Der deutsche Kinomonat März erfreut Kinofans mit einem bunt gemischten Programm, dessen Bandbreite von einem neuen Pixar-Animationsfilm ("Hoppers") über diverse Arthouse-Highlights ("Nouvelle Vague", Berlinale-Gewinner "Gelbe Briefe", "Pillion") und originell klingende Genrefilme ("Good Luck, Have Fun, Don't Die", "They Will Kill You") bis hin zu zwei Hollywood-Großproduktionen ("Der Astronaut", "The Bride!") reicht. Wer da nicht fündig wird, macht etwas falsch ...
5. März:
"Hoppers":
Mit
Pixars neuem Animationsfilm "Hoppers" feiert Daniel Chong
sein Kino-Regiedebüt, nachdem er bereits an Pixar-Werken wie "Alles steht Kopf", "Lightyear" und "Elemental"
beteiligt war. In der Welt von "Hoppers" wurde eine
Technologie entwickelt, mit der man das menschliche Bewußtsein in
robotische Tiere übertragen kann. Das nutzt die naturverbundene
Studentin Mabel aus, um ihr Bewußtsein in einen Biber zu übertragen
und in dieser Form die Tiere des Waldes zum Kampf gegen den geplanten
Bau einer Autobahn in der unberührten Natur aufzurufen.
"The Bride!
– Es lebe die Braut"
Nachdem
Guillermo del Toro letztes Jahr eine eher klassische Neufassung von
Mary Shelleys "Frankenstein" in die Kinos brachte
(allerdings nur in wenige und nur für kurze Zeit, da es sich um eine
Netflix-Produktion handelt), präsentiert nun Schauspielerin Maggie
Gyllenhaal ("The Dark Knight") in ihrer zweiten Regiearbeit
nach "Frau im Dunkeln" eine deutlich freiere Version des
zweiten klassischen Universal-Frankenstein-Films "Frankensteins
Braut" aus dem Jahr 1935. "The Bride!" spielt im
Chicago der 1930er Jahre und zeigt, wie Frankensteins einsame Kreatur
(Christian Bale, "The Big Short") die Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Annette
Bening, "Captain Marvel") bittet, ihm eine Gefährtin (Jessie Buckley, "Die Misswahl") zu erschaffen.
"Gelbe
Briefe":
Der
erste deutsche Gewinner des Goldenen Bären bei der Berlinale seit
Fatih Akins "Gegen die Wand" (2004) stammt von Ilker Çatak,
der erst letztes Jahr für "Das Lehrerzimmer" eine
OSCAR-Nominierung erhielt. "Gelbe Briefe" spielt in Ankara
und handelt von dem liberalen Künstler-Ehepaar Derya (Özgü Namal)
und Aziz (Tansu Biçer).
Als es im Land zu Aufständen und Demonstrationen kommt, werden viele
Künstler von der autokratischen Regierung unter fadenscheinigen
Vorwänden mit einem Berufsverbot belegt, darunter auch Derya und
Aziz. Da die Repressalien an ihren Finanzen zehren, müssen die
beiden – deren Ehe unter der Situation zunehmend leidet – sich
irgendwann entscheiden, ob sie weiter zu ihren Prinzipien stehen oder
sich den Vorgaben der Regierung unterwerfen sollen ...
"The
Chronology of Water":
Das
Langfilm-Regiedebüt von Schauspielerin Kristen Stewart ist ein von
der Kritik gefeiertes Arthouse-Biopic über die talentierte
Schwimmerin Lidia Yuknavitch (Imogen Poots, "Centurion"), die hofft, durch ein
Stipendium an einem texanischen College ihrem kaputten Elternhaus zu
entkommen. Doch schon bald verliert sie ihr Stipendium wegen Alkohol-
und Drogenmißbrauchs und startet daraufhin einen Neuanfang an der
University of Oregon, wo sie sich im Kurs des Autors Ken Kesey (Jim
Belushi, "Wonder Wheel") als experimentelle Schriftstellerin versucht und auf diesem
Wege auch ihre eigene Sexualität erforscht.
12.
März:
"Für immer
ein Teil von dir – Reminders of Him":
Colleen
Hoover ist gewissermaßen das neue "It-Girl" in Hollywood.
Nachdem im Jahr 2024 mit "Nur noch ein einziges Mal" die
erste Filmadaption eines Romans der US-amerikanischen Romanzen-Bestseller-Autorin zu einem Riesenerfolg wurde (trotz großen
Dramas hinter den Kulissen), stürzten sich die Studios sofort auf
weitere Hoover-Romane. Bereits 2025 folgte "All das Ungesagte
zwischen uns – Regretting You", ein weiteres Jahr später erobert "Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him"
die Kinos (und zumindest in den USA steht bereits im Oktober mit
"Verity" der nächste Vertreter in den Startlöchern). In
der Hauptrolle verkörpert die sonst eher horroraffine Maika Monroe
("It Follows") Kenna, die nach Verbüßung einer
mehrjährigen Haftstrafe in ihren Heimatort zurückkehrt, wo ihre
vierjährige – im Gefängnis geborene – Tochter lebt. Deren
Zieheltern wollen Kenna aber (durchaus aus guten Gründen) jeglichen
Umgang verbieten, zudem findet Kenna wegen ihrer Vorstrafe keine
Arbeit. Nur der Barbesitzer Ledger (Tyriq Withers, "Him – Der
Größte aller Zeiten") zeigt sich unvoreingenommen und nach und nach
verlieben sie sich ineinander.
"Good Luck,
Have Fun, Don't Die":
Gore
Verbinski zählt zweifellos zu den ungewöhnlicheren Filmemachern in
Hollywood. Mit der "Fluch der Karibik"-Trilogie schuf er
eine der größten Blockbuster-Reihen überhaupt, mit dem
Japan-Remake "Ring" oder dem von Italowestern inspirierten
Animationsfilm "Rango" feierte er weitere großen Erfolge.
Gleichzeitig frönt Verbinski aber auch immer wieder seiner Vorliebe
für etwas abseitigere, nicht unbedingt massentaugliche Stoffe wie
"The Weather Man" oder "A Cure for Wellness" –
und selbst seine sündteure und heftig gefloppte Comicverfilmung
"Lone Ranger" hat ihren ganz eigenen Stil. Nach
neunjähriger Pause kehrt Verbinski nun mit genau einem dieser
schrägeren Stoffe zurück, denn der für nur etwa $20 Mio.
produzierte und sehr wohlwollend rezensierte "Good Luck, Have
Fun, Don't Die" ist eine auf den ersten Blick abstruse
Genremischung irgendwo zwischen Science Fiction, Zeitreisen-Komödie
und Drama. Als ein wie ein Obdachloser aussehender Mann (Sam
Rockwell, "See How They Run") in einem Diner in Los Angeles auftaucht und behauptet, aus
der Zukunft hierher gereist zu sein, um Mitstreiter im Kampf gegen
eine die Menschheit bedrohende Künstliche Intelligenz zu suchen,
glaubt ihm natürlich kein Schwein – dabei versucht er es angeblich
bereits zum 117. Mal! Diesmal hat er allerdings ein Hilfsmittel
mitgebracht, mit dem er zumindest einige der Anwesenden überzeugen
kann, ihm zu helfen … Mit Juno Temple, Zazie Beetz, Michael Peña
und Haley Lu Richardson.
"Nouvelle
Vague":
Ebenfalls
mit sehr guten Kritiken sowie u.a. vier Césars aufwarten kann das
neueste Arthouse-Werk von Richard Linklater ("Boyhood").
Wie der Titel schon verrät, führt Linklater uns in seinem
Schwarzweiß-Drama in die frühen 1960er Jahre zurück, genauer
gesagt zu den Dreharbeiten des Klassikers "Außer Atem".
