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Mittwoch, 11. Juli 2012

DEAD SNOW (2009)

Originaltitel: Død snø
Regie: Tommy Wirkola, Drehbuch: Stig Frode Henriksen und Tommy Wirkola, Musik: Christian Wibe
Darsteller: Vegal Hoel, Stig Frode Henriksen, Charlotte Frogner, Jeppe Laursen, Evy Kasseth Røsten, Lasse Valdal, Jenny Skavlan, Ǿrjan Gamst
 Død snø
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 67% (6,0); weltweites Einspielergebnis: $2,0 Mio.
FSK: 18, Dauer: 88 Minuten.

Sieben befreundete Medizin-Studenten aus Norwegen fahren in den Osterferien zu einer einsam gelegenen Hütte in den norwegischen Bergen. Als ihnen ein ortskundiger Wanderer von einer Legende erzählt, wonach untote SS-Soldaten in der Gegend herumspuken sollen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges elendiglich erfroren sind, lachen die Freunde nur darüber. Wenig später kämpfen sie bereits verzweifelt gegen Nazi-Zombies um ihr Überleben ...

Kritik:
"Tanz der Teufel" im Schnee mit Nazi-Zombies – auf so eine Idee muß man erst einmal kommen. Der norwegische Regisseur Tommy Wirkola und sein Co-Autor Stig Frode Henriksen (der zudem eine der Hauptrollen spielt), beide international bei Genrefreunden zu mäßiger Bekanntheit gelangt mit ihrer "Kill Bill"-Parodie "Kill Buljo" (2007), hatten diesen verrückten Einfall und setzten ihn in eine sehr blutige und schwarzhumorige Low-Budget-Splatterkomödie um. Das Resultat ist zwar bei weitem nicht so unterhaltsam geworden, wie man es (zumindest als Freund durchgeknallter Story-Ideen) ausgehend von der Prämisse erhoffen durfte; aber zumindest für Regisseur Wirkola hat sich "Dead Snow" definitiv rentiert, stellte der Film doch seine Eintrittskarte für Hollywood dar. Sein für 2013 geplantes englischsprachiges Debüt mit dem hübschen Titel "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" (mit Jeremy Renner und Gemma Arterton in den Titelrollen) wird wenig überraschend ebenfalls eine Horrorkomödie werden.

Hoffentlich wird die innovativer als "Dead Snow", denn leider hält der Film nicht das, was die Grundkonstellation verspricht. Als größtes Problem erweist sich das altbackene Drehbuch, das ohne einen nennenswerten Spannungsbogen ein Horrorklischee nach dem anderen verbrät (für wohlwollende Kritiker handelt es sich dabei um Genrezitate, für mein Empfinden sind die aber viel zu einfallslos umgesetzt, um als solche durchzugehen) und im Comedy-Bereich zu stark auf niveaulose Pennäler-Sexwitzchen setzt. Die von mäßig talentierten Darstellern verkörperten sieben Freunde wirken dabei so absolut austauschbar und langweilig, daß man im Filmverlauf fast in Versuchung geraten könnte, den Nazi-Zombies die Daumen zu drücken – immerhin sorgt dessen Anführer mit einer gewissen diabolischen Präsenz und hervorragendem Zombie-Makeup ansatzweise für Gänsehaut.

Generell kann "Dead Snow" mit seiner Optik protzen. Das gilt gleichermaßen für das gelungen-schaurige Zombiedesign wie auch für die handwerklich einwandfreien, ausgesprochen blutigen, hemmungslos übertrieben inszenierten und dabei teilweise ziemlich ekligen Splatterszenen, die weit innovativer ausgefallen sind als die Handlung. Wer auf Fun-Splatter á la Peter Jacksons "Braindead" steht, wird an "Dead Snow" sicher seine Freude haben. Ich persönliche hätte es eindeutig bevorzugt, wenn die Filmemacher mehr auf Figurenzeichnung und schwarzen Humor gesetzt hätten und etwas weniger auf Splatterszenen um ihrer selbst willen. Besonders ärgerlich ist, wie wenig aus der durchaus reizvollen Nazi-Zombie-Idee gemacht wird. Anstatt diese inhaltlich auszureizen, bleibt sie im Grunde genommen eine Ein-Witz-Prämisse. Zwar wird kurz auf den Hintergrund der Zombieentstehung eingegangen, mehr als alibihaft kommt das aber nicht rüber. Eindeutig eine verschenkte Gelegenheit.

Fazit: "Dead Snow" ist eine höchst mittelmäßige, trotz einiger netter Einfälle enttäuschend unoriginelle und nicht allzu überzeugend gespielte Horrorkomödie mit fraglos überzeugenden, effektiven Splatter-Effekten. Nur für Genrefans zu empfehlen.

Wertung: 5 Punkte.


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