Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 9. August 2023

THE BABYSITTER: KILLER QUEEN (2020)

Regie: McG, Drehbuch: Dan Lagana, Brad Morris, Jimmy Warden und McG, Musik: Bear McCreary
Darsteller: Judah Lewis, Jenna Ortega, Emily Alyn Lind, Ken Marino, Chris Wylde, Robbie Amell, Andrew Bachelor, Bella Thorne, Hana Mae Lee, Maximilian Acevedo, Juliocesar Chavez, Jennifer Foster, Leslie Bibb, Carl McDowell, Samara Weaving, Bear McCreary
The Babysitter: Killer Queen (2020) on IMDb Rotten Tomatoes: 46% (4,9); Altersempfehlung: 16, Dauer: 101 Minuten.

Zwei Jahre sind vergangen, seit der damals 12 Jahre alte Cole (Judah Lewis, "Summer of 84") seine Begegnung mit einem Kult jugendlicher Satanisten überlebt hat. Dummerweise war deren Anführerin – Coles coole Babysitterin Bee (Samara Weaving, "Ready or Not") – anschließend spurlos verschwunden, weshalb Cole seine Geschichte niemand so richtig abkauft und er an der Highschool ein verspotteter Außenseiter ist. Nur seine Nachbarin und Mitschülerin Melanie (Emily Alyn Lind, "Doctor Sleeps Erwachen"), die einen Teil der Geschehnisse mitbekam, hält zu Cole, drängt ihn jedoch, lieber nicht mehr darüber zu reden, was passiert ist. Als Coles fürsorgliche Eltern (Ken Marino und Leslie Bibb) ihn gar in die Psychiatrie einweisen lassen wollen, flüchtet er gemeinsam mit Melanie und ihren Freunden zu einer großen Party am See. Dummerweise tauchen dort nach Einbruch der Dunkelheit ebenjene Kultisten auf, die Cole vor zwei Jahren eigentlich ins Jenseits geschickt hatte. Doch der Teufel selbst hat dem chronisch hemdlosen Quarterback Max (Robbie Amell, "Resident Evil: Welcome to Raccoon City"), der Cheerleaderin Allison (Bella Thorne, "Assassination Nation"), dem Möchtegern-Musiker John (Andrew Bachelor, "Greenland") und der überzeugten Satanistin Sonya (Hana Mae Lee, "Pitch Perfect") eine zweite Chance gewährt: Gelingt es ihnen, das Ritual bis zum Sonnenaufgang zu vollenden, kehren sie ins Leben zurück! Dafür brauchen sie noch immer das "unschuldige Blut" von Cole – der in der neuen Mitschülerin Phoebe (Jenna Ortega, "X") eine zwar unfreiwillige, aber schlagkräftige Mitstreiterin findet ...

Kritik:
Nachdem US-Regisseur McG ("3 Engel für Charlie") im Jahr 2017 mit seinem Netflix-Filmdebüt "The Babysitter" nicht nur die besten Kritiken seiner Karriere eingefahren, sondern auch dem Streamingdienst-Pionier viele Zuschauer verschafft hat, wurde schnell eine Fortsetzung der Horrorkomödie in Auftrag gegeben. Drei Jahre später kam "The Babysitter: Killer Queen" zu Netflix und wählte einen auf den ersten Blick arg einfallslosen Ansatz für eine Fortsetzung: Im Grunde genommen erzählt "Killer Queen" nämlich die gleiche Geschichte noch einmal! Auf den zweiten Blick allerdings funktioniert das überraschend gut, weil zwar die Struktur der Handlung beibehalten wurde, die gleich vier neuen Drehbuch-Autoren (darunter McG selbst) jedoch fast sämtliche Zügel über Bord warfen und nach dem noch vergleichsweise bodenständigen ersten Teil dem Wahnsinn freien Lauf ließen. Und das bedeutet, daß "The Babysitter: Killer Queen" letztlich fast genauso viel Spaß macht wie das Original – auch wenn das angesichts deutlich schwächerer Kritiken und Zuschauerbewertungen offensichtlich nicht jeder so empfindet.

Aber was soll ich sagen  ich habe einfach seit jeher meine Freude an möglichst überdrehten und durchgeknallten Filmen und in dieser Hinsicht enttäuscht "Killer Queen" nicht. Hatte ich beispielsweise beim Vorgänger noch von "fast cartoonhafter" Gewalt geschrieben, kann man in der Fortsetzung das "fast" getrost streichen – da passiert es schon mal, daß quasi aus dem Nichts ein riesiger Steinbrocken auf eine Person fällt, als wären wir beim Roadrunner und dem Koyoten! Solche Gags gibt es einige und die Trefferquote ist erfreulich hoch ausgefallen, zudem wurde die Anzahl der überwiegend gelungenen Meta-Anspielungen erhöht. So darf sich John etwa darüber freuen, daß dank Jordan Peele ("Get Out") er als Schwarzer nicht mehr als Erster dran glauben muß – und wenn Phoebe John Boormans 1970er Jahre-Klassiker "Beim Sterben ist jeder der Erste" als ihren Lieblingsfilm benennt, trifft sie selbstredend kurz darauf auf einen vergewaltigungswütigen, banjospielenden Hillbilly .... Ein Manko ist jedoch, daß Samara Weaving, deren ebenso charismatische wie diabolische Performance im Vorgänger maßgeblich zum Gelingen beitrug, diesmal erst gegen Ende auftaucht. Sie wird zwar einigermaßen adäquat ersetzt durch gleich zwei Darstellerinnen und sowohl Emily Alyn Lind als Coles Mitschülerin, Nachbarin und Schwarm Melanie (die im Original eine Nebenrolle spielte) als auch Neuzugang und (neben Weaving und Mia Goth) aktuelle Horror-Queen Jenna Ortega als ihr Außenseitertum offen vor sich hertragende neue Klassenkameradin Phoebe machen ihre Sache gut – doch an Samara Weavings Bee reichen sie nicht heran.

Dafür gibt es mit den eigentlich von Cole im ersten Teil getöteten Kultisten gleich eine ganze Handvoll unerwarteter Rückkehrer, die vom Teufel für diese eine Nacht eine zweite Chance zur Vollendung des Pakts erhalten haben. Das ist eine recht billige Begründung für ihr Comeback, aber da dieses Quartett bewußt überzeichneter und selbstironischer Highschool-Stereotypen bereits im Original für etliche Lacher sorgte, ist ihre Rückkehr absolut zu begrüßen. Größere Rollen als zuvor spielen zudem Ken Marino ("Veronica Mars") und Chris Wylde ("DUFF") als Coles und Melanies Väter, die diesmal ihren eigenen kleinen, aber amüsanten Handlungsstrang erhalten. Schön: Nachdem ich im Vorgänger den Mangel einer nachvollziehbaren Motivation der eigentlich in ihren Leben bereits ziemlich erfolgreichen Kultisten bemängelt hatte, wird dieses Versäumnis in Teil 2 erfreulicherweise tatsächlich aufgegriffen: Jeder der Teufelsanbeter erhält eine zwar sehr kurze, aber auch sehr lustige und (auf oberflächliche Art und Weise) durchaus erhellende Rückblende zum für die Hinwendung zum Kult entscheidenden Moment. Abgesehen davon ist die Story wie im Vorgänger in erster Linie Mittel zum Zweck und etwas zu repetitiv geraten, das machen die Autoren aber wie gesagt dadurch wett, daß sie den Over the Top-Verrücktheitsgrad kräftig nach oben schrauben und zeitweise eine wunderbar absurde Szene an die nächste reihen. Alles in allem ist "The Babysitter: Killer Queen" vielleicht ein wenig zu lang ausgefallen und hält sich etwas zu streng an die Storystruktur des Vorgängers, aber er ist immer noch höchst unterhaltsam inszeniert mit einem erneut sehr spielfreudigen Ensemble. Ein dritter Teil war kurz nach der Veröffentlichung von "Killer Queen" angedacht und McG wollte nach eigenen Angaben sowieso eine Trilogie schaffen – doch leider gibt es auch im Jahr 2023 noch keine offizielle Bestellung von Netflix, weshalb die Aussichten auf einen weiteren Film leider nicht die besten sein dürften.

Fazit: "The Babysitter: Killer Queen" ist ein gelungenes Horrorkomödien-Sequel, das in Sachen Handlung zwar wenig einfallsreich daherkommt, aber dank eines erneut guten Ensembles und eines deutlich angezogenen Verrücktheitsgrads beinahe die Qualität des Vorgängers erreicht.

Wertung: 7,5 Punkte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen