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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 22. November 2013

SHUTTER ISLAND (2010)

Regie: Martin Scorsese, Drehbuch: Laeta Kalogridis
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley, Michelle Williams, Max von Sydow, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, Elias Koteas, John Carroll Lynch, Nellie Sciutto, Christopher Denham
 Shutter Island
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: 68% (6,6); weltweites Einspielergebnis: $294,8 Mio.
FSK: 16, Dauer: 138 Minuten.

USA, zu Beginn der 1950er Jahre: Die U.S. Marshals Edward "Teddy" Daniels (Leonardo DiCaprio, "Der große Gatsby") und Chuck Aule (Mark Ruffalo, "Die Unfaßbaren") sollen das spurlose Verschwinden einer Frau auf Shutter Island untersuchen – einer unwirtlichen kleinen Insel, auf der in einer großen psychiatrischen Anstalt die gefährlichsten psychisch gestörten Verbrecher des Landes untergebracht sind. Zum Verdruß der beiden Marshals zeigt sich das Anstaltspersonal um Dr. John Cawley (Sir Ben Kingsley, "Prince of Persia") allerdings nicht übermäßig hilfsbereit, was besonders Teddy in seiner Vermutung immer weiter bestärkt, daß auf dieser Insel nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Daß er selbst von den Dämonen seiner ziemlich traumatischen Vergangenheit verfolgt wird, macht die Angelegenheit nicht wirklich unkomplizierter ...

Kritik:
Fast 20 Jahre nach seinem 1960er-Jahre-Remake "Kap der Angst" widmete sich Starregisseur Martin Scorsese ("Taxi Driver", "Gangs of New York") erneut dem Genre des psychologischen (Horror-)Thrillers. Während "Kap der Angst" jedoch eine zwar spannende, aber recht lineare Geschichte erzählte, ist "Shutter Island" in dieser Hinsicht eher die Kehrseite der Medaille: eine komplexe, verschachtelte Story, die geschickt mit den Erwartungen und Filmgewohnheiten des Publikums spielt und es dabei nie sicher wissen läßt, was genau tatsächlich los ist. Das hängt vor allem mit Teddys in einer wunderschönen, kunstvollen Bildsprache inszenierten – oder korrekter formuliert: zelebrierten (Alp-)Träumen von seiner toten Frau (Michelle Williams, "My Week with Marilyn") sowie seinen Kriegserlebnissen (er war im Zweiten Weltkrieg an der Befreiung des KZ Dachau beteiligt) zusammen, die zwischen Erinnerungsfetzen und Visionen oder auch Halluzinationen variieren.

Leonardo DiCaprio ist fraglos die perfekte Besetzung für diesen ebenso traumatisierten wie getriebenen Teddy Daniels, dessen zunehmende Verwirrung und Frustration über den Verlauf des Falls er ebenso glaubwürdig wie eindrucksvoll auf die Leinwand transportiert; allerdings reicht seine Leistung (vermutlich drehbuchbedingt) nicht ganz an das heran, was er etwa in "Zeiten des Aufruhrs" darbot. Ähnliches gilt auch für das restliche Ensemble: Mark Ruffalo bleibt als Teddys Partner relativ blaß, auch die übrigen, fast ausnahmslos sehr namhaften Nebendarsteller können in diesem Film nur ansatzweise glänzen, da sie schlicht und ergreifend zu wenig zu tun haben: Ob Max von Sydow ("Extrem Laut & Unglaublich Nah"), Michelle Williams, Emily Mortimer ("Hugo Cabret"), Jackie Earle Haley ("Little Children"), Patricia Clarkson ("Whatever Works") oder selbst Sir Ben Kingsley als Chefpsychiater, sie bleiben stets im Schatten von DiCaprio. Zu sehr ist die Geschichte auf dessen Figur des Teddy Daniels fokussiert.

Unglücklicherweise kann eben diese Geschichte aber nicht hundertprozentig überzeugen, denn vor allem die emotionale Tiefe anderer Verfilmungen von Büchern Dennis Lehanes ("Mystic River", "Gone Baby Gone") erreicht "Shutter Island" leider nur sehr selten. Nach einer richtig starken und sehr atmosphärischen ersten Stunde gleitet der Film zudem immer stärker in zu übertrieben dargestellte und recht klischeehaft anmutende Handlungsmuster innerhalb der wenig anheimelnden psychiatrischen Anstalt ab. Das läßt sich zwar im Nachhinein zumindest teilweise mit den Enthüllungen im Finale erklären, dennoch ist dieser (von Kameramann Robert Richardson sehr schön bebilderte) Mittelteil des Films eindeutig zu stark ausgewalzt und zu repetitiv. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß Scorsese zumindest einiges bewußt dermaßen übertrieben inszeniert hat, denn "Shutter Island" ist auch eine Hommage an das Horror-/Thriller-Kino der 1950er Jahre. Das manifestiert sich unter anderem im Einsatz der stets überzogen dramatischen und wunderbar unheilvollen Musik, die von Robbie Robertson (früheres Mitglied von "The Band") aus bereits existierenden Melodien meist klassischer Komponisten von Gustav Mahler bis John Cage neu arrangiert wurde. Zwar ist das ebenso wie die inhaltlichen Anspielungen (etwa auf die das US-Kino der McCarthy-Ära prägende Paranoia) für Filmkenner absolut unterhaltsam; dennoch kommt der Handlungsfluß in der zweiten Hälfte immer wieder gehörig ins Stocken. Wenigstens die mit gut 20 Minuten bemerkenswert lange Auflösung der Geschichte ist dann wieder sehr gelungen, wenn auch inhaltlich nicht völlig überraschend.

Fazit: "Shutter Island" ist ein Film, der viele – vor allem visuelle – Höhepunkte und einen gewohnt starken Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio bietet, emotional trotz gelungener Ansätze aber nur bedingt überzeugen kann.

Wertung: Gut 7 Punkte.


1 Kommentar:

  1. Aloha,

    wir haben deinen Beitrag auf unserer Facebookseite "blogARTig" veröffentlicht. Solltest du etwas dagegen haben, bitte laut schreien.

    Liebste Grüße
    blogARTig

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