiedeltes historisches Intrigenspiel ist glänzend geschriebenes und inszeniertes Schauspieler-Kino vom Feinsten, in dem u.a. Peter O'Toole (als britischer König Henry II.), Katharine Hepburn und Anthony Hopkins brillieren.

Servus TV, 22.00 Uhr: "Der Mann, den sie Pferd nannten" (1970)

Richard Harris (Dumbledore in den ersten "Harry Potter"-Filmen) spielt in dem US-Western von Elliot Silverstein ("Cat Ballou"), der in der realistischen und objektiven Darstellung der indigenen amerikanischen Bevölkerung seiner Zeit weit voraus war (obwohl die Authentizität nicht ganz so groß ist wie behauptet), den britischen Adligen Lord John Morgan. Als Morgan in Amerika von Sioux entführt wird, halten diese ihn zunächst als Sklaven und geben ihm den Namen "Pferd". Doch nach und nach fügt sich Morgan immer besser in den Stamm ein, lernt die Sprache und gewinnt zunehmend ihren Respekt ...

Donnerstag, 11. Februar 2021

THE VIGIL – DIE TOTENWACHE (2019)

Regie und Drehbuch: Keith Thomas, Musik: Michael Yezerski
Darsteller: Dave Davis, Lynn Cohen, Menashe Lustig, Malky Goldman, Ronald Cohen, Fred Melamed, Rob Tunstall
The Vigil - Die Totenwache (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 92% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $1,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 90 Minuten.
Der ca. 30-jährige Yakov Ronen (Dave Davis, "The Big Short") hat kürzlich seine ultraorthodoxe jüdische Gemeinde verlassen und versucht seitdem, sich in der "normalen" Welt von New York einzupassen. Da ihm das durch seine buchstäbliche Weltfremdheit alles andere als leicht fällt, sucht er den Beistand einer Selbsthilfegruppe, bei der er auch die an ihm interessierte Sarah (Malky Goldman, Netflix-Serie "Unorthodox") kennenlernt. Durch seine Defizite im Umgang mit gewöhnlichen New Yorkern konnte Yakov allerdings noch keine Arbeit finden, weshalb er das Angebot von Rabbi Shulem (Menashe Lustig) aus seiner alten Gemeinde widerwillig annimmt, für gutes Geld die traditionelle Totenwache für den verstorbenen Rubin Litvak zu übernehmen – auch wenn ihm klar ist, daß der Rabbi ihn vor allem wieder in die Gemeinde zurückholen will. Bei der Totenwache, die bis zum Morgengrauen andauert und bei der außer dem Verblichenen nur noch dessen an Demenz erkrankte Witwe (Lynn Cohen, "Die Tribute von Panem – Catching Fire") im Haus ist, vernimmt Jakov schon bald unheimliche Geräusche und sieht Dinge, die eigentlich nicht existieren können. Mrs. Litvak erklärt dem verunsicherten Jakov, daß ihr Mann seit seiner Flucht aus dem KZ Buchenwald von einem unsichtbaren Dämon namens Mazzik begleitet wurde, der sich von der Angst eines Menschen nährt und nach dem Tod von Mr. Litvak einen neuen Wirt sucht – und der nach einem traumatischen Erlebnis mental angeschlagene Jakov scheint dafür das ideale Opfer zu sein. Oder ist er doch einfach nur kurz davor, verrückt zu werden?

Mittwoch, 10. Februar 2021

Doppel-Kurz-Nachruf: Christopher Plummer (1929-2021) und Jean-Claude Carrière (1931-2021)

Derzeit sterben bedeutende Filmschaffende buchstäblich in schnellerer Abfolge, als ich ihnen einen angemessenen Nachruf widmen kann, weshalb ich an dieser Stelle erneut zwei (mehr oder weniger) kurze Nachrufe kombinieren werde.

