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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 15. Juli 2015

TERMINATOR: GENISYS (3D, 2015)

Regie: Alan Taylor, Drehbuch: Laeta Kalogridis und Patrick Lussier, Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jai Courtney, Jason Clarke, Byung-hun Lee, J.K. Simmons, Matthew Smith, Sandrine Holt, Courtney B. Vance, Dayo Okeniyi, Michael Gladis, Bryant Prince
 Terminator Genisys
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 25% (4,7); weltweites Einspielergebnis: $440,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 126 Minuten.

Im Jahr 2029 stehen die Rebellen um ihren Anführer John Connor (Jason Clarke, "Planet der Affen: Revolution") unmittelbar vor dem Triumph über das Netzwerk Skynet, das sich einst gegen seine Erbauer gewendet hat und mit seinen Robotern und Maschinen die Menschheit – die es als Bedrohung seiner Existenz empfindet – vernichten will. Doch in letzter Sekunde gelingt es Skynet, einen Terminator zurück in die Zeit zu schicken, um Johns Mutter Sarah Connor (Emilia Clarke, TV-Serie "Game of Thrones") zu töten, ehe sie ihren Sohn auf die Welt bringen kann. Dies ist jedoch nicht der erste Besuch aus der Zukunft im Jahr 1984, und so erwarten Sarah und ihr väterlicher Beschützer – ein alter, zu ihrem Schutz umprogrammierter Terminator Modell T-800 (Arnold Schwarzenegger, "The Expendables") – den Attentäter bereits. Ebenso wie Johns von ihm ebenfalls in die Vergangenheit geschickten besten Freund Kyle Reese (Jai Courtney, "Das Versprechen eines Lebens"). Allerdings stellt sich heraus, daß sich offenbar durch das ganze Herumgepfusche in den Zeitlinien die Zukunft verändert hat. Um den Aufstand der Maschinen zu verhindern, reisen Kyle und Sarah deshalb ins Jahr 2017, in dem ein revolutionäres, weltumspannendes Betriebssystem namens "Genisys" aktiviert werden soll, das nichts anderes ist als Skynet …

Kritik:
Okay, ich mache mich jetzt gleich mal unbeliebt: Mein liebster "Terminator"-Film ist der dritte. Ja, genau der, den die meisten (gemeinsam mit dem vierten) als den schwächsten der Reihe ansehen. Ich kann das aber begründen: Grundsätzlich ist es so, daß ich mit der Zeitreise-Thematik große Probleme habe. Das ist insofern ein bißchen kurios, als ich mich eigentlich zu jenen Filmfans zähle, die zum Wohl der Dramaturgie und der Unterhaltung absolut bereit sind, kleinere Logikfehler oder auch wissenschaftliche Ungenauigkeiten zu verzeihen (wobei letzteres durchaus damit zusammenhängen kann, daß ich relativ wenig Ahnung von Wissenschaft und Technik habe). Doch bei Zeitreisen in die Vergangenheit hört der Spaß für mich einfach auf, und das liegt vor allem im berühmt-berüchtigten Zeitreise-Paradoxon begründet (jemand reist in der Zeit zurück, um ein bestimmtes, die Zukunft stark beeinflussendes Ereignis zu verhindern – hat er Erfolg, verläuft die aber natürlich anders und es gibt nie einen Grund, die Zeitreise überhaupt anzutreten; wenn sie aber nicht angetreten wird, läuft doch alles so ab wie es ursprünglich der Fall war; bis jemand in die Zeit zurückreist, um es zu verhindern; etc. pp.), das für mich die Handlung der entsprechenden Werke von vornherein sinnlos macht. Das heißt jedoch nicht, daß ich alle Filme, Serien oder Bücher rundweg ablehne, die sich mit der Thematik befassen. Ich habe kein Problem damit, wenn es sich um Komödien oder launige Actionfilme handelt, selbst mit Alibi-Erklärungen á la "Doctor Who" ("Wibbly wobbly timey wimey … stuff") oder "Raumschiff Voyager" (sinngemäß: "Ja, Zeitreisen sind unlogisch – na und?") gebe ich mich zufrieden, wenn ansonsten die Qualität paßt. Nur wenn die jeweilige Geschichte Zeitreisen zu ernst nimmt, habe ich ein Problem damit. Und das war bei den ersten beiden "Terminator"-Filmen eben der Fall. Dennoch weiß ich die natürlich als unterhaltsame und für ihre Zeit sehr innovative Actionfilme zu schätzen – Begeisterung konnten sie in mir jedoch nicht auslösen. "Terminator 3" hingegen machte von Anfang an nie einen Hehl daraus, gar nicht mehr sein zu wollen als laute, krachende, selbstironische Action. Und das hat mir reichlich Freude bereitet. "Terminator: Gensisys" ist nun (wie eigentlich bereits der gefloppte, komplett in der Zukunft spielende vierte Teil "Die Erlösung") so eine Art Reboot, die wie J.J. Abrams' "Star Trek" von vorn beginnt und eine neue Zeitlinie eröffnet, in der alles anders verlaufen kann als in Camerons Werken. Grundsätzlich keine schlechte Idee für ein Reboot, die Umsetzung hakt jedoch unter anderem an einem recht wirren Drehbuch, mäßigen Dialogen und – für mich – einer viel zu ernsthaften Umsetzung der Zeitreise-Thematik.

Dabei beginnt alles – wie so oft in Hollywood – noch recht vielversprechend. Der Auftakt in der Zukunft ist action- und temporeich, dabei visuell überzeugend gestaltet und spannend. Zudem gefällt der Australier Jason Clarke sogleich als narbengesichtiger Anführer John Connor, der im Gegensatz zu den früheren Filmen aber über ungewöhnlich großes Wissen über den Gegner verfügt. Das führt dann eben auch zum Beinahe-Sieg über Skynet und ruft beim reihenkundigen Publikum gleichzeitig Neugierde hervor. Ganz offensichtlich verfügt John über Wissen aus der Vergangenheit, aber wie kann das nur sein? Leider wird diese Frage – falls ich nicht etwas komplett übersehen habe – nie beantwortet, was natürlich damit zusammenhängen kann, daß "Genisys" als Auftakt einer neuen Trilogie gedacht ist. Was übrigens definitiv der Grund für den leider nur sehr kurzen Auftritt von Ex-"Doctor Who" Matt Smith (der seine Hollywood-Karriere offenbar als "Matthew Smith" in Angriff nehmen will) in einer wichtigen Nebenrolle ist, die in der Fortsetzung – so sie je gedreht wird – wohl zu einer Hauptrolle befördert werden wird.

Mit Kyles Reise in das Jahr 1984 geht es für "Genisys" qualitativ bergab – zunächst noch langsam, da die nackte Ankunft in der Vergangenheit wie immer für nette Szenen sorgt und zudem die veränderte Konstellation durch die Kyle bereits erwartende und vom T-800 begleitete Sarah für Spannung sorgt. Doch nachdem die ersten Action- und Kampfsequenzen absolviert sind, begeht Regisseur Alan Taylor ("Thor – The Dark Kingdom") den Kardinalfehler: Er läßt die Figuren reden! Das sorgt für wenig Freude, da erstens die "normalen" Dialoge ziemlich banal und ohne Esprit sind, zweitens die Gags und Oneliner fast ausschließlich in die Hose gehen und vor allem drittens die Erklärungsversuche für die verschiedenen Zeitebenen und den ganzen Kram ebenso kompliziert wie hanebüchen sind und selbst das schlimmste "Technobabble" aus dem "Star Trek"-Universum vergleichsweise interessant und einleuchtend wirken lassen. Ganz ehrlich, bei vielen Hollywood-Großproduktionen wünsche ich mir, daß sie weniger Action und mehr Handlung zeigen würden – wenn das Resultat dann aber so mager und, ja, langweilig ausfällt wie im Mittelteil von "Terminator: Genisys", dann ist das auch nicht des Pudels Kern.

Ebenfalls nicht schön: Unglücklicherweise ist Emilia Clarke für die Rolle der Sarah Connor – immerhin (neben der "Alien"-Heroine Ellen Ripley) nicht weniger als eine der ikonischsten Frauenrollen des Actionkinos – ein Stück weit eine Fehlbesetzung. In "Game of Thrones" fällt das gar nicht so sehr auf (weil es zu ihrer Rolle paßt und zudem kluge Kameraeinstellungen gewählt werden), aber hier ist unübersehbar, daß Clarke – so attraktiv sie unzweifelhaft ist nunmal Größe und Körperbau eines 15-jährigen Mädchens hat; und zwar eines zierlichen. Das sind nicht die allerbesten Voraussetzungen, um als taffe Heldin glaubwürdig rüberzukommen, zumal wenn die Vorgängerin in der Rolle Linda Hamilton heißt (oder auch Lena Headey in der kurzlebigen, aber sehr gelungenen TV-Serie). Clarke macht zwar das Beste daraus, dennoch fällt es schwer, ihr die Rolle voll abzunehmen. Daß sie, ebenso wie Kyle Reese und John Connor, zusätzlich immer wieder mal mit staatstragender Miene völlig banale Sätze vortragen muß, hilft naturgemäß auch nicht unbedingt. Jai Courtney gibt immerhin einen soliden Kyle Reese ab, an die darstellerische Klasse von Jason Clarke reicht er aber nicht heran, weshalb es umso bedauerlicher ist, daß dieser nach dem starken Zukunfts-Auftakt lange Zeit nicht mehr allzu viel zu tun hat. Das durchaus vorhandene Potential der Nebendarsteller – darunter der amtierende OSCAR-Gewinner J.K. Simmons ("Whiplash") als hilfsbereiter Cop, Byung-hun Lee ("G.I. Joe") als formwandelnder Terminator oder Courtney B. Vance ("Final Destination 5") als Vater des "Genisys"-Programmierers – wird auch nicht ansatzweise ausgeschöpft, die meisten von ihnen verschwinden so schnell wieder, wie sie auf der Leinwand aufgetaucht sind. So ist der größte Trumpf von "Genisys" tatsächlich der gute alte Arnold Schwarzenegger, der sich wieder richtig gut in Form gebracht hat und auch mit Falten und grauen Haaren noch einen formidablen Terminator abgibt – "alt, aber nicht veraltet", wie er immer wieder betont.

Im letzten, 2017 und damit fast in unserer Gegenwart spielenden Filmdrittel werden wenigstens die Humorversuche deutlich treffender, was Spekulationen zuläßt, daß sich das Autoren-Duo möglicherweise die einzelnen Zeitebenen aufgeteilt hat. Der Sprung in der Treffsicherheit der Gags von "nahe 0" im Jahr 1984 auf immerhin "über 50%" 2017 ist jedenfalls bemerkenswert und kommt vor allem Schwarzenegger zugute. Die Qualität der Handlung verbessert sich leider nicht entsprechend, selbst die erzählerischen Möglichkeiten bezüglich der in unserer Realität ja auch beständig voranschreitenden totalen Vernetzung mit ihren Vorzügen und Risiken werden unverständlicherweise nur angekratzt. So ist man fast schon wieder froh, daß nun doch fast vollständig auf Krachbumm gesetzt wird, stimmungsvoll untermalt von der Musik des jungen schottischen Komponisten Lorne Balfe (ein Schüler von Hans Zimmer, der seine Finger hier ebenfalls im Spiel hat). Das ganze Zeitebenen-Gedöns rückt dadurch netterweise etwas in den Hintergrund, allerdings muß man konstatieren, daß die Actionsequenzen und die computer-generierten Effekte (darunter übrigens bereits vorher ein junger Schwarzenegger-Terminator, der deutlich glaubwürdiger wirkt als noch in "Terminator – Die Erlösung") zwar sehenswert sind, aber auch nicht übermäßig spektakulär – gleiches gilt für den 3D-Einsatz. Bemerkenswert ist außerdem, daß die Kämpfe so blutarm ausfallen, daß "Genisys" in Deutschland als erster "Terminator"-Film eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erhielt ...

Ob es zu der fest eingeplanten Fortsetzung (die mit einer wenig überraschenden zusätzlichen Szene während des Abspanns eingeläutet wird) von "Genisys" kommen wird, steht kurz nach dem Kinostart noch in den Sternen. Das US-Einspielergebnis ist eine schwere Enttäuschung, im Rest der Welt – vor allem in Asien – sieht es deutlich besser aus. Am Ende dürfte der $170 Mio. teure Film in kommerzieller Hinsicht vermutlich weder Flop noch Hit sein; ob das dem Produktionsstudio Paramount reicht, um viel Geld in eine Fortführung der mauen Geschichte zu pumpen, wird sich zeigen. Wenn sie es tun, dann sollten sie auf jeden Fall deutlich größeres Augenmerk auf ein gutes Drehbuch legen.

Fazit: "Terminator: Genisys" ist ein letztlich eher mißglückter, uninspirierter Reboot-Versuch einer der populärsten Actionfilm-Reihen. Inhaltlich kommt er über ein paar interessante Ansätze nicht heraus, die Besetzung einiger Hauptrollen ist nicht ideal und die Nebenfiguren werden komplett vernachlässigt – nur mit dem bewährten Schwarzenegger-Charme und etlichen guten Actionsequenzen kann der Film punkten.

Wertung: 5 Punkte.


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