Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 5. Dezember 2018

OSCAR-News: Top 10 des American Film Institute bringt "BlacKkKlansman" und "The Favourite" zurück ins Spiel

Der zweite wichtige Wegweiser der Saison (nach den NBR Awards) ist die Bekanntgabe der zehn besten amerikanischen Filme des Jahres 2018 (ohne Reihung) nach dem Urteil des American Film Institute. Dies sind:

- Eighth Grade
- The Favourite
- First Reformed
- Green Book
- If Beale Street Could Talk
- Mary Poppins' Rückkehr

Einen Spezialpreis gibt es für Alfonso Cuaróns "Roma" (der nicht als ein US-Film klassifiziert wurde).

Besonders aufschlußreich ist natürlich der Vergleich mit der Top 10-Liste bei den NBR Awards, denn wer in beiden vertreten ist, für dessen OSCAR-Chancen ist das ein sehr gutes Zeichen - umgekehrt ist es natürlich mehr als besorgniserregend für einen Film, wenn er in beiden Listen fehlt. Letzteres trifft durchaus auf einige Schwergewichte wie "Aufbruch zum Mond", "Widows", "Vice" oder auch "A Beautiful Day" zu, deren Aussichten auf eine "Bester Film"-Nominierung damit zunächst einen recht schweren Schlag hinnehmen müssen - allerdings sind für "Aufbruch zum Mond" etliche Nominierungen in den technischen Kategorien garantiert und "Vice" kann sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein paar nominierte Darsteller verlassen, "Widows" wohl ebenso (bei "A Beautiful Day" hoffe ich zumindest auf eine Nominierung für Joaquin Phoenix).

Aber zurück zu den berücksichtigten Werken: In beiden Top 10- bzw. Top 11-Listen (bei den NBR Awards gab es "Bester Film" plus Top 10) vertreten sind "Black Panther", "Eighth Grade", "First Reformed", "Green Book" (der den Überraschungssieg bei den NBR Awards bestätigt), "If Beale Street Could Talk", "Mary Poppins' Rückkehr", "A Quiet Place" und "A Star is Born", durch den AFI-Spezialpreis gewissermaßen auch "Roma" - also neun Filme. Dieser hohe Grad an Übereinstimmung ist ziemlich bemerkenswert, letztes Jahr etwa wares es nur sechs. Doch selbst wenn sich diese Konzentration auf relativ wenige Filme (um die 15) in den weiteren Kritikerpreisen fortsetzen sollte, darf man nicht vergessen: Die OSCARs (die 2019 übrigens, wie jüngst verlautbarte, erstmals vom Schauspieler und Comedian Kevin Hart moderiert werden) werden nicht von Kritikern vergeben, sondern von Filmschaffenden. Dementsprechend passiert es jedes Jahr, daß von den Kritikern vernachlässigte Filme mit den überwiegend im neuen Jahr vergebenen Gildenpreisen zurück im Rennen sind (und umgekehrt, versteht sich). Von den NBR Awards fehlen beim AFI "The Ballad of Buster Scruggs" (der sowieso eine Überraschung war) und "Can You Ever Forgive Me?" (den man nicht abschreiben sollte), neu beim AFI sind "The Favourite" und "BlacKkKlansman", deren Fehlen bei den NBR Awards erstaunte und nun quasi korrigiert wird.

Mir persönlich ist ja schleierhaft, was "Black Panther" in solchen Bestenlisten zu suchen hat, da er meines Erachtens nicht mehr als ein solider Vertreter des Marvel Cinematic Universe ist (zudem klar schwächer als "Avengers: Infinity War"), aber "Wonder Woman" begann letztes Jahr die Awards Season ähnlich stark und ging am Ende ohne jede OSCAR-Nominierung heim, das kann sich durchaus wiederholen. Allerdings spielt natürlich die symbolische Bedeutung eines globalen Mega-Blockbusters, der fast ausschließlich von schwarzem Personal vor und hinter der Kamera geschaffen wurde, eine nicht unbedeutende Rolle, gerade angesichts des wieder verstärkt aufflammenden Rassismus (nicht nur) in den USA. Trotzdem: Rein qualitativ hat "Black Panther" meines Erachtens nichts im Rennen um eine "Bester Film"-Nominierung zu suchen und den "Quotenplatz" für Genrefilme hat sich "A Quiet Place" eher verdient. Das Comeback des Jahres kann man hingegen wohl schon jetzt dem 72 Jahre alten früheren "Taxi Driver"-Autor Paul Schrader attestieren, der sich nach vielen mageren Jahren mit von Kritikern und Publikum überwiegend ignorierten Werken ("Ein Leben für ein Leben", "The Canyons", "The Walker", "Dog Eat Dog") mit seinem intensiven Glaubensdrama "First Reformed" mit Ethan Hawke in der Rolle eines zweifelnden Priesters zurückmeldet.

Noch mehr Klarheit werden wir schon morgen bekommen, wenn mit den Nominierungen für die Golden Globes das erste größere Highlight der Awards Season ansteht.

Quelle:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen