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Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

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Donnerstag, 23. Juni 2022

OSCAR-News: Gewinner der Ehren-OSCARs wurden bekanntgegeben

Bis vor ein paar Jahren wurden die Ehren-OSCARs stets während der regulären OSCAR-Verleihung vergeben, inzwischen gibt es dafür eine eigene Veranstaltung namens "Governors Awards", die bereits einige Monate früher stattfindet. Dieses Mal ist das am 19. November 2022 der Fall und gestern wurden die vier diesjährigen Preisträger bekanntgegeben:

- Michael J. Fox

- Euzhan Palcy

- Peter Weir

- Diane Warren

Ein paar Worte zu den Preisträgern:

Michael J. Fox (61) war bekanntlich ein großer Kinostar der 1980er und 1990er Jahre dank der "Zurück in die Zukunft"-Reihe (1985-1990) und weiteren Hits wie "Teen Wolf" (1985), "Das Geheimnis meines Erfolges" (1987), "Die Verdammten des Krieges" (1989), "Doc Hollywood" (1991) und "The Frighteners" (1996). Da er Anfang der 1990er Jahre an Parkinson erkrankte, zog er sich nach der Jahrtausendwende aufgrund immer stärkerer Symptome zunehmend von der Schauspielerei zurück, absolviert aber bis heute immer wieder Gastauftritte in TV-Serien. Für den OSCAR wurde Fox nie nominiert, aber immerhin für "Zurück in die Zukunft" für den Golden Globe - erfolgreicher war auszeichnungstechnisch seine TV-Arbeit in Serien wie "Familienbande", "Chaos City" und "Good Wife", für die er u.a. fünf Emmys und vier Golden Globes gewann.

Euzhan Palcy (64) ist eine französische Filmemacherin, die u.a. einen César und den Silbernen Löwen beim Festival von Venedig gewann. Ihre bekanntesten Werke sind das für einen OSCAR nominierte, in Südafrika spielende Hollywood-Drama "Weiße Zeit der Dürre" (1989) mit Donald Sutherland und Marlon Brando sowie der Historienfilm "Die Straße der Negerhütten" (1983), "Siméon" (1992) und der TV-Film "Ruby Bridges - Ein Mädchen kämpft für sein Recht" (1998).

Der Australier Peter Weir (77), einer meiner Lieblings-Regisseure, war bereits für sechs OSCARs nominiert, ging aber immer leer aus. Auf sein Konto gehen Klassiker wie "Picknick am Valentinstag" (1975), "Die letzte Flut" (1977), "Gallipoli" (1981), "Ein Jahr in der Hölle" (1982), "Der einzige Zeuge" (1985), mein absoluter Lieblingsfilm "Der Club der toten Dichter" (1989), "Die Truman Show" (1998), "Master & Commander: Bis ans Ende der Welt" (2003) und zuletzt "The Way Back" (2010). Zu den sechs OSCAR-Nominierungen (vier als Regisseur, je eine als Produzent und Drehbuch-Autor) kommen vier Golden Globe-Nominierungen, drei britische BAFTA Awards, ein Europäischer Filmpreis und ein César.

Die US-amerikanische Songwriterin Diane Warren (65) ist ein Stammgast bei der OSCAR-Verleihung: Satte 13 Nominierungen hat sie für ihre Filmsongs bereits auf dem Konto - gewinnen konnte sie bislang nie. Dafür hat sie einen Emmy, zwei Golden Globes, einen Grammy und alleine in den USA neun Nummer-1-Songs in der Hitparade erreicht. Zu ihren bekanntesten Filmhits zählen Starships "Nothing's Gonne Stop Us Now" aus "Mannequin" (1987), Celine Dions "Because You Loved Me" aus "Aus nächster Nähe" (1996), LeAnn Rimes' "How Do I Live" aus "Con Air" (1997), Aerosmiths "I Don't Want to Miss a Thing" aus "Armageddon" (1998), Faith Hills "There You'll Be" aus "Pearl Harbor" (2001), Lady Gagas "Til It Happens to You" aus der Doku "Freiwild - Tatort Universität" (2015) und Laura Pausinis "Io sì (Seen)" aus "Du hast das Leben vor dir" (2020). Große Hits abseits des Films waren u.a. Toni Braxtons Mega-Ballade "Un-Break My Heart" (1996) und LeAnn Rimes' "Can't Fight the Moonlight" (2001).

Herzlichen Glückwunsch an das geehrte Quartett.

Quelle: Pressemitteilung der Academy.

Montag, 28. März 2022

OSCAR-Gewinner 2022

Die Gewinner der 94. Academy Awards:
 
Bester Film: CODA
Regie: Jane Campion, "The Power of the Dog"
Darsteller: Will Smith, "King Richard"
Darstellerin: Jessica Chastain, "The Eyes of Tammy Faye"
Nebendarsteller: Troy Kotsur, "CODA"
Nebendarstellerin: Ariana DeBose, "West Side Story"
Originaldrehbuch: Kenneth Branagh, "Belfast"
Adaptiertes Drehbuch: Siân Heder, "CODA"
Animationsfilm: Encanto
Internationaler Film: "Drive My Car", Japan
Kamera: Greig Fraser, "Dune"
Schnitt: Joe Walker, "Dune"
Ausstattung: Patrice Vermette und Szuszanna Sipos, "Dune"
Kostüme: Jenny Beavan, "Cruella"
Makeup und Hairstyling: Stephanie Ingram, Linda Dowds und Justin Raleigh, "The Eyes of Tammy Faye"
Musik: Hans Zimmer, "Dune"
Filmsong: "No Time to Die" von Billie Eilish und Finneas O'Connell, "Keine Zeit zu sterben"
Ton: Mac Ruth, Marc A. Mangini, Theo Green, Doug Hemphill und Ron Bartlett, "Dune"
Visuelle Effekte: Paul Lambert, Tristan Myles, Brian Connor und Gerd Nefzer, "Dune"
Dokumentarfilm: Summer of Soul (... Or, When the Revolution Could Not Be Televised)
Kurz-Dokumentarfilm: The Queen of Basketball
Animations-Kurzfilm: The Windshield Wiper
Kurzfilm: The Long Goodbye

Die OSCARs verteilen sich damit in diesem Jahr wie folgt:
Dune: 6
CODA: 3
The Eyes of Tammy Faye: 2
West Side Story: 1
Belfast: 1
Drive My Car: 1
King Richard: 1
Keine Zeit zu sterben: 1
Encanto: 1

Donnerstag, 24. März 2022

OSCAR-Vorschau 2022 - Die Nebenkategorien

Nachdem ich in Teil 1 meiner großen OSCAR-Vorschau 2022 die elf Hauptkategorien analysiert und prognostiziert habe, folgen im zweiten Teil zwölf weitere Kategorien primär aus technischen Bereichen (die meist schwerer vorherzusagen sind, weil es in der Regel nur wenige Wegweiser-Preisverleihungen gibt):

Kamera:
- Greig Fraser, "Dune"
- Dan Laustsen, "Nightmare Alley"
- Bruno Delbonnel, "The Tragedy of Macbeth"
- Janusz Kaminski, "West Side Story"

Gesehen: "Dune" und "The Power of the Dog".
Favorit: "Dune" vor "The Power of the Dog". Beide Filme zeichnen sich durch eine grandiose Kameraarbeit aus, aber "Dune" dürfte insgesamt doch die Nase vorn haben. Eine Außenseiterchance hat "Macbeth" mit seinen vom deutschen Stummfilm-Expressionismus inspirierten Schwarzweißbildern.

Gewinnen sollte: "Dune".
Gewinnen wird: Greig Fraser für "Dune".
 
Ausstattung:
- Patrice Vermette und Szuszanna Sipos, "Dune"
- Tamara Deverell und Shane Vieau, "Nightmare Alley"
- Grant Major und Amber Richards, "The Power of the Dog"
- Stefan Dechant und Nancy Haigh, "The Tragedy of Macbeth"
- Adam Stockhausen und Rena DeAngelo, "West Side Story"

Gesehen: "Dune" und "The Power of the Dog".
Favorit: "Dune" vor "Nightmare Alley". Für Guillermo del Toros 1930er Jahre-Noir-Psychothriller "Nightmare Alley" ist dies wohl die einzige reelle Siegchance, dafür müßte er sich allerdings gegen den favorisierten "Dune" mit seiner eindrucksvollen SciFi-Ausstattung durchsetzen. Außenseiterchancen hat "West Side Story".

Gewinnen sollte: "Nightmare Alley".
Gewinnen werden: Patrice Vermette und Szuszanna Sipos für "Dune".

Visuelle Effekte:
- Paul Lambert, Tristan Myles, Brian Connor und Gerd Nefzer, "Dune"
- Swen Gillberg, Bryan Grill, Nikos Kalaitzidis und Dan Sudick, "Free Guy"
- Charlie Noble, Joel Green, Jonathan Fawkner und Chris Corbould, "Keine Zeit zu sterben"
- Christopher Townsend, Joe Farrell, Sean Noel Walker und Dan Oliver, "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings"
- Kelly Port, Chris Waegner, Scott Edelstein und Dan Sudick, "Spider-Man: No Way Home"

Gesehen: "Dune", "Free Guy" und "Shang-Chi".
Favorit: "Dune". Dies sollte eine der wenigen Kategorien sein, in denen der Sieger so gut wie sicher ist - obwohl alle fünf Nominees beeindruckende Spezialeffekte vorweisen können, ist das SciFi-Epos "Dune" haushoch favorisiert. Einziger Konkurrent mit Minichancen dürfte "Spider-Man: No Way Home" mit seinen vielen Tricks und Spielereien sein, aber gegen "Dune" wird das höchstwahrscheinlich nicht reichen.

Gewinnen sollte: "Dune".
Gewinnen werden: Paul Lambert, Tristan Myles, Brian Connor und Gerd Nefzer für "Dune".

Mittwoch, 23. März 2022

OSCAR-Vorschau 2022 - Die Hauptkategorien

Am Sonntag steht die 94. Verleihung der Academy Awards in Los Angeles ins Haus (die erneut live bei Pro 7 übertragen wird), wie jedes Jahr wage ich kurz vorher eine ausführliche Analyse und Prognose für alle Kategorien. Als Basis für meine Einschätzung der Favoritenlage dienen dabei neben meiner eigenen jahrelangen Erfahrung vor allem die bisherigen Preisverleihungen der aktuellen Awards Season seit Ende November 2021 sowie amerikanische OSCAR-Blogs wie Goldderby.com, Awardsdaily und Indiewire. Letztes Jahr habe ich mit nur 14 von 23 richtig vorhergesagten Kategorien ziemlich versagt (wobei es seit letztem Jahr eine Kategorie weniger gibt, da die beiden Ton-Kategorien zu einer zusammengefaßt wurden), 2019 lief es dafür mit 17 Siegertips ziemlich gut - in den Jahren davor waren es 14, 19, 14, 16, 15 und 18; ich kann demnach zwar nicht die Lottozahlen prognostizieren, tippe aber keineswegs einfach so ins Blaue (und da ich jedes zweite Jahr deutlich besser zu sein scheine, sollte es diesmal eigentlich gut laufen) ... Einschränkend muß aber erwähnt werden, daß ich wie im Vorjahr coronabedingt leider deutlich weniger der nominierten Filme selbst gesehen habe (und damit besser einschätzen kann) als es vor der Pandemie üblich war.

Bester Film: 
- Belfast
- CODA
- Drive My Car
- King Richard
- Licorice Pizza
- Nightmare Alley
- West Side Story

Davon habe ich gesehen und kann daher selbst beurteilen: "Don't Look Up", "Dune" und "The Power of the Dog".
Favoriten: "The Power of the Dog" vor "CODA", "Dune" und "Belfast". Im Grunde genommen von Beginn der langen Awards Season an war Jane Campions Netflix-Produktion "The Power of the Dog" der Favorit für die Königskategorie - das allerdings nie so deutlich, daß man von einem Durchmarsch und einem sicheren OSCAR-Gewinn ausgehen konnte. Und in den letzten Wochen haben sich die Rückschläge für das Westerndrama gehäuft, speziell bei den einflußreichen Gilden - bei deren Mitgliedern eine recht hohe Überschneidung zu den über die OSCARs entscheidenden Academy-Mitgliedern besteht - überraschte zuletzt "CODA" mit Triumphen bei den Schauspielern (SAG Award) und den Produzenten (PGA Award). "The Power of the Dog" bleibt zwar erster Siegkandidat, die lange als typischer Alibi-Indie-Kandidat und damit chancenlos betrachtete Gehörlosen-Tragikomödie "CODA" - übrigens ein Remake des französischen Hits "Verstehen Sie die Béliers?" aus dem Jahr 2014 - hat sich aber auf Platz 2 der Favoritenliste geschoben und nun eine echte Siegchance. Außenseiterchancen besitzen auch "Dune" - die Wahl für jene, die mal wieder ein großes, aber zugleich recht anspruchsvolles Hollywood-Spektakel als Gewinner sehen wollen -, Kenneth Branaghs "Belfast" (dem aber "CODA" wohl den Rang als Top-Indie-Vertreter abgelaufen hat) und Steven Spielbergs "West Side Story"-Remake für die Nostalgiker unter dem Stimmberechtigen. "Don't Look Up", "King Richard", "Licorice Pizza" und "Nightmare Alley" sollten chancenlos sein und auch der japanische "Drive My Car" scheint schlechte Aussichten haben, den "Parasite"-Triumph als nicht-englischsprachiger Film zu wiederholen.

Gewinnen sollte: "The Power of the Dog" (auch wenn dieses Urteil angesichts sieben nicht gesehener Kandidaten natürlich von überschaubarer Relevanz ist ...).
Gewinnen wird: "The Power of the Dog".

Dienstag, 1. März 2022

OSCAR-News: Will Smith und Jessica Chastain triumphieren bei den SAG Awards

Wie ich über die letzten Jahre hinweg mehr als einmal erläutert habe, sind die von der Schauspielergilde vergebenen SAG Awards einer der wichtigsten Wegweiser für die OSCAR-Verleihung, da die Schauspieler nunmal den größten Anteil der die Goldjungen verleihenden Academy ausmachen und es dementsprechend eine recht große Überschneidung der Abstimmenden gibt. In diesem Jahr sorgen die SAG Awards für einige Überraschungen, was für die OSCAR-Verleihung Ende März viel Spannung verspricht.

Die Gewinner der SAG Awards sind:

Hauptdarsteller: Will Smith, "King Richard"
Hauptdarstellerin: Jessica Chastain, "The Eyes of Tammy Faye"
Nebendarsteller: Troy Kotsur, "CODA"
Nebendarstellerin: Ariana DeBose, "West Side Story"
Ensemble: CODA
 
Will Smith als Sieger ist keine große Überraschung, da er während der bisherigen Awards Season bereits gut abgeschnitten hatte und daher als einer der beiden Topfavoriten gehandelt wird. Der zweite ist Benedict Cumberbatch für "The Power of the Dog" - daß sich hier Smith durchsetzt, erhöht seine Siegchancen beträchtlich. Die übrigen OSCAR-Nominees Denzel Washington ("Macbeth"), Andrew Garfield ("tick, tick... BOOM!") und Javier Bardem ("Being the Ricardos") haben bestenfalls kleine Außenseiterchancen.
 
Bei den Hauptdarstellerinnen hingegen wird der bisherige Status Quo durch die SAG Awards ziemlich durcheinandergewürfelt. Als OSCAR-Favoritin galt bisher nämlich Golden Globe-Gewinnerin Nicole Kidman ("Being the Ricardos"), als aussichtsreichste Konkurrentin Olivia Colman ("Frau im Dunkeln"). Stattdessen triumphiert bei der Schauspielergilde Jessica Chastain und katapultiert sich damit mindestens in den Stand einer Mitfavoritin, wenn nicht sogar der neuen Frontrunnerin. Kristen Stewart ("Spencer") und Penélope Cruz ("Parallele Mütter") sollten weitgehend chancenlos sein.
 
Bei den Nebendarstellern sah bislang fast alles nach einem ungefährdeten OSCAR-Erfolg für Kodi Smit-McPhee ("The Power of the Dog") aus - doch nun muß er sich einem harten Zweikampf mit dem gehörlosen Troy Kotsur stellen, der seine Schauspielerkollegen offensichtlich sehr beeindruckt hat. So gut wie sicher chancenlos sind Ciarán Hinds ("Belfast"), Jesse Plemons ("The Power of the Dog") und J.K. Simmons ("Being the Ricardos").
 
Relativ langweilig sieht es derweil bei den Nebendarstellerinnen aus, denn Newcomerin Ariana DeBose hat die meisten wichtigen Preise im Lauf der OSCAR-Saison für sich entscheiden können und das setzt sich mit dem SAG Award fort. Am ehesten kann ihr voraussichtlich Kirsten Dunst ("The Power of the Dog") gefährlich werden; Aunjanue Ellis ("King Richard"), Jessie Buckley ("Frau im Dunkeln") und Dame Judi Dench ("Belfast") haben dagegen schlechte Aussichten.
 
Der Ensemble-SAG Award gilt als Entsprechung zur OSCAR-Königskategorie "Bester Film" - weshalb der Sieg von "CODA" eine ziemliche Sensation ist! Zwar ist die Aussagekraft der SAG Awards in dieser Kategorie in der Regel weniger stark als bei den Einzelkategorien, dennoch ist der "CODA"-Erfolg für den OSCAR-Topfavoriten "The Power of the Dog" ein bedeutender Warnschuß, zumal im Verbund mit dem Verlust sämtlicher Einzelkategorien. Daß "CODA" tatsächlich den wichtigsten Academy Award gewinnen wird, ist zwar weiterhin sehr unwahrscheinlich, doch "The Power of the Dog" sitzt offensichtlich nicht so sicher im Sattel wie gedacht - was die größten Konkurrenten "Belfast" und "West Side Story" (und vielleicht sogar "Dune") hoffen läßt ...

Alle Gewinner, auch aus den TV-Kategorien, kann man auf der SAG Awards-Homepage nachlesen.

Dienstag, 8. Februar 2022

OSCAR-Nominierungen 2022

Alle Nominierungen für die 94. Academy Awards am 27. März mit meiner Einschätzung zu den einzelnen Kategorien:
 
Bester Film: 
- Belfast
- CODA
- Drive My Car
- King Richard
- Licorice Pizza
- Nightmare Alley
- West Side Story

Im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen "bis zu" zehn Filme für die Königskategorie nominiert werden konnten (meist waren es acht oder neun), war diesmal von vornherein bestimmt, daß es zehn Nominees geben würde. Und dabei gibt es kaum Überraschungen. Die Top-Favoriten sind alle mit dabei, von den Wackelkandidaten konnten sich "CODA" und "Nightmare Alley" gegen "Being the Ricardos", "House of Gucci" oder "The French Dispatch" (das komplett leer ausging) durchsetzen. Ein nicht komplett unerwarteter, aber doch überraschender Name ist dann aber doch dabei: das dreistündige japanische Drama "Drive My Car". Experten hatten den Film durchaus auf dem Zettel, immerhin erhielt er grandiose Kritiken und konnte auch während der Awards Season einige größere Triumphe einfahren - trotzdem war nicht unbedingt damit zu rechnen, daß er es tatsächlich unter die Top 10 beim "Besten Film" schaffen würde. Aber seit "Parasite" haben die Academy-Mitglieder ihre Hemmungen gegenüber nicht-englischsprachigen Filmen offenbar endgültig (?) abgelegt ... Als Favorit muß wohl das Westerndrama "The Power of the Dog" gelten, allerdings ist Jane Campions Film sicher nicht unangreifbar. Das Feld scheint ansonsten recht offen zu sein, wobei ich den Indie-Film "CODA", die polarisierende Netflix-Satire "Don't Look Up", Guillermo del Toros atmosphärisches Film noir-Remake "Nightmare Alley", das Tennis-Biopic "King Richard" (über die Williams-Schwestern und ihren Trainer-Vater) und (angesichts von insgesamt nur drei OSCAR-Nominierungen) Paul Thomas Andersons lakonische 1970er Jahre-Coming of Age-Geschichte "Licorice Pizza" doch weitgehend als Sieger ausschließen würde. Damit bleiben der Schwarzweiß-Film "Belfast" und Spielbergs hochgelobtes, aber kommerziell bitter geflopptes "West Side Story"-Remake als größte Konkurrenten von "The Power of the Dog" - zudem gebe ich "Dune" Außenseiterchancen und auch "Drive My Car" sollte man nicht unterschätzen.

Freitag, 28. Januar 2022

OSCAR-News: Die Nominierungen der Produzenten-, Regisseurs- und Autorengilde

In eineinhalb Wochen (am 8. Februar) erfahren wir endlich, wer dieses Jahr für einen OSCAR nominiert wird, ein guter Wegweiser dafür sind traditionell die Gildenpreise, da viele der bei den Gilden organisierten Filmschaffenden auch Teil der Academy sind und somit über die OSCARs abstimmen dürfen. Während die Schauspieler ihre Nominierungen bereits vor gut zwei Wochen verkündeten, sind die meisten anderen Gilden diese Woche drangewesen, darunter allesamt gestern die Produzenten, die Regisseure und die Drehbuch-Autoren.

Nominiert für den von den Produzenten vergebenen PGA Award für den am besten produzierten Film (entspricht der "Bester Film"-Kategorie bei den OSCARs) sind:
- Being the Ricardos
- Belfast
- CODA
- King Richard
- Licorice Pizza
- The Power of the Dog
- tick, tick... BOOM!
- West Side Story

Keine großen Überraschungen, am ehesten vielleicht noch Aaron Sorkins "Being the Ricardos", der in der Awards Season bislang großteils auf Schauspieler-Nominierungen beschränkt war und deshalb auch bei den OSCARs nur Außenseiterchancen auf eine "Bester Film"-Nominierung hat. Ansonsten alles mehr oder weniger wie erwartet: Es gibt die obligatorischen kostengünstigen Indie-Vertreter ("CODA", "Belfast", auch "tick, tick... BOOM!"), einen Blockbuster ("Dune"), einen Publikumsliebling mit gemischten Kritiken ("Don't Look Up") und die neuen Werke großer Filmemacher ("Licorice Pizza", "The Power of the Dog", "West Side Story"). Schlecht sieht es dagegen für die weiteren Filme aus, die sich noch leichte Hoffnungen auf eine OSCAR-Nominierung machen, wie Ridley Scotts "House of Gucci", Guillermo del Toros "Nightmare Alley", "Spider-Man: No Way Out", "The Tragedy of Macbeth" oder "The French Dispatch".

Bei den animierten Filmen sind nominiert:
- Encanto
- Die Mitchells gegen die Maschinen
- Sing 2

Auch hier keine echten Überraschungen, wobei durchaus die Möglichkeit besteht, daß die OSCAR-Nominierungen weniger mainstreamlastig ausfallen und ein ausländischer Vertreter wie "Flee", "Belle" oder "Der Gipfel der Götter" den Sprung in die Top 5 schafft.

Alle Nominierungen, auch aus der TV-Sparte, gibt es bei Indiewire (die PGA-Homepage ist nicht sonderlich ergiebig).

Damit zu den Nominierungen für die DGA Awards der Regisseure:
- Paul Thomas Anderson, "Licorice Pizza"
- Kenneth Branagh, "Belfast"
- Jane Campion, "The Power of the Dog"
- Steven Spielberg, "West Side Story"
- Denis Villeneuve, "Dune"
 
Campion, Anderson und wohl auch Branagh sollten ihre OSCAR-Nominierung sicher haben, Villeneuve hat gute Chancen. Als Wackelkandidaten sehe ich Spielberg, der in den letzten Jahren bei den OSCARs doch öfter übergangen wurde und natürlich auch schon genügend Nominierungen hat. An seine Stelle könnte Guillermo del Toro rutschen oder Maggie Gyllenhaal ("Frau im Dunkeln"), vielleicht auch Adam McKay ("Don't Look Up"), Ridley Scott ("House of Gucci"), Aaron Sorkin ("Being the Ricardos") oder Lin-Manuel Miranda ("tick, tick... BOOM!"). Persönlich würde ich Rebecca Hall für ihr bewegendes Regiedebüt "Seitenwechsel" eine Nominierung wünschen, aber leider wurde ihr Film trotz starker Kritiken in der Awards Season weitgehend übersehen. Hall, Miranda und Gyllenhaal sind bei den DGA Awards übrigens alle für das beste Filmdebüt nominiert.

Alle Nominierungen gibt es auf der DGA-Homepage.

Damit noch zu den von den Drehbuch-Autoren verantworteten WGA Awards:
Originaldrehbuch:
- Aaron Sorkin, "Being the Ricardos"
- Adam McKay, "Don't Look Up"
- Wes Anderson, "The French Dispatch"
- Zach Baylin, "King Richard"
- Paul Thomas Anderson, "Licorice Pizza"

Mit Kenneth Branaghs "Belfast" erfüllte ein OSCAR-Mitfavorit in dieser Kategorie nicht die strengen Teilnahmevoraussetzungen. Neben Branagh sollten P. T. Anderson und Sorkin ihre OSCAR-Nominierungen ziemlich sicher haben, Baylin und McKay sind aussichtsreich, Wes Anderson ist diesmal eher ein Außenseiter und profitiert hier vermutlich vom Fehlen von "Belfast". Möglich wäre auch, daß ein fremdsprachiger Film wie Asghar Farhadis "A Hero" oder Paolo Sorrentinos "Die Hand Gottes" (beide hier nicht qualifiziert) den Sprung in die Top 5 schafft.

Adaptiertes Drehbuch:
- Siân Heder, "CODA"
- Jon Spaihts, Denis Villeneuve und Eric Roth, "Dune"
- Guillermo del Toro und Kim Morgan, "Nightmare Alley"
- Steven Levenson, "tick, tick... BOOM!"
- Tony Kushner, "West Side Story"

Auch hier waren einige OSCAR-Topfavoriten nicht qualifiziert, allen voran "The Power of the Dog", aber auch "Frau im Dunkeln", "Seitenwechsel" oder der japanische Geheimfavorit "Drive My Car". Bei den OSCARs wird "The Power of the Dog" definitiv dabei sein, von den anderen darf sich wohl keiner ganz sicher sein, wobei "West Side Story", "CODA", "Frau im Dunkeln" und "Dune" vermutlich die besten Aussichten haben. Eine Außenseiterchance auf eine Nominierung hat auch "The Tragedy of Macbeth".

Alle Nominierungen gibt es auf der WGA-Awards-Homepage.

Mittwoch, 12. Januar 2022

OSCAR-News: Die SAG Awards-Nominierungen sorgen für etliche Überraschungen im Schauspielerfeld

Mit den Schauspielern beginnen die jährlichen Gildenauszeichnungen, womit sich auf dem Weg zu den OSCARs der Schwerpunkt von den Kritikern (z.B. Golden Globes) zu den Filmschaffenden selbst verlagert - was naturgemäß noch einmal für deutliche Veränderungen in der Favoritenlage für die Academy Awards nach sich ziehen kann. Und da die Schauspieler die zahlenmäßig größte Gruppe innerhalb der Academy darstellen, ist ihr Einfluß entsprechend groß. Für die von den Schauspielern verliehenen SAG Awards wurden nominiert:

Hauptdarsteller:
- Javier Bardem, "Being the Ricardos"
- Benedict Cumberbatch, "The Power of the Dog"
- Andrew Garfield, "tick, tick... BOOM!"
- Will Smith, "King Richard"
- Denzel Washington, "The Tragedy of Macbeth"
 
Keine großen Überraschungen in dieser Kategorie, am ehesten noch Javier Bardem, der sich u.a. gegen Leonardo CiCaprio ("Don't Look Up"), Peter Dinklage ("Cyrano") oder Bradley Cooper ("Nightmare Alley") durchsetzte. Als Favoriten gelten Smith und Cumberbatch.
 
Hauptdarstellerin:
- Jessica Chastain, "The Eyes of Tammy Faye"
- Olivia Colman, "Frau im Dunkeln"
- Lady Gaga, "House of Gucci"
- Jennifer Hudson, "Respect"
- Nicole Kidman, "Being the Ricardos"
 
Nachdem Jennifer Hudson für ihre Darstellung von Soullegende Aretha Franklin bei den Golden Globes überraschend übergangen worden war und auch sonst schlechter bei den Kritikerpreisen abschnitt als erwartet, ist diese Nominierung sehr wichtig für sie. Dafür mußte unerwartet Kristen Stewart ("Spencer") weichen, die für ihre Rolle als Prinzessin Diana für nicht wenige Experten sogar als Topfavoritin auf den OSCAR gilt respektive nun vielleicht eher galt - denn ohne SAG Awards-Nominierung wird es für sie bereits zur Herausforderung, überhaupt eine OSCAR-Nominierung zu erhalten. Ähnlich überraschend ist das Fehlen von "West Side Story"-Hauptdarstellerin Rachel Zegler, die gerade erst den Golden Globe gewann und auch sonst viel Kritikerlob erhielt. Auch für Penélope Cruz ("Parallele Mütter") oder Newcomerin Alana Haim ("Licorice Pizza") ist die Nichtnennung ein Rückschlag in ihren OSCAR-Hoffnungen. Eine klare Favoritin ist in dieser sehr kompetitiven Kategorie nicht auszumachen.
 
Nebendarsteller:
- Ben Affleck, "The Tender Bar"
- Bradley Cooper, "Licorice Pizza"
- Troy Kotsur, "CODA"
- Jared Leto, "House of Gucci"
- Kodi Smit-McPhee, "The Power of the Dog"
 
Die nächste durchaus überraschende Kategorie, allen voran fehlen die beiden bei den Golden Globes nominierten "Belfast"-Darsteller Ciarán Hinds und Jamie Dornan, für die sich Jared Leto und Bradley Cooper (mit einem nicht einmal fünfminütigen Auftritt) in die Top 5 geschlichen haben. Ansonsten dürfte J.K. Simmons ("Being the Ricardos") der hochkarätigste fehlende Name sein. Favorit ist Smit-McPhee.

Nebendarstellerin:
- Caitriona Balfe, "Belfast"
- Cate Blanchett, "Nightmare Alley"
- Ariana DeBose, "West Side Story"
- Kirsten Dunst, "The Power of the Dog"
- Ruth Negga, "Seitenwechsel"
 
Im Vergleich zu den Golden Globes fehlt nur Aunjanue Ellis ("King Richard"), die durch Cate Blanchett ersetzt wurde. Insgesamt keine wirklichen Überraschungen, aber für die OSCARs dürfen sich auch noch Marlee Matlin ("CODA"), Ann Dowd ("Mass") und vielleicht mal wieder Meryl Streep ("Don't Look Up") Hoffnungen machen. Favoritin ist die Newcomerin Ariana DeBose.

Bester Cast:
- Belfast
- Coda
- House of Gucci
- King Richard
 
In der SAG Awards-Entsprechung zur OSCAR-Kategorie "Bester Film" fehlen mit "West Side Story", "The Power of the Dog", "Dune", "Licorice Pizza" oder "Nightmare Alley" einige echte Hochkaräter, wobei "The Power of the Dog" natürlich auch nur drei wirklich tragende Rollen hat. Die besten Siegchancen dürfte hier "Belfast" haben, die Kategorie ist aber ziemlich offen.

Alle Nominierungen inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der SAG Awards-Homepage.

Montag, 10. Januar 2022

Die Gewinner der Golden Globes 2022

Die Gewinner der Golden Globes heißen:

Bestes Drama: The Power of the Dog
Bestes Musical oder Komödie: West Side Story
Regie: Jane Campion, "The Power of the Dog"
Darstellerin, Drama: Nicole Kidman, "Being the Ricardos"
Darsteller, Drama: Will Smith, "King Richard"
Darstellerin, Musical/Komödie: Rachel Zegler, "West Side Story"
Darsteller, Musical/Komödie: Andrew Garfield, "tick, tick... BOOM!"
Nebendarstellerin: Ariana DeBose, "West Side Story"
Nebendarsteller: Kodi Smit-McPhee, "The Power of the Dog"
Drehbuch: Kenneth Branagh, "Belfast"
Animationsfilm: Encanto
Nicht-englischsprachiger Film: "Drive My Car", Japan
Musik: Hans Zimmer, "Dune"
Filmsong: "No Time to Die" von Billie Eilish, "Keine Zeit zu sterben"
 
Das Netflix-Westerndrama "The Power of the Dog" ist also der große Gewinner der Veranstaltung, auch wenn Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch sich etwas überraschend Will Smith geschlagen geben mußte. Alle anderen Hauptkategorien konnte Jane Campions Film aber für sich entscheiden und festigt damit seine Favoritenstellung für die OSCARs. Spielbergs kommerziell geflopptes "West Side Story"-Remake dominiert derweil die Musical/Komödie-Kategorie und sollte bei den OSCARs ebenfalls eine gute Rolle spielen. Mit Komponistenlegende Hans Zimmer gibt es mal wieder einen deutschen Gewinner, der auch gute Aussichten auf seinen zweiten OSCAR hat, während sich "Drive My Car" - der fast parallel bei den National Film Critics Awards sogar den Hauptpreis für den Besten Film gewann und mit etwas Glück ähnlich wie zuletzt "Parasite" aus der Auslandskategorie "ausbrechen" und zahlreiche Nominierungen einheimsen könnte - zum Favoriten in der stark besetzten Kategorie "Internationaler Film" mausert. Größte Überraschung ist sicherlich der Sieg von Nicole Kidman in der Drama-Kategorie, wo sie sich gegen die höher eingeschätzten Olivia Colman ("Frau im Dunkeln"), Kristen Stewart ("Spencer") und Lady Gaga ("House of Gucci") durchsetzte und damit ihre Chancen auf eine weitere OSCAR-Nominierung gesteigert hat. Die Verlierer des Abends finden sich in der Musical//Komödie-Sparte: Paul Thomas Andersons "Licorice Pizza" und Adam McKays "Don't Look Up" sind die einzigen Mitfavoriten, die komplett leer ausgingen.

Alle Gewinner inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der Golden Globes-Homepage.

Donnerstag, 23. Dezember 2021

OSCAR-News: "Ich bin dein Mensch" übersteht die erste Hürde beim Auslands-OSCAR + weitere Shortlists

Am Dienstag hat die Academy Shortlists für zehn OSCAR-Kategorien bekanntgegeben. Auf einige Kategorien will ich hier eingehen, allen voran "Bester Internationaler Film", wo der deutsche Beitrag "Ich bin dein Mensch" erfreulicherweise die erste Vorauswahl überstanden hat und mit nun noch 14 weiteren Filmen aus aller Welt um die fünf Nominierungsplätze in der Kategorie wetteifert. Mit dabei sind noch:

- "Große Freiheit", Österreich
- "Playground", Belgien
- "Lunana: A Yak in the Classrom", Bhutan
- "Flee", Dänemark
- "Compartment No. 6", Finnland
- "Ich bin dein Mensch", Deutschland
- "Lamb", Island
- "A Hero", Iran
- "Die Hand Gottes", Italien
- "Drive My Car", Japan
- "Hive", Kosovo
- "Prayers for the Stolen", Mexiko
- "The Worst Person in the World", Norwegen
- "Plaza Catedral", Panama
- "The Good Boss", Spanien

Mit dem französischen Cannes-Gewinner "Titane" ist nur einer der Mitfavoriten bereits an dieser ersten Hürde gescheitert, wobei das zwar schon überraschend ist, angesichts der hochgradig polarisierenden Art des drastischen Horror-Musicals aber nicht wirklich eine Sensation. Für Maria Schraders "Ich bin dein Mensch" ist das frühe Ausscheiden von "Titane" definitiv eine gute Nachricht, dennoch wird es sehr schwierig, einen Platz unter den finalen fünf Filmen zu erreichen - meist kommen dramatische Filme bei den Juroren besser an und "Ich bin dein Mensch" ist im Vergleich zu vielen Konkurrenten doch eher locker-leicht geraten (und wohl auch deshalb bei den bisherigen prestigeträchtigen Preisverleihungen bzw. Nominierungen von den AFI Awards bis hin zu den Golden Globes leer ausgegangen). Überraschungen sind in dieser Kategorie keine Seltenheit, trotzdem sollten "A Hero" von OSCAR-Gewinner Asghar Farhadi, die hochgelobte dreistündige Haruki Murakami-Adaption "Drive My Car" von Ryusuke Hamaguchi und der animierte Dokumentarfilm "Flee" (der auch auf der Doku-Shortlist steht) von Jonas Poher Rasmussen gesetzt sein. Erste Anwärter auf die beiden verbleibenden Plätze sind die Golden Globe-Nominees "Compartment No. 6" (eine deutsche Koproduktion) und "Die Hand Gottes" sowie die beiden nordischen Vertreter "Lamb" und "The Worst Person in the World". Man sieht: Das wird eng für "Ich bin dein Mensch" oder auch für Österreichs Vetreter "Große Freiheit" von Sebastian Meise (noch eine deutsche Koproduktion).
 
Eine weitere spannende Kategorie, gerade aus deutscher Sicht, ist die Filmmusik. Hier sind noch im Rennen:
- Daniel Pemberton, "Being the Ricardos"
- Robert Aiki Aubrey Lowe, "Candyman"
- Nicholas Britell, "Don't Look Up"
- Hans Zimmer, "Dune"
- Germaine Franco, "Encanto"
- Alexandre Desplat, "The French Dispatch"
- Daniel Hart, "The Green Knight"
- Jeymes Samuel, "The Harder They Fall"
- Kris Bowers, "King Richard"
- Harry Gregson-Williams, "The Last Duel"
- Hans Zimmer, "Keine Zeit zu sterben"
- Alberto Iglesias, "Parallele Mütter"
- Jonny Greenwood, "The Power of the Dog"
- Jonny Greenwood, "Spencer"
- Carter Burwell, "The Tragedy of Macbeth"

Auch dies ist eine Kategorie, in der es gerne mal Überraschungen gibt, dennoch scheinen drei Männer ihre Nominierung ziemlich sicher zu haben: Hans Zimmer für "Dune", Alberto Iglesias für "Parallele Mütter" und Jonny Greenwood für "The Power of the Dog". Gute Chancen auf die beiden übrigen Plätze haben neben den Golden Globe-Nominees Alexandre Desplat und Germaine Franco auch Kris Bowers und Carter Burwell - ich persönlich drücke zudem Daniel Hart die Daumen, seine Nominierung käme aber leider eher unerwartet.

Und schließlich noch zu den visuellen Effekten, logischerweise der Kategorie, in der normalerweise die meisten Hollywood-Großproduktionen auftauchen:
- Black Widow
- Eternals
- Free Guy
- Ghostbusters: Afterlife
- Godzilla vs. Kong
- The Matrix Resurrections
- Keine Zeit zu sterben
- Spider-Man: No Way Home

Die Favoriten sind eigentlich alle noch dabei, die besten Aussichten sollten "Dune", "Matrix Resurrections", "Eternals" und "Spider-Man" haben. Für den fünften Platz könnte ich mir sowohl "Godzilla vs. Kong" als auch "Free Guy" vorstellen, "Keine Zeit zu sterben" und "Shang-Chi" sind ebenfalls nicht chancenlos. "Black Widow" und "Ghostbusters" halte ich für Außenseiter.

