Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 12. Februar 2015

JUPITER ASCENDING (3D, 2015)

Regie und Drehbuch: Andy und Lana Wachowski, Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean, Tuppence Middleton, Douglas Booth, Nikki Amuka-Bird, Maria Doyle Kennedy, James D'Arcy, Gugu Mbatha-Raw, Doona Bae, David Ajala, Edward Hogg, Vanessa Kirby, Terry Gilliam
 Jupiter Ascending
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 26% (4,4); weltweites Einspielergebnis: $184,0 Mio. 
FSK: 12, Dauer: 127 Minuten.

Jupiter Jones (Mila Kunis, "Black Swan") haßt ihr Leben. Kein Wunder, schließlich muß sie täglich um 4.45 Uhr aufstehen, um dann den ganzen Tag über gemeinsam mit ihrer Mutter (Maria Doyle Kennedy, TV-Serie "Die Tudors") ihrer Tätigkeit als Putzfrau nachzugehen. Eines Tages wird ihr sehnlicher Wunsch nach Abwechslung und Aufregung deutlich übererfüllt, als einige Aliens sie ermorden wollen! In allerletzter Sekunde rettet sie der genetisch gezüchtete Kopfgeldjäger Caine Wise (Channing Tatum, "G.I. Joe"). Wie sich herausstellt, stimmt Jupiters DNA mit der des verstorbenen Oberhaupts der mächtigsten Familie der Galaxie überein, deren drei eher mißratene Kinder deshalb glauben, sie wäre ihre wiedergeborene Mutter – und hätte demnach Anspruch auf den Besitz unzähliger Planeten im Universum (inklusive der Erde). Vor allem dem ältesten Sohn Balem Abrasax (Eddie Redmayne, "Les Misérables") mundet diese Aussicht überhaupt nicht, und so er setzt alles daran, Jupiter zu töten, ehe sie ihre Ansprüche offiziell geltend machen kann …

Kritik:
"Jupiter Ascending" wird sehr wahrscheinlich in die Kinogeschichte eingehen. Das allerdings dummerweise nicht als ein visionäres Meisterwerk, sondern eher als jene Produktion, die die Karriere der Wachowski-Geschwister zumindest auf Blockbuster-Ebene endgültig tötete. Es ist schon erstaunlich: Nach der unfaßbar erfolgreichen "Matrix"-Trilogie konnten Andy und Lana Wachowski eigentlich machen, was sie wollten. Das Problem an der Sache: Sie taten es auch! Und das bedeutet, daß sie sich nicht mehr primär danach richteten, was der durchschnittliche Kinogänger sehen wollte – sondern danach, was sie selbst machen wollten. Zuerst ging das noch halbwegs gut mit der von den Kritikern gelobten und von Genrefans hymnisch gefeierten Graphic Novel-Adaption "V wie Vendetta" (bei der sie zwar offiziell die Regie ihrem Schützling James McTeigue überließen, aber hinter den Kulissen klar die Fäden in der Hand hielten), die wenigstens in den USA kommerziell noch ziemlich passabel lief, im Rest der Welt dagegen unverständlicherweise eher ignoriert wurde. Seitdem reiht sich leider Flop an Flop: Zunächst "Speed Racer", die kunterbunte Verfilmung einer obskuren japanischen Zeichentrickserie für Kinder aus den 1960er Jahren; darauf folgte (gemeinsam mit dem deutschen "Lola rennt"-Regisseur Tom Tykwer) die extrem ambitionierte Romanverfilmung "Cloud Atlas", die Kritiker und Publikum polarisierte (ich zähle zu den Anhängern) und nicht mal die Produktionskosten wieder einspielte. Und nun bringen die Wachowskis mit "Jupiter Ascending" ein $175 Mio. schweres Science Fiction-Epos in die Kinos, das kommerziell ebenfalls meilenweit hinter den Hoffnungen der Produzenten zurückbleibt. Das ist besonders deshalb schade, weil im aktuellen Hollywood-Zeitalter der Superhelden-Filme und Fortsetzungen originäre Genrestoffe außerhalb des Low Budget-Bereichs sehr, sehr selten geworden sind. So gesehen muß man dem Studio Warner Bros. sowieso ein Lob dafür aussprechen, daß es dieses Wagnis eingegangen ist. Und es wäre dem Studio wie auch den Wachowskis zu wünschen gewesen, daß sich das Wagnis rentiert.

