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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 28. September 2012

GAME OF WEREWOLVES (2011)

Originaltitel: Lobos de Arga
Regie und Drehbuch: Juan Martínez Moreno, Musik: Sergio Moure
Darsteller: Gorka Otxoa, Carlos Areces, Secun de la Rosa, Manuel Manquiña, Mabel Rivera, Luis Zahera, Marcos Ruiz
 Lobos de Arga
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: -; weltweites Einspielergebnis: $0,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 108 Minuten.
Als der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Tomás (Gorka Otxoa) eine Einladung als Ehrengast zu einer Feier in seinem Heimatdorf irgendwo in der tiefsten spanischen Provinz erhält, fühlt er sich geschmeichelt und nimmt die Chance gerne wahr, erstmals seit langem wieder den Ort zu besuchen, an dem er einst aufwuchs. Von Calisto (Carlos Areces, "Mad Circus"), seinem besten Freund aus Kindheitstagen, wird er herzlich empfangen, wenngleich dieser insgeheim doch ein wenig sauer ist, daß Tomás sich nach seinem Wegzug nie mehr bei ihm gemeldet hat. Der Empfang durch die restliche Dorfgemeinschaft ist weit weniger freundlich, denn schnell findet Tomás heraus, daß er als Blutopfer dienen soll, um einen Werwolf-Fluch zu bannen, den eine Vorfahrin von ihm vor langer Zeit ausgelöst hat ...

Kritik:
Als Gast beim Fantasy Filmfest 2012 verriet der spanische Regisseur Juan Martínez Moreno, was er vom englischsprachigen Titel seines dritten Langfilms hält: gar nichts. Verständlich, ist es doch allzu offensichtlich, daß mit dieser Namenswahl lediglich plump auf der weltweiten Erfolgswelle der HBO-Fantasyserie "Game of Thrones" nach der Romanreihe von George R.R. Martin mitgeritten werden soll. Dabei muß man irgendwelche Parallelen zu Morenos betont altmodisch inszeniertem Werwolf-Streifen schon mit der Lupe suchen – und selbst dann ist es fraglich, ob man damit Erfolg hat. Mit großen Filmpreisen wird "Game of Werewolves" jedenfalls nicht überhäuft werden, doch etliche Auszeichnungen und Nominierungen bei internationalen Festivals belegen, daß Morenos Horrorkomödie sehr wohl ihre eigenen Qualitäten hat.
Es ist schwer, ein Element von "Game of Werewolves" zu benennen, das qualitativ hervorsticht. Daß der Film im Ganzen gut funktioniert, liegt vor allem darin begründet, daß seine einzelnen Teile hervorragend miteinander harmonieren. Die überwiegend handgemachten und teilweise recht heftigen Spezialeffekte (die bei der FSK aber noch mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren durchgingen) versprühen einen wunderbar altmodischen Monsterfilm-Charme, die markanten Darsteller agieren spielfreudig und die Handlung ehrt die Traditionen der großen cineastischen Vorbilder wie "Der Wolfsmensch" oder "American Werewolf", entwickelt zugleich aber ganz eigene Stärken und unternimmt dabei immer wieder unerwartete und witzige Storyschlenker. Diese zeigen, daß "Game of Werewolves" nicht einfach nur eine Auftragsarbeit ist, sondern ein Film, der ganz eindeutig mit viel Herzblut von einem echten Fan des Genres realisiert wurde.
Moreno läßt die klassischen Werwolf-Klischees durchaus in seine Geschichte einfließen, hebelt sie im entscheidenden Moment aber ebenso konsequent wie clever aus und umgeht so eine traditionelle Schwäche des Horrorgenres: die dumme, unlogische und unglaubwürdige Verhaltensweise der Protagonisten. Die Hauptfiguren in "Game of Werewolves" reagieren viel authentischer, vor allem zwei Personen – Tomás' bester Freund Calisto und ein später im Film auftauchender Polizist (Luis Zahera, "Zelle 211") – handeln unerwartet schlau. Zudem stellen sie sich (mit teilweise höchst amüsanten Konsequenzen) genau jene Fragen, die bei vielen Horrorfilmen auch das Publikum bewegen, die Protagonisten aber komischerweise so gut wie nie.
Von dieser kenntnisreichen Gewitztheit des Drehbuchs und den liebenswert-schrulligen Figuren (darunter Mabel Rivera aus Filmen wie "Das Waisenhaus" oder "Goyas Geister" als Tomás' rabiate Großmutter), denen ein ignorant-fanatischer Mob um den bösartigen (selbsternannten) Dorfgeistlichen Evaristo (Manuel Manquiña) gegenübersteht, der direkt aus einem der Universal-Klassiker der 1930er und 1940er Jahre wie "Frankenstein" stammen könnte, profitiert "Game of Werewolves" ungemein. Daß die grundlegende Handlung altbekannt ist, stört angesichts des reichlich versprühten Witzes und der effektiven Dramaturgie kaum. Lediglich einige übertriebene akustische Schockeffekte, die der Film überhaupt nicht nötig hätte, trüben das Gesamtbild ein wenig.

Fazit: "Game of Werewolves" ist eine Horrorkomödie von Genrefans für Genrefans, die mit ihrem Retrostil, einigen richtig guten, teilweise recht derben Gags sowie einem detailverliebten, anspielungsreichen Drehbuch durchgehend gut unterhält. Nicht mehr und nicht weniger.

Wertung: 7,5 Punkte.


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