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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 22. März 2018

BLACK PANTHER (3D, 2018)

Regie: Ryan Coogler, Drehbuch: Joe Robert Cole und Ryan Coogler, Musik: Ludwig Göransson
Darsteller: Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong'o, Martin Freeman, Letitia Wright, Danai Gurira, Angela Bassett, Forest Whitaker, Andy Serkis, Daniel Kaluuya, Winston Duke, John Kani, Sterling K. Brown, Florence Kasumba, Isaach De Bankolé, Denzel Whitaker, Alexis Rhee, Sebastian Stan, Stan Lee
Black Panther
(2018) on IMDb Rotten Tomatoes: 96% (8,3); weltweites Einspielergebnis: $1349,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 135 Minuten.

Nachdem der wakandische König T'Chaka (John Kani, "Der Geist und die Dunkelheit") bei dem Terroranschlag auf das UN-Gebäude in Wien ums Leben kam (gesehen in "Captain America 3"), steht sein Sohn T'Challa (Chadwick Boseman, "Marshall") kurz vor der Krönung. Es warten einige Herausforderungen auf ihn, denn es gibt widerstreitende Meinungen über den zukünftigen Kurs von Wakanda, das sich bisher dank einer hochentwickelten Tarntechnologie vor der Welt als landwirtschaftlich geprägter Drittweltstaat ausgab, in Wahrheit allerdings die technologisch fortschrittlichste Nation der Welt ist – einem Meteor sei Dank, der einst in Wakanda einschlug und aus dem außerirdischen Metall Vibranium besteht, das härter ist als alle irdischen Metalle und Energie absorbiert. Während T'Challas Ex-Freundin Nakia (Lupita Nyong'o, "12 Years a Slave") – in die er sehr offensichtlich immer noch verliebt ist – dafür plädiert, ärmeren Staaten zu helfen und Flüchtlinge aufzunehmen und T'Challas bester Freund W'Kabi (Daniel Kaluuya, "Get Out") die wakandischen Krieger global für das Gute einsetzen will, sind Generalin Okoye (Danai Gurira) – die Anführerin der komplett aus Frauen bestehenden Königsgarde Dora Milaje –, Königinmutter Ramonda (Angela Bassett, "Olympus Has Fallen") und viele Stammesälteste dafür, wie bisher im Verborgenen zu bleiben. Doch noch bevor der neue König wirklich eine Entscheidung treffen kann, droht eine viel unmittelbarere Gefahr, denn der gewissenlose Ex-US-Elitesoldat Erik "Killmonger" Stevens (Michael B. Jordan, "Creed") will die Macht in Wakanda übernehmen und hat sich dafür mit dem skrupellosen Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis, "Planet der Affen: Survival") zusammengetan, der Jahre zuvor das "echte" Wakanda entdeckte und W'Kabis Eltern tötete …

Kritik:
Es gibt einen ebenso schlichten wie einleuchtenden Grund dafür, daß die großen Hollywood-Studios jahrzehntelang davor zurückgeschreckt sind, teure Blockbuster mit Frauen oder Nicht-Weißen in der zentralen Rolle (und eventuell sogar noch im Großteil der übrigen Rollen) zu produzieren: Sie dachten, es rentiert sich nicht. Und für diese Annahme gab es durchaus gute Gründe, denn die in den USA relativ leicht zugänglichen Zuschauerstatistiken zeigen klar, daß beispielsweise überwiegend mit Afroamerikanern oder Latinos besetzte Filme oft beim breiten (weißen) Publikum nur wenig Anklang finden – und für die weltweite Auswertung gilt das sogar noch stärker, weshalb selbst US-Hits wie "Ride Along" oder die Tyler Perry-Filme im Rest der Welt kaum Zuschauer finden. Natürlich gibt es einige afroamerikanische Weltstars wie Denzel Washington oder früher Eddie Murphy, die immer ihr Publikum finden – aber dabei in der Regel doch von vielen weißen Schauspielern umgeben sind. So ist es kaum verwunderlich, daß ein zaghaftes Umdenken in Hollywood eher nicht aus echter Überzeugung stattfand, sondern durch öffentlichen Druck zustandekam, namentlich durch die #OscarsSoWhite-Kampagne angesichts ausschließlich weißer OSCAR-nominierter Schauspieler Anfang 2015. Doch wie es drei Jahre später aussieht, wurde die Branche auf diese Weise wohl zu ihrem Glück gezwungen, denn zunächst "Wonder Woman" und wenig später noch mehr "Black Panther" haben nachdrücklich bewiesen, daß keineswegs nur weiße Männer Großproduktionen zu globalen Megahits machen können. War das schon bei DCs "Wonder Woman" ein sehr bemerkenswerter Erfolg, ist es bei "Black Panther" vom großen Rivalen Marvel noch beeindruckender, denn wo "Wonder Woman" zwar eine starke Frau als Protagonistin aufbietet, die allerdings doch wieder von vielen Männern (unterschiedlicher Hautfarben) umgeben ist, gibt es in "Black Panther" im Grunde genommen nur zwei weiße Figuren von Bedeutung. Trotzdem sind die Zuschauer nicht nur in Nordamerika in Scharen in die Kinos geströmt, sondern auch in Südamerika, Europa, Asien und natürlich Afrika (wenn die Scharen auch fraglos etwas kleiner waren als in den USA). Klar, daß "Black Panther" Teil des beliebtesten und kommerziell erfolgreichsten Kino-Franchises aller Zeiten ist – des Marvel Cinematic Universe –, schadet natürlich nicht, aber daß dieser erste Solofilm mit dem afrikanischen Superhelden (nachdem er in "Captain America 3" dem Publikum vorgestellt wurde) weltweit mindestens zum dritterfolgreichsten MCU-Film hinter den beiden "Avengers"-Teilen werden würde, damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Und ist dieser Hype auch qualitativ verdient? Nunja, meiner Meinung nach nicht ganz, aber "Black Panther" ist fraglos ein weiterer guter MCU-Vertreter, eine gute Repräsentationsfigur für junge Afroamerikaner und in meinen Augen immerhin der drittbeste Soloerstling (nach "Iron Man" und "Doctor Strange") – für eine noch bessere Plazierung ist er mir aber deutlich zu actionlastig ausgefallen.

In der ersten Hälfte liefert "Black Panther" dem ungewohnten Afrika-Setting zum Trotz ziemlich normale Marvel-Kost ab. Das ist natürlich durchaus ein gutes Qualitätssiegel und MCU-Fans werden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch mit dem wakandischen Herrscher viel Spaß haben – aber während andere Franchise-Vertreter der jüngeren Vergangenheit sich hinsichtlich des Genres in Abwechslung übten ("Ant-Man" als Heist-Film, "Spider-Man: Homecoming" als Coming of Age-Komödie, "Doctor Strange" im Mystery-Genre und "Thor 3" mit einem starken Comedy-Schwerpunkt), ist "Black Panther" ein eher gewöhnlicher Actionthriller mit politischer Note. Die ist natürlich sehr willkommen und hat bereits "Captain America 2" vorangebracht, hat allerdings hier wie dort die Lobeshymnen nur bedingt verdient, weil der Politik-Anteil letzten Endes ziemlich limitiert und oberflächlich bleibt. Manche Kritiker haben "Black Panther" mit seinen Thronfolge-Intrigen allen Ernstes mit "Game of Thrones" verglichen, doch das ist purer Unsinn, zumal das Marvel-Abenteuer mit seinen gut zwei Stunden ja gar nicht die Zeit hat, vergleichbar komplexe Handlungsstränge und Personengeflechte zu entwickeln. Dennoch wäre etwas mehr Tiefgang definitiv möglich gewesen, stattdessen bleibt es – weil man ja gefühlt alle fünf Minuten eine (meist sehr wohl beeindruckend in Szene gesetzte) Actionsequenz braucht – bei Ansätzen. Von daher bin ich sogar dankbar, daß "Black Panther" die Thematik größtenteils in der ersten Hälfte abhandelt, denn die zweite Hälfte wird durch einige ziemlich überraschende Wendungen in eine andere Richtung gelenkt, was für erheblich mehr Spannung sorgt.

Bei der Figurenzeichnung machen Regisseur Ryan Coogler ("Creed") und sein Co-Drehbuch-Autor Joe Robert Cole (TV-Serie "American Crime Story: The People vs. O. J. Simpson") viel richtig. T'Challa ist ein charismatischer Protagonist, der mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, aber auch seinen Zweifeln sehr glaubwürdig wirkt und sofort die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat. Auch die Nebenfiguren sind für Genreverhältnisse sehr gelungen gestaltet, wobei vor allem die Frauen an T'Challas Seite punkten können. Die OSCAR-Gewinnerin Lupita Nyong'o gibt als Nakia eine sehr selbstbewußte Ex-Freundin, die weit mehr als nur Beiwerk ist, vielmehr T'Challa gar aktiv antreibt und zu Entscheidungen ermutigt, gleichzeitig aber auch auf sich gestellt problemlos klarkommt, wie wir früh demonstriert bekommen. "The Walking Dead"-Star Danai Gurira ist als Okoye, die pflichtbewußte Anführerin der rein weiblichen Königsgarde Dora Milaje, voll in ihrem Element und avanciert mit ihrer Kampfkraft phasenweise sogar zum heimlichen Star des Films, während Kino-Newcomerin Letitia Wright ("Ready Player One") als T'Challas erst 16 Jahre alte, aber technisch brillante Schwester Shuri gefällt, die dadurch noch sympathischer wird, daß sie stets den Schalk im Nacken hat und ihrem ernsthaften Bruder gerne einen Streich spielt, der ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Erfreulich ist auch das "Comeback" von Angela Bassett (OSCAR-Nominierung 1994 für ihre Titelrolle im Tina Turner-Biopic "Tina – What's Love Got to Do with It?") als Königinmutter Ramonda – sie war zwar etwa als Stammgast der TV-Anthologieserie "American Horror Story" nie wirklich weg, im Kino war sie in den letzten Jahren aber nur noch selten in größeren Rollen zu sehen. In den männlichen Nebenrollen überzeugt auf Seiten der Guten primär Martin Freeman ("Der Hobbit"), der in seiner Rolle als CIA-Agent Ross aus "Captain America 3" zurückkehrt und gemeinsam mit der quirligen Shuri für den Humor im Film zuständig ist. Forest Whitaker ("Rogue One") als Stammesältester Zuri, Daniel Kaluuya als T'Challas vor Tatendrang berstender bester Freund W'Kabi und Winston Duke (TV-Serie "Person of Interest") als der trotzige Bergstamm-Anführer M'Baku bekommen etwas weniger zu tun, dafür avanciert aber M'Baku mit seiner verschmitzt-lässigen Art in seinen wenigen Auftritten zu einem echten Scenestealer.

Erfreulicherweise punktet "Black Panther" auch bei den Bösewichten, was im MCU ja nicht so selbstverständlich ist. Während zunächst Andy Serkis als Waffenschieber Ulisses Klaue (der bereits einen Kurzauftritt in "Avengers 2" hatte) die Szenerie dominiert und das gut macht, schält sich nach und nach Michael B. Jordans Erik Stevens alias Killmonger als die wirkliche Gefahr für den wakandischen Thron heraus. Und wenngleich ich nicht so weit gehen würde, Killmonger als einen denkwürdigen Schurken zu bezeichnen, zählt er doch eindeutig zu den besten innerhalb des Marvel Cinematic Universe. Er hat eine glaubwürdige Motivation, macht eine (vielleicht etwas zu schnelle) Entwicklung durch und ist auf seine viel bedrohlichere Art und Weise kaum weniger charismatisch als T'Challa – so soll es sein! Interessanterweise kann man die zentrale Konstellation um T'Challa und Killmonger im weitesten Sinne übrigens mit den beiden 1960er Jahre-Bürgerrechtlern Malcolm X und Martin Luther King vergleichen: Killmonger entspricht dabei Malcolm X, der dem wütenden, frustrierten Teil der Afroamerikaner Gesicht und Stimme gab und dafür plädierte, notfalls auch durch Gewalt Änderungen zu erzwingen; T'Challa ist eher Martin Luther King, der auf den friedlichen Protest setzte. Natürlich ist das eine relativ gewagte Analogie zwischen Superhelden bzw. Superschurken und Bürgerrechtsikonen – aber die Parallelen lassen sich nicht leugnen und wenn man weiß, daß die Comic-Vorlage wirklich in den 1960er Jahren als Folge der schwarzen Bürgerrechtsbewegung geschaffen wurde, dann ist sie vielleicht doch nicht mehr ganz so weit hergeholt …

Durch den Richtungsstreit in der wakandischen Politik zwischen konsequenter Abschottung und Öffnung bekommt die Handlung derweil sogar einen sehr aktuellen Bezug, denn es wird beispielsweise ausdrücklich auf die Flüchtlingssituation eingegangen und auf die Stellung der Schwarzen weltweit. Naturgemäß gehen solche Anspielungen nicht wirklich in die Tiefe, denn es handelt sich schließlich immer noch in erster Linie um einen Superhelden-Film; aber die Thematik wird durchaus gekonnt und sinnig in die Handlung eingeflochten, nur manche sehr offensichtlich direkt an US-Präsident Trump und seine Anhänger gerichtete Botschaften sind vielleicht etwas arg plakativ geraten. Überraschend gelungen ist die musikalische Begleitung von "Black Panther", die Ludwig Göranssons ("Nächster Halt: Fruitvale Station") hörenswerte, mit traditionellen afrikanischen Klängen angereicherte Instrumentalmusik sehr harmonisch mit modernen afroamerikanischen R 'n' B-Vibes vorrangig von Kendrick Lamar verbindet. Das paßt zur wakandischen Gesellschaft, die mit der Kombination aus (nicht klischeefreien) archaischen Ritualen und hochmoderner Technik zwei Welten in sich vereint, oder auch Vergangenheit und Zukunft. Das mag teilweise ein wenig kurios wirken, funktioniert insgesamt aber bemerkenswert gut – wie der gesamte Film trotz des zu großen Action-Schwerpunktes. Ach, #OscarsSoWhite war im "Black Panther"-Jahrgang übrigens kein Thema, denn der Marvel-Superhit wurde für sieben Academy Awards nominiert (darunter als erster Superheldenfilm überhaupt als "Bester Film") und gewann drei (Kostüme, Ausstattung und Musik).

Fazit: Marvels "Black Panther" ermöglicht dem ersten afroamerikanischen Comic-Superhelden einen stimmigen, eindrucksvollen ersten Soloauftritt mit starken Figuren und interessanten, gesellschaftlich relevanten Themen, die jedoch sehr gerne anstelle der allgegenwärtigen Action noch deutlich stärker hätten in den Vordergrund rücken dürfen.

Wertung: 8 Punkte.


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