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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 8. Mai 2012

BIG FISH (2003)

Regie: Tim Burton, Drehbuch: John August, Musik: Danny Elfman
Darsteller: Ewan McGregor, Alison Lohman, Albert Finney, Jessica Lange, Billy Crudup, Helena Bonham Carter, Marion Cotillard, Missi Pyle, Matthew McGrory, Loudon Wainwright III, Robert Guillaume, Danny DeVito, Steve Buscemi, Deep Roy, Miley Cyrus
 Big Fish
(2003) on IMDb Rotten Tomatoes: 77% (7,2); weltweites Einspielergebnis: $122,9 Mio.
FSK: 6, Dauer: 125 Minuten.
Edward Bloom (Albert Finney, "Skyfall") hat sein Leben lang immer phantastische Geschichten erzählt, wofür ihn jeder liebt. Nur sein bodenständiger Sohn Will (Billy Crudup, "Mission: Impossible III") hat seit drei Jahren nicht mehr mit ihm gesprochen, weil er das Gefühl hat, daß ihm sein Vater niemals die Wahrheit sagt. Als Edward im Sterben liegt, will sein Sohn seinen Frieden mit ihm machen und endlich doch noch die wahre Geschichte seines Vaters erfahren. Oder liegt etwa doch mehr Wahrheit in Edwards farbenfrohen Märchen, als Will zu glauben bereit ist?

Kritik:
Tim Burton war nie ein ausgesprochener Kritikerliebling. Obwohl seine Filme über die Jahre hinweg etliche OSCARs gewannen (meist in den technischen Kategorien), wurde er selbst als Regisseur noch nicht einmal nominiert und viele seiner phantasievollen Werke sind einigen professionellen Kritikern wohl einfach zu bunt und nicht ernsthaft genug. Am deutlichsten ist die Diskrepanz zwischen (insgesamt zwar positiven, aber keineswegs herausragenden) Kritiken und der Wahrnehmung des "normalen" Publikums wohl bei "Big Fish" ausgeprägt.

Tim Burton erzählt diese auf einem Roman von Daniel Wallace basierende Geschichte, die so typisch für sein gesamtes Schaffenswerk ist, mit unnachahmlichem visuellen und inhaltlichen Einfallsreichtum. Die Abenteuer des jungen Edward (mit kindlicher Begeisterungsfähigkeit gespielt von Ewan McGregor), der auf seinen Reisen auf Riesen, Hexen und feenhafte Orte trifft und nebenbei noch das Herz seiner Traumfrau (in jung: Alison Lohman, "Drag Me to Hell"; später: Jessica Lange, "Rob Roy") erobert, sind voller Magie und Warmherzigkeit. Burton schmückt die Handlung mit reichlich schrägem Humor und wunderschönen, märchenhaften Bildkompositionen á la "Sleepy Hollow", vortrefflich untermalt mit der zauberhaften Musik seines Stammkomponisten Danny Elfman sowie zeitgenössischen Songs von Elvis Presley, Buddy Holly und anderen. Zudem wimmelt es nur so vor höchst liebenswerten und skurrilen Charakteren wie dem Zirkusdirektor Amos (Danny DeVito, "L.A. Confidential"), dem sanften Riesen Karl (gespielt vom 2,29 m großen, 2005 leider im Alter von nur 32 Jahren verstorbenen Matthew McGrory), dem Dichter Norther Winslow (Steve Buscemi, "Miller's Crossing") oder einer geheimnisvollen Hexe (Helena Bonham Carter, "Les Misérables").

Die Handlungsentwicklung bleibt aufgrund Edwards großen Talents als Geschichtenerzähler stets unvorhersehbar, nur auf eines kann man sich verlassen: daß jede neue Episode aus Edwards Leben durch Tim Burtons wunderbare Inszenierung, John Augusts großartiges Skript und die akribische Arbeit von Maske, Kostüm- und Szenenbildabteilung reinste Kinomagie ist. Und das bewegende Ende dürfte selbst hartgesottene Zuschauer fast zu Tränen rühren.

Angesichts all dieser Vorzüge ist "Big Fish" für viele Burton-Fans neben "Ed Wood" sein bester Film – so auch für mich. Die Kritiker mögen sich darüber beschweren, daß der (vordergründig) zentrale Vater-Sohn-Konflikt zu kurz komme und überhaupt der ganze Film zu harmonisch sei. Das mag streng genommen sogar stimmen, nur: Es ist schnurzpiepegal. "Big Fish" ist kein realistischer Film, der sich nach herkömmlichen Dramaturgieerwartungen richtet und will es gar nicht sein. "Big Fish" ist das Paradebeispiel eines Feelgood-Movies, ein echtes Märchen (nicht nur) für Erwachsene, die bereit sind, loszulassen und sich ganz vom unvergleichlichen Zauber der Geschichte einfangen zu lassen. Was dank Burtons Kunstfertigkeit leicht fällt.

Fazit: Es wird oft über "Kinomagie" geschrieben, doch "Big Fish" IST Kinomagie, eine in jeder Hinsicht herausragende, hochgradig charmante und einfallsreich inszenierte Tragikomödie über einen begnadeten Geschichtenerzähler und nicht ganz so begnadeten Vater, der sich auf dem Sterbebett mit seinem Sprößling aussöhnt.

Wertung: 10 Punkte.

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