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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 8. Dezember 2016

KINOVORSCHAU WINTER/FRÜHLING 2017 (Teil 1)

Letztes Update vom 4. Februar: Das für den Hauptdarstellerinnen-OSCAR nominierte Liebes- und Rassismusdrama "Loving" hat seinen Startplatz am 23. Februar verloren, ein neuer steht noch nicht fest.

Die ersten Monate des Jahres sind für anspruchsvolle Kinofreunde ja schon seit langem meist ein Genuß, weil der Großteil der in den USA im Herbst angelaufenen OSCAR-Kandidaten nun auch in Deutschland anläuft. Nachdem ich deshalb viel Zeit aufwenden mußte, um die folgende Vorschau zusammenzustellen, kann ich sagen: Diesmal steht eine besonders große Menge an potentiellen Highlights aus den verschiedensten Genres ins Haus:

5. Januar:
"Passengers" (3D):
Die Science Fiction-Romanze von Morten Tyldum ("The Imitation Game") spielt an Bord eines Raumschiffes, das mehrere Tausend Menschen zu einem weit entfernten Planeten bringen soll. Da die Reise jahrzehntelang dauert, verbringen die Passagiere diese im Kälteschlaf. Als durch eine Fehlfunktion einer (Chris Pratt, "Guardians of the Galaxy") vorzeitig erwacht, entschließt er sich dazu, eine weitere Passagierin (Jennifer Lawrence) aufzuwecken – schließlich will er nicht den Rest seines Lebens alleine verbringen.

"Die Taschendiebin":
Park Chan-wook ("Oldboy") ist der weltweit wohl renommierteste südkoreanische Filmemacher. Diesen Ruf zementiert er mit diesem von der Kritik gefeierten erotischen Thriller-Drama über eine junge Taschendiebin in den 1930er Jahren, die mit einem Heiratsschwindler einen Plan ausheckt, um die einsame, aber reiche Erbin Hideko auszunehmen. Schwierig wird es, als die Taschendiebin (die sich als Dienstmädchen in Hidekos Haushalt einschleicht) sich in die Erbin zu verlieben beginnt …

"Plötzlich Papa!":
In der Tragikomödie spielt der "Ziemlich beste Freunde"-Star Omar Sy den leichtlebigen Single Samuel, der eines Tages zu seinem großen Erschrecken erfährt, daß er der Vater einer vor kurzem geborenen Tochter ist, um die er sich nun kümmern soll. Das klingt nach einer sehr klischeehaften Story, die man gefühlt schon tausend Mal gesehen hat, doch die Franzosen finden bei sowas oft noch einen gewissen Kniff. Hier sieht der folgendermaßen aus: Die Mutter (Clémence Poésy, "Brügge sehen … und sterben?") der kleinen Gloria setzt sich kurzerhand ab, nachdem sie das Baby bei Samuel abgeladen hat und taucht erst acht Jahre später wieder auf, um ihre Tochter zurückzuholen. Doch davon will Samuel inzwischen natürlich nichts mehr wissen …

12. Januar:
Bei den Herbstfestivals euphorisch gefeiert und damit zum ersten großen OSCAR-Favoriten der Saison aufgestiegen ist das bewußt altmodisch inszenierte romantische Musical – im Stil der Fred Astaire- und Ginger Rogers-Musicals aus Hollywoods "Goldener Ära" – von "Whiplash"-Regisseur Damien Chazelle. Ryan Gosling ("Drive") und Emma Stone ("Birdman") bezaubern darin als junge Küstler (er ist Jazz-Musiker, sie eine Schauspielerin), die sich in Los Angeles ineinander verlieben und gemeinsam den großen beruflichen Erfolg anstreben.

"The Great Wall" (3D):
Als der erste Trailer zu dem aufwendigen Epos, in dessen Mittelpunkt die Chinesische Mauer steht, veröffentlicht wurde, kamen ob des Mitwirkens von Matt Damon ("Der Marsianer") als Hauptdarsteller sofort wieder die mittlerweile obligatorischen "Whitewashing"-Vorwürfe auf, also die Unterstellung, Hollywood wolle geschichtliche Ereignisse im Sinne des weißen Mannes umschreiben. Klar, früher gab es sowas (man denke an die Western in den 1940er und 1950er Jahren, in denen meist die Indianer die Bösen waren und die Weißen die Guten), mit genügend schlechtem Willen kann man auch noch jüngeren Filmen wie "Last Samurai" Entsprechendes vorwerfen – auch wenn es da im Normalfall keinerlei ideologische Gründe mehr gibt, sondern schlicht marktwirtschaftliche, da ein bekannter Hollywood-Star ein wichtiges Verkaufsargument für einen sündhaft teuren Blockbuster-Kandidaten ist. Im Fall von "The Great Wall" sind die "Whitewashing"-Vorwürfe völlig albern, da es sich erstens um eine chinesisch-amerikanische Koproduktion und zweitens um das englischsprachige Debüt des chinesischen Regiestars Zhang Yimou (der mit "Rote Laterne", "Shanghai Serenade", "Hero", "House of Flying Daggers" und "Der Fluch der goldenen Blume" schon fünf OSCAR-nominierte Filme drehte) handelt, der drittens fast alle Rollen mit asiatischen Schauspielern besetzt hat; und viertens ist "The Great Wall" nicht etwa ein auf historischen Fakten basierendes Drama, sondern ein Fantasyfilm, in dem die Mauer zum Schutz vor einer Monster-Armee gebaut wird! Matt Damon ist also zwar natürlich vor allem deshalb dabei, weil der Film auch außerhalb Asiens Geld einspielen soll und das westliche Mainstream-Publikum leider nicht sonderlich offen ist gegenüber "exotischen" Themen – aber von historischer Verzerrung durch seine Mitwirkung kann beim besten Willen keine Rede sein …

