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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 15. Juni 2012

ROCK OF AGES (2012)

Regie: Adam Shankman, Drehbuch: Chris D'Arienzo, Allan Loeb und Justin Theroux
Darsteller: Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Alec Baldwin, Russell Brand, Paul Giamatti, Malin Akerman, Catherine Zeta-Jones, Bryan Cranston, Mary J. Blige, Kevin Nash, Eli Roth
 Rock of Ages
(2012) on IMDb Rotten Tomatoes: 41% (5,0); weltweites Einspielergebnis: $59,4 Mio.
FSK: 6, Dauer: 123 Minuten.

Im Jahr 1987 zieht das hoffnungsvolle Landei Sherrie (Julianne Hough, "Safe Haven") nach Los Angeles, wo sie ihren Traum verwirklichen will, Sängerin zu werden. Kaum angekommen, wird sie auch schon ausgeraubt, was sich letztlich aber sogar als positiv erweist. Denn auf diese Weise lernt sie den hilfreichen und charmanten Drew (Diego Boneta) kennen, selbst Sänger einer eigenen Amateur-Band und vor allem angestellt bei dem für seine Rock-Konzerte berühmten Nachtclub "The Bourbon Room". Durch Drews Fürsprache bei dessen Besitzer Dennis Dupree (Alec Baldwin, "To Rome with Love") ergattert Sherrie einen Job als Kellnerin – gerade rechtzeitig für das Abschiedskonzert ihres großen Idols Stacee Jaxx (Tom Cruise, "Mission: Impossible – Phantom Protokoll") mit seiner Rock-Band Arsenal im Bourbon Room. Doch der frisch gewählte Bürgermeister (Bryan Cranston, "Drive", TV-Serie "Breaking Bad") und seine Gattin Patricia (Catherine Zeta-Jones) haben es sich auf die Fahnen geschrieben, den gesamten Sunset Strip von der teuflischen Rockmusik zu befreien ...

Kritik:
Nach "Hairspray" inszeniert Regisseur Adam Shankman ein weiteres Mal ein Musical, doch bei genauer Betrachtung gibt es zwischen den Filmen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Während "Hairspray" eine Neuauflage eines Originalfilms war (der allerdings später eine eigene Musical-Adaption erhielt), basiert "Rock of Ages" auf einem erfolgreichen Broadway-Stück. Die Handlung von "Hairspray" wurde durch (großteils für den Film von 1987) eigens komponierte Lieder vorangetrieben, wohingegen in "Rock of Ages" ausschließlich Rocksongs der 1980er Jahre von Bands wie Guns ´n´ Roses, Bon Jovi oder Foreigner gesungen werden. Dadurch wirkt "Rock of Ages" mitunter wie ein 1980er Jahre-Kino-Special der populären TV-Serie "Glee" (bei der Shankman übrigens bei zwei Episoden Regie führte), zumal die Story ähnlich klischeehaft ist. Womit wir auch beim größten Unterschied zwischen den beiden Shankman-Musicals sind: "Hairspray" ist deutlich besser!

Das soll nicht heißen, daß "Rock of Ages" schlecht wäre, aber er reicht ohne Zweifel nicht an die Qualität des Sixties-Musicals heran – und ein wichtiger Punkt für diese Einschätzung ist die Handlung. Während "Hairspray" zwar auch nicht gerade die originellste Story aller Zeiten erzählt, ist sie doch wesentlich unkonventioneller präsentiert und ausgesprochen geschickt mit gesellschaftlichen Themen wie der Rassentrennung verbunden. In "Rock of Ages" ist die zentrale Liebesgeschichte zwischen Sherrie und Drew so schmalzig und vorhersehbar, daß es schon ärgerlich ist. Der mit Abstand interessanteste Teil der Handlung ist jener, der sich um den abgehalfterten Superstar Stacee Jaxx und seinen geldgierigen Manager (Paul Giamatti, "Barney's Version", "The Ides of March") dreht. Die in die Story eingebundenen Alibi-Konflikte werden dagegen bestenfalls halbherzig verfolgt und speziell der Handlungsstrang um das Bürgermeister-Ehepaar ist dramaturgisch völlig überflüssig. Immerhin bekommt das Publikum auf diese Weise aber zwei gelungene Gesangseinlagen mit der musicalerfahrenen Catherine Zeta-Jones ("Chicago") im Mittelpunkt geboten.

Überhaupt ist die Musik die größte Stärke von "Rock of Ages". Für meinen Geschmack ist die Songauswahl zwar einen Tick zu mainstreamlastig geraten und ein Musical über Rockmusik der 1980er Jahre ohne einen einzigen Queen-Song ist eigentlich ein Sakrileg. Dennoch: Die Musik macht einfach Laune, zumal die gesanglichen Leistungen aller Beteiligten einwandfrei sind. Noch besser allerdings ist die Choreographie von Mia Michaels. Das Engagement der erfahrenen Broadway-Choreographin ist vermutlich die größte Leistung des Regisseurs. Denn es ist absolut bewundernswert, wie es Michaels gelingt, die zahlreichen Musical-Einlagen sowohl mitreißend als auch immer wieder erstaunlich witzig und detailverliebt zu gestalten. Könnte der Rest des Films mit Michaels' Leistung mithalten, "Rock of Ages" wäre ein Meisterwerk. Ist er aber nicht, was auch daran liegt, daß Shankmans Regieführung diesmal ein paar Schwächen aufweist. Vor allem zu Beginn gibt es einige arg forciert wirkende Szenen, die wohl vor allem dazu dienen sollen, Teile der Story kurz und prägnant zusammenzufassen, die in der Broadway-Vorführung einen größeren Raum einnehmen. Leider stören diese Szenen den Rhythmus des Films. Die Dialoge wirken unelegant und gezwungen, nicht wie authentische Gespräche, sondern eher wie die Nacherzählungen für das Publikum, die sie letztlich sind. Das ist kein Desaster, weil sich die Anzahl dieser Sequenzen sehr im Rahmen hält, aber es ist ärgerlich und unnötig.

Schauspielerisch muß ich den nächsten Vergleich zu "Hairspray" bemühen, denn während dort die jungen Darsteller/Sänger für die Highlights sorgen, sind bei "Rock of Ages" eindeutig die "Veteranen" die Stars. Die eigentlichen Hauptdarsteller Julianne Hough und Diego Boneta – beides hauptberufliche Sänger ohne allzu viel Schauspielerfahrung – machen ihre Sache zwar gut, leiden aber schlicht und ergreifend unter der stinklangweiligen Liebesgeschichte, die das Drehbuch ihnen aufzwingt. Viel unterhaltsamer wird der Film in den Passagen, die sich um Stacee Jaxx drehen. Tom Cruise blüht in der Rolle eines Rockstars, den als exzentrisch zu bezeichnen noch eine Untertreibung wäre, ähnlich auf wie in seiner OSCAR-nominierten Rolle als Sex-Guru in Paul Thomas Andersons "Magnolia" oder als cholerischer Filmproduzent Les Grossman in Ben Stillers "Tropic Thunder". Man kann zu Cruise ja stehen, wie man will, in solch extravaganten Rollen zeigt der Mann (hier auch als Sänger), was er alles drauf hat. Und das ist jede Menge. Speziell das knisternde Zusammenspiel mit Malin Akerman ("Watchmen", "Wanderlust") als "Rolling Stone"-Reporterin Constance Sack produziert jede Menge Lacher. Catherine Zeta-Jones und Bryan Cranston können in für sie ungewohnten Rollen ebenfalls überzeugen. Gleiches gilt für Alec Baldwin, dessen eher kleine, aber absolut herrliche Storyline mit seinem vom britischen Brachial-Komiker Russell Brand ("Männertrip", "Arthur") gespielten Assistenten beispielhaft ist für die erfrischende Selbstironie, die "Rock of Ages" durchzieht. Tatsächlich gelingt es dem Film, ehrliche Leidenschaft für die Rockmusik dieses Jahrzehnts mit humorvollem Spiel mit den Klischees dieser Zeit harmonisch zu verbinden.

Fazit: "Rock of Ages" ist dramaturgisch mindestens eine Klasse schwächer als "Hairspray" vom gleichen Regisseur. Die herausragende Choreographie der von spielfreudigen Darstellern mit Leidenschaft vorgetragenen Songs, der selbstironische Humor und die interessanten Nebenfiguren machen diese Musical-Adaption trotz lahmer Handlung sehens- und hörenswert. Wie bei allen Musicals ist dafür aber natürlich vor allem entscheidend, ob man mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann oder nicht.

Wertung: 6,5 Punkte.


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