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Mittwoch, 11. Dezember 2013

OSCAR-News: Der Favorit "12 Years a Slave" nimmt mit mehreren Kritikerpreisen Fahrt auf (aktualisiert mit Nominierungen der Schauspieler-Gilde)

In den letzten Tagen haben mehrere Kritikervereinigung ihre Preise vergeben, allen voran die in Washington, New York (Online-Kritiker) und Boston. Nachdem es letzte Woche bei den NBR Awards und den New Yorker Printkritikern mit "Her" und "American Hustle" eher überraschende Sieger gab, meldet sich nun der eigentliche Topfavorit "12 Years a Slave" von Steve McQueen mit einem Triple-Gewinn in der Hauptkategorie "Bester Film" sehr eindrucksvoll zurück. Auch Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor gewann bei allen drei Kritikervereinigungen, ebenso wie Cate Blanchett für Woody Allens "Blue Jasmine"; Einigkeit herrscht zudem (erwartungsgemäß) darin, daß Kameramann Emmanuel Lubezki für den Weltraum-Thriller "Gravity" prämiert wird. Für dessen Regie gewann Alfonso Cuarón zwei Preise, Boston entschied sich dagegen für Steve McQueen. Bei den Animationsfilmen gingen zwei der Preise an den japanischen "The Wind Rises", in Washington gewann "Die Eiskönigin". Eine Übersicht aller Gewinner gibt es bei Indiewire.

Es schälen sich also in den verschiedenen Kategorien bereits einige frühe Favoriten heraus (beziehungsweise bestätigen sich), insgesamt sieht es im Moment aber nicht so aus, als ob ein Film großflächig abräumen könnte. Größte Überraschung für mich persönlich ist, daß Tom Hanks für seine grandiose Leistung in "Captain Phillips" bislang noch keinen Preis zuerkannt bekam.

Interessant ist des weiteren die Top 10-Liste des renommierten American Film Institute (die aus naheliegenden Gründen ausschließlich US-Produktionen enthält):

"12 Years a Slave"
"American Hustle"
"Captain Phillips"
"Fruitvale Station"
"Gravity"
"Her"
"Nebraska"
"Saving Mr. Banks"
"The Wolf of Wall Street"

Es ist durchaus möglich, daß die "Best Picture"-Nominierungen bei den OSCARs dieser Liste sehr ähnlich sehen werden. Vielleicht könnten "Her", "Fruitvale Station" oder "Inside Llewyn Davis" durch "Blue Jasmine", "All is Lost" oder auch "Prisoners" ersetzt werden, aber die meisten der hier genannten Filme sollten auf jeden Fall auch bei den Academy Awards eine gute Rolle spielen. Daß ein vom Publikum geliebter und eigentlich auch gut rezensierter Genre-Blockbuster wie "Der Hobbit: Smaugs Einöde" oder "Die Tribute von Panem – Catching Fire" unter die Top10 schlüpft, erscheint dagegen zunehmend unrealistisch. Aber das war in den letzten Jahren ja meistens so.

Nachtrag, 19:45 Uhr: Inzwischen wurden auch die Nominierungen für die wichtigen, von der Schauspielergewerkschaft SAG vergebenen Awards bekanntgegeben. Da die Schauspieler den deutlich größten Teil der Academy-Mitglieder ausmachen, ist die Bedeutung für die OSCAR-Nominierungen sehr hoch. Hier sind die wichtigsten Film-Kategorien:

Bester Cast:
"12 Years a Slave"
"American Hustle"
"August im Osage County"
"Dallas Buyers Club"
"Der Butler"

Größte Überraschung ist das Fehlen von Scorseses "The Wolf of Wall Street", für den wohl "Dallas Buyers Club" hineingerutscht ist.

Hauptdarsteller:
Chiwetel Ejiofor, "12 Years a Slave"
Tom Hanks, "Captain Phillips"
Matthew McConaughey, "Dallas Buyers Club"
Forest Whitaker, "Der Butler"
Bruce Dern, "Nebraska"

Mit allen war zu rechnen, etwas überraschend ist höchstens, daß Forest Whitaker statt Robert Redford ("All is Lost"), Joaquin Phoenix ("Her") oder Leonardo DiCaprio ("The Wolf of Wall Street") nominiert wurde. Aber bei DEM starken Anwärterfeld in dieser Kategorie muß eben irgendjemand den Kürzeren ziehen. Kann sich bis zu den OSCAR-Nominierungen natürlich noch ändern ...

Hauptdarstellerin:
Meryl Streep, "Im August in Osage County"
Cate Blanchett, "Blue Jasmine"
Sandra Bullock, "Gravity"
Dame Judi Dench, "Philomena"
Emma Thompson, "Saving Mr. Banks"

Entspricht ziemlich genau den Erwartungen.

Nebendarsteller:
Michael Fassbender, "12 Years a Slave"
Barkhad Abdi, "Captain Phillips"
Jared Leto, "Dallas Buyers Club"
James Gandolfini, "Genug gesagt"
Daniel Brühl, "Rush"

Sehr erfreulich und vor allem wichtig hinsichtlich der weiteren Awards Season sind die Nominierungen für Abdi (der in "Captain Phillips" sein Schauspieldebüt gab und als Hanks' Hauptgegenspieler nachhaltig beeindruckte) und Brühl, die zwar als Kandidaten gehandelt wurden, aber in der Rangliste der Favoriten doch eher hintere Plätze einnahmen. Dafür fehlen u.a. der eigentlich als sicherer Nominee gehandelte Jonah Hill ("The Wolf of Wall Street") sowie Tom Hanks (als Walt Disney in "Saving Mr. Banks") oder George Clooney ("Gravity").

Nebendarstellerin:
Lupita Nyong'o, "12 Years a Slave"
Jennifer Lawrence, "American Hustle"
Julia Roberts, "Im August in Osage County"
June Squibb, "Nebraska"
Oprah Winfrey, "Der Butler"

Keine Überraschungen in dieser Kategorie, Chancen bei den OSCARs haben aber auch noch Octavia Spencer ("Fruitvale Station") und Sally Hawkins ("Blue Jasmine"), Wackelkandidaten sind wohl am ehesten Roberts und Squibb.

Fazit: "12 Years a Slave" schneidet auch hier sehr stark ab, der noch vor zwei Wochen eher als Außenseiter gehandelte "Dallas Buyers Club" ebenfalls; die bei den Kritikerpreisen bisher ziemlich übergangenen "Der Butler" und "Im August in Osage County" melden sich außerdem recht lautstark zurück. Daß "The Wolf of Wall Street" komplett ignoriert wurde, überrascht sehr, könnte aber auch damit zusammenhängen, daß zu viele SAG-Mitglieder den spät fertig gewordenen Film nicht rechtzeitig gesehen haben. Und wie gesagt: Natürlich kann es bis zu den OSCARs noch Veränderungen geben, aber die Übereinstimmungen zwischen SAG- und OSCAR-Nominierungen sind traditionell hoch.

Sämtliche Nominierungen (inklusive der TV-Kategorien) kann man selbstverständlich auf der SAG Awards-Homepage nachlesen.

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Der Trailer zum Found Footage-Horrorfilm "Paranormal Activity – Die Gezeichneten", der am 2. Januar 2014 in die deutschen Kinos kommt:

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