Alle zehn Shortlists kann man in der offiziellen Pressemitteilung der Academy auf ihrer Homepage nachlesen.

Montag, 13. Dezember 2021

OSCAR-News: Die Golden Globe-Nominierungen 2021/2022

Die von der Hollywood-Auslandspresse vergebenen und u.a. für ihre Aufteilung der Hauptkategorien in eine Drama- und eine Musical/Komödien-Sparte bekannten Golden Globes hatten schon immer einen recht wackeligen Ruf - die relativ mickrige Anzahl weitgehend unbekannter und weit überwiegend weißer und männlicher Mitglieder der Hollywood Foreign Press Association sorgte ebenso wie ein Hang zu fragwürdigen, oft auffällig superstar-lastigen Nominierungen dafür, daß viele Experten die Veranstaltung nicht wirklich ernstnahmen. Trotzdem wurde die glamouröse Veranstaltung von den Stars gerne besucht, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß dort (im Gegensatz zur OSCAR-Verleihung) reichlich Alkohol ausgeschenkt wird. Auch der wegweisende Einfluß in den einzelnen Kategorien hinsichtlich der OSCAR-Verleihung selbst ist nicht von der Hand zu weisen.

Dieses Jahr eskalierte die Angelegenheit jedoch durch zahlreiche Rassismus-, Sexismus- und Korruptionsvorwürfe, was unter anderem dazu führte, daß der langjährige übertragende US-Sender NBC die kommende Ausgabe nicht übertragen wird, viele forderten die HFPA sogar zu einem kompletten Verzicht auf. Doch die reagierte zwar mit einigen Reformen und einer diverseren Aufstellung der Mitglieder, will aber keineswegs auf die nächste Verleihung verzichten - wie auch immer die nun genau aussehen wird und wer auch immer von den Nominierten sie überhaupt besuchen wird (zumal ja auch Corona immer noch eine Rolle spielt). Man wird sehen, ob die Golden Globes sich werden erholen können, hier sind jedenfalls die Nominierungen für das Kino-Jahr 2021:

Bestes Drama:
- Belfast
- CODA
- King Richard
- The Power of the Dog

Eine kleine Überraschung ist Siân Heders Indie-Drama "CODA", das aber auch schon in der Top 10-Liste des American Film Institute aufgetaucht ist und sich somit weiter als ernstzunehmender OSCAR-Kandidat etabliert. Die vier anderen Filme sind keine Überraschung, die hochkarätigsten Auslassungen sind Guillermo del Toros "Nightmare Alley", beide Ridley Scott-Filme "House of Gucci" und "The Last Duel" (letzterer ging wie "Nightmare Alley" sogar komplett leer aus), Aaron Sorkins "Being the Ricardos" und Joel Coens "The Tragedy of Macbeth". Ein Favorit ist noch schwer auszumachen, aber ich tippe auf Jane Campions "The Power of the Dog".

Beste Komödie oder Musical:
- Cyrano
- Don't Look Up
- Licorice Pizza
- tick, tick... BOOM!
- West Side Story
 
Mit "Cyrano" gibt es auch hier eine kleine Überraschung, zumal Joe Wrights Adaption eines Bühnenmusicals nach dem berühmten Roman von Edmond Rostand bei den wenigen bisherigen Kritikerpreisen keine nennenswerte Rolle spielte. Sehr überraschend ist dafür das Fehlen von Wes Andersons "The French Dispatch", das von den HFPA-Mitgliedern fast komplett ignoriert wurde (nur die Musik wurde nominiert). Auch die Musikfilme "In the Heights" und "Respect" hätte man hier durchaus erwarten können. Favoriten dürften "West Side Story" und "Licorice Pizza" sein.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

OSCAR-News: Die Top 10 des American Film Institute (und mehr)

Die vom American Film Institute vergebenen AFI Awards zählen jährlich zu den ersten, häufig wegweisenden Highlights der Awards Season, wobei vor allem der Vergleich ihrer Top 10-Liste mit derjenigen des National Board of Review interessant ist - immerhin können viele Übereinstimmungen auf eine recht klare OSCAR-Saison hinweisen, wogegen bei vielen Unterschieden erst einmal alles schön unklar und offen bleibt. Also, direkt zu den "AFI Movies of the Year":

- Coda

- Don't Look Up

- Dune

- King Richard

- Licorice Pizza

- Nightmare Alley

- The Power of the Dog

- tick, tick... BOOM!

- The Tragedy of Macbeth

- West Side Story

Sieben Übereinstimmungen, das ist schon recht viel. Von den NBR Awards fehlen "Belfast", "The Last Duel" und "Red Rocket", neu sind dafür das Indie-Drama "Coda" und die beiden Netflix-Prestigeprojekte "The Power of the Dog" und "tick, tick... BOOM!". Aus diesem Sextett sollten "Belfast" (der immerhin einen "Special Award" erhielt und vermutlich als rein britische Produktion gar nicht in die Top 10 gewählt werden konnte), "The Power of the Dog" und "tick, tick... BOOM!" sehr gute Chancen auf eine OSCAR-Nominierung als Bester Film haben, für die drei anderen dürfte es schwieriger werden - vor allem Ridley Scotts polarisierender "The Last Duel" hätte beide Top 10-Plazierungen sehr gut gebrauchen können, um gleich Momentum aufzubauen in dieser Awards Season. Am überraschendsten unter den sieben Filmen, die in beiden Top 10-Listen stehen, ist vermutlich Guillermo del Toros "Nightmare Alley", der nicht unbedingt nach einem OSCAR-Film schreit und außerdem zwar gute, aber keine herausragenden Kritiken erhalten hat - aber del Toro ist halt nicht irgendwer und hat vermutlich bei einigen Juroren (sowohl auf Kritiker- als auch auf Filmschaffenden-Seite) einen kleinen Bonus. Mal sehen, ob der bis zu den OSCARs trägt. Schlecht sieht es derweil für "Being the Ricardos", "Spencer" und "The Lost Daughter" aus, die beide Top 10-Listen verpaßt haben und damit kämpfen müssen, um noch aussichtsreich in der Awards Season anzukommen.

Alle geehrten Filme und TV-Serien kann man auf der AFI Awards-Homepage nachlesen.

Kurz nachtragen möchte ich auch noch die wichtigsten Gewinner der New Yorker Filmkritiker: Dort gewann überraschend der japanische "Drive My Car", der Regiepreis ging an Jane Campion für "The Power of the Dog", der Drehbuch-Preis an Paul Thomas Anderson für "Licorice Pizza". Als beste Hauptdarsteller wurden Lady Gaga ("House of Gucci") und Benedict Cumberbatch ("The Power of the Dog") geehrt, als Nebendarsteller Kathryn Hunter ("The Tragedy of Macbeth") und Kodi Smit-McPhee ("The Power of the Dog"). Bester Animationsfilm wurde Netflix' "Die Mitchells gegen die Maschinen", bester ausländischer Film der norwegische "The Worst Person in the World".

Alle Gewinner auf der Homepage des New York Film Critics Circle.

Freitag, 3. Dezember 2021

OSCAR-News: "Licorice Pizza" eröffnet mit NBR-Gewinn die OSCAR-Saison

Wie jedes Jahr beginnt die OSCAR-Saison so richtig mit der Verleihung der Preise des altehrwürdigen National Board of Review, den NBR Awards (kurz zuvor gab es bereits die Gotham Awards, aber die sind nur für Independent-Filme). Als erster wichtiger Veranstaltung der Awards Season kommt den NBR Awards logischerweise eine starke Wegweiser-Funktion zu und die meisten der prämierten Filme und Filmschaffenden werden bis zur OSCAR-Verleihung im Februar eine Rolle spielen. Die Gewinner des Jahres 2021 lauten:

Bester Film: Licorice Pizza
Regie: Paul Thomas Anderson, "Licorice Pizza"
Hauptdarsteller: Will Smith, "King Richard"
Hauptdarstellerin: Rachel Zegler, "West Side Story"
Nebendarsteller: Ciarán Hinds, "Belfast"
Nebendarstellerin: Aunjanue Ellis, "King Richard"
Originaldrehbuch: Joel Coen, "The Tragedy of Macbeth"
Adaptiertes Drehbuch: Asghar Farhadi, "A Hero"
Animationsfilm: Encanto
Fremdsprachiger Film: "A Hero", Iran
Dokumentarfilm: Summer of Soul
 
Daß ein Film von Paul Thomas Anderson zu den OSCAR-Kandidaten zählt, ist natürlich keine Überraschung, doch scheint die Begeisterung unter den Kritikern für diese tragikomische 1970er Jahre-Coming of Age-Geschichte mit Bradley Cooper und Sean Penn in Nebenrollen besonders groß zu sein. Zumindest einige OSCAR-Nominierungen sollten sicher sein, der NBR-Triumph könnte aber auch den Weg zu mehr ebnen. Ebenfalls sehr gut bei den Kritikern kam offensichtlich "King Richard" an, ein Biopic über die Tennisschwestern Serena und Venus Williams und ihren von Will Smith verkörperten Vater und Trainer. Eine ganz große Überraschung gibt es in der Gewinnerliste nicht, wenngleich der Preis für Newcomerin Rachel Zegler in Steven Spielbergs "West Side Story"-Remake angesichts starker Konkurrenz nicht unbedingt zu erwarten war.

Traditionell gibt das NBR zusätzlich zum "Best Picture"-Gewinner auch noch weitere beste Filme des Jahres an. Dies sind im Jahr 2021 (in alphabetischer Reihenfolge):
- Belfast
- Don't Look Up
- King Richard
- The Last Duel
- Nightmare Alley
- Red Rocket
- The Tragedy of Macbeth
- West Side Story

Eine illustre Runde mit vielen großen Namen und Altmeistern wie Spielberg, Guillermo del Toro ("Nightmare Alley"), Denis Villeneuve ("Dune"), Adam McKay ("Don't Look Up"), Joel Coen ("The Tragedy of Macbeth"), Kenneth Branagh ("Belfast") und Sir Ridley Scott ("The Last Duel") - dazu kommen Reinaldo Marcus Greens "King Richard" und überraschend "Red Rocket" von Sean Baker. All diese Filme haben sich hiermit eine gute Ausgangslage geschaffen. Einige werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den ganzen Weg bis zu den OSCARs gehen ("Belfast", "West Side Story", "The Tragedy of Macbeth", "Dune", wahrscheinlich auch "Don't Look Up" und "King Richard"), bei den übrigen wird sich das noch zeigen müssen, wobei diese Nennung auf jeden Fall ein gutes Zeichen ist - speziell der hart gefloppte und auch die Kritiker polarisierende "The Last Duel" kann den Schub definitiv gebrauchen. Wichtig ist natürlich auch, welche Filme fehlen: Dabei fallen vor allem Jane Campions gefeiertes Westerndrama "The Power of the Dog", Aaron Sorkins Biopic "Being the Ricardos", Ridley Scotts zweiter und deutlich erfolgreicherer (aber ebenfalls kontrovers bewerteter) Film "House of Gucci", Lin-Manuel Mirandas "tick, tick... BOOM!", Maggie Gyllenhaals "The Lost Daughter" und das Prinzessin Diana-Biopic "Spencer" auf, wobei nicht ganz klar ist, ob sie alle den Juroren bereits zur Auswahl standen.

Alle Gewinner und Bestenlisten kann man auf der NBR-Homepage nachlesen.

Bis Weihnachten wird es noch zahlreiche Kritikerpreise geben, u.a. stehen bereits heute die New Yorker Filmkritiker an und nächste Woche das American Film Institute. Ich werde regelmäßig darüber berichten, teilweise allerdings gesammelt - bei Twitter werde ich sicher schneller auf einzelne Preisverleihungen eingehen.

Montag, 26. April 2021

OSCAR-Gewinner 2021

Die Gewinner der 93. Academy Awards:

Bester Film: Nomadland
Regie: Chloé Zhao, "Nomadland"
Darsteller: Anthony Hopkins, "The Father"
Darstellerin: Frances McDormand, "Nomadland"
Nebendarsteller: Daniel Kaluuya, "Judas and the Black Messiah"
Nebendarstellerin: Yoon Yeo-jeong, "Minari"
Originaldrehbuch: Emerald Fennell, "Promising Young Woman"
Adaptiertes Drehbuch: Christopher Hampton und Florian Zeller, "The Father"
Animationsfilm: Soul
Internationaler Film: "Der Rausch", Dänemark
Kamera: Erik Messerschmidt, "Mank"
Schnitt: Mikkel E.G. Nielsen, "Sound of Metal"
Ausstattung: Donald Graham Burt und Jan Pascale, "Mank"
Kostüme: Ann Roth, "Ma Rainey's Black Bottom"
Makeup und Hairstyling: Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal und Jamika Wilson, "Ma Rainey's Black Bottom"
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross und Jon Batiste, "Soul"
Filmsong: "Fight for You" von H.E.R., Dernst Emile II und Tiara Thomas, "Judas and the Black Messiah"
Ton: Nicolas Becker, Jaime Baksht, Michelle Couttolenc, Carlos Cortés Navarrete und Phillip Bladh, "Sound of Metal"
Visuelle Effekte: Andrew Jackson, David Lee, Andrew Lockley und Scott R. Fisher, "Tenet"
Dokumentarfilm: Mein Lehrer, der Krake
Kurz-Dokumentarfilm: Colette
Animations-Kurzfilm: If Anything Happens I Love You
Kurzfilm: Two Distant Strangers

Die OSCARs verteilen sich damit in diesem Jahr wie folgt:
Nomadland: 3
The Father: 2
Judas and the Black Messiah: 2
Soul: 2
Sound of Metal: 2
Mank: 2
Minari: 1
Promising Young Woman: 1 
Tenet: 1
Der Rausch: 1

Kommentar und Fazit:
Die mit Abstand größte Überraschung des Abends war ... daß er nicht mit der Verleihung des Academy Awards für den Besten Film beendet war! Scheinbar waren sich die Produzenten um Steven Soderbergh so sicher, daß der letztes Jahr verstorbene "Black Panther"-Star Chadwick Boseman für "Ma Rainey's Black Bottom" den OSCAR als Bester Hauptdarsteller holen würde, daß sie die Veranstaltung nicht mit der Königskategorie abschlossen (zum ersten Mal seit 1972, als die Veranstaltung mit dem Ehren-OSCAR für Charles Chaplin endete), sondern mit den beiden Hauptdarsteller-Kategorien. Ein vermeintlich cleverer Schachzug, der komplett nach hinten losging - denn der klare Favorit Boseman gewann nicht und der Gewinner Sir Anthony Hopkins war nicht einmal anwesend, womit die Show anstatt mit dem erhofften emotionalen Höhepunkt denkbar nüchtern und unspektakulär endete. Tja, so kann's gehen und zumindest zeigt das ja, wie unberechenbar die Abstimmungen der Academy letztlich sind (und auch, daß selbst die Produzenten der Show nicht vorab wissen, wer gewinnt).
 
Der Sieg von Altstar Hopkins (der damit zum ältesten OSCAR-Gewinner in den Schauspieler-Kategorien wurde) ist wohl die zweitgrößte Überraschung der 93. OSCAR-Verleihung - zwar war eigentlich klar, daß er als einziger Boseman gefährlich werden könnte, doch die allermeisten (mich eingeschlossen) hatten dennoch mit dem posthumen Sieg Bosemans gerechnet. Auch sonst gab es einige Überraschungen im Verlauf der mehr als drei Stunden, wenn auch keinen Sensations-Sieger. Erfreulicherweise entwickelte sich der Abend sehr spannend, da die in der Königskategorie favorisierten "Nomadland" und "The Trial of the Chicago 7" frühe Rückschläge hinnehmen mußten (beide verloren die Drehbuch-Kategorien, "Nomadland" zudem Kamera und Schnitt), weshalb sogar eine Sensation wie "Promising Young Woman" oder "Judas and the Black Messiah" als Bester Film möglich schien. Am Ende wurde es dann doch "Nomadland", der zwar in den Nebenkategorien komplett leer ausging, dafür aber in drei Hauptkategorien triumphierte (Chloé Zhao als erst zweite Frau bei den Regisseuren) und somit als einziger Film auf mehr als zwei Goldjungen kam - ich bezweifle, daß es so breit verteilte OSCARs schon einmal gab ... Umso deprimierender muß es für Aaron Sorkins "The Trial of the Chicago 7" gewesen sein, trotz sechs Nominierungen und vieler Preise während der Awards Season als einziger "Bester Film"-Nominee komplett leer auszugehen. Und damit ist das Gerichts- und Bürgerrechtsdrama eindeutig der Verlierer des Abends, während sich neben "Nomadland" vor allem das Alzheimer-Drama "The Father" und der Gehörlosen-Musikfilm "Sound of Metal" mit jeweils zwei Preisen zu den großen Gewinnern rechnen dürfen. Die einzige Kategorie, deren Ausgang mich persönlich ärgert, ist übrigens der Filmsong, denn dort gewann nach meinem Geschmack mit "Fight for You" der schwächste von fünf guten Nominees (womit die "Io sí"-Komponistin Diane Warren auch bei der 12. OSCAR-Nominierung leer ausgeht). Noch ein paar interessante Statistiken zu den Nominees gibt es übrigens bei InsideKino.

Die Show selbst geriet erstaunlich unterhaltsam. Steven Soderbergh und sein Team haben aus den Pandemie-Umständen so ziemlich das beste gemacht und eine kurzweilige Veranstaltung inszeniert, die sich stark auf die Nominierten konzentrierte und auf Show-Einlagen weitgehend verzichtete (worunter in erster Linie die beiden Musik-Kategorien litten - zu den Scores gab es gar nichts zu hören, zu den Filmsongs nur kurze Ausschnitte aus den Musikvideos). Eine nette Idee war es, in vielen Kategorien zu den Nominierten kurze Mini-Anekdoten zu erzählen, zudem sorgte Questlove von "The Roots" (der übrigens eine Nebenrolle im Animationsfilm-Gewinner "Soul" spricht) für eine ebenso abwechslungs- wie anspielungsreiche musikalische Begleitung. Nur das "In memoriam"-Segment wirkte ein wenig gehetzt; die Namen wurden in so schneller Abfolge eingeblendet, daß man kaum mit dem Lesen nachkam - wobei das natürlich auch der bedauerlichen Tatsache geschuldet ist, daß im letzten Jahr überdurchschnittlich viele namhafte Filmschaffende verstorben sind. Der erneut fehlende OSCAR-Moderator fiel in meinen Augen nicht negativ ins Gewicht. Bei den Dankesreden gab es kaum Langweiler, ein wiederkehrender Schwerpunkt waren (auch wegen der gewählten Sieger) Rassismus und Polizeigewalt, womit das Ganze sehr aktuell wirkte; die beste Rede dazu hielt wohl Tyler Perry, aber der konnte sich auch lange darauf vorbereiten, weil er einen Ehren-OSCAR für seine humanitäre Arbeit erhielt und das schon seit Monaten wußte. Die bewegendste Rede kam derweil erwartungsgemäß von "Der Rausch"-Regisseur Thomas Vinterberg, dessen 19-jährige Tochter Ida kurz nach Beginn der Dreharbeiten bei einem Autounfall starb (sie hätte Mads Mikkelsens Tochter spielen sollen, der Film wurde teilweise an ihrer Schule gedreht mit ihren Schulkameraden und Freunden als Statisten). Humoristisches Highlight war dafür ein kurzes Filmsong-Quiz von Questlove und Lil' Rel Howery, bei dem Glenn Close (die übrigens nach der achten Nominierung weiter auf ihren ersten OSCAR warten muß) der klare MVP war ...

Abschließend noch ein kurzer Blick auf meine OSCAR-Tips: 14 von 23 Kategorien habe ich richtig prognostiziert, ein für mich eher mäßiges Ergebnis (letztes Jahr waren es 17 von 24), das meinen Minusrekord der letzten sieben Jahre an richtigen Tips einstellt (diesmal gab es jedoch eine Kategorie weniger, also ist es prozentual nicht wirklich mein Minusrekord). Ich schiebe es mal darauf, daß ich coronabedingt nur wenige der nominierten Filme sehen konnte. Bei der Verleihung 2022 wird das hoffentlich wieder anders sein ...

Donnerstag, 22. April 2021

OSCAR-Vorschau 2021 - Die Nebenkategorien

Nachdem ich in Teil 1 meiner großen OSCAR-Vorschau 2021 die elf Hauptkategorien analysiert und prognostiziert habe, folgen im zweiten Teil 12 weitere Kategorien primär aus technischen Bereichen (die meist schwerer vorherzusagen sind, weil es in der Regel nur wenige Wegweiser-Preisverleihungen gibt):
 
Kamera:
- Sean Bobbitt, "Judas and the Black Messiah"
- Erik Messerschmidt, "Mank"
- Dariusz Wolski, "Neues aus der Welt"
- Joshua James Richards, "Nomadland"
- Phedon Papamichael, "The Trial of the Chicago 7"

Davon habe ich gesehen und kann daher selbst beurteilen: "The Trial of the Chicago 7" und "Mank".
Favoriten: "Nomadland" vor "Mank". "Nomadland" hat die meisten Kamerapreise der Awards Season für sich entscheiden können, doch wenn es nicht geklappt hat, war die Schwarzweiß-Kamera von "Mank" zur Stelle. Die drei anderen Nominees sollten chancenlos sein, wobei "Neues aus der Welt" natürlich bei weitem nicht der erste Western wäre, der diese Kategorie für sich entscheiden würde. Das ist aber diesmal sehr unwahrscheinlich.

Gewinnen sollte: Die Kamera von "Mank" ist grandios, also drücke ich Erik Messerschmidt die Daumen.
Gewinnen wird: Erik Messerschmidt für "Mank".

Ausstattung:
- Peter Francis und Cathy Featherstone, "The Father"
- Mark Ricker, Karen O'Hara und Diana Stoughton, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Donald Graham Burt und Jan Pascale, "Mank"
- David Crank und Elizabeth Keenan, "Neues aus der Welt"
- Nathan Crowley und Kathy Lucas, "Tenet" 
 
Gesehen: "Ma Rainey" und "Mank".
Favorit: "Mank". Ebenso wie "The Trial of the Chicago 7" und "Promising Young Woman" läuft auch "Mank" Gefahr, trotz vieler Nominierungen am Ende ganz leer oder mit nur einem OSCAR dazustehen. Die wohl besten Aussichten, einer Nullnummer zu entgehen, hat David Finchers kunstvolle Ode an das Hollywood der Goldenen Ära bei der Ausstattung, bei der er sämtliche wichtigen Preise im Vorfeld für sich entscheiden konnte. Am ehesten für eine Überraschung kämen noch "Ma Rainey's Black Bottom" und "Neues aus der Welt" in Frage, aber dazu dürfte es nicht kommen.

Gewinnen sollte: "Mank".
Gewinnen werden: Donald Graham Burt und Jan Pascale für "Mank".

Mittwoch, 21. April 2021

OSCAR-Vorschau 2021 - Die Hauptkategorien

Eine hoffentlich einzigartig bleibende OSCAR-Saison wird am Sonntag mit der 93. Verleihung der Academy Awards ihr Ende finden - nach einem Jahr, in dem die meisten nominierten Filme in vielen Ländern der Welt pandemiebedingt gar nicht ins Kino kamen. Das drückt zweifellos auf die Stimmung und dürfte auch die Vorfreude auf die OSCAR-Verleihung bei vielen trüben, so auch bei mir - zumal ich aufgrund dieser Ausnahmesituation so wenige der nominierten Filme gesehen habe wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Und am meisten Spaß machen die OSCARs nun einmal, wenn man die beteiligten Werke auch selbst einschätzen kann. Trotzdem gibt es natürlich auch dieses Jahr eine ausführliche OSCAR-Vorschau inklusive Gewinner-Vorhersagen von mir, wobei ich selbst gespannt bin, ob meine Unkenntnis zahlreicher nominierter Filme die Prognose-Treffsicherheit erhöhen oder senken wird (oder ohne jede Auswirkung bleibt). Meine Erfolgsbilanz der letzten Jahre: 17, 14, 19, 14, 16, 15, 18 (bei jeweils 24 Kategorien; dieses Jahr gibt es eine weniger, da die beiden Ton-Kategorien zusammengelegt wurden). Als Basis meiner Einschätzung der Favoritenlage dienen neben meiner eigenen jahrelangen Erfahrung vor allem die bisherigen Preisverleihungen der aktuellen Awards Season sowie US-amerikanische OSCAR-Blogs wie Gurus o' Gold, Goldderby.com und Indiewire. Und damit legen wir direkt mit der Königskategorie los:

Bester Film: 
- The Father
- Judas and the Black Messiah
- Minari
- Nomadland
- Promising Young Woman
- Sound of Metal

Davon habe ich gesehen und kann daher selbst beurteilen: Lediglich "Mank" und "The Trial of the Chicago 7".
Favorit: "Nomadland". Chloé Zhaos Indie-Aussteigerdrama dominierte die Awards Season zu Beginn, schwächelte im Mittelteil ein bißchen, meldete sich aber in der heißen Phase wieder ganz stark zurück und ist der Film, den es zu schlagen gilt. Als einziger ernstzunehmender Rivale gilt (nachdem "Mank" konsequent schwächer als erwartet abschnitt) Aaron Sorkins historisches Gerichts- und Bürgerrechtsdrama "The Trial of the Chicago 7", das glänzend zum Zeitgeist und in die gesellschaftliche und politische Lage paßt, aber vielleicht ein bißchen zu glatt für den ganz großen Triumph ausgefallen ist. Zudem wurde Sorkin zwar als Autor, aber nicht als Regisseur nominiert, was traditionell kein gutes Zeichen ist. Manche glauben zudem, daß das hochgelobte Einwanderer-Drama "Minari" eine ähnliche Überraschungsrolle wie letztes Jahr "Parasite" spielen könnte, allerdings halte ich das für unwahrscheinlich, weil der Favorit diesmal keine klassische Hollywood-Großproduktion wie "1917", "The Irishman" oder "Once Upon a Time in ... Hollywood" ist, denen manche Academy-Mitglieder den Sieg vielleicht nicht so sehr gönnten, sondern selbst ein Independent-Film. Minimale Siegchancen haben "Mank", "Promising Young Woman" und "Judas and the Black Messiah", wohingegen "Sound of Metal" und wohl auch "The Father" chancenlos sein sollten.

Gewinnen sollte: Da ich nur zwei Filme gesehen habe, kann ich das nicht wirklich beurteilen, drücke aber primär "Mank" und "Promising Young Woman" die Daumen.
Gewinnen wird: "Nomadland".

Dienstag, 6. April 2021

OSCAR-News: Schauspielergilde sorgt mit zwei überraschenden Gewinnern für mehr Spannung im OSCAR-Rennen

Eigentlich sah es in den letzten Wochen ja nach einem ziemlich langweiligen OSCAR-Abend aus, da sich in den meisten Hauptkategorien klare Favoriten herausgeschält hatten - darunter "Nomadland" als "Bester Film" und für die beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand). Doch die von den Schauspielern am Sonntag Abend vergebenen SAG Awards wirbeln den Status Quo erfreulicherweise doch wieder etwas durcheinander und sorgen zudem für ein historisches Novum: Erstmals gingen alle vier Einzelkategorien der Filmsparte an nicht-weiße Schauspieler! Bei Chadwick Boseman ("Ma Rainey's Black Bottom") ist dies keine Überraschung, er wird höchstwahrscheinlich auch den posthumen OSCAR für seine in der Tat sehr starke Leistung erhalten. Auch Daniel Kaluuya ("Judas and the Black Messiah") hat zuletzt fast alle wichtigen Preise für sich entscheiden können und setzt diese Erfolgsserie bei den SAG Awards fort.

Anders sieht es bei den Frauen aus: Als beste Hauptdarstellerin wurde nicht die favorisierte Frances McDormand geehrt und auch nicht die als ihre härteste Konkurrentin gehandelte Carey Mulligan ("Promising Young Woman"), sondern Chadwick Bosemans Leinwandpartnerin Viola Davis. Das ist keine Sensation, weil Davis, McDormand und Mulligan als realistische OSCAR-Gewinnerinnen gehandelt werden, jedoch lag Davis in diesem Trio bislang eher an der letzten Stelle - nun dürfte sie ob des großen Gewichts der Schauspieler innerhalb der Academy an der Spitze liegen, auch wenn definitiv nichts entschieden ist. Bei den Nebendarstellerinnen konnte sich Youn Yuh-jung aus dem Einwandererdrama "Minari" gegen die Seriensiegerin der letzten Wochen durchsetzen, Maria Bakalova aus "Borat Anschluss Moviefilm" (und auch gegen die junge Deutsche Helena Zengel, die hier im Gegensatz zu den OSCARs ebenfalls nominiert war). Damit sollte sich die OSCAR-Gewinnerin wohl zwischen Youn und Bakalova entscheiden, wobei die übrigen Nominierten Glenn Close, Olivia Colman und Amanda Seyfried auch nicht völlig aussichtslos im Rennen liegen. Die Frauen sorgen in den Schauspiel-Kategorien also für Spannung, während es bei den Männern so aussieht, als wäre alles bereits entschieden.

