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Donnerstag, 6. Dezember 2012

OSCAR-News: "Zero Dark Thirty" triumphiert bei den NBR Awards, "Lincoln" und "Life of Pi" gehen leer aus

Das National Board of Review wurde 1909 in New York eigentlich zu dem Zweck gegründet, die Interessen der Filmbranche gegen Zensurbestrebungen zu verteidigen. 1916 wurde das NBR deshalb sogar zu einer Art amerikanischer FSK, indem es die Filme prüfte und gegebenfalls anstößige Inhalte noch vor der Veröffentlichung korrigieren ließ, um eine deutlich stärkere staatliche Zensur zu vermeiden. Anfangs ging das gut, doch in den 1930er Jahren wurde mit dem sogenannten Production Code dann doch verpflichtende und sehr strenge Zensurrichtlinien eingerichtet, die sich bis in die 1967 hielten. Heutzutage kommt das NBR in den Medien eigentlich nur noch einmal pro Jahr vor: bei der Vergabe der NBR Awards, die lange Zeit den Auftakt der Awards Season darstellte. Inzwischen hat sich der New York Film Critics Circle (NYFCC) um ein paar Tage vorgedrängelt, dennoch ist die Bedeutung der NBR Awards für den weiteren Verlauf des OSCAR-Rennens nicht zu unterschätzen. Wer hier gewinnt, hat gute Karten; wer komplett leer ausgeht, der hat ein echtes Problem.

Genug der Vorrede, hier sind die Gewinner des Jahres 2012:
Bester Film: "Zero Dark Thirty"
Regie: Kathryn Bigelow, "Zero Dark Thirty"
Schauspieler: Bradley Cooper, "Silver Linings"
Schauspielerin: Jessica Chastain, "Zero Dark Thirty"
Nebendarsteller: Leonardo DiCaprio, "Django Unchained"
Nebendarstellerin: Ann Dowd, "Compliance"
Originaldrehbuch: Rian Johnson, "Looper"
Adaptiertes Drehbuch: David O. Russell, "Silver Linings"
Animationsfilm: "Ralph reichts"
Special Achievement in Filmmaking: Ben Affleck, "Argo"
Breakthrough-Schauspieler: Tom Holland, "The Impossible"
Breakthrough-Schauspielerin: Quvenzahné Wallis, "Beasts of the Southern Wild"
Regiedebüt: Benh Zeitlin, "Beasts of the Southern Wild"
Fremdsprachiger Film: "Liebe", Österreich
Dokumentarfilm: "Searching for Sugar Man"
Ensemble: "Les Misérables"
Spotlight Awards: John Goodman, "Argo", "Flight", "ParaNorman", "Back in the Game"
Freedom of Expression Award (Doku): "Central Park Five"
Freedom of Expression Award (Film): "Promised Land"

Im Gegensatz zu den NYFCC Awards gibt es hier gleich einige Überraschungen. Kathryn Bigelow festigt zwar mit ihrem CIA-Thriller "Zero Dark Thirty" ihren Status als früher Topfavorit, während die meisten vermuteten Konkurrenten durch Siege in den übrigen Kategorien im Rennen bleiben. Vor allem die Darstellerehrungen überraschend aber fast ausnahmslos, lediglich Jessica Chastain konnte man mit recht hoher Wahrscheinlichkeit als Siegerin erwarten. Bradley Cooper hingegen gilt zwar als Anwärter für eine OSCAR-Nominierung, daß er sich hier gegen die Topfavoriten Daniel Day-Lewis und Joaquin Phoenix würde durchsetzen können, war jedoch kaum zu erwarten. Ähnliches gilt für Leonardo DiCaprio, den man allerdings vor allem deshalb noch nicht so ganz auf der Rechnung hatte, weil es schlicht und ergreifend noch keine offiziellen Kritiken zu "Django Unchained" gibt. Und Ann Dowd wurden zwar Außenseiter-Chancen eingeräumt, da Craig Zobels Independent-Thriller "Compliance" (der in Deutschland übrigens bereits im Rahmen des Fantasy Filmfests gezeigt wurde) nur wenige Amerikaner gesehen haben. "Looper" als Gewinner in der Kategorie "Originaldrehbuch" wiederum ist einfach nur erstaunlich – wenn auch keineswegs ungerechtfertigt.

Die Sonderehrungen für "Argo" und "Les Misérables" darf man als Trostpreise betrachten, immerhin wurden auf diese Weise fast alle Favoriten irgendwie bedacht. Zwei bemerkenswerte Ausnahmen: Steven Spielbergs "Lincoln" und Ang Lees "Life of Pi", denen dieses völlig unerwartete Ergebnis einen deutlichen Dämpfer verpaßt.

Zusätzlich zu der Vergabe der eigentlichen Awards gibt das NBR traditionell einige Listen mit je fünf oder zehn besten Filmen des Jahres in bestimmten Kategorie bekannt. Die interessanteste darunter ist logischerweise die mit den (zusätzlich zum "Besten Film") besten neun Filmen des Jahres (in alphabetischer Reihenfolge, also ohne Wertung):
- Argo
- Beasts of the Southern Wild
- Django Unchained
- Les Misérables
- Lincoln
- Looper
- Promised Land
- Silver Linings

Die großen und meiner Ansicht nach sehr positiven Überraschungen in dieser Liste sind "Looper" und "Vielleicht lieber morgen", wohingegen das Fehlen von "Life of Pi", "Moonrise Kingdom", "The Master" und "Der Hobbit" für diese Filme nichts Gutes verheißt.

Abschließend noch die fünf besten fremdsprachigen Filme nach "Liebe" (wiederum in alphabetischer Reihenfolge), mit guten Nachrichten für den deutschen OSCAR-Beitrag:
- Barbara, Deutschland
- Ziemlich beste Freunde, Frankreich
- Der Junge mit dem Fahrrad, Belgien
- No, Chile
- War Witch, Kanada 

Die komplette Siegerliste gibt es auf der NBR Homepage.

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