Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 19. Februar 2026

VENOM: THE LAST DANCE (2024)

Regie und Drehbuch: Kelly Marcel, Musik: Dan Deacon
Darsteller: Tom Hardy, Chiwetel Ejiofor, Juno Temple, Rhys Ifans, Clark Backo, Stephen Graham, Alanna Ubach, Hala Finley, Dash McCloud, Cristo Fernández, Reid Scott, Andy Serkis
IMDb: 6,0; Rotten Tomatoes: 40%; weltweites Einspielergebnis: $478,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 109 Minuten.
Nachdem der Enthüllungsjournalist Eddie Brock (Tom Hardy, "The Bikeriders") und sein gefräßiger außerirdischer Symbiont Venom den Kampf gegen Carnage gewonnen haben, flüchten sie nach Mexiko – immerhin kam bei der Schlacht in einer Kathedrale auch Detective Mulligan (Stephen Graham, Netflix-Serie "Adolescence") zu Tode, wofür Eddie der Hauptverdächtige ist. Da das aber keine Dauerlösung sein soll, wollen sie sich nach New York aufmachen, um die Dinge aufzuklären. Dummerweise werden sie auf dem Weg dorthin jedoch von einer Xenophage attackiert, einer riesigen, zerstörerischen und scheinbar unbesiegbaren außerirdischen Kreatur, die offensichtlich auf Venom angesetzt wurde. Denn, so erfährt Eddie von Venom, gemeinsam verfügen sie in ihrem Körper über den einzigen Schlüssel im Universum zur Befreiung des gottgleichen und äußerst bösartigen Knull (Andy Serkis, Regisseur von "Venom: Let There Be Carnage"), dessen Ziel die Vernichtung allen Lebens im Universum ist. Als wäre das noch nicht Problem genug, macht auch noch General Strickland (Chiwetel Ejiofor, "Doctor Strange") mit einer Spezialeinheit des US-Militärs namens "Imperium" Jagd auf Eddie und Venom, der in einem geheimen Testlabor unterhalb von Area 51 von einem von Dr. Teddy Payne (Juno Temple, "Wonder Wheel") geleiteten Wissenschaftlerteam untersicht werden soll ...

Kritik:
Die "Venom"-Trilogie ist schon ziemlich merkwürdig: Sonys im Kielwasser des Marvel Cinematic Universe mitschwimmende Spin-Off-Reihe aus dem "Spider-Man"-Universum kam bei den Kritikern nie gut an, löste auch bei den Comicfans nicht wirklich Begeisterung aus – und war doch ein großer kommerzieller Erfolg. Nicht einmal das nie eingelöste implizite Versprechen einer Begegnung des außerirdischen Symbionten mit Tom Hollands Spider-Man konnte daran etwas ändern. Dabei ist das nach den After-Credits-Szenen aus "Venom: Let There Be Carnage" und "Spider-Man: No Way Home" besonders enttäuschend, die unmißverständlich auf ein Kreuzen dieser beiden Super- respektive Antihelden-Welten hindeuteten. Daran schließt "The Last Dance" sogar direkt an, löst das aber äußerst ernüchternd auf – vermutlich war eine Begegnung sehr wohl geplant, konnte aber einfach nicht realisiert werden. Immerhin: "Venom: The Last Dance" ist meiner Ansicht nach dennoch der klar beste Teil der Trilogie, weil er sich mehr als seine überambitionierten Vorgänger auf seine Stärken besinnt und gar nicht erst versucht, mehr zu sein als ein geradliniges, humorvolles und actionreiches Superhelden-Abenteuer ohne jeden Tiefgang.

