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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 20. März 2014

FLIGHTPLAN – OHNE JEDE SPUR (2005)

Regie: Robert Schwentke, Drehbuch: Peter A. Dowling und Billy Ray, Musik: James Horner
Darsteller: Jodie Foster, Sean Bean, Peter Sarsgaard, Erika Christensen, Michael Irby, Greta Scacchi, Assaf Cohen, Christian Berkel, Haley Ramm, Marlene Lawston, Brent Sexton, John Benjamin Hickey, Matt Bomer
 Flightplan
(2005) on IMDb Rotten Tomatoes: 38% (5,3); weltweites Einspielergebnis: $224,4 Mio.
FSK: 12, Dauer: 98 Minuten.

Nach dem Tod ihres Mannes (John Benjamin Hickey, "Flags of our Fathers") fliegt Kyle Pratt (Jodie Foster, "Taxi Driver") mit ihrer sechsjährigen Tochter Julia (Marlene Lawston, "Dan – Mitten im Leben") von Berlin nach New York, um den Leichnam zu überführen und dem Ort des Unglücks zu entfliehen. Die völlig fertige Kyle schlummert bereits kurz nach Beginn des Fluges weg – als sie nach etwa drei Stunden wieder erwacht, ist ihre Tochter verschwunden! Als ob das nicht schon Grund genug wäre für einen Panikanfall, muß Kyle auch noch erfahren, daß scheinbar niemand Julia das Flugzeug hat betreten sehen, auch auf der Passagierliste ist sie nicht aufgeführt. Flugkapitän Rich (Sean Bean, "Silent Hill") und Sky Marshal Gene Carson (Peter Sarsgaard, "An Education") lassen sich dennoch überzeugen, das Flugzeug nach dem kleinen Mädchen zu durchsuchen – ohne Erfolg. Dreht Kyle vor Trauer über den Tod ihres Ehemannes komplett durch? Oder wurde ihre Tochter entführt?

Kritik:
Anhand des Co-Drehbuch-Autors Billy Ray läßt sich wunderbar der Karriereweg eines Mannes nachvollziehen, der sich in seinem Metier konsequent verbessert hat: Zu Beginn schlug er sich ab 1994 mit Skripts für ziemlich miese B-Movies wie das Skandalfilmchen "Color of Night" (berühmt-berüchtigt für Bruce Willis' Penis ...) oder den Actionstreifen "The Shooter" (1995) mit Dolph Lundgren durch. Es folgten mit "Volcano" (1997), dem Kriegsdrama "Das Tribunal" (2002) und dem Thriller "Suspect Zero" (2004) dennoch bereits größere Produktionen, die aber qualitativ bestenfalls Mittelmaß waren. Irgendwann hatte er davon wohl genug, denn mit "Lüge und Wahrheit" (2003) und "Enttarnt" (2007) übernahm er bei zwei kleineren Produktionen auch die Regie und wurde prompt mit viel Lob bedacht. Und erneut ein paar Jahre später ist Ray seit dem Blockbuster "Die Tribute von Panem – The Hunger Games" und dem grandiosen Survival-Thriller "Captain Phillips" (für den er zudem seine erste OSCAR-Nominierung erhielt) einer der gefragtesten Autoren in Hollywood. "Flightplan" ordnet sich ziemlich genau in der Mitte dieses durchaus beeindruckenden Karrierepfades ein.

Das Hollywood-Debüt des deutschen Regisseurs Robert Schwentke ("Tattoo", "R.E.D.") ist ein handwerklich routiniert gemachter Thriller, dem ein überraschend großer kommerzieller Erfolg gelang, obwohl er inhaltlich nur absolute Standardkost zu bieten hat. Die größte Stärke von "Flightplan" ist denn auch ohne jeden Zweifel seine Hauptdarstellerin: Jodie Foster verkörpert die gramgebeugte Witwe und verzweifelte Mutter dermaßen überzeugend, daß man am liebsten gleich mitheulen will. Solche Rollen hat Foster ja schon öfters gespielt, Ähnlichkeiten zu ihrer Figur der Meg Altman in David Finchers drei Jahre zuvor gedrehtem Thriller "Panic Room" sind unverkennbar. Bloß daß die übermäßig konstruierte Handlung in "Flightplan" eben in einem Flugzeug stattfindet statt in einem Haus. Und vor allem dramaturgisch locker um zwei Klassen schlechter ist.

Dabei beginnt "Flightplan" noch recht vielversprechend und mysteriös, doch spätestens mit der erschreckend unoriginellen und zudem nicht allzu glaubwürdigen Auflösung der Hintergründe zu Beginn des letzten Aktes geht die Qualität des Drehbuchs von Billy Ray und Peter A. Dowling ziemlich den Bach runter – was umso ärgerlicher ist, als es zuvor Schwentke und seinem gleichfalls deutschen Kameramann Florian Ballhaus (Sohn des dreimaligen OSCAR-Nominees Michael Ballhaus) in einigen penibel choreographierten Szenen gut gelungen war, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Obwohl Foster den Film klar dominiert, sind immerhin auch die weiteren Darsteller gut gewählt: Sean Bean beispielsweise spielt seine recht unspektakuläre Rolle als Pilot souverän und Peter Sarsgaard weiß als schnöseliger Sky Marshal zu gefallen. Zu schade, daß das Drehbuch ihnen nicht besseres Material liefert ...

Fazit: "Flightplan – Ohne jede Spur" ist, abgesehen von seiner gewohnt stark aufspielenden Hauptdarstellerin Jodie Foster, ein mittelmäßiger, nur wenig plausibler Thriller, der ausgemachte Genrefans ohne zu hohe Erwartungshaltung zwar einigermaßen gut unterhalten dürfte, aber viel zu gewöhnlich ist, um sich nachhaltig in das Gedächtnis einzubrennen.

Wertung: 5 Punkte (+ 1 gedachter Bonuspunkt für Jodie Foster).


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