In den USA hat sich David Mackenzies ("Hallam Foe") grimmiger Krimi mit Western-Elementen dank herausragender Kritiken zu einem kleinen Überraschungshit entwickelt. Mich wundert die sehr positive Aufnahme des gesellschaftskritischen Films nicht, denn das Drehbuch stammt von Taylor Sheridan, dessen Kreativität bereits den pessimistischen Drogen-Thriller "Sicario" zum meiner Ansicht nach besten Film des Jahres 2015 machte. Im Mittelpunkt der in Texas angesiedelten Geschichte stehen zwei Brüder (dargestellt von Chris Pine und Ben Foster), die als Bankräuber durch den Bundesstaat ziehen, um die von der Pleite bedrohte Familienfarm zu retten. Dabei bekommen sie es mit einem hartgesottenen Texas Ranger (Jeff Bridges) zu tun, der sie unbedingt hinter Gitter bringen will.

"Die Blumen von gestern":
In der Tragikomödie von Chris Kraus ("Poll") geht es um den gestressten Holocaust-Forscher Totila (Lars Eidinger), der mit Hannah (Hannah Herzsprung) verheiratet ist, dann aber eine Art Haßliebe zu der neuen französischen Praktikantin Zazie (Adéle Haenel) entwickelt, die mit seinem Chef (Jan Josef Liefers) schläft. Klingt chaotisch und das dürfte es wohl auch sein, die ersten Vorabkritiken zu diesem wilden Genremix zeigen sich aber ziemlich angetan von dem Resultat, vor allem Haenels einnehmende Darstellungskunst wird sehr gelobt.

"Why Him?":
US-Komödie von John Hamburg ("… und dann kam Polly"), in der Ned ("Breaking Bad"-Star Bryan Cranston) beim Besuch seiner Tochter Stephanie (Zoey Deutch, "Dirty Grandpa") am College deren älteren Freund Laird (James Franco, "Spring Breakers") kennenlernt – den er sich definitiv nicht als Schwiegersohn wünscht! Und so versucht er fortan, Stephanie und Laird auseinanderzubringen, während Laird umgekehrt den Vater seiner Angebeteten unbedingt für sich gewinnen will. Das klingt ein bißchen sehr nach "Meine Braut, ihr Vater und ich", könnte angesichts der starken Darsteller aber durchaus amüsant werden.

"Bob, der Streuner":
Die auf einer wahren Geschichte basierende britische Bestsellerverfilmung von Altmeister Roger Spottiswoode ("James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie") ist eine Tragikomödie über einen ehemals drogenabhängigen Straßenmusikanten in London namens James (Luke Treadaway, "Unbroken"), dessen Leben durch einen Kater nachhaltig verändert wird, der halbtot vor seiner Tür auftaucht und von James trotz seiner eigenen Sorgen mühsam wieder aufgepäppelt wird. Klingt nach klassischem Wohlfühlkino, auch wenn die Kritiker eine zu große Vorhersehbarkeit und fehlende Ideen bemängeln.

"Die Hollars – Eine Wahnsinnsfamilie":
Das Kino-Regiedebüt des Schauspielers John Krasinski ("13 Hours", TV-Serie "The Office") ist eine Tragikomödie über eine dysfunktionale Familie, die mit einer Besetzung voller etablierter Charakterdarsteller aufwarten kann (neben Krasinski auch Anna Kendrick, Margo Martindale, Sharlto Copley, Richard Jenkins), aber bei der Kritik trotzdem nur mittelmäßig ankam.

19. Januar:
Das aufwühlende Drama von Kenneth Lonergan ("Margaret", Drehbuchautor von "Gangs of New York") zählt zu den großen OSCAR-Favoriten: Vor allem Hauptdarsteller Casey Affleck ("Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford") wird für seine Glanzleistung als zurückhaltender Klempner Lee gefeiert, der nach dem Tod seines Bruders dessen Sohn im Teenager-Alter großziehen muß – wofür er von Boston zurück in seinen Heimatort Manchester an der US-Ostküste zieht. Von den dortigen Einwohnern wird er allerdings ziemlich merkwürdig behandelt, was offenbar mit seiner Familiengeschichte zu tun hat – zudem trifft Lee hier wieder auf seine Ex-Frau Randi (Michelle Williams, ebenfalls aussichtsreiche OSCAR-Anwärterin), die nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen ist.

"xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage" (3D):
15 Jahre nach seinem Debüt als der vom US-Geheimdienst rekrutierte Extremsportler Xander Cage kehrt Actionstar Vin Diesel in die eigentlich schon (laut "xXx 2", wo Ice Cube die neue Hauptrolle spielte) totgeglaubte Rolle zurück – diesmal unter der Regie von D.J. Caruso ("Eagle Eye", "Disturbia"). Wiederum unter der Anleitung von Samuel L. Jackson muß er eine tödliche Geheimwaffe bergen, ehe Bösewicht Xiang (Donnie Yen, "Ip Man") diese an sich reißt.

"Verborgene Schönheit":
"Der Teufel trägt Prada"-Regisseur David Frankel inszenierte dieses Drama, in dem Will Smith den erfolgreichen New Yorker Werbeprofi Howard spielt, der sich nach einer Tragödie in seinem Privatleben komplett zurückzieht und fortan Briefe an den Tod, die Zeit und die Liebe schreibt. Irgendwann beschließen seine Kollegen, Howard auf unkonventionelle Art und Weise den Weg zurück ins Leben zu ebnen … An Smiths Seite agieren weitere Hochkaräter wie Kate Winslet, Keira Knightley, Edward Norton und Helen Mirren.

