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Dienstag, 19. Mai 2015

Neues aus Hollywood (20/2015)

Seit letzter Woche laufen wieder die Filmfestspiele in Cannes samt dazugehörigem Filmmarkt, auf dem viele Projekte jeglichen Entwicklungsstadiums zwischen "geplant" und "abgedreht" an den Mann bzw. das Studio gebracht werden. Mit einem bereits fertigen Film will ich daher die neueste Ausgabe dieser Rubrik beginnen:

  • Das erste Werk nach einem (ersten) OSCAR-Gewinn wird naturgemäß stets mit besonderer Aufmerksamkeit erwartet: Kann die Qualität des preisgekrönten Films bestätigt werden? Oder war es nur ein einmaliger Ausrutscher zum Positiven? Oder irgendetwas dazwischen? Diesem Urteil wird sich auch "Youth" stellen müssen, der neue Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino, der im Jahr 2014 den Auslands-OSCAR für seinen schwelgerischen Rom-Film "La Grande Bellezza – Die große Schönheit" gewann. Sorrentino schrieb auch das Drehbuch, das von zwei alten Künstler-Freunden handelt, die Urlaub in den Schweizer Alpen machen. Sir Michael Caine ("Kingsman: The Secret Service") verkörpert dabei den gefeierten Komponisten Fred, Harvey Keitel ("Moonrise Kingdom") den Filmemacher Mick. Während Fred mit seiner Karriere im Grunde genommen abgeschlossen hat, kämpft Mick mit dem Drehbuch zu einem letzten großen Film. Als Ablenkung sinnen die Freunde über alte Zeiten nach und verfolgen nebenbei interessiert die chaotischen Leben ihrer teilweise ebenfalls mitgereisten erwachsenen Kinder und einiger anderer Hotelgäste. Rachel Weisz ("Agora") agiert als Freds Tochter, weitere Rollen spielen Hollywood-Legende Jane Fonda ("Das China-Syndrom") und Paul Dano ("Ruby Sparks"). "Youth" ist Sorrentinos erster englischsprachiger Kinofilm, wurde aber größtenteils in Italien und in der Schweiz gedreht. In Italien läuft "Youth" in dieser Woche parallel zu seiner Premiere in Cannes an, einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht.

  • Wir bleiben beim europäischem Arthouse-Kino, denn dem wird sich die britische Schauspielerin Lily James nach ihrem Welterfolg als "Cinderella" demnächst widmen. Sie spielt die weibliche Hauptrolle in dem ungewöhnlichen Spionagethriller "The Kaiser's Last Kiss". Es handelt sich um das Kinodebüt des preisgekrönten britischen Broadway-Regisseurs David Leveux, der nach einem Skript von Simon Burke (TV-Serie "Strike Back") den gleichnamigen, bislang scheinbar nicht auf Deutsch erschienen Roman von Alan Judd adaptiert. Darin geht es um den letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., der nach seiner Absetzung nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg im Exil in den Niederlanden lebt und von dem OSCAR-Gewinner Christopher Plummer ("Verblendung") verkörpert wird. Als die Nazis die Niederlande 1940 erobern, gerät der bereits 81-jährige ehemalige Monarch unerwartet noch einmal in die Wirren der Weltpolitik. Der britische Premierminister Winston Churchill läßt mit Hilfe der niederländischen Widerstandsbewegung eine junge (und jüdische) Agentin (James) in Wilhelms Haushalt einschleusen, die den Ex-Kaiser letzten Endes davon überzeugen soll, britisches Asyl anzunehmen. Für die Nazis wäre das natürlich ein PR-Desaster ohnegleichen, weshalb sie alles versuchen, um es zu verhindern. Zusätzlich verkompliziert wird die Angelegenheit dadurch, daß sich die Agentin in einen deutschen Offizier (der noch nicht besetzt wurde) verliebt ... Wann die Dreharbeiten zu "The Kaiser's Last Kiss" beginnen sollen, ist nicht bekannt und wird auch davon abhängen, ob beim Filmmarkt zusätzliche Finanziers gewonnen werden können. Entsprechend läßt sich auch nicht sagen, wann der Film in die Kinos kommen wird, wobei wohl kaum vor Mitte 2016 damit zu rechnen sein dürfte.

  • Weibliche Regisseure sind in Hollywood, aber auch im Rest der Welt (nicht ohne Grund wurde die diesjährige Berlinale von der Diskussion um eine "Frauenquote" im deutschen Filmgeschäft geprägt) immer noch eine ziemlich seltene Erscheinung. Immerhin gibt es Fortschritte, wie gerade dieses Jahr zeigt, in dem mit Sam Taylor-Johnson ("Fifty Shades of Grey") und am vergangenen Wochenende Elizabeth Banks ("Pitch Perfect 2") zwei Regisseurinnen am Steuer veritabler Blockbuster saßen und damit die beiden besten weiblichen Regiedebüts in der Geschichte Hollywoods hinlegten. Vielleicht wird ja auch Meredith Danluck dereinst in einem Atemzug mit Taylor-Johnson und Banks genannt werden, jedenfalls konnte die langjährige Dokumentarfilmerin ("The Ride") für ihren zweiten Spielfilm "State of Sleep" drei namhafte Hauptdarsteller gewinnen (ihr Debüt, das Polizeidrama "North of South, East of West", lief 2013 bei Robert Redfords Sundance Festival, blieb insgesamt aber weitgehend unbeachtet). Rebecca Hall ("Vicky Cristina Barcelona") spielt eine Frau namens Katherine, die nach dem Suizid ihres Promi-Ehemannes mit dessen langjährigem Doppelleben konfrontiert wird. Gleich doppelt traumatisiert (durch den Verlust des Gatten ebenso wie durch die Enthüllungen über dessen wahre Natur), sucht Katherine nach Antworten. In weiteren Rolles des von Danluck auch verfaßten Mystery-Dramas werden Michael Shannon ("Zeiten des Aufruhrs") und Ben Foster ("Pandorum") zu sehen sein. Drehstart soll im Juli sein, womit ein Kinostart Anfang oder Mitte 2016 realistisch erscheint.

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