Bleibt noch der Preis für das beste Filmensemble, die SAG Award-Entsprechung der "Bester Film"-Kategorie. Durchsetzen konnte sich hier "The Trial of the Chicago 7", was zu erwarten war, da OSCAR-Topfavorit "Nomadland" gar nicht nominiert wurde (es ist nunmal kein wirklicher Ensemblefilm). Trotzdem eine starke Leistung, sich gegen den von den Stimmberechtigten offenbar sehr gemochten "Ma Rainey's Black Bottom" durchzusetzen. Damit bestätigt sich, daß Aaron Sorkins schwungvoller historischer Gerichtsfilm der aussichtsreichste Rivale von "Nomadland" in der Königskategorie bleibt, wenngleich seine Siegchancen eher gering sind.

Alle Gewinner inklusive der TV-Kategorien gibt es auf der SAG Awards-Homepage.

Donnerstag, 25. März 2021

OSCAR-News: Preis der Produzentengilde stärkt die Favoritenstellung von "Nomadland", "Promising Young Woman" triumphiert bei den Autoren

Nach den OSCAR-Nominierungen vor eineinhalb Wochen hat sich die Awards Season eine kleine Verschnaufpause gegönnt, die in den letzten Tagen allerdings mit den Preisverleihungen der Produzentengilde PGA und der Autorengilde WGA schon wieder ein Ende fand. Und das in den letzten Wochen nach einer kleinen Schwächephase in der Mitte der Awards Season zum Favoriten für die Königskategorie "Bester Film" bei den OSCARs avancierte Aussteigerdrama "Nomadland" untermauert diese Stellung mit dem Gewinn des Hauptpreises für die besten Produzenten eines Kinofilms bei den PGA Awards. Wie wichtig dieser Triumph für Chloé Zhaos Film ist, zeigt folgende Statistik: In den letzten 12 Jahren gewannen neun PGA Awards-Sieger auch den OSCAR für den "Besten Film" (letztes Jahr unterlag jedoch "1917" gegen "Parasite"). Es sieht also richtig gut aus für "Nomadland", während die verbliebenen Konkurrenten wie "The Trial of the Chicago 7" oder "Mank" ihre Felle langsam, aber sicher davonschwimmen sehen. Auch bei den Animationsfilmen gewann mit Pixars "Soul" der Topfavorit, während sich bei den Dokumentarfilmen etwas unerwartet der Publikumsliebling "Mein Lehrer, der Krake" durchsetzte - nachdem dessen OSCAR-Nominierung noch als Überraschung galt, kann er sich nun sogar reelle Siegchancen ausrechnen.

Alle Gewinner der PGA Awards inklusive der TV-Kategorien kann man bei Indiewire nachlesen (die PGA-Homepage ist noch nicht aktualisiert, während ich diese Zeilen schreibe).

Daß "Nomadland" nicht auch noch bei den Drehbuch-Autoren gewann, ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht für alle Konkurrenten sowie für jene, die auf etwas mehr Spannung bei den OSCARs hoffen (und natürlich für diejenigen, die den Film nicht mögen). In Wahrheit liegt es jedoch schlicht daran, daß Chloé Zhaos Drehbuch die strengen Regeln der WGA nicht erfüllte und deshalb wie einige Mitkonkurrenten ("Mank", "Minari", "Soul", "The Father") gar nicht zur Auswahl stand. Das verringert natürlich die Aussagekraft der WGA Awards, aber trotzdem wird sich Emerald Fennell sehr darüber freuen, daß sie für "Promising Young Woman" den Preis für das beste Originaldrehbuch gewann - auch bei den OSCARs hat sie gute Chancen, wenngleich Aaron Sorkin für "The Trial of the Chicago 7" trotz der Niederlage hier als leichter Favorit gilt. Bei den adaptierten Drehbüchern gewann in Abwesenheit von "Nomadland" und "The Father" das von sage und schreibe acht Autoren verantwortete Skript zu "Borat Anschluss Moviefilm", das sich gegen die ebenfalls OSCAR-nominierten "The White Tiger" und "One Night in Miami" behaupten konnte. Bei den Academy Awards selbst spricht aber vieles für "Nomadland" als Gewinner. Die Dokumentarfilm-Kategorie gewann "The Dissident", was für die OSCARs aber ohne Bedeutung ist, da dieser Film eine Nominierung verpaßte - ebenso wie die anderen vier PGA Awards-Nominees ...

Alle Preisträger gibt es auf der Homepage der WGA Awards.

Der nächste wichtige Zwischenhalt auf dem Weg zu den OSCARs wird die Preisvergabe der Schauspielergilde bei den SAG Awards am 4. April.

Montag, 15. März 2021

OSCAR-Nominierungen 2021

Alle Nominierungen für die 93. Academy Awards am 25. April mit meiner Einschätzung zu den einzelnen Kategorien:

Bester Film: 
- The Father
- Judas and the Black Messiah
- Minari
- Nomadland
- Promising Young Woman
- Sound of Metal

Trotz der coronabedingt etwas geringeren Anzahl an hochkarätigen OSCAR-Anwärtern haben es acht Filme in die bis zu zehn Nominees umfassende Königskategorie geschafft - letztes Jahr waren es sogar neun. Damals hatten allerdings zum Zeitpunkt der Nominierungen fast alle eine realistische Siegchance und das ist dieses Jahr definitiv nicht gegeben. Vielmehr hat sich das Aussteigerdrama "Nomadland" in der Awards Season als Topfavorit herausgeschält, dem im Normalfall höchstens "The Trial of the Chicago 7" und vielleicht noch "Mank" oder "Minari" gefährlich werden könnten. Eine richtige Überraschung gibt es in dem Achterfeld nicht, wobei "The Father" und "Judas and the Black Messiah" es als Wackelkandidaten geschafft haben - und sich damit u.a. gegen "Borat 2", "Da 5 Bloods", "Neues aus der Welt" und "One Night in Miami" durchsetzen konnten. Netflix ist wie im Vorjahr zweifach vertreten ("Mank" und "The Trial of the Chicago 7"), mit "Minari" gibt es eine (teilweise) nicht-englischsprachige Produktion.

Regie:
- David Fincher, "Mank"
- Lee Isaac Chung, "Minari"
- Chloé Zhao, "Nomadland"
- Emerald Fennell, "Promising Young Woman" 
- Thomas Vinterberg, "Der Rausch"
 
Eine der größten Überraschungen der OSCAR-Nominierungen ist der Däne Thomas Vinterberg, der sich für seinen gefeierten "Der Rausch" in erster Linie gegen "The Trial of the Chicago 7"-Regisseur Aaron Sorkin behaupten konnte. Eine richtige Sensation ist aber weder Vinterbergs Anwesenheit (er war auch schon bei den britischen BAFTAs nominiert worden) noch Sorkins Fehlen, denn man konnte durchaus damit rechnen, daß es Sorkin nur als Drehbuch-Autor in die Endauswahl schaffen würde. Ansonsten sieht die Kategorie wie erwartet aus, Spike Lee ("Da 5 Bloods") oder Regina King ("One Night in Miami") sind damit leer ausgegangen. Die seit langem in den USA arbeitende Chinesin Chloé Zhao und die Britin Emerald Fennell sind die erst sechste und siebte OSCAR-nominierte Regisseurin (zudem ist es das erste Jahr, in dem zwei Frauen in der Kategorie nominiert sind), dafür ist Zhao aber auch gleich klare Favoritin. Am ehesten könnte ihr noch David Fincher gefährlich werden, aber danach sieht es nicht aus.

Hauptdarsteller:
- Sir Anthony Hopkins, "The Father"
- Chadwick Boseman, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Gary Oldman, "Mank"
- Steven Yeun, "Minari"
- Riz Ahmed, "Sound of Metal" 
 
Alles wie erwartet in dieser Kategorie, womit der zu Beginn der Awards Season als äußerst aussichtsreicher Mitfavorit geltende Delroy Lindo für seine intensive Performance in "Da 5 Bloods" leider leer ausgeht. Auch Tom Hanks ("Neues aus der Welt") oder Tahar Rahim ("The Mauritanian") ist keine Überraschung gelungen. Steven Yeun wurde derweil als erster asiatisch-amerikanischer Schauspieler in dieser Kategorie nominiert. Auch hier gibt es mit dem letztes Jahr verstorbenen Chadwick Boseman einen klaren Favoriten. Eine kleine Außenseiterchance kann man Altstar Anthony Hopkins zurechnen.

Hauptdarstellerin:
- Viola Davis, "Ma Rainey's Black Bottom"
- Frances McDormand, "Nomadland"
- Vanessa Kirby, "Pieces of a Woman"
- Carey Mulligan, "Promising Young Woman" 
- Andra Day, "The United States vs. Billie Holiday" 
 
Dieses Quintett galt schon länger als quasi gesetzt, und so kam es nun auch. Amy Adams ("Hillbilly Elegy"), Michelle Pfeiffer ("French Exit"), Zendaya ("Malcolm & Marie"), Kate Winslet ("Ammonite") oder Anya Taylor-Joy ("Emma") konnten ihre Minichance ergo nicht nutzen. Dies ist die erste Kategorie, die weitgehend offen erscheint: Davis - die nun mit vier Nennungen die meistnominierte schwarze Schauspielerin ist -, McDormand und Mulligan scheinen die besten Aussichten zu haben, aber auch Day und Kirby sind nicht chancenlos. Frances McDormand sollte gewinnen, falls "Nomadland" generell einen großen Siegeszug feiert, allerdings sind sie und Davis bereits OSCAR-Gewinnerinnen, wohingegen Carey Mulligan lange überfällig ist. Ich hoffe auf Mulligan, tippe aktuell aber auf McDormand.