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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 3. Januar 2014

MACHETE KILLS (2013)

Regie: Robert Rodriguez, Drehbuch: Kyle Ward, Musik: Robert Rodriguez und Carl Thiel
Darsteller: Danny Trejo, Mel Gibson, Amber Heard, Michelle Rodriguez, Demián Bichir, Carlos Estevez (alias Charlie Sheen), Sofia Vergara, Marko Zaror, Tom Savini, William Sadler, Walt Goggins, Cuba Gooding Jr., Lady Gaga, Antonio Banderas, Vanessa Hudgens, Alexa Vega, Julio Oscar Mechoso, Jessica Alba
 Machete Kills
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 28% (4,5); weltweites Einspielergebnis: $17,5 Mio.
FSK: 16, Dauer: 107 Minuten.

Der Ruf des hartgesottenen mexikanischen Ex-Polizisten Machete (Danny Trejo, "Violet & Daisy") hat sich inzwischen bis in höchste Kreise herumgesprochen, weshalb er eines Tages einen Auftrag vom US-Präsidenten höchstpersönlich (Charlie Sheen hat erstmals für einen Film seinen Geburtsnamen Carlos Estevez gewählt) erhält: Er soll den mexikanischen Rebellen Mendez (Demián Bichir, "Savages") stoppen, der droht, eine Atomrakete direkt auf Washington abzufeuern, wenn die Amerikaner nicht in kürzester Zeit alle mexikanischen Drogenkartelle vernichten. Darauf können und wollen sich die USA natürlich nicht einlassen, deshalb ist Machete gefragt. Der Weg nach Mexiko erweist sich für ihn als erwartet beschwerlich, denn Mendez hält sich gut versteckt und Machete setzt sich schon bald die resolute Puffmutter Desdemona (Sofia Vergara, TV-Serie "Modern Family") mit ihren bis an die Zähne bewaffneten Mädels auf die Spur. Noch komplizierter wird allerdings der Rückweg, denn Mendez setzt ein fürstliches Kopfgeld auf Machete aus, das auch den mysteriösen Auftragskiller El Camaleón auf den Plan ruft ...

Kritik:
Als Robert Rodriguez ("From Dusk till Dawn") 2010 seine Grindhouse-Hommage "Machete" in die Kinos brachte, waren die Kritiker überraschenderweise recht angetan von der brutalen, aber hemmungslos übertriebenen Actionkomödie – für ein großes (Kino-)Publikum war der Stoff aber natürlich doch zu speziell. Dank Rodriguez' berühmter Fähigkeit, spektakuläre Filme mit einem sehr überschaubaren Budget zu drehen, wurde "Machete" trotzdem zu einem kommerziellen Erfolg, womit der zweite Teil der geplanten Trilogie recht schnell grünes Licht bekam. Nur um dann bei den Kritikern viel schlechter abzuschneiden und in den Lichtspielhäusern vor gähnend leeren Zuschauerrängen zu laufen. Und diese Abstrafung durch das Publikum ist verdient, denn "Machete Kills" ist locker zwei Klassen schlechter als sein Vorgänger.

Wenn man sich die Beteiligten an beiden Filmen betrachtet, dann ist der offensichtlichste Unterschied, daß das Drehbuch dieses Mal nicht von Rodriguez selbst stammt, sondern von dem weithin unbekannten Kyle Ward. Der Verdacht liegt nahe, daß dieser vermutlich mit Rodriguez' engem Terminplan zusammenhängende Wechsel die Wurzel allen Übels ist. Denn es ist allzu offensichtlich, daß sich "Machete Kills" geradezu krampfhaft bemüht, die Stärken des Vorgängers beizubehalten, dabei aber noch stärker in Richtung B-Movie zu gehen. Das bedauerliche Resultat dieser Anstrengungen ist, daß die besten Oneliner ("Machete schickt keine SMS") und Gags aus "Machete" einfallslos nachgeahmt werden (und das teilweise bis zum Erbrechen), wobei der Autor aber offenbar nur selten begriffen hat, was genau sie im Original so witzig gemacht hat. Um das genannte Zitat als Beispiel herzunehmen: Der Satz "Machete schickt keine SMS" (im Original klingt das noch knackiger: "Machete don't text") ist ja für sich genommen nicht sonderlich lustig; erst im Zusammenhang der Gesamtsituation sowie durch die Person Machete, die keinerlei Skrupel hat, Bösewichte gleich im Dutzend zu massakrieren, sich dann aber weigert, eine SMS zu schicken, ergibt sich die herrlich absurde Komik. Wenn Machete in der Fortsetzung ständig und ohne besondere inhaltliche Herleitung Variationen des gleichen Spruchs bringt ("Machete don't tweet", "Machete don't joke" etc.), dann ist das nicht der lustige Running Gag, den sich Ward offensichtlich erhofft hat, sondern einfach nur einfallslos und spätestens nach dem dritten Mal schlicht langweilig. Und so ähnlich, wenn auch nicht ganz so schlimm, geht das mit einigen anderen Anspielungen auf "Machete" wie dem herrlich schwülstigen "Love Theme", das immer dann eingespielt wird, sobald es "romantisch" wird (was diesmal aber wesentlich seltener vorkommt).

Wirklich neue, geschweige denn gute Ideen in Bezug auf die Person Machete hat "Machete Kills" nicht zu bieten, weshalb der eigentlich so coole Protagonist trotz Danny Trejos typischer grummelig-charismatischer Darstellung deutlich lahmer wirkt. Auf der anderen Seite hat er zwar noch mehr Kampfszenen zu bestreiten als im ersten Teil, wobei vor allem die Duelle mit Mendez' Bodyguard Zaror (verkörpert vom chilenischen Kampfkünstler Marko Zaror) positiv hervorstechen. Generell halte ich es aber nicht für eine gute Idee, die Actionszenen – die in "Machete" genau die richtige Balance zwischen Brutalität und Komik durch Übertreibung hielten – noch weiter "over the top" zu treiben. "Machete" war letztlich immer noch halbwegs in der Realität verankert, "Machete Kills" mutiert zu reiner Fantasy, die wirklich niemand mehr ernstnehmen kann – selbst die FSK nicht, die Machetes zweites Kinoabenteuer allen Ernstes trotz haufenweise halbierter, zerrissener und sogar explodierender Körper bereits ab 16 Jahren freigegeben hat. Ach, und auf Nacktszenen wird dieses Mal übrigens sogar komplett verzichtet, was für eine Grindhouse-Hommage auch irgendwie komisch ist ...

Ähnlich wie bei den Actionszenen läuft es auch mit der erwartungsgemäß dünnen Handlung ab: Anfangs ist sie noch zweckmäßig, in der zweiten Filmhälfte, in der Mel Gibson ("Die Passion Christi") als Waffenhändler Voz eine zentrale Rolle einnimmt, wird sie zunehmend albern bis lächerlich. Voz ist nämlich ein großer (und größenwahnsinniger) "Star Wars"-Fan und läßt sich davon inspirieren, weshalb der wie der Vorgänger etwas zu lang geratene Film in dieser Phase immer stärker von der anfänglichen Grindhouse-Hommage zu einer schlechten "Star Wars"-Parodie wird (wenn auch mit ein oder zwei gelungenen Anspielungen). Mel Gibson tut zwar sein Bestes inklusive Overacting, aber bei diesem Drehbuch kann auch er nicht mehr viel retten. Daß das deutsche Synchronbuch von eher mäßiger Qualität ist und neben einem veritablen Grammatikfehler (ein absolutes No-Go in einer synchronisierten Fassung!) diverse eigentlich auch in Deutschland etablierte englische Begriffe schlecht eindeutscht – so wird aus dem u.a. aus "Zwei glorreiche Halunken" und "Pulp Fiction" bekannten "Mexican standoff" ein banales "mexikanisches Unentschieden" –, ist natürlich auch nicht wirklich hilfreich.

Doch ich will nicht verschweigen, daß nicht alles an "Machete Kills" schlecht ist. Abgesehen davon, daß die Actionsequenzen wie immer bei Rodriguez handwerklich routiniert in Szene gesetzt sind, gibt es sogar ein paar richtig gute Einfälle, angefangen mit der Besetzung des US-Präsidenten ausgerechnet mit Charlie Sheen ("Wall Street"). Nun würde ich weißgott nicht behaupten, daß Sheen eine schauspielerische Glanzleistung abliefert, aber das ist auch gar nicht nötig, denn die Figur ist so angelegt, daß Sheen eigentlich einfach nur sich selbst spielen muß. Und einen US-Präsidenten zu erleben, der morgens mit vier "Bunnys" im Bett aufwacht, Marihuana legalisiert und flucht wie ein Matrose – ja, doch ... das ist schon amüsant. Eine sogar noch bessere Idee ist der Auftragskiller El Camaléon, der immer dann, wenn er meint, daß sein Gesicht zu bekannt geworden ist, selbiges in bester "Mission: Impossible"-Manier abstreift und in neuer Gestalt weiter auf die Jagd geht. Wenn man Logikfragen außer Acht läßt – beispielsweise hat Lady Gaga natürlich auch mit anderer Gesichtsmaske, Make-Up und Auspolsterungen an gewissen Stellen kaum den gleichen Körperbau wie Antonio Banderas ("Die Haut, in der ich wohne") oder Cuba Gooding Jr. ("Der Butler") –, dann ist das ein richtig guter und auch gut ausgespielter Gag, der sogar erfreulich konsequent zu Ende gebracht wird.

Leider bleiben das aber positive Ausnahmen, insgesamt ist "Machete Kills" eine Enttäuschung. Würde es sich um eine Hollywood-Produktion handeln, hätte der vor Beginn des Films sogar schon per Trailer angekündigte Trilogie-Abschluß mit "Machete Kills Again ... In Space!" keine Chance auf Realisierung. Rodriguez traue ich es aber durchaus zu, die Sache jetzt bis zum Schluß durchzuziehen, zumal "Machete Kills" mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger endet. Im Normalfall sollte es dem Film auch möglich sein, durch die Heimkino-Auswertung vielleicht sogar noch die Gewinnzone zu erreichen, was die Chancen auf ein explosives, dann aber hoffentlich wieder etwas geerdeteres (auch wenn das angesichts des geplanten Handlungsorts vielleicht nicht das beste Wort ist ...) Finale von Machetes Geschichte naturgemäß erhöhen würde.

Fazit: "Machete Kills" ist eine enttäuschende Fortsetzung, die trotz einiger witziger Ideen die Stärken des herrlich schrägen Vorgängers größtenteils nur einfallslos abkupfert und sich durch die neue inhaltliche Ausrichtung selbst lächerlich macht. Absolute Geschmackssache.

Wertung: 4 Punkte.


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