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Donnerstag, 12. Juli 2018

Kurzfilm-Rezension: MAREN (2018)

Regie und Drehbuch: Ludo Vici, Musik: Helen Beauchamp und Ludo Vici
Darsteller: Max Tidof, Margitta Janine Lippok, Heio von Stetten, Elizabeth Jane Dum, Michael Sigel, Leonie Thelen, Katrin Kaysser, Philipp Künstler, Patrick Meyer, Dascha Dumont
 Maren
(2018) on IMDb Rotten Tomatoes: -; FSK: -; Dauer 24 Minuten.
Maren (Margitta Janine Lippok, "Rossini") ist eine attraktive Frau um die 50, die offensichtlich sehr zufrieden mit ihrem Leben ist. An diesem Abend ist sie mit ihrem Mann (Heio von Stetten, "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit"), der nach einer Dienstreise direkt vom Flughafen kommt, zum Essen in einem noblen Restaurant verabredet – doch dann erhält Maren einen Anruf: Ihr Gatte hatte einen schlimmen Autounfall, den er nicht überlebt hat. Kaum hat Maren das erfahren, sitzt ihr wie aus dem Nichts ein charismatischer, eleganter Mann mittleren Alters (Max Tidof, "Comedian Harmonists", "Bergkristall") gegenüber, der in Wirklichkeit allerdings gar kein Mensch ist … sondern der Tod höchstselbst! Verzweifelt fleht Maren den Tod an, ihr um jeden Preis ihren Ehemann zurückzugeben – und tatsächlich scheint er verhandlungswillig zu sein …

Kritik:
Geschichten rund um den personifizierten Tod, mit dem man gerne auch mal über das eigene oder fremde Leben verhandeln oder spielen kann, haben bereits viele Künstler fasziniert. Bei "Scheibenwelt"-Autor Terry Pratchett etwa avancierte der stets in Großbuchstaben sprechende Tod zur Kultfigur, aber auch in Filmen und TV-Serien taucht er immer wieder auf – die genialste Verarbeitung der Thematik stellt sicher Ingmar Bergmans philosophisches Meisterwerk "Das siebente Siegel" (1957) dar. Den gebürtigen Münchener Ludo Vici, der als Theaterregisseur, Schauspieler, Musiker und mit der von ihm mitgegründeten Produktionsfirma Weird Tiny Films als Indie-Filmemacher tätig ist, interessiert speziell das Motiv "Der Tod und das Mädchen" so sehr, daß er ihm eine Kurzfilm-Trilogie widmet, deren Mittelstück "Maren" bildet ("No Goodbye" erschien 2016). An "Das siebente Siegel" reicht "Maren" wenig überraschend nicht heran, ist aber ein sehenswerter, atmosphärischer 25-Minüter geworden, in dem vor allem Tod-Darsteller Max Tidof glänzt.
Natürlich ist der Tod eine sehr dankbare Rolle, zumal wenn er wie hier phasenweise eher wie der Teufel wirkt und Tidof eine entsprechend charismatisch-diabolische Darstellung ermöglicht. Wäre ich Schauspieler, ich würde eine solche Rolle lieben – und ich bin mir sicher, daß es Max Tidof nicht anders erging. Er spielt den lustvoll monologisierenden und philosophierenden Tod wunderbar energetisch und enigmatisch, wobei er von Vicis in manchen Dialogzeilen vielleicht einen Tick zu stilisiert wirkendem, aber insgesamt cleveren und fesselnden Drehbuch profitiert, das ihn so prägnante Sätze wie "Gott ist eine Hypothese, Maren. Ich bin ein Fakt." intonieren läßt. Sehr gelungen ist auch Vicis stilvolle Inszenierung, die diese kurze und – so ehrlich muß man sein – gar nicht übermäßig originelle Geschichte jederzeit ungemein atmosphärisch hält, was auch Vicis stimmiger, getragener Musik – ergänzt um das Lied "Tu" von Helen Beauchamp – sowie Thomas Bauers Kameraarbeit zu verdanken ist. Vici versteht es vortrefflich, Tidofs im besten Sinne theatralische One-Man-Show (die es letztendlich ist, auch wenn die von Margitta Janine Lippok überzeugend gespielte Maren die Namenspatin des Films ist) sehr unterhaltsam und mit stilistischen Anleihen bei Quentin Tarantino und Paolo Sorrentino ("Ewige Jugend") in Szene zu setzen – und deshalb macht "Maren" knapp 25 Minuten lang richtig Spaß.

Fazit: "Maren" ist ein deutscher Kurzfilm, der das Thema "Der Tod und das Mädchen" zwar inhaltlich nicht extrem einfallsreich, dafür umso stilvoller und mit einem vor Energie strotzenden Max Tidof als Tod sehr unterhaltsam interpretiert.

Wertung: 8 Punkte.

"Maren" ist seit dem 15. Juni 2018 bei Vimeo zum Kauf und zur Leihe erhältlich:
https://vimeo.com/ondemand/maren
Eine Rezensionsmöglichkeit wurde mir freundlicherweise vom Regisseur zur Verfügung gestellt.