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Mittwoch, 5. September 2012

ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME (2010)

Originaltitel: You Will Meet a Tall Dark Stranger
Regie und Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Sir Anthony Hopkins, Naomi Watts, Josh Brolin, Freida Pinto, Lucy Punch, Antonio Banderas, Anna Friel, Gemma Jones, Ewen Bremner, Roger Ashton-Griffiths, Neil Jackson, Celia Imrie, Christian McKay, Philip Glenister, Theo James
 You Will Meet a Tall Dark Stranger
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: 45% (5,4); weltweites Einspielergebnis: $34,3 Mio.
FSK: 0, Dauer: 98 Minuten.

Helena (Gemma Jones, "Sinn und Sinnlichkeit") wurde von ihrem Mann Alfie (Sir Anthony Hopkins, "Thor") verlassen und sucht nun ihr Heil bei einer Wahrsagerin. Alfie wiederum verliebt sich Hals über Kopf in die nur etwa halb so alte Prostituierte Charmaine (Lucy Punch, "Bad Teacher") und will sie sogar heiraten. Helenas und Alfies Tochter Sally (Naomi Watts, "The Impossible") hat zugunsten der inzwischen bedenklich stockenden literarischen Karriere ihres Ehemannes Roy (Josh Brolin, "True Grit") ihre eigenen Ambitionen als Kunstwissenschaftlerin zurückgestellt und ist zunehmend frustriert über ihre Lage zumal sie sich in ihren charmanten Chef Greg (Antonio Banderas, "Die Haut, in der ich wohne") zu verlieben droht. Roy fürchtet derweil das Ende seiner Karriere als Romanautor und verfällt in seiner Frustration der schönen neuen Nachbarin Dia (Freida Pinto, "Slumdog Millionär", "Krieg der Götter"), die ihrerseits kurz vor der Hochzeit steht ...

Kritik:
Angesichts dieser Inhaltsbeschreibung dürfte klar sein: Es kann sich nur um den neuen Film von Woody Allen handeln. Tatsächlich wirkt "Ich sehe den Mann Deiner Träume", Allens vierter in London gedrehter Film, auf den ersten Blick wie ein Remake oder eine Fortsetzung seiner Komödie "Whatever Works", in der ebenfalls munter die Beziehungen durcheinandergewürfelt wurden, bis teilweise die verrücktesten Ergebnisse dabei herauskamen. Aber einem Woody Allen ist es eben vollkommen gleichgültig, wie unwahrscheinlich die von ihm präsentierten Liebeleien auch wirken mögen – Hauptsache, sie funktionieren!

Nach diesem sympathischen Handlungsmuster richtet sich theoretisch auch "Ich sehe den Mann Deiner Träume". Ungünstig ist allerdings, daß Woody Allen beim Verfassen seines Drehbuches deutlich mißgelaunter gewesen zu sein scheint als bei "Whatever Works", denn mitunter hat man das Gefühl, dieser Film wäre besser betitelt mit "Whatever doesn't work". Während "Whatever Works" die Liebe in all ihren Erscheinungsformen zelebrierte, wirken die handelnden Figuren bei "Ich sehe den Mann Deiner Träume" häufig eher lächerlich und nervig als skurril-romantisch. Große Sympathien können da beim Publikum kaum aufkommen und daß die Dialoge für Allens Verhältnisse arg zahm und oft buchstäblich witzlos daherkommen, macht die Sache nicht besser.

Für eine gute Komödie ist "Ich sehe den Mann Deiner Träume" also eindeutig zu unlustig, auch zu unoriginell und die unfertig wirkende Handlung im letzten Akt schlicht zu langweilig. Für ein ernsthaftes Drama wiederum ist der Film ebenso eindeutig nicht genügend ernsthaft, nicht genügend durchdacht, nicht genügend tiefsinnig. Insgesamt wirkt es so, als wären Woody Allen irgendwann einfach die Ideen zu diesem unausgereiften, ziellos vor sich hin mäandernden Konstrukt aus unerklärlich konturlos wirkenden Figuren ausgegangen ...

Natürlich ist die Besetzung wie immer bei Woody Allen sehr gelungen, vor allem Antonio Banderas holt das Beste aus seiner Rolle heraus, aber auch Naomi Watts, Josh Brolin und Freida Pinto wissen mit Spielfreude zu überzeugen. Serienfans können sich zusätzlich über die Mitwirkung von Anna Friel aus "Pushing Daisies" und Philip Glenister aus "Life on Mars" und "Ashes to Ashes" in kleinen Nebenrollen freuen. Doch ausgerechnet der sonst so großartige Sir Anthony Hopkins wirkt in jener Rolle, die früher wohl Allen selbst verkörpert hätte, ein wenig fehl am Platz. Als tragikomischer Rentner auf Freiersfüßen kann er seine großen Stärken nicht richtig ausspielen, stattdessen fehlt ihm – gerade im Vergleich zu Allen in früheren Filmen, aber auch zu Larry David in "Whatever Works" oder Owen Wilson in "Midnight in Paris" – das perfekte Comedy-Timing. Er liefert beileibe keine schlechte Leistung ab, bleibt aber doch deutlich unter seinen Möglichkeiten. Genau wie der gesamte Film.

Fazit: "Ich sehe den Mann Deiner Träume" ist trotz guter Besetzung ein merkwürdig unentschlossener und unausgereifter Mix aus Komödie und Beziehungsdrama, in dessen enttäuschend mittelmäßigem Drehbuch Woody Allens kauziger Humor leider viel zu selten durchschimmert. Keine Frage, dies ist einer von Allens schwächsten Filmen. Was ihn aber noch nicht zu einem schlechten Film macht.

Wertung: 5 Punkte.


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