Der große Pluspunkt der "Venom"-Filme und mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Hauptgrund für den kommerziellen Erfolg der Trilogie ist zweifellos das Zusammenspiel zwischen Eddie Brock und seinem gefräßigen außerirdischen Symbionten Venom. Umso befremdlicher war es, daß die ersten beiden Filme gar nicht so sehr auf diese große Stärke setzten. War es bei "Venom" zumindest noch nachvollziehbar, daß die beiden unfreiwilligen Partner erst einmal zueinander finden mußten, trennte man sie in "Venom: Let There Be Carnage" unnötigerweise für eine längere Zeit und unterminierte damit den Unterhaltsamkeitsgrad des Films. Diesen Fehler macht Regiedebütantin und Drehbuch-Autorin Kelly Marcel – die bereits an den Skripten zu den beiden Vorgängern beteiligt war – zum Glück nicht noch einmal. In "Venom: The Last Dance" bekommen wir das Duo Eddie und Venom fast von Anfang bis Ende in Bestform geboten. Und es bleibt dabei: Die ständigen Kabbeleien zwischen den beiden – die inzwischen allerdings erheblich liebevoller ausfallen, da sich beide endgültig mit ihrer Koexistenz abgefunden und sogar angefreundet haben – sorgen beim Publikum für viel gute Laune und überdecken jegliche Schwächen. Die gibt es wohlgemerkt weiterhin, angefangen bei der selbst für Comic-Verhältnisse reichlich absurd und unglaubwürdig wirkenden "MacGuffin"-Konstruktion rund um den in Eddie/Venom verborgenen "Codex", der als einziges den ganz schlimmen Oberbösewicht Knull freisetzen könnte. Dabei ist Knull im Prinzip keine uninteressante Figur: Er ist der Schöpfer der Symbionten, der aber von seinen eigenen Kreaturen zum Schutz des Universums gestürzt und festgesetzt wurde. Das ist eine Hintergrundgeschichte von beinahe shakespeare'schen Ausmaßen, die aber leider kaum eine Rolle spielt und daher im Prinzip verschwendet ist.

Zum Glück kann man als Zuschauer darüber aber gar nicht lange nachdenken, denn dafür ist das vorgelegte Erzähltempo einfach zu hoch. "Venom: The Last Dance" ist beinahe durchwegs eine einzige Verfolgungsjagd mit drei Parteien – das funktioniert gut und überdeckt auch den Fakt, daß die Geschichte letztlich sehr schlicht und ziemlich geradlinig ist (sowie die bedauerliche Abwesenheit von Michelle Williams als Eddies Ex-Freundin Anne). Immerhin gibt es zwischendurch eine kurze Ruhephase zum Durchatmen, in der Eddie vom aliengläubigen Hippie Martin (Rhys Ifans, "The Amazing Spider-Man") in seinem Camper mitgenommen wird, der mit seiner Familie die legendenumwobene Area 51 besuchen will, die kurz vor der Stillegung steht. Dramaturgisch ist diese Episode unnötig, aber sie ist eine willkommene Abwechslung in all der Action und hat einige wirklich nette, warmherzige und witzige Momente zu bieten. Die dritte involvierte Partei, das US-Militär innerhalb der Operation "Imperium", profitiert derweil vor allem von der guten Besetzung: Schauspieler vom Kaliber eines Chiwetel Ejiofor oder einer Juno Temple brauchen eben gar nicht so viel Screentime, um ihre neuen Charaktere glaubwürdig und ambivalent genug anzulegen, daß man sich lange Zeit nicht sicher ist, ob sie nun zu den Guten oder zu den Bösen gehören oder irgendwas dazwischen. Am Ende läuft jedenfalls alles auf den erwarteten Showdown zwischen Xenophagen, Symbionten und dem US-Militär hinaus, was von Kelly Marcel spektakulär in Szene gesetzt ist (auch wenn in dem insgesamt gelungenen Effektgewitter nicht jeder Spezialeffekt hundertprozentig überzeugt). Somit ist "Venom: The Last Dance" ein gelungener Abschluß einer leicht pulpigen Anti-Superhelden-Trilogie, die ihr Potential nie ausschöpfen konnte, aber doch stets solide Unterhaltung bot. Interessanterweise gibt es übrigens auch hier zwei zusätzliche Szenen im respektive nach dem Abspann, von denen die erste überraschend klar auf eine Fortsetzung hindeutet – die würde dann aber wohl mit neuen Hauptfiguren stattfinden.

Fazit: "Venom: The Last Dance" ist ein unterhaltsamer Trilogie-Abschluß, der mit viel Action und Humor sowie einer guten Besetzung über die wenig originelle Story hinwegsehen läßt.

Wertung: 7,5 Punkte.


Bei Gefallen an meinem Blog würde ich mich über die Unterstützung von "Der Kinogänger" mittels etwaiger Bestellungen über einen der amazon.de-Links in den Rezensionen freuen, für die ich eine kleine Provision erhalte.

Venom: The Last Dance (DVD)

Venom: The Last Dance (Blu-ray) 

Venom: The Last Dance (4K) 

Venom: The Last Dance (Original Soundtrack, MP3)  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen