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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 2. Januar 2014

BUDDY (2013)

Regie und Drehbuch: Michael "Bully" Herbig, Musik: Ralf Wengenmayr
Darsteller: Alexander Fehling, Michael "Bully" Herbig, Mina Tander, Jann-Piet Puddu, Christian Berkel, Daniel Zillmann, Alexander Schubert, Tim Wilde, Siegfried Terpoorten, Nic Romm, Peter Jordan, Manou Lubowski, Dominic Boeer, Gisa Flake, Sky du Mont, Mirja du Mont, Olli Dittrich, Rick Kavanian
 Buddy
(2013) on IMDb   Rotten Tomatoes: -; weltweites Einspielergebnis: $8,6 Mio.
FSK: 6, Dauer: 95 Minuten.

Nach dem Tod seines Vaters erbt Eddie Weber (Alexander Fehling, "Goethe!", "Inglourious Basterds") dessen Limonadenimperium und wird zum "Sprudelkönig von Hamburg". Da Eddie vom Geschäftlichen jedoch nicht allzu viel versteht, überläßt er dies großteils lieber dem Geschäftsführer Dr. Küster (Christian Berkel, "Der Untergang") und konzentriert sich selbst stattdessen auf alkoholgetränkte Partynächte. Unglücklicherweise beginnt sein Lebensstil als Partyhengst auf den einst guten Ruf des Unternehmens abzufärben, das deshalb zunehmend in finanzielle Nöte gerät – Eddie muß unbedingt wieder zu sich finden und Verantwortung für sein Erbe übernehmen. Das versucht der junge Mann auch, doch gibt es eine Person, die all seine Bemühungen zunichte zu machen scheint: Buddy (Michael "Bully" Herbig) stellt sich Eddie als sein ganz persönlicher und etwas tollpatschiger Schutzengel vor, der ihn am liebsten mit der alleinerziehenden Altenpflegerin Lisa (Mina Tander, "Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe") verkuppeln will. Natürlich glaubt Eddie Buddys Geschichte nicht, doch da nur er den Amateur-Schutzengel mit der Vorliebe für penetrante Schlagermusik sehen und hören kann, hält ihn schon bald alle Welt für verrückt ...

Kritik:
Nachdem Michael "Bully" Herbig in den letzten Jahren vorwiegend als Schauspieler zu sehen war, aber auch namhaften Produktionen wie Leander Haußmanns "Hotel Lux", Helmut Dietls "Zettl" oder in seinem Hollywood-Nebenrollendebüt Don Scardinos Komödie "Der unglaubliche Burt Wonderstone" nicht zu nennenswertem Kassenerfolg verhelfen konnte, kehrt er nun wieder auf den Regiestuhl zurück. In dieser Position ist seine Kinobilanz bislang makellos, sowohl mit den drei aus seiner TV-Sketchreihe "bullyparade" geborenen Parodiefilmen "Der Schuh des Manitu", "(T)Raumschiff Surprise Periode 1" und "Lissi und der wilde Kaiser" als auch mit dem Kinderfilm "Wickie und die starken Männer" erreichte er ein Multi-Millionenpublikum. Dennoch war "Buddy" ein kleines Wagnis, ist es doch Herbigs erster Originalstoff ohne bereits im Vorfeld vorhandener Fanschar, die einen Kinoerfolg quasi garantieren könnte. Zwar versuchte Bully im Vorfeld, durch eine sechsteilige Sitcom im "Two and a Half Men"-Stil Aufmerksamkeit zu generieren, dies mißriet jedoch angesichts schlechter Quoten und noch schlechterer Kritiken gründlich. Wenn man dann noch bedenkt, daß romantische Komödien in Deutschland seit Jahren von den konsequent am Massengeschmack ausgerichteten und extrem erfolgreichen Hochglanz-Produkten von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer dominiert werden, dann ist Bullys amerikanisch inspirierter und (beginnend mit den herrlich überkandidelten Playback-Schlager-Einlagen) ziemlich schräger Ansatz schon mutig zu nennen. Doch "Buddy" hat einen großen Trumpf, mit dem er wuchern kann: Er ist ein richtig guter Film.