Der war nicht nur das Langfilm-Regiedebüt des Filmkritikers Jean-Luc Godard,
sondern gilt auch als stilprägendes Schlüsselwerk der französischen
"Nouvelle Vague" ("Neue Welle"). Die "Außer
Atem"-Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg werden
nun vom Newcomer Aubry Dullin respektive von Zoey Deutch ("Juror
#2") verkörpert, als Godard agiert mit Guillaume Marbeck ein
weiterer Kino-Neuling.
"The
Testament of Ann Lee":
Amanda
Seyfried ("Mank") spielt im positiv rezensierten historischen Biopic des
verheirateten Künstler-Paares Mona Fastvold und Brady Corbet ("Der
Brutalist") Ann Lee, die im Manchester des 18. Jahrhunderts
aufwächst und später zur Gründerin der aus den Quäkern
hervorgegangenen religiösen "Shaker"-Bewegung wird (so
genannt wegen des rituellen Schütteltanzes seiner Anhänger). Lewis
Pullman ("Thunderbolts") spielt Anns Ehemann William, in
weiteren Rollen agieren Thomasin McKenzie, Tim Blake Nelson, Stacy
Martin und Christopher Abbott.
19.
März:
"Der
Astronaut – Project Hail Mary":
Im
Jahr 2015 feierte Sir Ridley Scott mit seiner Verfilmung des
Bestsellers "Der Marsianer" von Andy Weir einen seiner
größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit. Nun folgt mit dem
zweieinhalbstündigen SciFi-Abenteuerfilm "Der Astronaut"
eine weitere Weir-Adaption, auf der viele Hoffnungen ruhen. Unter der
Regie von Phil Lord und Chris Miller ("21 Jump Street")
spielt Ryan Gosling ("The Fall Guy") den titelgebenden Astronauten und Wissenschaftler
Ryland Grace, der ohne jegliche Erinnerung alleine auf einem
Raumschiff erwacht. Als sein Gedächtnis nach und nach zurückkehrt,
erkennt Ryland, daß er auf einer wichtigen Mission ist, von deren
Gelingen nicht weniger als das Überleben der Menschheit abhängt –
denn die Sonne droht zu erlöschen! In der zweiten Hauptrolle als
Rylands Chefin von der Europäischen Weltraumorganisation ESA absolviert
Sandra Hüller ("Toni Erdmann") ihr Hollywood-Debüt.
"Is This
Thing On?":
Bradley
Coopers dritte Kino-Regiearbeit nach "A Star Is Born" und
"Maestro" ist eine von der Kritik hochgelobte Tragikomödie,
die lose auf dem Leben des britischen Komikers John Bishop basiert.
Dessen in New York lebendes filmisches Alter Ego Alex wird vom
kanadischen Komiker Will Arnett (Sprecher der Titelfigur in der
grandiosen Netflix-Animationsserie "BoJack Horseman")
verkörpert. Die Ehe zwischen Alex und Tess (Laura Dern, "Star Wars Episode VIII") ist am Ende,
die Scheidung steht kurz bevor und Alex kommt auf die Idee, seine
Probleme als Stand-Up-Comedian zu verarbeiten – während die
Ex-Profi-Volleyballerin Tess die Chance erhält, das US-Olympiateam
für 2028 mitzutrainieren.
"Ein Sommer
in Italien – WM 1990'":
Der
Titel dieses Dokumentarfilms von Nadja Kölling und Vanessa Goll
sollte selbsterklärend sein: Es geht um den dritten deutschen
Fußball-WM-Titel, den die Nationalmannschaft unter Teamchef Franz
Beckenbauer in Italien gewann. Mit Archivmaterial sowie vielen
Erinnerungen und Anekdoten der beteiligten Spieler.
"Amsterdamned
II – Verfluchtes Amsterdam":
1988
gelang dem niederländischen Filmemacher Dick Maas mit dem
Actionthriller "Verfluchtes Amsterdam" ein internationaler
Achtungserfolg. Beinahe 40 Jahre später folgt doch tatsächlich eine
Fortsetzung, wiederum von Dick Maas. Hauptdarsteller Huub Stapel
("Flodder"-Reihe) kehrt zurück als ehemaliger Polizist
Eric Visser, der inzwischen im Ruhestand ist. Als sich jedoch bei
einer Mordserie, die die junge Ermittlerin Tara Lee (Holly Mae Brood)
untersucht, Verbindungen zu einem alten Fall Vissers ergeben, bietet
er seine Hilfe an. Trotz gemischter Kritiken wurde "Amsterdamned
II" in seiner Heimat immerhin fünfterfolgreichster
niederländischer Film des Jahres 2025.
