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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Freitag, 17. Oktober 2014

A HARD DAY (2014)

Originaltitel: Kkeut-kka-ji-gan-da
Regie: Kim Sung-hoon, Drehbuch: Lee Hae-jun und Kim Seong-hoon, Musik: Kim Tae-sung
Darsteller: Lee Sun-kyun, Cho Jin-woong, Jeong Man-sik, Shin Jung-keun, Kim Dong-young, Joo Suk-tae, Heo Jung-eun, Shin Dong-mi, Jo Ha-suk
 Kkeut-kka-ji-gan-da
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 81% (7,4); weltweites Einspielergebnis: $26,5 Mio.
FSK: nicht geprüft, Dauer: 111 Minuten.
Detective Go Geon-soo (Lee Sun-kyun, "Ghost Soldiers") ist nicht gerade vom Glück verfolgt: Seine Mutter stirbt, seine Frau will sich von ihm scheiden lassen, die interne Abteilung ermittelt gegen ihn und seine Kollegen wegen Korruption (und zwar vollkommen zu Recht). Zu allem Überfluß überfährt Geon-soo abends auf dem Weg von der Beerdigung seiner Mutter zum Polizeirevier auch noch einen Mann. Da dies in einer abgelegenen Gegend geschieht, niemand in der Nähe ist und Geon-soo wirklich keine Lust auf noch mehr Ärger hat, packt er die Leiche kurzerhand in den Kofferraum seines Wagens und macht weiter, als wäre nichts geschehen. Zumindest, bis er einen Anruf von einem Unbekannten erhält, der behauptet, er hätte den Unfall beobachtet. Damit er den Polizisten nicht verrät, soll ihm dieser einen Gegenstand bringen, den der Mann bei sich gehabt habe, als Geon-soo ihn überfahren hat. Da er die Leiche aber bereits entsorgt hat, ist das keine ganz einfache Aufgabe …

Kritik:
Wenn ich mir Jahr für Jahr mein Programm für das Fantasy Filmfest zusammenstelle, dann stehen die asiatischen Beiträge stets ganz vorne in meiner Prioritätenliste. Einmal deshalb, weil ich das japanische, chinesische oder südkoreanische Kino einfach mag und es mir mit Meisterwerken wie der "Infernal Affairs"-Reihe, John Woos "The Killer" oder so ziemlich jedem Film von Akira Kurosawa schon jede Menge Freude bereitet hat; ein ebenso gewichtiger Grund ist allerdings, daß es bei den asiatischen Festival-Beiträgen meist in den Sternen steht, ob sie überhaupt eine europäische Heimkino-Veröffentlichung erhalten – wohingegen amerikanische oder europäische Filme damit so gut wie immer rechnen können (auch wenn es manchmal etwas dauert). Bei Kim Sung-hoons "A Hard Day" gehe ich davon aus, daß die Verfügbarkeit auf lange Sicht kein Problem sein wird, denn es handelt sich um einen zwar recht skurrilen, aber doch sehr gefälligen Thriller, der auch außerhalb Asiens sein Publikum finden sollte. Zum Genre-Klassiker taugt er trotz guter Ansätze jedoch nicht.

Der erste Akt von "A Hard Day" ist ziemlich vielversprechend: Die Vorstellung des korrupten, vom Pech verfolgten Detectives ist getränkt in schwarzen Humor, etliche Szenen sind herrlich durchgeknallt und schaffen es mit perfektem Timing, gleichzeitig albern und makaber zu sein, sodaß man kaum weiß, ob man lachen oder ungläubig den Kopf schütteln soll. Auch das recht hohe Erzähltempo sorgt im Verbund mit den schillernden Charakteren dafür, daß man sich anfänglich sehr gut unterhalten fühlt. Das Niveau dieses überzeugenden ersten Drittels kann der Film allerdings nicht halten; stattdessen sinkt es langsam, jedoch kontinuierlich ab. Der Mittelteil ist immer noch sehr ansehnlich, der Erzählstil verliert aber zunehmend seinen Reiz und die ständigen überraschenden Wendungen werden immer weniger überraschend. Einige gelungene Gags können das noch ganz gut kompensieren, aber man wird das Gefühl nicht los, daß sich die zwar verworrene, im Kern aber doch recht simple Story mehr und mehr im Kreis dreht.

Dieses Gefühl verstärkt sich, wenn es auf das Finale zugeht, denn die Handlungsentwicklung wird immer konventioneller und erinnert an die hochglanzpolierten Hollywood-Thriller der 1980er Jahre. Nun rächt es sich auch, daß "A Hard Day" fast ausschließlich unsympathische Figuren präsentiert. Protagonist Geon-soo hat in Lee Sun-kyuns Verkörperung ja durchaus Charisma, aber es fällt schwer, wirklich mitzufiebern mit seiner Tour de Force. Cho Jin-woong ("The Front Line") gibt derweil den sadistischen Erpresser mit diabolischer Hingabe, was ihn aber auch ein wenig klischeehaft wirken läßt. Das Duell zwischen diesen beiden ist packend inszeniert, am Ende aber einfach zu übertrieben. Von einem realistischen Thriller ist "A Hard Day" zu diesem Zeitpunkt weit entfernt, eher fühlt man sich an einen (inhaltlich) billigen Horrorfilm erinnert. Das ist dank der temporeichen Inszenierung wohlgemerkt bis zum Schluß durchaus unterhaltsam anzusehen, aber eben bei weitem nicht so gut und fesselnd, wie es sein könnte. Und wie man es gerade von südkoreanischer Kinokost in den letzten Jahren kennen und schätzen gelernt hat ("Oldboy", "Memories of Murder", "The Man from Nowhere", "I Saw the Devil").

Fazit: "A Hard Day" ist ein typisch südkoreanisches Thriller-Verwirrspiel, das mit schwarzem Humor und unerwarteten Wendungen punktet, aber unter unsympathischen Figuren und einem zu konventionellen letzten Akt leidet.

Wertung: 6,5 Punkte.

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