Bereits am Freitag verstarb der kanadische Schauspieler Christopher Plummer, der bis dato als älteste Person mit einem OSCAR ausgezeichnet wurde, im Alter von 91 Jahren. Plummers Karriere verlief recht ungewöhnlich, denn während viele Hollywood-Stars in eher jungen Jahren ihre größten Erfolge feiern, mußte Christopher Plummer mit einer Ausnahme bis ins hohe Alter warten, ehe er zu einem allseits bewunderten und vielfach ausgezeichneten Kino-Schauspieler wurde (am Theater war er hinegen viel früher ein Star, die erste von sieben Tony-Nominierungen erhielt er 1959). Die eine Ausnahme ist allerdings eine ziemlich gewaltige, denn 1965 feierte Plummer, der nach vielen Auftritten am Theater und im Fernsehen mit Anfang 30 ins Kinofach wechselte, mit Robert Wises Musical "Meine Lieder - meine Träume" (auch bei uns inzwischen wohl besser bekannt unter dem Originaltitel "The Sound of Music") einen gewaltigen Erfolg - zumindest in den USA und auch in anderen englischsprachigen Nationen. Denn gerade in den USA wird "The Sound of Music" bis heute beinahe kultisch verehrt, wohingegen er im Rest der Welt für weniger Aufsehen sorgte, speziell im deutschsprachigen Raum sogar ein finanzieller Mißerfolg war und recht schnell ziemlich in Vergessenheit geriet. Plummer selbst war übrigens nie ein Fan des Films und seiner Rolle als verwitweter österreichischer Kapitän von Trapp, der in den 1930er Jahren mit seiner Familie vor den Nazis nach Amerika flüchtete und dort mit der "singenden Trapp-Familie" zu einem Phänomen wurde. Dennoch gab es ganze fünf OSCARs und Plummer war der Durchbruch zum Kinostar gelungen.

Darauf folgten aber viele mittelmäßige bis solide Filme, wenn es auch zunächst immer wieder und häufig in europäischen Produktionen Ausnahmen wie Terence Youngs Kriegs-Spionagefilm "Spion zwischen 2 Fronten" (1966; als Dieb, der für seine Freiheit zum Mehrfach-Spion wird), Guy Hamiltons "Luftschlacht um England" (1969), Sergei Bondartschuks historischem Epos "Waterloo" (1970; als Duke of Wellington), Blake Edwards' "Der rosarote Panther kehrt zurück" (1975; als Meisterdieb Sir Charles Litton) oder John Hustons "Der Mann, der König sein wollte" (1975; als Erzähler Rudyard Kipling) gab. Spätestens in den 1980er Jahren blieben Highlights jedoch größtenteils aus, womit seine Karriere gut und gerne hätte versanden können. Doch zum Glück gelang Plummer in den 1990ern ein Comeback, indem er sich als charismatischer Nebendarsteller neu erfand und so unterschiedliche Hits wie Nicholas Meyers "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" (1991; der bekennende Trekkie Plummer hatte viel Spaß an seiner Rolle als Shakespeare zitierender klingonischer General), Spike Lees "Malcolm X" (1992), Taylor Hackfords grandioser Stephen King-Adaption "Dolores" (1995), Terry Gilliams Zeitreise-Thriller "Twelve Monkeys" (1995), Michael Manns Whistleblower-Thriller "Insider" (1999), Ron Howards Mathematiker-Biopic "A Beautiful Mind" (2001), Terrence Malicks "The New World" (2005), Spike Lees Heistfilm "Inside Man" (2006) und - als Sprecher des Antagonisten - Pixars Animationsfilm "Oben" (2009) mit seiner charismatischen Präsenz bereicherte, gerne in eher zwielichtigen Rollen. Und auf die neugewonnene Reputation als Charakterdarsteller folgten die Ehrungen: 2010 errang Christopher Plummer für Michael Hoffmans Tolstoi-Film "Ein russischer Sommer" mit 80 Jahren seine erste OSCAR-Nominierung, auf die zwei Jahre darauf der Sieg für Mike Mills' Vater-Sohn-Drama "Beginners" folgte - mit 82 Jahren wurde Plummer zum ältesten OSCAR-Gewinner der Geschichte (und den Golden Globe gab es obendrauf)! Das war aber noch nicht alles, denn eine finale dritte OSCAR-Nominierung gab es 2018 für seine Darstellung des hartherzigen Milliardärs Jean Paul Getty in Sir Ridley Scotts "Alles Geld der Welt" - eine Rolle, die zunächst Kevin Spacey spielen sollte, die nach Spaceys tiefem Fall aber Plummer zum ältesten OSCAR-Nominee aller Zeiten machte. Insgesamt drehte Plummer über 120 Filme und wirkte zudem in zahlreichen TV- und Theaterproduktionen mit. Einen letzten großen Erfolg feierte er 2019 in Rian Johnsons cleverem Whodunit "Knives Out", in dem er einen erfolgreichen Krimiautor spielt, dessen Tod zu einer veritablen Schlammschlacht zwischen den potentiellen Erben führt ...

