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Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 20. Februar 2015

OSCAR-Vorschau 2015 – Die Nebenkategorien

Auf meine Prognose für die Hauptkategorien folgen nun also die 14 Nebensparten der OSCAR-Verleihung 2015 in der Nacht vom Sonntag auf Montag, moderiert von Neil Patrick Harris:

Kamera:
- Emmanuel Lubezki, "Birdman"
- Robert Yeoman, "Grand Budapest Hotel"
- Lukasz Zal und Ryszard Lenczewski, "Ida"
- Dick Pope, "Mr. Turner"
- Roger Deakins, "Unbroken"

Gesehen: Alle außer "Ida".
Favorit: "Birdman". 2014 gewann Lubezki für "Gravity" nach langen Jahren des Wartens seinen ersten OSCAR; wie es aussieht, wird er nun gleich den zweiten folgen lassen. Und angesichts der anspruchsvollen, extrem langen Aufnahmen wäre es auch verdient. Aenseiterchancen werden "Grand Budapest Hotel" eingeräumt, während manche (inklusive meiner Wenigkeit) den polnischen Schwarzweißfilm "Ida" als Hauptkonkurrenten von "Birdman" sehen schließlich gewann auch 2010 ein kunstvoller europäischer Schwarzweißfilm diese Kategorie: Michael Hanekes "Das weiße Band".

Gewinnen sollte: "Mr. Turner" (da Dick Popes Kameraführung den Stil der Gemälde von William Turner nahezu perfekt nachahmt).
Gewinnen wird: Emmanuel Lubezki für "Birdman".  

Kostüme:
- Milena Canonero, "Grand Budapest Hotel"
- Mark Bridges, "Inherent Vice – Natürliche Mängel"
- Colleen Atwood, "Into the Woods"
- Anna B. Sheppard und Jane Clive, "Maleficent – Die dunkle Fee"
- Jacqueline Durran, "Mr. Turner"

Gesehen: Alle außer "Maleficent".
Favorit: "Grand Budapest Hotel". Zahlreiche Branchenexperten gehen fest davon aus, daß Wes Andersons nostalgische schwarze Komödie die meisten OSCARs gewinnen wird – dank der Nebenkategorien. Mit seinen phantasievoll-entrückten und kunterbunten Kostümen ist "Grand Budapest Hotel" hier jedenfalls hoher Favorit. Die beiden Märchenfilme "Into the Woods" und "Maleficent" haben Außenseiterchancen, wohingegen die farbenfrohen 1970er Jahre-Outfits von "Inherent Vice" (leider) chancenlos sein dürften.

Gewinnen sollte: "Grand Budapest Hotel".
Gewinnen wird: Milena Canonero für "Grand Budapest Hotel".  

Spezialeffekte:
- Dan DeLeeuw, Russell Earl, Bryan Grill und Dan Sudick, "Captain America 2: The Return of the First Avenger"
- Joe Letteri, Dan Lemmon, Daniel Barrett und Erik Winquist, "Planet der Affen: Revolution"
- Stephane Ceretti, Nicolas Aithadi, Jonathan Fawkner und Paul Corbould, "Guardians of the Galaxy"
- Paul Franklin, Andrew Lockley, Ian Hunter und Scott Fisher, "Interstellar"
- Richard Stammers, Lou Pecora, Tim Crosbie und Cameron Waldbauer, "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit"

Gesehen: Alle.
Favoriten: "Interstellar" und "Planet der Affen: Revolution". Superheldenfilme werden bei den Spezialeffekten zwar immer wieder mal nominiert, konnten aber bisher erst einmal gewinnen ("Spider-Man 2"). Das dürfte sich 2015 nicht ändern, wenngleich "Guardians of the Galaxy" nicht vollkommen chancenlos ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es jedoch ein enges Rennen zwischen Christopher Nolans visuell berauschendem philosophischen SF-Epos "Interstellar" und den perfekten Motion Capture-Animationen aus "Planet der Affen: Revolution", die die Affen tatsächlich zu Hauptfiguren des Films werden lassen und die Menschen zu Nebendarstellern.

Gewinnen sollte: "Planet der Affen: Revolution".
Gewinnen werden: Joe Letteri, Dan Lemmon, Daniel Barrett und Erik Winquist für "Planet der Affen: Revolution". 

