Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 12. Januar 2022

OSCAR-News: Die SAG Awards-Nominierungen sorgen für etliche Überraschungen im Schauspielerfeld

Mit den Schauspielern beginnen die jährlichen Gildenauszeichnungen, womit sich auf dem Weg zu den OSCARs der Schwerpunkt von den Kritikern (z.B. Golden Globes) zu den Filmschaffenden selbst verlagert - was naturgemäß noch einmal für deutliche Veränderungen in der Favoritenlage für die Academy Awards nach sich ziehen kann. Und da die Schauspieler die zahlenmäßig größte Gruppe innerhalb der Academy darstellen, ist ihr Einfluß entsprechend groß. Für die von den Schauspielern verliehenen SAG Awards wurden nominiert:

Hauptdarsteller:
- Javier Bardem, "Being the Ricardos"
- Benedict Cumberbatch, "The Power of the Dog"
- Andrew Garfield, "tick, tick... BOOM!"
- Will Smith, "King Richard"
- Denzel Washington, "The Tragedy of Macbeth"
 
Keine großen Überraschungen in dieser Kategorie, am ehesten noch Javier Bardem, der sich u.a. gegen Leonardo CiCaprio ("Don't Look Up"), Peter Dinklage ("Cyrano") oder Bradley Cooper ("Nightmare Alley") durchsetzte. Als Favoriten gelten Smith und Cumberbatch.
 
Hauptdarstellerin:
- Jessica Chastain, "The Eyes of Tammy Faye"
- Olivia Colman, "Frau im Dunkeln"
- Lady Gaga, "House of Gucci"
- Jennifer Hudson, "Respect"
- Nicole Kidman, "Being the Ricardos"
 
Nachdem Jennifer Hudson für ihre Darstellung von Soullegende Aretha Franklin bei den Golden Globes überraschend übergangen worden war und auch sonst schlechter bei den Kritikerpreisen abschnitt als erwartet, ist diese Nominierung sehr wichtig für sie. Dafür mußte unerwartet Kristen Stewart ("Spencer") weichen, die für ihre Rolle als Prinzessin Diana für nicht wenige Experten sogar als Topfavoritin auf den OSCAR gilt respektive nun vielleicht eher galt - denn ohne SAG Awards-Nominierung wird es für sie bereits zur Herausforderung, überhaupt eine OSCAR-Nominierung zu erhalten. Ähnlich überraschend ist das Fehlen von "West Side Story"-Hauptdarstellerin Rachel Zegler, die gerade erst den Golden Globe gewann und auch sonst viel Kritikerlob erhielt. Auch für Penélope Cruz ("Parallele Mütter") oder Newcomerin Alana Haim ("Licorice Pizza") ist die Nichtnennung ein Rückschlag in ihren OSCAR-Hoffnungen. Eine klare Favoritin ist in dieser sehr kompetitiven Kategorie nicht auszumachen.
 
Nebendarsteller:
- Ben Affleck, "The Tender Bar"
- Bradley Cooper, "Licorice Pizza"
- Troy Kotsur, "CODA"
- Jared Leto, "House of Gucci"
- Kodi Smit-McPhee, "The Power of the Dog"
 
Die nächste durchaus überraschende Kategorie, allen voran fehlen die beiden bei den Golden Globes nominierten "Belfast"-Darsteller Ciarán Hinds und Jamie Dornan, für die sich Jared Leto und Bradley Cooper (mit einem nicht einmal fünfminütigen Auftritt) in die Top 5 geschlichen haben. Ansonsten dürfte J.K. Simmons ("Being the Ricardos") der hochkarätigste fehlende Name sein. Favorit ist Smit-McPhee.

Nebendarstellerin:
- Caitriona Balfe, "Belfast"
- Cate Blanchett, "Nightmare Alley"
- Ariana DeBose, "West Side Story"
- Kirsten Dunst, "The Power of the Dog"
- Ruth Negga, "Seitenwechsel"
 
Im Vergleich zu den Golden Globes fehlt nur Aunjanue Ellis ("King Richard"), die durch Cate Blanchett ersetzt wurde. Insgesamt keine wirklichen Überraschungen, aber für die OSCARs dürfen sich auch noch Marlee Matlin ("CODA"), Ann Dowd ("Mass") und vielleicht mal wieder Meryl Streep ("Don't Look Up") Hoffnungen machen. Favoritin ist die Newcomerin Ariana DeBose.

Bester Cast:
- Belfast
- Coda
- House of Gucci
- King Richard
 
In der SAG Awards-Entsprechung zur OSCAR-Kategorie "Bester Film" fehlen mit "West Side Story", "The Power of the Dog", "Dune", "Licorice Pizza" oder "Nightmare Alley" einige echte Hochkaräter, wobei "The Power of the Dog" natürlich auch nur drei wirklich tragende Rollen hat. Die besten Siegchancen dürfte hier "Belfast" haben, die Kategorie ist aber ziemlich offen.

Alle Nominierungen inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der SAG Awards-Homepage.

Dienstag, 11. Januar 2022

Nachruf: Peter Bogdanovich (1939-2022)

Als das lange so erfolgreiche Studiosystem in Hollywood in den 1960er Jahren endgültig kollabierte und das Publikum einfach keine Lust mehr auf die sündteuren Monumentalfilme oder Musicals hatte, bereitete das den Weg für das "New Hollywood", das die US-Filmbranche so stark verändern sollte wie wohl keine andere Bewegung seit der Erfindung des Tonfilms und des Farbfilms - zumal es dieses Mal in erster Linie eine inhaltliche Revolution war. Statt auf Glamour und Eskapismus setzten die meist jungen Filmemacher des New Hollywood auf kleinere, persönliche und oft düstere Geschichten mitten aus der Gesellschaft, die sich durch eine große Realitätsnähe und authentische Charaktere auszeichneten. Die prägendsten Namen des New Hollywood waren Martin Scorsese ("Taxi Driver"), Francis Ford Coppola ("Der Pate"), Roman Polanski ("Chinatown"), William Friedkin ("French Connection") ... und Peter Bogdanovich. Am 6. Januar 2022 ist Peter Bogdanovich mit 82 Jahren in Los Angeles verstorben und so verliert Hollywood eine seiner einflußreichsten Stimmen, die sich auch als charismatischer Erklärer der Filmbranche einen Namen machte.

Da das New Hollywood stark durch die französische Nouvelle Vague beeinflußt war, ist es passend, daß auch Peter Bogdanovich den Weg von François Truffaut und Jean-Luc Godard ging und erst über den Umweg des renommierten Filmkritikers zum Filmschaffenden wurde, wobei vor allem seine in die Tiefe gehenden Interviews mit Regisseuren und Schauspielern viel Lob erhielten. Den ersten Schritt auf dem Weg zum Regisseur und Drehbuch-Autor machte Bogdanovich am Theater und dann 1966 als Regieassistent des Roger Corman-B-Movies "Die wilden Engel", bei dem er auch bei Kameraarbeit, Drehbuch und Schnitt aushalf und somit das Geschäft des Filmemachens schön umfassend kennenlernen konnte. Nur zwei Jahre später folgte sein Spielfilm-Regiedebüt (1967 drehte er bereits eine Doku über Regielegende Howard Hawks) mit dem Thriller "Bewegliche Ziele" mit Boris Karloff, der zwar nicht für viel Furore sorgte, aber dank guter Kritiken den Weg ebnete für weitere Werke. Und bereits sein zweiter Spielfilm "Die letzte Vorstellung" (1971) sollte sich als vielbeachtetes Meisterwerk und Schlüsselfilm des New Hollywood erweisen. Das kunstvolle, in einer heruntergekommenen texanischen Kleinstadt spielende und in Schwarzweiß gedrehte Coming of Age-Drama mit einem sehr jungen Jeff Bridges in einer der Hauptrollen gewann zwei OSCARs (Bogdanovich wurde zudem für Regie und Drehbuch nominiert) und beeindruckte mit der ebenso realitätsnahen wie einfühlsamen Darstellung des trostlosen Lebens in einer wirtschaftlich abgehängten und der jungen Generation kaum Aussichten bietenden Kleinstadt sowie mit tiefgründigen Dialogen und intimen Einblicken in seine Charaktere - sehr viel weiter konnte man sich nicht vom klassischen Hollywood-Kino der Studioära entfernen ...

In den nächsten beiden Jahren bewies Bogdanovich, daß er inhaltlich auch ganz anders kam und schuf somit einen der eindruckvollsten Dreier-Blöcke, die je ein Filmemacher zustandebrachte: "Die letzte Vorstellung", "Is' was, Doc?" (1972) und "Paper Moon" (1973) sind drei unnachahmliche und dabei erstaunlich unterschiedliche Meisterstücke, die ihresgleichen suchen. Vor allem "Is' was, Doc?" überrascht als sehr klassische Screwball-Komödie im Stil der Genreklassiker der 1930er Jahre ("Die Nacht vor der Hochzeit", "Ninotschka", "Mr. Deeds geht in die Stadt") und entpuppt sich mit der so simplen wie effektiven Verwechslungsprämisse (vier identische Reisetaschen werden vertauscht und sorgen für große Turbulenzen) als einer der lustigsten Filme, die ich je gesehen habe - woran auch die Hauptdarsteller Barbra Streisand und Ryan O'Neal ihren Anteil haben. Ungleich ernster geht es im tragikomischen Schwarzweiß-Roadmovie "Paper Moon" zu, das sich um den Trickbetrüger Moses (erneut Ryan O'Neal) dreht, der während der "Großen Depression" in den 1930er Jahren die 9-jährige Addie (O'Neals Tochter Tatum, die für ihre Rolle als bis heute jüngste Darstellerin den Nebenrollen-OSCAR gewann) nach dem Tod ihrer Mutter quer durch die USA zu Verwandten bringen soll, sie stattdessen aber zu seiner Komplizin ausbildet. Mit viel Sympathie für seine ambivalenten Figuren und einem starken Sinn für Poesie zeichnet "Paper Moon" ein melancholisches Gesellschaftsbild, das zum Lachen und zum Weinen anregt und viel Stoff zum Nachdenken bietet (1974 folgte übrigens mit "Papermoon" eine kurzlebige und weitgehend in Vergessenheit geratene TV-Serien-Fortsetzung mit Jodie Foster in der kindlichen Hauptrolle, an der Bogdanovich ebenfalls beteiligt war). Erfreulicherweise war dieses Trio von Bogdanovich-Filmen nicht nur bei den Kritikern ein Hit, sondern auch an den Kinokassen.

Leider sollte es nicht so glänzend weitergehen, denn mit der Henry James-Adaption "Daisy Miller" brachte Bogdanovich 1974 erstmals einen Film in die Kinos, der weder die Kritiker noch das Publikum sonderlich überzeugen konnte. Die musikalische Komödie "At Long Last Love" (1975) mit Burt Reynolds schnitt sogar noch schlechter ab und wurde damals von einigen Rezensenten sogar als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten bewertet. Danach lief es wieder etwas besser, doch richtig gute Kritiken sollten nur noch die Paul Theroux-Verfilmung "Saint Jack" (1979) mit Ben Gazzara, das Biopic "Die Maske" (1985) mit Eric Stoltz als krankheitsbedingt entstelltem Jugendlichen und die Komödie "Noises Off!" (1992) mit Michael Caine erhalten, wogegen selbst seine "Die letzte Vorstellung"-Fortsetzung "Texasville" (1990) floppte. Bogdanovichs letzter Spielfilm wurde im Jahr 2014 die solide Screwball-Komödie "Broadway Therapy" mit Owen Wilson, zudem drehte er einige TV-Filme und Dokus. Doch Bogdanovich hatte auch in anderen Bereichen viel zu bieten: Er schrieb diverse Filmbücher, sprach zahllose informative DVD-Audiokommentare zu Filmklassikern ein und betätigte sich immer wieder als Schauspieler. Das tat er schon zu Beginn seiner Karriere hin und wieder, doch ab den 1990er Jahren häuften sich seine Auftritte vor der Kamera (auch aus finanziellen Gründen), wobei vor allem seine wiederkehrende Gastrolle als Psychiater in 14 Episoden der Kultserie "Die Sopranos" hervorsticht. Erstaunlicher- und ungerechterweise blieb Peter Bogdanovich ohne OSCAR- oder Golden Globe-Ehrung (bei jeweils zwei Nominierungen), aber dafür gewann er 2009 immerhin einen Grammy für sein Musikvideo zum Tom Petty & The Heartbreakers-Song "Runnin' Down a Dream".

Am 6. Januar 2022 verstarb Peter Bogdanoch mit 82 Jahren in Los Angeles als Folge seiner Parkinson-Erkrankung. R.I.P.

Embed from Getty Images

Montag, 10. Januar 2022

Die Gewinner der Golden Globes 2022

Die Gewinner der Golden Globes heißen:

Bestes Drama: The Power of the Dog
Bestes Musical oder Komödie: West Side Story
Regie: Jane Campion, "The Power of the Dog"
Darstellerin, Drama: Nicole Kidman, "Being the Ricardos"
Darsteller, Drama: Will Smith, "King Richard"
Darstellerin, Musical/Komödie: Rachel Zegler, "West Side Story"
Darsteller, Musical/Komödie: Andrew Garfield, "tick, tick... BOOM!"
Nebendarstellerin: Ariana DeBose, "West Side Story"
Nebendarsteller: Kodi Smit-McPhee, "The Power of the Dog"
Drehbuch: Kenneth Branagh, "Belfast"
Animationsfilm: Encanto
Nicht-englischsprachiger Film: "Drive My Car", Japan
Musik: Hans Zimmer, "Dune"
Filmsong: "No Time to Die" von Billie Eilish, "Keine Zeit zu sterben"
 
