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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 14. September 2023

THOR: LOVE AND THUNDER (2022)

Regie: Taika Waititi, Drehbuch: Taika Waititi, Jennifer Kaytin Robinson, Musik: Nami Melumad und Michael Giacchino
Darsteller: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Christian Bale, Tessa Thompson, Taika Waititi, Russell Crowe, Chris Pratt, Dave Bautista, Karen Gillan, Vin Diesel (Stimme), Bradley Cooper (Stimme), Pom Klementieff, Sean Gunn, Kieron L. Dyer, Jaimie Alexander, Matt Damon, Sam Neill, Luke Hemsworth, Melissa McCarthy, Ben Falcone, Simon Russell Beale, Carly Rees, Stephen Murdoch (Stimme), Kat Dennings, Stellan Skarsgård, Elsa Pataky, Daley Pearson, Jonathan Brugh, India Rose Hemsworth, Tristan Hemsworth, Sasha Hemsworth, Joseph Bale, Te Kainga O'Te Hinekahu Waititi, Matewa Kiritapu Waititi, Idris Elba, Brett Goldstein
Thor: Love and Thunder (2022) on IMDb Rotten Tomatoes: 63% (6,4); weltweites Einspielergebnis: $760,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 119 Minuten.

Thor (Chris Hemsworth, "Rush") ist seit dem finalen Sieg über Thanos mit seinem Kumpel Korg (Taika Waititi, "Jojo Rabbit") und den Guardians of the Galaxy unterwegs und durchlebt überall in der Galaxis actionreiche Abenteuer. Doch eines Tages wird er von seiner alten Kameradin Lady Sif (Jaimie Alexander, TV-Serie "Blindspot") gerufen, die nur knapp die Begegnung mit einem gewissen "Gorr der Götterschlächter" (Christian Bale, "Der denkwürdige Fall des Mr. Poe") überlebt hat und Thor davon warnt, daß Gorr es als nächstes auf das (inzwischen auf der Erde angesiedelte) New Asgard abgesehen hat. Thor verläßt daher die Guardians und kehrt mit Korg zurück auf die Erde – wo Gorr gerade Asgard angreift. Zu Thors Überraschung wird Gorr nicht nur von Walküre (Tessa Thompson, "Seitenwechsel") in Schach gehalten, sondern auch von einer mächtigen Kriegerin, die Thors eigentlich zerstörten Hammer Mjölnir schwingt – es stellt sich heraus, daß dies Thors Ex-Freundin Dr. Jane Foster (Natalie Portman, "Jackie") ist! Sie wurde von Mjölnir gerufen und ist nun als "Mighty Thor" unterwegs. Leider gelingt es Gorr trotz aller Gegenwehr, die Kinder von New Asgard zu entführen, darunter Heimdalls Sohn Astrid (Kieron L. Dyer, "Jingle Jangle Journey"), der inzwischen nur noch Axl genannt werden will. Gemeinsam machen sich Thor, Jane, Walküre und Korg auf den Weg nach Allmachtsstadt, um bei Göttervater Zeus (Russell Crowe, "The Nice Guys") Unterstützung für den Kampf gegen den Götterschlächter zu erbitten ...

Kritik:
Müßte ich mich entscheiden, welche Einzelreihe innerhalb des Marvel Cinematic Universe mein persönlicher Favorit ist, so wäre die Antwort entweder "Guardians of the Galaxy" oder "Thor". Letzteres mag überraschen, weil von den bislang vier Solofilmen des Donnergottes lediglich der dritte sehr gute Kritiken erhielt und fraglos alle vier nicht unerhebliche Mängel haben. Trotzdem: Irgendwie hat mich jeder einzelne Teil des Quartetts über weite Strecken begeistert. Das liegt mit Sicherheit in erster Linie an Thor höchstselbst und seiner so ungemein liebenswerten, oft selbstironischen Darstellung durch Chris Hemsworth, der den leidgeprüften Avenger in Zeiten des Triumphes ebenso sympathisch verkörpert wie als leicht unbeholfenen Romantiker oder in ausgedehnten Lebenskrisen wie nach der Niederlage gegen Thanos in "Avengers: Infinity War", für die er sich selbst die Schuld gibt. Dazu kommen spannende Nebenfiguren wie allen voran Loki, aber auch Jane Foster, Odin oder Walküre und natürlich der so gut zum ewigen Kindskopf Thor passende Humor, der die Reihe durchzieht – erst Recht, seit Taika Waititi mit "Thor: Tag der Entscheidung" die kreative Verantwortung übernommen hat. Zugegeben: Auch ihm ist es nicht wirklich gelungen, den mitunter sehr albernen Humor mit den oft ungemein dramatischen Storylines (immerhin endet "Tag der Entscheidung" mit der Zerstörung Asgards!) in Einklang zu bringen, die deshalb etwas an Wirkung verlieren. Dennoch und obwohl die oft geäußerte Kritik, der wiederum von Taika Waititi inszenierte "Love and Thunder" sei kaum mehr als ein Remix von "Tag der Entscheidung", nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist, hat er mir mit seiner hemmungslosen Spielfreude und dem Faible für das Absurde trotzdem wieder sehr viel Spaß gemacht.

