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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Montag, 27. August 2012

KINOVORSCHAU HERBST 2012 (TEIL 1)

Die Kino-Sommersaison mit den teuren Blockbustern ist weitestgehend gelaufen, auch wenn es in Deutschland noch ein paar Nachzügler wie "Das Bourne Vermächtnis" oder "Madagascar 3" geben wird. Es steht der Herbst bevor, der traditionell u.a. eine kleine Horrorfilm-Schwemme vor Halloween zutagefördern wird, dazu etliche Arthouse-Filme und in Richtung Weihnachten auch schon die nächsten potentiellen Highlights sowie einige OSCAR-Kandidaten. Die aus meiner Sicht vielversprechendsten und/oder namhaftesten Deutschlandstarts bis Jahresende:

30. August:
Auf seiner Europatournee macht Woody Allen nach London, Barcelona und Paris nun in Rom halt – den Kritikern zufolge kommt "To Rome with Love" zwar nicht an den OSCAR-prämierten "Midnight in Paris" heran, bietet aber gewohnt solide Unterhaltung mit einem zusätzlichen Schmankerl für Allen-Fans: Erstmals seit "Scoop" (2006) hat der Meister auch wieder eine Rolle vor der Kamera übernommen. Außerdem dabei: Roberto Benigni, Ellen Page, Jesse Eisenberg, Penélope Cruz, Alec Baldwin, Ornella Muti.

Nach dem Erfolg des ersten Teils des Klassentreffens der Actionfilm-Stars der 1980er Jahre war diese Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Zur Kerntruppe des Vorgängers um Sylvester Stallone, Dolph Lundgren, Jet Li, Mickey Rourke und "Jungspund" Jason Statham sind nun auch noch Chuck Norris und Jean-Claude van Damme gestoßen, zudem wurden die Cameos des ersten Teils von Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis zu größeren Rollen ausgebaut. Bleibt zu hoffen, daß das Resultat überzeugender ausfällt als beim eher mäßigen ersten Versuch. Die bisherigen internationalen Kritiken und Zuschauerreaktionen sprechen durchaus dafür (auch wenn die US-Einspielergebnisse unter den Erwartungen zurückblieben).

6. September:
Der in Deutschland mehrfach verschobene (ich hatte ihn bereits in meiner Sommervorschau empfohlen) und auf Festivals hymnisch gefeierte etwas andere Horrorfilm nach einem Drehbuch von "The Avengers"-, "Buffy"- und "Firefly"-Schöpfer Joss Whedon erzählt die ganz klassisch anmutende Horrorgeschichte von fünf Freunden, die in einer einsam gelegenen Waldhütte mit unheimlichen Geschehnissen konfrontiert werden, auf unerwartete Art und Weise neu ...

"Robin Hood – Ghosts of Sherwood" (3D):
Kurzfristig mit einem Kinostart versehen richtet sich diese x-te Variation der Legende von Robin Hood zweifelsfrei an Fans von Trashfilmen. Die blutige Low Budget-Horrorversion von dem deutschen Regisseur ("Crossclub") und Horror-Labelchef (Astro) Oliver Krekel kann Genrefans zumindest mit drei namhaften Darstellern locken: Kane Hodder (Jason Voorhees in mehreren Filmen der "Freitag der 13."-Reihe) spielt Little John, während Tom Savini ("From Dusk Till Dawn", "Planet Terror") den bösen Sheriff von Nottingham verkörpert und Claude-Oliver Rudolph ("James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug") als Guy of Gisbourne zu sehen ist. Die Titelrolle verkörpert übrigens der unbekannte Martin Thon. Kurioserweise soll der Film sowohl in einer um rund 15 Minuten gekürzten FSK12-Fassung als auch in der ungeschnittenen Originalversion ohne Jugendfreigabe in die Kinos kommen ...

13. September:
Der vierte Film in der auf den Romanen von Robert Ludlum basierenden "Bourne"-Reihe geht ein Wagnis ein und etabliert einen neuen Hauptdarsteller: Statt Matt Damon ist nun Jeremy Renner (Hawkeye in "The Avengers", "Mission: Impossible – Phantom Protokoll") als von der CIA verratener Geheimagent zu sehen. Allerdings als ein anderer namens Aaron Cross, denn "Das Bourne Vermächtnis" spielt mehr oder weniger parallel zur Handlung der Damon-Trilogie. In der weiblichen Hauptrolle ist OSCAR-Gewinnerin Rachel Weisz ("Der ewige Gärtner") zu sehen, dazu kommen Edward Norton, Stacy Keach, Zeljko Ivanek, Oscar Isaac und die bereits in den vorherigen "Bourne"-Filmen agierenden Joan Allen, David Strathairn, Albert Finney und Scott Glenn. An die drei Damon-Filme soll "Das Bourne Vermächtnis" qualitativ aufgrund einiger Schwächen im Drehbuch von Tony Gilroy ("Michael Clayton", "Duplicity") leider nicht herankommen, aber solide Action-Thriller-Kost wird dennoch geboten.

20. September:
Nachdem sich der vierte Teil der Horror-Action-Reihe mit dem Untertitel "Afterlife" wohl vor allem aufgrund des grandiosen 3D-Einsatzes zum globalen Hit gemausert hat, will Regisseur und Autor Paul W.S. Anderson ("Die drei Musketiere") mit "Extinction" und einem dem Vernehmen nach noch einmal deutlich aufgestockten Budget noch eins draufsetzen. "Mehr Action" heißt die klare Devise, zudem tauchen fast alle in den vier vorangegangenen Filmen verstorbenen Weggefährten von Protagonistin Alice (Milla Jovovich) wieder auf – Klontechnologie sei dank. Ein raffiniertes Skript braucht man von Anderson nicht zu erwarten, aber ein Actionfeuerwerk mit dem vielleicht besten 3D-Einsatz seit "Avatar" wäre ja auch nicht so schlecht.

"Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt":
In dieser Tragikomödie steht das Ende der Welt kurz bevor, da ein Asteroid auf der Erde einschlagen wird. Als Dodge (Steve Carell, "Date Night"), ein Mann mittleren Alters, kurzerhand von seiner Ehefrau verlassen wird, entscheidet er sich, die verbleibenden drei Wochen Zeit zur Suche nach seiner großen Jugendliebe zu nutzen. Begleitet wird er dabei von seiner jungen, attraktiven Nachbarin Penny (Keira Knightley, "Fluch der Karibik") und angesichts des Chaos um sie herum ist es kein Wunder, daß auch ihre Gefühle Purzelbäume schlagen ...
Die Kritiker waren von dem Regiedebüt von Lorene Scafaria (schrieb das Drehbuch für "Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht") nicht allzu begeistert und bemängelten vor allem ein Ungleichgewicht zwischen dramatischen, romantischen und komödiantischen Elementen. Die Kinozuschauer waren deutlich mehr angetan, wie auch der aktuelle IMDB-Durchschnittswert von 7,0 belegt.

"Liebe":
Quasi das intellektuelle Gegenprogramm zu "Resident Evil: Retribution" liefert Arthouse-Regisseur Michael Haneke mit seinem in Cannes gefeierten Liebesdrama über ein Ehepaar jenseits der 80, dessen harmonisches Leben durch einen Schlaganfall auf eine schwere Probe gestellt wird. Haneke gelang es mit seinem Drehbuch sogar, den eigentlich seit Jahren im Ruhestand befindlichen französischen Star Jean-Louis Trintignant ("Leichen pflastern seinen Weg", "Drei Farben – Rot", "Z") zu einem umjubelten Comeback zu bewegen, die weibliche Hauptrolle spielt mit Emmanuelle Riva ("Hiroshima, mon amour") ein weiterer französischer Altstar. Als Tochter des Ehepaars agiert zudem Isabelle Huppert ("Die Klavierspielerin").

27. September:
"Schutzengel":
Nach seinen zahlreichen Komödien-Erfolgen versucht sich Til Schweiger nun an einem Thriller, in dem er selbst als Leibwächter einer minderjährigen Mordzeugin (gespielt von seiner Tochter Luna Schweiger) agiert. Weitere Rollen haben u.a. Moritz Bleibtreu, Heiner Lauterbach, Hannah Herzsprung und Herbert Knaup übernommen. Mal sehen, ob Schweiger auch mit einem Genrewechsel ein Publikumsmagnet bleibt. In der Vergangenheit gingen solche Versuche meist schief ("One Way", "Phantomschmerz"), allerdings fungierte er da "nur" als Hauptdarsteller, während er bei "Schutzengel" auch Regisseur und Co-Autor ist.

"Wie beim ersten Mal":
In der Beziehungskomödie von Regisseur David Frankel ("Der Teufel trägt Prada") bewirbt sich Hauptdarstellerin Meryl Streep um ihre sage und schreibe 18. OSCAR-Nominierung. Sie spielt Kay, die der Meinung ist, daß ihre eingefahrene Ehe mit Arnold (Tommy Lee Jones, "No Country for Old Men") eine Auffrischung brauchen könnte. Deshalb überredet sie ihren Mann zu einer einwöchtigen Paartherapie bei Dr. Feld (Steve Carell) in einem idyllischen Küstenort, doch die Sitzungen laufen nicht ganz so, wie sich Kay das vorgestellt hatte ...
"Wie beim ersten Mal" richtet sich eindeutig an ein älteres Publikum und kann nach Ansicht der Kritiker vor allem mit seinen herausragenden Hauptdarstellern punkten.

4. Oktober:
"Madagascar 3 – Flucht durch Europa" (3D):
Die ersten beiden "Madagascar"-Animationsfilme genießen unter Kinofreunden keinen allzu guten Ruf, waren aber in kommerzieller Hinsicht veritable Hits. Dem dritten Film, der in weiten Teilen der Welt schon lange gestartet ist, scheint das Kunststück zu gelingen, der mit Abstand beste Film der Reihe zu sein – was bei Fortsetzungen ja bekanntlich eher selten vorkommt. Dafür spricht schon der witzige Trailer, aber auch Kritiker und internationales Publikum sind sehr angetan von den chaotischen Versuchen von Löwe Alex, Zebra Marty, Nilpferd Gloria und Giraffe Melman, in ihren Heimatzoo in New York zurückzukehren.

"Abraham Lincoln – Vampirjäger" (3D):
Regisseur Timur Bekmambetovs ("Wanted", "Night Watch") Horror-Actionfilm um das geheime Doppelleben des wohl berühmtesten US-Präsidenten (verkörpert von Dominic Cooper, "Captain America") sollte bereits im Juli starten. Angesichts mäßiger Kritiken und Einspielergebnisse in den USA hofft der deutsche Verleiher im Vorfeld von Halloween und ohne große Blockbuster-Konkurrenz wohl auf ein besseres Ergebnis.

"Die Qual der Wahl":
In den USA ist 2012 ein Wahljahr, also gibt es natürlich auch einen Film zum Thema. Wobei sich "Die Qual der Wahl" trotz zweier ziemlich durchgeknallter Kandidaten um einen Platz im US-Kongreß (Will Ferrell spielt den demokratischen Amtsinhaber, Zach Galifianakis aus den "Hangover"-Filmen seinen republikanischen Herausforderer) wird anstrengen müssen, um das Niveau des realen US-Präsidentschaftswahlkampfes zu unterbieten. Davon abgesehen kam die Komödie in den USA gut an und konnte auch bei den Kritikern punkten.

Der neue Film von Rian Johnson vereint den "Brick"-Regisseur wieder mit seinem damaligen Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt ("The Dark Knight Rises", "(500) Days of Summer"). In dem Science-Fiction-Thriller spielt Gordon-Levitt den Auftragskiller Joe, der im Jahr 2047 jene Menschen tötet, die ihm die Mafia aus der Zukunft schickt. Bis er eines Tages erkennt, daß sein neuestes potentielles Opfer sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) ist ...
Bei Zeitreise-Filmen kann erfahrungsgemäß jede Menge schiefgehen, aber mein Vertrauen in das Können von Regisseur und Autor Rian Johnson ist groß – und Bruce Willis hat ja dank "12 Monkeys" bereits Erfahrung darin, in einem guten Zeitreisefilm mitzuspielen.

"Unterwegs – On the Road":
Walter Salles' ("Die Reise des jungen Che") Verfilmung des gleichnamigen Kultbuches von Jack Kerouac polarisiert Kritiker und Kinogänger gleichermaßen. Die Besetzung mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Steve Buscemi, Amy Adams und "Twilight"-Star Kristen Stewart (deren Nacktszenen dem Film bereits große mediale Aufmerksamkeit eingebracht haben ...) ist jedenfalls vielversprechend und Anhänger des Buches werden sich die Adaption wohl so oder so nicht entgehen lassen.

11. Oktober:
Mit diesem anarchischen Thriller über zwei junge Marijuana-Produzenten (Aaron Johnson aus "Kick-Ass" und Taylor Kitsch aus "John Carter – Zwischen zwei Welten"), die sich mit einem konkurrierenden mexikanischen Drogenkartell anlegen, das prompt ihre Freundin (Blake Lively aus der TV-Serie "Gossip Girl") entführt, knüpft Regisseur Oliver Stone ("Platoon", "Wall Street") zumindest wieder etwas an seine früheren Qualitäten an. Kritiker stören sich zwar an einigen Drehbuch-Schwächen (kein Wunder, einer der drei Autoren ist Shane Salerno, der auch das Skript zu "Aliens vs. Predator 2" verbrochen hat ...), loben jedoch Stones stilsichere Inszenierung und die bis in die Nebenrollen prominent besetzte Darstellerriege, zu der Salma Hayek, John Travolta und Benicio del Toro zählen.

"96 Hours – Taken 2":
Der von Luc Besson geschriebene und produzierte Action-Thriller "96 Hours" mit Liam Neeson als rachedurstigem Ex-CIA-Agent Bryan auf der Jagd nach den Entführern seiner Tochter war 2008 ein Überraschungshit. In der Fortsetzung wird der Spieß umgedreht und Tochter Kim (Maggie Grace aus der TV-Serie "Lost") muß ihre von einem albanischen Gangster, dessen Sohn Bryan im ersten Teil getötet hat, entführten Eltern retten. Die Regie ging von Pierre Morel auf Olivier Megaton ("Colombiana", "Transporter 3") über, Besson ist wiederum am Drehbuch beteiligt und produziert.

18. Oktober:
"Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät" (3D):
Nach dem qualitativ eher mißlungenen "Asterix bei den Olympischen Spielen" versucht die Reihe nun wieder zurück auf die Erfolgsspur zu finden. Auf Kontinuität wird dabei erneut nicht wirklich gesetzt, denn mit Edouard Baer ("Moliére", "Huhn mit Pflaumen") gibt es bereits den dritten Asterix-Darsteller im vierten Film und mit Fabrice Luchini ("Das Schmuckstück") gar den vierten Julius Cäsar. Immerhin ist Gérard Depardieu ("Der Hornochse und sein Zugpferd") erneut in seiner Paraderolle als Obelix dabei und als britannische Königin konnte keine geringere als Catherine Deneuve ("Belle de jour", "8 Frauen") gewonnen werden. Regie führt dieses Mal Laurent Tirard ("Der kleine Nick").

"Premium Rush":
Nochmal Joseph Gordon-Levitt: In dem von den Kritikern gelobten, an den US-Kassen aber grandios gescheiterten Action-Thriller "Premium Rush" von David Koepp ("Wen die Geister lieben") spielt er einen Fahrradboten, der aufgrund seiner "Fracht" ins Visier eines korrupten Cops (Michael Shannon, "Zeiten des Aufruhrs") gerät.

"Paranormal Activity 4":
Kurz vor Halloween darf ein neuer Teil der erfolgreichen Wackelkamera-Poltergeist-Reihe natürlich nicht fehlen. Genauere Details sind noch nicht bekannt.

25. Oktober:
Kultregisseur Detlev Buck ("Karniggels", "Männerpension", "Knallhart") hat sich für seinen neuen Film einiges vorgenommen: "Die Vermessung der Welt" ist die für deutsche Verhältnisse sehr aufwendige Verfilmung des gleichnamigen humorvollen Bestsellers von Daniel Kehlmann über den fiktiven Wettstreit zwischen den beiden brillanten Wissenschaftlern Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss. In den Hauptrollen sind u.a. Florian David Fitz, David Kross, Katharina Thalbach und Karl Markovics zu sehen. Kehlmann selbst adaptierte seinen Roman als Drehbuch.
Für seine Darstellung in der in der nahen Zukunft spielenden Independent-Tragikomödie von Kinodebütant Jake Schreier gilt Frank Langella ("Frost/Nixon", "Good Night, and Good Luck.") bereits als OSCAR-Kandidat. Er spielt einen ehemaligen Juwelendieb, der von seinem Sohn einen Roboter geschenkt bekommt und diesen prompt als Komplizen bei einem weiteren Raub mißbraucht. Außer von Langellas Leistung haben sich die Kritiker auch von dem humorvoll-skurrilen und intelligenten Drehbuch sehr angetan gezeigt.

Teil 2 der Herbstvorschau
Den kompletten Startplan gibt's bei InsideKino:

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