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Donnerstag, 28. Juni 2012

(500) DAYS OF SUMMER (2009)

Regie: Marc Webb, Drehbuch: Scott Neustadter und Michael H. Weber, Musik: Mychael Danna und Rob Simonsen
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Zooey Deschanel, Chloë Grace Moretz, Matthew Gray Gubler, Patricia Belcher, Clark Gregg, Minka Kelly, Geoffrey Arend, Rachel Boston
 (500) Days of Summer
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,6); weltweites Einspielergebnis: $60,7 Mio.
FSK: 0, Dauer: 95 Minuten.

Tom Hansen (Joseph Gordon-Levitt) hat Architektur studiert, ist aber irgendwie in einen Job als Grußkarten-Texter hineingerutscht. Die Arbeit langweilt ihn zu Tode, bis eines Tages sein Chef mit der bezaubernden Summer Finn (Zooey Deschanel, "The Happening", TV-Sitcom "New Girl") eine neue Assistentin einstellt. Für Tom ist es (zum ersten Mal in seinem Leben) Liebe auf den ersten Blick, auch Summer scheint Gefallen an ihm zu finden – macht ihm aber unmißverständlich klar, daß sie nicht auf eine langfristige Beziehung aus ist. Dennoch kommen sie zusammen und erleben über 500 Tage hinweg Höhen und Tiefen ...

Kritik:
Anhand dieser groben Inhaltsbeschreibung klingt "(500) Days of Summer" nach einer furchtbar banalen, in Büchern und Filmen unzählige Male erzählten Geschichte. Trotzdem entwickelte sich die bittersüße Independent-Komödie zu einem echten Filmfestival-Darling und wußte auch die Kritiker zu begeistern. Ein Grund für den unerwarteten Erfolg ist sicherlich die Tatsache, daß sich "(500) Days of Summer" – der bereits vor dem Vorspann vom Erzähler als kein Liebesfilm angekündigt wird, selbstverständlich aber genau das ist – von den allermeisten romantischen Komödien aus Hollywood oder auch Europa abhebt durch eine bemerkenswerte Authentizität und Ehrlichkeit. Nein, hier weiß man als Zuschauer nicht von vornherein, daß sich die Protagonisten am Ende sowieso kriegen werden und auf dem Weg dorthin jede Menge lustige, aber überwiegend unglaubwürdige Erlebnisse durchstehen müssen. Hier ahnt man, daß es kein klassisches Happy End geben wird. Vielleicht wird die Liebesgeschichte gut ausgehen, vielleicht schlecht, vielleicht auch irgendetwas dazwischen – aber spektakulär, weltbewegend wird der Film mit Sicherheit nicht enden.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Auch "(500) Days of Summer" – der seine Story übrigens nicht in chronologischer Form erzählt, sondern munter zwischen den 500 titelgebenden Tagen der Beziehung hin und her springt – hat zahlreiche brillant-witzige Momente und geistreiche Dialoge zu bieten. Aber diese fallen entweder vollkommen realistisch aus oder buchstäblich phantastisch. Und damit sind eben nicht die angesprochenen typischen Hollywood-Situationen gemeint; nein, hier sind die phantastischen Szenen dem überbordenden Ideenreichtum des früheren Musikvideo-Regisseurs Marc Webb zuzuschreiben, der sein Kinodebüt übrigens eher als Coming of Age-Geschichte denn als romantische Komödie verstanden wissen will. Ebenso hemmungslos wie unbeschwert setzt er auf diverse wunderbar in die Handlung eingefügte visuelle Spielereien, von denen eine grandios choreographierte Musical-Einlage noch die konventionellste ist. Über die zahlreichen weiteren ausnahmslos witzigen Regieeinfälle (die auch immer wieder unbeschwert die Filmhistorie zitieren) soll an dieser Stelle nichts verraten werden, von denen sollte man sich einfach überraschen lassen. Jedenfalls machte Webb in der Branche sofort genügend Eindruck, um gleich mit seinem zweiten Regiejob "The Amazing Spider-Man" den Sprung in die A-Liga Hollywoods zu schaffen.

Natürlich kann ein Film mit einer so unkonventionellen Machart wie bei "(500) Days of Summer" nur dann funktionieren, wenn die Hauptdarsteller erstens gut sind und zweitens miteinander harmonieren. In diesem Fall trifft beides zu. Bereits seit dem grandiosen Highschool-Film noir "Brick" halte ich Joseph Gordon-Levitt für einen kommenden OSCAR-Gewinner und seine Entwicklung seitdem (mit starken Rollen sowohl in Mainstream-Produktionen wie "Inception" oder "G.I. Joe" als auch in Arthouse-Filmen wie "Die Regeln der Gewalt" oder "50/50") hat meine frühe Einschätzung des früheren Sitcom-Stars ("Hinterm Mond gleich links") vorbehaltlos bestätigt. Auch hier zeigt er eine überragende, ausgesprochen facettenreiche Leistung. Und die gewohnt quirlig-schrullige Zooey Deschanel, wenngleich schauspielerisch sicherlich einen Tick schwächer, ist das perfekte Gegenstück zu Gordon-Levitt. Die Leinwandchemie stimmt einfach, was umso bemerkenswerter ist, als die von Deschanel verkörperte, bindungsscheue Summer gar nicht mal übermäßig sympathisch rüberkommt. Das wiederum paßt natürlich dazu, daß "(500) Days of Summer" eben keine normale romantische Komödie ist: Die beiden Hauptfiguren sind alles andere als überlebensgroß, stattdessen wirken sie vollkommen lebensecht, haben Ecken und Kanten und sind genau deshalb interessant, weil man sich so problemlos in ihre Lage hineinversetzen kann.

Fazit: "(500) Days of Summer" ist ein Liebesfilm, der gar kein Liebesfilm sein will, eine romantische, aber erfrischend unkonventionelle Liebesgeschichte voll von Humor, Authentizität und bittersüßen Emotionen. Ein Film, der von zwei wunderbaren Hauptdarstellern lebt, die von einem intelligenten Drehbuch und einem mutigen Regiedebütanten geleitet werden, dessen inszenatorischer Ideenreichtum ihn im Handumdrehen zu einem der begehrtesten Regisseure in Hollywood gemacht hat.

Wertung: 9 Punkte.


1 Kommentar:

  1. "Rosen sind rot, Veilchen sind blau, fick dich du Nutte"
    :D
    Ich liebe diesen Film und stimme dir in allen Punkt vollkommen zu (:

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