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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 18. Mai 2012

DIE DREI MUSKETIERE (3D, 2011)

Originaltitel: The Three Musketeers
Regie: Paul W.S. Anderson, Drehbuch: Alex Litvak und Andrew Davies, Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Logan Lerman, Matthew Macfadyen, Luke Evans, Ray Stevenson, Christoph Waltz, Milla Jovovich, Mads Mikkelsen, Orlando Bloom, Freddie Fox, Juno Temple, Gabriella Wilde, Til Schweiger, Christian Oliver, James Corden
 The Three Musketeers
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 24% (4,1); weltweites Einspielergebnis: $132,3 Mio.
FSK: 12, Dauer: 111 Minuten.
Der junge D'Artagnan (Logan Lerman, "Vielleicht lieber morgen"), Sohn eines ehemaligen Musketiers des französischen Königs, will seinem Vater nacheifern und reist deshalb nach Paris. Dort muß er jedoch feststellen, daß die Musketiere aufgrund des Einflusses des intriganten Kardinals Richelieu (Christoph Waltz, "Inglourious Basterds") nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Gemeinsam mit drei gealterten, im Herzen jedoch ehrenhaft gebliebenen Musketieren gerät D'Artagnan in eine dunkle Verschwörung und nur er und seine neuen Freunde können dem gutmeinenden, aber unreifen König Louis (Freddie Fox, TV-Miniserie "Parade's End") seinen Thron erhalten ...

Kritik:
Die optisch spektakuläre, an deutschen Schauplätzen mit internationaler Besetzung gedrehte Neuverfilmung der universell beliebten Geschichte von Alexandre Dumas war eines der letzten vom deutschen Star-Produzenten Bernd Eichinger angestoßenen Großprojekte. Das fertige Resultat ist dem Anfang 2011 verstorbenen Eichinger gewidmet, qualitativ aber leider höchst mittelmäßig ausgefallen.

Dabei konnte man sich eigentlich berechtigte Hoffnungen auf einen wenig anspruchsvollen, aber sehr unterhaltsamen Abenteuerfilm nach bewährter Story machen. Denn während bei den bisherigen Filmen des in Fankreisen umstrittenen Regisseurs Paul W.S. Anderson ("Resident Evil", "Death Race", "Event Horizon") vor allem die in der Regel von ihm selbst verfaßten und ziemlich schwachen Drehbücher das Hauptproblem waren, konnte sein zwar trashiger, aber unterhaltsamer und actionreicher Inszenierungsstil durchaus gefallen. Für "Die drei Musketiere" dagegen verpflichtete Anderson ein auf den ersten Blick vielversprechendes Autoren-Duo für die Schreibarbeit. Immerhin hat Andrew Davies in der Vergangenheit bereits einige hochgelobte britische TV-Literaturadaptionen verantwortet (u.a. die Mini-Serien "Sinn und Sinnlichkeit" und "Little Dorrit"), während Alex Litvak mit seinem Skript zu "Predators" große Kompatibilität zu Anderson andeutete. Bedauerlicherweise weist der Film am Ende aber doch wieder genau die gleichen inhaltlichen Schwächen auf wie die von Anderson selbst geschriebenen Werke. Ob das nun bedeutet, daß sich die neuen Autoren zu sehr am bisherigen Stil des Regisseurs orientiert haben oder ob sie in Wahrheit schuldlos sind, da Anderson möglicherweise die Feinheiten ihrer Arbeit nicht auf die Leinwand transportieren konnte, läßt sich von außen naturgemäß schlecht beurteilen. Die größte Schwäche von "Die drei Musketiere" ist jedenfalls eindeutig die mangelnde, ja fast nonexistente Figurenzeichnung, die jegliche emotionale Bindung zwischen Publikum und Protagonisten verhindert.

Das ist schon deshalb sehr schade, weil die Darsteller ihre Sache fast durchgehend gut machen und mit sichtlicher Spielfreude ans Werk gehen (nur Til Schweiger wirkt in einer zum Glück kleinen Nebenrolle zu Beginn eher albern). Christoph Waltz spielt den machthungrigen Kardinal Richelieu mit bewährter boshafter Süffisanz, Milla Jovovich verkörpert die sexy und verschlagene Milady de Winter sehr überzeugend, Orlando Bloom als Buckingham und Mads Mikkelsen als Rochefort sind mit ihren Rollen zwar sichtlich unterfordert, geben sich aber dennoch alle Mühe, sie einigermaßen interessant zu gestalten. Und auch die drei Musketiere selbst in Person von Ray Stevenson (TV-Serie "Rom", "Thor"), Matthew MacFadyen ("Anna Karenina") und Luke Evans ("Krieg der Götter") verkörpern ihre Rollen ebenso wie der junge Logan Lerman als D'Artagnan mit Charisma und Schlagkraft. Wie viel mehr könnte man doch aus diesen Schauspielern in diesen universal beliebten und bereits über Jahrhunderte hinweg bewährten Rollen herausholen! Es grenzt an ein Wunder, wie es Anderson gelingt, sie dem Zuschauer trotz einer Filmlänge von rund 110 Minuten so überhaupt nicht näherzubringen – sattdessen wird das sowieso schon sehr stattliche Figurenensemble auch noch um einen völlig überflüssigen "Comedic sidekick" der Musketiere ergänzt ...

Diese emotionale Distanz und äußerst blasse Figurenzeichnung ist also das Hauptmanko des neuen "Die drei Musketiere" und es ist ein gewichtiges. Daß die Handlungsentwicklung mitunter arg episodenhaft und wenig homogen wirkt und auch das Tempo zu oft und zu abrupt wechselt, kommt erschwerend hinzu. Allerdings kann Anderson dafür in anderen Bereichen manches wiedergutmachen. Die Optik ist sehr gelungen, sowohl was die Schauplätze betrifft (u.a. wurde in Bamberg und Schloß Herrenchiemsee gedreht) als auch die pompösen Kostüme sowie Spezialeffekte und Kameraarbeit. Auch die Dreidimensionalität wird recht gekonnt eingesetzt – zwar wirkt sie hier bei weitem nicht so spektakulär wie in Andersons "Resident Evil: Afterlife", dennoch zählt "Die drei Musketiere" zu den überzeugenderen 3D-Filmen. Die Musik des Österreichers Paul Haslinger gefällt ebenfalls, wenngleich sie manchmal etwas zu dick aufgetragen wirkt.

Fazit: "Die drei Musketiere" versucht, das Beste aus Blockbustern wie "Fluch der Karibik" und "Sherlock Holmes" zu kombinieren und zudem die Vorlage von Alexandre Dumas ein wenig mit Jules Verne-Elementen aufzufrischen (wobei man sich im Grunde aber doch überraschend eng an Dumas' Geschichte hält), um ein erfolgreiches neues Franchise zu schaffen. Aus diesen Bemühungen resultiert jedoch nur ein maßvoll unterhaltsames, gut besetztes, aber inhaltlich nie über B-Movie-Niveau hinauskommendes Actionfeuerwerk mit sträflich unterentwickelten Charakteren. Cineastisches Fastfood, sozusagen: Gesehen, halbwegs gefallen, vergessen. Und die von den Machern erhoffte und am Ende des Films bereits angedeutete Fortsetzung wird angesichts mittelmäßiger Einspielergebnisse wohl niemals zustandekommen.

Wertung: 5 Punkte.

Nachtrag vom 25. Februar 2016: Da ich alleine nach der gestrigen Pro7-Ausstrahlung des Films über 750 Seitenaufrufe feiern kann, die allesamt auf der Suche nach Informationen über eine mögliche Fortsetzung sind, möchte ich es noch einmal explizit aus der Sicht des Jahres 2015 festhalten: Die ursprünglich von Regisseur Anderson und dem 2011 verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger geplante Fortsetzung von "Die drei Musketiere" wird es höchstwahrscheinlich nicht geben. Das Budget des Films lag bei ungefähr $75 Mio., als Faustrechnung für einen kommerziellen Erfolg gilt, daß das entsprechende Werk im Kino mindestens das doppelte der Kosten einspielen muß (denn ein Teil der Einspielergebnisse bleibt ja "auf der Strecke" liegen, z.B. bei den Kinobetreibern, außerdem kommen zum Budget auch noch Marketingkosten u.ä. hinzu). Das bedeutet, daß die $132,3 Mio., die "Die drei Musketiere" weltweit eingespielt hat, einfach nicht reichen. Zwar genügen sie zumindest, um das Projekt nicht als Verlustgeschäft verbuchen zu müssen (denn durch die Heimkino-Auswertung und die TV-Ausstrahlungen gibt es ja langfristig zusätzliche Einnahmen), aber für eine Fortsetzung ist es im Zusammenspiel mit der insgesamt mittelmäßigen Rezeption durch das Publikum zu wenig. Letztlich gilt also das Gleiche wie für das Orient-Abenteuer "Prince of Persia", zu dem ich ebenfalls nach jeder TV-Ausstrahlung viele Besucher in der Hoffnung auf Informationen zu einer Fortsetzung erhalte. Wobei ich bei "Die drei Musketiere" zumindest noch eine minimale Chance sehe, da sich Paul W.S. Anderson nach dem 2017 bevorstehenden Abschluß seiner weit lukrativeren "Resident Evil"-Reihe nach anderen Stoffen umsehen muß. Und da die Darsteller der Musketiere (anders als der "Prince of Persia" Jake Gyllenhaal) seit dem Film keinen extremen Popularitätssprung verzeichnen konnten, wäre es absolut vorstellbar, daß sie für ein Sequel zusagen würden. Aber das ist reine Spekulation meinerseits, ich will da keinem falsche Hoffnungen machen ...


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