Das Netflix-Westerndrama "The Power of the Dog" ist also der große Gewinner der Veranstaltung, auch wenn Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch sich etwas überraschend Will Smith geschlagen geben mußte. Alle anderen Hauptkategorien konnte Jane Campions Film aber für sich entscheiden und festigt damit seine Favoritenstellung für die OSCARs. Spielbergs kommerziell geflopptes "West Side Story"-Remake dominiert derweil die Musical/Komödie-Kategorie und sollte bei den OSCARs ebenfalls eine gute Rolle spielen. Mit Komponistenlegende Hans Zimmer gibt es mal wieder einen deutschen Gewinner, der auch gute Aussichten auf seinen zweiten OSCAR hat, während sich "Drive My Car" - der fast parallel bei den National Film Critics Awards sogar den Hauptpreis für den Besten Film gewann und mit etwas Glück ähnlich wie zuletzt "Parasite" aus der Auslandskategorie "ausbrechen" und zahlreiche Nominierungen einheimsen könnte - zum Favoriten in der stark besetzten Kategorie "Internationaler Film" mausert. Größte Überraschung ist sicherlich der Sieg von Nicole Kidman in der Drama-Kategorie, wo sie sich gegen die höher eingeschätzten Olivia Colman ("Frau im Dunkeln"), Kristen Stewart ("Spencer") und Lady Gaga ("House of Gucci") durchsetzte und damit ihre Chancen auf eine weitere OSCAR-Nominierung gesteigert hat. Die Verlierer des Abends finden sich in der Musical//Komödie-Sparte: Paul Thomas Andersons "Licorice Pizza" und Adam McKays "Don't Look Up" sind die einzigen Mitfavoriten, die komplett leer ausgingen.

Alle Gewinner inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der Golden Globes-Homepage.

Sonntag, 9. Januar 2022

TV-Tips für die Woche 2/2022

Montag, 10. Januar:

SAT. 1, 20.15 Uhr: "Die Goldfische" (2019)

Free-TV-Premiere der positiv besprochenen und sehr namhaft besetzten Tragikomödie von Langfilm-Regiedebütant Alireza Golafshan. Tom Schilling spielt den erfolgreichen Banker Oliver, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist. Weil er es im Krankenhaus nicht lange aushält, zieht Oliver in eine Behinderten-WG, die sich selbst "Die Goldfische" nennt. Dort wohnt er u.a. mit der blinden Magda (Birgit Minichmayr) und zwei Autisten (Axel Stein und Jan Henrik Stahlberg) zusammen, betreut werden sie von der idealistischen Laura (Jella Haase) und dem desillusionierten Eddy (Kida Khodr Ramadan). Oliver hat jedoch einen Hintergedanken bei seinem Umzug: Er besitzt Schwarzgeld in der Schweiz, an das er im Rahmen eines WG-Ausflugs herankommen will ...

Arte, 20.15 Uhr: "Immer wenn das Licht ausgeht" (1957)

Späte Free-TV-Premiere von Julien Duviviers ("Don Camillo und Peppone") Adaption des Romans "Ein feines Haus" von Émile Zola. Darin kommt der junge und gutaussehende Zyniker Octave (Gérard Philipe, "Fanfan, der Husar") nach Paris, wo er sämtliche Schönheiten der Stadt erobern will. Vor allem die verwitwete Ladenbesitzerin Caroline (Danielle Darrieux, "Madame de ...") hat es ihm angetan, bei der eine Arbeitsstelle findet.

ZDF, 22.15 Uhr: "Breaking Surface - Tödliche Tiefen" (2020)

Free-TV-Premiere des norwegischen Katastrophenfilms, in dem zwei Halbschwestern (Moa Gammel aus der TV-Serie "Jordskott" und Madeleine Martin aus "Easy Money 2") kurz nach Weihnachten ihren jährlichen Tauchurlaub in Nordnorwegen antreten. Diesmal ergibt sich aber eine lebensbedrohliche Situation, als eine von ihnen 30 Meter unter der Meeresoberfläche unter einem Fels eingeklemmt wird ...

