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Mittwoch, 28. Juni 2017

Kurz-Nachruf: Michael Nyqvist (1960-2017)

Erst mit Ende 40 wurde der schwedische Schauspieler Michael Nyqvist durch die männliche Hauptrolle des investigativen Journalisten Mikael Blomkvist in der "Millennium"-Trilogie nach den Bestsellern von Stieg Larsson zum internationalen Star. Anschließend machte er auch in Hollywood Karriere, doch wie so häufig hat auch diesem Leben eine tödliche Krebserkrankung einen vorzeitigen Strich durch die Rechnung gemacht.

In Skandinavien verlief Nyqvists Schauspieler-Karriere ziemlich typisch: Anfänge beim Theater, kleinere Rollen in Fernsehen und Kino, gefolgt von ersten Hauptrollen. In Deutschland dürfte er vielen Zuschauern erstmals Ende der 1990er Jahre aufgefallen sein, als er zum Polizisten-Ensemble der ersten Staffel der beliebten Krimireihe "Kommissar Beck" gehörte. Im Jahr 2001 eroberte er mit Lukas Moodyssons vielfach ausgezeichneter Tragikomödie "Zusammen!" als trunksüchtiger und prügelnder Familienvater Rolf erstmals die deutschen Kinoleinwände, ehe er 2005 mit Kay Pollaks OSCAR-nominiertem weihnachtlichen Feelgood-Movie "Wie im Himmel" als Chorleiter einen großen Hit landete (alleine in Deutschland knapp 1,4 Millionen Zuschauer, was für einen schwedischen Arthouse-Film ein sensationelles Ergebnis ist!). Im Jahr 2009 kam die Rolle seines Lebens: Als engagierter Journalist Mikael Blomkvist löste er zusammen mit der eigenwilligen, aber auch brillanten Hackerin Lisbeth Salander abgründige Kriminalfälle in "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung". Die im Fernsehen wie auch (in stark gekürzten Fassungen) im Kino weltweit erfolgreiche "Millennium"-Trilogie war für Nyqvist und vor allem für seine Filmpartnerin Noomi Rapace ("Prometheus") das Sprungbrett nach Hollywood. 

Während er in Europa oft als Protagonist und Sympathieträger besetzt wurde, waren Nyqvists Rollen in Hollywood primär Bösewichte, etwa in "Mission: Impossible - Phantom Protokoll" sowie als Keanu Reeves Gegenspieler in "John Wick". Doch auch solche eher klischeehafte Rollen wußte Nyqvist mit Leben zu füllen, da er sie mit seinem Charisma zu echt wirkenden Figuren machte, die nicht einfach nur diabolisch sind, sondern deren Beweggründe durchaus nachvollziehbar sind. Zudem wirkte Nyqvist in zahlreichen kleineren europäischen, aber auch in amerikanischen Indie-Produktionen mit wie dem gelungenen Found Footage-SciFi-Film "Europa Report", dem Thriller "Disconnected", Florian Gallenbergers Sektendrama "Colonia Dignidad" sowie der düsteren schwedisch-amerikanischen Krimiserie "100 Code" (die somit unvollendet bleiben wird, nachdem eine Fortführung sowieso als unwahrscheinlich galt).

Offenbar trat Nyqvists Krebserkrankung ziemlich kurzfristig auf, denn sein Drehplan war bis zum Schluß sehr gut gefüllt: Die IMDb listet alleine sechs unvollendete Projekte auf, von denen sich aber drei bereits in der Postproduktion befinden und somit von Nyqvist bereits beendet worden sein müßte. Dazu zählen neben "Madiba" (einer Miniserie über Nelson Mandela) der US-Actionthriller "Hunter Killer", in dem er an der Seite von Gerard Butler und Gary Oldman einen russischen U-Boot-Kapitän verkörpert, und Terrence Malicks in Deutschland und Südtirol gedrehtes Zweiter Weltkriegsdrama "Radegund", in dem er einen Bischof gibt. Bei Thomas Vinterbergs Drama "Kursk" über den realen Untergang eines russischen Atom-U-Boots im Jahr 2000 laufen die Dreharbeiten gerade; falls sie schon weit genug fortgeschritten sind, könnte das Nyqvists letzter Film werden.

Am 27. Juni 2017 verstarb Michael Nyqvist im Alter von nur 56 Jahren in seiner Geburtsstadt Stockholm an Lungenkrebs. R.I.P.

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