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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 1. November 2012

ROBOT & FRANK (2012)

Regie: Jake Schreier, Drehbuch: Christopher D. Ford, Musik: Francis and the Lights
Darsteller: Frank Langella, Susan Sarandon, James Marsden, Liv Tyler, Jeremy Sisto, Jeremy Strong, Bonnie Bentley, Ana Gasteyer, Peter Sarsgaard
 Robot & Frank
(2012) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,1); weltweites Einspielergebnis: $4,8 Mio.
FSK: 0, Dauer: 89 Minuten.

In der nahen Zukunft: Der ehemalige Fassadenkletterer Frank (Frank Langella, "Frost/Nixon", "Good Night, and Good Luck.") ist inzwischen ein alter, ziemlich einsamer Mann. Da er von seiner Frau seit 30 Jahren geschieden ist, lebt er allein in seinem recht abgelegenen Haus am Waldrand. Tochter Madison (Liv Tyler, "Der unglaubliche Hulk") reist zu karitativen Zwecken quer durch die Welt und Sohn Hunter (James Marsden, "Hairspray") ist ein Anwalt, der Frank zwar regelmäßig besucht, angesichts der langen Anreise und der mäßigen Dankbarkeit seines Vaters aber nicht glücklich mit der Situation ist. Franks einziges Vergnügen ist der Besuch der örtlichen Bücherei, in der er mit der Bibliothekarin Jenny (Susan Sarandon, "Cloud Atlas") flirtet und über Bücher fachsimpelt. Leider wird der ehemalige Dieb zunehmend vergeßlich, auch wenn er selbst das partout nicht wahrhaben will. Dennoch drängt Hunter ihm eines Tages einen humanoiden Roboter auf, der Frank im Alltag zur Seite stehen und seinen Gesundheitszustand überwachen soll. Anfangs ist der rüstige Ex-Dieb mit dieser Maßnahme überhaupt nicht einverstanden, doch schon bald beginnt er die Konversationen mit dem hartnäckigen Roboter zu schätzen und als dieser ihm aus gesundheitlichen Gründen die Aufnahme eines Hobbys vorschlägt, kommt Frank eine geniale Idee: Anstelle der vorgeschlagenen Gartenarbeit macht er den Roboter lieber zu seinem Komplizen bei der Planung von Einbrüchen ...

Kritik:
Humanoide Roboter waren schon immer ein beliebtes Film- und Literaturthema, doch nun, wo deren Einsatz nicht mehr pure Science-Fiction ist, sondern ansatzweise bereits Realität, scheinen sie verstärkt die Aufmerksamkeit der Filmemacher zu wecken. Alex Proyas' "I, Robot", Steven Spielbergs "A.I. – Künstliche Intelligenz" oder Chris Columbus' "Der 200 Jahre Mann" sind nur einige prominente Beispiele von Werken der jüngeren Vergangenheit, in denen Roboter mehr oder weniger ernsthaft und realistisch thematisiert werden. Jake Schreier, bislang vor allem als Regisseur von Kurzfilmen sowie Musik- und Werbeclips beschäftigt, bringt mit der feinfühligen Tragikomödie "Robot & Frank", seinem Spielfilmdebüt, den neuesten Beitrag zum Thema in die Kinos.

Leider wirkt die Darstellung der "nahen Zukunft" hier weniger überzeugend als zuletzt etwa in Kike Maíllos "Eva". Abgesehen von den elegant designten und realistisch wirkenden Robotern gibt es nur wenige sichtbare Unterschiede zu unserer Gegenwart, wohingegen "Eva" mit etlichen subtilen Veränderungen geschickt die Illusion einer ebenfalls nicht allzu fernen Zukunft zum Leben erweckt. Natürlich kann man argumentieren, daß die nicht genauer spezifizierte "nahe Zukunft" in "Robot & Frank" möglicherweise nur einen Zeitsprung um einige Jahre umfaßt, während es in "Eva" immerhin drei Jahrzehnte sind. Dagegen spricht allerdings, daß Frank der letzte verbliebene Kunde der Bücherei ist, da alle anderen nur noch digitale Bücher lesen – ein solcher Zustand mag zwar bereits absehbar sein, ist aber doch noch ein gutes Stück entfernt. So oder so: Die Welt von "Robot & Frank" fühlt sich trotz eines passenden, leicht futuristisch wirkenden Elektronik-Soundtracks von der Band Francis and the Lights nicht wirklich anders an als unsere Gegenwart.

Allzu sehr stört das allerdings nicht, denn die Stärken von Schreiers Film liegen vor allem in der unaufgeregten, milde humorvollen Betrachtung des Umgangs mit älteren Menschen, einem gesellschaftlichen Problem, das angesichts der demografischen Entwicklung immer stärker in den öffentlichen Blickpunkt rücken wird. Schreier und Drehbuch-Autor Christopher D. Ford nehmen sich dieser Thematik angenehm zurückhaltend und mit viel Empathie an, ohne es zu banalisieren. Frank und seine Familie wirken absolut glaubwürdig und wie aus dem Leben gegriffen, man kann das Verhalten aller Figuren problemlos nachvollziehen. Es gibt hier kein "gut" und kein "böse", kein "richtig" oder "falsch". Es gibt nur drei Menschen, die alle auf ihre Weise versuchen, mit ihrem Leben klarzukommen. Und Frank wird dabei nun eben (zunächst ungewollt) von seinem neuen Roboter unterstützt.

Dieser sorgt dann auch dafür, daß die Handlung niemals gar zu schwermütig wird. Franks Konversationen mit dem in der originalen Sprachfassung von Peter Sarsgaard ("An Education") gesprochenen Roboter sind stets humorvoll und die sich sachte entwickelnde ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden geht zu Herzen. Gelegentlich gibt es sogar ein wenig Situationskomik, was vor allem dank Frank Langellas großer Schauspielkunst wunderbar funktioniert. Denn, daran kann kein Zweifel bestehen, "Robot & Frank" ist Langellas Film, für den ihm sogar Chancen auf seine zweite OSCAR-Nominierung (nach "Frost/Nixon") eingeräumt werden. Zwar ist auch die restliche Besetzung gut und vor allem Susan Sarandon stellt in den amüsanten Schäkereien mit Frank erwartungsgemäß einen gleichwertigen Gegenpol dar; aber Langellas anrührende Darstellung des griesgrämigen alten Mannes mit dem sprichwörtlichen weichen Kern unter einer rauhen Schale dominiert den Film ganz eindeutig.

Der Erzählstrang rund um die Einbruchsplanung ist witzig, allerdings auch recht oberflächlich, zumal das Ziel seines großen Coups – ein arrogantes, ebenso junges wie steinreiches Yuppie-Ehepaar – in seiner Klischeehaftigkeit gerade im Vergleich zu den übrigen Filmfiguren wie ein Fremdkörper wirkt. Davon abgesehen kann das Drehbuch trotz weniger echter Highlights nur gelobt werden für seine realitätsnahe und einfühlsame Herangehensweise an die Thematik.

Fazit: "Robot & Frank" ist eine unspektakuläre, aber sehr sympathische Tragikomödie mit einem tollen Hauptdarsteller Frank Langella. Die Handlung ist wenig aufregend und großteils ziemlich vorhersehbar, jedoch humor- und liebevoll erzählt. Klassisches Arthouse-Kino.

Wertung: 7,5 Punkte.


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