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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 12. Februar 2014

MIRACLE – DAS WUNDER VON LAKE PLACID (2004)

Regie: Gavin O'Connor, Drehbuch: Eric Guggenheim, Musik: Mark Isham
Darsteller: Kurt Russell, Patricia Clarkson, Noah Emmerich, Kenneth Welsh, Eddie Cahill, Sean McCann, Nathan West, Patrick O'Brien Demsey, Michael Mantenuto, Kenneth Mitchell
 Miracle
(2004) on IMDb Rotten Tomatoes: 80% (7,0); weltweites Einspielergebnis: $64,4 Mio.
FSK: 6, Dauer: 136 Minuten.
Die Sowjetunion hat das internationale Eishockey jahrzehntelang beherrscht. Von 1964 bis 1976 gewann die "Sbornaja" jeden olympischen Eishockey-Wettbewerb und dazwischen fast jede Weltmeisterschaft. Sie galt als unbesiegbar. Dann kommen die Winterspiele 1980 in Lake Placid. Nachdem mehrere Startrainer für das vermeintlich aussichtslose Unterfangen abgesagt haben, will der eigenwillige Herb Brooks (Kurt Russell, "Death Proof") mit seinem Assistenz-Trainer Craig Patrick (Noah Emmerich, "Little Children") das scheinbar Unmögliche erreichen und den Olympiasieg in die USA holen. Brooks geht unbeirrt seinen Weg und eckt immer wieder mit den Verbandsoberen an, als er beispielsweise in seinem Olympia-Kader auf einige Eishockey-Stars verzichtet, weil ihm ein funktionierendes Mannschaftsgefüge wichtiger ist als eine Ansammlung von Einzelkönnern. So stellt Brooks ein Team aus Collegespielern mit einem Altersschnitt von gerade einmal 21 Jahren zusammen – und nach und nach gelingt es ihm, ein funktionierendes und lernwilliges Team zu formen, das den Kampf mit den übermächtigen Sowjets aufnehmen will ...

Kritik:
Obwohl "Miracle – Das Wunder von Lake Placid" eine der erstaunlichsten Stories in der langen Geschichte des Eishockey-Sports nacherzählt, folgen Regisseur Gavin O'Connor ("Warrior") und Autor Eric Guggenheim im Grunde genommen den üblichen Sportfilm-Mustern, wie man sie vor allem aus vielen amerikanischen Football-Filmen kennt. Es wird das harte Training gezeigt, die kleinen Fortschritte und die vorübergehenden Rückschläge, während zeitgleich die Familie des Trainers und vor allem seine Ehefrau Patty (Patricia Clarkson, "Pieces of April") unter dessen sportlicher Besessenheit leidet. Erwartungsgemäß wird nicht an Patriotismus und Pathos gespart, was man angesichts der sporthistorischen Dimension des Ereignisses aber sogar nachvollziehen kann. Mark Isham ("Der Nebel") übertreibt es bei seiner musikalischen Begleitung mit dem Pathos dann allerdings doch ein wenig.

Im Großen und Ganzen ist "Miracle" also kein wirklich besonderer Film. Allerdings spielt Kurt Russell seine grummelige, leicht exzentrische Rolle der späteren Trainerlegende Herb Brooks glänzend und sehr unterhaltsam und sorgt somit fast im Alleingang dafür, daß "Miracle" positiv im Gedächtnis bleibt. Was den Handlungsaufbau und speziell die Szenen auf dem Eis selbst betrifft, muß sich O'Connors Werk vor allem an der ziemlich unumstrittenen Nummer 1 unter den Eishockey-Filmen messen: George Roy Hills "Schlappschuß" aus dem Jahr 1977 mit Paul Newman in der Hauptrolle. In Sachen Story nehmen sich beide Filme nicht viel – es geht letztlich schlicht ums Gewinnen, um Underdogs, die sich zusammenraufen müssen, um am Ende über sich hinauszuwachsen. Da gibt es einfach nicht allzu viele Variationsmöglichkeiten – "Schlappschuß" hat seinerzeit eine gefunden, indem es als Action-Comedy-Element einen Nebenhandlungsstrang um die grandiosen "Hanson Brothers" eingeflochten hat, drei Brüder mit nur mäßigem spielerischen Talent, die aber durch ihren extrem harten (und unfairen) Einsatz die Gegner regelmäßig zur Weißglut treiben (auf Youtube kann man die verrücktesten Szenen der Brüder anschauen). "Miracle" jedenfalls kann so etwas natürlich nicht bieten, da er eine wahre Geschichte erzählt. Das kann man dem Film kaum vorwerfen, es macht ihn dennoch gewöhnlicher und auch weniger unterhaltsam. Die stets rasant und spannend inszenierten Spielszenen von "Miracle" müssen sich allerdings nicht hinter denen von "Schlappschluß" verstecken, und das eigentliche Spiel Eishockey ist für einen Eishockey-Film schließlich nicht ganz unwichtig ...

Fazit: "Miracle – Das Wunder von Lake Placid" ist ein seriös gemachter Sportfilm, der mit authentisch inszenierter Eis-Action und einem stark aufspielenden Kurt Russell punktet, aber zu sehr in altbekannten Sportfilm-Schemata verhaftet ist und mit deutlich über zwei Stunden auch etwas zu lange dauert, um wirklich begeistern zu können.

Wertung: 7 Punkte.


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