"Die Hölle – Inferno":
Der österreichische Filmemacher Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher") kehrt zu jenem Genre zurück, das ihm im Jahr 2000 (mit "Anatomie") seinen internationalen Durchbruch bescherte: dem Horrorthriller. Im Blickpunkt des Geschehens steht die Wiener Taxifahrerin Özge (Violetta Schurawlow), die Zeugin eines Mordes wird und fortan selbst in Lebensgefahr schwebt. Hilfe erhält sie immerhin von dem Polizei-Ermittler Christian (Tobias Moretti) …

"Personal Shopper":
Seit sie durch die "Twilight"-Reihe zum kontrovers diskutierten Weltstar wurde, hat sich Kristen Stewart (trotz gelegentlicher Mainstream-"Ausrutscher" wie "Snow White and the Huntsman") als ernstzunehmende Arthouse-Darstellerin etabliert. Das Militärgefängnisdrama "Camp X-Ray", das französische Charakterdrama "Die Wolken von Sils Maria", das Alzheimer-Drama "Still Alice" und Woody Allens 1930er Jahre-Komödie "Café Society" zählen zu den Filmen, die zwar alles andere als Zuschauermassen in die Kinos locken, aber viel Lob von den Kritikern und dem anspruchsvollen Arthouse-Publikum erhalten. In der aktuellen Awards Season ist Stewart mit zwei Independent-Filmen vertreten, nämlich mit Kelly Reichardts episodischem Frauendrama "Certain Women" und eben mit "Personal Shopper" (wenngleich beide eher Außenseiterrollen einnehmen). In der erstmals in Cannes präsentierten (und dort mit dem Regiepreis geehrten) unkonventionellen Arthouse-Geistergeschichte agiert Stewart nach "Die Wolken von Sils Maria" zum zweiten Mal unter der Regie des Franzosen Olivier Assayas und erhält erneut viel Lob für ihre Leistung – auch wenn der Film selbst aufgrund seiner häufigen Stil- und Tempowechsel eher gemischt aufgenommen wurde.

"Ritter Rost 2 – Das Schrottkomplott":
Drei Jahre nach der mit gut 600.000 Zuschauern recht populären ersten Animationsverfilmung der erfolgreichen Kinderbuch-Reihe von Jörg Hilbert und Felix Janosa erlebt Ritter Rost sein zweites Kino-Abenteuer. Diesmal wird er durch unvorhergesehene Ereignisse zu einem Erfinder, dessen Kreationen seine Heimat Schrottland jedoch in große Gefahr bringen.

26. Januar:
Der sechste Leinwandauftritt von Milla Jovovich als genetisch verbesserte Actionheldin Alice in der losen Adaption der langlebigen Horror-Videospielreihe soll auch ihr letzter sein – und er wird dafür sorgen, daß das globale Einspielergebnis der sechs Filme die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreitet. Das ist ein mehr als beeindruckendes Ergebnis für eine Filmreihe, die von den meisten Kritikern ebenso verachtet wird wie von den Anhängern der Videospiele. Doch wiewohl die stets als Regisseur, Drehbuch-Autor und/oder Produzent von Paul W.S. Anderson verantworteten "Resident Evil"-Filme wenig mit der Vorlage zu tun haben und inhaltlich große Schwächen offenbaren, läßt es sich doch nicht leugnen: Die zahlreichen Actionsequenzen sind (auch und gerade nach dem Sprung zu 3D mit dem vierten Teil "Afterlife") großartig inszeniert und Milla Jovovich ist eine tolle, kampfstarke, sehr einnehmende Hauptdarstellerin. Angesichts dieser Stärken nehmen Genrefans die unbestreitbaren Schwächen der Reihe eben durchaus in Kauf. Das wird beim sechsten und (angeblich) letzten Teil nicht anders sein, der die Story um das den größten Teil der Menschheit in zombieartige Kreaturen verwandelnde T-Virus und die sinistre Umbrella Corporation hoffentlich zu einem unterhaltsamen und einigermaßen sinnvollen Ende führt. Zu diesem Zweck geht es für Alice zurück zum Ursprungsort der Seuche: Raccoon City …

"Hacksaw Ridge – Die Entscheidung":
Mit seiner fünften Regiearbeit meldet sich Mel Gibson zurück in Hollywood – und der auf einer wahren Geschichte basierende Anti-Kriegsfilm gilt sogar als ein ernsthafter OSCAR-Kandidat. Ex-"Spiderman" Andrew Garfield spielt den strenggläubigen, pazifistischen Desmond T. Doss, der im Zweiten Weltkrieg aus Glaubensgründen das Tragen einer Waffe verweigerte und so als Sanitäter eingesetzt wurde. In dieser Funktion rettete er in der Schlacht um Okinawa mehreren Dutzend US-Soldaten das Leben, woraufhin er mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurde – als erste Person in der US-Militärgeschichte, die nie einen Schuß abgefeuert hat!

Sogar zu den ganz großen OSCAR-Favoriten in ihrer Kategorie zählt Natalie Portman (die den Goldjungen für "Black Swan" ja bereits einmal gewann) für ihre einfühlsame Darstellung der ikonischen Präsidentenwitwe Jackie Kennedy. Beim Film des chilenischen Regisseurs Pablo Larraín ("No") handelt es sich nicht um ein klassisches Biopic, stattdessen konzentriert sich die Handlung des präzise beobachteten Charakterdramas auf ihre kurze Zeit als First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika und auf die Tage nach der Ermordung ihres Ehemannes John F. Kennedy in Dallas.

Nachdem er zuletzt mit dem auch bei den Kritikern recht erfolgreichen Horrorfilm "The Visit" einen Schritt zurück zu alter Stärke gemacht hat, bleibt der zwischenzeitlich tief gefallene "The Sixth Sense"-Regisseur M. Night Shyamalan dem Genre mehr oder weniger treu. Denn auch in "Split" regiert der Horror, allerdings durchmischt mit klassischen (Psycho-)Thriller-Elementen, denn Protagonist Kevin (James McAvoy, "X-Men: Apocalypse") leidet unter einer gespaltenen Persönlichkeit. Genau genommen sogar unter einer vielfach gespaltenen Persönlichkeit mit 23 teilweise extrem unterschiedlichen Ausprägungen. Eine davon sorgt dafür, daß Kevin drei junge Mädchen entführt, die daraufhin unfreiwillig all seine Persönlichkeiten kennenlernen – und dann entwickelt sich noch eine 24., deren Name "das Biest" nichts Gutes verheißt … Frühe Kritiken deuten darauf hin, daß Shyamalan seinen qualitativen Aufwärtstrend erfreulicherweise fortsetzt.

"Die schönen Tage von Aranjuez" (3D):
Wenn sich mit dem deutschen Filmemacher Wim Wenders und dem österreichischen Autor Peter Handke zwei Männer wieder zusammentun, die vor fast 30 Jahren mit "Der Himmel über Berlin" einen der wunderbarsten Filme der deutschen Kinohistorie schufen, dann darf man als Cineast natürlich sehr gespannt sein auf das Resultat. Ein unumstrittenes Meisterwerk ist aus Wenders' in Venedig vorgestellter Adaption des Zwei Personen-Kammerspiels von Handke eher nicht geworden, die Kritiker schwanken in ihren Bewertungen der philosophischen Betrachtung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau zwischen Lob für die intime Atmosphäre und die zum Nachdenken anregenden Dialoge und Kritik an einer zu großen und wenig einnehmenden Geschwätzigkeit bis hin zur Langeweile.

"Die feine Gesellschaft":
Ein subversiver, slapstickreicher französischer Kostümfilm mit Starbesetzung (Juliette Binoche, Valeria Bruni Tedeschi, Fabrice Luchini) über eine Landadelsfamilie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Sommer in ihrem Landsitz am Meer verbringt, wo mehrere Personen spurlos verschwinden. Angesichts des unkonventionellen, nicht unbedingt massentauglichen Humors des Regisseurs und Autors Bruno Dumont (von dem auch die Miniserie "Kindkind" stammt, die in Deutschland bei Arte lief) zog "Die feine Gesellschaft" bei den Filmfestspielen von Cannes gemischte Reaktionen nach sich – für experimentierfreudige Kinogänger könnte der Film genau das Richtige sein ...

"Mein Blind Date mit dem Leben":
In der auf einer wahren Geschichte basierenden Komödie von Marc Rothemund ("Sophie Scholl – Die letzten Tage") geht es um den Abiturienten Saliya (Kostja Ullmann), der mit großem Geschick allen verheimlicht, daß er fast blind ist. Erst als er eine Anstellung in einem noblen Münchner Hotel ergattert und sich in Laura (Anna Maria Mühe) verliebt, wird seine Situation zunehmend kompliziert.

"Monster Trucks" (3D):
Was man von dem $125 Mio. teuren Mix aus Real- und Animationsfilm von Chris Wedge ("Ice Age", "Epic – Verborgenes Königreich") zu erwarten hat, dürfte angesichts des Titels ziemlich klar sein: Jede Menge Action mit spektakulären Monster Trucks. Menschen kommen allerdings auch vor, so spielt der neue "MacGyver" Lucas Till (in dem in den USA erfolgreich gestarteten Serienreboot) die Hauptrolle des Tripp, der mit seinem selbstgebauten Monster Truck seine Heimat verläßt – und prompt auf eine merkwürdige Kreatur trifft, die sich als ein hocheffizienter Motor-Ersatz in seinem Truck einnistet … Mit von der Partie ist ebenfalls die "Evil Dead"- und "Don't Breathe"-Schönheit Jane Levy.

"Kundschafter des Friedens":
Robert Thalheim ("Am Ende kommen Touristen") hat eine Actionkomödie über einen früheren DDR-Spion (Henry Hübchen, "Alles auf Zucker!") gedreht, der zu seiner eigenen Überraschung vom BND für eine Mission in Osteuropa angeworben wird. Und dann soll er dabei auch noch ausgerechnet mit dem BND-Agenten Kern (Jürgen Prochnow) zusammenarbeiten, der ihn einst enttarnte. Ganz ehrlich: Für eine deutsche Komödie klingt das nach einer erfreulich originellen und unterhaltsamen Story!

"Suburra":
Hochgelobter italienisch-französischer Gangsterfilm von Stefano Sollima (TV-Serien "Gomorrha" und "Romanzo Criminale") über eine unheilige Allianz von Gangstern, Politikern, Kirchen- und Wirtschaftsvertretern, die zusammen das heruntergekommene römische Stadtviertel "Suburra" in eine Art italienisches Las Vegas verwandeln wollen. Wenig überraschend zeigen sich schnell erste Risse in dieser Allianz, deren Mitglieder nur einen gemeinsamen Nenner haben: Geldgier.

"Wendy – Der Film":
In der ersten Kinoadaption des seit Jahrzehnten beliebten Pferdemagazins für Mädchen geht es um … nunja, ein 12-jähriges Mädchen namens Wendy, das die Sommerferien auf dem alten Reiterhof ihrer Oma verbringen muß und nach anfänglichem Widerwillen aufregende Abenteuer erlebt. Wendys Eltern werden von Jasmin Gerat und Benjamin Sadler gespielt.

2. Februar:
"Live by Night":
Ben Afflecks vierte Regiearbeit (bei der er zum dritten Mal auch selbst das Drehbuch verfaßt hat – die einzige Ausnahme war "Argo") ist die Adaption einer Geschichte des "Mystic River"-Autors Dennis Lehane. Sie spielt in den USA zur Zeit der Prohibition, also in den wilden 1920er Jahren, in denen Gangster wie Al Capone die Öffentlichkeit verunsicherten. Ausgerechnet der Sohn des Bostoner Polizeichefs (Brendan Gleeson, "The Guard"), Joe (Affleck), will auch einer dieser Männer werden, die in ständiger Lebensgefahr schweben, dafür aber auch in Saus und Braus leben können – solange sie am Leben bleiben. Bei Joe könnte das nicht allzu lange sein, denn er verliebt sich in die Freundin (Sienna Miller, "American Sniper") eines skrupellosen Gangsterbosses ...

"Die irre Heldentour des Billy Lynn" (3D):
Noch vor wenigen Monaten wurde das thematisch an Clint Eastwoods "Flags of Our Fathers" erinnernde Anti-Kriegsdrama mit dem Newcomer Joe Alwyn (als nach der Rückkehr aus dem Irakkrieg an posttraumatischer Belastungsstörung leidender Soldat, der mit einigen Kameraden auf "Siegestour" durch die gesamten USA geschickt wird) und Kristen Stewart als ein sicherer OSCAR-Anwärter gehandelt. Kein Wunder, führte doch der taiwanesische Filmemacher Ang Lee Regie, der von "Tiger & Dragon" über "Brokeback Mountain" bis hin zu "Life of Pi" bereits einige Produktionen zu Academy Award-Gewinnern machte. Mit den ersten Kritiken hat sich das allerdings in Windeseile erledigt, die fielen nämlich bestenfalls durchwachsen aus, wobei neben dem wenig überzeugenden Drehbuch vor allem eine vermeintliche technische Revolution heftig kritisiert wurde: Lee drehte den ersten Hollywood-Film mit einer Bildrate von 120 Bildern pro Sekunde (fps) anstelle der bislang üblichen 24, was offenbar zu einer extremen Bildschärfe führt. Nachdem bereits Peter Jacksons Versuch mit 48 fps bei den "Der Hobbit"-Filmen sehr zwiespältig aufgenommen wurde, fallen viele Reaktionen auf Lees Vorgehen nahezu desaströs aus, das von der Handlung ablenke und dem klassischen Kinofeeling schade. Den deutschen Kinogängern kann dieser Punkt jedoch egal sein, aktuell gibt es weltweit nämlich nur sechs Kinos, die über das nötige technische Equipment verfügen, um den Film tatsächlich in 120 fps zu zeigen – und die stehen in den USA und in China.

Unter der Regie von Theodore Melfi ("St. Vincent") entstand ein historisches Drama über drei afroamerikanische NASA-Mathematikerinnen (Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Sängerin Janelle Monáe), die 1962 und damit während des ideologisch geprägten "Wettlaufs ins All" mit den Sowjets maßgeblich zum Erfolg der ersten amerikanischen Weltraummissionen beitrugen. Auch "Hidden Figures" gilt als möglicher OSCAR-Kandidat, vor allem im Darsteller-Bereich.

"Timm Thaler oder das verkaufte Lachen":
In Andreas Dresens ("Sommer vorm Balkon") Neuverfilmung des Jugendbuch-Klassikers von Michael Ende ("Die unendliche Geschichte") verkörpert Arved Friese aus "Der Nanny" den titelgebenden Waisenjungen, der einem sinistren Baron (Justus von Dohnányi, "Männerherzen") sein ansteckendes Lachen verkauft – im Gegenzug soll er fortan jede Wette gewinnen. Der Deal erweist sich jedoch schnell als wenig vorteilhaft für Timm, weshalb er mit seinen Freunden versucht, ihn rückgängig zu machen. Thomas Ohrner, der den Timm Thaler in dem berühmten ZDF-Mehrteiler aus dem Jahr 1979 spielte, hat hier übrigens eine kleine Gastrolle übernommen.

"The Salesman (Forushande)":
Einer der größten Konkurrenten des deutschen Beitrags "Toni Erdmann" im Wettkampf um den Auslands-OSCAR 2017 ist das in Cannes mit dem Regie- und dem Darsteller-Preis geehrte komplexe Drama "The Salesman" des iranischen Festivallieblings Asghar Farhadi ("Nader und Simin – Eine Trennung"). Er erzählt von einem theaterbegeisterten Ehepaar, dessen Beziehung nach dem zwangsweisen Umzug in eine neue Wohnung (deren Vormieterin einen zweifelhaften Ruf hatte) während der Proben für eine Aufführung von Arthur Millers Theaterstück "Tod eines Handlungsreisenden" immer stärker zu bröckeln beginnt.

"Volt":
In dem deutsch-französischen dystopischen Thriller von Tarek Ehlail ("Gegengerade") stellt Benno Fürmann ("Der blinde Fleck") den titelgebenden Polizisten dar, der in der nahen Zukunft während eines Aufstands einen Flüchtling tötet und damit folgenschwere Ereignisse auslöst – sowohl für die Gesellschaft als auch für sich selbst.

"Rings":
Die späte Fortsetzung von Gore Verbinskis gänsehauterzeugendem Gruselklassiker "Ring" und Hideo Nakatas (Regisseur der japanischen Vorlage "Ringu") schwächerer Fortsetzung "Ring 2". Unter der Regie von F. Javier Gutiérrez ("72 Stunden") kehren die tödliche Videokassette und das Geistermädchen Samara zurück; die Besetzung ist allerdings neu und wird angeführt von Johnny Galecki (TV-Serie "The Big Bang Theory") und Aimee Teegarden ("Scream 4"). Über die Story ist noch fast nichts bekannt, mehrere Verschiebungen lassen allerdings nicht wirklich auf höchste Qualität hoffen.