Musik:
- Alexandre Desplat, "Grand Budapest Hotel"
- Alexandre Desplat, "The Imitation Game"
- Hans Zimmer, "Interstellar"
- Gary Yershon, "Mr. Turner"
- Jóhann Jóhannsson, "Die Entdeckung der Unendlichkeit"

Gehört: Alle.
Favoriten: "Grand Budapest Hotel" und "Die Entdeckung der Unendlichkeit". Bei der Musik gibt es öfters Überraschungen (die meist bereits bei den Nominierungen beginnen), insofern ist die Favoritenstellung hier relativer zu sehen als in den meisten anderen Kategorien. Alexandre Desplat ist eigentlich schon lange überfällig für seinen ersten Academy Award und für "Grand Budapest Hotel" gilt er als leichter Favorit, zumal er dafür zuletzt den britischen BAFTA Award gewann. Da er gleich zweifach nominiert ist, besteht aber immer die Gefahr, daß sich seine beiden Chancen gegenseitig die Stimmen wegnehmen. "Die Entdeckung der Unendlichkeit" gewann u.a. den Golden Globe, allerdings ist es die erste OSCAR-Nominierung des Isländers Jóhannsson, was manche abschrecken könnte (es soll Academy-Mitglieder geben, die aus Prinzip keinem "Neuling" ihre Stimme geben). Manche halten sogar eine Trophäe für Hans Zimmers unkonventionellen, aber definitiv erinnerungswürdigen Orgel-Score für möglich, doch das wäre schon eine ziemliche Sensation.

Gewinnen sollte: "Die Entdeckung der Unendlichkeit".
Gewinnen wird: Alexandre Desplat für "Grand Budapest Hotel".

Filmsong:
- "Everything is Awesome" von Shawn Patterson, gesungen von Tegan and Sara, "The LEGO Movie"
- "Glory" von John Stephens und Lonnie Lynn, gesungen von John Legend und Common, "Selma"
- "Grateful" von Diane Warren, gesungen von Rita Ora, "Beyond the Lights"
- "I'm Not Gonna Miss You" von Glen Campbell und Julian Raymond, gesungen von Glen Campbell, "Glen Campbell ... I'll Be Me"
- "Lost Stars" von Gregg Alexander und Danielle Brisebois, gesungen von Adam Levine und Keira Knightley (zwei unterschiedliche Versionen, die Nominierung bezieht sich wohl auf beide), "Can a Song Save Your Life?"

Gehört: Alle.
Favoriten: "Glory" und "Lost Stars". Lange Zeit galt "Lost Stars" als Favorit, für den spricht, daß es erstens ein guter Song ist, der zweitens direkt im Film gesungen wird (und nicht nur als Abspann-Begleitung wie etwa bei "Glory" der Fall) und das drittens auch noch in zwei sehr unterschiedlichen Versionen – eine davon vorgetragen (viertens) von einem echten Rockstar (Maroon 5-Sänger Adam Levine), die andere (fünftens) von Keira Knightley. Das sind viele gute Gründe, dennoch ist der Konsens inzwischen, daß der Preis wohl eher an "Glory" gehen wird, und zwar auch oder sogar vor allem als kleine "Entschuldigung" dafür, daß das hochgelobte Bürgerrechtsdrama ansonsten bei den Nominierungen beinahe vollständig ignoriert wurde. Außenseiterchancen haben der Gute Laune-Ohrwurm "Everything is Awesome" und "I'm Not Gonna Miss You" – schon weil es das letzte Lied des in den USA populären und inzwischen an Alzheimer erkrankten Countrymusikers Glen Campbell sein dürfte.

Gewinnen sollte: "Lost Stars" (und zwar in der intimen Knightley-Version).
Gewinnen wird: "Glory" von John Stephens und Lonnie Lynn, gesungen von John Legend und Common. 

Ton:
- John Reitz, Gregg Rudloff und Walt Martin, "American Sniper"
- Jon Taylor, Frank A. Montaño und Thomas Varga, "Birdman"
- Gary A. Rizzo, Gregg Landaker und Mark Weingarten, "Interstellar"
- Jon Taylor, Frank A. Montaño und David Lee, "Unbroken"
- Craig Mann, Ben Wilkins und Thomas Curley, "Whiplash"

Gehört: Alle außer "American Sniper" und "Whiplash".
Favoriten: "Whiplash", "American Sniper" und "Birdman". "Interstellar" und "Unbroken" gelten als chancenlos, die drei anderen sind dagegen allesamt gut im Rennen, wobei "Whiplash" als leichter Favorit in die Entscheidung geht. Schließlich ist es ein Film über einen Schlagzeuger, und Musikfilme haben in den Tonkategorien immer gute Chancen. Das gilt allerdings auch für Kriegsfilme, was für "American Sniper" spricht. Und "Birdman" punktet mit der gelungenen Erfüllung der technisch sehr anspruchsvollen Aufgabe, die extrem langen, ohne Unterbrechung gefilmten Einstellungen mit genau dem richtigen Ton zu versehen. Alle drei Filme haben also gute Argumente auf ihrer Seite, weshalb man letztlich eigentlich nur Raten kann. Fakt ist aber: Sollte "Birdman" gewinnen, wäre das für die Showbiz-Satire ein gutes Zeichen für die später folgenden Hauptkategorien ...

Gewinnen sollte: Von den dreien, die ich gesehen und gehört habe: "Birdman". Aber da mir die beiden Hauptkonkurrenten noch fehlen, heißt das nicht viel.
Gewinnen werden: Jon Taylor, Frank A. Montaño und David Lee, "Birdman". 

Tonschnitt:
- Alan Robert Murray und Bub Asman, "American Sniper"
- Martin Hernández und Aaron Glascock, "Birdman"
- Brent Burge und Jason Canovas, "Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere"
- Richard King, "Interstellar"
- Becky Sullivan und Andrew DeCristofaro, "Unbroken"

Gehört: Alle außer "American Sniper".
Favoriten: "American Sniper" und "Birdman". Häufig gehen die beiden Tonkategorien an den gleichen Film, 2015 ist die Chance einer Aufteilung jedoch ziemlich hoch, da es eben beim Ton einen engen Dreikampf gibt und beim Tonschnitt einen Zweikampf (mit Außenseiterchancen für "Interstellar"). Die meisten Experten sind sich allerdings einig, daß hier "American Sniper" die Nase vorn haben sollte.

Gewinnen sollte: "Birdman".
Gewinnen werden: Alan Robert Murray und Bub Asman für "American Sniper".

Ausstattung:
- Adam Stockhausen und Anna Pinnock, "Grand Budapest Hotel"
- Maria Djurkovic und Tatiana Macdonald, "The Imitation Game"
- Nathan Crowley und Gary Fettis, "Interstellar"
- Dennis Gassner und Anna Pinnock, "Into the Woods"
- Suzie Davis und Charlotte Watts, "Mr. Turner"

Gesehen: Alle.
Favorit: "Grand Budapest Hotel". Am ehesten könnten noch "Mr. Turner" oder "Into the Woods" überraschen, aber eigentlich führt hier kein Weg an "Grand Budapest Hotel" vorbei.

Gewinnen sollte: "Grand Budapest Hotel".
Gewinnen werden: Adam Stockhausen und Anna Pinnock für "Grand Budapest Hotel".

Schnitt:
- Joel Cox und Gary D. Roach, "American Sniper"
- Sandra Adair, "Boyhood"
- Barney Pilling, "Grand Budapest Hotel"
- William Goldenberg, "The Imitation Game"
- Tom Cross, "Whiplash"

Gesehen: Alle außer "American Sniper" und "Whiplash".
Favoriten: "Boyhood" und "Whiplash". Nachdem Mitfavorit "Birdman" überraschenderweise gar nicht nominiert wurde, ist das eine recht offene Kategorie. Wie "Boyhood" (der den wichtigsten Preis im Vorfeld gewann, den ACE Eddie Award) die über 12 Jahre verteilt gedrehten Szenen zu einem ebenso authentischen wie poetischen Meisterwerk verknüpft, spricht definitiv für ihn, aber auch "Whiplash" und vielleicht "American Sniper" kommen in Frage. Sollte "Boyhood" nicht gewinnen, würden seine Siegchancen als "Bester Film" deutlich sinken (denn häufig gewinnt der gleiche Film diese beiden ungleichen Kategorien, weshalb die Nicht-Nominierung von "Birdman" besonders erstaunlich war).

Gewinnen sollte: "Birdman" (nicht nominiert).
Gewinnen wird: Tom Cross für "Whiplash". 

Makeup und Hairstyling:
- Bill Corso und Dennis Liddiard, "Foxcatcher"
- Frances Hannon und Mark Coulier, "Grand Budapest Hotel"
- Elizabeth Yianni-Georgiou und David White, "Guardians of the Galaxy"

Gesehen: Alle außer "Foxcatcher".
Favorit: "Grand Budapest Hotel". "Guardians of the Galaxy" ist zwar in diesem Bereich am auffälligsten und dabei sehr überzeugend, aber vermutlich doch nicht raffiniert genug (Gamora ist grün, Nebula ist blau – das sieht gut aus, aber auch nicht mehr). Bei "Foxcatcher" sticht vor allem das Makeup für Hauptdarsteller Steve Carell hervor, der in der Tat kaum zu erkennen ist. Für den Sieg dürfte das aber auch nicht reichen, da sollte "Grand Budapest Hotel" die Nase vorn haben (schon für Tilda Swintons Frisur ...).

Gewinnen sollte: "Grand Budapest Hotel".
Gewinnen werden: Frances Hannon und Mark Coulier für "Grand Budapest Hotel".

Dokumentarfilm:
- CitizenFour
- Finding Vivian Maier
- Last Days in Vietnam
- Das Salz der Erde
- Virunga

Gesehen: Keinen.
Favorit: "CitizenFour". Laura Poitras' Edward Snowden-Doku hat so gut wie jeden Preis im Vorfeld der OSCARs gewonnen, da spricht wenig dagegen, daß er auch hier gewinnen wird. Möglicherweise könnte die engagierte Netflix-Doku "Virunga" über die Berggorillas im Virunga Nationalpark im Kongo (erzählt von Leonardo DiCaprio) überraschen, aber davon ist kaum auszugehen.

Gewinnen wird: "CitizenFour".

Kurzdoku:
- Crisis Hotline: Veterans Press 1
- Joanna
- Our Curse
- The Reaper
- White Earth

Favoriten: "Crisis Hotline" und "Joanna". Bei den drei Kurzfilm-Kategorien ist es immer ganz besonders schwierig, eine echte Favoritenlage ausfindig zu machen, schließlich gibt es kaum Preisverleihungen vor den OSCARs, in denen auch Kurzfilme berücksichtigt werden (außerdem habe ich keinen der nominierten 15 Filme selbst gesehen). Als leichter Favorit gilt hier aber "Crisis Hotline: Veterans Press 1", in dem es um eine Telefon-Hotline für Veteranen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung geht. Aussichtsreich ist jedoch auch der polnische "Joanna" über eine junge Mutter im Endstadium einer tödlichen Krebskrankheit.

Gewinnen wird: "Joanna".

Kurzfilm:
- Aya
- Boogaloo and Graham
- Butter Lamp
- Parvaneh
- The Phone Call

Favoriten: "The Phone Call" und "Boogaloo and Graham". Der britische Tränenzieher "The Phone Call" gilt nicht zuletzt aufgrund der recht prominenten Besetzung (Sally Hawkins als Telefonistin bei einer Seelsorgerin, die Stimme von Jim Broadbent als Anrufer) als Favorit; wenn er zu vielen Stimmberechtigten zu deprimierend ist, könnte der leichtfüßige nordirische Coming of Age-Film punkten. "Parvaneh" ist übrigens eine Produktion aus der Schweiz und auch nicht ganz chancenlos (aber das gilt in den Kurzfilmkategorien eigentlich immer für alle nominierten Beiträge).

Gewinnen wird: "Boogaloo and Graham".

Animierter Kurzfilm:
- The Bigger Picture
- The Dam Keeper
- Feast
- Me and My Moulton
- A Single Life

Favoriten: Alle außer "A Single Life". Die besten Aussichten werden "Feast" eingeräumt, der von Disney stammt und als Vorfilm von Marvels Animations-Blockbuster "Baymax" lief. Aber auch "The Dam Keeper" von ehemaligen Pixar-Künstlern, der sich stilistisch an die Werke des japanischen Zeichentrick-Großmeisters Hayao Miyazakis ("Wie der Wind sich hebt") anlehnen soll, oder der visuell sehr kreative Studentenfilm "The Bigger Picture" könnten gewinnen.

Gewinnen wird: "The Dam Keeper".

Das war also meine große OSCAR-Vorschau auf alle 24 Kategorien. Die Gewinner sowie eine kurze Analyse werde ich am Montag posten.

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