Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 11. März 2015

FOCUS (2015)

Regie und Drehbuch: Glenn Ficarra und John Requa, Musik: Nick Urata
Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Rodrigo Santoro, Adrian Martinez, Gerald McRaney, BD Wong, Brennan Brown, Robert Taylor, Griff Furst
 Focus
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 56% (5,8); weltweites Einspielergebnis: $159,1 Mio.
FSK: 12, Dauer: 105 Minuten.

Als die junge Jess (Margot Robbie, "The Wolf of Wall Street") mit Hilfe ihrer beträchtlichen Reize den Mittvierziger Nicky (Will Smith) ausnehmen will, gerät sie an den Falschen – Nicky ist nämlich selbst ein Trickbetrüger, und zwar einer der Besten. Allerdings sieht er Potential in der unerfahrenen Jess und nimmt sie in der Folge unter seiner Fittiche, integriert sie in seine in New Orleans agierende Crew … und verliebt sich in sie. Da Nicky gelernt hat, daß Gefühle im Betrüger-Geschäft stets kontraproduktiv sind, verläßt er die geschockte Jess dennoch, sobald der Raubzug in New Orleans beendet ist. Drei Jahre später treffen sie sich in Buenos Aires wieder, wo Nicky von Garriga (Rodrigo Santoro, "300"), dem Besitzer eines Autorennstalls, angeheuert wurde – und erkennen muß, daß Jess Garrigas Freundin ist …

Kritik:
Die über viele Jahre hinweg so erfolgreiche Karriere von Will Smith wurde in den letzten Jahren durch einige offensichtliche Fehlentscheidungen geprägt. Nachdem bereits "Men in Black 3" kommerziell nicht ganz den hohen Erwartungen entsprechen konnte, begann sein Stern mit M. Night Shyamalans Megaflop "After Earth" endgültig zu sinken. Die Gelegenheit gegenzusteuern ließ Smith sausen, als er die Hauptrolle in Tarantinos "Django Unchained" ablehnte, weil sie ihm nicht genügend aus dem Figurenensemble des Westerns hervorstach (Jamie Foxx konnte sich dafür bedanken). Anschließend sagte er auch noch Roland Emmerich für die Fortsetzung jenes Films ab, der Will Smith 1996 überhaupt erst zum weltweiten Kinostar gemacht hatte: "Independence Day". Dafür drehte er die romantische Gaunerkomödie "Focus", klassische Hollywood-Mittelware mit einem überschaubaren Budget von $50 Mio., bei der er unumstritten im Mittelpunkt steht. Die Bilanz ist jedoch eher ernüchternd, denn die Einspielergebnisse erweisen sich als ebenso mittelmäßig wie die Kritiken. Zwar ist "Focus" sicher kein Flop wie "After Earth", eine Rückkehr zu alter Hochform stellt er für Smith aber auch nicht dar.

Vielleicht hat sich Will Smith zu sehr darauf verlassen, daß das Filmemacher-Duo Ficarra und Requa erneut die bei der Beziehungskomödie "Crazy, Stupid, Love." bewiesene Fähigkeit, aus einer eigentlich ausgelutschten Prämisse erstaunlich viel herauszupressen, ausspielen kann. Bei "Focus" gelingt ihnen das jedenfalls bei weitem nicht so gut. Die temporeich inszenierten Gaunereien in der ersten Filmhälfte sind zwar ziemlich unterhaltsam, reichen aber nicht an die Raffinesse vergleichbarer Filme wie der "Ocean's Eleven"-Reihe oder auch nur an zahlreiche Episoden ausgeklügelter TV-Serien wie "Hustle" und "Leverage" heran. Nicky und sein Team arbeiten eher mit Geschwindigkeit und – im Falle der weiblichen Mitglieder – Charme, wobei das laut Nicky Absicht ist, da "das eine große Ding" Wunschdenken und viel zu gefährlich sei. Insofern beweist "Focus" zumindest einen gewissen Realitätssinn, der aber eben dummerweise zu Lasten der Originalität und Gewitztheit geht.

Daß die erste Hälfte trotzdem Spaß macht, liegt neben der stilvollen und von Kameramann Xavier Grobet ("Mitten ins Herz") elegant bebilderten Inszenierung vor allem an den Darstellern. Wenngleich man Will Smith und Margot Robbie die Liebe auf den ersten Blick nur bedingt abnimmt (vielleicht spielt da auch der doch recht beträchtliche Altersunterschied von über 20 Jahren hinein), holen sie für sich genommen das Beste aus den nicht wirklich vielschichtigen Figuren heraus. Zudem werden sie von amüsanten Nebenfiguren aus Nickys Team unterstützt, von denen vor allem Adrian Martinez ("American Hustle") als sehr direkter Farhad für einige Lacher sorgt. Symptomatisch für das nur halbe Gelingen von "Focus" ist derweil eine Episode im Mittelteil, in der Nicky mit dem reichen asiatischen Wettfanatiker Liyuan Tse (BD Wong aus der TV-Serie "Law & Order: SVU") aneinandergerät und von diesem zum Äußersten getrieben wird. Symptomatisch deshalb, weil diese Episode hochgradig unterhaltsam präsentiert und ziemlich genial aufgelöst wird – gleichzeitig aber fast wie ein Fremdkörper wirkt, da es streng genommen keinerlei dramaturgische Notwendigkeit für diesen Handlungsstrang gibt. Es wirkt wie die Streckung einer Story, die nicht genügend hergibt für einen kompletten Film – das verzeiht man in diesem Fall gerne, weil die Episode so gelungen ist; aber es läutet bereits jene Schwächen ein, unter denen "Focus" in der zweiten Filmhälfte leidet.

Der Bruch ist dabei klar zu erkennen: Nach einem Zeitsprung von drei Jahren verliert "Focus" vorübergehend jegliches Tempo, es ist beinahe, als würde ein neuer Film mit einer typischen langsamen Einführungssequenz beginnen. Und wenn man so etwas zweimal innerhalb von 100 Minuten erlebt, dann sorgt das nicht wirklich für Spannung. Wobei es die sowieso kaum gibt, sobald man erkannt hat, daß in diesem Film jede noch so dramatisch erscheinende Wendung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit doch nur wieder Teil eines Betrüger-Plans ist (und das kann man früh erkennen). Zudem verschieben Ficarra und Requa den Schwerpunkt der Handlung von den amüsanten Gaunereien der ersten Hälfte stark auf die persönliche Beziehung zwischen Jess und Nicky – an diesem Punkt kommt die bereits erwähnte eher mäßige Leinwandchemie zwischen Smith und Robbie negativ zum Tragen. Zwischendurch gibt es zwar noch ein paar nette Szenen, auch das Finale kann sich durchaus sehen lassen – über weite Teile der zweiten Hälfte hinweg kann dennoch nur die stimmige Songauswahl (die neben vielen mir unbekannten, aber guten Künstlern die Rolling Stones und Iggy & The Stooges umfaßt) von der gepflegten Langeweile ablenken.

Fazit: "Focus" ist eine unspektakuläre romantische Gaunerkomödie, die das Tempo und die Unterhaltsamkeit der gelungenen ersten Hälfte nicht durchhalten kann und trotz guter Darsteller zunehmend in mediokrer Belanglosigkeit versinkt.

Wertung: 5,5 Punkte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen