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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Dienstag, 17. Oktober 2017

THIS IS YOUR DEATH (2017)

Alternativtitel: The Show
Regie: Giancarlo Esposito, Drehbuch: Kenny Yakkel und Noah Pink, Musik: Rich Walters
Darsteller: Josh Duhamel, Giancarlo Esposito, Sarah Wayne Callies, Caitlin FitzGerald, Famke Janssen, Lucia Walters, Chris Ellis, Johannah Newmarch, Mark Brandon, Cory Gruter-Andrew, Chelah Horsdal, James Franco
 This Is Your Death
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 0% (5,0); FSK: nicht geprüft, Dauer: 104 Minuten.

Als das Finale der von Starmoderator Adam Rogers (Josh Duhamel, "Transformers") geleiteten Kuppelshow eine sehr unerwartete und sehr blutige Wendung nimmt, will dieser nicht einfach so weitermachen. Nach einem aufsehenerregenden Interview im Frühstücksfernsehen seines Senders, in dem er die eigene Verantwortung und die seines Senders wie auch der gesamten Branche an den tragischen Ereignissen betont, rechnet er fest damit, gefeuert zu werden; doch seine Vorgesetzte Ilana Katz (Famke Janssen, "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit") wittert die Chance, aus Adams emotionalem Ausbruch eine neue, bahnbrechende Show zu entwickeln. Eine Show, in der sich Menschen vor laufender Kamera das eigene Leben nehmen, damit ihre Angehörigen durch Spenden finanziell versorgt sind! Adam ist von der Idee zunächst angeekelt, ebenso die bislang mit TV-Musicals erfolgreiche Producerin Sylvia (Caitlin FitzGerald, TV-Serie "Masters of Sex"), die die Show realisieren soll. Doch Ilana gelingt es, das Showkonzept so zu formulieren, daß Adam darin tatsächlich eine Chance erkennt, durch Selbstmord vor Millionen Zuschauern die Bedeutung des Lebens zu feiern – Sylvia hat aufgrund eines Knebelvertrages sowieso keine Wahl. Als die erste Sendung über die Bühne geht, ist Amerika schockiert – und fasziniert. Während seine als Krankenschwester arbeitende kleine Schwester Karina (Sarah Wayne Callies, TV-Serien "Prison Break", "The Walking Dead") entsetzt ist über die Rolle ihres Bruders, kommt Adam sehr schnell auf den Geschmack und will mehr …

Kritik:
Ein in der Branche respektierter Schauspieler war er schon vorher, weltweit bekannt wurde der gebürtige Däne Giancarlo Esposito jedoch erst mit Anfang 50 als Hähnchenkönig-Schrägstrich-Drogenboß Gus Fring in der Kultserie "Breaking Bad". Die neu gewonnene Popularität nutzte Esposito unter anderem, um seine zweite Regiearbeit (nach dem nur wenig beachteten Drama "Gospel Hill" aus dem Jahr 2008) voranzutreiben: Seit 2011 arbeitete er an der ambitionierten Reality TV-Satire "This Is Your Death", in der er auch gleich eine der Hauptrollen übernahm. Bedauerlicherweise wird das Resultat der langjährigen Vorbereitungszeit nicht wirklich gerecht, denn wenngleich "This Is Your Death" mit einer durchaus hochwertigen Inszenierung und guten darstellerischen Leistungen aufwartet, erscheint das Konzept des Films reichlich unausgereift. Letztlich handelt es sich um den typischen Fall eines Films, der um eine spannende Prämisse herum aufgebaut werden soll, dafür letztlich aber einfach zu wenig Substanz hat. Anschauen kann man sich "This Is Your Death" definitiv, anschließend dürfte man ihn aber ziemlich schnell vergessen.

Die Probleme beginnen damit, daß schon das Showkonzept wenig glaubwürdig vermittelt wird. Der Prolog des Films mit Adams unerwartetem Moment der Wahrheit im Frühstücksfernsehen (mit James Franco in einem netten Gastauftritt als Adams Interviewer) funktioniert gut, doch anschließend geht es ziemlich schnell bergab. Selbst wenn man angesichts der satirischen Ausrichtung der Story akzeptiert, daß eine solch hirnrissige Showidee wie Ilanas "Selbstmord-Show" rein theoretisch wirklich zumindest kurzfristig irgendwie ins Fernsehen kommen könnte, ist das ganze Drumherum viel zu unlogisch präsentiert. Gerade die Idee der beiden Drehbuch-Autoren, die Show zu validieren, indem Ilana sie zunächst ausführlich mit dem Rechtsbeistand des Senders erörtert, entwickelt einen ziemlichen Bumerang-Effekt, denn die Realitätsnähe der juristischen Argumentation (die sehr reale Schwächen und Absurditäten der US-Medienaufsicht anspricht, die bekanntlich mit Schimpfwörtern und Nacktheit ein viel größeres Problem hat als mit Gewalt) führt das satirische Element im Grunde genommen ad absurdum. Es ist eine Alibi-Rechtfertigung, die in einer Satire über eine TV-Show, die – so viel Optimismus erlaube ich mir – in einer Demokratie garantiert niemals den Weg auf einen Fernsehbildschirm schaffen würde, gar nicht nötig wäre. Dazu kommt, daß es beinahe ebenso unglaubwürdig wirkt, wie schnell sich Adam und die Producerin Sylvia von Ilana überzeugen lassen, nachdem sie anfangs noch komplett dagegen sind. Die Motivationen bleiben schwammig, auch Sylvias Knebelvertrag hat nur eine Alibifunktion, denn der wäre garantiert juristisch anfechtbar – und daß Adam plötzlich glaubt, ausgerechnet mit einer Suizid-Show das Leben feiern zu können, nachdem er eben noch die Auswüchse der Branche anprangerte, mag man vielleicht mit viel gutem Willen (auch als Folge seines traumatischen, noch nicht verarbeiteten Erlebnisses) akzeptieren; wie schnell und mit welch hauchdünner Argumentation er sich hineinsteigert, das ist dann aber trotz einer überzeugenden Darbietung von Josh Duhamel eindeutig zu viel des Guten.

Das Drehbuch versäumt es außerdem, die theoretisch durchaus spannenden philosophischen und gesellschaftskritischem Themen zu erörtern, die durch die Selbstmordkandidaten (die alle einen guten Grund für ihre Tat haben) aufgeworfen werden. Gesprochen wird darüber nur am Rande – meist in Adams Diskussionen mit seiner Schwester Karina – und dann in der Regel auf sehr oberflächliche und einfallslose Art und Weise und ohne bei den moralischen Fragen wirklich in die Tiefe zu gehen. Auch daß fast alle handelnden Figuren überzeichnet sind, ist für eine Satire zwar nicht ungewöhnlich, hier aber eher kontraproduktiv. Man fühlt sich emotional kaum jemandem nahe, einzig Karina und der von Esposito einfühlsam verkörperte verzweifelte Familienvater Mason wirken wie echte, vernunftbegabte Menschen – wenn sie auch ihre ganz persönlichen Dämonen haben, die sie bekämpfen. Da es für eine Satire erstaunlich wenig zu Lachen gibt, bleiben neben den guten Schauspielern eigentlich nur noch die Suizide, um das Publikum bei der Stange zu halten. Das gelingt zunächst auch recht gut, da die Selbstmorde abwechslungsreich und dabei teilweise ziemlich schockierend in Szene gesetzt sind. Etwas wirklich Originelles wird zwar nicht geboten, aber Grund zum Meckern gibt es trotzdem kaum, zumal die Tode handwerklich tadellos umgesetzt sind. Das Problem ist, daß sich die Showidee ziemlich schnell erschöpft. Natürlich ist es eine nette Ironie, daß man als Zuschauer des Films die ständigen Tode von Menschen, die man in der Regel nur mittels eines kurzen Einspielfilms kennenlernt, ebenso schnell als repetitiv empfindet wie das (hoffentlich unrealistisch blutgierige) Studio- und TV-Publikum der fiktiven Show im Film, weshalb die Verantwortlichen dann immer Extremeres bieten wollen und müssen. Das ändert allerdings nichts daran, daß die Handlung dramaturgisch Einiges zu wünschen übrig läßt, was sich ganz besonders in den beiden finalen Wendungen manifestiert, die früh vorhersehbar sind und deshalb den Großteil ihrer emotionalen Wirkung einbüßen. Wer eine zwar derbe und mitunter ebenfalls arg plakative, aber trotzdem deutlich gelungenere US-Mediensatire sehen will, der sollte lieber zu Bobcat Goldthwaits "God Bless America" von 2011 greifen, in dem ein lebensmüder Versicherungskaufmann und eine rebellierende Schülerin einen blutigen Amoklauf gegen Castingshow-Moderatoren, -Kandidaten und -Zuschauer starten …

Fazit: "This Is Your Death" ist eine inhaltlich unausgereifte, zu selten amüsante Mediensatire, deren in der Theorie durchaus spannende und berechtigte Gesellschaftskritik viel zu platt und oberflächlich vorgebracht wird und die deshalb fast nur mit den engagierten Schauspielern und handwerklich gut gemachten Todesszenen punkten kann.

Wertung: Gut 5 Punkte.

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