Daß Bullys Stärke eher im Comedy-Bereich liegt, ist allerdings unverkennbar. Die Interaktion zwischen Bullys Schutzengel und seinem enervierten Schützling Eddie ist einfach hinreißend, wobei Alexander Fehling seinem Leinwandpartner schauspielerisch deutlich überlegen und komödiantisch ebenbürtig ist und somit waschechte Starqualitäten offenbart. Zahlreiche witzige Slapstick-Einlagen generieren zudem herzhafte Lacher und die genretypisch leicht skurrilen (etwa zwei immer wieder auftauchende Polizisten oder Lisas filmverrückter Kollege Hütte) bis maßlos übertriebenen Nebenfiguren ("heute-show"-Comedian Alexander Schubert als Eddies Möchtegern-Nachfolger im Unternehmen) sorgen für beinahe durchgängiges Amüsement. Wie bereits erwähnt ist die amerikanische Prägung des Films unverkennbar – natürlich muß man das nicht gut finden, aber speziell in dem in Deutschland mindestens seit Sönke Wortmanns "Der bewegte Mann" im Jahr 1994 so exzessiv behandelten Genre der romantischen Komödie finde ich das sehr erfrischend. Zumal Bully seine Vorbilder nicht einfach nur kopiert, sondern wiederholt ironisch überhöht. Paradebeispiel dafür ist eine spektakuläre und wie der gesamte Film von Kameramann Torsten Breuer sehr sehenswert gefilmte Verfolgungsjagd per pedes und Fahrrad durch den Hamburger Hafen, die grandios choreographiert (ich fühlte mich gar an den Parcours-Auftakt des Bond-Films "Casino Royale" erinnert) und gleichzeitig hoffnungslos übertrieben ist – was sich wohl nicht besser zusammenfassen läßt als mit dem höchst banalen Ziel dieser atemlosen Hatz: Eddies geklauter Jacke (auch wenn es dafür im Nachhinein eine einleuchtende Erklärung gibt). Im Gegensatz zum noch viel zu gezwungen wirkenden Probelauf mit der Fernseh-Sitcom "Bully macht Buddy" funktioniert die dezente Amerikanisierung des Stoffes bei "Buddy" deshalb einwandfrei.

Immer wenn "Buddy" von Komödie zu Romanze umschaltet, läßt die Qualität dagegen etwas nach. Nicht, daß man allzu viel gegen Eddies erwartet holprige Annäherungsversuche an Lisa einwenden könnte; Bully spult das routiniert ab, bleibt dabei den altbewährten Genremustern aber allzu treu und kann somit kaum für Begeisterung sorgen. Etwas bedenklich für eine romantische Komödie ist es logischerweise auch, wenn die Leinwandchemie des Liebespaars in spe weniger ausgeprägt ist als die zwischen dem Hauptdarsteller und seinem Schutzengel-Sidekick. Daß Bully einen rührseligen Nebenhandlungsstrang um zwei seit Jahrzehnten verliebte, aber bislang nie zusammengekommene Senioren einbaut, dessen Botschaft sehr offensichtlich ist, ohne die Filmhandlung ernsthaft weiterzubringen, wirkt leider ebenfalls eher überflüssig. Aber zum Glück sind die rein romantischen Szenen stets kurz genug gehalten, daß sie nie wirklich stören. Und die harmonische Besetzung (inklusive einiger netter Cameos) tut ihr Übriges, damit "Buddy" unter dem Strich ein sehr sympathischer und lustiger Film ist.

Fazit: "Buddy" ist eine romantische Komödie jenseits des aus deutschen Landen mittlerweile gewohnten Schweiger/Schweighöfer-Schemas, die vor allem komödiantisch und durch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Fehling und Herbig überzeugt – die romantische Ebene ist lediglich solide, stört aber ebenso wenig wie ein oder zwei unnötig erscheinende sekundäre Handlungsstränge.

Wertung: 8 Punkte.


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