Das Problem der fehlenden Balance zwischen Komik und Tragik durchzieht aber auch "Love and Thunder", der mit Christian Bale einen großartigen Schauspieler einen sehr spannenden Antagonisten zum Leben erwecken läßt – der dann aber so wenig zu tun bekommt, daß er letztlich ebenso eine bessere Randnote bleibt wie die Bösewichte der zwei vorangegangenen Teile (Malekith und Hela; Loki aus dem Ur-"Thor" ist die einzige Ausnahme). Dabei hat Bale sogar noch weniger zu tun als Blanchett als Hela (die durch ihren von Karl Urban verkörperten Sidekick etwas besser in die gesamte Geschichte eingebunden war), kann aber immerhin in seiner ersten Szene (dem gelungenen, tragischen Prolog) und in der letzten zeigen, was er drauf hat. Glücklicherweise funktionieren wie bei "Tag der Entscheidung" die humoristischen Elemente viel besser. Das fängt mit der Rückkehr der asgardischen Schauspieler an, die die Ereignisse der vorherigen Filme verarbeiten (zu Sam Neill als Odin, Matt Damon als Loki und Luke Hemsworth als Thor gesellt sich Melissa McCarthy als Hela), geht mit zwei schreienden Riesenziegen (ein sehr simpler, nicht gerade neuer Gag – aber ich muß zugeben, daß mich die schreienden Ziegen jedes Mal zum Lachen bringen) und diversen liebevollen Hintergrund-Details (in New Asgard gibt es eine neue Eisdiele namens "Infinity Conez"!) weiter und findet seinen Höhepunkt in Thors Interaktionen mit seiner nach einem Film Pause zurückgekehrten großen Liebe Dr. Jane Foster. Wobei, genau genommen ist der humoristische Höhepunkt eher die aus Janes Rückkehr als Mighty Thor resultierende vermutlich merkwürdigste Dreierbeziehung aller Zeiten. Denn während Thor ein wenig eifersüchig darauf ist, daß sein von Hela zertrümmerter Hammer Mjölnir sich für Jane wieder zusammengesetzt hat statt für ihn, ist wiederum Thors neue Waffe Sturmbrecher spürbar eingeschnappt, daß Thor sich so sehr für Mjölnir interessiert … Natürlich entspinnen sich auch zwischen Thor und Jane zahlreiche amüsante Wortgefechte, wiewohl Janes Wandlung durchaus einen dramatischen Hintergrund hat. Chris Hemsworth und Natalie Portman harmonieren jedenfalls immer noch glänzend miteinander, weshalb man sich über jede gemeinsame Szene der beiden freut.

Storymäßig folgt "Love and Thunder" weitgehend den üblichen Marvel-Pfaden und speziell die strukturellen Parallelen zu "Tag der Entscheidung" sind ziemlich offensichtlich. So gibt es auch in "Love and Thunder" einen Umweg vor der großen Konfrontation mit dem Hauptbösewicht. Nur geht es diesmal nicht (unfreiwillig) zu Jeff Goldblums Grandmaster – der übrigens in "Love and Thunder" kurz auftreten sollte, seine Szenen wurden aber letztlich ebenso wie die von Peter Dinklage in seiner "Avengers: Infinity War"-Rolle als Eitri herausgeschnitten –, sondern auf der Suche nach Hilfe nach Allmachtsstadt. Auch hier steht der Humor im Vordergrund, wobei man über Russell Crowes Darstellung von Zeus als eitlem Dandy mit starkem griechischen Akzent sicherlich geteilter Meinung sein kann (in einer nicht verwendeten Szene ist zu erahnen, daß Zeus ursprünglich eine etwas seriösere Rolle spielen sollte). Und sogar definitiv enttäuschend ist, daß die lange erhoffte Rückkehr von Jaimie Alexander als Lady Sif (im Kino war sie seit "Thor: The Dark Kingdom" nicht mehr zu sehen, auch wenn sie anschließend noch in zwei Episoden der TV-Serie "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." und zuletzt ganz kurz in der ersten "Loki"-Staffel auftauchte) kaum mehr als ein Cameo ist. Die Spezialeffekte sind derweil wie immer im MCU von hoher Qualität, wenngleich die Kampfsequenzen schon mal phantasievoller gestaltet waren als hier – gerade der Showdown mit Gorr fällt relativ beliebig aus. Gut gelungen ist die Musik von Michael Giacchino ("The Batman") und Nami Melumad (TV-Serie "Star Trek: Strange New Worlds"), die passend zum auch auf den Filmplakaten betonten 1980er Jahre-Vibe von ABBA, Dio und gleich mehreren Guns N' Roses-Songs begleitet wird. "Thor: Love and Thunder" mag manchen Fans zu unoriginell und zu albern geraten sein, aber wenn man den Humor der Reihe und von Taika Waititi mag, wird man bei allen unbestreitbar vorhandenen Schwächen gut unterhalten. Waititi hat übrigens seine grundsätzliche Bereitschaft, auch einen fünften "Thor"-Film zu drehen, bereits bekundet, braucht dafür aber nach eigener Aussage erst eine gute Storyidee.

Fazit: "Thor: Love and Thunder" hat zwar wenig Neues zu bieten und verschwendet erneut einen hochkarätig besetzten Bösewicht, erfreut Fans der Thor-Reihe aber mit einem weiteren sehr humorvollen Abenteuer der sympathischen Truppe.

Wertung: Gut 8 Punkte.


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