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Freitag, 8. November 2013

IN GUTEN HÄNDEN (2011)

Originaltitel: Hysteria
Regie: Tanya Wexler, Drehbuch: Stephen und Jonah Lisa Dyer, Musik: Gast Waltzing
Darsteller: Hugh Dancy, Maggie Gyllenhaal, Rupert Everett, Jonathan Pryce, Felicity Jones, Gemma Jones, Ashley Jensen, Sheridan Smith, Kim Criswell, Anna Chancellor, Georgie Glen, Jonathan Rhodes, Tobias Menzies
 Hysteria
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 57% (5,8); weltweites Einspielergebnis: $9,5 Mio
FSK: 12, Dauer: 99 Minuten.

London, Ende des 19. Jahrhunderts: Der junge, fortschrittliche Arzt Dr. Mortimer Granville (Hugh Dancy, "King Arthur") wurde aus nahezu jedem Krankenhaus der Stadt herausgeworfen, weil die dortigen alteingesessenen Ärzte seine Methoden (beispielsweise Händewaschen vor Operationen) für neumodischen Quatsch halten, er sich jedoch partout nicht davon abbringen läßt. Mortimers letzte Hoffnung auf einen Job als Arzt ist der Gynäkologe Dr. Robert Dalrymple (Jonathan Pryce, "G.I. Joe – Die Abrechnung"), der sich in seiner Praxis auf Frauen mit dem Krankheitsbild "Hysterie" spezialisiert hat. Davon sind in der Regel ältere unverheiratete oder verwitwete Frauen betroffen, deren Beschwerden am besten durch manuelle Stimulation der Vulva gelindert werden können, die in einem sogenannten hysterischen Paroxysmus kulminiert. Verständlicher formuliert: Die Damen werden zum befreienden Orgasmus gebracht! Mortimer erweist sich schnell als wahrer Meister in dieser Art der Behandlung, doch fühlt er – besser gesagt: seine rechte Hand – sich bald mit dem Ansturm "hysterischer" Frauen überfordert. Da trifft es sich gut, daß sein ebenso stinkreicher wie exzentrischer Stiefbruder Lord Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett, "Der Sternwanderer") intensiv an der Erfindung eines elektrischen Staubwedels herumtüftelt, für den Mortimer eine andere praktische Verwendungsart erkennt ...

Kritik:
Ja, richtig verstanden: "In guten Händen" ist tatsächlich ein britischer Film über die Erfindung des Vibrators! Ein pikantes Thema natürlich, das Gelegenheit sowohl zu frivoler Komik als auch zu einem kritischen Sittenbild des späten 19. Jahrhunderts geben sollte. Die amerikanische Regisseurin Tanya Wexler geht mit den mannigfaltigen Möglichkeiten insgesamt allerdings sehr dezent und vorsichtig um, trotz der bei dieser Thematik unvermeidlichen zweideutigen Witze sowie zahlreicher visueller sexueller Anspielungen wirkt der Film letztlich doch sehr prüde – eher amerikanisch als britisch.

Vor allem aber wirkt die Handlung von "In guten Händen" bei genauerer Betrachtung doch enttäuschend banal. Es handelt sich letztlich um eine handelsübliche britische Komödie mit altbekannten und so von Beginn an berechenbaren Handlungsmustern, dazu gesellen sich überwiegend flache und viel zu klischeehafte Figuren. Zwischendurch gibt es auch noch ein bißchen allzu forcierte dramatische Zuspitzung, als Dr. Dalrymples sehr energische Tochter Charlotte (Maggie Gyllenhaal, "The Dark Knight") – in die sich Mortimer bis dahin natürlich verliebt hat – wegen ihres von der Obrigkeit ungern gesehenen feministischen Engagements vor Gericht gestellt wird. Diese ziemlich ernste Episode will so überhaupt nicht zum sonstigen harmlos-amüsanten Ton des Films passen, auch wird die reichlich oberflächliche Abfertigung des Charlotte stellvertretend für so viele Frauen ihrer Zeit widerfahrenden Unrechts der Thematik nicht ansatzweise gerecht.

Zumindest agieren die Hauptdarsteller Hugh Dancy und Maggie Gyllenhaal überzeugend, absolutes Highlight von "In guten Händen" ist jedoch unbestritten die Performance von Rupert Everett, der sich in der (farbenprächtigen und damit für den Darsteller natürlich auch dankbaren) Rolle des Lord St. John-Smythe als echter Scene Stealer erweist. Ich wünschte, es gäbe ein Spin-Off mit ihm als Hauptfigur – das könnte dann ein richtig witziger Film werden. "In guten Händen" dagegen ist nicht mehr als ein nettes Feelgood-Movie ohne echten Biß, das zwar für ein paar echte Lacher und etliche Schmunzler gut ist, aber garantiert nicht zu orgiastischen Begeisterungsstürmen hinreißt ...

Fazit: "Hysteria" ist eine schlüpfrige, mild amüsante Komödie ohne jeden Tiefgang, die ihre durchaus gewagte Thematik viel zu oberflächlich abhandelt, das aber wenigstens mit guten Darstellern (allen voran Rupert Everett).

Wertung: 6 Punkte.


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