Christopher Plummer starb am 5. Februar 2021 im US-Bundesstaat Connecticut mit 91 Jahren an den Folgen eines schweren Sturzes. R.I.P.

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Außerhalb seiner französischen Heimat dürfte der Name Jean-Claude Carrière gar nicht so vielen Menschen ein Begriff sein, dabei war der Gewinner eines der Ehren-OSCARs des Jahres 2015 an locker einem Dutzend Kino-Klassikern als Drehbuch-Autor beteiligt - vor allem seine Zusammenarbeit mit dem visionären Surrealisten Luis Buñuel brachte einige Meisterwerke hervor. Vorgestern verstarb Jean-Claude Carriére im Alter von 89 Jahren.

Carrière, der zudem etliche Romane (darunter Romanfassungen von Jacques Tatis Komödien-Klassikern "Die Ferien des Monsieur Hulot" und "Mein Onkel") und Sachbücher schrieb, kam (ähnlich wie Christopher Plummer) mit Anfang 30 zum Film und angesichts der Tatsache, daß er gleich mit seinem zweiten Werk - dem Kurzfilm "Der Hochzeitstag", den er gemeinsam mit Pierre Étaix schrieb und inszenierte - einen OSCAR gewann, gab es natürlich wenig Gründe, sich wieder vom Medium Film abzuwenden. Stattedessen lernte er wenig später den brillanten spanisch-mexikanischen Surrealisten Luis Buñuel kennen, mit er eine lange, kreativ äußerst fruchtbare Zusammenarbeit einging, die sich über sechs Filme erstrecken sollte - die heute allesamt verdientermaßen als Klassiker des französischen Kinos gelten. Den Auftakt machte 1964 die Gesellschaftssatire "Tagebuch einer Kammerzofe", es folgten die Charakterstudie "Belle de Jour" (1967) mit Catherine Deneuve, der kirchenkritische "Die Milchstraße" (1969), die schwarzhumorige Komödie "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" (1972; zweite OSCAR-Nominierung), der grandiose, pythoneske Episodenfilm "Das Gespenst der Freiheit" (1974) und die Romanverfilmung "Dieses obskure Objekt der Begierde" (1977; dritte OSCAR-Nominierung).

Auch abseits dieser Zusammenarbeit war Carrière höchst fleißig und steuerte Drehbücher zu Werken wie Louis Malles Westernkomödie "Viva Maria!" (1965) mit Brigitte Bardot und Jeanne Moreau, Jacques Derays erotischem Psychothriller "Der Swimmingpool" (1969) mit Alain Delon und Romy Schneider, Derays Gangsterfilm "Borsalino" (1970) mit Alain Delon und Jean-Paul Belmondo und Volker Schlöndorffs OSCAR-prämierter Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel" (1978) bei. Generell arbeitete Carrière nach dem Tod Buñuels nun häufig mit dem deutschen Filmemacher Schlöndorff zusammen, so bei "Die Fälschung" (1981) mit Bruno Ganz, "Eine Liebe von Swann" (1984) mit Jeremy Irons und Ornella Muti, "Der Unhold" (1996) mit John Malkovich und Armin Mueller-Stahl und "Ulzhan - Das vergessene Licht" (2007). Zu Carrières Erfolgen in späteren Jahren zählten außerdem Daniel Vignes Historienfilm "Die Wiederkehr des Martin Guerre" (1982), Andrzej Wajda historisches Biopic "Danton" (1983) - beide mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle -, Philip Kaufmans Literaturverfilmung "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1988; vierte und letzte reguläre OSCAR-Nominierung) mit Jeremy Irons und Juliette Binoche, Milos Formans Intrigenspiel "Valmont" (1989) mit Colin Firth und Annette Bening und Jean-Paul Rappeneaus "Cyrano von Bergerac" (1990) mit Gérard Depardieu in der Titelrolle. Ab den 1990er Jahren machte sich Carrière im Kino rarer und arbeitete häufiger fürs französische Fernsehen, doch mit Jean-Paul Rappeneaus wunderbarem Mantel-und-Degen-Film "Der Husar auf dem Dach" (1995) mit Olivier Martinez und Juliette Binoche, Wayne Wangs "Chinese Box" (1997), Jonathan Glazers kontroversem Drama "Birth" (2004) mit Nicole Kidman, Formans letztem Film "Goyas Geister" (2006) und Fernando Truebas "Das Mädchen und der Künstler" (2012) mit Jean Rochefort gab es immer noch gelegentliche Höhepunkte. Nachdem Carrière 2015 mit dem Ehren-OSCAR für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, folgte 2018 mit Julian Schnabels Biopic "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" mit Willem Dafoe ein letztes Hurra.

Am 8. Februar 2021 starb Jean-Claude Carrière mit 89 Jahren in seinem Haus in Paris eines natürlichen Todes. R.I.P.

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Montag, 8. Februar 2021

OSCAR-News: Nominierungen der Schauspielergilde und für die Critics' Choice Awards bleiben ohne große Überraschungen

Nachdem letzten Mittwoch die Nominierungen für die Golden Globes bekanntgegeben wurden, folgten seitdem zwei weitere wichtige Wegweiser auf der Straße zur OSCAR-Verleihung: Die Nominierungen der Schauspielergilde (SAG Awards) und für die Critics' Choice Awards.

Bereits am Donnerstag wurden die SAG Awards-Nominierungen verkündet - die Schauspieler stellen den größten Anteil der OSCAR-Stimmberechtigten, dementsprechend ist die Bedeutung der von ihnen vergebenen Auszeichnungen sehr groß - und es gibt doch ein paar signifikante Unterschiede zu den Golden Globes:

Bester Hauptdarsteller:

- Riz Ahmed, "Sound of Metal"

- Chadwick Boseman, "Ma Rainey's Black Bottom"

- Sir Anthony Hopkins, "The Father"

- Gary Oldman, "Mank"

- Steven Yeun, "Minari"

Die Kategorie ist beinahe identisch zur Drama-Kategorie bei den Globes, lediglich Steven Yeun hat es anstelle von Tahar Rahim ("The Mauritanian") in die Top 5 geschafft - was auch für die OSCARs zu erwarten ist. Nachdem Delroy Lindo ("Da 5 Bloods"), Tom Hanks ("Neues aus der Welt") und der bei den Golden Globes in der Komödien-Sparte nominierte Dev Patel ("David Copperfield") erneut fehlen, spricht viel dafür, daß die Nominees bei den Academy Awards genauso aussehen werden wie hier, wenngleich ich zumindest Lindo einen Platz in den Top 5 immer noch zutraue.

Hauptdarstellerin:

- Amy Adams, "Hillbilly Elegy"

- Viola Davis, "Ma Rainey's Black Bottom"

- Vanessa Kirby, "Pieces of a Woman"

- Frances McDormand, "Nomadland"

- Carey Mulligan, "Promising Young Woman"

Auch hier vier identische Nominees zu den Globes, doch Amy Adams ersetzt Andra Day ("The United States vs. Billie Holiday"). Davis, McDormand, Mulligan sollten die OSCAR-Nominierung sicher haben, Kirby hat gute Karten. Der fünfte Platz erscheint mir bei den Frauen deutlich umkämpfter als bei den Männern, so haben neben Day die bei den Globes in der Komödien-Sparte berücksichtigten Michelle Pfeiffer ("French Exit"), Maria Bakalova (die hier unerwartet als Nebendarstellerin nominiert wurde) und Anya Taylor-Joy ("Emma") sowie Sophia Loren ("Du hast das Leben vor dir"), Zendaya ("Malcolm and Marie") und die niemals zu unterschätzenden Meryl Streep ("The Prom") und Kate Winslet ("Ammonite") Chancen - und Amy Adams ist ob der kontroversen Aufnahme von "Hillbilly Elegy" definitiv eine unsichere Kandidatin, nicht nur aufgrund ihres Fehlens bei den Globe-Nominierungen.