26.
März:
"Horst
Schlämmer sucht das Glück":
17
Jahre, nachdem er mit "Horst Schlämmer – Isch kandidiere!"
mehr als 1,3 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt hat,
kehrt Hape Kerkeling zu seiner Paraderolle als rückengeplagter
Lokaljournalist Horst Schlämmer zurück. Unter der Regie des
komödienerfahrenen Sven Unterwaldt Jr. ("7 Zwerge") hat
Schlämmer genug von der ständigen schlechten Laune überall und
beschließt, Deutschland zu bereisen, um herauszufinden, wie wir
endlich wieder glücklich sein können ...
"Shelter":
Das klingt doch nach einem sehr typischen Jason Statham-Film: In Ric Roman Waughs
("Greenland") solide rezensiertem Actionthriller spielt
Statham den auf einer kleinen schottischen Insel lebenden Einsiedler
Michael Mason, der selbstverständlich früher mal ein Eliteagent
war. Das kommt ihm sehr gelegen, als er bei einem seltenen Ausflug
nach London fälschlicherweise als gesuchter Terrorist identifiziert
wird und deshalb eine Spezialeinheit auf ihn angesetzt wird!
Erschwert wird Michaels Kampf um sein Leben dadurch, daß er sich
auch noch um die junge Jessie (Bodhi Rae Breathnach, "Hamnet")
kümmern muß, die er kurz zuvor vor dem Ertrinken gerettet hat ...
"They Will
Kill You":
In
der actionreichen US-Horrorkomödie von Kirill Sokolov ("Why
Don't You Just Die!") spielt die deutsch-amerikanische
Schauspielerin Zazie Beetz ("Deadpool 2") Asia, die einen
Job als Haushaltshilfe in einem New Yorker Hochhaus annimmt. Was sie
(noch) nicht weiß: In diesem Hochhaus sind über Jahre hinweg immer
wieder Menschen spurlos verschwunden – und schon bald muß auch
Asia um ihr Leben kämpfen … Mit Heather Graham, Patricia Arquette
und Tom Felton.
"Blue Moon":
In
seinem zweiten, für zwei OSCARs nominierten Film des Monats (nach
"Nouvelle Vague") erzählt Richard Linklater die wahre
Geschichte des US-Songwriters Lorenz Hart (Ethan Hawke, "Before Sunset"), der im Jahr
1943 damit klarkommen muß, daß sein langjähriger musikalischer
Partner Richard Rodgers (Andrew Scott, "Spectre") mit seinem neuen Partner Oscar
Hammerstein II (Simon Delaney) mit dem Musical "Oklahoma!"
einen riesigen Erfolg am Broadway feiert. Linklaters dialogstarkes
Kammerspiel spielt genau am Abend der Premiere von "Oklahoma!"
in einem Restaurant, in dem Hart sein Leben, seine Entscheidungen und
seine Beziehungen Revue passieren läßt.
"Pillion":
Harry
Lightons von der Kritik geradezu hymnisch gefeiertes tragikomisches
britisch-irisches Kino-Regiedebüt erzählt auf Grundlage des Romans
"Box Hill" von Adam Mars-Jones die unkonventionelle
Geschichte des schüchternen Colin (Harry Melling, "Der denkwürdige Fall des Mr. Poe"), dessen Leben sich
grundlegend ändert, als er auf den charismatischen Ray (Alexander
Skarsgård, "Melancholia")
trifft. Der Anführer eines queeren Motorradclubs entführt Colin in
eine ihm ganz neue subkulturelle Welt, in der sie eine
sadomasochistische Beziehung eingehen ...
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