Mittwoch, 5. Januar 2022

LUCA (2021)

Regie: Enrico Casarosa, Drehbuch: Jesse Andrews und Mike Jones, Musik: Dan Romer
Sprecher der Originalfassung: Jacob Tremblay, Jack Dylan Grazer, Emma Berman, Saverio Raimondo, Maya Rudolph, Jim Gaffigan, Marco Barricelli, Saverio Raimondo, Lorenzo Crisci, Peter Sohn, Sandy Martin, Giacomo Gianniotti, Sacha Baron Cohen
Luca
(2021) on IMDb Rotten Tomatoes: 91% (7,3); weltweites Einspielergebnis: $49,8 Mio.
FSK: 0, Dauer: 96 Minuten.
Die italienische Riviera Ende der 1950er Jahre: In der Nähe der Küste der Kleinstadt Portorosso leben auf dem Meeresboden weitgehend unbehelligt von den Menschen intelligente humanoide Wesen, die sich, sobald nicht von Wasser berührt werden, in Menschen verwandeln (respektive zumindest wie Menschen aussehen). Eines dieser Seemonster – wie sie bei den Menschen genannt werden, für die sie aber mehr Legende als Realität sind – ist der etwa 12-jährige Luca (Sprecher in der Originalfassung: Jacob Tremblay, "Raum"), der fasziniert ist von den immer wieder von Booten herabfallenden Gegenständen aus der Menschenwelt. Seinen Eltern Daniela (Maya Rudolph, "Ganz weit hinten") und Lorenzo (Comedian Jim Gaffigan), die sehr besorgt um Lucas Sicherheit sind, gefällt das überhaupt nicht, und so wollen sie ihn deshalb zu seinem in der Tiefsee lebenden Onkel Ugo (Sacha Baron Cohen, "The Trial of the Chicago 7") schicken. Als Luca dem etwas älteren Artgenossen Alberto (Jack Dylan Grazer, "Es") begegnet, der Luca kurzerhand mit an Land nimmt und zu einem verfallenen Turm bringt, in dem er in Abwesenheit seines Vaters lebt, beschließt Luca, an Land zu bleiben. In Portorosso treffen Luca und Alberto das ungefähr gleichaltrige lebhafte Menschen-Mädchen Giulia (Emma Berman), das unbedingt einen lokalen Wettkampf gewinnen will, der aus Schwimmen, Essen und Radfahren besteht. Die drei freunden sich an, Luca und Alberto finden bei Giulia und ihrem grobschlächtigen und wortkargen, jedoch gutherzigen Vater Massimo (Marco Barricelli) Unterschlupf und gemeinsam will das Trio den Wettkampf gewinnen, dessen erster Preis eine nagelneue, von Luca und Alberto heiß begehrte Vespa ist – muß sich dabei allerdings gegen den fiesen, ein paar Jahre älteren Titelverteidiger Ercole (Saverio Raimondo) und seine zwei Helfershelfer behaupten. Und bei alledem müssen die beiden Seemonster stets darauf achten, niemals naß zu werden und somit ihre wahre Identität zu verraten …

Montag, 3. Januar 2022

TV-Tips für die Woche 1/2022

Früher als erwartet bin ich mit TV-Tips zurück, da es in der ersten Woche des Jahres überraschend viele interessante Filme im Programm gibt:

Montag, 3. Januar:

Arte, 20.15 Uhr und 23.00 Uhr: "Laissez-passer - Der Passierschein" (2002) und "Die Teufelshand" (1942)

Free-TV-Premiere des bei der Berlinale zweifach prämierten, auf wahren Geschehnissen basierenden historischen Dramas "Der Passierschein" von Bertrand Tavernier ("Der Saustall") über zwei französische Filmschaffende, die 1942 sehr unterschiedlich mit den Folgen der Besetzung ihres Heimatlandes durch die Nazis umgehen: Während Jean Devaivre (Jacques Gamblin, "Der Name der Leute") als Regieassistent für eine deutsche Produktionsfirma arbeitet und gleichzeitig in der Résistance gegen die Nazis kämpft und spioniert, versucht der Drehbuch-Autor und Frauenheld Jean Aurenche (Denis Podalydès, "Das Geheimnis des gelben Zimmers"), dem Nazi-Zugriff u.a. durch häufige Umzüge zu entgehen, da er keinesfalls für sie arbeiten möchte - aber natürlich hat er auf diese Weise auch kein Einkommen ... Direkt im Anschluß zeigt Arte ebenfalls als (sehr späte) Free-TV-Premiere Maurice Tourneurs ("Der letzte Mohikaner") hochgelobtes Horrordrama "Die Teufelshand", bei dem Devaivre sein Regieassistent war und dessen Produktion daher in "Der Passierschein" eine große Rolle spielt. Darin spielt Pierre Fresnay ("Der Rabe") den erfolglosen Maler Roland, der seine Seele unwissentlich an den Teufel verkauft und verzweifelt versucht, den Handel rückgängig zu machen ...

SAT. 1, 20.15 Uhr: "Kalte Füße" (2018)

Free-TV-Premiere der für einen Österreichischen Filmpreis nominierten deutsch-österreichischen Komödie über den jungen Kleinkriminellen Denis (Emilio Sakraya), der in die abgelegene Villa des reichen Raimund (Heiner Lauterbach) einbricht und erwischt wird. Zu seinem Glück wird er aber für den neuen Pfleger des von einem Schlaganfall schwer gezeichneten Raimund gehalten und nutzt die Gelegenheit, um der sicheren Verhaftung zu entgehen. Bevor er wieder abhauen kann, kommt ein Schneesturm auf, der alle Anwesenden - darunter Raimunds Enkelin (Sonja Gerhardt) - in der Villa festsetzt. Das ist ungünstig für Denis, denn Raimund hat ihn trotz seines Schlaganfalls schnell durchschaut ...

Außerdem:

Daybreakers (mittelmäßiger Vampirfilm mit originellen Ansätzen und guter Besetzung inklusive Ethan Hawke und Willem Dafoe; 22.05 Uhr bei Tele 5)

Donnerstag, 30. Dezember 2021

DON'T LOOK UP (2021)

Regie und Drehbuch: Adam McKay, Musik: Nicholas Britell
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett, Mark Rylance, Rob Morgan, Jonah Hill, Timothée Chalamet, Melanie Lynskey, Ariana Grande, Scott Mescudi, Tyler Perry, Ron Perlman, Paul Guilfoyle, Himesh Patel, Robert Joy, Tomer Sisley, Michael Chiklis, Liev Schreiber (Stimme), Sarah Silverman, Chris Evans
Don't Look Up (2021) on IMDb Rotten Tomatoes: 55% (6,2); weltweites Einspielergebnis: $0,8 Mio.
FSK: 12, Dauer: 142 Minuten.
Als die Astronomie-Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence, "Red Sparrow") einen neuen Kometen entdeckt, ist die Freude bei ihr und ihrem Chef Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio, "The Revenant") zunächst groß – bis ihre Berechnungen ergeben, daß der fast zehn Kilometer große Komet in etwas mehr als sechs Monaten auf der Erde einschlagen und voraussichtlich alles Leben vernichten wird! Natürlich schlagen Kate und Dr. Mindy sofort Alarm und nachdem die Entdeckung von einigen Kollegen bestätigt wird, wollen die skandalgeplagte US-Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep, "Die Verlegerin") und der visionäre, exzentrische IT-Unternehmer Peter Isherwell (Mark Rylance, "Bridge of Spies") den Kometen mit Atombomben von seinem Kurs ablenken. Die vielversprechende Mission wird jedoch in letzter Minute abgebrochen, als Isherwood entdeckt, daß der Komet aus wertvollen "Seltenen Erden" und anderen Mineralien besteht. Daraufhin plant Isherwell gegen den vehementen Widerstand von Dr. Mindy, Kate, dem zuständigen NASA-Experten Dr. Teddy Oglethorpe (Rob Morgan, "The Last Black Man in San Francisco") und der meisten wissenschaftlichen Experten, den Kometen in einer hochriskanten Aktion in viele kleine Teile zu sprengen, die daraufhin vergleichsweise ungefährlich auf der Erde aufkommen sollten und weiterverwertet werden könnten. Die Gefährlichkeit des Plans wird von der Präsidentin und ihren Gefolgsleuten in Politik und Medien systematisch heruntergespielt, um die Bevölkerung ruhig zu halten, während Dr. Mindy, Kate und andere verzweifelt versuchen, noch zu retten, was zu retten ist ...

Dienstag, 28. Dezember 2021

BLACK WIDOW (2021)

Regie: Cate Shortland, Drehbuch: Eric Pearson, Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Scarlett Johansson, Florence Pugh, David Harbour, Rachel Weisz, Ray Winstone, William Hurt, O-T Fagbenle, Olga Kurylenko, Ever Anderson, Violet McGraw, Jade Xu, Michelle Lee, Olivier Richters, Julia Louis-Dreyfus, Jeremy Renner (Stimme)
Black Widow (2021) on IMDb Rotten Tomatoes: 79% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $379,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 134 Minuten.
Ohio, 1995: Die gerade am Anfang ihrer Pubertät stehende Natasha (Ever Anderson, „Resident Evil: The Final Chapter“) führt mit ihrer kleinen Schwester Yelena (Violet McGraw) und ihren Eltern Melina (Rachel Weisz, „Das Bourne Vermächtnis“) und Alexei (David Harbour, „Zeiten des Aufruhrs“) ein glückliches Kleinstadtleben – zumindest vorgeblich. In Wirklichkeit sind die Wissenschaftlerin Melina und der einzige russische Supersoldat Alexei alias „Red Guardian“ Schläfer-Agenten des ehrgeizigen Generals Dreykov (Ray Winstone, „Noah“), die von kleinauf als Killerin ausgebildete Natasha und Yelena sind ihren echten Eltern geraubte Kinder – wobei einzig die 6-jährige Yelena nichts davon weiß. Umso erschütternder ist es, als Alexei auffliegt und die Scheinfamilie überhastet und verfolgt von S.H.I.E.L.D.-Agenten nach Kuba fliehen muß, wo Dreykov sie trennt und fortan für andere Zwecke verwendet. 21 Jahre später ist Natasha Romanoff (Scarlett Johannson, „Marriage Story“) längst aus Dreykovs „Obhut“ ausgebrochen und in den Westen übergelaufen, wo sie als Black Widow zur bewunderten Superheldin und ersten weiblichen Avenger wurde. Doch dann haben die dramatischen Ereignisse aus „The First Avenger: Civil War“ die Avengers gespalten und Black Widow befindet sich auf der Flucht vor General Ross (William Hurt, „Robin Hood“). Als sie den General und seine Leute abgeschüttelt hat, wird Natasha sehr schnell von ihrer Vergangenheit eingeholt, denn ihre Schein-Schwester Yelena (Florence Pugh, „Little Women“) hat ihr ein geheimnisvolles Päckchen geschickt, hinter dem ebenfalls der furchteinflößende maskierte "Taskmaster" her ist. Es stellt sich heraus, daß Dreykov hinter der Sache steckt und um an ihn heranzukommen, müssen Natasha und Yelena sich mit ihren Fake-Eltern vereinen …

Donnerstag, 23. Dezember 2021

OSCAR-News: "Ich bin dein Mensch" übersteht die erste Hürde beim Auslands-OSCAR + weitere Shortlists

Am Dienstag hat die Academy Shortlists für zehn OSCAR-Kategorien bekanntgegeben. Auf einige Kategorien will ich hier eingehen, allen voran "Bester Internationaler Film", wo der deutsche Beitrag "Ich bin dein Mensch" erfreulicherweise die erste Vorauswahl überstanden hat und mit nun noch 14 weiteren Filmen aus aller Welt um die fünf Nominierungsplätze in der Kategorie wetteifert. Mit dabei sind noch:

- "Große Freiheit", Österreich
- "Playground", Belgien
- "Lunana: A Yak in the Classrom", Bhutan
- "Flee", Dänemark
- "Compartment No. 6", Finnland
- "Ich bin dein Mensch", Deutschland
- "Lamb", Island
- "A Hero", Iran
- "Die Hand Gottes", Italien
- "Drive My Car", Japan
- "Hive", Kosovo
- "Prayers for the Stolen", Mexiko
- "The Worst Person in the World", Norwegen
- "Plaza Catedral", Panama
- "The Good Boss", Spanien

Mit dem französischen Cannes-Gewinner "Titane" ist nur einer der Mitfavoriten bereits an dieser ersten Hürde gescheitert, wobei das zwar schon überraschend ist, angesichts der hochgradig polarisierenden Art des drastischen Horror-Musicals aber nicht wirklich eine Sensation. Für Maria Schraders "Ich bin dein Mensch" ist das frühe Ausscheiden von "Titane" definitiv eine gute Nachricht, dennoch wird es sehr schwierig, einen Platz unter den finalen fünf Filmen zu erreichen - meist kommen dramatische Filme bei den Juroren besser an und "Ich bin dein Mensch" ist im Vergleich zu vielen Konkurrenten doch eher locker-leicht geraten (und wohl auch deshalb bei den bisherigen prestigeträchtigen Preisverleihungen bzw. Nominierungen von den AFI Awards bis hin zu den Golden Globes leer ausgegangen). Überraschungen sind in dieser Kategorie keine Seltenheit, trotzdem sollten "A Hero" von OSCAR-Gewinner Asghar Farhadi, die hochgelobte dreistündige Haruki Murakami-Adaption "Drive My Car" von Ryusuke Hamaguchi und der animierte Dokumentarfilm "Flee" (der auch auf der Doku-Shortlist steht) von Jonas Poher Rasmussen gesetzt sein. Erste Anwärter auf die beiden verbleibenden Plätze sind die Golden Globe-Nominees "Compartment No. 6" (eine deutsche Koproduktion) und "Die Hand Gottes" sowie die beiden nordischen Vertreter "Lamb" und "The Worst Person in the World". Man sieht: Das wird eng für "Ich bin dein Mensch" oder auch für Österreichs Vetreter "Große Freiheit" von Sebastian Meise (noch eine deutsche Koproduktion).
 
Eine weitere spannende Kategorie, gerade aus deutscher Sicht, ist die Filmmusik. Hier sind noch im Rennen:
- Daniel Pemberton, "Being the Ricardos"
- Robert Aiki Aubrey Lowe, "Candyman"
- Nicholas Britell, "Don't Look Up"
- Hans Zimmer, "Dune"
- Germaine Franco, "Encanto"
- Alexandre Desplat, "The French Dispatch"
- Daniel Hart, "The Green Knight"
- Jeymes Samuel, "The Harder They Fall"
- Kris Bowers, "King Richard"
- Harry Gregson-Williams, "The Last Duel"
- Hans Zimmer, "Keine Zeit zu sterben"
- Alberto Iglesias, "Parallele Mütter"
- Jonny Greenwood, "The Power of the Dog"
- Jonny Greenwood, "Spencer"
- Carter Burwell, "The Tragedy of Macbeth"

Auch dies ist eine Kategorie, in der es gerne mal Überraschungen gibt, dennoch scheinen drei Männer ihre Nominierung ziemlich sicher zu haben: Hans Zimmer für "Dune", Alberto Iglesias für "Parallele Mütter" und Jonny Greenwood für "The Power of the Dog". Gute Chancen auf die beiden übrigen Plätze haben neben den Golden Globe-Nominees Alexandre Desplat und Germaine Franco auch Kris Bowers und Carter Burwell - ich persönlich drücke zudem Daniel Hart die Daumen, seine Nominierung käme aber leider eher unerwartet.

Und schließlich noch zu den visuellen Effekten, logischerweise der Kategorie, in der normalerweise die meisten Hollywood-Großproduktionen auftauchen:
- Black Widow
- Eternals
- Free Guy
- Ghostbusters: Afterlife
- Godzilla vs. Kong
- The Matrix Resurrections
- Keine Zeit zu sterben
- Spider-Man: No Way Home

Die Favoriten sind eigentlich alle noch dabei, die besten Aussichten sollten "Dune", "Matrix Resurrections", "Eternals" und "Spider-Man" haben. Für den fünften Platz könnte ich mir sowohl "Godzilla vs. Kong" als auch "Free Guy" vorstellen, "Keine Zeit zu sterben" und "Shang-Chi" sind ebenfalls nicht chancenlos. "Black Widow" und "Ghostbusters" halte ich für Außenseiter.

Alle zehn Shortlists kann man in der offiziellen Pressemitteilung der Academy auf ihrer Homepage nachlesen.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

ICH BIN DEIN MENSCH (2021)

Regie: Maria Schrader, Drehbuch: Jan Schomburg und Maria Schrader, Musik: Tobias Wagner
Darsteller: Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Wolfgang Hübsch, Hans Löw, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Marlene-Sophie Haagen, Henriette Richter-Röhl
Ich bin dein Mensch (2021) on IMDb Rotten Tomatoes: 96% (7,7); weltweites Einspielergebnis: $0,5 Mio.
FSK: 12, Dauer: 108 Minuten.
Dr. Alma Felser (Maren Eggert, "Die Unsichtbaren") ist eine etwas spröde Wissenschaftlerin, die im Berlin der nahen Zukunft eher widerwillig der Teilnahme an einer Studie zustimmt, um im Gegenzug mehr Forschungsgelder für ihr eigenes Projekt zu erhalten. Im Rahmen der Studie soll Alma drei Wochen lang den humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens, "The Guest") auf Herz und Nieren testen, der ganz auf sie zugeschnitten und als ihr perfekter Partner konzipiert ist. Alma hält das Ganze für Mumpitz und behandelt Tom wie eine Maschine, zumal der Roboter zunächst etliche Fehler macht, da seine Künstliche Intelligenz ja erst lernen muß, was genau Alma mag und was nicht. Trotzdem kann die Wissenschaftlerin eine gewisse Faszination für den gutaussehenden und immer freundlichen Tom mit seinem leichten britischen Akzent nicht verhehlen. Nach und nach gewöhnt Alma sich an Toms durchaus angenehme Gesellschaft und nimmt ihn auch zur Arbeit oder zu einer Party mit, wo er – ohne daß die Anwesenden merken würden, daß er kein Mensch ist – sehr gut ankommt. Alma, die noch unter ihrer Trennung von Julian (Hans Löw, "Hedi Schneider steckt fest") leidet, beginnt sich zu fragen, wie es wäre und welche konkreten Folgen es hätte, mit einem humanoiden Roboter zusammenzuleben ...