TV-Tips für die Woche 6/2021

Montag, 8. Februar:

Arte, 20.15 Uhr: "Früchte des Zorns" (1940)

Nach Jahrzehnten ist einer der ganz großen Filmklassiker aus "Hollywoods Goldener Ära" mal wieder im Free-TV zu sehen, natürlich bei Arte. Western-Spezialist John Ford ("Der schwarze Falke") bewies mit seiner Steinbeck-Adaption, daß er keineswegs nur ein Genre beherrscht, denn sein aufrüttelndes, kapitalismuskritisches Sozialdrama - dessen Produktion umstritten war und eine Dekade später in der McCarthy-Ära schlichtweg unmöglich gewesen wäre - wird vom renommierten American Film Institute sogar zu den besten US-Filmen aller Zeiten gezählt (in einer 1998 veröffentlichten Liste wurde es auf Platz 21 geführt). Henry Fonda ("Spiel mir das Lied vom Tod") spielt Tom Joad, der nach Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Totschlags ausgerechnet während der Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre aus dem Knast entlassen wird. Er erfährt, daß seine Familie infolge der Krise ihre Farm in Oklahoma aufgeben mußte. Da in Kalifornien Arbeiter gesucht werden, macht sich die Familie Joad wie unzählige andere Arbeitssuchende auf den beschwerlichen Weg - nur, um am Ziel der Reise feststellen zu müssen, daß die Wanderarbeiter auch dort nur mit Minilöhnen ausgebeutet und zudem von den Einheimischen mit Haß empfangen werden ...

Dienstag, 9. Februar:

Disney Channel, 20.15 Uhr: "Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte" (2018)

Free-TV-Premiere der französischen Abenteuerkomödie vom kanadischen Regisseur Ken Scott ("Die große Verführung") nach einem Roman von Romain Puertolas. Im Mittelpunkt steht der in Mumbai aufgewachsene junge Inder Aja (Bollywood-Star Dhanush), der sich mit der Vorführung "magischer" Tricks über Wasser hält. Als seine Mutter stirbt, macht sich Aja auf die Reise nach Paris, wo er hofft, seinen Vater zu finden, den er nie kennengelernt hat. Doch Paris ist nur der Auftakt für eine abenteuerliche Reise durch halb Europa, bei der er auch die bezaubernde Amerikanerin Marie (Erin Moriarty, TV-Serie "The Boys") kennenlernt.

Donnerstag, 4. Februar 2021

SCARY STORIES TO TELL IN THE DARK (2019)

Regie: André Øvredal, Drehbuch: Dan u. Kevin Hageman, Musik: Marco Beltrami, Anna Drubich
Darsteller: Zoe Colletti, Michael Garza, Gabriel Rush, Austin Zajur, Natalie Ganzhorn, Austin Abrams, Gil Bellows, Dean Norris, Lorraine Toussaint, Kathleen Pollard, Javier Botet
Scary Stories to Tell in the Dark (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 77% (6,4); weltweites Einspielergebnis: $104,5 Mio.
FSK: 16, Dauer: 107 Minuten.
 Mill Valley, Pennsylvania, Halloween 1968: Die befreundeten Teenager Stella (Zoe Colletti, TV-Serie "City on a Hill"), Auggie (Gabriel Rush, "Moonrise Kingdom") und Chuck (Austin Zajur) rächen sich auf harmlos-raffinierte Weise an dem Schultyrann Tommy Milner (Austin Abrams, "Margos Spuren"), der das allerdings gar nicht witzig findet und die Freunde deshalb mit seinen Kumpels verfolgt. Gemeinsam mit dem ortsfremden, ungefähr gleichaltrigen Ramón (Michael Garza, "Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1"), der dem Trio zwischenzeitlich Zuflucht bietet, flüchten sie in das örtliche Spukhaus am Rande der Kleinstadt, um das sich gruselige Legenden ranken und das seit dem Verschwinden mehrerer Kinder komplett abgeriegelt wurde. Dank Ramóns flinker Finger kommen sie trotzdem hinein und erkunden das Haus neugierig – wobei Stella das Geschichtenbuch von Sarah Bellows findet, dem Zentrum der Spuk-Legenden. Stella nimmt das handgeschriebene Buch mit, muß allerdings bald herausfinden, daß Sarahs schaurige Geschichten keineswegs fiktiv sind, sondern grausige Realität werden. Und da Stella das Buch genommen hat, scheinen sie und ihre Freunde zu den nächsten Zielen von Sarahs Gruselstorys zu werden, die ausnahmslos kein Happy End besitzen …