Regie und Drehbuch: Kelly Marcel, Musik: Dan Deacon
Darsteller:
Tom Hardy, Chiwetel Ejiofor, Juno Temple, Rhys Ifans, Clark Backo,
Stephen Graham, Alanna Ubach, Hala Finley, Dash McCloud, Cristo
Fernández, Reid Scott, Andy Serkis
IMDb:
6,0; Rotten Tomatoes: 40%; weltweites Einspielergebnis: $478,9 Mio.
FSK:
12, Dauer: 109 Minuten.
Nachdem der Enthüllungsjournalist Eddie Brock (Tom Hardy, "The Bikeriders")
und sein gefräßiger außerirdischer Symbiont Venom den Kampf gegen
Carnage gewonnen haben, flüchten sie nach Mexiko – immerhin kam
bei der Schlacht in einer Kathedrale auch Detective Mulligan (Stephen
Graham, Netflix-Serie "Adolescence") zu Tode, wofür Eddie
der Hauptverdächtige ist. Da das aber keine Dauerlösung sein soll,
wollen sie sich nach New York aufmachen, um die Dinge aufzuklären.
Dummerweise werden sie auf dem Weg dorthin jedoch von einer Xenophage
attackiert, einer riesigen, zerstörerischen und scheinbar
unbesiegbaren außerirdischen Kreatur, die offensichtlich auf Venom
angesetzt wurde. Denn, so erfährt Eddie von Venom, gemeinsam
verfügen sie in ihrem Körper über den einzigen Schlüssel im
Universum zur Befreiung des gottgleichen und äußerst bösartigen
Knull (Andy Serkis, Regisseur von "Venom: Let There Be
Carnage"), dessen Ziel die Vernichtung allen Lebens im Universum
ist. Als wäre das noch nicht Problem genug, macht auch noch General
Strickland (Chiwetel Ejiofor, "Doctor Strange") mit einer
Spezialeinheit des US-Militärs namens "Imperium" Jagd auf Eddie und Venom, der in
einem geheimen Testlabor unterhalb von Area 51 von einem von Dr.
Teddy Payne (Juno Temple, "Wonder Wheel") geleiteten
Wissenschaftlerteam untersicht werden soll ...
Kritik:
Die
"Venom"-Trilogie ist schon ziemlich merkwürdig: Sonys im
Kielwasser des Marvel Cinematic Universe mitschwimmende
Spin-Off-Reihe aus dem "Spider-Man"-Universum kam bei den
Kritikern nie gut an, löste auch bei den Comicfans nicht wirklich
Begeisterung aus – und war doch ein großer kommerzieller Erfolg.
Nicht einmal das nie eingelöste implizite Versprechen einer
Begegnung des außerirdischen Symbionten mit Tom Hollands Spider-Man
konnte daran etwas ändern. Dabei ist das nach den
After-Credits-Szenen aus "Venom: Let There Be Carnage" und
"Spider-Man: No Way Home" besonders enttäuschend, die
unmißverständlich auf ein Kreuzen dieser beiden Super- respektive
Antihelden-Welten hindeuteten. Daran schließt "The Last Dance"
sogar direkt an, löst das aber äußerst ernüchternd auf –
vermutlich war eine Begegnung sehr wohl geplant, konnte aber einfach
nicht realisiert werden. Immerhin: "Venom: The Last Dance"
ist meiner Ansicht nach dennoch der klar beste Teil der Trilogie,
weil er sich mehr als seine überambitionierten Vorgänger auf seine
Stärken besinnt und gar nicht erst versucht, mehr zu sein als ein
geradliniges, humorvolles und actionreiches Superhelden-Abenteuer
ohne jeden Tiefgang.
