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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Sonntag, 8. Dezember 2019

OSCAR-News-Roundup: American Film Institute, Europäischer Filmpreis, Spezialeffekt-Vorauswahl

Ehe morgen mit der Bekanntgabe der Nominierungen für die Golden Globes bereits ein erster Höhepunkt der Awards Season 2019/2020 ansteht, möchte ich kurz auf wichtige Ereignisse der vergangenen Tage eingehen.

Das renommierte American Film Institute (AFI) hat seine (nur alphabetisch sortierte) Liste der zehn besten Filme des Jahres 2019 veröffentlicht:

- 1917
- The Farewell
- The Irishman
- Jojo Rabbit
- Joker
- Knives Out - Mord ist Familiensache
- Little Women
- Marriage Story
- Der Fall Richard Jewell

Die Liste weist einige Ähnlichkeiten mit der wenige Tage zuvor vom National Board of Review (NBR) bekanntgegebenen Top 11 ("Bester Film" + zehn weitere Werke), ist allerdings etwas mainstreamlastiger geraten. Im direkten Vergleich haben es beim AFI "Le Mans 66", "Uncut Gems", "Waves" und "Dolemite is My Name" nicht in die Top 10 geschafft, bis auf "Le Mans 66" (bei dem ich bereits meine OSCAR-Skepsis geäußert hatte) also allesamt eher "kleine" Produktionen. Beim NBR fehlten hingegen der Mega-Blockbuster "Joker", der Indie-Film "The Farewell" (der dort aber in den Indie-Top 10 genannt wurde) und Greta Gerwigs Literaturadaption "Little Women". Am besten sieht es aktuell für Sam Mendes' Erster Weltkriegs-Drama "1917", Martin Scorseses Gangsterepos "The Irishman" (Gewinner beim NBR und auch bei den New Yorker Filmkritikern), Taika Waititis respektlose Zweiter Weltkriegs-Satire "Jojo Rabbit", Rian Johnsons vergnügliches Whodunit "Knives Out", Noah Baumbachs Netflix-Scheidungsdrama "Marriage Story", Tarantinos "Once Upon a Time ..." und Clint Eastwoods "Der Fall Richard Jewell" aus, die sowohl beim NBR als auch beim AFI in den Top 10 geführt werden - man sieht schon, lauter große Namen hinter der Kamera. Einige Verlierer gibt es natürlich auch: Neben anderen gingen Dexter Fletchers Elton John-Biopic "Rocketman", Jay Roachs "Bombshell - Das Ende des Schweigens" (über sexuelle Belästigung beim rechten TV-Sender Fox News), Marielle Hellers Feelgood-Movie "Der wunderbare Mr. Rogers" mit Tom Hanks als Kinder-TV-Legende, Marvels "Avengers: Endgame" und Robert Eggers' kunstvolles Schwarzweiß-Drama "Der Leuchtturm" bei AFI und NBR leer aus - umso wichtiger wäre es für sie, morgen bei den Golden Globes gut abzuschneiden.

Alle Gewinner der AFI Awards kann man auf der AFI-Homepage nachlesen.

Samstag, 7. Dezember 2019

Samstags-Update (49/2019)

Keine Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Dezember:


Box Office-News:
Auch an seinem dritten Wochenende bleibt "Die Eiskönigin II" unangefochten an der Spitze der deutschen Kinocharts mit mindestens 600.000 Zuschauern - insgesamt wurde inzwischen die Marke von drei Millionen Zuschauern geknackt, womit es eine erste Goldene Leinwand für den Disney-Hit gibt (eine zweite für sechs Millionen wird mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit folgen). Auf den weiteren Plätzen gibt es mangels attraktiver Neustarts auch wenig Bewegung und so bleiben "Das perfekte Geheimnis" mit über 150.000 Besuchern und "Last Christmas" mit etwa der Hälfte auf dem Silber- und Bronzerang. Bester Neustart ist der türkische "Mucize 2", der mit 20.000-30.000 Zuschauern auf Rang 6 oder 7 landen sollte. Noch unter der 20.000 Kinogänger-Marke bleiben voraussichtlich Woody Allens "A Rainy Day in New York" und die französische Tragikomödie "Alles außer gewöhnlich".
In den USA ist am Wochenende nach Thanksgiving traditionell wenig los in den Kinos, speziell was die Neustarts betrifft. Daher bleibt auch hier "Die Eiskönigin II" mit $40 Mio. mit weitem Abstand an der Spitze. Platz 2 belegt "Knives Out" mit $15 Mio., für den dritten Rang reichen "Le Mans 66" ungefähr $7 Mio. an seinem vierten Wochenende. Als bester Neustart sollte Todd Haynes' Drama "Dark Waters" mit Mark Ruffalo und Anne Hathaway mit $4 Mio. auf Platz 6 kommen, während der bereits im Rest der Welt schwach gelaufene Animationsfilm "Playmobil - Der Film" mit ca. $1 Mio. einen der schwächsten US-Starts aller Zeiten (in mindestens 2000 Kinos) hinlegt ... In Deutschland hat "Dark Waters" noch keinen Starttermin.

Quellen:

Donnerstag, 5. Dezember 2019

OFFICIAL SECRETS (2019)

Regie: Gavin Hood, Drehbuch: Gregory Bernstein, Sara Bernstein und Gavin Hood, Musik: Paul Hepker und Mark Kilian
Darsteller: Keira Knightley, Matt Smith, Ralph Fiennes, Adam Bakri, Matthew Goode, Jeremy Northam, Rhys Ifans, Conleth Hill, Indira Varma, MyAnna Buring, Tamsin Greig, Jack Farthing, Hattie Morahan, Ray Panthaki, Angus Wright, Niccy Lin, Martin Bright
 Official Secrets (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 83% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $6,6 Mio.
FSK: 6, Dauer: 112

Katharine Gun (Keira Knightley, "Niemandsland") arbeitet seit wenigen Jahren als Chinesisch-Übersetzerin beim britischen Geheimdienst GCHQ (der anders als die bekannteren MI5 und MI6 primär durch das Abhören von Kommunikation auf elektronischem Wege an Informationen gelangt) und nimmt ihre Arbeit sehr ernst. Doch im Januar 2003 erhält sie ein streng geheimes Memo vom US-amerikanischen Geheimdienst NSA, der sie und ihre GCHQ-Kollegen auffordert, Material zu sammeln, das sich gegen einige nicht-ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats wie Bulgarien, Kamerun oder Pakistan verwenden läßt. Ziel des Vorhabens: Die völkerrechtliche Legitimierung des geplanten, international sehr umstrittenen US-amerikanischen und britischen Angriffs auf den irakischen Diktator Saddam Hussein. Nicht nur Katharine ist empört über das von ihren Vorgesetzten abgenickte Ansinnen, doch sie entschließt sich nach einigem Zögern dazu, auch tatsächlich etwas zu tun. Katharine übergibt einen Ausdruck des Memos an eine befreundete Anti-Kriegs-Aktivistin, die es an interessierte Journalisten weiterleiten soll. Längere Zeit tut sich nichts, doch dann veröffentlicht die eigentlich den drohenden Krieg mit dem Irak unterstützende Zeitung "The Observer" einen Artikel des Journalisten Martin Bright (Matt Smith, "Terminator: Genisys") über das skandalträchtige Memo. Der Wirbel ist groß, doch in den Krieg ziehen USA und Großbritannien trotzdem – nun ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats. Whistleblowerin Katharine soll derweil wegen ihres Verstoßes gegen den "Official Secrets Act" angeklagt werden. Der renommierte Menschenrechts-Anwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes, "Hail, Caesar!") will Katharine pro bono verteidigen, obwohl die Erfolgsaussichten gering sind …

Mittwoch, 4. Dezember 2019

OSCAR-News: Netflix dominiert den Auftakt der Awards Season 2019/2020

Wieder einmal ist es Zeit für eine neue Awards Season - ein paar Vorläufer gab es ja schon, aber mit der Vergabe der Gotham Awards und vor allem der Bekanntgabe der Gewinner beim altehrwürdigen National Board of Review geht die OSCAR-Saison endgültig in die heiße Phase über. Natürlich sind die ersten Preisvergaben noch kein Garant dafür, daß es bei den Academy Awards im Februar wirklich ähnlich ablaufen wird, doch sie sind ein wichtiger Wegweiser, der Momentum erzeugen oder auch abwürgen kann. Und nachdem die Abneigung der Academy-Mitglieder gegen die (nicht mehr ganz so) neuen Streaming-Dienste schon in den letzten ein, zwei Jahren deutlich nachließ - was sich vor allem anhand der drei OSCARs für "Roma" bei der letzten Verleihung zeigte -, dürfte es bei den für den 9. Februar 2020 angesetzten Academy Awards besonders schwierig sein, Netflix zu ignorieren. Denn nicht nur gingen die zwei ersten wichtigen Hauptpreise der Awards Season an Netflix ... sie gingen gar an zwei unterschiedliche Netflix-Produktionen!

Beginnen wir mit den bedeutendsten Gewinnern der vom National Board of Review seit 1920 vergebenen NBR Awards - letztes Jahr wurde hier "Green Book" als bester Film ausgezeichnet, der dann auch den entsprechenden OSCAR gewann (das war aber die erste Übereinstimmung beider Gewinner seit 2009):

Bester Film: The Irishman
Regie: Quentin Tarantino, "Once Upon a Time in ... Hollywood"
Schauspieler: Adam Sandler, "Uncut Gems"
Schauspielerin: Renée Zellweger, "Judy"
Nebendarsteller: Brad Pitt, "Once Upon a Time in ... Hollywood"
Nebendarstellerin: Kathy Bates, "Richard Jewell"
Original-Drehbuch: Josh und Benny Safdie sowie Ronald Bronstein, "Uncut Gems"
Adaptiertes Drehbuch: Steven Zaillian, "The Irishman"
Animationsfilm: Drachenzähmen leicht gemacht 3
Nicht-englischsprachiger Film: "Parasite", Südkorea
Dokumentarfilm: Maiden

Letztes Jahr wurden mit einer einzigen Ausnahme ("A Star Is Born"-Regisseur Bradley Cooper) alle NBR-Gewinner in diesen Kategorien später auch für den OSCAR nominiert, der gestrige Triumph ist also für alle Geehrten eine sehr gute und vielversprechende Nachricht. Bei Martin Scorseses Netflix-Gangsterepos "The Irishman" ist das wie bei "Once Upon a Time ...", "Judy" oder auch Clint Eastwoods "Richard Jewell" keine Überraschung, aber natürlich trotzdem eine gute Bestätigung ihrer Chancen. Am wichtigsten dürfte der Sieg für "Uncut Gems" und hier vor allem für Hauptdarsteller Adam Sandler sein, dem vermutlich nicht viele zugetraut hätten, mal für einen OSCAR nominiert zu werden. Doch nach den ersten Festivalvorführungen der Gauner-Tragikomödie "Uncut Gems" war klar, daß Sandler tatsächlich eine Chance hat, nach diesem Sieg hat er sogar eine einigermaßen gute Chance auf seine erste OSCAR-Nominierung. Es wäre generell wenig verwunderlich, würden auch diesmal alle oder fast alle NBR-Gewinner mit einer OSCAR-Nominierung bedacht werden. Persönlich freut mich am meisten der Preis für Brad Pitt, den ich in "Once Upon a Time ..." in der Tat herausragend gut fand. Oh, und den Sieg von "Drachenzähmen leicht gemacht 3" kann man durchaus als Überraschung werten, hatten hier doch die meisten Analysten Pixars "Toy Story 4" als Gewinner auf der Rechnung.

Dienstag, 3. Dezember 2019

DOCTOR SLEEPS ERWACHEN (2019)

Originaltitel: Doctor Sleep
Regie und Drehbuch: Mike Flanagan, Musik: The Newton Brothers
Darsteller: Ewan McGregor, Kyliegh Curran, Rebecca Ferguson, Cliff Curtis, Zahn McClarnon, Emily Alyn Lind, Carel Struycken, Robert Longstreet, Catherine Parker, Selena Anduze, James Flanagan, Carl Lumbly, Alex Essoe, Met Clark, Bruce Greenwood, Zackary Momoh, Jocelin Donahue, Jacob Tremblay, Henry Thomas, Molly C. Quinn, Danny Lloyd
 Doctor Sleeps Erwachen
(2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 76% (7,0); weltweites Einspielergebnis: $67,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 152 Minuten.

Gut 30 Jahre, nachdem er im zugeschneiten und von bösen Geistern heimgesuchten Overlook Hotel seinen Vater Jack verloren hat, ist Dan Torrance (Ewan McGregor, "Jack and the Giants") ein körperliches und seelisches Wrack. Noch immer traumatisiert von den Geschehnissen und unfähig, mit seiner seherischen Gabe – dem "Shining" – vernünftig umzugehen, flüchtet er sich in Alkohol und bedeutungslosen Sex. Doch eines Morgens beschließt er, daß es höchste Zeit für einen Neuanfang ist. Dan fährt mit dem Bus zu einer kleinen, friedlichen Ortschaft in New Hampshire, wo er sogleich auf den hilfsbereiten Billy Freeman (Cliff Curtis, "Whale Rider") trifft, der sein Sponsor bei den Anonymen Alkoholikern wird und ihm zu einer Wohnung und einem Job verhilft – und als Krankenpfleger in einem Hospiz kann Dan sogar das "Shining" sinnvoll und zum Wohle der Menschen einsetzen. Acht Jahre später wird Dans nun ziemlich idyllisches Leben abrupt gestört, als er einen mentalen Hilferuf der Jugendlichen Abra (Kyliegh Curran) erhält, welche über die gleiche Gabe verfügt wie er wobei sie bei ihr womöglich sogar noch stärker ausgeprägt ist. So hat sie gedanklich miterleben müssen, wie der Junge Bradley (Jacob Tremblay aus "Raum") von einer von der charismatischen Rose (Rebecca Ferguson, "Mission: Impossible Fallout") angeführten Gruppe namens "Wahrer Knoten" entführt und getötet wird, die sich am "Shining" entsprechend begabter Personen nährt (wobei sie es "Steam" nennen) und damit ihre Lebensspanne enorm erweitern kann. Nur mit vereinten Kräften können Dan und Abra den "Wahren Knoten" möglicherweise stoppen …

Montag, 2. Dezember 2019

TV-Tips für die Woche 49/2019

Montag, 2. Dezember:
Arte, 20.15 Uhr: "Flucht in Ketten" (1958)
In Stanley Kramers ("Das Urteil von Nürnberg") antirassistischem Filmklassiker spielen Sidney Poitier und der junge Tony Curtis zwei Häftlinge, denen während eines Gefangenentransports in den Südstaaten die Flucht gelingt. Da sie mit Handschellen aneinandergesselt sind, müssen sie wohl oder übel zusammenarbeiten, um nicht gleich wieder eingefangen zu werden - doch das ist nicht so einfach, da der Afroamerikaner Noah sich arg großspurig verhält, während John mit rassistischen Vorurteilen aufgezogen wurde ...

Disney Channel, 20.15 Uhr: "Eine Weihnacht" (1994)
Der TV-Film nach einer Kurzgeschichte von Truman Capote war der letzte Schauspiel-Auftritt der 87-jährigen Filmlegende Katherine Hepburn ("Die Nacht vor der Hochzeit"), die für ihre Rolle sogar für den SAG Award nominiert wurde. Der in den 1930er Jahren spielende Familienfilm schildert, wie sich der 10 Jahre alte Buddy und sein Vater (Henry Winkler) - ein Kleinkrimineller, den er bisher nie getroffen hat - über Weihnachten näherkommen.

Außerdem:
Dallas Buyers Club (mit drei OSCARs prämiertes, trotz der ernsten Thematik unterhaltsames AIDS-Drama mit Matthew McConaughey und Jared Leto; 23.10 Uhr bei One)

Dienstag, 3. Dezember:
Kabel Eins, 20.15 Uhr: "Während du schliefst" (1995)
Siehe meinen TV-Tip von Dezember 2015 zur romantischen Komödie mit Sandra Bullock.

ZDF, 0.50 Uhr: "Milk" (2008)
Gus van Sants Biopic des Bürgerrechtlers Harvey Milk (Sean Penn), der in den 1970er Jahren der erste offen schwule US-Politiker wurde, erhielt acht OSCAR-Nominierungen - am Ende gab es zwei Goldjungen: für Penn und für das Drehbuch.

Außerdem:
Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter (ein generischer Fantasyfilm mit guter Besetzung, aber schwacher Handlung - weshalb die geplante Fortsetzung nie realisiert wurde; 20.15 Uhr bei Nitro)

Samstag, 30. November 2019

Samstags-Update (48/2019)

Keine nennenswerten Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Dezember:


Box Office-News:
Wenig überraschend bleibt "Die Eiskönigin II" mit weitem Abstand an der Spitze der deutschen Kinocharts, mit etwa 900.000 Zuschauern könnte es sogar das beste zweite Wochenende des Jahres werden (bisher: "Avengers: Endgame" mit gut 870.000). Auf dem zweiten Platz hält sich "Das perfekte Geheimnis" mit ca. 250.000 Besuchern weiter stark, dahinter sieht es mangels hochkarätiger Neustarts jedoch recht mager aus. Für Platz 3 sollten "Last Christmas" weniger als 100.000 Kinogänger reichen, während Überraschungs-OSCAR-Kandidatin Jennifer Lopez mit ihrer Gaunerkomödie "Hustlers" und bis zu 80.000 Zuschauern aller Voraussicht nach den vierten Rang erobert. Die französische Tragikomödie "Die schönste Zeit unseres Lebens" und der wendungsreiche Thriller "The Good Liar" mit Helen Mirren und Ian McKellen können das Arthouse-Publikum derweil nur bedingt überzeugen und sollten mit jeweils weniger als 20.000 Besuchern außerhalb der Top 10 eröffnen.
In den USA herrscht das lange Thanksgiving-Wochenende, das die Amis traditionell gerne zum Kinobesuch nutzen - und dieses Jahr scheint sie das Programm besonders zu überzeugen, die Zahlen fallen jedenfalls noch besser als erwartet aus (wenn auch etwas niedriger als letztes Jahr). "Die Eiskönigin II" bleibt natürlich auch in Nordamerika deutlich in Führung, am normalen Wochenende sieht es nach $90 Mio. aus, am 5-Tage-Wochenende sollten die $130 Mio. des Startwochenendes wiederholt, vielleicht gar übertroffen werden. Deutlich über den Erwartungen startet sicherlich auch dank überragender Kritiken Rian Johnsons hochkarätig besetztes Krimi-Verwirrspiel "Knives Out", das auf $30 Mio. an drei Tagen und bis zu $45 Mio. an fünf Tagen abzielt. "Der wunderbare Mr. Rogers" mit Tom Hanks steigert sich am normalen Wochenende sogar leicht auf $15 Mio. und streitet daher mit "Le Mans 66" um die Plätze 3 und 4. Neu auf dem fünften Rang ist mit gut $10 Mio. in nur etwa 1600 Kinos (und damit knapp halb so vielen wie "Knives Out") die afroamerikanische "Bonnie & Clyde"-Variante (auch wenn die Regisseurin den Vergleich nicht mag) "Queen & Slim". In Deutschland kommt "Knives Out" am 2. Januar 2020 in die Kinos, "Queen & Slim" folgt eine Woche darauf am 9. Januar.

Quellen:

Donnerstag, 28. November 2019

GOOD OMENS (2019, TV-Miniserie)

Regie: Douglas Mackinnon, Drehbuch: Neil Gaiman, Musik: David Arnold
Darsteller: David Tennant, Michael Sheen, Frances McDormand (Stimme), Adria Arjona, Jack Whitehall, Sam Taylor Buck, Jon Hamm, Michael McKean, Miranda Richardson, Ned Dennehy, Ariyon Bakare, Anna Maxwell Martin, Doon Mackichan, Paul Chahidi, Gloria Obianyo, Brian Cox (Stimme), Mireille Enos, Yusuf Gatewood, Lourdes Faberes, Simon Merrells, Amma Ris, Alfie Taylor, Ilan Galkoff, Daniel Mays, Sian Brooke, Elizabeth Berrington, Susan Brown, Nina Sosanya, Josie Lawrence, Nick Offerman, Samson Marraccino, Jill Winternitz, Anthony Kaye, Moshidi Motshegwa, Schelaine Bennett, Adam Bond, Paul Kaye, Bill Paterson, Ben Crowe, David Morrissey, Reece Shearsmith, Steve Pemberton, Mark Gatiss, Niamh Walsh, Benedict Cumberbatch (Stimme), Sir Derek Jacobi, Neil Gaiman
 Good Omens (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 83% (7,3); FSK: 12, Dauer: 329 Minuten.
Der Engel Aziraphale (Michael Sheen, "Die Queen") und der Dämon Crowley (David Tennant, "Maria Stuart, Königin von Schottland") teilen ein pikantes Geheimnis: Sie sind ziemlich genau seit eine Woche nach der Schöpfung der Welt so etwas wie Freunde! Aziraphale will das zwar nicht zugeben, da eine Freundschaft zwischen einem "guten" Engel und einem "bösen" Dämon eigentlich undenkbar ist und für beide schwerwiegendste Konsequenzen hätte, würden Himmel oder Hölle davon erfahren – trotzdem treffen sich beide seit Jahrtausenden mit zunehmender Frequenz, gelegentlich teilen sie sich sogar die Arbeit. Daß ihre Freundschaft bislang nicht aufflog, liegt auch daran, daß die allermeisten Engel und Dämonen die Erde und die Menschen nicht leiden können und lieber unter Ihresgleichen bleiben, sodaß Aziraphale und Crowley auf der Erde mehr oder weniger freie Hand haben beim Wunder wirken respektive Zwietracht säen. Im frühen 21. Jahrhundert droht der ziemlich idyllische Status Quo jedoch ein jähes Ende zu finden, denn der Antichrist ist geboren und soll gemäß Prophezeiung Armageddon auslösen, die finale Schlacht zwischen Himmel und Hölle. Aziraphale und Crowley tun alles, um das zu verhindern, was aber durch eine folgenschwere Verwechslung bei der Geburt des Antichristen erschwert wird. Dafür bekommen sie unerwartete Hilfe von der Hexe Anathema (Adria Arjona, "Pacific Rim 2") und dem Nachwuchs-Hexenjäger Newton (Jack Whitehall, "Der Nussknacker und die vier Reiche") …

Dienstag, 26. November 2019

PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN (2019)

Originaltitel: Portrait de la jeune fille en feu
Regie und Drehbuch: Céline Sciamma, Musik: Jean-Baptiste de Laubier und Arthur Simonini
Darsteller: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajrami, Valeria Golino
 Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 98% (9,1); weltweites Einspielergebnis: $2,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 122 Minuten.

Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Als jüngere Tochter einer Adelsfamilie ist Héloїse (Adèle Haenel, "Die Blumen von gestern") im Grunde genommen "überflüssig" und wird deshalb ins Kloster geschickt, um Nonne zu werden. Doch als ihre ältere Schwester unerwartet stirbt, wird Héloїse zurückgeholt, um mit deren Verlobtem – einem wohlhabenden Adeligen aus Mailand, den sie nie getroffen hat – verheiratet zu werden. Bevor der Verlobte zustimmt, will er ein Portrait von Héloїse, die aber wenig Lust auf die Heirat verspürt und sich deshalb standhaft weigert, Modell zu stehen. Nachdem der vorgesehene Maler daher letztlich unverrichteter Dinge seiner Wege zog, engagiert Héloїses Mutter, die Gräfin (Valeria Golino, "Hot Shots!"), die junge Malerin Marianne (Noémie Merlant, "Der Vater meiner besten Freundin"), die sich als Héloїses Gesellschafterin ausgeben, sie bei den täglichen Spaziergängen am Strand der bretonischen Insel genau beobachten und dann abends aus dem Gedächtnis malen soll. Diese List geht auf und als das Portrait fertig ist, reagiert Héloїse gar überraschend gefaßt, obwohl sie Mariannes Blicke als romantisches Interesse fehlinterpretiert hatte. Allerdings macht sie keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung darüber, wie Marianne – die sich an die gängigen Regeln und Konventionen der Portraitmalerei hielt – sie gemalt hat, woraufhin diese die Gräfin in der Tat dazu überredet, ihr einen zweiten Versuch zu gewähren. Während die Gräfin für fünf Tage verreist, macht sich Marianne wieder an die Arbeit und will dieses Mal ein wahrhaftiges Portrait der nun bereitwillig Modell stehenden Héloїse erschaffen. Doch die sich verstärkenden Gefühle der jungen Damen verkomplizieren die Angelegenheit zunehmend …

Montag, 25. November 2019

OSCAR-News: Die Nominierungen zu den Independent Spirit Awards 2019

Obwohl sich die Independent Spirit Awards (der Name verrät es) auf unabhängige Produktionen konzentrieren, haben sie sich in den letzten Jahren oft als guter OSCAR-Wegweiser gezeigt - immerhin spielten die letzten Spirit-"Bester Film"-Gewinner "The Artist", "Silver Linings", "12 Years a Slave", "Birdman", "Spotlight", "Moonlight", "Get Out" und "Beale Street" allesamt eine gute Rolle bei den Academy Awards, einige gewannen sogar die Königskategorie. Auch dieses Jahr sind mindestens zwei Filme unter den fünf "Bester Film"-Nominees, die gute Aussichten bei den OSCARs haben, ein richtiger Abräumer dürfte aber nicht dabei sein:

- Clemency
- The Farewell
- Marriage Story
- Uncut Gems
- Ein verborgenes Leben

Das Todesstrafen-Drama "Clemency" dürfte vergleichsweise geringe Chancen auf eine OSCAR-Nominierung haben, wenngleich die Hauptdarstellerin Alfre Woodard nicht unterschätzt werden darf; Terrence Malicks historisches Kriegsverweigerer-Drama "Ein verborgenes Leben" mit dem deutschen Star August Diehl kam zwar bei Festivals gut an, ich glaube allerdings, daß sich eventuelle OSCAR-Nominierungen eher auf die technischen Kategorien beschränken werden. Bei der stark rezensierten Gaunerkomödie "Uncut Gems" hat Hauptdarsteller Adam Sandler eine realistische Chance auf seine erste OSCAR-Nominierung und vielleicht gibt es für den Film auch noch ein paar mehr (z.B. Drehbuch), aber "Bester Film" halte ich für unwahrscheinlich. Dagegen zählen die Tragikomödie "The Farewell" und besonders Noah Baumbachs Netflix-Scheidungsdrama "Marriage Story" zu den Mitfavoriten bei den Academy Awards - bei beiden kann man von "Best Picture"-Nominierungen ausgehen, kleine Siegchancen rechne ich aber nur "Marriage Story" zu, dessen Stars Scarlett Johansson und Adam Driver zu den Favoriten in den Schauspieler-Kategorien zählen.

Beide wurden bei den Spirit Awards übrigens NICHT nominiert - das erklärt sich aber durch den "Robert Altman Award" für den Cast von "Marriage Story", der Einzelnominierungen verhindert. Von den nominierten Schauspielern haben aller Voraussicht nach Renée Zellweger ("Judy"), Adam Sandler, Robert Pattinson und Willem Dafoe (beide "Der Leuchtturm") und Jennifer Lopez ("Hustlers") gute Aussichten auf eine OSCAR-Nominierung. Bei den internationalen Filmen ging der deutsche OSCAR-Kandidat "Systemsprenger" leer aus.

Alle Nominierungen kann man auf der Homepage der Independent Spirit Awards nachlesen.