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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 27. Juni 2014

MÄDELSABEND (2014)

Originaltitel: Walk of Shame
Regie und Drehbuch: Steven Brill, Musik: John Debney
Darsteller: Elizabeth Banks, James Marsden, Gillian Jacobs, Sarah Wright Olsen, Bill Burr, Ethan Suplee, Willie Garson, Kevin Nealon, Lawrence Gilliard Jr., Alphonso McAuley, Da'Vone McDonald, Ken Davitian, Oliver Hudson, Niecy Nash, P.J. Byrne, Vic Chao, Steven Brill
 Walk of Shame
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 12% (3,7); weltweites Einspielergebnis: $7,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 95 Minuten.

Als die lokale Nachrichtensprecherin Meghan Miles (Elizabeth Banks, "Die Tribute von Panem – Catching Fire") von ihrem Manager Dan Karlin (Willie Garson aus der TV-Serie "White Collar") erfährt, daß sie ihren fast sicher geglaubten Traumjob bei einem größeren Sender doch nicht bekommt, überreden sie ihre Freundinnen Rose (Gillian Jacbos, TV-Serie "Community") und Denise (Sarah Wright Olsen, "21 & Over") zwecks Frustabbau zu einer wilden Partynacht. Am nächsten Morgen erwacht Meghan nackt und verkatert im Bett neben dem netten Barkeeper Gordon (James Marsden, "Hairspray"), der eigentlich Schriftsteller ist. Als sie auf dem Handy ihre Nachrichten abhört, folgt ein echter Schock: Ihr Manager teilt ihr mit, daß sie den Job nun doch bekommen könne, sie müsse nur rechtzeitig zu ihrer Sendung da sein, da sie von den Verantwortlichen noch einmal unter Live-Bedingungen in Augenschein genommen werden soll. Sofort verschwindet sie aus Gordons Wohnung, muß aber feststellen, daß ihr im Halteverbot geparktes Auto soeben abgeschleppt wird – und zwar aus einer richtig üblen Gegend, in der Gordon offensichtlich wohnt. Ihr Handy hat sie in dessen Wohnung vergessen, ihre Handtasche mit dem Geld liegt im Auto, und zurück zu Gordon kann sie auch nicht, weil die Türklingeln in dessen Wohnkomplex nicht mit Namen, sondern nur mit Nummern beschriftet sind. So macht sich Meghan zu Fuß auf den Weg, in ihrem hautengen, knallgelben Marc Jacobs-Kleidchen, dessentwegen sie alle, die sie um Hilfe bittet, für eine Prostituierte halten …

Kritik:
Anläßlich des Kinostarts der im deutschsprachigen Raum eher unpassend betitelten Komödie "Mädelsabend" beklagte sich der Kritiker Robert Abele von der "Los Angeles Times" darüber, daß sich talentierte Hollywood-Schauspielerinnen, die nicht zur allerersten Garde zählen, für Machwerke wie dieses hergeben müssten, um überhaupt die Chance auf eine Hauptrolle zu haben. Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Abgesehen vielleicht von der Frage, wie es eigentlich möglich sein kann, daß ein derart altbackenes Drehbuch, dessen dünne Story und müde Gags bereits in den 1980er Jahren nicht mehr als ansatzweise originell durchgegangen wären, überhaupt verfilmt wird, und das auch noch mit halbwegs prominenter Besetzung. Dabei ist "Mädelsabend" gar nicht mal grottenschlecht, sondern einfach erschreckend einfallsloses unteres Mittelmaß.

In Hollywood nennt man eine Story wie die von "Mädelsabend" übrigens "high-concept". Das klingt erstmal positiv, bedeutet aber tatsächlich nur, daß sich die Prämisse verlustfrei in einem Satz zusammenfassen läßt. Eben sowas wie: "Hübsche Reporterin muß ohne Geld, Telefon oder sonstige Hilfsmittel rechtzeitig zu ihrer Arbeitsstelle kommen." Daraus können durchaus sehr unterhaltsame, sogar richtig gute Filme werden, die meisten Sommer-Blockbuster fallen ebenfalls in die "high-concept"-Kategorie (Wikipedia nennt als Beispiel "Jurassic Park", dessen Prämisse lautet: "Was, wenn wir Dionsaurier klonen könnten?"), speziell im Komödienbereich kommt dabei aber häufig eher so etwas wie eine typische Adam Sandler-Klamotte heraus. Ganz so schlimm ist es bei "Mädelsabend" nicht, der trotz diverser Peinlichkeiten noch auf einen vergleichsweise harmlosen Humor setzt, aber von einem guten Film ist das Werk von Steven Brill – der passenderweise bereits die Sandler-Klamotten "Little Nicky" und "Mr. Deeds" verantwortete – weit entfernt. Ich hatte ja zumindest auf so etwas wie "Bad Teacher" gehofft, also eine mediokre Komödie, die durch ein Bravura-Performance der Hauptdarstellerin vor der Belanglosigkeit gerettet wird. Das komödiantische und schauspielerische Format dafür hätte Elizabeth Banks, die als eine der sympathischsten und unkompliziertesten Hollywood-Aktricen überhaupt gilt, allemal, allein: Das Drehbuch gibt ihr kaum einmal die Möglichkeit zu glänzen.

Dennoch ist Banks fraglos eine der wenigen Stärken von "Mädelsabend". Zwar übertreibt sie es mitunter etwas mit dem Overacting (was ihr angesichts des Storyverlaufs jedoch kaum zum Vorwurf gemacht werden kann), generell weiß sie aber mit ihrer unverschämt sympathischen Ausstrahlung, ihrer ungezügelten Energie und einem ausgeprägten Mut zur Peinlichkeit zu punkten. Zumindest für mich etwas problematisch ist lediglich, daß Banks dieses Mal von Bianca Krahl synchronisiert wird und nicht von ihrer Hauptsprecherin der letzten Jahre (u.a. in den "Die Tribute von Panem"-Filmen, "Pitch Perfect", "72 Stunden" oder "Movie 43") Cathlen Gawlich. Nicht, daß Krahl ihre Sache schlecht machen würde, aber wenn ich Elizabeth Banks sehe und dazu die deutsche Stimme von Rachel Bilson höre, dann ist das irgendwie irritierend – zumal die beiden Schauspielerinnen bis auf ihr gutes Aussehen nicht wirklich viel gemeinsam haben. Aber den meisten Zuschauern wird das wahrscheinlich gar nicht auffallen, insofern ist das vorrangig mein Problem. Neben Banks sorgen speziell ihre beiden besten Freundinnen Rose und Denise für Vergnügen, wobei vor allem die mit einer ausgeprägten Begriffsstutzigkeit "gesegnete" Denise an den meisten der nicht allzu vielen gelungenen Gags beteiligt ist.

Mehr als eine bloße Charakter-Schablone ist zwar keine dieser drei Frauen (oder irgendeine andere Figur des Films), aber für eine Komödie dieser Art reicht das aus. Und wenn Brill mehr gute, absurde Ideen wie jene Szene, in der drei Crack-Dealer Meghan eine ausführliche Kritik ihrer Auftritte als Nachrichtensprecherin liefern, eingefallen wären, dann hätte "Mädelsabend" sogar richtig unterhaltsam werden können. Stattdessen wird die Prämisse gnadenlos und weit jenseits jeglicher Glaubwürdigkeit ausgewalzt, was zwar immer wieder mal für ein paar nette Szenen sorgt, insgesamt aber einfach zu wenig ist.

Fazit: "Mädelsabend" ist eine belanglose Komödie, die das Talent ihrer engagiert aufspielenden Hauptdarstellerin Elizabeth Banks nur in wenigen Momenten zu nutzen weiß und ansonsten trotz hübsch skurriler Nebenfiguren müde ein Klischee aus der Mottenkiste nach dem anderen abklappert.

Wertung: 4 Punkte.


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