Der
große Pluspunkt der "Venom"-Filme und mit großer
Wahrscheinlichkeit auch der Hauptgrund für den kommerziellen Erfolg
der Trilogie ist zweifellos das Zusammenspiel zwischen Eddie Brock
und seinem gefräßigen außerirdischen Symbionten Venom. Umso
befremdlicher war es, daß die ersten beiden Filme gar nicht so sehr
auf diese große Stärke setzten. War es bei "Venom"
zumindest noch nachvollziehbar, daß die beiden unfreiwilligen
Partner erst einmal zueinander finden mußten, trennte man sie in
"Venom: Let There Be Carnage" unnötigerweise für eine
längere Zeit und unterminierte damit den Unterhaltsamkeitsgrad des
Films. Diesen Fehler macht Regiedebütantin und Drehbuch-Autorin
Kelly Marcel – die bereits an den Skripten zu den beiden Vorgängern
beteiligt war – zum Glück nicht noch einmal. In "Venom: The
Last Dance" bekommen wir das Duo Eddie und Venom fast von Anfang
bis Ende in Bestform geboten. Und es bleibt dabei: Die ständigen
Kabbeleien zwischen den beiden – die inzwischen allerdings
erheblich liebevoller ausfallen, da sich beide endgültig mit ihrer
Koexistenz abgefunden und sogar angefreundet haben – sorgen beim
Publikum für viel gute Laune und überdecken jegliche Schwächen.
Die gibt es wohlgemerkt weiterhin, angefangen bei der selbst für
Comic-Verhältnisse reichlich absurd und unglaubwürdig wirkenden
"MacGuffin"-Konstruktion rund um den in Eddie/Venom
verborgenen "Codex", der als einziges den ganz schlimmen
Oberbösewicht Knull freisetzen könnte. Dabei ist Knull im Prinzip
keine uninteressante Figur: Er ist der Schöpfer der Symbionten, der
aber von seinen eigenen Kreaturen zum Schutz des Universums gestürzt
und festgesetzt wurde. Das ist eine Hintergrundgeschichte von beinahe
shakespeare'schen Ausmaßen, die aber leider kaum eine Rolle spielt
und daher im Prinzip verschwendet ist.
Zum
Glück kann man als Zuschauer darüber aber gar nicht lange
nachdenken, denn dafür ist das vorgelegte Erzähltempo einfach zu
hoch. "Venom: The Last Dance" ist beinahe durchwegs eine einzige Verfolgungsjagd mit drei Parteien – das funktioniert
gut und überdeckt auch den Fakt, daß die Geschichte letztlich sehr
schlicht und ziemlich geradlinig ist (sowie die bedauerliche
Abwesenheit von Michelle Williams als Eddies Ex-Freundin Anne).
Immerhin gibt es zwischendurch eine kurze Ruhephase zum Durchatmen,
in der Eddie vom aliengläubigen Hippie Martin (Rhys Ifans, "The Amazing Spider-Man") in seinem
Camper mitgenommen wird, der mit seiner Familie die legendenumwobene
Area 51 besuchen will, die kurz vor der Stillegung steht.
Dramaturgisch ist diese Episode unnötig, aber sie ist eine
willkommene Abwechslung in all der Action und hat einige wirklich
nette, warmherzige und witzige Momente zu bieten. Die dritte
involvierte Partei, das US-Militär innerhalb der Operation
"Imperium", profitiert derweil vor allem von der guten
Besetzung: Schauspieler vom Kaliber eines Chiwetel Ejiofor oder einer
Juno Temple brauchen eben gar nicht so viel Screentime, um ihre neuen
Charaktere glaubwürdig und ambivalent genug anzulegen, daß man sich
lange Zeit nicht sicher ist, ob sie nun zu den Guten oder zu den
Bösen gehören oder irgendwas dazwischen. Am Ende läuft jedenfalls
alles auf den erwarteten Showdown zwischen Xenophagen, Symbionten und
dem US-Militär hinaus, was von Kelly Marcel spektakulär in Szene
gesetzt ist (auch wenn in dem insgesamt gelungenen Effektgewitter
nicht jeder Spezialeffekt hundertprozentig überzeugt). Somit ist
"Venom: The Last Dance" ein gelungener Abschluß einer
leicht pulpigen Anti-Superhelden-Trilogie, die ihr Potential nie
ausschöpfen konnte, aber doch stets solide Unterhaltung bot.
Interessanterweise gibt es übrigens auch hier zwei zusätzliche
Szenen im respektive nach dem Abspann, von denen die erste
überraschend klar auf eine Fortsetzung hindeutet – die würde dann
aber wohl mit neuen Hauptfiguren stattfinden.
Fazit:
"Venom: The Last Dance" ist ein unterhaltsamer
Trilogie-Abschluß, der mit viel Action und Humor sowie einer guten
Besetzung über die wenig originelle Story hinwegsehen läßt.
Wertung:
7,5 Punkte.
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