9. Februar: 
"Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe":
Genau ein Jahr, nachdem die Bestselleradaption "Fifty Shades of Grey" nach den Romanen von E.L. James trotz mieser Kritiken zu einem weltweiten Kassenerfolg avancierte, steht auch schon die Verfilmung des zweiten Bandes der SM-Saga ins Haus. Allerdings gibt es wegen interner Querelen einen neuen Regisseur (James Foley, "Glengarry Glen Ross") und ebenso einen neuen Drehbuch-Autor (James' Ehemann Niall Leonard), wobei das angesichts besagter schlechter Kritiken ja vielleicht gar nicht das Schlechteste ist. Jedenfalls versucht Protagonistin Anastasia (Dakota Johnson) im neuen Film, nach Beendigung ihrer Beziehung zu dem Millionär Christian Grey (Jamie Dornan), ihr (Liebes-)Leben weiterzuleben; von Christian wegzukommen, scheint jedoch gar nicht so einfach zu sein … Neu dabei sind u.a. Kim Basinger ("The Nice Guys") und Bella Heathcote ("The Neon Demon") als frühere Liebespartner von Mr. Grey.

"The LEGO Batman Movie" (3D):
Der größtenteils in liebevoller Lego-Klötzchen-Optik animierte "The LEGO Movie" war vor allem in den USA einer der großen Überraschungserfolge des Kinojahres 2014, weltweit spielte er rund $470 Mio. ein. Eine Fortsetzung ist da natürlich nur Formsache, bevor diese 2019 in die Lichtspielhäuser kommen soll, stehen jedoch erst noch einige Spin-Offs an. Den Anfang macht "The LEGO Batman Movie", in dem der bereits in "The LEGO Movie" prominent vertretene und im Original von Will Arnett gesprochene dunkle Ritter im Mittelpunkt steht – an seiner Seite (bzw. auf der Gegenseite) werden zahlreiche weitere humorvoll interpretierte Superhelden und Superschurken auftauchen, es dürfte also unterhaltsam werden. Ein besonderer Coup ist den Machern damit gelungen, daß Billy Dee Williams (Lando Calrissian in der "Star Wars"-Saga) Harvey Dent respektive Two-Face sprechen wird – denn in Tim Burtons "Batman" (1989) stellte er bereits einmal den ehrgeizigen Staatsanwalt Harvey Dent dar und im dritten Teil hätte er es wieder tun sollen, in dem dieser zum Bösewicht Two-Face wird. Doch bekanntlich durfte Burton keinen dritten "Batman"-Film drehen,stattdessen gab der neue Regisseur Joel Schumacher für "Batman Forever" Tommy Lee Jones die Rolle (zumindest erhielt Williams eine Entschädigung, denn der Vertrag war bereits rechtskräftig).

"Den Sternen so nah":
In der intergalaktischen Liebesgeschichte von Regisseur Peter Chelsom ("Weil es dich gibt") spielt Asa Butterfield ("Hugo Cabret") Gardner Elliot, den ersten auf dem Mars – in einer von einem Milliardär finanzierten kleinen Kolonie – geborenen Menschen. Mit 16 Jahren macht der sich heimlich aus dem Staub, um sich auf der Erde mit einem Mädchen (Britt Robertson, "A World Beyond") zu treffen, mit dem er seit längerem per Videochat kommuniziert. Eines von vielen Problemen an dem Vorhaben ist die unterschiedliche Schwerkraft auf Mars und Erde, die seinen Ausflug lebensgefährlich macht; doch Gardner will mit Hilfe seiner Freundin unbedingt dem geheimnisvollen Finanzier der Mars-Kolonie ausfindig machen, von dem er hofft, mehr über seinen Vater zu erfahren, den er niemals kennengelernt hat … In weiteren Rollen sind Gary Oldman ("Dame, König, As, Spion") und Carla Gugino ("San Andreas") zu sehen.

"The Girl with all the Gifts":
Zu den Highlights des Fantasy Filmfests 2016 zählte das mit Gemma Arterton ("The Voices"), Glenn Close und Paddy Considine ("Macbeth") erstklassig besetzte, vor allem wegen seiner Atmosphäre und der für das Genre ungewöhnlich ambivalenten Figuren sehr positiv rezensierte dystopische Horror-Drama von Colm McCarthy, das auf dem Roman "Die Berufene" von M.R. Carey basiert. Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft, in der die Menschheit durch mutierte Pilz-Sporen nahezu ausgerottet wurde, die alle, die sich mit ihnen infizieren, in zombieartige, menschenfressende Kreaturen verwandelt. Auf einer Militärbasis forschen einige überlebende Wissenschaftler nach einer möglichen Heilung, wobei sie mit ihren Testobjekten nicht wirklich zimperlich umgehen. Mit dem 10-jährigen Wunderkind Melanie könnte die Rettung gefunden sein – doch dann wird die Basis von den "Zombies" überrannt …

16. Februar:
"T2: Trainspotting":
Satte 21 Jahre nach dem Kinostart des stilprägenden 1990er Jahre-Kultfilms "Trainspotting" nach dem Bestseller von Irvine Welsh versammelt Regisseur Danny Boyle die alte Gang erneut um sich für eine sehr späte Fortsetzung (basierend auf Welshs Roman "Porno"). Viel ist zur Handlung noch nicht bekannt (da der Romantitel nicht übernommen wurde, ist auch unklar, wie stark sie sich an der Vorlage orientiert), aber erstaunlicherweise sind die (Ex-)Junkies Sick Boy (Jonny Lee Miller), Francis (Robert Carlyle), Spud (Ewen Bremner) und Mark (Ewan McGregor) alle noch am Leben – und als Mark nach längerer Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt, wird er von seinen Freunden willkommen geheißen  was ihm nicht unbedingt gut bekommen dürfte …

"John Wick: Kapitel 2":
Auf diesen zweiten Teil mußten Fans wesentlich weniger lang warten als bei "T2", denn Keanu Reeves' erster Auftritt als knallharter Ex-Auftragskiller und Hundefreund liegt gerade drei Jahre zurück. Chad Stahelski übernimmt diesmal alleine die Leitung (sein langjähriger Co-Regisseur David Leitch kümmert sich stattdessen um die Graphic Novel-Adaption "The Coldest City" und das Superhelden-Sequel "Deadpool 2") und da Wick im ersten Film nicht viele Überlebende hinterließ, gibt es neben einigen Rückkehrern (u.a. Bridget Moynahan, Ian McShane und John Leguizamo) natürlich auch neue Darsteller wie "Orange is the New Black"-Star Ruby Rose und Peter Stormare. Denn nach dem Blutbad, das Wick im Vorgänger angerichtet hat, wurde ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, was zu einem neuerlichen Blutbad führen dürfte, nur dieses Mal in Rom.

Bislang waren die Regiearbeiten von Denzel Washington nicht mit allzu großem Erfolg gekrönt – die Kritiken zu den Dramen "Antwone Fisher" und "The Great Debaters" fielen wohlwollend aus, das Kinopublikum hatte jedoch kaum Interesse an den eher sperrigen Stoffen. "Fences" dürfte zwar inhaltlich auch nicht viel massentauglicher ausfallen – Washington und Viola Davis ("Glaubensfrage") spielen eine afroamerikanische Familie in den 1950er Jahren, die von einem gutbürgerlichen Leben träumt, aber immer wieder vom Alltags-Rassismus heftig ausgebremst wird –, dennoch scheint die Adaption eines preisgekrönten Broadway-Stücks auch dank des anhaltenden OSCAR-Buzzes (Washington werden gute Chancen auf seine erste Nominierung als Regisseur zugerechnet) zumindest in den USA einen Nerv zu treffen.

"Elle":
Seine einstmals so erfolgreiche ("RoboCop", "Basic Insinct", "Starship Troopers") Hollywood-Karriere mag seit dem Mega-Flop von "Showgirls" passé sein, doch auch in Europa zeigt der holländische Filmemacher Paul Verhoeven, daß er immer noch so einiges drauf hat. Bestes Beispiel dafür ist das gefeierte Rachedrama "Elle", in dem OSCAR-Mitfavoritin Isabelle Huppert ("Die Klavierlehrerin") als Vergewaltigungsopfer brilliert, das eben gerade kein Opfer sein will – weshalb die erfahrene, sonst stets kühl berechnende Geschäftsfrau auf eine Anzeige verzichtet und sich stattdessen lieber selbst auf die Jagd nach dem Täter macht.

"Empörung":
Nach vielen mehr oder weniger stark mißglückten Adaptionen der anspruchsvollen Romane des US-Autors Philip Roth (zuletzt mußte Ewan McGregor für sein Regiedebüt "Amerikanisches Idyll" viel Kritik einstecken), scheint dem Drama-Spezialisten James Schamus die erste richtig gute Adaption gelungen zu sein. Interessanterweise handelt es sich für ihn ebenfalls um sein (Langfilm-)Regiedebüt, bislang war Schamus vor allem als Produzent und OSCAR-nominierter Stamm-Drehbuch-Autor von Ang Lee bei Filmen wie "Tiger & Dragon", "Der Eissturm" und "Gefahr und Begierde" bekannt. "Empörung" spielt zu Beginn der 1950er Jahre, als die USA in den Korea-Krieg verwickelt werden, und handelt vom jüdischen Metzgersohn Marcus (Logan Lerman, "Vielleicht lieber morgen"), der zum Studium von der Ostküste in den erzkonservativen Mittleren Westen zieht – wo er einen ziemlichen Kulturschock erleidet, offener Antisemitismus inklusive. Immerhin verliebt er sich aber auch noch in die schöne Olivia (Sarah Gadon, "A Royal Night") … Kritiker loben die starken Darstellerleistungen (neben Lerman wird vor allem Tracy Letts gefeiert, der den gestrengen Uni-Dekan mimt) und die intelligenten Dialoge.

"Schatz, nimm du sie!":
In der Komödie von "7 Zwerge"-Regisseur Sven Unterwaldt Jr. – einem erstaunlich schnellen Remake des französischen "Mama gegen Papa" aus dem Jahr 2015 – spielen Comedienne Carolin Kebekus und Maxim Mehmet ein vor der Scheidung stehendes Ehepaar, das zwar nicht mehr miteinander leben will, sich aber eigentlich immer noch ganz gut versteht. Problematisch wird es erst, als beide gleichzeitig einen absoluten Traumjob im Ausland angeboten bekommen – und deshalb wollen, daß der jeweils andere das Sorgerecht für die beiden Kinder übernimmt. Mangels Einigungswillen sollen letztlich die Kinder entscheiden ... Da schon das französische Original eher mittelprächtige Kritiken erhielt, stellt sich die Frage, wie groß die Chance ist, daß das Remake viel besser ausfällt.
 
"Mein Leben als Zucchini":
Der vielfach preisgekrönte und für seine einfühlsame, sein junges Zielpublikum ernst nehmende Handlung gepriesene französisch-schweizerische Animationsfilm für Kinder (auch der Beitrag der Schweiz zum Auslands-OSCAR) handelt von dem neunjährigen Zucchini, der nach dem Tod seiner Mutter in ein Heim kommt. Das Leben dort ist nicht immer einfach, doch zumindest findet er neue Freunde und erfährt sogar die erste Liebe …

23. Februar:
"Bailey – Ein Freund fürs Leben":
Lasse Hallström, der schwedische Spezialist für anrührende Literaturadaptionen wie "Chocolat" oder "Lachsfischen im Jemen", ist wieder ganz in seinem Element mit seiner Verfilmung des Romans "A Dog's Purpose" von W. Bruce Cameron (in Deutschland unter dem Titel "Ich gehöre zu dir" veröffentlicht). Darin geht es aus dessen Perspektive um einen Hund (in der deutschen Synchronfassung gesprochen von Florian David Fitz) mit der Fähigkeit zur Reinkarnation, der stets treu zu seinem jeweiligen Herrchen und/oder Frauchen steht, sich aber zunehmend fragt, was wohl der Sinn seines scheinbar ewigen (Seelen-)Lebens ist. Mit seinem neuen Herrchen (Dennis Quaid) hofft er, endlich des Rätsels Lösung zu finden …

"Boston":
In ihrer zweiten Zusammenarbeit innerhalb eines Jahres widmen sich Regisseur Peter Berg und sein Hauptdarsteller Mark Wahlberg erneut einer amerikanischen Katastrophe. Nachdem es in "Deepwater Horizon" um den folgenreichen Untergang der titelgebenden Ölplattform im Golf von Mexiko ging, steht in "Boston" der von tschetschenischen Terroristen verübte Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 im Fokus. Wahlberg verkörpert den Polizisten Tommy, der mit seinem Partner Jeffrey (J.K. Simmons, "Terminator: Genysis") auf Anweisung des Polizeichefs (John Goodman, "10 Cloverfield Lane") schnellstmöglich die Hintergründe aufklären und natürlich die Täter fassen soll. Auch Bundesagent DesLauriers (Kevin Bacon) und Krankenschwester Carol (Michelle Monaghan, "Mission: Impossible III") sind schwer gefordert. Frühe Kritiken sind positiv ausgefallen, das altehrwürdige National Board of Review hat "Boston" gar zu den zehn besten US-Filmen des Jahres 2016 gewählt.

"Lion":
Der Emmy-nominierte australische TV-Regisseur Garth Davis (Miniserie "Top of the Lake") feiert sein Kinodebüt mit dem auf der Autobiographie von Saroo Brierley basierenden Drama "Lion". Der Inder Saroo gelangt als fünfjähriges Kind irgendwie auf den falschen Zug und landet weit über 1000 Kilometer entfernt von seiner nordindischen Heimat in der Metropole Kalkutta. Dort schlägt er sich mit Mühe als Straßenkind durch, bis er in ein Waisenhaus gesteckt und später von einem australischen Ehepaar (Nicole Kidman und David Wenham) adoptiert wird. In der Folge wächst er glücklich auf, doch irgendwann wird der Drang zu stark, seine Herkunft zu ergründen und seine leibliche Familie zu finden. Wie so viele Kinostarts im Januar und Februar zählt auch "Lion" zumindest zum erweiterten OSCAR-Kandidatenkreis, vor allem Dev Patel ("Slumdog Millionär") als Darsteller des erwachsenen Saroo und Nicole Kidman werden starke Darbietungen attestiert.

"A Cure for Wellness":
15 Jahre nach seinem grandiosen "Ring" kehrt der dreimalige "Fluch der Karibik"-Regisseur Gore Verbinski zum Gruselgenre zurück mit dieser Schauermär über einen jungen Mann (Dane DeHaan, "Chronicle"), der in die Schweizer Alpen reist, um seinen Boß aus einem luxuriösen Wellness-Center abzuholen. Am Zielort angelangt, muß er allerdings vom Direktor des Instituts (Jason Isaacs, "Herz aus Stahl") erfahren, daß sein Vorgesetzter spurlos verschwunden ist. Seine Nachforschungen bringen ihn bald in Gefahr … Nach den wunderbar gruselig-bizarren Trailern einer der Filme, auf die ich im Jahr 2017 am gespanntesten bin!

"Bibi & Tina 4 – Tohuwabohu total":
Im vierten Teil der beliebten Mädchen-Reihe von Regisseur Detlev Buck – die bislang von Teil zu Teil mehr Zuschauer in die Kinos lockte, zuletzt kam "Voll verhext!" Anfang 2016 auf schöne zwei Millionen – bekommen es die junge Hexe Bibi Blocksberg (Lina Larissa Strahl) und ihre beste Freundin Tina (Lisa-Marie Koroll) mit einer Ausreißerin zu tun, der sie helfen. Dann wird Tina entführt …

"Neruda":
Der diesjährige chilenische OSCAR-Beitrag von Pablo Larraín – der auch noch mit "Jackie" mit Natalie Portman im OSCAR-Rennen ist – erzählt die Geschichte des berühmten Dichters und Politikers Pablo Neruda (Luis Gnecco), der Ende der 1940er Jahre wegen seiner Zugehörigkeit zu den Kommunisten ins Visier der Regierung gerät und verhaftet werden soll. Neruda will ins Ausland fliehen, hat jedoch einen hartnäckigen Polizisten (Gael García Bernal) an den Hacken.

"Fist Fight":
In der US-Komödie des TV-Serien-Regisseurs Richie Keen ("It's Always Sunny in Philadelphia", "Franklin & Bash") gipfelt die Fehde zwischen zwei High School-Lehrern (Rapper Ice Cube und Charlie Day aus "Pacific Rim" und "Kill the Boss") darin, daß einer der beiden gefeuert wird und daraufhin den anderen zu einem klassischen Schulhofkampf nach dem Unterricht herausfordert – sehr zur Freude der Schüler. Es handelt sich übrigens um ein loses Remake der 1980er Jahre-Komödie "Faustrecht – Terror in der Highschool", in der aber noch zwei Schüler im Fokus standen.

"Hitlers Hollywood – Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945":
Eine Dokumentation von dem bekannten deutschen Filmjournalisten Rüdiger Suchsland, deren Titel selbsterklärend sein sollte. Die spannende Thematik gibt natürlich reichlich Stoff für einen abendfüllenden Film her.

Das war also der erste Teil meiner großen Vorschau auf Winter/Frühling 2017, Teil 2 mit den Kinostarts der Monate März und April ist inzwischen auch verfügbar.


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