Eines wäre dafür aber natürlich besonders von Vorteil gewesen: ein richtig guter Film! Der ist "Jupiter Ascending" jedoch leider nicht geworden; es handelt sich stattdessen um ein visuell hervorragendes, aber tonal unausgegorenes und inhaltlich sehr dünnes Werk, das zwar das Potential für interessante Geschichten in diesem neu ausgedachten SF-Universum liefert – es aber höchstens ansatzweise ausschöpft. Die Story der in ärmlichen Verhältnissen lebenden Protagonistin, die unverhofft in ein gewaltiges, weltenumspannendes Abenteuer gezogen wird, ist natürlich alles andere als originell (schon Hitchcock liebte die grundlegende Prämisse), bei kreativer Umsetzung aber durchaus vielversprechend. Unglücklicherweise ist Kreativität jedoch das, woran es dem "Jupiter Ascending"-Drehbuch von den Wachowskis besondern mangelt. Die Abenteuer von Jupiter und ihrem unwahrscheinlichen Beschützer Caine Wise sind einfach belanglos und unoriginell. Das Ganze erinnert an eine krude Mixtur aus "John Carter", "Per Anhalter durch die Galaxis" und William Shakespeare auf Seifenopern-Niveau, woran die allzu schablonenhaften Charaktere keineswegs unschuldig sind. Vor allem die eigentliche Hauptfigur Jupiter Jones wird bis kurz vor Schluß so machtlos wie eine Puppe durch den dünnen Plot geschleudert, weshalb sie kaum etwas wie ein eigenes Profil entwickeln kann. Besser ergeht es dem Kopfgeldjäger Caine, der zwar auch nicht unbedingt vielschichtig daherkommt, aber zumindest etwas charakterlichen Tiefgang bietet und zudem selbstredend in den zahlreichen Actionsequenzen glänzen kann – Channing Tatum macht in dieser Rolle übrigens eine gute Figur, auch wenn das Aussehen des mit Wolf-DNA angereicherten Ex-Polizisten anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist. Dummerweise nimmt man Tatum und Mila Kunis das romantische Knistern zwischen ihren Figuren nicht ab, wie überhaupt der ganze Handlungsstrang überstürzt und wenig authentisch wirkt.

Abgesehen vom dünnen und klischeehaften Plot enttäuscht "Jupiter Ascending" vor allem bei den Nebenfiguren. Die haben günstigstenfalls wenigstens ein paar gute Szenen wie Caines Ex-Partner Stinger (Sean Bean, "Silent Hill") oder Raumschiff-Captain Diomika Tsing (Nikki Amuka-Bird, TV-Serie "Luther") von der intergalaktischen Polizei Aegis, versinken größtenteils aber in der Belanglosigkeit wie die jüngeren Abrasax-Sprößlinge Titus (Douglas Booth, "Noah") und Kalique (Tuppence Middleton, "The Imitation Game"), deren Intrigen so durchschaubar sind wie die Wahlversprechen eines durchschnittlichen Politikers. Das reicht einfach nicht aus, um das Interesse des Publikums am Leben zu erhalten, vor allem wenn man es mit einem Genre-Schwergewicht wie "Guardians of the Galaxy" vergleicht, in dem es vor ebenso schrägen wie interessanten Nebenfiguren nur so wimmelt! Negatives Highlight ist bei "Jupiter Ascending" ausgerechnet Oberbösewicht Balem Abrasax. Wenn man wie ich erst wenige Wochen zuvor Eddie Redmaynes ungemein subtile und zurecht für einen OSCAR nominierte Verkörperung des Wissenschaftlers Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" gesehen hat, dann ist es kaum zu glauben, daß der gleiche Darsteller auch Balem spielt. Beziehungsweise "über-spielt", denn Redmaynes permanentes Overacting als affektierter Fiesling Balem erreicht mindestens die Grenze zum Unerträglichen, wenn es sie nicht gar überschreitet. Wobei das vermutlich nicht Redmaynes Schuld ist, vielmehr ist seine Rolle richtig mies geschrieben. Das fügt sich immerhin gut in die bereits angesprochene tonale Unausgeglichenheit des Films ein; denn diese Karikatur eines überzeugenden Bösewichts paßt ebenso wenig zu der ansonsten durchaus ernsthaft (wenn auch weitgehend einfallslos) erzählten und bebilderten Handlung um Macht und Intrigen wie es der oft kindische, manchmal aber sogar gewitzt pythoneske Humor etwa bei der Darstellung der intergalaktischen Bürokratie (mit einem witzigen Cameo von Monty Python-Mitglied Terry Gilliam!) zu den rasanten Actionsequenzen tut. Es kommt einem vor, als hätten die Wachowskis versucht, möglichst viele Genres in ihren zweistündigen Film zu packen – doch während das (in drei Stunden) bei "Cloud Atlas" aufgrund der episodenhaften Struktur gut funktioniert hat, geht es bei "Jupiter Ascending" ziemlich in die Hose. Richtig schlecht wird es zwar nie, besser als mittelmäßig aber ebensowenig. Daß es viel zu viele unglaubwürdige "Rettung in letzter Sekunde"-Momente gibt, hilft auch nicht unbedingt.

Zumindest in einem Punkt liefern die Wachowskis aber genau das ab, was man erhoffen und erwarten durfte: in der visuellen Gestaltung. Gut, die Qualität des Kreaturendesigns ist eher wechselhaft, dafür aber schön abwechslungsreich: Es gibt diverse mit Tier-DNA angereicherte humanoide Aliens wie Caine, dazu ziemlich klassische "Roswell-Aliens" und dazu auch noch Echsenwesen. Nicht alle davon können hundertprozentig überzeugen, aber der Eindruck einer fremden Welt wird durch die Vielzahl an seltsamen Gestalten auf jeden Fall vermittelt. Noch deutlich besser sieht es beim Welten- und Raumschiffdesign aus. Die verschiedenen Planeten und ihre Architektur sehen beeindruckend erhaben und exotisch aus, der 3D-Einsatz kommt hier ebenfalls gut zur Geltung; und die Raumschiffe sind so wunderschön und elegant gestaltet, daß man sie sich am liebsten zuhause als Modelle in den (Nerd-)Schrank stellen möchte! In einer so traumhaft schönen Umgebung machen die spezialeffektlastigen Actionszenen gleich nochmal so viel Spaß, wenngleich deren Choreographie in den meisten Fällen eher solide als begeisternd ist und es an echten Highlights, die einem lange in der Erinnerung bleiben, fehlt – der teilweise Einsatz der "Wackelkamera" wird sicherlich auch nicht jedem Zuschauer gefallen. "Solide" ist übrigens auch ein treffendes Fazit für die musikalische Untermalung, denn Michael Giacchino ("Star Trek") beweist einmal mehr, daß er der richtige Mann ist, wenn es darum geht, actionreiche Scores zu erschaffen (hier mit gelegentlichen eher exotischen Einsprengseln gewürzt, die die Fremdartigkeit der außerirdischen Welten unterstreichen sollen). Allerdings ist er auch der Meister der Abspannmusik, denn seine gelungenste Komposition ist tatsächlich erst nach dem Ende des Films zu hören – was bei Giacchino nicht selten der Fall ist, wie er schon bei Matt Reeves' "Cloverfield" mit dem grandiosen Stück "Roar! (Cloverfield Overture") und danach immer wieder mal bewies. Und irgendwie paßt das ja ganz gut zu einem Film, dessen Stärken eher in den Außenbereichen als in den zentralen Aspekten der Handlung oder der Figurenzeichnung liegen …

Fazit: "Jupiter Ascending" ist ein mittelmäßig unterhaltsames Weltraumspektakel für die ganze Familie, das seine großen Stärken ohne jeden Zweifel im visuellen Bereich hat – dafür aber in Sachen Handlung und Figurenzeichnung viel zu wünschen übrig läßt.

Wertung: Knapp 6 Punkte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen