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Mittwoch, 18. Dezember 2013

OSCAR-News: "12 Years a Slave" festigt Favoritenstatus (+ Makeup-Shortlist)

In den letzten 10 Tagen vor Weihnachten sind die Kritikergruppen in den USA noch einmal extrem aktiv, es gibt im Grunde genommen mindestens eine Preisverkündung pro Tag. Um mir die Zusammenfassung an dieser Stelle ein klein wenig zu erleichtern, haben sich netterweise die Kritiker in Los Angeles, Chicago, Houston, San Francisco und Kansas sowie die Vereinigungen der Online-Kritiker und der afroamerikanischen Kritiker dazu entschieden, allesamt Steve McQueens Sklaverei-Drama "12 Years a Slave" als besten Film des Jahres 2013 zu küren. Nur die Kanadier setzen sich mal wieder etwas von den Amis ab, denn die Kritiker aus Toronto haben sich überraschend für die Folkballade "Inside Llewyn Davis" von Joel und Ethan Coen entschieden. Okay, und in Detroit und San Diego hat Spike Jonzes Techno-Romanze "Her" mit Joaquin Phoenix gewonnen. In den übrigen Kategorien gab es zumindest keine ganz großen Überraschungen, abgesehen von den Nebendarstellern, bei denen einige Preise gewonnen haben, die bei den OSCARS kaum Chancen auf eine Nominierung haben dürften: James Franco für seine in der Tat hervorragende Leistung als Drogendealer in "Spring Breakers" (San Francisco); Scarlett Johansson für ihre Leistung als Sprecherin in "Her" (Detroit); und Shailene Woodley für "The Spectacular Now" (San Diego"). Eine Übersicht über alle bisherigen Kritikerpreise bzw. -nominierungen dieser Awards Season gibt es bei Indiewire.

Etwas genauer möchte ich auf die Nominierungen für die Critic's Choice Awards eingehen, da es sich bei der ausrichtenden Broadcast Film Critics Association um keine regionale Kritikergruppe handelt, sondern um die mit rund 250 Mitgliedern größte in Nordamerika, die entsprechend mehr Gewicht besitzt. Hier die wichtigsten Kategorien:

Bester Film:
"American Hustle"
"Dallas Buyers Club"
"Her"
"Nebraska"
"Saving Mr. Banks"
"12 Years a Slave"
"The Wolf of Wall Street"

Also mehr oder weniger die üblichen Verdächtigen. Übrigens wurde mittlerweile die Sperrfrist für Kritiken zu Martin Scorseses "The Wolf of Wall Street" beendet und erfreulicherweise scheint der komödiantische Wirtschaftsfilm richtig gut geworden zu sein. Das bisher eher mäßige Abschneiden bei den Kritikerpreisen ließ ja nichts Gutes erahnen, dies scheint aber vor allem daran zu liegen, daß Scorsese den, wie viele schreiben, durchgeknalltesten Film seiner Karriere gedreht hat, der im Vergleich zu storymäßigen Schwergewichten wie "12 Years a Slave" etwas zu "leicht" wirkt. Außerdem leidet er offensichtlich etwas unter der Konkurrenz zum stilistisch ähnlichen, aber dem Vernehmen nach noch etwas besseren "American Hustle".

Hauptdarsteller:
Christian Bale, "American Hustle"
Bruce Dern, "Nebraska"
Chiwetel Ejiofor, "12 Years a Slave"
Tom Hanks, "Captain Phillips"
Matthew McConaughey, "Dallas Buyers Club"
Robert Redford, "All is Lost"

Die fünf OSCAR-Nominierungen in dieser Kategorie dürften die sechs hier genannten Darsteller unter sich ausmachen. Am gefährdetesten erscheinen Bale und Redford.

Hauptdarstellerin:
Cate Blanchett, "Blue Jasmine"
Sandra Bullock, "Gravity"
Dame Judi Dench, "Philomena"
Brie Larson, "Short Term 12"
Meryl Streep, "Im August in Osage County"
Emma Thompson, "Saving Mr. Banks"

Larson ist ein absoluter Kritikerliebling, daß sie es auf die OSCAR-Liste schafft, erscheint aber sehr zweifelhaft. Dort dürften die übrigen fünf ihren Platz sicher haben.

Nebendarsteller:
Barkhad Abdi, "Captain Phillips"
Daniel Brühl, "Rush"
Bradley Cooper, "American Hustle"
Michael Fassbender, "12 Years a Slave"
James Gandolfini, "Genug gesagt"
Jared Leto, "Dallas Buyers Club"

Der Trend setzt sich fort: Abdi und Brühl, die vor zwei Wochen noch als Außenseiter gelten mußten, scheinen nach Nominierungen bei Golden Globes, SAG Awards und nun auch hier für die OSCARs gesetzt, dafür sinken die Chancen der lange als Mitfavoriten gehandelten Jonah Hill ("The Wolf of Wall Street") und Tom Hanks ("Saving Mr. Banks") beständig. Fassbender und Leto sollten ihre Nominierungen sicher haben, Gandolfini könnte einen der übrigen drei noch gefährden.

Nebendarstellerin:
Scarlett Johansson, "Her"
Jennifer Lawrence, "American Hustle"
Lupita Nyong'o, "12 Years a Slave"
Julia Roberts, "Im August in Osage County"
June Squibb, "Nebraska"
Oprah Winfrey, "Der Butler"

Wichtige Nominierungen für Johansson und Winfrey. Letztere galt lange als gesetzt, schnitt in der bisherigen Awards Season aber nur mittelmäßig ab. Da ist jede Nennung ein gutes Mittel, um sich der Academy ins Gedächtnis zu rufen. Johansson hält ihre minimalen Chancen am Leben, aber es erscheint dennoch fast unvorstellbar, daß die Academy tatsächlich eine rein sprachliche Leistung in einer Darsteller-Kategorie würdigen wird. Auf Nyong'o und Lawrence dagegen darf man getrost wetten, auch Roberts und Squibb scheinen ihren Platz ziemlich sicher zu haben. Für die fünfte Stelle bei den OSCAR-Nominierungen kommen auch noch Sally Hawkins ("Blue Jasmine") und Octavia Spencer ("Fruitvale Station") in Frage.

Regie:
Alfonso Cuarón, "Gravity"
Paul Greengrass, "Captain Phillips"
Spike Jonze, "Her"
Steve McQueen, "12 Years a Slave"
David O. Russell, "American Hustle"
Martin Scorsese, "The Wolf of Wall Street"

Wow, was für ein hochkarätiges Feld! Und da fehlen sogar noch Alexander Payne ("Nebraska"), Woody Allen ("Blue Jasmine") oder die Coen-Brüder ("Inside Llewyn Davis"), die absolut nicht chancenlos sind. Jonze scheint derzeit das größte Momentum zu haben, dennoch bezweifle ich, daß er in dieser Kategorie bei den OSCARs auftauchen wird (bei den Drehbüchern dafür nahezu garantiert). Auch Scorsese ist ein Wackelkandidat. Cuarón, McQueen, Russell und wohl auch Greengrass sollten dagegen sicher im Sattel sitzen. Wobei das natürlich eine sehr relative Aussage ist, wenn man an die Überraschungen des letzten Jahres in dieser Kategorie (Affleck, Tarantino, Bigelow ignoriert, die krassen Außenseiter Haneke und Zeitlin nominiert) zurückdenkt.

Sämtliche Nominierungen gibt es auf der Critic's Choice-Homepage. Insgesamt die meisten Nennungen erhielten "12 Years a Slave" und "American Hustle" mit jeweils 13. "Gravity" folgt mit 10 Nominierungen.

Abschließend noch ein Blick auf die von der Academy veröffentlichte Shortlist für die Kategorie "Makeup and Hairstyling". Sieben Filme sind noch mit dabei, von denen am 16. Januar drei Nominierungen erhalten werden. Zur Auswahl stehen:

"American Hustle"
"Dallas Buyers Club"
"Hänsel und Gretel Hexenjäger"
"Jackass presents: Bad Grandpa"

Die größte Überraschung ist mit Sicherheit das Fehlen von "Der Hobbit – Smaugs Einöde" und "Rush" (man denke an Niki Laudas Brandwunden im Gesicht), dennoch sind die sieben übriggebliebenen Filme jeder für sich durchaus nachvollziehbar. Es ist zwar schwer vorstellbar, daß ein "Jackass"-Film allen Ernstes für einen OSCAR nominiert wird, aber angesichts des bekannten Faibles der Academy für gelungenes Alters-Makeup liegt das durchaus im Bereich des Möglichen. "American Hustle" mit seiner sorgfältig und detailverliebt kreierten 1970er Jahre-Atmosphäre (inklusive merkwürdiger Frisuren) dürfte ebenso wie der in den 1920er Jahren spielende "Der große Gatsby" gute Chancen haben. Die phantasievollen Frisuren in "Catching Fire" könnten den stimmberechtigten Mitgliedern ebenfalls gefallen, während "Lone Ranger" und "Hänsel und Gretel" wiederum mit spektakulärem Makeup beeindruckten. Und "Dallas Buyers Club" dürfte angesichts der AIDS-Thematik ebenfalls viel Makeup-Qualität zeigen ("Philadelphia" war seinerzeit ebenfalls in dieser Kategorie nominiert). So gesehen könnte dies tatsächlich die spannendste und unvorhersehbarste aller diesjährigen OSCAR-Kategorien sein. Mein spontaner Tip: "American Hustle", "Der große Gatsby" und überraschend "Hänsel und Gretel".

Quelle:

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